Tag 2608 – Entspannt.

Herr Rabe hatte heute Java-Kinder-Konferenz und nahm Michel mit. Die beiden hatten es gut und Michel findet jetzt wohl, dass sein Papa der allergrößte ist. Hat er ja auch recht.

Pippi ging gegen Mittag (auf leichten Druck meinerseits) rüber zum Nachbarsmädchen.

Ich war vier Stunden lang alleine. Das war besser als Schlafen. Die Hälfte der Zeit habe ich Geige gespielt, bis mir die Fingerspitzen weh taten. Dann habe ich ein kleines Nickerchen gemacht, gelesen, die Meerschweinchen sauber gemacht, Wäsche gewaschen und dann war immer noch Zeit übrig. Jetzt habe ich auch noch meine eine Leinenhose repariert und die Taschen weiter nach oben gesetzt.

Es ist ganz schön, ab und zu seine eigenen Gedanken hören zu können.

(Leider kam Pippi wieder und klagte über Bauchschmerzen und Kopfschmerzen und das Fieberthermometer erklärte zumindest letzteres. Meh.)

Tag 2372 – Wäsche waschen.

Pippi geht es wieder so halbwegs ok, sie hat abends auch wieder ein bisschen Haferbrei gegessen. Sie war aber den Tag über schlapp und hing rum, schlief sogar nachmittags noch mal ein. Und ich war heute müde (Herr Rabe vermutlich auch) und habe einige Maschinen Wäsche zwischen der Badewanne (wo man sie halt nachts so hinwirft), der Waschmaschine, dem Trockner und diversen Wäschekörben hin und her transferiert. Weiter bin ich noch nicht gekommen, man muss aber auch sagen, dass sich unsere 2,40 x 2,20 m Bettwäsche echt schlecht alleine zusammen legen lässt.

Jetzt Bett und hoffen, dass nicht bald der oder die nächste von uns dran ist.

Tag 2371 – Lang ist’s her.

Vorhin kam Pippi an, weil sie nicht mehr schlafen konnte, weil irgendwas war, sie behauptete Nase zu, aber das war es nicht, sie atmete ganz normal durch die Nase. Ich packte die Geige ein und setzte mich mit ihr aufs Sofa, wo sie wieder einschlief. Ich döste auch kurz weg, wurde dann aber sehr schlagartig wieder sehr wach und jetzt ist Pippi frisch geduscht und meine Klamotten und die Sofadecke sind in der Waschmaschine.

Hoffen wir, dass es nur was falsches gegessen ist, Magen-Darm brauchen wir wirklich nicht im Haus. War eigentlich auch ganz schön so ohne…

Tag 2306 – Erholungstag.

Euphemismus für „hab bei der Arbeit nicht viel auf die Reihe bekommen“. War einfach viel letzte Woche und heute wäre frei nehmen vermutlich sinnvoll gewesen.

Michel geht es den Umständen entsprechend gut. Bisher hat er Husten und Kopfschmerzen. Gestern glaubte er, Fieber zu haben, aber zwei verschiedene Thermometer waren anderer Meinung. Er kann seine kleine Schwester und sein Lego mit unverminderter Kraft anschreien, insofern geht es ihm wohl nicht allzu schlecht. Wenn Sie ihn allerdings fragen, ist er mindestens dem Tode nah.

Pippi und ich haben weiterhin nichts und Herr Rabe hat Schrödingers Corona offenbar auch niedergerungen.

Mehr gibt es von heute eigentlich nicht zu erzählen. Die übermäßige Olympia-Berichterstattung in den norwegischen Medien nervt mich kolossal und ich hoffe, es ist bald vorbei. Schlittschuhlaufen können wir (leider) auf dem eigenen Parkplatz, wo sich eine zentimeterdicke Eisschicht gebildet hat, die durch immer wieder antauen, drauf regnen und dann wieder überfrieren wirklich spiegelglatt ist. Gestern habe ich Müll rausgebracht und – mein lieber Scholli. Wenn man wirklich gar keinen Halt mehr hat und aus dem Stand wegen ganz leichter Abschüssigkeit anfängt zu rutschen, ist das nicht mehr lustig. Jedenfalls nicht, wenn man mehr als 6 Jahre alt ist und fürchtet, sich Steißbein oder ähnliches zu brechen. Jetzt schneeregnet es erst mal auf die Eisbahn, mal sehen, was sich dann morgen für ein Bild ergibt.

Tag 2314 – Weiter geht’s.

Pippi hat keine Symptome, aber einen wirklich eindeutigen Schnelltest. PCR-Ergebnis von ihr, mir und Herrn Rabe kommt vermutlich morgen oder Dienstag. Herr Rabe und ich hatten heute negative Schnelltests, Herr Rabe ist aber verschnupft und ich habe ziemliches Magengrummeln und Bauchkrämpfe. Wenn ich was falsches gegessen hab, wäre es komisch, dass nur ich das habe, wenn ich irgendwas nicht vertragen habe, wäre das eine neu entwickelte Unverträglichkeit von irgendwas, das ich regelmäßig zu mir nehme. Beides kann natürlich trotzdem sein. So oder so ist es unangenehm.

Weil ja vermutlich auch nächste Woche unsere Putzhilfe nicht kommen kann und wir langsam im Chaos versinken, haben wir heute gemeinschaftlich aufgeräumt und wenigstens das nötigste (Küche und Bäder) geputzt. Ein sauberes und aufgeräumtes Haus haben ist sehr schön, aber der Weg dahin so lästig. Die Putzhilfe ist hier wirklich jede Øre wert, denn letztlich erkaufe ich mir damit Freizeit, Herr Rabe erkauft sich Freizeit und wir beide erkaufen uns erleichterte Harmonie, weil ein Punkt, der in allen Zeiten, in denen wir selbst putzen mussten, regelmäßig zu Streit geführt hat, wegfällt. Freizeit und Harmonie sind eigentlich unbezahlbare Güter. Hoffentlich ist das hier alles bald vorbei, damit wir unsere normalen Routinen wieder aufnehmen können.

Apropos Routinen: morgen dann weder für mich noch für Herrn Rabe Office-Tag. Falls mein PCR-Test positiv sein sollte, freue ich mich auch schon drauf, eine sehr bissige Nachricht ans Werk zu schreiben, weshalb ich leider, leider Dienstag nicht am Hurra-Pandemie-vorbei-Tag teilnehmen kann. (Falls er negativ ist, kann ich trotzdem bissig schreiben, immerhin scheinen meine beiden Kinder diese Krankheit, die wir ja jetzt nicht mehr bekämpfen müssen, genau jetzt durchzumachen und ich kann mich die nächsten Wochen als Bonus noch ein bisschen vor PIMS und LongCovid gruseln.) Ich könnte natürlich trotzdem hingehen, wenn ich keine Symptome habe, auch ohne Test, und gegebenenfalls ein paar meiner älteren Kolleg*Innen anstecken. Mal gucken, ob ich die Impfgegner*Innen ausfindig machen kann, indem ich alle gezielt anatme und dann Buch drüber führe, wer übernächste Woche krank ist. 5 Stunden Seminar, 2 Stunden „Vorspiel“ (norwegische Bezeichnung fürs Fest vor dem Fest, kann ich ja auch nichts für, dass das so heißt) und 3 Stunden Essen im Restaurant, alles mit Hunderten von Leuten in geschlossenen Räumen ohne Masken klingt für mich wie das Rezept für ein Superspreadingevent.

So müde von allem.

Tag 2313 – Haha, April April, Update.

Michel geht es weiter besser. Wir haben ihn heute in die Badewanne geschickt, was er mit „aber wir gehen doch nirgends hin!“ kommentierte. Ich freue mich jetzt schon sehr auf die Pubertät dieses Kindes.

Herr Rabe hatte heute vor, zu einer Housewarming-Sache zu gehen, auf der anderen Seite von Oslo, bei einem Arbeitskollegen. Deshalb machte er einen Schnelltest. Dieser Schnelltest war… naja, wenn ich jetzt ein Bild poste wird das so ein grünes Kleid-weißes Kleid-Meme. Ca. 50% der Befragten sehen einen Schatten bei der Testlinie, die anderen 50% nicht. Ein weiterer Test war negativ, ein dritter wieder wie der erste. Herr Rabe blieb zu Hause.

Weil Pippi aber die Testerei mitbekommen hatte und ja neuerdings gerne Tests macht, solange sie selbst mit dem Stäbchen in der Nase rühren darf, machte sie auch einen Test. Bei ihr war der Schatten deutlicher – wenn auch kein Vergleich zu Michels Schnelltest neulich. Bisher hat sie keine Symptome.

Weil ich natürlich gleich Phantom-Halskratzen bekommen habe (2 negative Schnelltests heute), haben wir also für morgen für uns drei gleich noch mal PCR-Tests gebucht.

Es ist alles ein großer Scheiß, ehrlich gesagt.

Tag 2312 – Finales Update.

Heute kamen Michels und Herr Rabes PCR-Ergebnisse von Mittwoch an, Michel positiv, Herr Rabe negativ. So weit so gut/schlecht, nichts überraschend.

Michel geht es besser, aber er hustet noch. Er konnte sich aber schon wieder mit seiner Schwester ankeifen, insofern ist er definitiv auf dem Weg der Besserung. Falls es so bleibt, hatte er zwei Tage Fieber und Kopfschmerzen, zusätzlich zum Husten, sowie ziemlich heftigen Durchfall.

Pippi hat heute gleich zwei Schnelltests gemacht, weil die Schule welche ausgeteilt hat. Ich hab mir ganz elegant die Tropfspitze beim aufsetzen auf das Probenröhrchen in den rechten Zeigefinger gerammt, was meine Laune nicht sonderlich verbessert hat, aber die Tests waren immerhin alle negativ.

Am Nachmittag rief eine Frau von der Kommune an und teilte uns mit, dass sie Nachricht darüber bekommen haben, dass Michel einen positiven Test hatte. (Hier gibt es keinen Datenschutz. Ende.) Gemeinsam beschlossen wir, dass Michel, solange es ihm weiter kontinuierlich besser geht, Montag wieder zur Schule gehen kann. Wegen, wie ich glaube, Symptomüberlapp mit der Erkältung vom Wochenende, war der Symptombeginn nämlich nicht so genau festzustellen und er war ursprünglich auf Freitag gesetzt – da hätte er gestern schon aus der Isolation gekonnt. Wir haben gemeinschaftlich den Symptombeginn auf Dienstag gelegt, plus 5 Tage Isolation ist dann Montag. Warum nur fünf Tage, fragen Sie bitte das FHI. Voll Geimpfte ohne Symptome müssen sich nur 2 Tage nach einem positiven Test isolieren – was besonders lustig ist, weil voll Geimpfte sich nur bei Symptomen überhaupt testen lassen müssen (also – es wird ihnen empfohlen). Es wirkt alles so willkürlich, zum Haareraufen.

Den Arbeitstag habe ich mit dem IT-Projekt verbracht, das bald lichterloh brennt, wenn es nach mir geht. Was für eine sinnfreie Geldvernichtung.

Tag 2311 – Weiteres Update.

Michel hatte heute kein Fieber und wohl auch nicht mehr solche Kopfschmerzen wie gestern. Er hustet aber wie ein 70-jähriger Grubenarbeiter.

Pippis und mein PCR-Test kamen negativ zurück.

Michel und Herr Rabe hingegen warten noch aufs Ergebnis. (Keine Ahnung wieso, wir waren zeitgleich da.)

Pippi geht mit negativem Schnelltestergebnis morgens an dem Tag zur Schule. So wurde uns geheißen. Zum Hort geht sie allerdings nicht, denn im Unterschied zur Schule muss sie da ja nicht hin.

Heute kam eine Info der Schule, dass jetzt doch empfohlen wird, alle Kinder drei mal zu testen. Weil das unfassbar viel Sinn macht, wird der erste dieser Tests Freitag *nach der Schule* empfohlen, dann noch einer nächste Woche Montag früh und Donnerstag früh. Wie gesagt, empfohlen. Nachgeprüft, ob es auch passiert ist, wird da nichts. Innerhalb Norwegens ist auch der Coronapass egal – man könnte sagen, wir haben uns alle nur impfen lassen, um ins Ausland reisen zu können. Es gibt keine Gs, weder zwei noch drei, keine Tests, keine Masken, keine Abstände, kein Lüften, keine Filter. FFP2-Masken gab es nie*. Keine Off-Label-Impfungen, und für Kinder zwischen 12 und 16 Jahren auch nur eine Impfdosis. Händewaschen gibt’s und einen marginal höheren Anteil voll Geimpfter als in Deutschland.

Es ist mir, vor dem Hintergrund der deutschen Informationen zur Pandemie, völlig schleierhaft, warum hier nicht alles noch viel schlimmer ist. Es kann eigentlich gar nicht sein**.

___

*Anekdote: mein Kollege legte mir sehr ans Herz, bei SAS zu überprüfen, ob sie meine seltsamen Masken akzeptieren, als ich sagte, ich würde im Flugzeug (und im Zug, und in der T-Bane…) FFP2 tragen. Natürlich akzeptiert SAS das, aber es illustriert schön, wie exotisch FFP2-Masken hier sind.

**es kann nicht allein an der Bevölkerungsdichte liegen, wir sind ja hier in der Gegend nicht in einem 20-Häuser-Fischerdorf in den Lofoten.

Tag 2310 – Kurzes Update.

Pippi testete per Schnelltest negativ und hätte danach eigentlich zur Schule gekonnt. Ja, echt wahr. Wir Erwachsenen könnten ja auch raus, solange wir keine Symptome entwickeln. Machen wir aber erst mal nicht, ich hab heute erst mal in leichter Panik bei Oda bestellt.

Wir haben alle einen Ausflug zum Testzentrum gemacht und diesmal hatte ich das Gefühl, sie schaben das halbe Kleinhirn aus dabei. Bei den Kindern haben sie es nicht so weit reingeschoben, aber wir Erwachsenen sind ja leidensfähiger oder so. Uff.

Wir warten noch auf das Ergebnis, ich habe aber bei Michel nur minimale Hoffnung auf einen falsch positiven Schnelltest, weil die halbe Klasse positiv ist (die Lehrerin schickte heute eine Sammelnachricht an alle Abwesenden, statt an jede*n einzeln) und er Fieber, Kopfschmerzen und heftigen Husten hat.

Wir werden sehen, wie es bei uns anderen ausfällt. Pippi muss jetzt 7 Tage lang täglich testen und darf unter der Voraussetzung (und der, dass die Tests alle negativ bleiben, was da aber, fun fact, so nicht steht) alles tun, was ihr beliebt.

Allerdings funktioniert es einfach mal gar nicht, Michel zu isolieren, weder von uns, noch von Pippi, weil er krank ist und dabei anhänglich und leidend. Außerdem ist er Michel, er schläft ja noch nicht mal allein ein oder durch, da zwingen wir ihn sicher nicht zu, wenn er sich körperlich auch noch scheiße fühlt.

*Vogelzeiggeräusch*.

Ich bin so müde. Körperlich und von dem allen. Die Regeln hier können Sie sich nicht vorstellen. Ich habe jedenfalls jetzt gar kein Problem mehr, mir denken zu können, wie es zu so einer Explosion der Infektionszahlen kommen kann, wie sie hier in den letzten Tagen passiert.

Tag 1895 – Totales Chaos.

Eigentlich war alles entspannt. Ich räumte grad sämtliche Bücher aus den Regalen im „Loftwohnzimmer“ (demnächst Arbeitszimmer) auf den Fußboden, als es an der Tür klingelte. Da stand die Nachbarin, Michel habe sich weh getan. Ich hatte das sogar gehört, aber mal ehrlich, die Kinder schreien und grölen und johlen immer so auf dem Trampolin, ich kann da nicht am Klang zwischen Spaß und Ernst unterscheiden. Jedenfalls war irgendwas nicht mehr 100%ig rekonstruierbares passiert und dann konnte Michel sein Bein nicht mehr strecken.

„Schmerzmittel“ sagte die Legevakt, und „rufen Sie in 2 Stunden noch mal an, geröntgt wird da heute sowieso nicht mehr“.

Nun haben wir ja grade so eine Odyssee hinter uns, ich weiß also, dass ein Tag drauf geht, erst auf einen Arzttermin zu warten, dann nach Oslo zu fahren, dort zu warten, usw.

Deshalb fuhren Michel und Herr Rabe heute Abend noch nach Oslo, in die Privatklinik, die hat nämlich eine Unfall-Legevakt, die bis 22 Uhr geöffnet ist.

Ja, bis 22 Uhr. Sie sind noch unterwegs. Es war ein Unfall auf der E6, da standen sie im Stau und auch wegen „rufen Sie in 2 Stunden noch mal an“ fiel die Entscheidung, noch zu fahren, grenzwertig spät.

Und ich liege jetzt hier neben der schnorchelnden Pippi und hoffe, dass sie Mann und Kind nicht wieder weg schicken. (Und natürlich, dass es nichts schlimmes ist.)

Hier übrigens der Bücherhaufen. Wir müssen auf etwa 1/4 davon runter.