Tag 1266 – Tschö, Führerschein!

Pippi war heute recht fit. Ja, mit Rotznase, ja, ich musste sie die meiste Zeit tragen, weil sie keine Lust hatte zu laufen, aber so fit, dass ich das triumphale im „Ich bin nicht im Kindergarten, ich bin nämlich KRANK!“ gegenüber der ebenfalls kranken Nachbarstochter deutlich rausgehört hab. Dass sie halbwegs fit war, war gut, weil wir so nach Oslo fahren konnten um endlich meinen norwegischen Führerschein zu beantragen. Den Termin hatte ich gestern noch von 08:15 auf 11:45 gelegt, damit ich nicht um halb sieben mit Pippi los musste und so fuhren wir recht gemütlich in die Hauptstadt. Meine Unterlagen hatte ich ja alle beisammen und ich dachte deshalb auch, dass direkt ein Foto von mir für den norwegischen Führerschein gemacht würde, aber nein. Der Antrag, den ich abgegeben habe, ist gar kein Antrag auf einen Führerschein, sondern nur der Antrag auf einen Tausch des Führerscheins. Nachdem nun meine Daten ins System eingedutzelt sind, mein Führerschein eingezogen wurde und ich einen drei Monate gültigen Ersatzzettel als Fahrerlaubnis bekam, wird nun Norwegen in Deutschland anrufen und checken, dass ich nicht sechstausend Punkte in Flensburg habe, welche Gefährte ich überhaupt fahren darf und so weiter. Das dauert etwa vier Wochen. Und *dann* kann ich, auch wieder in Oslo, die Ausstellung eines norwegischen Führerscheins beantragen. *dann* wird auch ein Foto gemacht. Und die Gebühr bezahlt. Und überhaupt. Und *dann* warte ich vermutlich noch mal eine Weile, bis mir die norwegische Entsprechung der Bundesdruckerei die Førerkort fertig gemacht hat. Die ich dann auch wieder in Oslo abholen muss, weil unsere Dorf-Trafikkstasjon „nur Fahrzeugangelegenheiten“ erledigt.

Das ist alles unerwartet kompliziert und ich bin einfach froh, dass ich nun in Oslo arbeite. Wenn auch, natürlich, nicht so ganz in der Nähe dieser Trafikkstasjon.

Pippi und ich fuhren dann einfach wieder zurück. Auf dem Weg noch ein Croissant und ein Baguette. Wie ich dann so am Bahnhof stand, sah ich eine Autowerkstatt. Da ließ ich spontan einmal nach dem seltsamen und Unheil verheißenden Geräusch schauen, mit dem wir schon seit *hust* Weihnachten *hust* rumfahren. Das Auto hat einen Lagerschaden vorne links. Nichts, von dem einem morgen der Reifen bei voller Fahrt abfällt (das sind meine schlimmen Vorstellungen, die ich bei komischen Geräuschen am Auto immer gleich hab), aber schon was, was bald behoben werden sollte, damit’s nicht noch schlimmer wird und dann am Ende nämlich doch der Reifen abfällt. Montag früh werd ich also das Auto da abliefern, auf dass das neue Lager eingebaut werde. Herr Rabe macht Homeoffice und holt das Auto dann ab, wenn der Elektriker, der passenderweise auch Montag kommt, uns ein paar mehr Steckdosen in Küche und (hoffentlich, pleaaaase!) Bad gebaut hat. Tschö Geld auch. Grüß mir den Führerschein.

Tag 1265 – Backtschickebumm.

Leider ein Tag für die Tonne. Das Gras, was ich wachsen höre, lässt sich nicht mehr ignorieren und erfordert meinerseits Klärung, das finde ich nicht schön, aber es gibt ja noch einen Funken Hoffnung, dass das alles nur ein großes Missverständnis ist. Selbst wenn, möchte ich das Aufkommen solcher Missverständnisse in Zukunft vermieden wissen, schon allein deshalb muss ich das wohl klären. Mimimi. Sorry für die Kryptik, geht bestimmt bald wieder.

Morgen wird das mit dem Gespräch aber nix, nicht mal mehr diese Woche, fällt mir dabei ein, denn ein Teil des Grases ist nicht da und ich bin morgen auch nicht da, denn ich werde Pippi betuddeln, die heute im Kindergarten nach viel Genörgel einfach einschlief. So geht das natürlich nicht, sie ist noch nicht fit genug, ich hoffe, dass ein Tag ohne Kindergarten das richtet.

Die Anrufe vom Kindergarten hörte ich wieder nicht, denn ich war, und darüber wollte ich eigentlich schreiben, beim Zumba. Wir haben ja dieses Angebot, eine Stunde pro Woche während der Arbeitszeit Sport zu machen, solange wir das dann auch mit Kolleg*Innen machen. Da gibt es recht viel, ganz neu: Zumba. Zumba ist so: man legt _sehr grob_ lateinamerikanische Partykracher auf und dann macht man dazu Fitness mit viel Hüfte und verschnörkelten Armen.

Pro:

  • Musik
    Tanz
    Puls hoch, Schweißdrüsen auf
    Aber auch Kraftaspekte
    Sehe Potential, dadurch Rumpf und Arme zu trainieren

Contra:

  • Die Musik muss man schon mögen und naja, geht so
  • Für wen der fast 30 Jahre lang getanzt hat, auch lateinamerikanisch, auch Samba, auch Salsa, halt sehr sehr wenig anspruchsvoll
  • Könnte anstrengender sein, auf allen Ebenen

Mein Fazit ist: kann man schon machen, definitiv mehr Anstrengung als welches Yoga auch immer, ich sehe es halt eher als Fitness denn als künstlerisch wertvollen Ausdruckstanz. Hat mit „Tanz“ halt soviel zu tun wie olympisches Gewichtheben mit einer Bodybuildershow. Ich werde nicht unendlich doll weinen, weil ich nicht regelmäßig werde teilnehmen können, aber in den Wochen wo ich nicht kann, muss ich mir was anderes einfallen lassen, weil so ein Gruppengeschwitze ja eigentlich auch sehr nett ist, finde ich jedenfalls. Auch wenn es in diesem speziellen Fall ein wenig lustig ist – hatte ich erwähnt, dass ein Großteil meiner Kolleg*Innen deutlich älter ist als ich? Und mit deutlich meine ich, ein signifikanter Teil da könnten altersmäßig meine Eltern sein.

Spaß hat’s schon gemacht und auch ein paar meiner Aggressionen erfolgreich abgebaut. Wie gesagt: kann man schon mal machen.

Pippi war dann übrigens schon von Herrn Rabe abgeholt worden und guckte sich die Augen viereckig. Eigentlich geht es ihr nicht mehr so besonders schlecht. Trotzdem ist der Tag ohne Kindergarten und Rotzvermischung wohl eine gute Idee. Meetings verschieben kann ich ja auch mal von mir aus, nicht wahr?

(Ach Mann. Ich lese das und es klingt so negativ. Vermutlich PMS in Kombination mit zu vielen Gummibärchen, die mir nun, haha, sauer aufstoßen. Und halt der Kacktag. Zumba ist schon gut, lassen Sie sich da von der Miesepetra aus dem Internet nix einreden.)

Tag 1263 – Ausgeschlafen.

Herr Rabe hat mich heute früh ausschlafen lassen, das war sehr gut, ich erwachte nämlich mit ordentlichen Kopfschmerzen. Irgendein Wein gestern Abend war wohl zu viel gewesen. Also mir ging es schon schlechter nach übermäßigem Alkoholkonsum, auch deutlich, aber ich war dann doch froh heute früh Kaffee und Rührei serviert zu bekommen und sie nicht noch selbst machen zu müssen. Der Tag verlief dann auch sehr faul und langsam, aber ich hatte eh nicht wirklich was vor. Orchideen wässern, Ohrring kleben, Blusen bügeln*, Wäsche waschen, Schminkpinsel waschen, Fingernägel lackieren. Alles gemacht. Herr Rabe und ich haben die kommende Woche besprochen, jetzt mache ich noch eine Brotdose für Michel fertig und dann gehe ich ins Bett, in der Hoffnung, dann auch zeitig schlafen zu können.

Morgen früh entscheiden wir spontan, ob Pippi in den Kindergarten geht oder nicht. Heute war sie fitter als gestern, hatte auch kein Fieber, ging aber noch merklich in den Seilen. Unsere Strategie, alle paar Stunden Nasenspray zu geben, zahlte sich aus, sie klagte jedenfalls nicht noch mal über Ohrenschmerzen und auch ihre Augen und… eigentlich ihr ganzes Gesicht war nicht mehr so verquollen. Dafür läuft halt der Rotz und das dauernde Naseputzen ist natürlich auch nicht so toll für die Haut und deshalb hab ich ihr heute mit Bepanthen-Nachmacherprodukt einen Drachen auf die Wange gemalt, der Feuer bis unter die Nase spuckte, das war nämlich die einzige Art, wie sie sich an den wunden Stellen eincremen ließ. Falls Sie gut schläft wird sie morgen mitsamt Taschentüchern und Salbe in den Kindergarten gebracht. Falls nicht, bleibe ich mit ihr zu Hause, Herr Rabe hat ja letzte Woche schon drei Kindkranktage verbraten. Vielleicht fahren wir dann nach Jessheim, dann kann ich da meinen neuen Führerschein beantragen und könnte mir den Termin am Mittwoch Morgen sparen. Mal sehen. Ich hoffe, sie ist einfach fit genug, das zieht sich ja nun auch schon seit einer Woche mit dieser Erkältung.

Ach ja: jemand kommentierte, ob Pippi denn nun das PFAPA los sei? Ja. Seit Oktober hatte sie jedenfalls kein Fieber mehr ohne sonst krank zu sein. Puhhhhhh! Sie erzählt aber noch von der Operation, bzw. dem 2. Ausflug ins Krankenhaus wegen der Nachblutungen. Zum Beispiel erzählt sie gerne allen möglichen Leuten, dass sie „Masse Blut im Mund!“ hatte, und jetzt wo sie krank ist, sagt sie, sie muss ins Krankenhaus. Heute hat sie Ärztin gespielt, mir allerlei Gerät in den Mund gesteckt und mich dann aufgeschnitten. „So, jetzt bist du wach! Jetzt ist’s besser!“ war das Entlassungsgespräch, da war ich ja froh.

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*Jemand hier oder bei Twitter gab mir den Tipp, zum Ärmel bügeln ein aufgerolltes Handtuch in den Ärmel zu stecken. Das klappt super, endlich keine Bügelfalten mehr im Ärmel, vielen Dank für den Tipp!

Tag 1262 – Badetag.

Pippi ist wieder kränker statt gesünder geworden. Heute morgen klagte sie über Ohrenschmerzen, zudem tränen ihre Augen, es scheint also alles an Nebenhöhlen vollgekleistert zu sein, was geht. Nach Nasenspray (mit Wirkstoff) und Ibuprofen gegen die Schmerzen hörte sie wenigstens mit dem Dauergeheul auf. Bis nachmittags. Dann schlief sie im Bad auf dem Teppich ein (klassischer Fall von „Ich bin gar nicht müde“) und als sie aufwachte, war sie unglaublich schlecht gelaunt und ich zu Ihrer Bespaßung, Bedienung und Bekuschelung auserkoren. Leider war ich grade dabei, die Schnecken sauber zu machen. Kampf den Erdmücken und so. Raubmilben sind bestellt, bis die kommen wechsle ich jetzt jede Woche die Erde. Hilft natürlich nicht gegen den Befall in den Topfpflanzen, aber tjanun. Jedenfalls also die Schnecken. Hier die größte, die mir dann als Pippi wach wurde und Terror schob, fast abhaute:

Wie ich immer denke, größer würden die jetzt aber echt nicht mehr und dann geht doch noch was. Schon cool!

Jetzt schläft Pippi mit chemisch frei geblasener Nase und fühlt sich verdächtig warm an. In 35 Minuten kommen die Nachbarinnen und ich trage noch Wollunterwäsche und mein Gesicht ist nackt, das möchte ich so nicht lassen, deshalb mache ich hier nun Schluss.

Tag 1259 – Voll leer.

Huff. Was für ein Tag. Ich bin komplett gar und bin das im Grunde auch schon seit etwa 15 Uhr. Alles zu aufregend. Ganz verrückt auch irgendwie, das ist mein Leben nun, mein Arbeitsleben verbringe ich bewegungsarm in Meetingräumen und sage Sachen wie „ich hätte dann gern Mal die komplette Dokumentation zu diesen 5 Complaints und die übergeordnete SOP auch“ und dann lasse ich mir Eskalierungswege und dergleichen erklären und meist versuche ich eigentlich hauptsächlich nicht durch große Ratlosigkeit aufzufallen. Gut dass ich dieses Mal nur Beobachterin bin und am Ende nix unterschreiben muss. Gut, dass es eine Anlernphase gibt. Huff.

Mehr später. Ich muss schlafen, kranke Pippi* wird vermutlich wieder die Nacht zerhacken. Ich bin auch so fertig und mein Kopf so leer, ich schreib dauernd was und dann lösche ich’s wieder, das macht so keinen Spaß.

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*jo, 3 Anrufe in Abwesenheit vom Kindergarten direkt am 1. Tag wo’s um die Wurst geht. Handy natürlich auf nicht stören und in der Tasche. Karrieregeile Rabenmutter galore.

Tag 1257 – Seuche.

Pippi schlief sehr schlecht und hustete viel. Um halb drei hustete sie dann so schleimig, dass sie brechen musste. Jetzt sind unsere Badezimmerteppiche mal wieder gewaschen. Pippi war dann auch nicht im Kindergarten, sondern mit Herrn Rabe zu Hause. Das fand Pippi ziemlich doof und wir alle hoffen, dass sie morgen wieder in den Kindergarten gehen kann. Ich habe ein ganz schlechtes Gewissen, weil ich wegen Inspektion Mittwoch bis Freitag und davor Inspektionsvorbereitung wirklich einfach nicht zu Hause bleiben kann und mal wieder vieles an Herrn Rabe hängen bleibt.

Dafür schleppte ich mich heute nach zu wenig und zu unterbrochenem (muhaha) Schlaf zur Arbeit. Dort trank ich viel mehr Kaffee als sonst und musste trotzdem immer mal wieder aufstehen und herumlaufen, um meinen Kreislauf in Gang zu halten. Habe meinen direkten KollegInnen gestanden, dass ich absolut kein Morgenmensch bin, mich nur dank eisernem Willen aus dem Bett rolle und abends nicht ins Bett komme. Das schien niemand schlimm zu finden. Gute KollegInnen.

Von meiner Arbeit kann ich ja nix erzählen und heute ist das echt schlimm, weil ich Ihnen so gern die Geschichte erzählen würde, die die Worte „Milchpackung“, „Kristallkugel“ und „Homöopathin“ verbindet. Das müssen Sie sich jetzt denken, wie das zusammen geht, aber verrenken Sie sich nicht das Hirn, ans Original kommt’s eh nicht ran.

Die übernächste Inspektion soll ich dem betreffenden Unternehmen ankündigen und UIUIUIUI! (Vor allem Uiuiui, weil ich dann zum ersten Mal so richtig ernsthaft mit dem seltsamen Dokumentenverwaltungssystem arbeiten muss. Uiuiui.)

Noch ein Seuchending: die Erdmücken. Oder Trauermücken, oder Erdfliegen, oder einfach die dreckigen Scheißviecher, die sich in Terrarium und Küchenkräutererde vermehren wie die Pest. Sie nerven mich zu Tode und die Schnecken wohl auch, jedenfalls haben letztere sich alle eingegraben und lassen sich auch mit Futter nicht locken, nicht mal mit Zucchini. Arme Schnecken. Die Mücken sind überall und nerven unsäglich, dauernd (wirklich) haue ich sie tot, aber es sind so viele, das ist völlig sinnfrei. Im Terrarium kann ich kein Gießmittel anwenden, Nematodenlarven auch nicht, Gelbstecker bringen rein gar nichts und ich kriege echt zu viel. Meine letzte Hoffnung sind Raubmilben, mal sehen ob ich die hier bekomme*, falls nicht, muss mir die wohl wer** mitbringen. Zwinker, zwinker. Ich hoffe ich kriege die hier, weil man sicher für den Import von insektenfressendem Getier in Teufels Küche kommt, wenn man erwischt wird. Morgen mal recherchieren, dank Gleisbauarbeiten habe ich ja morgens (und nachmittags) jetzt extra viel Zeit im Zug.

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*man kriegt hier auch kein Insektengift, jedenfalls hab ich noch keins gefunden

**zwinker, zwinker