Tag 776 – Kurze Meldung.

Bevor ich wieder beim Bloggen einschlafe (Sie lachen jetzt vielleicht, aber das ist mir tatsächlich schon passiert!) der Tag in Stichpunkten:

– „Mama, weißt du was ganz gut geht? Nachts essen.“ (Spoiler: nein. Also ja, für ihn schon, für uns eher nicht so.)

– Michel hat Husten der Kategorie, die unsichere Neu-Eltern in die Notfallpraxis fahren lässt. Ich hingegen rede mir nach Kräften ein, dass es nur schlimmer Husten ist, nichts dramatisches, auch nichts, wo die Notfallpraxis was dran drehen könnte und eh: in der Notfallpraxis wartet man ja immer, bis man Schimmel angesetzt hat, da holt sich das Kind doch erst recht was weg.

– Michel will doch keine gelbe Jogginghose sondern hat sich im Stoffladen heute einen, wie ich finde sehr schönen, grauen Sweat-Stoff mit dunkelblauen Vögeln ausgesucht. Das wird jetzt ein Zweiteiler, die Jacke ist schon zugeschnitten, aber für die Hose muss ich mein Spargelkind mit den langen Beinen erst nochmal vermessen.

– Vitamin D- und Eisen-Tabletten gekauft. Pippi hat ganz leichten Eisenmangel und es ist ja schon wieder Herbst, deshalb Vitamin D.

So, die Augen fallen zu. Gute Nacht!

Tag 766 – Läuft bei uns. 

Wie soll ich das jetzt formulieren, ohne dass es schon wieder in Gemecker ausartet? Also Pippi ist offenbar doch noch oder wieder krank, ich war fünf Minuten zu spät im Kindergarten, da hatten sie gerade Fieber gemessen. 39,2. davon waren zu Hause dann nur noch 38,5 übrig, aber schön ist das ja trotzdem nicht. Aber sie ist sehr fröhlich dabei. Ich, äh, weiß das zu schätzen. Es könnte schlimmer sein. Trotzdem gehe ich glaube ich mit ihr morgen nochmal zum Arzt, das ist ja alles nicht mehr feierlich hier. Immerhin konnte ich heute ganze sechs Stunden arbeiten, wenn ich Glück habe, schaffe ich es morgen, wenn Pippi Mittagsschlaf im Kinderwagen macht, alles ganz dringliche im Turbomodus wegzuschaffen, dann muss ich nicht abends, wenn Herr Rabe gegen zehn hier eintrudelt, noch mal ins Labor fahren. Das ist doch eine Prima Aussicht! 

Überhaupt, Arbeit, so schön. Da reißt man sich ewig den Hintern auf, um blöde Dinger zu färben, es klappt alles nicht, und am Ende findet man raus, dass es daran liegt, dass die Kack-Dinger einfach gar nicht da sind. Der Kollege hat – bis auf dass er ne andere Flasche genommen hat – alles angeblich ganz genau so gemacht und es klappte. Tjanun, ich habe kapituliert. Erwartete mindestens ein Haareraufen vom Chef und was kam? „Och, nicht so schlimm, dann wird unser Modell einfacher.“ Wattsefack? Äh, well, gut, dann, äh, sind wir eigentlich quasi fertig. Oder so. Fehlen noch zwei Bilder statt… acht. Gut. Was wirklich gut ist: ich bin inzwischen ziemlich fit am Mikroskop. 

Dann habe ich ja auch noch ein großes Kind, eins, das gesund ist, obwohl es die ersten zwei Jahre seines Lebens eigentlich immer krank war, jetzt ist es robust. Muss man ja auch mal sagen. Dieses Kind ist ja gerade in einer Abnabelungsphase, so kann man es glaube ich gut nennen, es lernt viel, will viel, kann viel, traut sich viel (so wie alleine zur KiTa fahren, Update übrigens zur Versicherungsproblematik: sämtliche Norweger*Innen die ich danach gefragt habe, in der KiTa und bei der Arbeit, mussten ein bisschen lachen und meinten so Sachen wie „du bist so putzig deutsch manchmal“. Der Fahrradführerschein hat dann endgültig zu Lachanfällen geführt) und das alles ist ja auch total toll. Noch schöner wäre es nur, wenn das Kind dabei nicht total durch den Wind wäre und mich nicht abwechselnd abknutschen und anschreien würde. Wir haben hier morgens und abends im Moment immer die etwas absurde Situation, dass ich Michel ausziehe, ihm einen Schlafanzug anziehe, ihm die Zähne putze und die Haare kämme, während Pippi wütend an ihrem Reißverschluss zerrt, bis sie die Jacke aufhat, sich selbst auszieht, versucht, sich anzuziehen und wehe, ich versuche ihr die Zähne zu putzen! Nix da, das macht sie selbst (erstaunlich gut!). Ich wette, sie würde sich selbst wickeln, wenn sie könnte. Sie holt schon eine Windel und breitet sie fein säuberlich aus, dann legt sie sich drauf.  Auch Pippi schreit mich oft an, aber sie sucht keinen Streit, so wie Michel. Pippis Konflikte mit mir sind einfach: sie will was, ich sage Nein, sie schreit. Und haut und kneift, daran arbeiten wir gerade. Michel hingegen fragt absichtlich nach Sachen, von denen er weiß, dass es die (heute, jetzt, whatever) nicht gibt, holt sich sein Nein ab und rastet dann komplett aus. Mit schreien und toben und Sachen werfen und Türen knallen. Ganz die Mama. So schön. Groß werden ist schwierig. Daneben stehen, auch. 

Tag 760 – Kuschlige Kinder. So schön. 

Spoiler: nicht. Jedenfalls nicht immer. Nicht jetzt gerade. Nicht, wenn man nach mal wieder mehreren Nächten auf der äußersten Bettkante beim Ins-Bett-Bringen in Michels Bett mit eingeschlafen ist und da auch nach zwei Stunden nur raus ist, weil es zu warm und viel zu eng war. Und dann – die Zeit reichte genau für eineDusche – steht das Kind da schon wieder und muss aufs Klo. Und will danach natürlich wieder kuscheln. Dann denkt man, es ist eingeschlafen und will sich davon stehlen, aber nein, man kommt nicht mal bis ins eigene Bett, bevor man vom Kind verfolgt wird, das ja „nicht allein sein will“ und „jemanden zum kuscheln“ braucht. Und ich kriege echt zu viel, nicht mal im eigenen Bett in Ruhe einschlafen darf ich, ich schätze nämlich „alleine sein“ in meinem Bett ganz außerordentlich und mit einem mehr als aufdringlichen fast Fünfjährigen wrestlen kuscheln ist jetzt eher nicht erholsam. (Passender weise fängt er genau in diesem Moment auch noch an, mit den Zähnen zu knirschen und ich warte nur darauf, dass ich mich in sein Bett legen kann, das ist ja jetzt frei.)

Tag 752 – Übertrieben. 

Sowohl im Labor und danach beim jährlichen Shrimps-Essen, wobei der Essensteil da schon vorbei war und nur noch getrunken wurde, aber das ganze Ding hätte ich mir lieber sparen sollen, weil sich mit wirklich nur wenig Alkohol bin ich jetzt komplett ausgepumpt und zum Umfallen müde. 

Aber: alle Proben soweit fertig gemacht, jetzt können andere übernehmen. Und etwas besonders schönes ist auch passiert: meine eine Kollegin hat mir Ihre Hilfe angeboten. Nicht nur einfach so dahingesagt, sondern ganz konkret, wenn ich noch irgendwas zu tun hätte, das sie auch machen kann, soll ich es bloß sagen. Ich bin immernoch ganz gerührt davon. Und langsam habe ich auch die Scheu vor dem um-Hilfe-Bitten abgebaut: als der Chef heute mit wieder einer weiteren Knock-Out-Zelle ankam, die ich bitte auftauen sollte*, habe ich zwar noch das Medium selbst warm gestellt, aber dann den vorbeilaufenden Mr. I-trust-You darum gebeten, die Zellen aufzutauen. Das hat der auch gemacht und „kein Problem“ gesagt. Puh. 

___

*Ich hätte nein gesagt, hätte er nicht damit ein sozusagen „sicheres“ Manuskript in Aussicht gestellt, in dem ich einfach nur die tausend sechs Knock-Outs, die wir inzwischen haben, miteinander vergleiche. Selbst die Daten zu vier davon haben wir schon. Das ist bisher die beste Idee, die ich hatte und die er jetzt als seine versteht. 

Tag 751 – Achterbahn. 

Morgens Absage auf eine Bewerbung. 

Zur Arbeit durch den strömenden Regen. 

Bis zum Mittagessen anstrengender Versuch, stressstressstress. 

Dann auch noch kaum sichtbare Zellpellets, weil die Zentrifuge falsch eingestellt war. Mühsam Ausraster unterdrückt ob der Aussicht, den Versuch noch mal wiederholen zu müssen. 

Mittagessen alleine, weil jede Frage nach meinem Befinden unweigerlich zu einem Heulkrampf geführt hätte. 

Chef bestellt völlig irre Antikörperkombinationen. Er ist entweder ein Genie oder verrückt. Oder beides. Ich bestelle heimlich die sichere, wenn auch nicht ganz so geniale Variante. 

Email vom Konfokalobermotz: Kurs am Donnerstag. Da geht er hin, mein potentiell freier Tag, den ich so nötig hätte. 

Ich isoliere RNA aus den unsichtbaren Zellen. Es reicht, ich muss den Versuch nicht wiederholen. 

Während ich eigenmächtig Zellen färbe, um den Konfokalkurs schamlos ausnutzen zu können, kommt der Chef ins Labor und grinst über beide Backen: „Ich hab Geld ausgegraben, Du und die Bürokollegin könnt bis Ende des Jahres voll bezahlt werden.“ 

Ich sähe Zellen aus, fahre durch den Sonnenschein nach Hause, habe endlich mal wieder eine gute Zeit mit den Kindern, esse, bringe Michel ins Bett, fahre wieder zur Arbeit, ernte ein paar Zellen, kaufe Schokopudding.

Komme nach Hause. Pippi liegt bei Herrn Rabe auf dem Sofa, sie hat eine Erkältung (nicht so schlimm) und Ohrenschmerzen (Alarm!), Herr Rabe hat seine Kindkrank-Tage aufgebraucht, ich muss (mussmussmuss!!!) morgen diesen Versuch fertig machen, aber hilft ja nix, außer Daumen drücken können wir wohl nix machen. 

Mit der Schwägerin telefoniert, sehr aufmunternd war das. 

Jetzt merke ich erst, wie müde ich bin. Ich könnte hundert Jahre schlafen. 

Und morgen freue ich mich dann bestimmt auch mal über die zwei Monate mehr Zeit. 

Bestimmt. 

Tag 748 – Noch mehr Gejammer. 

Ich weiß. Ich kann’s selbst auch schon nicht mehr hören. Aber wenn zum Besten des Tages gehört, dass man es geschafft hat, niemanden zu verprügeln (heiße Bewerber*Innen: – die Kassiererin im Supermarkt mit ihrem „nee, das ist nicht kaputt, wollen Sie das jetzt oder was?“ und dem Laufband hinter der Kasse, mit dem sie meine gerade gekauften Bananen und Zucchinis und Kiwis zermanscht; – Arschlöcher mit dicken Autos und ohne Umweltbewusstsein), dass man ferner nur zwei- bis dreimal und nur ein bisschen vor Überforderung geheult hat, dass das Abendessen überaus lecker war und man danach gemütlich im Kinderbett mit eingeschlafen ist, dann ist das eine etwas dürftige Bilanz für einen Wochenend-Tag. Stresslevel: 10/10, so geht das nicht weiter. Beschluss ist gefasst, ich muss ihn nur noch umsetzen.  

Good news: Michel liest seine ersten Wörter. Ich bin sehr stolz. Mein Baby! Hachz.