Tag 1755 – Viele Seiten.

Während hier die Sonne scheint und die Kinder im Planschbecken baden (und ich wieder mit Planschbeckenwasser die Blumen gießen kann) wandern die Meerestiere und Insekten zu den Polen, wegen Klimawandel.

Während hier die Pandemie mit 5-6 neuen gemeldeten Fällen pro Tag in ganz Norwegen (und das liegt nicht daran, dass niemand getestet wird, so im Schnitt werden 3000-4000 Tests am Tag gemeldet) wenn nicht vorbei, so doch so vorbei, dass massive Maßnahmen in keinem Verhält is mehr dazu stünden, zu sein scheint, macht man sich in Deutschland drüber lustig, dass einige zu glauben scheinen, dass die Pandemie vorbei sei. (Fitnessstudios und Schwimmbäder haben hier übrigens immer noch nicht auf. Aber, ich sage das gerne noch mal, Kindergärten und Schulen, seit 6 und 5 Wochen, ohne dass sich irgendwas am Abwärtstrend bei den Neuinfektionen getan hätte.)

Und während all dem gehen in den USA Leute auf die Straße, weil dort weiße Polizisten immer und immer wieder schwarze PoC töten, das ganze scheint für mich als total Außenstehende sowohl von Teilen der Polizei in einigen Städten befeuert zu werden, als auch vom Präsidenten selbst (WTF einfach?) und ich und viele andere wohl auch stehen fassungslos und kopfschüttelnd in unserem vor Privilegien strotzenden europäischen Vorgärtchen und ich zumindest frage mich, ob da ein Bürgerkrieg in Kauf genommen wird und wenn ja, wofür.

Es sind vielseitige Zeiten.

Tag 1718 – Corontäne Tag 45.

45 Tage mit mindestens einem Kind zu Hause. Normal ist gar nichts. Wir machen weiter Homeoffice. Es ist Herrn Rabes letzte Woche im jetzigen Job.

Morgen soll es endlich regnen. Trotzdem habe ich heute mit Pippi die frisch eingepflanzten Küchenkräuter gut angegossen. Ich bin gespannt, ob wir es dieses Jahr schaffen, die Petersilie im Zaum und den Rosmarin am Leben zu halten. An Kräutern aus dem letzten Jahr ist wiedergekommen: Schnittlauch, Thymian (arg zerrupft, weil irgendwann letzten Sommer vom Petersilienmonster halb überwuchert), Estragon und Oregano. Die Wurzeln der Monsterpetersilie habe ich heute faulig aus der Erde gezogen, da ich sowas aber schon vermutet hatte, habe ich gestern neue gekauft. Noch ganz klein, aber das heißt ja nichts, wie wir wissen.

Ansonsten sieht es im Garten aus als haben sich die Ringelblumen wie befürchtet vermutet letztes Jahr extrem selbst ausgesät. Da werde ich vermutlich ausdünnen müssen, sonst haben wir nur noch Ringelblumen im Beet. Das gleiche gilt möglicherweise für die Löwenmäulchen, aber die Pflänzchen sind noch so miniklein, dass ich noch nicht sicher sagen kann, was draus wird.

Heute im Schneckenterrarium Schnecken gefunden, die da gar nicht hingehören, nämlich sehr kleine Nacktschnecken. Igitt. Da hört der Spaß auf, vor allem sind ja manche davon auch Räuber. Wegen der schieren Masse an Erde konnte ich aber nicht alles einfrieren und deshalb steht jetzt die zweite Fuhre davon im Ofen. Bah bah bah. Meine Schnecken durften gründlich duschen – wer weiß wo überall Nacktschneckeneier kleben – und dann in frische Erde umziehen. Mich ekelt vor allem der Gedanke, dass die Schnecken seit Monaten kein Futter aus dem Garten hatten, sondern nur Küchenabfälle, von unserem Essen, igittigittigitt. Theoretisch könnten die Eier ja auch in der Erde oder im Topf des Terrariumfarnes gewesen sein, da beides aber seit sicher 2 Monaten im Terrarium war, halte ich das für unwahrscheinlich. Also Schneckeneier an der Zucchini oder so, ahhhhhhh.

Ansonsten war heute für mich ein kleiner Ausflug in die Notapotheke in Oslo, nichts schlimmes, keine Sorge, aber auch nichts, mit dem ich bis morgen hätte warten wollen. Das war einigermaßen aufregend – Zug fahren! Menschen! Hui. Aber alle hielten Abstand. Und ich weiß jetzt, dass es zwischen Trondheim und Oslo keine (!) Notapotheke gibt. Keine. Wenn man in Lillehammer wohnt, muss man im Zweifel eben 4 Stunden in die eine oder andere Richtung fahren.

Jetzt sehr müde, aber die Erde hat noch keine 100 Grad erreicht. Meh.

Tag 1717 – Corontäne Tag 44.

Michel hat heute ein neues Spiel für die Switch bekommen. Let’s Go, Pikachu. Das war die ausgelobte Prämie für „10 mal in Folge oder 20 mal insgesamt im eigenen Bett schlafen“ und die 10 mal hat er geschafft. Ich habe etwas besorgt nachgefragt, ob er dann jetzt wieder nachts rüberkommt, aber er sagte, er versuche, in seinem Bett zu bleiben.

Es sieht ja auf dem Bild so aus, als spielten sie friedlich miteinander, aber das täuscht. Gewaltig sogar. Fragen Sie nicht, ich bin einfach sehr froh, wenn die ab Montag wieder beide in getrennten Einrichtungen sind, wenigstens ein paar Stunden am Tag.

Pippi macht die ganze Zeit Geräusche, singt, erzählt, rülpst infernalisch laut und drei Familienmitglieder sind nach dem heutigen Tag davon maximal genervt.

Nach der Einkaufstour zum Spiel kaufen im beschaulichen Eidsvoll leider einen Akt großer Dummheit bezeugen dürfen. Auf dem Kreisverkehr feierten ca. 6-7 Jugendliche („Russ“, also die diesjährigen Schulabgänger) mit Sofas und Getränken aus Dosen, ohne Ab- und mit wenig Anstand. Ich sehe Schulen und Kindergärten wieder schließen wegen solcher Vollpfosten und möchte die schütteln, aber das geht auch nicht mit Abstand. Würstchen.

Abends ein Lieblingsessen. Reis mit Scheiß. Oder wie die Kinder es nennen: Reis mit das mag ich nicht ich will Ketchup.

Heute wieder einen Tag von „Menschen sind komisch, und die meisten halt auch dumm“.

Tag 1716 – Corontäne Tag 43 (nachgereicht).

Auch gestern wieder auf dem Sofa eingeschlafen, quasi widerstandslos. Immerhin habe ich noch geschafft, bei der Twitterkneipe aufzulegen.

Gestern war ein recht stressiger Arbeitstag, unter anderem weil unsere Chefin zum Feierabendbier per Teams eingeladen hatte – um vier. Ich musste also alles (drei Fristsachen) bis vier fertig haben. Meine Kolleginnen und Kollegen kennen jetzt den Spruch „kein Bier vor vier“. Aber es war sehr nett. Um halb sechs verschwanden auf einmal alle, und ich hing noch 20 Minuten mit dem einen Kollegen* rum, wir sprachen unter anderem darüber, dass wir beide, obwohl wir nun wahrlich nicht die Allerextrovertiertesten sind und beide unsere Herausforderungen im Bereich „Soziale Interaktion“ haben, die normale Arbeit vermissen, wegen dem Sozialen. (Ein bisschen seltsam ist, dass ich darüber nur mit Leuten reden kann, die auch seltsam sind, ansonsten kann ich da nur drüber schreiben.) Ich vermisse jedenfalls die Arbeit und hab auch direkt davon geträumt, auf diverse Arten. Erst war ich mit besagtem Kollegen auf einem Flugplatz (habe fast das Flugzeug verpasst, also ein altbekannter Stresstraum in neuem Gewand), dann war irgendwas mit einem Brand bei einem Großhändler, wegen dem wir irgendwelche Rechtsfragen klären mussten.

Vielleicht lese ich doch am Wochenende noch den Entwurf zu einer neuen Vorschrift, zwecks Beruhigung der Nerven.

Ab nächster Woche ist wieder Schule, Halleluja. Dann werde ich auch vorerst die Corontäne-Zählung beenden. Die zwei 2. Klassen bei uns wurden in vier aufgeteilt, damit sie die Kohortengröße einhalten können. Eine Lehrkraft wurde fest neu angestellt, eine, die schon öfter ausgeholfen hat, hat ihren Vertretungsvertrag ausgeweitet und verlängert bekommen. Drei mal pro Woche (statt sonst ein mal) soll Draußentag sein. Sport-Hort findet normal statt, Sport aber nur noch Draußen und nur noch Sportarten ohne viel Körperkontakt. Und dann halten wir alle die Daumen, dass es keine furchtbaren Ausbrüche gibt, die sich auf Schulen und Kindergärten zurückführen lassen, damit nicht alles direkt wieder geschlossen wird.

Wir haben weiter Homeoffice und da vermutlich eine (softe) Bedingung für die erlaubte Rückkehr ins Büro sein wird, dass man ohne ÖPNV dort hin kommt, wir aber auch gleichzeitig keine Parkplätze am Werk haben *und* ich mich mit dem Auto pro Weg auf 1 Stunde Fahrt *plus* eine Stunde Stau einstellen müsste, kommt das für mich überhaupt gar nicht in die Tüte, Ende. Mal schauen, ob sie die Kernarbeitszeit aufweichen, das fände ich eine sinnvolle Maßnahme, um zu vermeiden, dass wir uns alle in die Rush-Hour in die T-Bane quetschen. Ich komme gerne, sagen wir, einmal die Woche, von 10-18 Uhr. Dann kann ich auch mit Zügen fahren, die nicht so voll sind, dass man keinen Abstand zu irgendwem halten kann.

Naja, wir werden sehen.

Erste Erfolge sind auch an der Kinderfront zu vermelden: wir haben gestern Abend alle iPads, den Minecraft-Computer und die Switch einkassiert und versteckt. Mit Ankündigung. Die Kinder haben erstens etwas länger geschlafen als letztes Wochenende und zweitens heute früh das Lego entdeckt. Ich denke, das ist, wegen nicht so toll einstellbarer Router-Hard- und -Software, der für uns gangbarste Weg um den ständigen Stress um die Bildschirme zu begrenzen.

So, und jetzt hoffe ich mal ganz stark, dass wir uns heute Abend wieder lesen und nicht erst morgen wieder.

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*ich mag mehrere Leute da echt gern, aber der entwickelt sich langsam zum Lieblingskollegen, trotz oder grade wegen all seiner Seltsamkeiten

Tag 1715 – Corontäne Tag 42.

Wieder nur gearbeitet. Aber wenigstens einen Teil davon draußen auf der Terrasse gesessen. Mit Sonnenbrille. Ich feiere meine neue Sonnenbrille sehr und würde sie am liebsten gar nicht mehr absetzen, auch drinnen nicht. Es ist so viel angenehmer, wenn nicht alles so grell ist, ist Ihnen das schon mal aufgefallen?

Trotzdem bin ich jetzt schrecklich müde. Aber ich hab auch gut was weggeschafft.

Michel hatte heute Besuch von seinem Freund B. (dem Corontäne-Freund) und war deshalb immerhin mal draußen.

Pippi war den ganzen Tag draußen, im Kindergarten eben. Sie wird auch nächste Woche noch eine Draußenlegionärin (-legionelle?) sein. Das bleibt wohl jetzt erst mal so bleiben, wenn ich das richtig verstanden habe.

Herr Rabe hat ein Dings gebaut, für konstanteren Schatten auf der Terrasse.

Ich hab sehr hübsche Blümchen gekauft. Die waren vor 3 Wochen noch maximal 1/3 so groß, Blüten waren gar nicht zu sehen und da wusste ich auch noch nicht, dass die quasi als Erdfliegenfallen funktionieren, die bleiben in den Härchen auf den Blättern nämlich hängen und verrecken verenden dann da. Noch müssen die Pflanzen sich aber langsam an die Draußentemperaturen gewöhnen, die verwöhnten kleinen Drinnenpflänzchen.

Noch mehr Blümels, die leben aber schon draußen (ich hab den nordischen Pflanzenmann gefragt, der meinte, die können Frost ab und bisher können sie das auch).

Und ein Wiederkehrer aus dem letzten Jahr: die Kugelprimel(n).

Hach, hach. Da kann der „Reisen is‘ nich‘!“-Sommer kommen.

Tag 1714 – Corontäne Tag 41 (nachgereicht).

Gestern war Arbeit, Kinderzimmer aufräumen (und dabei ganz kurz davor sein, alles abzufackeln, ehrlich, der/die nächste, die irgendwelches Spielzeug schickt, kriegt es zurück, ES. IST. ZU. VIEL.) natürlich ohne dass die Kinder mitgeholfen haben (auch so ein Grund für echt schlechte Laune) und dann noch mehr Arbeit. Die Arbeit war dazu auch noch echt doof. Danach war ich so müde und es auch schon echt spät, dass ich einfach auf dem Sofa eingepennt bin.

Das war gestern. Vom strahlenden Sonnenschein hab ich nichts mitbekommen. Das ist doch alles echt doof.

Tag 1713 – Corontäne Tag 40.

Uffz. Der Tag war träge und geprägt von Prokrastination. Tjanun. Dafür waren fast 20 Grad draußen. Der Nachbar meinte, vor drei oder vier Jahren waren um diese Zeit -20. Vielleicht hab ich auch deshalb prokrastiniert. Die Welt geht auf alle möglichen Arten gleichzeitig unter. Dürre, Seuche und Heuschrecken in Afrika. Woran erinnert uns das? Ich komm nicht drauf.

Ich war heute auf dem Trampolin, zum Stressabbau ist das auch für Erwachsene sehr schön.

Nach zwei Schwangerschaften und Geburten geht das nur mit Tena Lady. Da hilft auch nicht, dass ich seit nunmehr fast sieben Monaten jeden Tag zwei mal mindestens 10 mal kneife und Fahrstuhl fahre und all das. Das hier schreibe ich für die Frauenärztin und für all die Hebammen, die den Blödsinn verbreiten, das sei alles nur eine Frage des Trainings. Bussi.

Weiterhin habe ich heute den „Ratgeber“ für die Öffnung der Klassen 1-4 nächste Woche gelesen. Auch hier werden die Legionen in Kohorten unterteilt, aber mit maximal 15 Kindern pro Lehrkraft. Doof halt, das Michels Klasse 23 Kinder hat. Muss sich die Lehrerin wohl klonen. (Das wird alles sehr spaßig, aber es wird sich schon ordnen, nicht wahr, und wer weiß für wie lange dann auf bleibt. Aber irgendwer muss ja die Daten beschaffen, ob die Kinder nun wesentlich zur Ausbreitung beitragen oder nicht. Warum nicht Norwegen. Und Dänemark. Wir testen für euch. Kamelåså.)

Wir haben heute kurz überlegt, ob wir Pippi beibringen, ihre Kindergärtnerin mit „Ave!“ zu begrüßen. Gleich mal die Sandalen und das Helmchen für morgen raussuchen.

Ich bin etwas albern heute, und leider auch aggro. Entschuldigung.

Endlich wieder Kindergarten: