Tag 4058 – 4062 – Piep.

Wir leben alle noch und das Haus steht noch. Es hat ein bisschen mehr Holz bekommen, morsches Holz ist weg, der Tragebalken stellte sich als einen Tacken weniger kritisch raus als gedacht, und auch an der zweiten Seite ist jetzt isoliert. Fehlt noch die dritte. Der Schreiner möchte uns dazu belabern, das Panel auszutauschen, aber das kommt für mich wirklich nicht in Frage, ja, das ist alt, aber das hat Geschichte und kommt da wieder dran, Ende. Außerdem müssen wir echt mal langsam ne Geldgrenze setzen hier.

Ich habe derweil eine Inspektionstour nach Bergen gemacht, wo es am Mittwoch super warm war. Ansonsten war es hauptsächlich sehr sehr anstrengend.

Im Werk brennt alles, nachdem der Lieblingskollege zufällig rausgefunden hat, dass unsere Reisekrankenversicherung gekündigt wurde. Wir wurden nicht mal informiert. Das ist alles so zum Haare ausraufen, dass ich es sogar hier erzähle. Das kann man sich wirklich nicht ausdenken, dass man ernsthaft meint, wir könnten in z.B. den USA einfach sagen „Trust me, Bro, ich arbeite beim norwegischen Staat und der ist Selbstversicherer, die medizinische Behandlung nach meinem schweren Autounfall ist sicher irgendwie gedeckt, ruf einfach den König an, oder den Jonas!“ oder so. Und wenn ich nicht mehr selbst reden kann? Soll ich mir dass der norwegische Staat Selbstversicherer ist auf die Brust tätowieren lassen, so zur Sicherheit? Naja also HR überlegt jetzt und wenn sie nicht bis sehr bald eine vernünftige Lösung dafür gefunden haben, sagen wir ne ganze Reihe geplanter Reisen ab und setzen alle hoch bis zum König in CC. Die haben sie ja wohl nicht mehr alle.

Selbstversicherer my ass, meißelt mir das auf den Grabstein, falls ich irgendwann in Indien überfahren, in den USA erschossen oder in China vergiftet werde. Oder mir irgendwann die Halsschlagader platzt, weil mein Arbeitgeber mir ständig meinen Job schwer macht.

Tag Bummens – Königin der Brechstange.

Ich bin um einige wertvolle Erfahrungen reicher geworden heute. Und um fast ein ganzes Balkongeländer ärmer. An einem gewissen Punkt konnten Michels Spaghettiärmchen nicht mehr, deshalb ist das letzte Stückchen noch dran, aber das ist immerhin so weit vorbereitet, dass es recht fix gehen dürfte, den Rest abzumachen. Mir tut jetzt alles weh, mein Körper ist voller blauer Flecken, sämtliche Muskeln schmerzen, aber der Schreiner kann morgen anfangen. Die Aktion hat uns einiges an Geld gespart, aber Spaß war das ganz und gar nicht.

Was man halt an jeder Halterung machen muss: Panel abhebeln, um die Halterung freizulegen. Die Schrauben und Muttern lösen so gut es geht (etwa 50 % sind festgerostet). An der nächsten Halterung den eisernen Metall-Querbalken abschrauben und dann den mittleren Nagel raushebeln. (Alle Nägel sind so 10 cm lange Tischlernägel.) Dann oben mit der Kreissäge (vielleicht wäre eine Stichsäge besser, aber wir haben keine. Vielleicht ist auch die Kreissäge, die wir haben, einfach komplett scheiße. Ich habe jedenfalls heute einen ordentlichen Hass auf die Kreissäge entwickelt) den durchgehenden Balken oben durchsägen. Geländerstück zu zweit wegtragen. Gegebenenfalls die Halterung abschrauben (falls die nicht noch am Geländerstück hängt, weil Schrauben festgerostet waren). Und dann 1,5 m weiter das gleiche von vorn.

Und vor dem ganzen Spaß mussten 80 qm Terrassenpanele weggetragen werden. Das waren jeweils so 2-5 qm große Panele, sauschwer und unhandlich wie sonstwas. Die Größten passten auch gar nicht auf den geliehenen Hänger, also musste die Kreissäge wieder ran – und Michel für die letzten paar Millimeter, wo ich mit der Säge aufgegeben habe. Michel hopst einfach so lange auf dem 7/8-durchgesägten Stück drauf rum, bis es bricht. Mit 50 kg dauert das zwar, aber geht schon irgendwann kaputt.

Im Geländer selbst habe ich entdeckt, dass da sehr gerne Wespen gewohnt haben. Ich habe Nester von Golfball- bis Handballgröße gefunden, allesamt leer, aber sicher so 15 Stück. Alle paar cm eins. Von wegen, die bauen nicht zwei mal am gleichen Ort. Die bauen sogar ein neues Nest direkt an ein altes dran.

Anyway. Michel hat sich seinen Lohn für heute redlich verdient und ich habe mir den ersparten Betrag beim Schreiner auch sehr redlich verdient. Michel hat auch, während ich mit den gröberen Arbeiten beschäftigt war, unermüdlich die Tischlernägel aus den entfernten Panelen gezogen, damit unser Müll nicht mehr ganz so lebensgefährlich ist. Wir haben jetzt einen ganzen (leicht angeschimmelten Muss-eh-weg-Pilzsammel-)Korb voller Metall.

Ich hab schon wieder keine Vorher-Bilder gemacht, aber nachher. Und Wespennester.

Das Tarp ist dazu da, die Ecke vor Regen zu schützen. Da ist nämlich die Durchführung der Wärmepumpe, die am Moderbalken schuld ist.

Eigentlich war ich dann zu fertig für irgendwas. Aber ich hab natürlich trotzdem Essen gekocht und dann auch noch Geige gespielt, weil Pippi sonst nicht schlafen kann. Mit ausgepumpten Unterarmen spielt es sich gar nicht mal so gut Geige. Außerdem hab ich mir heute ein mal richtig mies die Brechstange auf das erste Gelenk des rechten Daumens gehauen, das ist jetzt blau und mein Daumen etwas weniger flexibel, als ich gerne hätte. Aber was tut man nicht alles für seine Babies, ne?

Tag Dingens – Piep.

Hier leben alle, aber mir ist alles ein bisschen zu viel. Der Kopf ist noch oben, ich mache auch alles, aber ich mache eben auch buchstäblich alles und es ist mörderisch anstrengend. Abends fallen mir dann die Augen zu.

…

Und während ich so drüber nachdenke, ob ich schreiben soll, dass ich morgen mit Michel und ohne Ahnung das Balkongeländer abreiße, damit der Schreiner nächste Woche direkt anfangen kann, fällt mir ein, dass ich vergessen habe, das andere Wespennest im Zwischenraum zwischen den zwei Lagen auf dem Balkon zu bekämpfen*. Scheiße. Aber jetzt hampele ich auch nicht noch mal raus.

(Herr Rabe ist nicht da, deshalb ist dieses Wochenende diese Frau** hier ganz besonders selbst.)

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*da ziehen sie ein, weil sie können. Sie können, weil die Folie, die das verhindern soll, nicht mehr abschließt, vermutlich wegen Modergammelspaß auch da.

**Projektmanagerin

Tag 3952 – 3954 – Bisschen viel alles.

Total nicht überraschend war Donnerstag insgesamt hart, weil einfach viel zu wenig Schlaf stattgefunden hatte. Aber das war der Mittwoch wert gewesen.

Gestern hatte ich dann erst Teamtag, wo ich zwei Stunden entkommen „durfte“ um mir in einem Meeting mit der internationalen Inspekteurgruppe anzuhören, dass wir ja alle quasi faul seien und ehrlich, ich möchte nen Orden, wenn ich den Typen nicht irgendwann in einzelnen Bits durchs WiFi ziehe. Danach ging es direkt weiter, eine Führung durch die Oslo Mikrobryggeri (wo ich hauptsächlich drauf konzentriert war, keine Inspekteurfragen zu stellen, wie „aha, und wie weißt du, ob die Waage funktioniert?“, hat nur so semi geklappt) und danach Essen mit dem (inzwischen nicht mehr vollzählig anwesenden) Team. Das Restaurant hatte leckeres Essen, aber grauenvolle Akustik, wir hielten nur etwas über eine Stunde da aus. Dann gingen 5 von uns noch ein Bier trinken.

Heute war ich eigentlich wirklich, wirklich gar, zog aber durch, ein Konzertchen (20 Minuten) mit dem Streichorchester zu spielen, auf einer feuchten Wiese, nur von einem Pavillion geschützt. Es waren etwa (und das ist nicht übertrieben) 80% Luftfeuchtigkeit. Streichinstrumente mögen das mal so gar nicht. Aber es ging trotzdem einigermaßen und jetzt ist Sommerpause und ich kann einfach nur Grieg spielen.

Danach war ich aber WIRKLICH WIRKLICH gar. Also habe ich… eingekauft, Sport gemacht und gekocht.

Uffz.

Tag 3937 – 3941 – Alle.

Entschuldigen Sie meine lange Abwesenheit, der Besuch ist schuld.

Nein, ist er natürlich nicht, aber, ja, wir haben seit Freitag Nachmittag und noch bis morgen früh Besuch von nahezu der gesamten Schwiegerfamilie und ich bin abends immer todmüde irgendwie. Ansonsten möchte ich das gar nicht so ausbreiten, aber es ist schon wirklich schön, jetzt ein Haus mit genug Platz zu haben, um vier erwachsene Gäste unterzukriegen (sofern die Kinder Matratzenlager in meinem Arbeitszimmer machen oder im Zelt oder auf dem Sofa schlafen, was alles recht populäre Möglichkeiten sind).

Und falls ich beim Universum bitte den Wunsch anmelden könnte, einfach irgendwann ohne großes Vorgeplänkel tot umzufallen, das wäre großartig, wirklich.

Mittwoch war ich nach der Arbeit zwei Stunden beim Tanzen. Erst Jazz Fusion, also… Jazz mit Modern? Jedenfalls viel Rumrollen auf dem Boden. Dann Floor Barre, also basic Ballettübungen, die man sonst an der Stange (barre) macht, auf dem Boden. Wer das mal gemacht hat, findet hinterher Pilates einen Wellnessurlaub. Dementsprechend bin ich quasi nach Hause gekrochen.

Donnerstag hatte ich das längste Mitarbeiterinnengespräch der Welt. Das hat in meiner Einstellung der Chefin gegenüber nichts positives bewirkt, leider. Seltsam, wie sie immer schafft, dass ich nach solchen Gesprächen denke „was ist da denn grade passiert???“ und mich diffus manipuliert fühle. Anyway. Das war anstrengend.

Ab Freitag dann eben Besuch. Gestern außerdem Korps-Marschiererei am Morgen (unbegeisterter Michel hoch zehn) und Orchesterkonzert am Nachmittag für mich (eigentlich nur den Kindern vom Kinderorchester ein bisschen unter die Arme greifen).

Jetzt muss ich echt die Augen zumachen, bevor sie zufallen.

Tag Dingens (3910-3913?) – Piep.

Ich bin da, ich lebe noch, draußen ist Frühling, aber ich hab innendrin eher so Spätherbst. Vielleicht äußere ich mich da irgendwann noch mehr zu. Heute habe ich erste Schritte unternommen, damit das hoffentlich bald besser wird. Eigentlich hab ich gestern schon angefangen und quasi mit Burlesque Schluss gemacht, was mir furchtbar leid tut*, aber es ist einfach zu viel und alles passiert Mittwochs, und das ist ein ganz oder gar nicht-Hobby, eigentlich nicht mal ein Hobby, wenn man das ordentlich machen will, muss man da sehr viel reinstecken und das kann ich nicht. Nicht jetzt, und in absehbarer Zeit eigentlich auch nicht.

Obendrein habe ich immer noch schlimmen Muskelkater, was ist da denn bloß los.

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*Es ist auch sehr sehr viel Scham damit verbunden, weil ich Dinge nicht aufgebe, ich gebe generell nicht auf, ich bin nicht so eine, etc pp. Ja, ich weiß, wie sich das anhört und das ist Teil des Problems.

Tag 3879 und 3880 – Allein daheim Tag 2 und 3.

Wie man sieht, klappt die Umstellubg auf Sommerzeit bei mir wie gewohnt einfach gar nicht. Tjanun.

Gestern war ich in Oslo bei meiner Geigenstunde. Wie immer hatte ich mir vorher eine Stunde ein Zimmer im Übungshotel gebucht, um mich warm zu spielen, dann ging ich runter, bezahlte, und wartete auf meinen Lehrer. Der kam aber nicht, also schrieb ich irgendwann eine SMS. Da rief er mich an und meinte, es täte ihm total leid, er hätte sich das falsch gemerkt, er dachte, ich sei NACH seinem 13-Uhr-Schüler dran, nicht DAVOR. Ob ich auch um 14 Uhr könnte?

Jaja, klar kann ich das, ich hab ja Urlaub. Aber jetzt musste ich fast zwei Stunden totschlagen. Im Übungshotel fragte ich, ob die ein gutes Café empfehlen könnten, und klar, die Hipster da kennen sich aus und schickten mich zu einem kleinen Hipster-Café um die Ecke. Da gab es tatsächlich ausnehmend guten Kaffee. Aber ansonsten nicht so viel, also ging ich noch beim Geigenbauer vorbei und probierte fancy Schulterstützen aus, mein Geigenlehrer sagt, ich solle die Geige nach Möglichkeit noch höher halten, aber dann kriege ich auf die Dauer Schmerzen im Nacken, weil ich dann irgendwas komisches mit meinem Kopf mache, um zu vermeiden, dass die Geige wegrutscht. Jetzt habe ich eine Bonmusica-Schulterstütze, die wirklich sehr bequem ist und mit der ich recht problemlos die Geige höher halten kann.

Die Geigenstunde selbst war dann auch sehr gut. Der Geigenlehrer war beeindruckt, wie weit ich doch mit der Etüde gekommen war und wir feilten nur ein bisschen an Feinheiten rum. Das mache ich jetzt noch ein bisschen so weiter und dann ist es auch gut gewesen mit dieser Etüde. Viel gelernt habe ich, unter anderem, dass die vierte Position auf Dauer echt unbequem wird, weil der Daumen da gegen den Knopf (keine Ahnung wie das heißt) oben am Korpus, wo der Hals ansetzt, gedrückt wird. Aber mit ein bisschen Übung „klingt“ die vierte Position fast genauso gut wie tiefere Positionen. Überraschend. Also eigentlich nicht, andere können das ja auch, aber ich konnte das vorher nicht. Die Fingergymnastik in der Etüde ist trotzdem fies. Weshalb ich es üben sollte. Genau wie eben spielen in der vierten Position, was sonst leicht zu vernachlässigen ist (genau wie 2. Position).

Hoppla, Nerding. Sorry.

Nach der Stunde fuhr ich nach Hause, kaufte noch ein paar Sachen ein und dann war es auch irgendwie schon 18 Uhr. Also machte ich mir was zu Essen und dann guckte ich ganz schnöde ein bisschen fern. Und machte den großen Fehler, ein kleines Bier dabei zu trinken.

Heute wachte ich mit Migräne auf. Siehe Bier. Manchmal ist das bei mir so. Die Menge spielt da gar keine Rolle. So bis zum Mittag brauchte ich um die Schmerzen in den Griff zu kriegen. Dann ging ich in den Garten, denn es war bestes Wetter.

Der Zustand unseres Gartens ist etwas betrüblich, muss ich sagen. Die Vorbesitzer waren irgendwie Fans davon, alles verwildern zu lassen und das „natürlich“ zu nennen (ja, super wie alles natürlich von Him-, Stachel- und Blaubeeren zugewuchert wird). Was die Vor-Vorbesitzer gemacht haben, weiß ich nicht. Aber ich bin relativ sicher, dass auch die sich zumindest nicht liebevoll um die Beete gekümmert haben, denn in einem zwei Sommern wuchert das nicht so dermaßen zu. Also habe ich heute sehr viel totes Gestrüpp vom letzten Jahr entfernt und dann die Beete (bis auf eines, wo ich nicht weiß, was da gepflanzt ist) umgegraben. Gut, den Kasten mit der großen Stachelbeere habe ich weitgehend in Frieden gelassen, weil die Stachelbeere sehr wehrhaft ist. Da habe ich nur Erde aufgefüllt, aus einem anderen Beet. Dieses Beet wiederum will ich leer machen, die halb vermoderte Unkrautmatte erneuern und dann mit frischer Erde wieder auffüllen.

Wer pflanzt jede Menge Topinambur an? Seltsame Leute.

Da ging der Nachmittag für drauf und seither bin ich überraschend platt. Das war mehr frische Luft, als ich die letzten 3 Monate insgesamt hatte, gefühlt.

Tag 3873 und 3874 – Piep.

Nur kurze Meldung, weil mir die Augen zufallen. Bei der Arbeit sind weiterhin alle bekloppt. Ich arbeite mir den Hintern rund und versuche, nebenbei sowas wie ein Leben zu haben, heute z.B. dadurch, dass ich für Pippi und ihre Freundinnen Tanz-Taxi war. Außerdem war ich beim Optiker, der drülf Untersuchungen gemacht hat, wobei rausgekommen ist, dass meine Augen, außer dass ich halt schleckt sehe, völlig in Ordnung sind.

Ich bin echt urlaubsreif und heilfroh, dass ich nächste Woche frei habe.

Heute war beim Burlesque kein Impro (naja, nur ein bisschen Impro), aber dafür hat die Gürtelschnalle an meinem Puddingtown-Regenmantel die Stunde nicht überlebt. Seufz.

Tag 3862 und 3863 – Piep.

Ich bin hoffnungslos overpeopled. Es tut mir wirklich leid, aber ich möchte mit niemandem reden und noch nicht mal schreiben, ich will eigentlich nur vor mich hin vegetieren. Leider war das heute nicht drin, was es überhaupt nicht besser gemacht hat. Ich werde es jetzt mal mit schlafen probieren, und hoffentlich ist es dann morgen besser. (Die Wahrscheinlichkeit dafür ist leider nicht sehr groß.)