Tag 2135 – Mit Kopfweh ins Bett.

Schon wieder so spät. Die Eulen im Rabenhaus besprechen Schwieriges bevorzugt sehr spät. Davon kommen die Kopfschmerzen nicht, die waren vorher schon da, aber jetzt möchte ich eigentlich nur noch schlafen. Morgen um neun geht der Arbeitstag los, mit einem Meeting, bei dem die Wahrscheinlichkeit, ein Schleudertrauma vom Kopfschütteln zu bekommen, groß ist. Das wird unausgeschlafen nicht einfacher, leider.

Die einzige geplante Inspektion vor den Ferien (Remote) ist geplatzt, schade Schokolade. Habe trotzdem heute schon mal beantragt, an einem Tag im Juni ins Büro zu dürfen, weil wir Updates machen müssen. Damit ich nicht nur für Updates nach Oslo fahre, habe ich einen Termin zur Muttermalkontrolle gemacht (schlimmes schlechtes Gewissen, das habe ich nämlich seit Jahren nicht gemacht und ich bin ja sehr hellhäutig und habe wirklich viele Muttermale) und hoffe, dass an dem Tag auch der Geigenbauer da ist, damit ich an einem ruhigen Donnerstag Vormittag ein paar andere Kinnstützen ausprobieren kann. Mich dünkt, meine ist zu klein, die hab ich halt, seit ich 10 war… mir war bis zu Geigen-YouTube nicht so wirklich klar, dass es da mehr als eine Form gibt und man die durchaus auch austauschen kann. Mind blown. Vielleicht kann dann der Geigenbauer auch auf mein Instrument mal draufschauen, nur lachen darf er nicht, ich hänge an dem Ding. Außerdem brauche ich leider schon wieder eine neue A-Saite, die, die ich jetzt habe, klingt nicht mehr gut. Leicht stumpf, als hätte ich Obertöne verloren. Da ich die E-Saite grad ausgetauscht habe (andere Sorte, weil die alte „pfiff“) und die nun wieder ganz frische Brillianz hat, fällt das besonders auf. Meh, die A-Saite war leider relativ teuer, aber halt ein Griff ins Klo, was die Haltbarkeit anbelangt.

Tag 2120 – Alles wäh.

Manic meeting Tuesday und dann noch eine „innsynsbegjæring“ also Antrag auf Akteneinsicht am Hals. Das hatte ich schon ausgesetzt (wir haben nur 5 Arbeitstage, um solche Anträge zu beantworten, danach gelten sie als abgelehnt und sind dann einklagbar) und heute musste es wirklich endlich raus, aber das Tool, das wir da haben und benutzen *müssen*… Hmmja. Ich hab vermutlich zwischen 15 und 17:30 Uhr heute erheblich mehr graue Haare bekommen.

Nach der Arbeit Elternabend (über Teams, yeah, endlich mal wieder ein Teams-Meeting! Hatte es in den drei Stunden seit dem letzten schon vermisst.), danach Schweinchen sauber machen (die Stellen, an denen die Terror-Wurst neulich Muffin gebissen und büschelweise Haare ausgerissen hat, sehen alle gut aus und das Fell sprießt auch wieder, uff), Wäsche waschen, essen, Vorlesen, Kuscheln, Aufräumen…

Und keine Energie mehr, Sozialkontakte per Bildschirm zu pflegen. Einfach gar nicht.

Tag 2113 – Piep.

Bin bei Michel eingeschlafen.

Heute:

  • Der Schrank ist jetzt fertig mit Licht und Leisten und Griffen und Spiegel innen und – hach! Bilder morgen.
  • Wir haben auch noch ein Waschmaschinen-Trockner-Dings bekommen, mit Schubladen zum Bedienen mit den Füßen.
  • Ich habe Lust, das ganze Haus innen tischlern zu lassen, muss aber erst im Lotto gewinnen.
  • Michel liest laut Lesebuch prima, muss ich mir wohl doch keine Gedanken machen.
  • Es ist wieder Kindertanzen (mal sehen wie lange) und in dem Einkaufszentrum, in dem die Tanzschule liegt, haben seit gestern wieder alle Geschäfte auf und es war bumsvoll dort. Ich fand nicht mal einen Parkplatz, bevor ich nicht drei mal im Kreis herumgekurvt war – mit Cardos, für den man ja nun keine große Lücke braucht. (Ja, wir lassen Pippi da hin gehen. Ja, wir töten damit sicher irgendwen oder züchten die neue Supermutation, aber meine/unsere Kraft, die einzigen superultrastrengen Eltern der Welt zu sein, war begrenzt und ist aufgebraucht. Unsere Inzidenz ist ok, wir ohne Impfberechtigung in den nächsten Wochen sind eh allen egal*, ich bin bei lmaa und lalala angekommen.)

*ja, macht für Geimpfte alles auf, was geht, viel Spaß, wir warten so lange draußen auf die Schnelltests, die man angeblich statt Impfung vorweisen kann (Sinn davon mal dahin gestellt) und von denen ich in Norwegen aber noch keine Spur gesehen hab, oder auf die Impfung halt, für die wir uns noch nicht mal auf Restelisten, die es auch nicht gibt, registrieren lassen können, weil wir alles dafür tun müssen, die Risikogruppen zu schützen, machen wir ja, seit über einem Jahr, und kriegen dafür noch in die Fresse. Doppelt und Dreifach. Wo die keine Angst mehr haben müssen, draufzugehen, kann der Rest sehen wo er bleibt, YOLO und „es ist rechtlich nicht haltbar, wenn Geimpfte weiter Einschränkungen erleben“ – guess what, genauso könnte man argumentieren, dass es rechtlich nicht haltbar war, dass wir alle letztes Jahr im März, April, Mai und ab Herbst wieder volle Möhre Einschränkungen erlebt haben, wo wir doch gar kein so hohes Risiko für Tod durch Covid19 haben. HABEN WIR TROTZDEM EINFACH GEMACHT DAMIT WIR KEINEN ANSTECKEN DER DANN DRAUF GEHT. Und jetzt wollt ihr ernsthaft die Arbeitsplätze in den Restaurants retten indem ihr sie öffnet? Verlogene Sch***e, man könnte ja zum Beispiel die Betriebe, insbesondere auch die Kulturbranche, denen wegen Corona Einnahmen entgangen sind, wirklich sinnvoll finanziell entschädigen. Stattdessen wird es nun auf den einzelnen Geimpften abgewälzt, den Konsum möglichst rasch wieder anzukurbeln, damit diejenigen, die hart an der Pleite langschrammen, aufhören zu nörgeln. Während der Großteil der Bedienungen in Restaurants, in Cafés, in Bars, Biergärten, und Verkäufer*Innen aller Art noch laaaaaaaaange nicht impfberechtigt sind. Wann fahren die in den „wohlverdienten Urlaub“? Ach ja, richtig, gar nicht, weil keine Impfung und seit über einem Jahr in Kurzarbeit oder Arbeitslos und gar keine Kohle dafür da.

Manchmal möchte ich allein im Wald leben, Gesellschaft ist nicht so meins, scheint mir. Zumindest die kapitalistische.

Rant over.

Tag 2112 – Keine Worte mehr.

Ich bin leer geredet. Heute schon wieder Meeting auf Dänisch, meine Gügll diglll Sprache. Meine Theorie ist: die Dänen verstehen sich selbst gegenseitig nicht, besonders Zahlen sind willkürlich aneinander gereihte Silben, die individuell mit Wert bemessen werden. Kamelåså.

Morgen auch noch mal, mit der Dänischen Behörde. Lä-ämigglllstyrlll heißt die, echt wahr.

Generell ist Montag immer Meeting-Tag und ich fand das heute sehr nervig. Ich will nicht sieben Stunden lang nahezu ohne Unterbrechung in einen Bildschirm starren. Will nicht will nicht will nicht.

Nebenbei hab ich in der Weltgeschichte herumtelefoniert und beispielsweise Medikamentierungsfragen, die beim Lesen von Beipackzetteln so auftauchen können, beantwortet bekommen. Seit ich viel mit PharmazeutInnen zusammen arbeite, habe ich zwar eine gewisse Skepsis, was die Kenntnis von Mediziner*Innen über Wechselwirkungen angeht, aber dies war eine Frage, die sich mit Erfahrung >> 1 Patientin* sicher lösen lässt, nichts spezielles**. Eine Antwort bekam ich dann auch schnell und bin beruhigt.

Bitte lesen Sie immer die Packungsbeilage und bewahren Sie diese auch auf, bis das Medikament aufgebraucht oder abgelaufen ist. Abgelaufene Medikamente sollte man nicht mehr nehmen, die kann man zur nächsten Apotheke bringen, da werden sie entsorgt***.

Hilfe, alle Sätze sind schon ganz schief, ich muss die Augen zu machen.

___

*also Leute vom Fach statt mir

Und Dr. Google hilft nur in seltensten Fällen überhaupt, aber bei Schilddrüsensachen noch mal weniger. Vielleicht ist das ja ein bisher unerkanntes Schilddrüsensymtom: nervtötender Diskutierdrang mit Schwurbelneigung.

***ohne Gewähr, dass sich in Deutschland diese Praxis nicht in den letzten 7,5 Jahren geändert hat oder dass wegen Corona alles nur in mehreren Lagen reinraumgerechten Einwegmaterials**** verpackt abgegeben werden kann.

***Ich bin heute über einen ISO-Standard zu Tests und Akzeptanzkriterien für die Überprüfung der Versiegelung schlusssterilisierter Medizinprodukte gestolpert. Wir leben in aufregenden Zeiten.

Tag 2102 – 4%.

Exakt so fühle ich mich:

Keine Ahnung was das jetzt schon wieder ist, aber ich fühl mich wie durch die Mangel gedreht, körperlich völlig im Eimer.

Ich gehe jetzt schlafen und hoffe, dass es morgen besser ist.

(Heute passiert: Bullshit-Bingo mit den Kolleg*Innen (ausgerechnet denen!) über Sonnenschutz und Vitamin D, und mit Michel Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär angefangen, er fand es ganz ok. Natürlich kein Vergleich zu Harry Potter, vorerst.)