Tag 1565 – Kacktag.

Den ganzen Tag in einer Spirale aus unzufrieden und kaputt und nichts gebacken kriegen und dann noch unzufriedener sein gesteckt.

Beste Leistung des Tages: mit Michel ein echt dämliches Brettspiel gespielt. Mich geärgert, dass in diesem Spiel – das sehr (SEHR!) amerikanisch ist, sowohl Deutschland als auch Japan als dunkel und bedrohlich (und Deutschland auch noch in so ner Schriftart, die es mir kalt den Rücken runter laufen lässt) dargestellt sind. Kotzi, Amis, ehrlich mal. In einem Kinderspiel.

Völlig unrelated zu dem Spiel mit Michel über den Holocaust gesprochen. Und über Fremdenhass heute. Ich hoffe, Michel hat was mitgenommen aus dem Gespräch. Wir hatten ja schon mal ein Gespräch über die Mauer, in dem ich sehr eindringlich wurde, weil ich es nicht ertrage, wenn er so Sachen sagt wie „dann hätte ich die gehauen! Oder denen einen Witz erzählt und wenn die lachen, dann wär ich weggelaufen! Oder ich hätte mich verkleidet wie die!“ und ich hoffe jetzt, er kriegt keine Albträume von „…dann hätten die dich erschossen.“

Ich glaube, Michel möchte nicht mehr alleine mit mir zu Hause bleiben. Mama sagt dauernd gruselige Sachen.

Tag 1536 – Kuuuscheln!

Ich liege zwischen den Kindern im großen Bett, anders ließ sich das nicht lösen, dass beide mit mir kuscheln wollten (und ich ja ich mit ihnen). Wir sind heute pünktlich beim Hersteller losgekommen und durch ein bisschen Glück war ich schon um zehn nach sieben und nicht, wie befürchtet, um halb neun oder so zu Hause. Und jetzt sind hier diese kleinen Menschen und ich bin so froh, die zu haben, ich könnte einfach heulen.

Vielleicht war das eine sehr anstrengende Woche und vielleicht bin ich im Grunde einfach total fertig.

Eventuell.

Tag 1455 – Etwas holprig.

21:59 und im Bett! Hurra!

Ist auch nötig, denn heute lief alles etwas unrund an. Ich war um halb fünf wach, Pippi um fünf, Michel gar nicht und nach so wenig Schlaf ist meine Zündschnur morgens schon ultrakurz. Unrühmlich Michel angebrüllt, nachdem der mich anbrüllte, weil ich ihm auf Nachfrage gesagt hatte, dass das Wetter in den nächsten Tagen kälter werden soll. Michel will nicht, dass es kälter wird. TJANUN. Die Klimakatastrophe wird’s richten.

Bei der Arbeit diese Woche mal was anderes als sonst so und bisher finde ich das total interessant. Wir Inspektøre haben ja noch eine Zusatzfunktion als „Vikare“ für eine ganz andere Stelle in unseren Stellenbeschreibungen drin stehen und das mache ich diese Woche. Also vikarieren. Zwischendurch versuche ich noch das reguläre Tagwerk reinzuquetschen, davon habe ich aber heute nicht besonders viel geschafft. Voll motiviert habe ich dann meinen Rechner mit nach Hause genommen, um im Zug noch… oder zu Hause… aber so groß war die Motivation dann halt doch nicht.

Genau genommen war nach Kinder holen, Essen machen, essen und Pippi ins Bett bringen (immerhin problemlos, nach der kurzen Nacht schlief sie ein wie ein Stein) gar keine Motivation mehr für irgendwas da außer Netflix und Lakritz, aber ich bin dann tapfer noch mal los, Pizzateig kaufen. Habe das Fahrrad von Michel ins Auto gebastelt, das braucht er morgen beim Sport-Hort. Habe Plastikmüll rausgestellt, Tomatensauce für Pizza gekocht, Zucchinischeiben für Pizza gegrillt, die Brotdosen der Kinder geleert, das was die Schnecken davon mögen sowie diverse Zucchinienden an die Schnecken verfüttert, Pippis Brotdose (EINHORN!!!) gespült und geduscht. Und jetzt bin ich so platt, ich möchte mich keinen Zentimeter mehr bewegen.

Sport dann morgen.

Tag 1416 – Piep.

Ich muss heute einen Tagebuchblog-Joker ziehen. Nach ganzem Tag mit Gefeier und Gesellschaft bin ich so im Eimer, wenn ich in etwa 30 Minuten zu Hause bin will ich eigentlich nur auf direktem Weg ins Bett. Scheiß auf Abschminken.

Tag 1259 – Voll leer.

Huff. Was für ein Tag. Ich bin komplett gar und bin das im Grunde auch schon seit etwa 15 Uhr. Alles zu aufregend. Ganz verrückt auch irgendwie, das ist mein Leben nun, mein Arbeitsleben verbringe ich bewegungsarm in Meetingräumen und sage Sachen wie „ich hätte dann gern Mal die komplette Dokumentation zu diesen 5 Complaints und die übergeordnete SOP auch“ und dann lasse ich mir Eskalierungswege und dergleichen erklären und meist versuche ich eigentlich hauptsächlich nicht durch große Ratlosigkeit aufzufallen. Gut dass ich dieses Mal nur Beobachterin bin und am Ende nix unterschreiben muss. Gut, dass es eine Anlernphase gibt. Huff.

Mehr später. Ich muss schlafen, kranke Pippi* wird vermutlich wieder die Nacht zerhacken. Ich bin auch so fertig und mein Kopf so leer, ich schreib dauernd was und dann lösche ich’s wieder, das macht so keinen Spaß.

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*jo, 3 Anrufe in Abwesenheit vom Kindergarten direkt am 1. Tag wo’s um die Wurst geht. Handy natürlich auf nicht stören und in der Tasche. Karrieregeile Rabenmutter galore.

Tag 1240 – Glückseligkeit mit und ohne Klang.

Hier weiter alles super. Unter anderem weil ich zum Arbeiten Kopfhörer bekommen habe. Wir sitzen ja nun in einem Großraumbüro, das ist naturgemäß kein Ort der Stille (auch wenn ale nur schleichen und flüstern) und vor allem wollte ich meinen Kollegen nicht mit dem „Im Staat starten“-Video auf den Zeiger gehen, deshalb fragte ich nach Kopfhörern und bekam sie. Leider gingen sie zunächst nur über Kabel, weil sowohl Computer als auch Kopfhörer mit der Vielfalt an Bluetooth-Geräten im Büro heillos überfordert waren. Heute habe ich deshalb sowohl Computer als auch Kopfhörer mit nach Hause genommen und nachdem Herr Rabe die Kopfhörer erst mal resettet hat und dann Updates eingespielt und die Geräte gründlich einander vorgestellt hat, geht nun alles und es ist super.

Fieser Blitz, weshalb das erste Foto auch in die Hose ging.

Well.

Trotzdem sehr sehr schön. Active Noise Cancelling sollte den Friedensnobelpreis bekommen und auch beim Abspielen von Musik sind die Dinger einfach der Hammer. Ich bin hin und weg. Schade, dass mein Job nicht aus Musik hören besteht und auch sich total abschotten eher ungünstig wäre, wenn man dauernd mit Leuten reden muss, aber um mich durch den Ordner voll Zeug zu arbeiten wird das ganz fein!

Und das hier musste ich Ihnen ja nich nachliefern.

Seit heute funktioniert auch das Bezahlen in der Kantine mit der Karte problemlos.

Jetzt aber endlich ins Bett. Meine Güte, bin ich erledigt. Aber sehr glücklich dabei, nicht nur über die Kopfhörer, aber hab ich erwähnt, dass sie unfassbar gut klingen? Und Active Noise Cancelling haben?

Tag 1226 – Noch mehr Besuch!

Heute Vormittag, der Besuch und ich saßen im Zug Richtung Hauptstadt, schrieb meine Trondheimer Freundin L. (die, mit der ich auch mal Ski fahren war), ob wir zu Hause seien, sie und ihre Familie seien nämlich auf der Durchreise etwa um 18 Uhr bei (grob) uns. Ich schrieb, wir seien da, wir würden sie auch gern treffen und wenn sie bei uns essen wollen würden, würde ich (so überlegte ich sehr fix) eine große Schüssel Lasagne machen. Nach dem üblichen „aber nur wenn’s keine Umstände macht!“ – „nein, wir freuen uns wirklich!“*-Geplänkel war das also entschieden und Die Beste und ich kauften nach unserer 24.000-Schritte-Tour durch Oslo** noch Gehacktes und Gemüse in der Großstadt.

Zu Hause machte ich dann Lasagne, und weil sich L. und Familie wegen Vollsperrung und Tralala verspäteten, verhungerte auch niemand bis das Essen endlich fertig war. Und wir hatten alle einen richtig schönen Abend, sehr lustig, sehr spontan, die Kinder spielten trotz Altersunterschied von jeweils etwa 3 Jahren total super – Michel mit A., Pippi mit H. Am Ende mussten wir Erwachsenen alle etwas im aufgebauten Laden kaufen, ich bin jetzt also stolze Besitzerin einer Kuh samt Kalb aus dem Ikea-Plüsch-Bauernhof. Dafür habe ich immerhin meine Clas-Ohlson-Geschenkkarte*** in den Bücherregal-Deko-Rabrn gesteckt und „püp-püp-püp-püp“-sagend meine PIN eingegeben.

Nach einer Runde Drücker für alle, sogar Die Beste, sind nun L. und Familie sicher schon im Hotel im Bett, um morgen bis nach Stavanger weiter zu fahren. Wir haben die Menüs der nächsten Tage fertig geplant und werden den Weltersten Krustenbraten aus dem Nacken mit Knochen noch drin machen, das kann gut gehen und wenn nicht ist Herr Rabe schuld.

So sind spontane Besuche doch sehr nett.

Da ist auch nicht so schlimm, dass meine Mutter ihren „wir sprachen das letzte Mal im Oktober darüber“ geplanten Besuch für ab dem 26. heute absagte. Ein wenig hatte ich damit schon gerechnet, aber ich hätte ihr auch zugetraut, dass sie am 22. abends anruft um zu fragen, was sich die Kinder denn zu Weihnachten wünschen und ob wir sie denn vom Flughafen abholen****.

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*wir freuten und freuen uns ja auch wirklich. Wenn mehr Leute direkter kommunizieren würden, bräuchte es solcherlei Geplänkel gar nicht, just sayin‘.

**Das war super und fühlte sich auch gar nicht so an. Neue Entdeckung: wenn man komplett um die (leider völlig vereiste) Oper rumgeht, kann man in die Maskenbildnerei und Perückenwerkstadt schauen, in die Kostümbildnerrei und die Färberei, einfach überall rein und den Leuten bei der Arbeit zusehen, es sind Perücken aus verschiedenen Werken ausgestellt und man erhascht Blicke auf halbfertige Kostüme, das ist sehr spannend sicherlich auch für nicht so Näh-affine Menschen.

***Die einzige Möglichkeit, sich den Gutschein, den man für das Abgeben alter Druckerpatronen bekommt, aushändigen zu lassen.

****Nein, aber nur weil das echt null Sinn für uns alle macht. Der Zug fährt sehr regelmäßig von Flughafen nach Eidsvoll und braucht dann nur 10 Minuten. Mit dem Auto sind es eher 30. Vom Zug abholen kein Problem, vom Flughafen nur, wenn man eh in der Nähe ist.