Tag 1155 – Welch ein Glück…

… dass ich dringend ins Bett gehöre. Sonst würde ich mich noch aufregen. Anlass hätte ich genug, denn ich fuhr heute nach meinem Termin über den ich nicht reden möchte an der Chipsfabrik vorbei um für den italienischen Studenten was abzugeben, dann war das aber ganz falsch da und ich musste nochmal 20 km weiter fahren, dann ist man fast in Schweden aber so ist das eben. Jedenfalls fuhr ich auf dem Parkplatz rückwärts in ein Auto, das da halt stand, mit der Fahrerin drin und tja, dann wohl keine Badewanne für uns erstmal. Könnte man sich jetzt drüber aufregen, aber hilfts? Nein.

Auch echt blöd ist, dass beide Kinder krank sind. Michel mehr als Pippi. Michel hat morgen Geburtstag und wird den wohl zu Hause verbringen und nicht auf seinem nigelnagelneuen Fahrrad zur Schule cruisen. Bei Pippi ist das doof wegen der Op.

Ach ja, die OP. Also. Es ist mitnichten so, dass ich wegen ein, zwei Infekten meinem Kind lustig im Hals rumschnippeln lasse. Sie hat, das habe ich auch hier und hier schon mal ausführlicher geschrieben, Periodisches Fiebersyndrom, eine total sinnlose Krankheit, bei der die Kinder bloß Fieber kriegen und sich scheiße fühlen und das alle drei Wochen. Wenn die Antroposophen recht hätten mit ihren „Entwicklungsschüben durch Krankheiten“ könnten wir Pippi eigentlich schon mal an der Uni anmelden statt im neuen Kindergarten. Gegen diese Krankheit hilft nur Warten (bis zum 10. Lebensjahr wenns blöd läuft) oder die Mandeln zu entfernen. Und weil Pippi außerdem schnarcht wie ein (sehr niedliches) Sägewerk werden die Polypen auch gleich gekürzt, das sollte auch die Infektanfälligkeit noch mal verringern. So eine Operation ist nicht ohne Risiko und auch das weiß ich, auch dass die Mandeln ein Organ des Immunsystems sind, weiß ich auch, aber, Achtung, Anekdote: seit nunmehr 28 Jahren lebe ich ganz gut ohne. Ich bin nicht häufiger, schwerer oder anders krank als der Durchschnitt, jedenfalls nicht im Hals. Dafür konnte ich die Grundschule deutlich häufiger besuchen als den Kindergarten, weil ich nämlich – Überraschung – auch alle paar Wochen krank war bis zu der OP. Also wir hoffen alle sehr, dass die OP gut läuft und dieses blöde Syndrom ein für alle mal beendet, denn was ganz sicher nicht helfen wird, sind irgendwelche Zucker-Weizenpillen. Auch nicht mit Birkenkohle. Das einzige, was wir davon haben, ist ein Kind, das dauernd krank ist *und* jedes mal Pillen reingeschoben bekommt. Und ein leereres Portemonnaie, das haben wir dann auch. Man merkt es vielleicht: ich halte ü-ber-haupt gar nichts von Homöopathie. Nicht bei Beulen, nicht bei Husten, nicht bei seltsamen Fiebererkrankungen, schon mal gar nicht bei schweren Infekten und jede*r, der Homöopathie gegen Krebs anbietet gehört eingesperrt. So, ist das auch mal gesagt.

Jetzt hab ich mich doch ein wenig aufgeregt. Tjanun. Jetzt aber Bett.

Ach ja, ich hab es heute endlich bezahlt, jetzt kann ich Ihnen auch mal das Kleid zeigen.

Entspannte Haltung.

Entspanntes Gesicht. (Es braucht übrigens keine Sicherheitsnadel, aber sie beruhigt ungemein.)

Tag 1133 – Der Ausschlag.

Heute morgen wollte Michel nicht aufstehen. Das ist so weit erstmal nicht ungewöhnlich. Allerdings fühlte sich sein Rücken beim drüber kraulen schon irgendwie… rau an. Aber auch dabei dachte ich mir erstmal nichts. Irgendwann bekam ich ihn dann aus dem Bett, aber nach den ersten drei Sätzen war klar, dass er auch heute nicht zur Schule gehen würde und nach weiteren anderthalb und einem Hustenanfall bis zum Würgen (ok. Er hat gebrüllt und getobt und dabei gehustet und noch mehr gebrüllt und er weiß jetzt, dass man dann irgendwann auch würgen muss.) war auch klar, dass er nicht mitfahren würde, Pippi zum Kindergarten zu bringen. Ich sollte sie fahren, Herr Rabe sollte solange noch zu Hause sitzen.

Dann hoppste Pippi im Kindersitz in einem überaus ungünstigen Anschnallmoment auf, traf mit ihrem Kopf meinen Kopf, der daraufhin die Autodecke traf und ich kam nicht mal auf dem Fahrersitz an, da hatte sich aus „hmmm, ach, das bisschen Restkopfschmerz von dem verspannten Nacken, das geht im Laufe des Vormittags schon weg“ ein Schmerz der Kategorie „kann jetzt ganz sicher nicht eine Stunde lang Auto fahren“ entwickelt. Ich wankte wieder rein, den Kopf schief haltend, mit hämmerndem Schmerz, bat Herrn Rabe halb heulend um ein Glas Wasser und spülte die letzten 600 mg Ibuprofen* hinunter, die noch im Haus waren.

Dann fuhr Herr Rabe Pippi zum Kindergarten und ich plumpste zu Michel aufs Sofa. Dort saß er und versuchte den iPod anzubekommen, denn darauf ist das erste Doktor Proktor Hörbuch. Ich machte ihm den iPod an und er hörte zufrieden und ich dödelte im Internet herum und wartete auf die Wirkung der Schmerztabletten. Herr Rabe kam zurück und es war zu spät für seinen Zug, also ging er ins Arbeitszimmer um von da zu arbeiten. Michel wollte seinen Rücken gekrault bekommen und legte sich auf meinen Schoß, ich schob den Schlafanzug hoch und…

jede Menge kleine rote Pickelchen. Über den ganzen Rücken, den Bauch, die Leisten, Oberschenkel, Oberarme, Hintern, unter den Achseln… überall. Eieiei. Es sah aus wie Hitzepickel, aber es ist nicht heiß hier und so hoch war das Fieber nun auch wieder nicht gewesen. Komisch. Seufzend wählte ich die Nummer der Hausarztpraxis.

45! Minuten! Später! Nahm endlich jemand ab. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon auf 180, weil, ernsthaft: 45 Minuten?!? What the fuck? Trotzdem erklärte ich der Sprechstundenhilfe, was los sei. „Windpocken oder Impetigo.“ sagte sie. Das Kind sei gegen Windpocken geimpft. Es sähe auch nicht aus wie Windpocken. Oder Impetigo. „Windpocken kann man auch kriegen, wenn man geimpft ist.“ Ja, das weiß ich, aber das hier sieht nicht aus wie Windpocken, es sind keine Bläschen, es sind Pickelchen und das viele. „Wir haben heute keine Termine mehr. Da müssen Sie um vier bei der Legevakt anrufen.“ Und dann verabschiedete sich die Sekretärin und legte auf.

Ich kübelte ein bisschen wtf in Twitter hinein und putzte dann wütend und mit pulsierendem Kopf das Bad. Irgendwann kam Herr Rabe, hatte auch einiges ergoogelt und bat mich, schon mal bei der Legevakt anzurufen.

Wie hoch denn das Fieber genau gewesen sei, wurde ich nach erfreulich kurzer Warteschleifenwarterei gefragt. Wahrheitsgemäß antwortete ich, dass ich das so ganz genau nicht sagen könnte, weil wir unser Fieberthermometer nicht fänden, aber es sei nicht furchtbar hoch gewesen, aber halt Fieber, deutlich. „Aha, sie GLAUBEN also, das Kind hätte Fieber gehabt. Kaufen Sie ein Fieberthermometer. Sonst wissen Sie ja auch gar nicht ob Fiebersenker helfen.“ Dschieses. Ich kenne mein Kind jetzt schon ne Weile, es war auch schon ab und an krank, auch schon richtig ordentlich, ob es nun 38,9 oder 39,2 Grad warm ist ist ja wohl wurst egal, er fühlt(e) sich kacke, er kriegt(e) Fiebersenker. Außerdem: das Kind hatte seit Sonntag Fieber, da fiel auch das Thermometer unangenehm durch Abwesenheit auf, gestern war ich mit ihm zu Hause, wann soll man denn deren Meinung nach da ein Fieberthermometer gekauft haben? Selbst liefern lassen ginge nicht in einem Tag. Nicht in Norwegen. Aber egal, ich schweife ab. „Das ist sicher die vierte Kinderkrankheit. Oder die fünfte. Aber wir vergeben jetzt eh noch keine Termine für nach 16 Uhr. Da müssen Sie sich später noch mal melden.“ Herrschaftszeiten, was ist das denn heute mit den Telefondiagnosen durch Sekretärinnen? Die vierte Kinderkrankheit (3-Tage-Fieber) hatte Michel, wie fast alle Kinder, als grade-so-Kleinkind. Die fünfte Kinderkrankheit (Ringelröteln) wäre da schon plausibler, wenn auch bei ihm ganz untypisch, weil kein Ausschlag im Gesicht und gar keine symptomfreie Zeit zwischen Fieber und Ausschlag. ABER EGAL. Es sollte doch nur jemand auf den Ausschlag schauen und sagen, ob ich mir da irgendwas bei denken sollte oder nicht.

Nachmittags schlief Michel auf dem Sofa ein und war für drei Stunden unweckbar. Ja, das Kind ist sehr müde grad. Als er aufwachte, rief ich wieder bei der Legevakt an. Der Ausschlag jucke jetzt auch, sagte ich. „Das ist irgendeine Kinderkrankheit, die sind alle hochansteckend, da wollen wir Sie hier nicht haben!“ Äußerte die Sprechstundenhilfe aufgeregt. Ein Arzt würde mich anrufen und das mit mir besprechen, aber Sie wollten ihn da nun auch nicht haben.

WTF die 3.

Zwei Stunden später und während ich grad versuchte, Pippi zum Schlafen zu bekommen, klingelte mein Handy und ein Mensch erklärte mir, dass das „irgendeine Virusinfektion“ sei. Nach nochmaliger, ausgiebiger Schilderung der Symptome (was haben die die Male davor eigentlich aufgeschrieben? Oder haben die das auf Klopapier notiert?) diagnostitierte der Arzt ganz spektakulär: „Irgendein Virusinfekt. Geht wieder weg, wenn nicht oder das Kind starke Kopschmerzen bekommt, nochmal anrufen. Ja, kann wahrscheinlich (sic!) in die Schule gehen, wenn er sich soweit fit fühlt.“

Fazit: etwa 1 Stunde Warteschleife, 30 Minuten persönlicher Kontakt übers Telefon für mindestens 4, eigentlich eher 7-8 mehr oder weniger exakte und aussagekräftige Telefon-Ferndiagnosen.

What the Fuck. Echt mal.

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P.S. Viel zu Müde, Links folgen morgen. Update: Links eingefügt!

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*Sie denken jetzt bestimmt „Ha! Frau Rabe teilt Ibuprofen! Das darf man nicht!„. Sie haben recht. Ich teile manchmal Ibuprofen. Allerdings nur noch alle Jubeljahre, seit wir in Norwegen wohnen. Hier gibt es nämlich 200 mg Ibuprofentabletten in jedem Supermarkt und 200 mg sind bei mir eine gute Regelschmerzendosis. Bei Kopfschmerzen muss aber mehr her, bei Kopfschmerzen dieser Kategorie hätte ich lieber 2 x 400 mg genommen aber ich hatte nur noch je eine 200 mg und eine 400 mg Tablette. Aber ich schweife ab.

Tag 1132 – Warum?

Wir haben heute wegen des kranken Michels ein bisschen jonglieren müssen. Natürlich hätte ich Michel auch mitnehmen können, um Pippi in den Kindergarten zu bringen und sie wieder abzuholen, aber ich hatte heute auch einen lang angesetzten Arzttermin und Elterngespräch in Michels Schule. Also blieb Herr Rabe zu Hause und machte Home Office* und sprang für meine außerhäusigen Termine mit der Kinderbetreuung ein.

Erstmal: so große Kinder sind ja schon ganz praktisch, wenn sie „nur“ verrotzt sind, „tote Brakterien im Mund“ haben, ein ganz bisschen fiebrig sind und gerne Hörspiele hören (und noch lieber Grizzy und die Lemminge schauen). Ab und zu mal neuen Tee gereicht, einen Apfel geschnitten, ein Brot geschmiert, ansonsten ist es sehr wartungsarm geworden, das Kind.

Dann: der Arzttermin. Bei einer Ärztin, die nicht meine Hausärztin ist, sondern eine Vertretung, weil meine Hausärztin in Elternzeit ist. Tjanun. Der Termin war ziemlich skurril, angefangen von der Zeit im Wartezimmer, in der plötzlich vier Polizistinnen und Polizisten hereinkamen, ganz kurz mit der Empfangsdame schnackten und dann recht zügig in den Behandlungsbereich gingen, bis zum Gespräch mit der Ärztin: „Warum sind Sie hier?“ – „Weil ich eine Schilddrüsenüberfunktion habe.“ – „Aha. Warum?“. Jaaaahahahaha, Moment ich frag grad mal kurz… Hallo Schilddrüse? WARUM, SCHILDDRÜSE? Warum diese Scheiße, echt mal, was hab ich dir denn getan? Oh, echt, meinst das war zu viel Stress? Mit Schwangerschaften hin und her und dann Umzug nach Norwegen, PhD-Scheiß, Mann-arbeitslos-Scheiß**, hab ich die Schwangerschaften erwähnt? Ok, sehe ich ein. … Die Schilddrüse sagt, sie sei anfällig für Stress.

Das hab ich natürlich nicht so gesagt. Und nach einem Blick in meine Patientenakte*** war ihr dann auch vieles klarer und sie schickte mich zum Blut abnehmen. Vorher fragte sie aber noch mal nach der aktuellen Krankschreibung und… stellte ganz unauffällig mit der Frage gleich eine Packung Kleenex auf den Tisch. Da hab ich wohl nen Heulsusen-Vermerk in der Akte seit letzter Woche. Hupsi.

Als ich ging lungerten die Polizistinnen und Polizisten noch in der Praxis herum, sahen aber sehr entspannt aus.

Ach ja: beste Blutabnahme. Kaum was gemerkt, nix zu sehen. Hab ich der Laborantin gleich gesagt, dass sie das sehr gut mache. Sie war sehr geschmeichelt und verwundert, dass wer das gleich beim Stechen bemerkt.

Das Elterngespräch war sehr viel weniger skurril. Höchstens, dass ich wohl Michel sehr ähnlich sehe (ich sehe das gar nicht, wirklich nicht, er sieht halt aus wie er…) und dass er sehr gut konzentriert und fokussiert arbeiten könne, das verwundert mich bei meinem Ich-springe-bei-10-Minuten-Hausaufgaben-drei-mal-auf-und-mache-irgendwas-Kind dann doch etwas. Aber in der Schule ist er wohl nicht so. Alles andere war wenig überraschend, Michel ist ein tolles Kind, das die anderen Kinder mit enthusiastischen Vorträgen über Dinosaurier unterhält, am liebsten mit seinem Kumpel J.-Michel spielt, aber alle mitspielen lässt, die ordentlichste Schrift hat er nicht, er erzählt lieber, was er alles basteln möchte, als das dann wirklich umzusetzen****, er redet gut und ein bisschen Trøndersk und manchmal sagt er auch, was Worte auf Deutsch heißen, wenn er das lustig findet. Seine Klassenlehrerin***** ist jedenfalls mit ihm zufrieden.

Ansonsten heute Kinderzimmer und Loft aufgeräumt und gesaugt und mir bei irgendwas anderem, nichtigen, meine Schulter so arg verrenkt, dass ich seit Stunden mit Wärmekissen im Nacken auf verschiedenen Polstermöbeln liege um den Schmerz unter Kontrolle zu kriegen, der um den Kopf rum bis zur Nase zieht. Super.

Mal sehen, ob Michel morgen wieder zur Schule kann, Herr Rabe geht jedenfalls wieder arbeiten.

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*Herr Rabe arbeitet: mit vielen Leuten auf Englisch telefonieren, dazwischen Sachen in seinen Computer tippen. Endlich weiß ich das.

**Das war vor der Blog-Zeit, als wir nach Norwegen gezogen waren. Erst war Herr Rabe noch in Elternzeit und dann ein paar Monate arbeitslos. Und wir hatten nur mein Doktorandinnengehalt. Uffz. Das war nicht schön.

***Die habe ich extra komplett überführen lassen, nicht nur das sogenannte Kern-Journal. Ich hab aber nie eine Rechnung über das Überführen bekommen. Hmm.

****Hahaha, mein Kind. Die Lehrerin hat aber notiert, dass ich finde, dass er sehr kreativ im Erfinden von Sachen und Geschichten ist und dass er Erfinder****** werden will

*****Eine von zweien

******besser als Wissenschaftler! Erfinder finde ich eine gute Berufswahl.

Tag 1131 – Sonntag.

Heute ungeplant total gechillten Tag gehabt. Michel war nämlich eigentlich auf einen Geburtstag eingeladen, fühlte sich aber schon seit dem Morgen ziemlich mies und nachdem er eine Stunde vor der Party eine halbe Paracetamoltablette bekam, damit Fieber* und Kopfschmerzen besser werden, war auch der Geburtstag gestrichen. Herr Rabe fuhr mit ihm hin, sie lieferten das Geschenk ab und kamen dann direkt wieder zurück. Als Ersatz für die bestimmt vielen Kuchen, die es da gegeben hätte, und weil ich einfach Lust auf Kuchen hatte, habe ich dann einen Marmorkuchen gebacken**, wir haben zu Hause herumgetrödelt, haben alle ausgiebig gebadet*** und geduscht, Michel ist auf dem Sofa eingeschlafen, dann wieder aufgewacht und wollte kuscheln, also haben wir gekuschelt, Pippi hat auf den Autostellplatz gepullert**** und das spannendste war wohl, dass nachmittags jemand anrief, bei dem ich einen Kubikmeter Holz bestellt habe und meinte, er könne dann jetzt kommen. Wir haben jetzt also Holz und so kalt ist es noch gar nicht, aber einfach weil wir’s können haben wir unseren Kamin angemacht. Unseren eigenen Kamin. In unserem eigenen Haus. Das ist immernoch einigermaßen unglaublich. Auch dass wir einen Stellplatz haben, auf den Kinder pullern können. Und eine Gartenhütte, in die ein Kubikmeter Holz passt. Ok, Möbel am Kamin wären noch ganz nett. Aber erstmal kann man auch auf dem Boden***** sitzen und Wein trinken und den eigenen Kamin bewundern.

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*Die Kinder haben das einzige Fieberthermometer, das es noch in diesem Haus gab, verschlürt. Aber erstens sehr ich auch so, wenn mein Kind Fieber hat und zweitens würde er von mir auch gegen „nur“ Kopfschmerzen ohne Fieber was bekommen.

**Rezept hat mich nicht überzeugt, geschmacklich top, optisch und von der Konsistenz her aber nicht so, deshalb verlinke ich das mal nicht.

***Naja Pippi halt. Es gibt aber grad ne Badewanne mit Löwenfüßen für 6000 Kronen, hab ich im Prospekt gesehen. Das wär doch mal was. Im unteren Bad ist ja noch Platz******

****nach der Dusche und während ich in der Küche mit den Broten zugange war, marschierte sie einfach raus, nur mit Schuhen und ihrem Kapuzenhandtuch bekleidet, eigentlich um „draußen [zu] schlafen“, uneigentlich muss sie dann aber einfach auf den Parkplatz gepillert und ihr Handtuch als Tarnung draufgelegt haben. Ich erwischte sie grade noch rechtzeitig, bevor sie, weiterhin nur mit Schuhen bekleidet, ein Sofakissen und eine Decke auf den Parkplatz schleifen konnte. DIESES KIND, EY!

*****Parkett! Ich gehöre jetzt zu Leuten, die Parkett haben. Wie so Erwachsene!

******Wobei da die Wäscheständer stehen und da stehen sie sehr gut, aber eine Badewanne will ich trotzdem haben.

Tag 1034 – Zeittunnel!

Nicht nur habe ich mich seit Tag 1028 grob verzählt – zwei mal! – nein, mein kleines Baby ist irgendwie mal kurz zu einem großen Jungen geworden, der morgen auf seine erste richtige Übernachtungsfahrt geht. Morgen wird Michel, der doch eben noch in seiner grotesk dicken Stoffwindel durch die Gegend rollte, auf Førskoletur (Vorschulausflug) fahren. Er freut sich unglaublich und ist tierisch aufgeregt, was man an der gesteigerten Häufigkeit von durch ihn provozierten kleineren und größeren Dramen ganz gut ablesen kann. Heute haben wir gepackt, was gar nicht so einfach war mit nöliger, leicht fiebriger Pippi und unglaublich aufgekratztem Michel, der einen mittleren Nervenzusammenbruch bekam, weil wir die Packliste im Kindergarten vergessen haben. Nicht, dass wir die nicht auch als Mail hätten, das zählt eigentlich nicht, das ist ja nicht der Zettel und buuuhuhuhuhuuuuuu, alles schlimm. Nun ja. Nach längerem Gesuche hatten wir dann das Wichtigste zusammen, nämlich Herrn Rabes Isomatte (die ist kleiner als meine, meine ist riesig), meinen Schlafsack (Michel hat ja so einen Kinderschlafsack von Decathlon, zum Übernachten in einer Hütte ist der super, aber die schlafen in einem Lavvo (ähh, Jurte? So ein festeres Zelt halt) und in der Nacht sollen die Temperaturen bis auf 1 Grad (!!!) runtergehen, da finde ich dann meinen dicken Schlafsack mit Comfort-Temperaturbereich bis -3 Grad doch angebrachter. Wir haben dann voll professionell noch das Fußende mit einem alten Haargummi von mir abgeschnürt, damit das Kind keine kalten Füße kriegt und nicht drin verschwindet, ich habe Michel die Geheimtasche gezeigt und spätestens seit Pippi unbedingt auch reinwollte, war Michel dann vom Schlafsack überzeugt) und sogar die vermaledeite Sitzunterlage, die ich in der ganzen Wohnung gesucht habe und schlussendlich bei den Schlittschuhen im „Keller“*fand. Memo an mich: Schlittschuhe da wegräumen, Sitzunterlagen in den Flur in die Box WO SIE HINGEHÖREN. Wir haben Wechselsachen und Schlafanzug eingepackt, Michel mit Engelszungen zum wenigstens Mitnehmen einer Fleecehose überredet, die Anziehsachen für morgen früh liegen bereit, Michel hat noch etwa dreitausendmal kundgetan, dass er seinen „Parkdress“ echt scheiße findet (wie ein Winteranzugeinteiler, nur ohne Futter, schützt also gegen Wasser von oben und Wind und NUR BABYS TRAGEN DAS!!!), ich habe drei Packungen Maoam** verpackt und in den Rucksack geschmuggelt, Pippi hat mit ihrem Plastik-Telefon „Bilder“ von Michel (und Selfies, Öhömm) gemacht, es ist quasi alles bereit. Morgen noch die Brotdose aus dem Kühlschrank und die Toilettensachen aus dem Bad in den Rucksack verfrachten und dann schauen wir um ca. viertel vor sieben mal, ob ich wirklich schon bereit bin, mein Baby einfach so mit einem Zug in einen hunderte Kilometer entfernten Wald fahren zu lassen. Schnüff.

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Auto-Lobhudelei: die durch das leichte Fieber „gewonnene“ Pippi durch die Gegend geschoben (2 Stunden, ca. 15.000 Schritte, eine halbe Flasche Pustefix und ein Kaffee in der Thermotasse) und mit ihr viel Spaß gehabt. Dabei nur wenig Sorgen gemacht. Aber Spatzen Croissantkrümel*** aus meiner Hand holen lassen. Hachz.

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*Nicht der richtige Keller, sondern ein Lagerraum von ~2qm auf unserer Etage und da haben die Schlittschuhe auch einfach gar nix verloren. Seit wir mal in einer Kellerwohnung gewohnt haben, die logischerweise keinen Keller hatte, nennen wir diese Art Lagerräume „Keller“. Mit Luftkommata.

**In der Vorschulgruppe sind ja nur zwei andere Kinder und Michel hatte sich heute morgen überlegt, dass er morgen gerne den anderen beiden eine süße Kleinigkeit schenken möchte. Und sich, natürlich. Nämlich „Am liebsten Kaugummi, oder ein Überraschungsei, oder Smarties. Da kannst du eins von aussuchen, Mama!“. Die Idee fand ich gut, das Bestimmerische daran aber nicht, also gibt es jetzt halt für jeden so ein kleines Maoam-Päckchen. Eingepackt, damit es auch für Michel eine Überraschung ist.

***So eine bin ich nämlich. Füttere Wildtiere mit insgesamt ca. 2 g Feingebäck und bringe meinem Kind dabei „Erpel“, „Spatz“, „Krähe“ und „Möwe“ bei. Und dass man ganz still sein muss, wenn man will, dass die Spatzen sich trauen, was aus der Hand zu holen.

Tag 1013 – Back in the game.

Pippi hat Fieber, schon seit Samstag, ist halt periodisch, das periodische Fiebersyndrom.

Ich schreibe wieder Bewerbungen.

Michel hat seinen allerbesten Freund immernoch sehr lieb.

Die Schnecken stehen wie letztes Jahr total auf Löwenzahn.

Auch die zur Promotion von der Fakultät geschenkt bekommene Orchidee geht mir ein (wirft zumindest die Blüten von sich, ja, ich weiß, dass man die nicht oft und nicht viel gießen soll, mache ich auch nicht, geht trotzdem kaputt).

Herr Rabe lädt Fotos hoch und killt damit wie immer unser Internet.

Ab morgen wieder KiTa für mindestens Michel, mal sehen, wie Pippis Nacht so wird.

Alles wieder wie immer also.

Tag 980 – Council of Kopfschmerzen.

Heute blieb, nach meinem Wutgeheul von gestern, Herr Rabe zu Hause und betreute Pippi, damit ich lernen konnte. Bis auf zwei Stunden, da ging er zu Meetings, aber da schlief Pippi auch eh. Ich lernte. Und lernte. Und lernte. Mein Stift war leer, aber ich habe Nachschub. Ich kann jetzt ungefähr erklären, was die 7 Institutionen der EU machen, wie sie gebildet werden und für den legislativen Teil: wie EU-Gesetze gemacht (entworfen und verabschiedet) werden. Mit sowas hab ich mich ungelogen seit der Schule nicht beschäftigt und, hmm, wie soll ich sagen… das hatte Gründe. Ich finde das alles unheimlich kompliziert, First Reading, Second Reading, trialogue Blabla, conciliation Dings… meine Herren. Naturwissenschaftlerin durch und durch, ist ja auch gut so, vermutlich gehe ich da grad auch ein paar Kilometer zu weit in die Tiefe, aber dieser Test ist mir schon wirklich wichtig.

Nun ja. Am Ende (etwa bei „How to make the Commission of the EU resign“) schwirrte mein Kopf nicht nur, der schmerzte richtig und das ging dann über den Abend auch nicht weg. Ich brauche wohl mal ein Päuschen und vor allem eine Nacht Schlaf. Aber hey, wenn mich wer fragt, weshalb Malta 6 Sitze im Parlament hat, Deutschland aber, mit einer ca. 200 mal so großen Bevölkerung, „nur“ 96: könnte ich immerhin grob erklären. Oder zumindest schlau klingende Stichworte in den Raum rufen.

Uffz. Jetzt ins Bett.

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Auto-Lobhudelei: Selbstdisziplin geht auch wieder.