Tag 2167 – Mag nicht.

Ich hab Laune, und verpeste schon den ganzen Tag über die Luft um mich rum mit selbiger. Wäre ich zur Zeit auf Twitter, würde ich vermutlich dort herumtrollen und Leute ankacken, bin ich aber nicht, also wurde es… Facebook. Man könnte das jetzt als voll supi Aktivismus erklären, wie ich immer so aufstehe und mich positioniere und yeahhhh Pride und Feminismus und überhaupt. Aber mal ehrlich: manchmal habe ich einfach meinen Drang, Leuten zu sagen, dass und warum sie Pech beim Denken (und Posten) haben, nicht gut unter Kontrolle. Someone is wrong on the internet. Klugscheißerin for life.

Man könnte jetzt auch irgendwas zusammenfabulieren von wegen „besser Erwachsene auf Facebook als die eigenen Kinder“ aber auch die bekamen es heute ab. Mit denen vertrage ich mich aber hinterher wieder, bei Facebook diskutiert keine*r mit mir. Ist auch besser so. Ich hab ja auch recht.

Morgen ist bestimmt schon wieder alles besser. Zumindest sind die Kinder tagsüber nicht hier und streiten sich auch nicht miteinander. Uff.

Tag 2143 – Der Preis der Planbarkeit.

+++ Update +++ Update +++ Update +++

Kommando zurück, Meckern hilft, heute Morgen hatte ich einen digitalen Brief mit einem Termin Mitte Juli.

(Gut, dass das Feuerchen noch nicht brannte.)

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Mitte Januar dachte ich, meine Schilddrüse würde irgendwann im Februar, vielleicht März, entfernt (das dachte auch die Endokrinologin im selben Krankenhaus, in dem die Operation stattfinden soll, und lud mich zu einem „Post-operativen“ Termin Mitte März ein). Mitte März wurde das auf 2-3 Monate später verschoben, also sagen wir mal so grob und großzügig Ende Juni. Heute rief ich an, um zu fragen, ob sie mir schon was sagen können: jein. Irgendwann im August, nicht vorher. Sie operieren weiterhin nur Krebs. Ja, schön, könnte man dann vielleicht den Endokrinolog*Innen IM SELBEN KRANKENHAUS mal mitteilen, die gehen nämlich davon aus, das ihre Patient*Innen zeitnah operiert werden. Das wurde mir letzte Woche noch von der Endokrinologin bestätigt. Naja, und weil mir „August“ zu vage war, rief ich noch mal an und bettelte quasi drum, etwas Genaueres zu hören: Ende August, falls es „dringend“ ist. Von den Chirurg*Innen als dringend eingestuft wird. (Da würd ich dann halt schon fragen, warum man seit Januar schieben kann, wenn’s doch dringend ist.) Sonst später. Wann, weiß man nicht. Halt frühestens Ende August.

Mit dieser unbefriedigenden Antwort suchte ich die Wartezeiten der anderen Krankenhäuser für diese Operation raus und verwarf dann die Idee, einfach in ein anderes Krankenhaus zu gehen. Mit Ahus bin ich zwar echt durch, aber leider wohl erst nachdem sie meine Schilddrüse herausgenommen haben. Die anderen haben zwar zum Teil kürzere Wartezeiten, aber da müsste ich erst mal wieder von vorne anfangen mit Voruntersuchung und allem. Bis dahin ist dann auch woanders August.

In meiner Verzweiflung rief ich sogar die Privatklinik an, die machen diese Operation auch, ja, auch kurzfristig, kein Problem, kostet [sehr viel Geld]. Zu viel. Das will ich mir eigentlich so nicht leisten, nur weil das öffentliche Gesundheitswesen und speziell dieses eine Krankenhaus Planungs- und Kommunikationsdefizite hat. Hrmpf.

Also schwebt das Damoklesschwert noch ne Weile über mir. Denn es ist ja nicht so, als würde das Krankenhaus da irgendwas kommunizieren, bevor sie mir einen Termin zuteilen. Nein, der Termin kommt dann irgendwann mit der Post und dann ist der da. Und wenn ich verschiebe, weil ich zum Beispiel arbeiten muss, dann schicken sie mir einen neuen mit der Post. Und wenn ich den dann auch wieder verschiebe, bewerten sie meinen Bedarf für diese Operation neu. Kein Witz. Weil ich dann ja offenbar nicht will. Dabei will ich doch nur ein bisschen Planbarkeit. Meine Flexibilitätskapazitäten sind wirklich aufgebraucht, ich will nicht mehr dauernd kurzfristig alles über den Haufen werfen müssen. Man kann sich da ja auf nichts einstellen, selbst wenn ich jetzt für September alle Inspektionen ablehne (not gonna happen!), heißt das ja nicht, dass dann nicht Ende September ein Brief mit einem Termin Ende Oktober kommt. Zu meinen bisherigen Erfahrungen würde das leider zu gut passen. Was machen andere Erwachsene da? Andere erwachsene Norweger*Innen? [Rhetorische Frage, keine Tipps, bitte.] Ab 1. August wöchentlich anrufen und den Status erfragen? Frau Rabe sägt Nerven? Hrmpf!

Ich atme jetzt einfach in eine Tüte, schiebe meine Aufgeregtheit über die irgendwann im Herbst oder später auf Zuruf stattfindende Operation auf meine kaputte Schilddrüse und andere hormonelle Wetterlagen und mache wooozaaa. Ich bin ein Gänseblümchen im Sonnenschein und so weiter.

Memo to self: für Ende Juni einen Termin zur Blutabnahme bei der Hausärztin machen. Dann im 6-Wochen-Rhythmus weiter, bis die Schilddrüse raus ist. Morgen bei der Endokrinologin anrufen, die interessiert das bestimmt auch, dass die Chirurg*Innen zur Zeit nicht operieren und eine lange Warteliste haben, bei der außerdem sie entscheiden, welche Fälle dringend sind und welche nicht.

Frau Rabe legt kleine Feuerchen.

Tag 1980 – Mit dem Magen atmen.

Was wir heute Vormittag gemacht haben, muss Herr Rabe selbst erzählen, wenn er möchte.

Bei der Arbeit saufen sie alle Lack. Ich hab mich da heute schon genug drüber aufgeregt, jetzt versuche ich zu atmen und zu vergessen und zu verdrängen. Drei Arbeitstage noch, dann sind 2,5 Wochen Urlaub. Frei. Keine* Arbeit.

Hrmpf**.

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*voraussichtlich 1 Stunde wegen Bereitschaft

**Ich liebe meinen Job, aber Chefinnen ohne Bodenhaftung braucht kein Mensch.

Tag 1972 – Laune.

Ich hab viel zu wenig geschlafen und dann ging noch alles schief, ich hab mit Ohrstöpseln im Ohr mit Pippi beim Augenarzt gesessen, meinem relativ wichtigen Meeting* zugehört und meine Kommentare in den Chat geschrieben, während ich versucht habe, auch noch dem Augenarzttermin zu folgen (alles gut, Sehstärke unverändert, Pippi Laberbacke aber sehr unterhaltsam) und kam mir einfach sehr rabenmutterig und gleichzeitig die Karriere eher halbherzig vorantreibend vor. Tårnfrid, falls Sie sich mit norwegischer Popkultur auskennen. Knapp wieder zu Hause musste ich dann was präsentieren und das wurde ein großer Reinfall, weil alles, was ich zeigen wollte, spontan einfach mal nicht ging. Danach wollte ich gerne auf den Arm, stattdessen hätte ich auf meinen Körper und legte mich kurz hin. Natürlich hatte ich danach drülfzig emails und Nachrichten, aber, ey, geht weg, heute nicht.

Kann doch nicht schon wieder PMS sein, es ist grad mal Zyklustag 13.

(Auch schön: das Gästebett ist jetzt lackiert und zusammengebaut. Die Farbe entspricht so lala meiner Vorstellung (Herr Rabes auch), was aber schlimmer ist: das sollte eigentlich auf Rollen stehen und die Rollen fehlen. Also muss ich da wieder rummeckern. Hrmpf.)

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*Das war alles gar nicht so geplant, aber Herr Rabe hatte ein noch wichtigeres Meeting, das kurzfristig verschoben wurde und Pippis Brille hat üble Kratzer, wir waren also ein bisschen scharf auf ein neues „Rezept“, und den Termin (sicher auf irgendwann im neuen Jahr) verschieben kam daher auch eher nicht in Frage.

Tag 1835 – Hoffnung auf Pilze.

Ich weiß, Sie haben noch Hitzewelle, jaja. Wir nicht so, beziehungsweise seit heute ist auch die norwegische Version von Hitzewelle vorbei und es regnet. Immerhin regnet es noch bei 20 Grad und noch nicht wieder bei 10.

Wenn der Sommer vorbei ist, kommen die Pilze und hier könnte ich jetzt sehr viel Häschtäck Pilzliebe reinkübeln, aber eigentlich trauere ich noch dem Sommer hinterher. Ich will jetzt keinen Herbst mit Corona und allem, noch nicht mal mit Pilzen.

Generell war meine Stimmung heute irgendwo nah am Gefrierpunkt. Abends hab ich dann noch mit Herrn Rabe gestritten. Regen, innen wie außen.

Tag 1834 – Platt und missmutig.

Diese monatlichen Stimmungsschwankungen sind etwas anstrengend, auch heute wieder. Je normaler der Zyklus*, desto schlimmer das PMDS, desto früher will ich also Leute anlasslos langsam zu Tode foltern. Was, das vermute ich allerdings nur, eigentlich eine Projektion meines – genauso anlasslosen – Selbsthasses ist. Hormone. Geile Sache.

Jetzt liege ich also auf dem Sofa und hoffe, dass ich noch mal hoch komme, sehe da aber die ein oder andere Herausforderung drin. Ich muss aber noch so viel, Pizzateig machen zum Beispiel, und Sport machen. Ich möchte aber ein weiteres Schokoladeneis (eins hatte ich schon beim Arbeiten) und schlafen, schlafen, schlafen, auf dass die Laune morgen besser ist. Als würde ich nie dazu lernen, weil die Laune einfach nicht von sich aus besser werden wird, weil die Hormone erst kurz vor der Periode fertig sind damit, mir die Laune zu verhageln. Biologie. SO SCHÖN.

(Ach würd ich nur hormonelle Verhütung besser vertragen. Aber das ist es nicht wert.)

Dabei war heute gar kein schlechter Tag, so insgesamt. Wir inspizieren wieder, und zwar zum Ausprobieren Teil-Remote. Wir gehen schon vor der eigentlichen Inspektion einen ordentlichen Batzen Dokumentation durch, treffen mit dem Hersteller auch schon mal detaillierte Absprachen, was wir alles noch anschauen wollen, damit die entsprechend vorausplanen können, wer wann erreichbar oder vor Ort sein muss und eventuell Leute instruieren können, Verfahren xyz zusätzlich zu ihrem eigentlichen Spezialgebiet abc zu präsentieren. Wir versuchen dadurch, Zeit On-Site zu sparen und auch Kontakte On-Site zu minimieren. Das macht für uns unterm Strich leider mehr Arbeit, aber so ist das eben 2020. Ich finde es allerdings tatsächlich spannend, neue Wege auszuprobieren und es war auch offen gestanden eine wahre Wohltat, wieder ganz stinknormale Inspektionsaufgaben zu erledigen. Insofern war der Arbeitstag gut.

Jetzt muss ich nur noch, aus Gründen, wie so eine Löwenmutter drum kämpfen, dass unser neuer Kollege, der in eineinhalb Wochen anfängt, nicht ganz allein in eine andere Etage gesetzt wird. Herrje. Wer denkt sich sowas aus???**

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*Ich habe jetzt ab und an anovulatorische Zyklen. Das ist in meinem fortgeschrittenen (hahaha) Alter wohl normal, finde das trotzdem nicht unbedingt amüsant.

**HR.

Tag 1815 – Aufzuhausefreude.

Michel schläft neben mir. So etwa drei Minuten, nachdem wir das Licht ausgemacht haben. Endlich. Endlich ist dieser schreckliche Tag vorbei, an dem er eine Laune hatte, die man nicht mal mehr als herausfordernd bezeichnen kann sondern eher als reine Provokation.

Morgen geht es nach Hause und ich hätte echt ganz gerne mal nen Heimat“urlaub“, an dessen Ende ich mich nicht unbändig auf zu Hause freue. Natürlich waren die Umstände dieses Mal auch sehr speziell, aber es wurde halt auch rundum nicht so wirklich wesentlich besser.

Michel und ich haben auch das gemeinsam: wir wollen einfach nur nach Hause.

Um mit einer lustigen Anekdote abzuschließen: Michel und ich fuhren heute mit dem Auto des Opas Abendessen holen (Döner – das muss sein, wenn wir in der alten Heimat sind), da Carona wirklich gerade so in die Einfahrt des Opas passt und da zum Laden mit geradezu chirurgischer Präzision geparkt war. Erst fragte Michel ganz interessiert, was ich da denn mache. „Schalten.“ sagte ich. „Das kenn ich, das muss man bei Rennwagen auch machen, dann fahren die ganz schnell!“ Michel denkt jetzt also, Opas A-Klasse ist ein Rennwagen und ich bin dann wohl Rennfahrerin. Ich bin nur froh, dass ich das Auto nicht abgewürgt habe und auch nicht im 1. Gang zur Dönerbude gekrochen bin. Schaltwagen fahren ist halt doch wie Fahrrad fahren. Um das zu verlernen, muss man sich schon viel Mühe geben.

Tag 1803 – Gar nicht müde.

Als ich heute morgen aufwachte, war alles super, als ich aber aufstand, schoss mir nach drei Schritten ein furchtbarer Schmerz in die rechte Hüfte, als würde wer ein Messer da rein rammen. Das ging auch nicht weg, weder durch bewegen, noch durch nicht bewegen, noch durch vorsichtiges Gegendehnen. Irgendwas hat sich da wohl eingeklemmt, verhakt, was weiß ich, jedenfalls hatten sich damit meine Sportpläne für heute erledigt und meine Laune auch, aber sowas von.

Als Resultat habe ich an dem Rock meiner Oma weitergemacht, aber erstmal rückwärts. Menschen, denen ich in Nähsachen vertraue, töten mir von Kräuseln ab und sie hatten recht, mit Falten sieht das schon viel weniger trutschig aus. Allerdings ist es mit Falten viel schwieriger, auf die richtige Weite zu kommen. Aber ich bin jetzt so weit, wie ich vor einer Woche schon war und kann morgen das Bündchen ansetzen und hoffentlich traue ich mich dann auch endlich, den zu vielen Stoff abzuschneiden.

Jedenfalls sollte ich wohl morgen früh aufstehen, also früher als heute, aber dann sollte ich wohl auch jetzt schon lange schlafen, aber kann nicht. Ich habe noch Finanzen gemacht (To-Do-Listen Check), Drag Race geguckt, jetzt blogge ich und trinke warme Milch mit Honig und hoffe, dass die Bettschwere trotz Schmerzen im Po und nicht gemachtem Sport und aufgestauter Energie und leichter Aggression bald kommt.

Tag 1691 – Corontäne Tag 18.

Zu wenig Schlaf macht mich nicht grad froh, und dann ist der Geduldsfaden sehr kurz und ach. Es war einfach kein guter Tag. Ich befürchte, das wird alles noch länger (also so bis zum Sommer) so weiter gehen und ich hab keine Ahnung, wie ich das machen soll. Wie wir das machen sollen. Das dauernde aufeinander hocken tut uns allen nicht gut. Dann rufen noch sowohl Kindergarten als auch Schule an, während die Kinder sich grad die Köppe einschlagen, und fragen „wies so läuft“. Jaha, wie soll es laufen, momentan machen wir zu zweit 28 Stunden Arbeit am Tag, ab morgen machen wir immer noch 24,5 Stunden Arbeit am Tag aber dann auch noch mit Geldsorgen. Danke, SUPER LÄUFTS! Den Kindern fällt die Decke auf den Kopf und ich ertrage das alles nicht mehr, dieses dauernde Geschrei und Gemotze und Gestreite und Wutanfälle DEN. GANZEN. TAG. Ohne ne Chance, mal weg zu können. Ohne die Aussicht, dass das zeitnah vorbei ist. Ich glaube nicht an „nach Ostern“. Ich wette ne Rolle Klopapier drauf, dass sie am 8. sagen werden, dass die Maßnahmen hier bis Ende April verlängert werden. Mark my words.

Die Kinder haben heute immerhin nach all dem Gemotze beim Putzen geholfen. Aber nur beim lustigen Teil vom Putzen.

Volle Action, deshalb sind beide Bilder unscharf.

Der Kollege, der sonst Rücken an Rücken mit mir sitzt, hat Covid19-Symptome. Wird aber nicht getestet, denn auch hier ist es nicht mehr möglich, alle zu testen, die man eigentlich testen müsste, denn die Tests sind knapp. Und bitte erzählen Sie mir nicht, Deutschland würde viel testen, wenn Deutschland so viel testen würde wie Norwegen, müsste Deutschland inzwischen fast 3,5 Millionen Tests durchgeführt haben und wie gesagt, bei uns reicht das noch nicht aus. Aber jaja, der Berliner Virologe sagt, es wird „viel“ getestet. Jaja.

Ich hab doch auch keine Lösung. Ich bin einfach komplett alle, schon nach zwei Wochen.