Tag 1783 – Corontäne Tag 9 v2.

Bald habe ich es geschafft! Morgen noch und dann ist es rum. Habe zur Feier der Tage in der Freiheit einen Friseurinnentermin für Donnerstag und einen Tierärztinnentermin für Freitag ausgemacht. Muffin hat Gnubbel, 1 am Rücken, 1 an der OP-Stelle *hüstel* und da muss jemand vom Fach draufgucken. Seufz. Sorgenschwein.

Wir haben heute in der Küche getanzt. Michel wünschte sich nämlich „Utz- ahma ahma“. Man muss dazu vielleicht sagen, dass Michel nicht sonderlich Melodiesicher singt, aber ich kam trotzdem drauf. „No roots“ von Alice Murton. Merton? Egal. Und dann tanzten wir in der Küche. Pippi mag „den Sprengmeister“ als Tanzmove, es ist herrlich. Michel möchte jetzt das Lied auf „seiner“ Playlist auf 1 haben, weil er das so mag und seinem Kumpel zeigen will. Pippi mag nach wie vor „Dance Monkey“ von Tones and I. Insgesamt könnten die Kinder einen schlechteren Musikgeschmack haben.

Apropos. Pippi ist ja jetzt fast schon ein Vorschulkind (wo ist die Zeit hin???) und präsentierte heute ihre Englisch-skills:

  • „Uon, tuo, thuie, fou, feiv, säven, även, gribtchi, patchi, gou!“
  • „Uon, tuo, thuie, fou, feiv, sexti, plexti, uing, ching, noin, hongchi!“

Manchmal ist die so süß, ich könnte sie fressen.

Michel hat heute beim Kochen geholfen. Aus Langeweile zwar, aber doch sehr gut. Er hat sich auch getraut, die Eier ganz aufzuschlagen, nicht nur anzuknacksen und dann mir zu geben. Langsam wird’s was mit den Kindern und mir in der Küche (das war bisher eine so explosive Mischung, dass wir das lieber gelassen haben). Was tut man nicht alles, damit die Kinder nicht nur vor Bildschirmen hängen.

Die Müll- und Unkrautschweinchen sind sehr nützlich. Und riechen gut, da sie gegen die alljährliche Korianderflut mit ankämpfen dürfen müssen.

Ansonsten war heute direkt mal ein Tag, wie ich ihn gestern vorausgesagt hatte: antriebsschwach. Ich hab aber auch bescheiden geschlafen und Schlaf ist mein Benzin, insofern bin ich nicht wirklich verwundert. Wäsche gewaschen habe ich trotzdem, natürlich. Ich hab auch brav Sport gemacht, werde aber jetzt vermutlich nie wieder irgendwas hochheben können. Meine zweite 2kg-Hantel ist noch nicht wieder aufgetaucht. Ich hoffe, ich kann heute besser einschlafen und mit besser meine ich „in unter 2 Stunden und ohne Umzug aufs Sofa“.

Tag 1778 – Corontäne Tag 4 v2.

Ich mag die norwegische Art „Lila“ auszusprechen, nicht. Lilla. Das ist in meinen Ohren falsch.

Meine Haare sind jetzt wieder lila. Nur doller als letztes Mal, weil ich aus Versehen „Violet“ statt „Lilac“ bestellt habe (wahrscheinlich wegen des Lilla) und bevor Sie es sagen: das *ist schon* das Ergebnis mit 50% Conditioner. Ähäm. Hoppla.

Langsam glaube ich auch, dass die dezente Scheckigkeit der Directions-Farben ein Feature ist und kein Bug. Naja, da spart man sich die Strähnchen.

Vorher waren die Haare kurz weiß, und zwar richtig weiß, wie früher (hatte das lange in genau dieser Farbe):

Also die Directions-Blondierung kann richtig was.

Jetzt muss ich nur noch sehr dringend zur Friseurin. Tjanun – nächste Woche dann, ab Donnerstag darf ich ja wieder.

Tag 1759 – Coronaferienrant.

Am Morgen. Ich öffne Twitter.

Kinderloser Mensch: „Ich verstehe ja, dass die Belastung der Eltern grad hoch ist. Aber überlegt doch mal, wie das für die Kinder ist, wenn ihr die Zeit mit ihnen so hasst.“

*Synapsen knallen durch*

Ich habe mir zur Zeit selbst einen Maulkorb auf Twitter verpasst, damit ich mich in solche und ähnliche Diskussionen nicht mehr einmischen kann. Weil es zu nichts führt, außer, dass ich hinterher ein Magengeschwür vom ärgern kriege. Aber jetzt möchte ich da doch meinen Senf dazu geben, schon allein weil hier ja auch schon solche Kommentare auf dem Blog kamen. Und weil ich, nachdem hier die Kinderbetreuung und die Schule ja nun seit einiger Zeit wieder geöffnet sind, sogar ein bisschen verstehen kann, woher kinderlose Menschen diese Idee nehmen, das ganze sei eigentlich ganz ähnlich wie Ferien nur halt ein bisschen plötzlich, ja mei.

Ich hasse meine Kinder nicht. Das mag jetzt überraschen. Vor allem, da die Entscheidung für Kinder im Grunde eine Schnapsidee im Hormonrausch war (judge me! Ich möchte aber behaupten, 80% der Eltern „entscheiden“ sich für Kinder eher aus dem Bauch raus). Es war Weihnachten 2011, ich war im Job so lala etabliert aber fühlte mich komfortabel in meiner Position, Herr Rabe und ich hatten es gut auf allen Ebenen, für Kinder ist eh nie der richtige Zeitpunkt haha, lass mal probieren. Im Februar bekam ich den Mutterpass, ziemlich schockiert, wie schnell man so nen kompletten Menschen angesetzt hat, sollte man nicht erst monatelang versuchen und so? Nein, wir nicht. Vorher wochenlang die Bedingungen gleichberechtigter Elternschaft aushandeln und möglichst noch vertraglich festhalten? Again, judge me. Wir hatten Glück, da auf einer Wellenlänge zu liegen (das war mir ja auch vorher schon klar), wir hatten Glück, dass Herr Rabe zu dem Zeitpunkt an der Uni arbeitete, die 7 Monate Elternzeit für ihn nicht ablehnen konnte, und den ganzen Rest des Vereinbarkeitswitzes, den sich deutsche Eltern tagtäglich vor allem in Form von Kommentaren wie „wer seine Kinder in die KiTa gibt, liebt sie nicht“ (s.o. btw) geben müssen, haben wir elegant umschifft, indem wir nach Norwegen gezogen sind.

Insofern rede ich hier aus vielen Gesichtspunkten aus einer Luxusposition. Es ist hier normal, dass Eltern eben mal ausfallen, weil Kinder krank werden. Wir sprechen uns ab, wer grad besser von der Arbeit wegkann, um das kotzende Kind aus seiner Einrichtung abzuholen, sagen unseren Chefs Bescheid, fertig. Es ist gesellschaftlich NORMAL, dass auch Väter das tun. Es ist NORMAL, dass Väter Zeit mit ihren Neugeborenen, Babies und Kindern verbringen wollen und deshalb längere Aus- und Elternzeiten nehmen. Es gibt eine Kondergartenplatzgarantie ab dem August nachdem das Kind 1 Jahr alt geworden ist und es ist NORMAL, dann wieder arbeiten zu gehen, wenn man kann und will, Vollzeit. All das ist in Deutschland schon in weiten Teilen nicht normal und der gesellschaftliche Druck aus allen Richtungen stresst dort Eltern, die von der Idee der Alleinverdienerfamilie abweichen müssen oder wollen, immens.

Halten wir also fest: ich liebe meine Kinder, wir haben hier viel Unterstützung.

Und dann kam Corona.

Von einem Tag auf den nächsten (!) war alle Routine weg. Die Kinder wurden nach Hause geschickt mit den Worten „Nehmt lieber alles mit, WAHRSCHEINLICH ist morgen keine Schule/Kindergarten, für wie lange weiß keiner.“ Die Kinder waren verwirrt und die Erwachsenen besorgt und man hat versucht, das alles irgendwie aufzufangen. Stundenpläne gemacht, Tage durchstrukturiert, wir bewarfen das Problem auch mit Geld und bestellten ein Trampolin für den Garten, guckten mit den Kindern die Pressekonferenz für Kinder (wieder sowas, was ich hier einfach super fand: die Regierung, die gezielt Kinder ansprach und trotz aller Unsicherheit, die auch nicht verschleiert wurde, beruhigende Worte fand und auf Fragen VON KINDERN einging) und besprachen mit unseren Arbeitgebern das weitere Vorgehen.

WIEDER: Wir sind hier total privilegiert. Es gab schon vor der Schließung der Schulen und Kindergärten die Anordnung VON DER REGIERUNG, dass alle, die können, Homeoffice machen sollen. Alle. Insofern waren wir eh zu Hause [ich nicht, aber das ist eine Geschichte, die hier nichts zur Sache tut, im Zweifel lesen Sie einfach den 12. und 13.3. hier im Blog nach] als alles schloss. Mein Arbeitgeber genehmigte schnell allen Eltern mit Kindern unter 12, normale Stunden abzurechnen, auch wenn die nicht 100%ig effektiv und/oder zu seltsamen Tageszeiten abgeleistet wurden. Alle Eltern bekamen 10 extra Kindkranktage für „Corona-geschlossene Einrichtungen“ vom Staat. Alles Luxus! Trotzdem war die erste Woche ein bisschen wie im Delirium und ging hauptsächlich für Organisation und allgemeines Klarkommen drauf. Schulaufgaben gab es auch noch nicht so wirklich viele, Kindergarten eh nicht. Die Kinder verstanden noch nicht, dass das jetzt wirklich lange so bleiben würde, wir auch nicht, doch, war toll.

Aber dann war irgendwann alles organisiert und es galt, zwei (weiterhin) Vollzeitjobs und zwei Kinder unter einen Hut zu kriegen. Zwei Kinder, wohlgemerkt, die gewöhnt sind, täglich andere Kinder und andere Erwachsene um sich zu haben. Die nicht kennen, dass Mama und Papa plötzlich die Ansagen machen, die sonst vom Kindergartenbetreuer oder der Lehrerin kamen. Die kein Problem damit hatten, dass zu Hause und im Kindergarten/der Schule andere Regeln herrschen, aber dass plötzlich die Kindergarten- und Schulregeln auch zu Hause gelten sollten, war schwer zu verstehen. Das knirschte also, erwartungsgemäß, und da kannste die Kinder lieben und dich freuen, Zeit miteinander zu verbringen, so viel du willst, sowas muss sich zurechtruckeln. Und mit zurechtruckeln meine ich: Wutanfälle aushalten. Geschrei aushalten. Viel. Oft. Lange. Wir ruckelten also, wir sorgten uns, UND DANN SOLLTEN WIR AUCH NOCH IRGENDWIE ARBEITEN. Wir teilten uns auf, was aber hieß, dass wir extrem lange Tage hatten. Was saugt. Sehr.

Wir wurden in dieser Zeit weder den Kindern, deren Schulaufgaben, unseren Jobs, dem Haushalt, noch uns selbst (Sport? Selfcare? Hahaha.) wirklich gerecht. Und guess what? Das sorgt für ein scheiß schlechtes Gewissen. Eh schon. Dann noch sagen „du musst aber schon schauen, dass die Kinder sich nicht als Belastung empfinden“ ist, sorry, total daneben und lädt noch ne Schippe schlechtes Gewissen drauf. Schlechtes Gewissen, in der Intensität, in allen Bereichen, lähmt.

Aber dann öffneten die Kindergärten und Schulen wieder und ich kann jetzt verstehen, wie Kinderlose oder auch Menschen mit Kindern aber ohne Erwerbsarbeit auf die Idee kommen können, das seien „Coronaferien“. Ich geh mal davon aus, dass kinderlose Erwerbstätige auch etwa eine Woche brauchten, um den Homeoffice-Schock zu überstehen, aber wenn ich mir mein Homeoffice-Leben jetzt so angucke ist das eigentlich sogar ganz nett. Ich kann viel länger schlafen, ich spare mir das Pendeln, ich kann mir meine Arbeit noch freier einteilen als eh schon, ich kann auch mal zwischendurch den Einkauf erledigen, Arzttermine sind gar kein Problem mehr und ich esse täglich Mittag mit Herrn Rabe. Der macht mir auch oft noch einen Kaffee und stellt ihn mir hin, während ich schon im nächsten Meeting sitze. Die finanziellen Sorgen sind weg und das Infektionsgeschehen sieht auch sehr vielversprechend aus. Es ist echt eigentlich sehr nice.

Genauso sind ja Ferien sehr nice. Keine Arbeit, Ausflüge mit den Kindern an den See oder in den Wald und wenn sie mal nen Film gucken wollen, kann ich in der Zeit trainieren oder meinen Hobbies nachgehen. Keine Schulaufgaben, Ausschlafen, kein Stress.

Nur WAREN DAS WÄHREND DER CORONTÄNE EBEN KEINE FERIEN! Das war das kinderlose Homeoffice, PLUS die arbeitsfreien Ferien, PLUS als Ersatzlehrkraft fungieren, PLUS andere Kinder ersetzen, PLUS Sorgen und Umstellungsschwierigkeiten der Kinder auffangen, PLUS selbst Sorgen haben WEIL ES EINE GLOBALE PANDEMIE IST.

Und jetzt sag mir nochmal, kinderlose Person, dass ich das als „Zeit miteinander verbringen“ hätte schön finden sollen, dass ich niemals hätte meckern dürfen, dass ich den Kindern hätte vorspielen müssen, dass alles tutti ist und wie Ferien und niemand von uns in dieser Zeit irgendwie überfordert, unterfordert oder unausgelastet ist. Dass die Kinder sicher nen Schaden davon tragen, dass ihre Eltern DIE SITUATION als belastend empfanden.

Rant Ende.

Tag 1755 – Viele Seiten.

Während hier die Sonne scheint und die Kinder im Planschbecken baden (und ich wieder mit Planschbeckenwasser die Blumen gießen kann) wandern die Meerestiere und Insekten zu den Polen, wegen Klimawandel.

Während hier die Pandemie mit 5-6 neuen gemeldeten Fällen pro Tag in ganz Norwegen (und das liegt nicht daran, dass niemand getestet wird, so im Schnitt werden 3000-4000 Tests am Tag gemeldet) wenn nicht vorbei, so doch so vorbei, dass massive Maßnahmen in keinem Verhält is mehr dazu stünden, zu sein scheint, macht man sich in Deutschland drüber lustig, dass einige zu glauben scheinen, dass die Pandemie vorbei sei. (Fitnessstudios und Schwimmbäder haben hier übrigens immer noch nicht auf. Aber, ich sage das gerne noch mal, Kindergärten und Schulen, seit 6 und 5 Wochen, ohne dass sich irgendwas am Abwärtstrend bei den Neuinfektionen getan hätte.)

Und während all dem gehen in den USA Leute auf die Straße, weil dort weiße Polizisten immer und immer wieder schwarze PoC töten, das ganze scheint für mich als total Außenstehende sowohl von Teilen der Polizei in einigen Städten befeuert zu werden, als auch vom Präsidenten selbst (WTF einfach?) und ich und viele andere wohl auch stehen fassungslos und kopfschüttelnd in unserem vor Privilegien strotzenden europäischen Vorgärtchen und ich zumindest frage mich, ob da ein Bürgerkrieg in Kauf genommen wird und wenn ja, wofür.

Es sind vielseitige Zeiten.

Tag 1718 – Corontäne Tag 45.

45 Tage mit mindestens einem Kind zu Hause. Normal ist gar nichts. Wir machen weiter Homeoffice. Es ist Herrn Rabes letzte Woche im jetzigen Job.

Morgen soll es endlich regnen. Trotzdem habe ich heute mit Pippi die frisch eingepflanzten Küchenkräuter gut angegossen. Ich bin gespannt, ob wir es dieses Jahr schaffen, die Petersilie im Zaum und den Rosmarin am Leben zu halten. An Kräutern aus dem letzten Jahr ist wiedergekommen: Schnittlauch, Thymian (arg zerrupft, weil irgendwann letzten Sommer vom Petersilienmonster halb überwuchert), Estragon und Oregano. Die Wurzeln der Monsterpetersilie habe ich heute faulig aus der Erde gezogen, da ich sowas aber schon vermutet hatte, habe ich gestern neue gekauft. Noch ganz klein, aber das heißt ja nichts, wie wir wissen.

Ansonsten sieht es im Garten aus als haben sich die Ringelblumen wie befürchtet vermutet letztes Jahr extrem selbst ausgesät. Da werde ich vermutlich ausdünnen müssen, sonst haben wir nur noch Ringelblumen im Beet. Das gleiche gilt möglicherweise für die Löwenmäulchen, aber die Pflänzchen sind noch so miniklein, dass ich noch nicht sicher sagen kann, was draus wird.

Heute im Schneckenterrarium Schnecken gefunden, die da gar nicht hingehören, nämlich sehr kleine Nacktschnecken. Igitt. Da hört der Spaß auf, vor allem sind ja manche davon auch Räuber. Wegen der schieren Masse an Erde konnte ich aber nicht alles einfrieren und deshalb steht jetzt die zweite Fuhre davon im Ofen. Bah bah bah. Meine Schnecken durften gründlich duschen – wer weiß wo überall Nacktschneckeneier kleben – und dann in frische Erde umziehen. Mich ekelt vor allem der Gedanke, dass die Schnecken seit Monaten kein Futter aus dem Garten hatten, sondern nur Küchenabfälle, von unserem Essen, igittigittigitt. Theoretisch könnten die Eier ja auch in der Erde oder im Topf des Terrariumfarnes gewesen sein, da beides aber seit sicher 2 Monaten im Terrarium war, halte ich das für unwahrscheinlich. Also Schneckeneier an der Zucchini oder so, ahhhhhhh.

Ansonsten war heute für mich ein kleiner Ausflug in die Notapotheke in Oslo, nichts schlimmes, keine Sorge, aber auch nichts, mit dem ich bis morgen hätte warten wollen. Das war einigermaßen aufregend – Zug fahren! Menschen! Hui. Aber alle hielten Abstand. Und ich weiß jetzt, dass es zwischen Trondheim und Oslo keine (!) Notapotheke gibt. Keine. Wenn man in Lillehammer wohnt, muss man im Zweifel eben 4 Stunden in die eine oder andere Richtung fahren.

Jetzt sehr müde, aber die Erde hat noch keine 100 Grad erreicht. Meh.

Tag 1717 – Corontäne Tag 44.

Michel hat heute ein neues Spiel für die Switch bekommen. Let’s Go, Pikachu. Das war die ausgelobte Prämie für „10 mal in Folge oder 20 mal insgesamt im eigenen Bett schlafen“ und die 10 mal hat er geschafft. Ich habe etwas besorgt nachgefragt, ob er dann jetzt wieder nachts rüberkommt, aber er sagte, er versuche, in seinem Bett zu bleiben.

Es sieht ja auf dem Bild so aus, als spielten sie friedlich miteinander, aber das täuscht. Gewaltig sogar. Fragen Sie nicht, ich bin einfach sehr froh, wenn die ab Montag wieder beide in getrennten Einrichtungen sind, wenigstens ein paar Stunden am Tag.

Pippi macht die ganze Zeit Geräusche, singt, erzählt, rülpst infernalisch laut und drei Familienmitglieder sind nach dem heutigen Tag davon maximal genervt.

Nach der Einkaufstour zum Spiel kaufen im beschaulichen Eidsvoll leider einen Akt großer Dummheit bezeugen dürfen. Auf dem Kreisverkehr feierten ca. 6-7 Jugendliche („Russ“, also die diesjährigen Schulabgänger) mit Sofas und Getränken aus Dosen, ohne Ab- und mit wenig Anstand. Ich sehe Schulen und Kindergärten wieder schließen wegen solcher Vollpfosten und möchte die schütteln, aber das geht auch nicht mit Abstand. Würstchen.

Abends ein Lieblingsessen. Reis mit Scheiß. Oder wie die Kinder es nennen: Reis mit das mag ich nicht ich will Ketchup.

Heute wieder einen Tag von „Menschen sind komisch, und die meisten halt auch dumm“.

Tag 1716 – Corontäne Tag 43 (nachgereicht).

Auch gestern wieder auf dem Sofa eingeschlafen, quasi widerstandslos. Immerhin habe ich noch geschafft, bei der Twitterkneipe aufzulegen.

Gestern war ein recht stressiger Arbeitstag, unter anderem weil unsere Chefin zum Feierabendbier per Teams eingeladen hatte – um vier. Ich musste also alles (drei Fristsachen) bis vier fertig haben. Meine Kolleginnen und Kollegen kennen jetzt den Spruch „kein Bier vor vier“. Aber es war sehr nett. Um halb sechs verschwanden auf einmal alle, und ich hing noch 20 Minuten mit dem einen Kollegen* rum, wir sprachen unter anderem darüber, dass wir beide, obwohl wir nun wahrlich nicht die Allerextrovertiertesten sind und beide unsere Herausforderungen im Bereich „Soziale Interaktion“ haben, die normale Arbeit vermissen, wegen dem Sozialen. (Ein bisschen seltsam ist, dass ich darüber nur mit Leuten reden kann, die auch seltsam sind, ansonsten kann ich da nur drüber schreiben.) Ich vermisse jedenfalls die Arbeit und hab auch direkt davon geträumt, auf diverse Arten. Erst war ich mit besagtem Kollegen auf einem Flugplatz (habe fast das Flugzeug verpasst, also ein altbekannter Stresstraum in neuem Gewand), dann war irgendwas mit einem Brand bei einem Großhändler, wegen dem wir irgendwelche Rechtsfragen klären mussten.

Vielleicht lese ich doch am Wochenende noch den Entwurf zu einer neuen Vorschrift, zwecks Beruhigung der Nerven.

Ab nächster Woche ist wieder Schule, Halleluja. Dann werde ich auch vorerst die Corontäne-Zählung beenden. Die zwei 2. Klassen bei uns wurden in vier aufgeteilt, damit sie die Kohortengröße einhalten können. Eine Lehrkraft wurde fest neu angestellt, eine, die schon öfter ausgeholfen hat, hat ihren Vertretungsvertrag ausgeweitet und verlängert bekommen. Drei mal pro Woche (statt sonst ein mal) soll Draußentag sein. Sport-Hort findet normal statt, Sport aber nur noch Draußen und nur noch Sportarten ohne viel Körperkontakt. Und dann halten wir alle die Daumen, dass es keine furchtbaren Ausbrüche gibt, die sich auf Schulen und Kindergärten zurückführen lassen, damit nicht alles direkt wieder geschlossen wird.

Wir haben weiter Homeoffice und da vermutlich eine (softe) Bedingung für die erlaubte Rückkehr ins Büro sein wird, dass man ohne ÖPNV dort hin kommt, wir aber auch gleichzeitig keine Parkplätze am Werk haben *und* ich mich mit dem Auto pro Weg auf 1 Stunde Fahrt *plus* eine Stunde Stau einstellen müsste, kommt das für mich überhaupt gar nicht in die Tüte, Ende. Mal schauen, ob sie die Kernarbeitszeit aufweichen, das fände ich eine sinnvolle Maßnahme, um zu vermeiden, dass wir uns alle in die Rush-Hour in die T-Bane quetschen. Ich komme gerne, sagen wir, einmal die Woche, von 10-18 Uhr. Dann kann ich auch mit Zügen fahren, die nicht so voll sind, dass man keinen Abstand zu irgendwem halten kann.

Naja, wir werden sehen.

Erste Erfolge sind auch an der Kinderfront zu vermelden: wir haben gestern Abend alle iPads, den Minecraft-Computer und die Switch einkassiert und versteckt. Mit Ankündigung. Die Kinder haben erstens etwas länger geschlafen als letztes Wochenende und zweitens heute früh das Lego entdeckt. Ich denke, das ist, wegen nicht so toll einstellbarer Router-Hard- und -Software, der für uns gangbarste Weg um den ständigen Stress um die Bildschirme zu begrenzen.

So, und jetzt hoffe ich mal ganz stark, dass wir uns heute Abend wieder lesen und nicht erst morgen wieder.

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*ich mag mehrere Leute da echt gern, aber der entwickelt sich langsam zum Lieblingskollegen, trotz oder grade wegen all seiner Seltsamkeiten

Tag 1715 – Corontäne Tag 42.

Wieder nur gearbeitet. Aber wenigstens einen Teil davon draußen auf der Terrasse gesessen. Mit Sonnenbrille. Ich feiere meine neue Sonnenbrille sehr und würde sie am liebsten gar nicht mehr absetzen, auch drinnen nicht. Es ist so viel angenehmer, wenn nicht alles so grell ist, ist Ihnen das schon mal aufgefallen?

Trotzdem bin ich jetzt schrecklich müde. Aber ich hab auch gut was weggeschafft.

Michel hatte heute Besuch von seinem Freund B. (dem Corontäne-Freund) und war deshalb immerhin mal draußen.

Pippi war den ganzen Tag draußen, im Kindergarten eben. Sie wird auch nächste Woche noch eine Draußenlegionärin (-legionelle?) sein. Das bleibt wohl jetzt erst mal so bleiben, wenn ich das richtig verstanden habe.

Herr Rabe hat ein Dings gebaut, für konstanteren Schatten auf der Terrasse.

Ich hab sehr hübsche Blümchen gekauft. Die waren vor 3 Wochen noch maximal 1/3 so groß, Blüten waren gar nicht zu sehen und da wusste ich auch noch nicht, dass die quasi als Erdfliegenfallen funktionieren, die bleiben in den Härchen auf den Blättern nämlich hängen und verrecken verenden dann da. Noch müssen die Pflanzen sich aber langsam an die Draußentemperaturen gewöhnen, die verwöhnten kleinen Drinnenpflänzchen.

Noch mehr Blümels, die leben aber schon draußen (ich hab den nordischen Pflanzenmann gefragt, der meinte, die können Frost ab und bisher können sie das auch).

Und ein Wiederkehrer aus dem letzten Jahr: die Kugelprimel(n).

Hach, hach. Da kann der „Reisen is‘ nich‘!“-Sommer kommen.

Tag 1714 – Corontäne Tag 41 (nachgereicht).

Gestern war Arbeit, Kinderzimmer aufräumen (und dabei ganz kurz davor sein, alles abzufackeln, ehrlich, der/die nächste, die irgendwelches Spielzeug schickt, kriegt es zurück, ES. IST. ZU. VIEL.) natürlich ohne dass die Kinder mitgeholfen haben (auch so ein Grund für echt schlechte Laune) und dann noch mehr Arbeit. Die Arbeit war dazu auch noch echt doof. Danach war ich so müde und es auch schon echt spät, dass ich einfach auf dem Sofa eingepennt bin.

Das war gestern. Vom strahlenden Sonnenschein hab ich nichts mitbekommen. Das ist doch alles echt doof.

Tag 1713 – Corontäne Tag 40.

Uffz. Der Tag war träge und geprägt von Prokrastination. Tjanun. Dafür waren fast 20 Grad draußen. Der Nachbar meinte, vor drei oder vier Jahren waren um diese Zeit -20. Vielleicht hab ich auch deshalb prokrastiniert. Die Welt geht auf alle möglichen Arten gleichzeitig unter. Dürre, Seuche und Heuschrecken in Afrika. Woran erinnert uns das? Ich komm nicht drauf.

Ich war heute auf dem Trampolin, zum Stressabbau ist das auch für Erwachsene sehr schön.

Nach zwei Schwangerschaften und Geburten geht das nur mit Tena Lady. Da hilft auch nicht, dass ich seit nunmehr fast sieben Monaten jeden Tag zwei mal mindestens 10 mal kneife und Fahrstuhl fahre und all das. Das hier schreibe ich für die Frauenärztin und für all die Hebammen, die den Blödsinn verbreiten, das sei alles nur eine Frage des Trainings. Bussi.

Weiterhin habe ich heute den „Ratgeber“ für die Öffnung der Klassen 1-4 nächste Woche gelesen. Auch hier werden die Legionen in Kohorten unterteilt, aber mit maximal 15 Kindern pro Lehrkraft. Doof halt, das Michels Klasse 23 Kinder hat. Muss sich die Lehrerin wohl klonen. (Das wird alles sehr spaßig, aber es wird sich schon ordnen, nicht wahr, und wer weiß für wie lange dann auf bleibt. Aber irgendwer muss ja die Daten beschaffen, ob die Kinder nun wesentlich zur Ausbreitung beitragen oder nicht. Warum nicht Norwegen. Und Dänemark. Wir testen für euch. Kamelåså.)

Wir haben heute kurz überlegt, ob wir Pippi beibringen, ihre Kindergärtnerin mit „Ave!“ zu begrüßen. Gleich mal die Sandalen und das Helmchen für morgen raussuchen.

Ich bin etwas albern heute, und leider auch aggro. Entschuldigung.

Endlich wieder Kindergarten: