Tag 751 – Achterbahn. 

Morgens Absage auf eine Bewerbung. 

Zur Arbeit durch den strömenden Regen. 

Bis zum Mittagessen anstrengender Versuch, stressstressstress. 

Dann auch noch kaum sichtbare Zellpellets, weil die Zentrifuge falsch eingestellt war. Mühsam Ausraster unterdrückt ob der Aussicht, den Versuch noch mal wiederholen zu müssen. 

Mittagessen alleine, weil jede Frage nach meinem Befinden unweigerlich zu einem Heulkrampf geführt hätte. 

Chef bestellt völlig irre Antikörperkombinationen. Er ist entweder ein Genie oder verrückt. Oder beides. Ich bestelle heimlich die sichere, wenn auch nicht ganz so geniale Variante. 

Email vom Konfokalobermotz: Kurs am Donnerstag. Da geht er hin, mein potentiell freier Tag, den ich so nötig hätte. 

Ich isoliere RNA aus den unsichtbaren Zellen. Es reicht, ich muss den Versuch nicht wiederholen. 

Während ich eigenmächtig Zellen färbe, um den Konfokalkurs schamlos ausnutzen zu können, kommt der Chef ins Labor und grinst über beide Backen: „Ich hab Geld ausgegraben, Du und die Bürokollegin könnt bis Ende des Jahres voll bezahlt werden.“ 

Ich sähe Zellen aus, fahre durch den Sonnenschein nach Hause, habe endlich mal wieder eine gute Zeit mit den Kindern, esse, bringe Michel ins Bett, fahre wieder zur Arbeit, ernte ein paar Zellen, kaufe Schokopudding.

Komme nach Hause. Pippi liegt bei Herrn Rabe auf dem Sofa, sie hat eine Erkältung (nicht so schlimm) und Ohrenschmerzen (Alarm!), Herr Rabe hat seine Kindkrank-Tage aufgebraucht, ich muss (mussmussmuss!!!) morgen diesen Versuch fertig machen, aber hilft ja nix, außer Daumen drücken können wir wohl nix machen. 

Mit der Schwägerin telefoniert, sehr aufmunternd war das. 

Jetzt merke ich erst, wie müde ich bin. Ich könnte hundert Jahre schlafen. 

Und morgen freue ich mich dann bestimmt auch mal über die zwei Monate mehr Zeit. 

Bestimmt. 

Tag 729 – Nachdenklich. 

Ich muss aufhören, so viel über alles nachzudenken. Das macht mich ganz rappelig. Und helfen tut es auch nicht. Aber es steht so viel an, oder ist im Gange, das schon alles einzeln dafür sorgen könnte, dass ich schreiend im Kreis laufe, in der Summe ist es… so viel, dass ich es nicht mal über mich bringe, es hier aufzulisten, das macht es ja nur noch realer. 

Also versuche ich mich abzulenken, vertrödele Zeit mit Quatsch Twitter, bis es Zeit ist, das Licht auszumachen, lese dann noch so lange, bis mir wirklich die Augen zufallen und dann schlafe ich wie ein Stein. Würde ich jedenfalls gerne, in echt kriecht mir natürlich die bekymring schon wieder besonders nachts den Nacken hoch. Aber immerhin kriege ich es tagsüber hin, meine Blase der Realitätsverweigerung halbwegs stabil zu halten. Das klingt vielleicht komisch, aber das brauche ich tatsächlich, sonst sitze ich wieder wie ein Kaninchen vor der Schlange und kriege gar nix mehr hin. Hoffentlich schaffe ich es, bis zur Dissabgabe und JobsucheUmzugKitaplatzsucheOhGottWieSollIchDieDisputatiosfeierBezahlen in *mieeeeeeeep*, die To-Dos nur in handlichen Häppchen zu mir durchdringen zu lassen. Den tiden, den sorgen. („Die Zeit, die Sorge.“)