Tag 2512 – Kleiner Lichtblick.

Es war ein Scheißtag, ganz einfach. Von vorne bis hinten. Gut: bei der Arbeit im Büro mehrere Stunden konzentriert an was gearbeitet (wieder 1,5 Überstunden) und das gut hinbekommen. Auch gut: abends zum Tanzen gegangen, da ist jetzt das Semester eigentlich vorbei, dafür machen sie Sommerkurse und ich habe mich zu einem Kraft- und Flexibilitätstraining angemeldet. Das war schei*e anstrengend, aber gut.

Tag 2495 – Laune und so.

Aus familiären Gründen war der Tag ziemlich für die Tonne. Manchmal frage ich mich, warum ich es für eine gute Idee hielt, mit Menschen, davon einigen Minderjährigen, zusammen zu leben. Dann fällt mir wieder ein, dass ich das lange für alternativlos hielt.

Trotzdem muss das für heute reichen an diffusen Andeutungen. Ich gehe jetzt halt einfach ins Bett und gut.

Tag 2321 – Geh weg!

Zwei Dinge, die ich absolut nicht vermisst habe, kamen heute wieder zu Besuch. 1. Blasenentzündung (bitte keine Tipps) und 2. ein verschobener Brustwirbel (bitte keine Tipps). Ersteres hätte ich gerne mit zwei Kannen FAK-Tee bekämpft, der ist aber alle und wir haben vergessen, neuen zu kaufen. Es wurde deshalb eine Kanne (weil’s halt nicht schmeckt) Kamillentee, plus Wasser. Die Teekanne fasst fast zwei Liter, insofern dürfte ich heute ca. vier Liter getrunken haben, das sollte ja eigentlich reichen. Allerdings habe ich das Gefühl, dass mein Körper statt die Blase zu spülen, das ganze Wasser lieber einlagert. Dieser Zyklus dürfte dann gerne auch langsam zu Ende sein.

Der Brustwirbel ist so eine Sache, das hatte ich als Jugendliche oft. Der Orthopäde meines Vertrauens erklärte mir das so, dass die Brustwirbel sich verschieben, worauf das Gewebe drumrum mit Verhärtung und Entzündung reagiert, was auf die Nerven drückt, was Schmerzen macht. Da macht man nicht viel, machte man zumindest damals nicht, außer den Wirbel wieder einrenken (war meist schon gar nicht mehr nötig, weil wieder zurückgerutscht) und eventuell viel oder sehr viel Schmerzmittel lokal oder systemisch und Rückenübungen um dem vorzubeugen (so war ich mit 18 in der Rückenschule, wo ich mit lauter Rentner*Innen lernte, Wasserkästen nur aus den Beinen zu heben und ähnliches. Danach ging ich zum Training, wo ich mich von anderen Mädchen, die ein bisschen leichter waren als ich, anspringen ließ um aus voller Fahrt irgendwelche Hebefiguren zu machen). Ich dachte ehrlich gesagt, das sei ca. Gleichzeitig mit den Hebefiguren aus meinem Leben verschwunden, aber nein, scheinbar nicht. Und genau wie beim ersten Mal, dachte ich erst, mir wäre diffus schlecht oder ich hätte vielleicht Magenschmerzen? (Oder halt nen Herzinfarkt, weil ich hypochondrische Tendenzen habe.) Aber nein, es ist der Rücken und es strahlt nur aus. Ich hab hier nur keinen Orthopäden, nur ne Hausärztin*, und die würde sicher erst mal zum Röntgen überweisen, und bis ich da nen Termin habe, ist es von selbst wieder weg.

Also Ibu, Wärmekissen und warten. Ich bin übrigens eine unerträgliche Kranke, und habe deshalb Herrn Rabe eben schon angefaucht, der nur helfen wollte.

Hasse alles.

___

*genauso wie andere Fachärzt*Innen gäbe es Niedergelassene nur privat praktizierend für so 2000 Kronen pro Besuch. Immerhin kriegt man bei denen sofort nen Termin, aber, puh. Puh!

Tag 2287 – Das neue Normal.

Als würde man mal eben so umswitchen von 100% Homeoffice auf irgendwelche Hybriddinge, weil ArBeiTgEbEr dAs So WüNsChEn. Ich wünsche mir immer noch ein Pony. Ich wünschte mir viele Monate lang, das Aerosole ernst genommen werden. Und, hat‘s irgendwen interessiert?

Herr Rabes Auftraggeber wünscht 3 Tage Präsenz im Büro. Mein Arbeitgeber wünscht bekanntlich „so viele wie möglich so viel wie möglich“ im Büro, will andererseits aber scheinbar nicht in mehr/größere Räumlichkeiten investieren. Der Unterschied zwischen Herrn Rabe und mir ist der Angestelltenstatus und das Gehalt. Wenn der Auftraggeber sagt „spring“, hat das einen anderen Charakter als wenn das Werk sich irgendwas wünscht. Deshalb fährt Herr Rabe morgen, übermorgen und Donnerstag ins Büro und ich nur Donnerstag und das auch nur, weil ich den Kollegen so lieb hab wir ein externes Pre-Meeting mit der Site haben, die wir ab nächster Woche remote inspizieren. Technik will also getestet werden.

___

Ich hab schlechte Laune heute und gehe mir selbst auf den Zeiger damit. Gestern hatte ich mich schon entschlossen, heute einen „Planungstag“ zu machen und den Großteil des Tages abzufeiern. Heute wachte Pippi allerdings ziemlich verrotzt auf und die Arbeitszeitabrechnung lief dann eben auf Kindkrank raus, ansonsten war es kein großer praktischer Unterschied. An zwei handverlesenen Meetings habe ich teil genommen und ein paar Mails beantwortet. Ansonsten habe ich private (wichtige und liegen gebliebene) Mails beantwortet, den Bankwechsel weiter voran getrieben, war mit Michel bei der Zahnärztin und abends meine Haare schneiden lassen. Habe Hautpflege bestellt, eine Retoure zur Post gebracht, und immer wenn ich gezwungen war, an Die Sache(TM) bei der Arbeit zu denken, wollte ich mich nur noch eingraben und dementsprechend war dieser Planungstag wirklich nötig. Jetzt bin ich mit meinem und unseren Privatkram wenigstens wieder halbwegs à jour, das macht den Kopf wieder freier.

___

Absurder Strompreis ist völlig absurd und man muss sich echt langsam überlegen, ob es nicht vielleicht ne Möglichkeit wäre, den Wecker auf 3 Uhr nachts zu stellen, um dann zu duschen. Alternativ kalte Dusche (nein!!!).

___

In der Zeitung steht, wir sollen die Kinder nicht so be-helikoptern, denn Lehrlinge könnten heutzutage knapp selbst Zähne putzen, die Schule sagt (indirekt), Kinder ab der 2. Klasse können 4 km Schulweg zu Fuß bewältigen, aber die Eltern sollen bitte mit gehen und Fahrrad fahren bitte nicht, und die Zahnärztin sagt, wir sollen, bis die Kinder 12 sind, die Zähne nachputzen. Ehrlich gesagt habe ich keine Lust mehr, grundsätzlich alles immer irgendwie falsch zu machen. Entweder werden die Kinder nicht schnell genug selbständig genug oder man vernachlässigt sie, meist je nach Blickwinkel beides gleichzeitig. Hrmpf.

Tag 2253 – Vom übern Tisch ziehen.

Für die Grünen in Norwegen (und die homophoben Christen) hat es nicht ganz gereicht, sie haben jetzt (jeweils) drei Sitze im neuen Storting. Hätten sie es über die Hürde geschafft, hätten sie (je) vier Ausgleichsmandate bekommen. Tjanun. Nächstes Mal dann, wenn auch alle gemerkt haben, dass sich manch eine Partei nur für den Wahlkampf schnell noch grün angemalt hat, aber Klimaschutz dann doch nicht sooooo wichtig findet, wenn es anfangen würde, auch nur ein minibisschen weh zu tun. [Wir erinnern uns kurz daran, dass nichts tun und das Klima havarieren lassen teurer werden wird und mehr wehtun wird.] Looking at you, SV, die schon sagt, man werde sich mit der Sp schon einig, was das Klima angeht, Hauptsache sie lassen sie mit regieren. Bin ich gespannt, wie man „mehr Öl!!!“ mit „weniger Öl!!!“ übereinander bekommen will. [Alles bleibt wie‘s ist reicht nicht.]

Well, well. Hilft ja nix, sich aufzuregen. Muss man anpacken.

Weiterhin habe ich mich heute über das Werk aufgeregt, und zwar sehr. Da saufen einige die wirklich billigen Lösemittel, direkt aus der Distille, ohne Qualitätskontrolle. Aber auch da hilft aufregen nichts, in diesem Fall hilft Standhaftigkeit, da ist jetzt endgültig mal Schluss mit nettem Mädchen. Später (also in ein paar Wochen) dazu vielleicht mehr.

Tag 2167 – Mag nicht.

Ich hab Laune, und verpeste schon den ganzen Tag über die Luft um mich rum mit selbiger. Wäre ich zur Zeit auf Twitter, würde ich vermutlich dort herumtrollen und Leute ankacken, bin ich aber nicht, also wurde es… Facebook. Man könnte das jetzt als voll supi Aktivismus erklären, wie ich immer so aufstehe und mich positioniere und yeahhhh Pride und Feminismus und überhaupt. Aber mal ehrlich: manchmal habe ich einfach meinen Drang, Leuten zu sagen, dass und warum sie Pech beim Denken (und Posten) haben, nicht gut unter Kontrolle. Someone is wrong on the internet. Klugscheißerin for life.

Man könnte jetzt auch irgendwas zusammenfabulieren von wegen „besser Erwachsene auf Facebook als die eigenen Kinder“ aber auch die bekamen es heute ab. Mit denen vertrage ich mich aber hinterher wieder, bei Facebook diskutiert keine*r mit mir. Ist auch besser so. Ich hab ja auch recht.

Morgen ist bestimmt schon wieder alles besser. Zumindest sind die Kinder tagsüber nicht hier und streiten sich auch nicht miteinander. Uff.

Tag 2143 – Der Preis der Planbarkeit.

+++ Update +++ Update +++ Update +++

Kommando zurück, Meckern hilft, heute Morgen hatte ich einen digitalen Brief mit einem Termin Mitte Juli.

(Gut, dass das Feuerchen noch nicht brannte.)

___

Mitte Januar dachte ich, meine Schilddrüse würde irgendwann im Februar, vielleicht März, entfernt (das dachte auch die Endokrinologin im selben Krankenhaus, in dem die Operation stattfinden soll, und lud mich zu einem „Post-operativen“ Termin Mitte März ein). Mitte März wurde das auf 2-3 Monate später verschoben, also sagen wir mal so grob und großzügig Ende Juni. Heute rief ich an, um zu fragen, ob sie mir schon was sagen können: jein. Irgendwann im August, nicht vorher. Sie operieren weiterhin nur Krebs. Ja, schön, könnte man dann vielleicht den Endokrinolog*Innen IM SELBEN KRANKENHAUS mal mitteilen, die gehen nämlich davon aus, das ihre Patient*Innen zeitnah operiert werden. Das wurde mir letzte Woche noch von der Endokrinologin bestätigt. Naja, und weil mir „August“ zu vage war, rief ich noch mal an und bettelte quasi drum, etwas Genaueres zu hören: Ende August, falls es „dringend“ ist. Von den Chirurg*Innen als dringend eingestuft wird. (Da würd ich dann halt schon fragen, warum man seit Januar schieben kann, wenn’s doch dringend ist.) Sonst später. Wann, weiß man nicht. Halt frühestens Ende August.

Mit dieser unbefriedigenden Antwort suchte ich die Wartezeiten der anderen Krankenhäuser für diese Operation raus und verwarf dann die Idee, einfach in ein anderes Krankenhaus zu gehen. Mit Ahus bin ich zwar echt durch, aber leider wohl erst nachdem sie meine Schilddrüse herausgenommen haben. Die anderen haben zwar zum Teil kürzere Wartezeiten, aber da müsste ich erst mal wieder von vorne anfangen mit Voruntersuchung und allem. Bis dahin ist dann auch woanders August.

In meiner Verzweiflung rief ich sogar die Privatklinik an, die machen diese Operation auch, ja, auch kurzfristig, kein Problem, kostet [sehr viel Geld]. Zu viel. Das will ich mir eigentlich so nicht leisten, nur weil das öffentliche Gesundheitswesen und speziell dieses eine Krankenhaus Planungs- und Kommunikationsdefizite hat. Hrmpf.

Also schwebt das Damoklesschwert noch ne Weile über mir. Denn es ist ja nicht so, als würde das Krankenhaus da irgendwas kommunizieren, bevor sie mir einen Termin zuteilen. Nein, der Termin kommt dann irgendwann mit der Post und dann ist der da. Und wenn ich verschiebe, weil ich zum Beispiel arbeiten muss, dann schicken sie mir einen neuen mit der Post. Und wenn ich den dann auch wieder verschiebe, bewerten sie meinen Bedarf für diese Operation neu. Kein Witz. Weil ich dann ja offenbar nicht will. Dabei will ich doch nur ein bisschen Planbarkeit. Meine Flexibilitätskapazitäten sind wirklich aufgebraucht, ich will nicht mehr dauernd kurzfristig alles über den Haufen werfen müssen. Man kann sich da ja auf nichts einstellen, selbst wenn ich jetzt für September alle Inspektionen ablehne (not gonna happen!), heißt das ja nicht, dass dann nicht Ende September ein Brief mit einem Termin Ende Oktober kommt. Zu meinen bisherigen Erfahrungen würde das leider zu gut passen. Was machen andere Erwachsene da? Andere erwachsene Norweger*Innen? [Rhetorische Frage, keine Tipps, bitte.] Ab 1. August wöchentlich anrufen und den Status erfragen? Frau Rabe sägt Nerven? Hrmpf!

Ich atme jetzt einfach in eine Tüte, schiebe meine Aufgeregtheit über die irgendwann im Herbst oder später auf Zuruf stattfindende Operation auf meine kaputte Schilddrüse und andere hormonelle Wetterlagen und mache wooozaaa. Ich bin ein Gänseblümchen im Sonnenschein und so weiter.

Memo to self: für Ende Juni einen Termin zur Blutabnahme bei der Hausärztin machen. Dann im 6-Wochen-Rhythmus weiter, bis die Schilddrüse raus ist. Morgen bei der Endokrinologin anrufen, die interessiert das bestimmt auch, dass die Chirurg*Innen zur Zeit nicht operieren und eine lange Warteliste haben, bei der außerdem sie entscheiden, welche Fälle dringend sind und welche nicht.

Frau Rabe legt kleine Feuerchen.