Tag 1835 – Hoffnung auf Pilze.

Ich weiß, Sie haben noch Hitzewelle, jaja. Wir nicht so, beziehungsweise seit heute ist auch die norwegische Version von Hitzewelle vorbei und es regnet. Immerhin regnet es noch bei 20 Grad und noch nicht wieder bei 10.

Wenn der Sommer vorbei ist, kommen die Pilze und hier könnte ich jetzt sehr viel Häschtäck Pilzliebe reinkübeln, aber eigentlich trauere ich noch dem Sommer hinterher. Ich will jetzt keinen Herbst mit Corona und allem, noch nicht mal mit Pilzen.

Generell war meine Stimmung heute irgendwo nah am Gefrierpunkt. Abends hab ich dann noch mit Herrn Rabe gestritten. Regen, innen wie außen.

Tag 1834 – Platt und missmutig.

Diese monatlichen Stimmungsschwankungen sind etwas anstrengend, auch heute wieder. Je normaler der Zyklus*, desto schlimmer das PMDS, desto früher will ich also Leute anlasslos langsam zu Tode foltern. Was, das vermute ich allerdings nur, eigentlich eine Projektion meines – genauso anlasslosen – Selbsthasses ist. Hormone. Geile Sache.

Jetzt liege ich also auf dem Sofa und hoffe, dass ich noch mal hoch komme, sehe da aber die ein oder andere Herausforderung drin. Ich muss aber noch so viel, Pizzateig machen zum Beispiel, und Sport machen. Ich möchte aber ein weiteres Schokoladeneis (eins hatte ich schon beim Arbeiten) und schlafen, schlafen, schlafen, auf dass die Laune morgen besser ist. Als würde ich nie dazu lernen, weil die Laune einfach nicht von sich aus besser werden wird, weil die Hormone erst kurz vor der Periode fertig sind damit, mir die Laune zu verhageln. Biologie. SO SCHÖN.

(Ach würd ich nur hormonelle Verhütung besser vertragen. Aber das ist es nicht wert.)

Dabei war heute gar kein schlechter Tag, so insgesamt. Wir inspizieren wieder, und zwar zum Ausprobieren Teil-Remote. Wir gehen schon vor der eigentlichen Inspektion einen ordentlichen Batzen Dokumentation durch, treffen mit dem Hersteller auch schon mal detaillierte Absprachen, was wir alles noch anschauen wollen, damit die entsprechend vorausplanen können, wer wann erreichbar oder vor Ort sein muss und eventuell Leute instruieren können, Verfahren xyz zusätzlich zu ihrem eigentlichen Spezialgebiet abc zu präsentieren. Wir versuchen dadurch, Zeit On-Site zu sparen und auch Kontakte On-Site zu minimieren. Das macht für uns unterm Strich leider mehr Arbeit, aber so ist das eben 2020. Ich finde es allerdings tatsächlich spannend, neue Wege auszuprobieren und es war auch offen gestanden eine wahre Wohltat, wieder ganz stinknormale Inspektionsaufgaben zu erledigen. Insofern war der Arbeitstag gut.

Jetzt muss ich nur noch, aus Gründen, wie so eine Löwenmutter drum kämpfen, dass unser neuer Kollege, der in eineinhalb Wochen anfängt, nicht ganz allein in eine andere Etage gesetzt wird. Herrje. Wer denkt sich sowas aus???**

___

*Ich habe jetzt ab und an anovulatorische Zyklen. Das ist in meinem fortgeschrittenen (hahaha) Alter wohl normal, finde das trotzdem nicht unbedingt amüsant.

**HR.

Tag 1815 – Aufzuhausefreude.

Michel schläft neben mir. So etwa drei Minuten, nachdem wir das Licht ausgemacht haben. Endlich. Endlich ist dieser schreckliche Tag vorbei, an dem er eine Laune hatte, die man nicht mal mehr als herausfordernd bezeichnen kann sondern eher als reine Provokation.

Morgen geht es nach Hause und ich hätte echt ganz gerne mal nen Heimat“urlaub“, an dessen Ende ich mich nicht unbändig auf zu Hause freue. Natürlich waren die Umstände dieses Mal auch sehr speziell, aber es wurde halt auch rundum nicht so wirklich wesentlich besser.

Michel und ich haben auch das gemeinsam: wir wollen einfach nur nach Hause.

Um mit einer lustigen Anekdote abzuschließen: Michel und ich fuhren heute mit dem Auto des Opas Abendessen holen (Döner – das muss sein, wenn wir in der alten Heimat sind), da Carona wirklich gerade so in die Einfahrt des Opas passt und da zum Laden mit geradezu chirurgischer Präzision geparkt war. Erst fragte Michel ganz interessiert, was ich da denn mache. „Schalten.“ sagte ich. „Das kenn ich, das muss man bei Rennwagen auch machen, dann fahren die ganz schnell!“ Michel denkt jetzt also, Opas A-Klasse ist ein Rennwagen und ich bin dann wohl Rennfahrerin. Ich bin nur froh, dass ich das Auto nicht abgewürgt habe und auch nicht im 1. Gang zur Dönerbude gekrochen bin. Schaltwagen fahren ist halt doch wie Fahrrad fahren. Um das zu verlernen, muss man sich schon viel Mühe geben.

Tag 1803 – Gar nicht müde.

Als ich heute morgen aufwachte, war alles super, als ich aber aufstand, schoss mir nach drei Schritten ein furchtbarer Schmerz in die rechte Hüfte, als würde wer ein Messer da rein rammen. Das ging auch nicht weg, weder durch bewegen, noch durch nicht bewegen, noch durch vorsichtiges Gegendehnen. Irgendwas hat sich da wohl eingeklemmt, verhakt, was weiß ich, jedenfalls hatten sich damit meine Sportpläne für heute erledigt und meine Laune auch, aber sowas von.

Als Resultat habe ich an dem Rock meiner Oma weitergemacht, aber erstmal rückwärts. Menschen, denen ich in Nähsachen vertraue, töten mir von Kräuseln ab und sie hatten recht, mit Falten sieht das schon viel weniger trutschig aus. Allerdings ist es mit Falten viel schwieriger, auf die richtige Weite zu kommen. Aber ich bin jetzt so weit, wie ich vor einer Woche schon war und kann morgen das Bündchen ansetzen und hoffentlich traue ich mich dann auch endlich, den zu vielen Stoff abzuschneiden.

Jedenfalls sollte ich wohl morgen früh aufstehen, also früher als heute, aber dann sollte ich wohl auch jetzt schon lange schlafen, aber kann nicht. Ich habe noch Finanzen gemacht (To-Do-Listen Check), Drag Race geguckt, jetzt blogge ich und trinke warme Milch mit Honig und hoffe, dass die Bettschwere trotz Schmerzen im Po und nicht gemachtem Sport und aufgestauter Energie und leichter Aggression bald kommt.

Tag 1691 – Corontäne Tag 18.

Zu wenig Schlaf macht mich nicht grad froh, und dann ist der Geduldsfaden sehr kurz und ach. Es war einfach kein guter Tag. Ich befürchte, das wird alles noch länger (also so bis zum Sommer) so weiter gehen und ich hab keine Ahnung, wie ich das machen soll. Wie wir das machen sollen. Das dauernde aufeinander hocken tut uns allen nicht gut. Dann rufen noch sowohl Kindergarten als auch Schule an, während die Kinder sich grad die Köppe einschlagen, und fragen „wies so läuft“. Jaha, wie soll es laufen, momentan machen wir zu zweit 28 Stunden Arbeit am Tag, ab morgen machen wir immer noch 24,5 Stunden Arbeit am Tag aber dann auch noch mit Geldsorgen. Danke, SUPER LÄUFTS! Den Kindern fällt die Decke auf den Kopf und ich ertrage das alles nicht mehr, dieses dauernde Geschrei und Gemotze und Gestreite und Wutanfälle DEN. GANZEN. TAG. Ohne ne Chance, mal weg zu können. Ohne die Aussicht, dass das zeitnah vorbei ist. Ich glaube nicht an „nach Ostern“. Ich wette ne Rolle Klopapier drauf, dass sie am 8. sagen werden, dass die Maßnahmen hier bis Ende April verlängert werden. Mark my words.

Die Kinder haben heute immerhin nach all dem Gemotze beim Putzen geholfen. Aber nur beim lustigen Teil vom Putzen.

Volle Action, deshalb sind beide Bilder unscharf.

Der Kollege, der sonst Rücken an Rücken mit mir sitzt, hat Covid19-Symptome. Wird aber nicht getestet, denn auch hier ist es nicht mehr möglich, alle zu testen, die man eigentlich testen müsste, denn die Tests sind knapp. Und bitte erzählen Sie mir nicht, Deutschland würde viel testen, wenn Deutschland so viel testen würde wie Norwegen, müsste Deutschland inzwischen fast 3,5 Millionen Tests durchgeführt haben und wie gesagt, bei uns reicht das noch nicht aus. Aber jaja, der Berliner Virologe sagt, es wird „viel“ getestet. Jaja.

Ich hab doch auch keine Lösung. Ich bin einfach komplett alle, schon nach zwei Wochen.

Tag 1690 – Corontäne Tag 17.

Kann mir nicht wer ein Plugin schreiben, dass die Titel automatisch generiert?

Herr Rabe macht ab Dienstag schon Kurzarbeit und aus diversen Gründen bin ich unfassbar wütend auf seinen Arbeitgeber. [Rant-Absatz gelöscht. Lieber Arbeitgeber von Herrn Rabe: falls ihr reden wollt (muhahahahhahaaaaaaaaa!) oder einfach nur wissen wollt, weshalb Leute echt sauer sind auf euch: man kann meine emailadresse googeln.]

Pippis Kapazität, die dauernde Fremdbestimmung auszuhalten, war heute erschöpft. Ein kleines Wutzwergchen wollte sich nicht anziehen und diverse andere unmögliche Dinge, weil es einfach ums Verrecken nicht mit wollte zu Michels Freund B. Einfach nein, einfach gar nicht. Nur leider sagt sie das nicht so, sondern schreit und tritt und tobt und kreischt und weint. Nachdem ich dann mit ihr zu Hause blieb und Herr Rabe mit Michel gefahren war, war alles ok, wir spielten erst zusammen, dann durfte ich auch allein was machen und nach zwei Stunden war es auch ok, dass Herr Rabe uns abholte und wir zum Essen zu B. fuhren, wo sie dann gewohnt fröhlich war.

Es ist echt grad echt schwer für alle.

Herr Rabe meinte heute morgen, die Küche sähe nach meiner Putzaktion aus, als wolle ich sie verkaufen. Ich bin jetzt ein bisschen stolz auf mich und muss kurz damit angeben.

Wir socializen jetzt echt mehr als ohne Corontäne. Es ist ein seltsamer Effekt. Aber irgendwie auch vorhersehbar. Wir kommen ja sonst nie raus, andere aber schon. Jetzt kommen alle nie raus.

Blöde Zeitumstellung soll sich gehackt legen. Jedes Jahr der gleiche kack. Jetzt ist es halb eins und ich nicht müde. Vielleicht stehe ich einfach morgen um fünf Uhr auf um mir einen ordentlichen Schlafmangel zu verpassen, damit ich morgen Abend müde genug bin um um neun zehn ins Bett zu gehen. Ach nee, ich muss ja abends noch nacharbeiten. Beschissenster Tag des Jahres in beschissenstem Monat seit immer August 2018.

Morgen geht eine neue Woche los. Ich mag nicht mehr.

Tag 1633 – Erfolglos die 2.

Ich habe weitere viereinhalb Stunden meines Lebens an Minecraft verschwendet und möchte einfach nur noch Minecraft in Schutt und Asche legen. Was für eine unfassbare Rotze. Alles war besser, damals, als man einen Datenträger oder von mir aus auch vier bis zwanzig Floppy Disks kaufen konnte und dann saß man halt einen halben Tag davor und tauschte Floppy Disks aber am Ende lief alles. Heute lädt man das Spiel und dann lädt man noch ein extra Dings mit dem man die Extensions abspielen kann und dann lädt man die Extension und es läuft einfach mal gar nichts, weil irgendwelche Versionen nicht zusammen passen. Am Ende schickt man wütende Mails mit wüsten Beschimpfungen („schlimmer als Word“) an die Spielevertreibenden und will sein Geld zurück und es dauert weitere viereinhalb Stunden, bis einer nicht mehr kochend heißer Dampf aus den Ohren schießt.

Ich hasse Minecraft und es hat nichts mit dem Spiel an sich zu tun. Yeah.

Abends wütete dann verständlicherweise Michel herum, weil „einfach gar nichts geht, wie es soll“ und zur allgemeinen Gemütsberuhigung habe ich ihm dann eine Hülle für sein Schul-Tablet genäht. Eine zu kaufen gestaltete sich nämlich schwierig, weil da schon so ein dicker Bumper drum ist. Innen ist wasserdichter Stoff, aus Gründen, und gefüttert ist es, damit es etwas stoßfester ist. Den Stoff hat er sich aus meinem Fundus ausgesucht und der ist von der lieben Tanja <3.

Tag 1566 – Keine Freude.

Es ist nicht das erste Mal, aber ich muss nochmal kurz über PMS ranten. Obwohl ich eigentlich ja beschlossen habe, es konsequent PMDS* zu nennen, weil das hier alles nicht mehr normal ist.

Ich hasse alles. Wirklich alles. Ich hasse, dass Herr Rabe mit den Kindern gebastelt hat. Ich meine, GEBASTELT. Lustige Schneemänner. Dabei haben sie Weihnachtsmusik gehört, was ich hasse. Ich habe derweil die Meerschweinchenbox geölt, was ich hasse, weil es stinkt und eh nicht reicht, um das Ding Pipifest zu machen, weshalb nach drei Wochen die Kiste für immer Meerschweinpipigeruch verströmen wird. Und nein, Hass ist kein zu starkes Wort, ich bin derart geladen, dass ich mit keinem mehr rede, weil ich sonst gemeine, verletzende Dinge nicht nur sagen, sondern brüllen würde. MEINE FRESSE AUTOKORREKTUR, BRÜLLEN IST EIN VERB, DAS SCHREIBT MAN KLEIN! Entschuldigung.

Nichts macht mir Freude. Ich bin so gefangen in meiner grundlosen Aggression gegen absolut alles, es gelingt mir nicht, die von Herrn Rabe verteilte Weihnachsdeko (AM TOTENSONNTAG!) schön zu finden, oder den gebastelten Schneemann mit Puschelschwanz niedlich. Ich schaffe es nicht.

Ich hasse mich selbst und meinen Körper, der mir Schmerzen bereitet. Dass ich es nicht zum Sport schaffe, weil HASS auch auf Sport und das Fitnessarmband und den ganzen Leistungswahn man muss immer schön aussehen und straff sein und ob ich Schmerzen habe oder nicht liegt ja auch in meiner Hand, Sport ist so toll bei all dem, JAJA FU SPORT.

Am schlimmsten ist aber dieser allgemeine Zustand, dass ich einfach nicht abstellen kann diese unfassbar schlechte Laune zu haben und im Prinzip ein wandelnder Mario-Barth-Witz bin. Ich weiß nicht was tun, soll ich drüber reden und mich der Lächerlichkeit preisgeben, eventuell andere Frauen mit reinreiten, die PMS haben weil „HAHA, DU BIST SCHON WIE FRAU RABE!!!“ oder soll ich es lassen und die Zähne zusammenbeißen und einfach „Heut schlechte Laune, kein Eintrag“ schreiben? und das unsichtbar machen, dass es Leute gibt, die WIRKLICH JEDEN MONAT EIN FUCKING PROBLEM HABEN und dass uns niemand hilft (LOOKING AT YOU, GYNÄKOLOGIN!)?

Wie eine es dreht: das Patriarchat lacht sich immer ins Fäustchen.

___

Disclaimer: Bitte. Keine. Gesundheitstipps. Keine. Gar keine. Wirklich. Keine.

___

*prämenstruelle dysphorische Störung, googeln Sie das ruhig, Kurzfassung: die wahlweise depressive oder alles kleinhackende große Schwester von normalem PMS

Tag 1516 – Man sollte…

… so vieles. Für die PMS-Tage vorbloggen, zum Beispiel. Ich hasse alles an diesen Tagen, vor allem hasse ich, dass ich so ein Opfer meiner Hormone bin und mich null unter Kontrolle habe und alles so hasse. Dann wieder fange ich an zu heulen, weil Herr Rabe ein Lied anmacht, das ich mag, das ist so lieb und ich ärgere mich doch nur die ganze Zeit über alles, also auch ihn und die Kinder und die übervolle Maschine Wäsche, die ich gewaschen und aufgehängt habe und in der außer Socken von mir ungelogen kein einziges f*cking Kleidungsstück war, ja bin ich denn hier der Haushalts-Arsch-vom-Dienst oder was?

So ein Tag ist heute und deshalb bin ich jetzt auch im Bett und nicht unten bei Herrn Rabe, weil ich dann vielleicht Sachen sagen würde, die alle mit Beziehungstötenden Worten wie „IMMER“ und „NIE“ anfangen und die mir in drei Tagen sehr leid tun würden.

Am meisten hasse ich übrigens die Spirale, die mir in dieser Hinsicht entgegen aller Hoffnung gar nix gebracht hat und die auch ansonsten (abgesehen von der erfolgreichen Verhütung) nur mit Nebenwirkungen glänzt – zum Beispiel damit dass ich den Scheiß nun im drei-Wochen-Takt mitmachen darf. WUNDERSCHÖN, danke Merkel M*re*a.