Tag 889 – Zäh und ätzend.

Ist es ein Kopfschmerz?

Ist es eine schlechte Laune?

Nein! Es ist PMS!

(Vermutlich.)

Es ist früh dran, wir werden sehen, wie lange es bleibt und wie dringend da der Handlungsbedarf ist. In jedem Fall besteht welcher. Ist ja auch ne Einsicht.

Jedenfalls machte es mir den Tag heute schwer. Haben Sie mal versucht, alles hassend, allen voran sich selbst!, Bewerbungen zu schreiben? Wenn’s nur irgendeine gewesen wär, aber diese hier war mir wichtig und die werde ich modifiziert auch noch mehrmals an das gleiche Unternehmen schicken, denn da sind mehrere sehr ähnliche Post doc-Stellen ausgeschrieben. Und die heute, die erste, das ist die beste von denen und das Unternehmen ist jetzt aber auch nicht grad bekannt dadurch, Underachiever einzustellen, also: hui. Huiuiui. Ich habe schlussendlich nach Mittagessen, Dusche, drei Kaffee und einer Kopfschmerztablette doch noch etwas geschafft, mit dem ich zufrieden bin. Ich würde mich einstellen – und das sage ich nicht oft. Aber der Weg war steinig heute.

Dazu kam:

  • Mahnung über die längst bezahlte Miete.
  • Nervige Korrespondenz mit der Mietmakleragentur, über die die Wohnung hier gemietet ist. Fazit: Verlängerung nur um zwei Monate (bis Ende April) möglich, danach muss ein neuer Vertrag her, mit dem wir uns dann wieder eine ewig lange Kündigungsfrist ans Bein binden.
  • SAS stellt sich quer, mich für die gecancelten Flüge zu entschädigen.
  • Nachricht, wann meine Defense sein wird: am 22. *grobe Flüche einfügen* JUNI. Aus Gründen, aber: ALTER!!! Das sind noch mehr als 5 Monate, what the actual eff. 5 Monate, um wirklich sicher zu gehen, dass ich verrückt werde. Ich hasse es. In Kombination mit dem zweiten Punkt besonders prickelnd.

Darf ich in meiner pessimistischen, misanthropischen Grundhaltung mal kurz was prophezeien? Nein? Mir egal: die Versicherung wird nicht für die gestohlenen Sachen aufkommen, die Firma mit dem vergeigten Vorstellungsgespräch nicht für die Reisekosten aufkommen, SAS wird einfach weiter behaupten, das Wetter war schuld und das Restaurant wird am 22.06. nicht können, weil die Cousine des Schwagers des Inhabers da heiratet. Und Job kriegen/Umziehen/KiTa-Plätze besorgen wird die Hölle auf Erden.

So, dann wäre ich jetzt bereit, mich positiv überraschen zu lassender wenigstens sagen zu können: tja, hab ich ja gesagt, dass es so kommen wird.

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Auto-Lobhudelei: Bewerbung geschrieben, nur kurz wegen des Datums für die Verteidigung geheult, nichts angezündet.

Tag 879 – Mist, Mist, Mist.

Blöder Tag. Zu krank zum Rodeln, mein Pulli aus sauteurem, superkuscheligen Sweat sieht doof aus und ich weiß nur zum Teil, was ich falsch gemacht hab*, und dann ist mir grad beim Spülen der vef*ckten Spätzlepresse** auch noch der komplette Daumennagel abgerissen, bis ans Fleisch ran und obendrauf noch was abgesplittert. Mehr heut nicht.

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*Ich kann den Füßchendruck nicht reduzieren, meine Nähmaschine sieht das offenbar nicht vor. Bitte nicht mehr vorschlagen, bis ich eine andere hab. Danke.

**Ich hasse dieses Ding. Es ist unmöglich zu spülen und passt nicht in die Spülmaschine. Unhandlich und schwer ist es auch und beim Einfüllen von Teig tropft immer was vom Stempel in den Griff. Drecksding.

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Tag 846 – Es ist wieder da.

Der Montag aller Montage, denn um halb zehn bekam ich eine Nachricht, dass ein neuer eDialog mit meinem Arzt für mich vorläge. Ich loggte mich da also fix ein und:

Aus dieser Nachricht lassen sich folgende zwei schlechte Nachrichten entnehmen: 1. wurden, obwohl ich doch extra noch rumdiskutiert und -genervt hatte, nur zwei von fünf erforderlichen Werten gemessen. Zu Morbus Basedow gehören nämlich: TSH stark erniedrigt, freies T4 und freies T3 erhöht (das ist eigentlich ein Feedback-Mechanismus: TSH kurbelt zwar die Produktion von T3/T4 an, die wiederum hemmen aber die Freisetzung von TSH. Bei Morbus Basedow werden aber aus anderen Gründen wie bekloppt T3 und T4 produziert, TSH wird dadurch trotzdem gesenkt), weshalb nur fT4 gemessen wurde weiß der Himmel (oder die Arzthelferin). Und dann gehören noch die Antikörper dazu: da gibt es TSH-Rezeptor-Auto-Antikörper (TRAK, oder hier TRAS), der tut quasi so als wäre er TSH, bindet an den Rezeptor und veranlasst so die Ausschüttung von immer mehr fT3 und fT4. Und es gibt noch anti-TPO (Thyreoperoxidaseantikörper), der ist zwar nicht beweisend für MB, ist aber trotzdem auch oft erhöht. Ohne die Antikörper ist also zu einer *Autoimmun*hyperthyreose nicht so viel zu sagen. Nachdem man sicher 20 Blutproben zu diesem klinischen Bild abgeliefert hat, weiß man sowas. Bei mir waren beide Antikörper immer noch leicht erhöht, obwohl ich seit zweieinhalb Jahren keine Schilddrüsenblocker mehr nehme und trotzdem einen normalen Stoffwechsel hatte. Also normale fT4, fT3 und TSH-Werte.

Jetzt halt nicht mehr, das ist schlechte Nachricht 2: fT4 ist zu hoch (sorry Twitter, doch nicht 39, aber trotzdem deutlich über dem Referenzbereich) und TSH wieder nicht mehr messbar, weil zu wenig.

Und so fühle ich mich ja auch.

Und das heißt jetzt für mich:

Wieder Arztmarathon, dauernde Blutentnahmen, lange auf Besserung der Symptome warten, nebenher eine Doktorarbeit schreiben, es ist Weihnachten, und HOFFENTLICH KOMMT DIE VERFLUCHTE AUGENSCHEISSE NICHT WIEDER.

Hups, sorry, doch etwas emotional geworden.

Aber wie soll ich denn auch reagieren, nachdem ich beim (Haus-!!!)Arzt erst 15 Minuten in der Warteschleife hänge und mir dann mit den Worten „so dringend ist es nicht, aber Sie dürfen am Mittwoch kommen, eigentlich haben wir ja bis Weihnachten keine Termine mehr“ abgespeist werde und dann noch drum bitten muss, dass das Blut für die fehlenden Werte doch im Krankenhaus (erneut) abgenommen werden könnte? Dann hätten wir die Ergebnisse Mittwoch früh, bittebitteliebguck? Ich schätze, der Arzt und auch seine Sprechstundenhilfen mussten noch nie ein Jahr lang jeden Abend Salbe in die Augen schmieren, weil die nachts einfach aufgingen und austrockneten, sonst hätten sie Verständnis für meine Panik und meine Verzweiflung gehabt und würden mir nicht am Telefon indirekt vorhalten, dass es ja nicht so dringend sei und die Praxis ja so voll.

Meine Fresse.

Als Krönung des Ganzen musste ich dann übrigens in der Blutabnahmestelle des Krankenhauses über eine Stunde warten, traf meine einzige Freundin (die hat das Gleiche, es wär lustig wäre es nicht so scheiße) und brach in Tränen aus, und musste zu guter Letzt mit der Krankenschwester WIEDER HERUMDISKUTIEREN WEIL DER HAUSARZT DIE BLUTPROBEN EBEN NICHT ONLINE BESTELLT HATTE.

Langer Rede kurzer Sinn: es war ein richtig beschissener Tag, ich habe keine Zeit für diesen Mist, NEIN, ICH WERDE MICH NICHT KRANKSCHREIBEN LASSEN, JA, ICH WEISS, DASS ICH UND DIESE EINSTELLUNG DARAN SCHULD SIND, JA VERDAMMTE SCHEISSE.

Hups, schon wieder emotional. Und böse Fäkalwörter benutzt.

Aber ich kann’s echt nicht mehr hören.

Ich werde übrigens auch kein Selen, Vitamin B Oder D Oder Bachblüten oder Schüsslersalze nehmen, nur falls Sie schon kommentieren wollten. Ja, ich habe im Prinzip gute Ärzte hier. Nur halt nicht in der Hausarztpraxis.

Ich werde den Arzt am Mittwoch um Neo-Mercazole und Beta-Blocker bitten, sowie darum, dass die Blutproben im Krankenhaus genommen werden, weil ich wirklich, wirklich keine Zeit habe, jede Woche zwanzig Minuten in der Praxis zu sitzen, bis ich dann mal an den Tresen darf, wo ich dann mein Sprüchlein aufsage, um dann nochmal eine halbe Stunde im Wartezimmer zu sitzen (umgeben natürlich von all den Magen-Darm-Grippe-Windpocken-Nasen), und dann schicken die das ans… Krankenhaus zur Analyse. Also, die 2/5 der Werte, die bestimmt werden sollen. Nach Weihnachten können wir so Späße gern wieder machen, da ist mir egal, ob ich erstmal ne Woche lang Wartezimmerseuchen auskurieren muss, aber bis dahin: No. Way.

Und übrigens: laboratorieresultater ist ein Wort, genau wie Laborergebnisse.

Auto-Lobhudelei: ich hab nur kurz wegen der ganzen Geschichte auf dem Klo geheult* und mich dann zusammengerissen und mit einer Einstellung die inzwischen nur noch f*ck it ist und kein „ich will das super gut machen, das ist mein Lebenswerk, was sollen sonst die Leute von mir denken???“ mehr die Einleitung zum Manuskript fertig geschrieben. Und, wichtiger, ich hab das mit den blöden Blutproben organisiert, also den Job der Arzthelferinnen gemacht, bittegern, Wanna get shit done? Ask your Graves-friend!

F*ck it.

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*und dann zu Hause noch mal und ordentlich. Herr Rabe erinnert sich nämlich noch an die Augensalbe und auch die Rennerei, um das nicht lieferbare Neo-Mercazole zu bekommen, und die fünfzehn Schwangerschaftstests, weil mein Zyklus keiner war, und den Haarausfall und die Pickel. Der versteht das.

Tag 802 – Seufz.

Tag fing gut an und ging scheiße weiter, weil Pippi schon wieder krank ist und abgeholt werden musste, ich aber grade dabei war, Zellen auszusähen, was mir auch unvermeidbar viel Arbeit für die nächsten anderthalb Tage einbringt.

Ich verbrachte also einen halben Tag mit Pippi (und Michel, der Rübennase, der UNBEDINGT auch mit nach Hause wollte und dann ziemlich viel Dinotrux guckte) im Bett, wurde hungrig und dann auch wieder nicht, wie müde gibt es da ja so nen toten Punkt, danach geht’s erstmal wieder ne Weile.

Dann kam Herr Rabe, ich holte mein The Ordinary-Paket von der Post und kaufte Sahne, es gab essen, ich brachte Pippi ins Bett, prokrastinierte ein wenig im Internet herum und dann fuhr ich wieder zur Arbeit, weil ich einfach nicht fertig geworden war heute Mittag. Medium ansetzen, Puffer autoklavieren, Zellen fürs Mikroskop aussähen. F*ck, ans Mikroskop muss ich ja auch noch.

Es kotzt mich so an, alles daran. Entschuldigung, aber es muss jetzt mal raus. Arbeitenarbeitenarbeiten, alles für den (nein, die!) Artikel, die Fischleute melden sich nicht, bestimmt wollen die mich doch nicht und die K. traut sich nicht, mir das zu sagen, dazu Kind krank, ständig ist dieses Kind krank und ich raste einfach bald aus, wenn mir die KiTa-Betreuer*Innen pseudo-mitleidig sagen, dass „das halt so ist, im Herbst und in dem Alter“. Ist das so? Warum kriegt man dann keine extra Kindkrank-Tage für U3-Kinder? Und nein, ich werde mich/sie auch nicht krankschreiben lassen, um noch ein paar Wochen mehr rauszuschinden aus meinem Vertrag, denn wissen Sie, was das dann heißt? Dass sich diese Tortur noch über Weihnachten hinzieht. De Facto habe ich dann kein Weihnachten.

Lieber arbeite ich die nächsten acht Wochen nachts.

Tag 744.2 – Doch noch mehr hingerotzt.

Wissen Sie, dieses PhD-Dings, mit kleinen Kindern, das ist nicht nur ein bisschen anstrengend. Jedes für sich ist anstrengend und die Kombination ist… ach. Ach, ach, ach. Mir gehen die Vergleiche aus. Ich würde schreiend im Kreis laufen, aber nicht mal dafür hab ich Zeit. Ich würde so gerne zu Fuß zur Arbeit gehen, und wenigstens ein bisschen Energie körperlich loszuwerden und den Kopf freizukriegen, aber… das kostet mich ne Stunde jeden Tag, in der Stunde kann ich arbeiten, oder Zeit mit den Kindern verbringen, oder einen Wocheneinkauf erledigen. Ich beneide meine Kolleginnen, die noch keine Kinder haben und auch die, die mit ihrem PhD fertig sind (ok, nicht alle, das Kein-Geld-Problem betrifft nicht nur mich, sondern fast die ganze Arbeitsgruppe). Aber eigentlich hab ich auch für Neid und andere Befindlichkeiten keine Zeit. Oder dafür, die Arbeit von anderen zu korrigieren und auszubügeln und für sie mitzudenken. Ich bin jetzt der Arschloch-PhD-Student, der sein Projekt als das WICHTIGSTE DER GANZEN WELT ansieht, weil, naja, meine kleine Welt hängt grad sehr von diesem Scheiß ab. Den Kollegen, die darüber stöhnen, möchte ich vor den Kopf knallen: wisster, in zweieinhalb Monaten seid ihr mich eh los! Und dann komme ich nach Hause, wieder zu spät, der Mann ist genervt, die Kinder entweder hypnotisiert vor dem Fernseher, oder beim Freund (Michel) oder im Ausrastmodus, ich bin so müde, Herr Rabe kocht, ich bin so müde, alles ist wie Blei, wir essen, die Kinder nörgeln, Michel will Dinge, wir stehen tausendmal beim Essen auf um Dinge zu holen, ich bin so müde, dann ist mindestens ein Kind plötzlich fertig mit Essen, oder ruft vom Klo, oder eskaliert wegen irgendwas. Ich bin erst halbfertig mit Essen. Und ich bin so müde. Das Essen dauert 1/3 länger als notwendig, weil ich pausenlos erkläre, dass ich noch nicht fertig bin mit essen. Kinder ins Bett bringen, es wird acht, scheiße so spät schon, dann kommen die morgen wieder nicht aus den Federn, Pippi turnt, Michel labert, ich bin so müde. Aber ich schlafe nicht mehr bei denen ein, ich hab ja keine Zeit. Wieder hoch, das Essen wegräumen, spülen, eventuell Brotdosen machen. Ich müsste noch *hier random Arbeitsdings einfügen*. Schnecken. Wäsche. Ich müsste noch *hier random Arbeitsdings einfügen*. Bett. Arbeitsdings dann morgen. Hab ja Zeit, so ca. 9 Stunden, wenn’s länger dauert ist der Mann eben noch ein bisschen genervter und die Kinder noch ein bisschen unausgeglichener. 
Noch zweieinhalb Monate, dann bin ich das los. 

Tag 723 – The day I got scooped. 

Tag kann weg. Komplett. 

Heute morgen las ich den Anhang einer Mail, die wir (mein Chef, meine Kollegin und ich) gestern schon von einem Collaborator mit den Worten „I guess you have noticed this article, if not, here it is“ bekommen hatten. Im Anhang ein Artikel einer Gruppe, vom 29.6., in dem unsere bahnbrechenden Ergebnisse stehen. Also, die haben das natürlich nicht geklaut, die sind da schon selbst drauf gekommen, aber jetzt sind unsere Ergebnisse eben nicht mehr bahnbrechend, sondern… ein müder Pups. Blockflöte statt Fanfare. Das wäre ja alles schon scheiße genug, wenn nicht auch noch zwei ärgerliche Randbedingungen dazu kämen:

  1. Unser Artikel dazu sollte schon Ende letzten Jahres eingereicht werden, es fehlten nur noch zwei Bilder. Die fehlen bis heute und das ist nicht meine Schuld, sondern ne Mischung aus „der einzige Typ DER WELT, der das kann, hat wenig Zeit“ und „der priorisiert uns aber auch nicht, weil, ach, es eilt ja nicht“. 
  2. Einer der Co-Autoren war auf der Konferenz in den USA an meinem Poster und tat ganz interessiert. Der jetzt publizierte Artikel wirkt sehr wie „Oha, das muss schnell raus, sonst sind die Norweger schneller“. 

Wenn es irgendwas gebraucht hat, um meine Entscheidung gegen Academia zu zementieren, war’s das. Ich hab so die Schnauze voll. 

(Bevor sie fragen: natürlich geht’s weiter. Krönchen richten und so. Aber es ist so SO SO!!! ärgerlich, ich finde eine Runde heulen und eine Runde Schnaps da durchaus legitim.)