Tag 2611 – Frau Rabe redet laut am Telefon.

Herr Rabe sagt das und jetzt sagt es auch noch der Lieblingskollege. Ich merke das nur leider gar nicht.

Ansonsten war Arbeit so lala, ehrlich gesagt graut mir vor nächster Woche schon sehr gründlich. Auf der Rückfahrt rief auch noch meine Teamchefin an und überbrachte Hiobsbotschaften zum IT-Projekt. Und das wo ich grade Hoffnung geschöpft hatte, dass es tatsächlich was wird bis Montag. Darüber hinaus wurde eine Reise nach Indien gebucht und wir sind damit spät dran und deshalb werden wir jetzt auf beiden Wegen total gerädert ankommen. Und wir schaffen es noch nicht mal, alle drei im gleichen Flieger zurück zu fliegen, weil die Kollegin und ich einen Tag länger bleiben als der Lieblingskollege, der zufällig zeitgleich eine andere Site im selben Land inspiziert. Zitat Lieblingskollege: meh. Die Teamchefin fragte auch, ob ich wirklich echt Herbstferien haben will, weil wir da ja ne neue Kollegin bekommen und „alle“ anderen in Dublin auf einem Seminar sind (nicht alle, aber mehrere). Aber ich habe frei, weil ich nicht auf dieses Seminar fahre. Ich wäre gern auf dieses Seminar gefahren! Aber es sind so viele Hardcore-Inspektionen bis Weihnachten, dass ich ein bisschen Realismus walten lassen muss, was meinen Akku angeht. Arbeiten statt Beine hochlegen ist deshalb in dieser Woche keine Option, auch nicht, wenn das heißt, dass ich die neue Kollegin erst so richtig nach der Indien-Reise kennenlerne. Manchmal haben die da bei meiner Arbeit lustige Ideen, alle miteinander.

Michel hatte nach der Schule einen Platten am Rad, wogegen ich von Oslo aus herzlich wenig tun konnte. Aber Herr Rabe konnte ihn, von Oslo aus, überreden, sein Rad zum Fahrradladen zu bringen, mit dem er vorher besprochen hatte, dass er das morgen oder Freitag bezahlt. Aber ich glaube wirklich, Michel dachte, ich schwänge mich mal eben in den Zug, um dann meine heilenden Hände auf den Reifen zu legen und ihn zu reparieren. Ich hab das letzte mal so vor 25 Jahren einen Reifen geflickt, ich weiß noch nicht mal, ob, und wenn, wo, wir Flickzeug haben. Aber Herr Rabe hat es ja nun fern-gefixt.

Auch heute war wieder ein lustiges Vereinbarkeitsgehampel, was durch einen vergessenen Schlüssel und einen Schlüssel, der statt in der Schlüsselbox auf dem Terrarium im abgeschlossenen Haus lag, auf die Spitze getrieben wurde. Auch da wieder die Erwartung, dass ich sofort komme, wen juckt es, dass die kleine Schwester zum Tanzen muss. Es löste sich übrigens auch das Thema recht einfach, Michel fuhr mit seinem Kumpel zum Schlagzeugunterricht und hing danach noch etwas bei ihm ab bis Pippi und ich wieder da waren. Aber ich bin jetzt mal bereit für einen entspannten Tag im Homeoffice, an dem ich zumindest theoretisch irgendwelche Fahrräder irgendwo abholen könnte und sich die Frage nach dem Haustürschlüssel gar nicht stellt. Wie haben wir das 2019 eigentlich noch alles gemacht? (Der Notfallschlüssel ist aber auch wieder in der Schlüsselbox.)

Tag 2609 – Nichts zu erzählen.

Pippi geht es schon viel besser und morgen dürfte sie wieder zur Schule gehen, wenn nichts außergewöhnliches über Nacht passiert.

Michel möchte ein größeres Blasinstrument ausprobieren. Euphonium oder Tuba schwebt ihm vor. Von mir aus kann er das gerne probieren, wir müssen nur rauskriegen, wo man das kann.

Ich war bei der Arbeit in diesem Büro und so nett das da ja ist, mit den Kolleg*Innen und so, aber zum Arbeiten kommt eine da ja eher nicht. Kaum hat man sich hingesetzt, ist schon wieder irgendein Meeting.

Highlight des Tages: der Zug fährt wieder! Hurra! Kein Busgegurke bis zum Flughafen mehr! Das ist ja doch wesentlich schneller und komfortabler, wenn man einfach durchfahren kann.

Tag 2528 – Sauber.

  1. Fertig getestet (für‘s erste)
  2. Letzter Schultag vor 9 (neun) Wochen Ferien
  3. Für Pippi Sandalen und für Michel Regenzeug gekauft und kein Kind dabei ausgesetzt, obwohl ich wollte
  4. 90 bpm nahezu durchgehend in überwiegend akzeptabler Qualität (120 ist das Ziel, das ist ambitioniert, 90 war schon ein Kampf. Aber erst war 80 auch schon schwer und gegen 90 fühlt sich 80 jetzt nahezu einfach an). Ich rede von einem der Kinderkonzerte, die ich übe. Aber ich will es halt auch nicht spielen, wie ein 10-Jähriges (nicht Wunder-)Kind. Sondern sauber und klar und nicht hingewurschtelt.
  5. An einem Nähprojekt alle Schnittkanten versäubert. Ätzende, langweilige Arbeit, leider nötig.
  6. Am Jumpsuit einen längeren Reißverschluss eingebaut. Nicht angehabt bisher, aber ich nehme an (hoffe), dass ich jetzt besser rein und raus komme, da hatte ich nämlich unterschätzt, wie viel dicker mein Hintern als meine Taille ist.

Jetzt Bett, wird Zeit.

Tag 2500 – Unentschlossen.

Hier war heute großes Kinderdrama, es ist eine kaputte Brille involviert und ein aggressiver Vater (nicht Herr Rabe, der ist nur gewalttätig gegenüber virtuellen Figuren, die in der PlayStation wohnen) und ein Kind, das einem nur leid tun kann. Die ganze Geschichte war mittendrin einfach nur wtf, im Nachhinein ist sie traurig. Immerhin rückt es das Weltbild, wie man selbst im Vergleich zu anderen Eltern wohl so abschneidet, wieder ein wenig zurecht. Und das ganz ohne Twitter…

Ansonsten habe ich heute eine leicht seltsame Einladung bekommen, und jetzt kann ich mir bis Dienstag überlegen, ob ich mich und die Kinder nächste Woche Sonntag aufbrezeln möchte, um dann in Oslo zu schwören, dass ich mich an die Gesetze halten werde.

Programm für die Einbürgerungszeremonie.

Nachdem ich neulich schon meinen deutschen Pass an die Botschaft geschickt habe*, samt Brief in astreinstem Bürokratendeutsch, einfach weil ich’s kann und mag, wäre das dann wohl der letzte Schritt der Einbürgerung.

Seit langem mal wieder Stoff zugeschnitten und ich glaube, ich hab dann doch beim Muster einen Denkfehler gemacht. Merke, erst schneiden, dann Freitagabendbier. Aber ich habe mir neulich auch so schöne neue Stoffe gekauft, ich möchte da wieder mehr reinkommen.

Punkte!

Meine Freundin M. (formerly known as Nähmutter) hat nämlich Stoffe designt, und der schönste war nach zwei Tagen schon ausverkauft, weshalb ich schnell den zweit- und drittschönsten gekauft habe.

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*Wenn man durch den Erwerb einer anderen Staatsbürgerschaft, ohne dass zuvor eine Beibehaltungsgenehmigung erteilt wurde, die deutsche Staatsbürgerschaft verliert, muss man das der passausstellenden Behörde anzeigen. Diese kann die ausgestellten Passdokumente einziehen. In meinem Fall bedeutete das, dass ich die Botschaft angerufen habe, die mich bat, den Pass, den Personalausweis und einen formlosen Brief in dem ich anzeige, nun nicht mehr deutsch zu sein, einfach an sie zu schicken. Das Tat ich, nur der Brief wurde eben eher förmlich.

Tag 2490 und 2491 – Weggeworfene Zeit.

Gestern bin ich abends auf dem Sofa vom Schlaf übermannt worden. Tjanun.

Es gab aber auch nichts spannendes zu erzählen, außer, das ist natürlich sehr spannend: es hat geregnet. Den ganzen Tag! Das ist eine Meldung wert, das war nämlich, leider wirklich nicht übertrieben, das erste mal seit März, dass es geregnet hat. Vor lauter Schreck ist gleich der Rosmarin (Versuch Nummer 275) im Garten eingegangen und der Rest der Natur ist förmlich explodiert. Zack, Frühling, alles grün. Nur doof, dass der Korps gestern seine finale Marschübung hatte, ich bekam 3 (Herr Rabe marschiert als Begleitelter mit) sehr nasse Raben zurück, die erst mal in der Badewanne auftauen mussten.

In einem Land, in dem der komplette Strom aus Wasserkraft kommt, weiß man Regen gleich ganz anders zu schätzen.

Heute war auch nicht so ganz viel, um ehrlich zu sein. Ich arbeite so vor mich hin, ziemlich unproduktiv aber es saufen halt auch alle die billigen Desinfektionsmittel da, was soll man machen. Die Arbeitszeit fühlt sich ziemlich verschwendet an, oder wie man auf norwegisch sagt: weggeworfen.

Abends habe ich versucht, Pippi die Bräune aus dem Gesicht zu waschen, weil ich dachte, es sei Dreck. Sie hat einen sehr deutlichen Abdruck von ihrer Brille, das passiert mir ja tatsächlich einfach nie, deshalb dachte ich halt, das Braune muss Staub oder Dreck sein. Hoppla. Aber Pippi sieht natürlich auch mit einem weißen Balken auf der Nase ganz bezaubernd aus. Michel hat wieder Sommersprossen auf der Nase und den Wangen bekommen und sieht damit auch ganz hinreißend aus, wie immer. Ich muss neue Sonnencreme kaufen, die Restbestände habe ich alle aus Gründen wie „voller Sand“ entsorgt. Und meine ist leer, aber die kriege ich auch nicht im Supermarkt, die muss ich bestellen oder es wagen, in eine Parfümerie zu gehen. Da ich aber schon die letzten Male im Zug gern Leuten an die Gurgel gegangen wäre, weil sie zu penetrant nach Parfüm rochen, läuft es wohl auf bestellen raus. Ich frage mich, warum mir das jetzt so extrem auffällt? Ich war immer schon geruchsempfindlich, aber doch nicht so? Bei meinem letzten physischen Maskarakauf wollte ich am liebsten rückwärts den Laden wieder verlassen, weil ugggghhhh Parfüm. Werde ich seltsam mit den Jahren? Also noch seltsamer als eh schon? Ist es die Entwöhnung durch Pandemie? Egal was: ich wünsche mir von der Menschheit generell einen sparsameren Umgang mit Düften aller Art.

Tag 2372 – #healthy #supermom #mindfulness

Wir haben heute wieder das Instagram-Life gelived. Sowas von. Erst hab ich meinen #shoehaul ausgepackt und bin jetzt um ein paar Gesundheitslatschen von *ieker für den Sommer reicher. Die sind nicht sehr hübsch aber sehr bequem und ich kapituliere einfach vor meiner Hammerzehe, die in vielen weniger bequemen und dafür hübscheren Schuhen inzwischen beim Laufen weh tut. Das andere Paar Schuhe war leider zu klein, die wären ein schöner Ersatz für meine Winterschuhe, die Hallux-mäßig leider zu Foltergeräten mutiert sind. Ich schickte die zurück und bestellte nicht noch mal in einer Nummer größer, sondern kaufte ein anderes Modell der gleichen Marke eine Nummer größer gebraucht über Finn. #Nachhaltigkeit? Eher #Geiz, weil ich so fast 50% gespart habe, für Schuhe, die angeblich nur einen Nachmittag getragen wurden (und neu furchtbar teuer sind).

#Tierliebe #adoptdontshop ich wollte eigentlich dieses Wochenende ein Gebrauchtschweinchen abholen, das hat nun aber leider eine Lungenentzündung und kann erst mal nicht umziehen. Meh.

Pippi ist wieder top fit, hat aber den Tag vor diversen Endgeräten verbracht. #Karrieremutter #Vereinbarkeit Sie isst wieder und scheinbar hat sich auch niemand angesteckt, puh.

Als Michel nach Hause kam, brachte er einen Kumpel mit, was mit mir per SMS abgeklärt war. Ich hatte ihn nämlich weggedrückt, als er anrief, weil ich in einem Meeting saß #Supermom #Vereinbarkeit und wechselte stattdessen schnelle SMS „Kann N mitkommen?“ „Ja aber ihr könnt nicht hier oben rumtrampeln, ich hab ein Meeting“ „K“ heimlich unterm Tisch #MitarbeiterinDesJahres #Fokus #Supermom #Vereinbarkeit. Die Jungs saßen pädagogisch wertvoll ziemlich viel vor Super Smash Bros #SchauHin #DigitalDetox #UnserAlltagIstIhreKindheit

Irgendwann ist aber sogar mein Job vorbei und ich fuhr sehr schnell in den Supermarkt, wo ich (ich übertreibe nicht) Tiefkühlpizza, Eis am Stiel, Knoblauchsoße (für auf die Pizza) und zwei Dosen Bier kaufte. Wenn das nicht #healthy und #ausgewogen und #eatrealfood ist! Ich meine – 3 von 4 Pizzen waren vegetarisch! #BessereMenschen #MoralischÜberlegen

Nach dem Essen (irgendwie war noch ein weiteres Besuchskind aufgetaucht) wollte ich mir gerne beide Ohren amputieren, weil drei Jungs im Alter von 9 und 10 Jahren ein Energieniveau haben, das ich am Ende eines Tages nur mit großer Mühe aushalte #BoysWillBeBoys #FullHouse #ImmerLebenInDerBude. Ich zog mich deshalb in meine Gemächer zurück, um auf einer viersaitigen Holzkiste andere Arten von Lärm zu erzeugen #mindfulness #ZeitFürMich #OldestProdigyEver

Zum Abschluss des Tages wurde mir mal wieder von Pippi die Familienzugehörigkeit gekündigt, weil ich gesagt hatte, sie solle zum Zähne putzen das iPad ausmachen #Supermom #MotherDaughterLove.

Jetzt Bett, die Bettwäsche hat rote Punkte und ich trage weder Wollsocken noch einen oversized Pulli, sondern ein uraltes Männer-Tour-T-Shirt #Boyfriendlook von Blink182. Man muss sich ja die Street Cred bewahren. Nicht nur mit dem Strom schwimmen. Ne?

Tag 2370 – Dies und das.

Draußen riecht es nach Frühling. Endlich. Ja, das ist sicher auch wieder irgendsoeine unromantische Sache wie sterbende Grashalme oder irgendwelche Bakterien, aber ich finde es schön. Heute habe ich auch die ersten Blümchen entdeckt (blåveis, äh, Leberblümchen) und ein paar grüne Grashalme an besonders sonnigen Ecken. Morgens musste ich noch Eis kratzen, nach der Arbeit war es zu warm für ne Jacke und das Auto auf Sauna erwärmt.

Ich habe immer ein bisschen Angst, dass ich eines Dienstags beim Tanzen sitze und versuche, meinen Fuß in ein Schläppchen in Größe 33 zu stecken.

Aufstehen heute war ziemlich brutal und ich überlegte kurz, doch spontan einfach Homeoffice zu machen, weil ich dann noch ne Stunde hätte liegen bleiben können. Hab ich dann aber doch nicht. Arbeit war erst zäh und wurde dann besser, immerhin. Aber ich beobachte wieder genauso volle Züge wie vor der Pandemie. Auch der Pendlerparkplatz ist wieder voll und man muss schon vor sieben ziemlich weit hinten parken. Vielleicht ist „alle machen jetzt viel mehr Homeoffice“ nur Wunschdenken gewesen? Ich find‘s kacke, ehrlich gesagt. Können wir nicht mal das, was gut war, bewahren? Müssen wir echt zurück zu 2019, mit einem Spritzer Handdesinfektionsmittel hier und da? Ich möchte teilweises Homeoffice behalten, ich habe eigentlich keine große Lust, wieder zwei Vollzeitjobs, Kinder, Hobbies der Kinder, eigene Hobbies und pro Erwachsenem zwei Stunden pendeln JEDEN TAG unter einen Hut quetschen müssen. Es ist unnötig, das zu tun, das haben wir jetzt zwei Jahre lang gezeigt.

Aber eigentlich will ich mich heute nicht ärgern. Denn draußen riecht es nach Frühling.

Tag 2344 – Stichpunkte.

– Pippi hat den dritten Zahn verloren, den oberen linken (also Zuschauer-links, ihr rechts) großen Schneidezahn. Gestern sagte sie im Auto plötzlich „Mama! Ich blute!!!“ und dann „Ich hab nen Zahn verloren! Und ich blute jetzt!“ und weil ich ja fuhr konnte ich nicht mal gucken sondern nur die Hand nach hinten strecken und mir den Zahn anreichen lassen. Sie sieht aber schon sehr drollig aus mit der Zahnlücke, und das Mundgefühl ist wohl anders, sie lispelt jetzt leicht.

– Michel Harry Potter vorlesen ist nahezu abgeschlossen. Noch ein Kapitel. Gestern ist (Achtung, Spoiler, aber kann man nach 20 Jahren noch wen spoilern? Ich weiß ja nicht. Achtung Spoiler: am Ende vom Herrn der Ringe gewinnen die Guten(TM), Don Quichotte erlegt keine einzige Windmühle und der Vater im Erlkönig schafft’s leider nicht rechtzeitig.) Harry Potter „gestorben“, heute Voldemort. Ein bisschen traurig bin ich, gut, dass wir noch ein Kind haben.

– Arbeit ist zum alles anzünden zur Zeit

– Bin leicht bedröppelt, weil ich bei den Kommunen-Grünen jetzt im Programmkommitee bin, aber irgendwie zu nichts was beitragen kann. Ich kann ja nur Biotechnologie und Pharmaindustrie, das sind jetzt nicht die Themen, die bei den lokalen Grünen hoch im Kurs stehen. Werde dementsprechend eher mit… anderer Arbeit (???) beitragen, äh, vielleicht Kaffee kochen oder so. Ich mag auch Tiere und finde Natur gut und würde gerne sicherstellen, dass meine Kinder noch in einer halbwegs bewohnbaren Welt aufwachsen und alt werden, wie schreibe ich das ins Programm? Außerdem haben die Grünen in Norwegen jetzt eine heiße Debatte laufen, ob man stärker darauf hinweisen sollte, dass man KEINE Eine-Sache-Partei ist, sondern tatsächlich zu allen Bereichen eine Meinung und Vorschläge hat. Da ist „Rettet die Wale“ vielleicht nicht so der hippeste Spruch. Dass wir die Wale retten wollen (und alles andere auch, vor allem die Menschen, sogar noch vor den Walen) weiß man ja eh, aber niemandem ist klar, dass wir eine Bildungspolitik haben, oder Gesundheitspolitik. (Aber Wale! Hach!)

– Ich wünsche mir einen neuen Bogen, würde gerne einen aus Carbon ausprobieren, oder eher mehrere, aber auch das Projekt zünde ich demnächst einfach an, weil es einfach in Norwegen niemanden gibt der a) mehrere (so 2-3) Modelle von mehreren (2, VIELLEICHT 3)namhaften Marken hat und nicht verlangt, dass alle Waren nur unbenutzt zurückgegeben werden können. Ich kaufe doch auch kein Auto nach Internet-Bewertungen und weil das beim Händler auf dem Hof aus 10 m Entfernung hübsch aussah.

– Michel ist die zweite Nacht in Folge allein eingeschlafen. Nach Ewigkeiten erst, aber allein. Yeah, I guess? (Traue dem Braten noch nicht so recht.)

Tag 2397 – Nichts zu erzählen.

Ich schlief wie ein Stein in Michels Bett, allerdings merkte ich morgens dann doch, dass seine Matratze nach dem Faktor „das Kind wiegt quasi nichts“ gekauft ist. Vielleicht bin ich auch einfach total verwöhnt von unserer Matratze, die immerhin, als wir sie kauften (vor 8,5 Jahren), die beste Matratze war, die man beim Möbelschweden kaufen konnte. Man könnte auch die mal langsam ersetzen, aber, ach. Keine Motivation, eine auszusuchen, zu viel Angst, eine zu bestellen und dann ist die blöd…

50 Minuten später habe ich noch mal nach der Matratze geschaut die ich gerne hätte und es gibt sie immer noch nicht in Norwegen und sie wird auch nicht hier hin geliefert. Besucherritze kommt eigentlich nicht in Frage, im Moment ist auch eigentlich kein Geld für „mal eben“ da und unsere geht ja noch.

Sehen Sie, so ist das bei mir. (Bitte keine Matratzentipps, es sei denn, Sie leben ebenfalls in Norwegen und haben hier kürzlich eine erworben.)

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Heute war Pippis Freundin hier und das war zwar lustig und Pippi war beschäftigt, aber ich hab ein bisschen unterschätzt, wie anstrengend das ist, mit zwei Sechsjährigen den Wocheneinkauf zu erledigen. Sonst mache ich das ja gerne, da kann ich allein sein und Podcast hören. So war das das Gegenteil von erholsam. Nächstes Mal wieder allein, auch wenn zwei Mädels mit Hundeblick vor mir stehen.

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Hier ist gleichzeitig Pandemie vorbei und „alle“ haben’s jetzt. Sehr seltsam. In Norwegen wollen auch wirklich kluge Leute „einfach fertig werden damit“ und hoffen, sich anzustecken bzw. legen es regelrecht drauf an. Alle bekloppt geworden, aber man kann es ihnen auch nicht so richtig verdenken, nach fast 2 Jahren Pandemie ist bei allen die Luft komplett raus. May the odds be ever in our favor.

Tag 2378 – Alles gut.

Ein alles in allem okayer bis guter Tag. Muss ja auch mal gesagt werden. Nichts war weggeflogen, als wir heute früh aufstanden. Es gab mal keinen Streit am Morgen wegen Pünktlichkeit vs. Trödelei. Der Arbeitstag verlief relativ ereignislos aber zwischenmenschlich gut (keine weiteren besorgten Mails). Ich habe sogar mein Passwort für unsere Homepage bei der Arbeit wieder gefunden und konnte dann ein paar Seiten updaten – das ist schön stupide für kurze freie Zeiten zwischendurch. Michel schlief recht schnell ein und ich konnte mich rausschleichen, ohne dass er sofort wieder wach wurde. Danach spielte ich noch eine Weile Geige und das klingt schon ganz ok grad*. Üben bringt’s.

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Einzig die galoppierenden Infektionszahlen (unser Kaff ist jetzt bei einer 7-Tages-Inzidenz von knapp 1500) bereiten mit Sorge, aber ich bin auch so müde davon, mich dauernd zu sorgen, dass ich das mal eine Weile auf Abstand halten möchte. Ich kann nicht alleine Norwegen vor Covid retten, schon mal gar nicht, wenn alle norwegischen Fachleute (ja, echte Fachleute, nein, die haben bisher zum größten Teil eigentlich nicht den Eindruck gemacht, Kategorie Tegnell oder Streek zu sein) und Politiker*Innen auf sämtlichen Kanälen gegen meine gefühlt angezeigte Vorsicht argumentieren. Mögen sie recht behalten und das alles schon irgendwie schief gehen, ich muss mit meinen Nerven besser haushalten.

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*Man hat ja einen gewissen Einfluss darauf, wenn man niemanden hat, der einer sagt, was man spielen oder üben soll. Ich spiele aber grad nicht „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ nur um rumprotzen zu können, wie toll ich bin. Ehrlich!**

**Ehrlich nicht. Und ich wette, selbst „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ könnte man mit (m)einer perfektionistischen Ader noch ziemlich weit treiben.