Tag 2102 – 4%.

Exakt so fühle ich mich:

Keine Ahnung was das jetzt schon wieder ist, aber ich fühl mich wie durch die Mangel gedreht, körperlich völlig im Eimer.

Ich gehe jetzt schlafen und hoffe, dass es morgen besser ist.

(Heute passiert: Bullshit-Bingo mit den Kolleg*Innen (ausgerechnet denen!) über Sonnenschutz und Vitamin D, und mit Michel Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär angefangen, er fand es ganz ok. Natürlich kein Vergleich zu Harry Potter, vorerst.)

Tag 2093 – Zu müde für Gefühle.

Norwegen hat einen Öffnungsplan. Und man kann sich da über Einzelheiten aufregen aber im Großen und Ganzen ist der ok. Wirklich ok.

Coronapässe* hingegen oder das vorgezogene Impfen von Jugendlichen, weil die noch nicht mal ne Woche Osterferien überleben ohne zusammen Coronaparties zu feiern ja so schlimm leiden unter der Pandemie. Da könnte ich mich drüber ärgern, hab ich auch schon heute, aber jetzt ist es spät und ich bin müde und hab Kopfschmerzen.

Corona soll endlich weggehen.

___

*an sich ja gar nicht mal verwerflich und für andere Impfungen ja längst Realität: ohne Gelbfieberimpfung kann man ja auch nicht in manche Länder reisen. Aber es gibt keine strenge Rationierung von Gelbfieberimpfungen und eine Reise nach Uganda ist ja auch irgendwie was anderes als in ein Café zu gehen und den Kaffee dort *drinnen* zu trinken. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit, in Norwegen Gelbfieber zu bekommen vernachlässigbar klein, die Wahrscheinlichkeit, Corona zu bekommen, hingegen,.. naja. Lassen wir das. Ich will mich ja gar nicht aufregen.

Tag 2092 – Ausgefranst.

„Wie geht es euch?“ fragte die Nähmutter neulich (coronakonform per Messenger). „Naja“, schrieb ich, „Gut, aber die Ferien sind jetzt echt nötig, wir haben schon ne Woche Quarantäne hinter uns.“ „Oh“, schrieb sie zurück, „Quarantäne ist blöd. Ich fühl mich ja schon ohne Quarantäne ganz ausgefranst.“

Ausgefranst trifft es sehr gut. Die Kanten sind nicht mehr glatt, die Enden hängen lose rum und zum Vernähen, stopfen, umnähen, wasauchimmer fehlt inzwischen jede Kraft.

Man macht irgendwie weiter, immer weiter, tunnelblick und ab dafür, bloß nicht anhalten, bloß nicht zu viel nachdenken, es muss doch irgendwann mal vorbei sein, dieser März 2020.

Die einen lenken sich mit Belanglosigkeiten ab, die anderen haben nicht mal mehr dafür Energie.

Ich rede hier ausdrücklich nicht nur von mir. Ich sehe das um mich rum bei immer mehr Leuten. Selbst coronakonform per Messenger werden die Kontakte weniger. Die Fransen bei allen länger und verknoteter. Den fransigsten Eindruck machen auf mich (keine Statistik hier, rein Bauchgefühl) Mütter von Kindern unterhalb des Teenie-Alters. Ich hätte da Theorien, weshalb das so ist, stellen sie sich hier einfach einen fulminanten Rant auf das Patriarchat vor, aber selbst für den bin ich grad zu ausgefranst.

Passen Sie bitte alle auf sich auf. Das hier wird noch dauern* und danach werden keine Psychotherapieplätze vom Himmel regnen, um uns wieder zusammen zu flicken, im Gegenteil, dann können wir ja endlich alle wieder schön produktiv die Wirtschaft ankurbeln. (Hier Kapitalismus-Rant denken.)

___

Etwas ganz anderes: ich wusste immer, dass es das geben muss, habe aber noch nie eins gesehen. Heute kitzelte es mich im Nacken:

Ein Haar, an der Spitze noch pigmentiert, an der Wurzel farblos.

Ich freu mich, als hätte ich grad eine wissenschaftliche Theorie bewiesen. Bester Moment des Tages, was sag ich, der Woche.

___

*ich las da heute was, das war so desillusionierend (und auf Norwegisch), das zeige ich Ihnen nicht, um Ihre Fransen zu schonen.

Tag 2091 – Ostern rum.

Puh. Das waren die Osterferien 2021. Genauso Lockdown-öde wie 2020. Fast noch öder, letztes Jahr habe ich in der Karwoche ja Montag bis Mittwoch noch gearbeitet und mich schrecklich beliebt gemacht (lies: alles andere als das) mit einer Art Fern-Inspektion. Außerdem hatte Herr Rabe Kurzarbeitsstress. Dieses Jahr hatten wir einfach frei, was auch schön ist, und auch nötig war, und ich hab auch keine Lust, morgen wieder an meinen Homeofficearbeitsplatz zurückzukehren, aber keinen treffen dürfen ist halt schon langweilig.

Ich glaub auch langsam, wir sind eher die Ausnahme als die Regel, was das weitere Befolgen der Empfehlungen und Regeln und Vorschriften angeht. Nachdem selbst Erna (Solberg, norwegische Staatsministerin) ihren 60. mit 14 Personen (erlaubt wären zu dem Zeitpunkt und dort 10 gewesen) auf der Hütte gefeiert hat, nimmt das alles keiner mehr so richtig ernst, fürchte ich.

Noch ein paar Monate.

Ich fürchte, danach muss ich mal zum Zahnarzt und mir ne Knirscherschiene anpassen lassen. Ich beiße scheinbar nicht nur metaphorisch die Zähne zusammen, zumindest ist mein Kiefer immer öfter immer verspannter und ich merke, dass mir das locker lassen zunehmend schwer fällt.

Es ist zum Mäuse melken. Alles.

Tag 2088 – 3/4 Moorleiche.

Also so ganz ohne was vorm Fenster schläft es sich nicht so gut. Die Sonne geht um ca. sechs Uhr auf und dann ist es halt hell. Wenn man das nicht gewohnt ist, ist man dann wach – oder döst noch eine Weile unter der Decke, mit der latenten Angst zu ersticken.

Jetzt ist allerdings an drei Wänden schon gestrichen, zwei mal, und getrocknet und die Rollos können wieder dran. Die Farbe gefällt mir schon mal sehr gut, auch an der Wand und auch im „ganzen“ Raum.

Morgen wird hinter dem Bett gestrichen und der Rest wieder dahin geräumt, wo es hin gehört. Wie es aussieht, werden wir dann wieder einen ganzen Eimer Farbe übrig haben. Ich weiß echt nicht, wie wir das immer schaffen.

___

Zwei Schnecken sind aus der Trockenruhe erwacht. Der Rest hat sich noch nicht blicken lassen. Interessant finde ich, dass die größte (älteste) Schnecke als erstes wieder aus der Erde kam.

___

Die Schweinchen streiten weiter und Muffin trägt sichtbare Spuren. Das arme Schwein, kann es sich nicht einfach geschlagen geben und der Terrorqueen die Herrschaft überlassen, um nicht gebissen zu werden? Tagsüber ist alles gut, aber abends geht das Gerenne und Gequieke los.

Können Meerschweinchen einschätzen, wie sehr sie zu Abszessen neigen? (Rhetorische Frage.)

___

Pippi redet mit ihren Puppen, Bärchen und Einhörnern und denkt sich für die Geschichten aus. Was Herrn Rabe dazu veranlasste, zu fragen, ob das wohl normal sei. „Ich glaub das ist total normal. Dass Michel das nie gemacht hat, hingegen…“

Sie sind halt wirklich sehr unterschiedlich.

___

Nach einem Bier bin ich beduselt und zum Umfallen müde. Ok, das liegt vielleicht auch am Streichen, das ist ja schon anstrengend. Noch eine Wand und dann sind wir vorerst fertig, dann KÖNNTE noch im Wohnzimmer und in der Küche gestrichen werden, aber letztere wird vermutlich eh in nicht allzu ferner Zukunft renoviert (lies: innerhalb weniger Jahre), ersteres streichen hab ich persönlich gar keine Lust zu, zur Zeit. Irgendwann muss ja auch mal gut sein.

Tag 2084 – Kein Knast.

Kein Bankirrtum zu meinen Gunsten, aber fast, der Fehler, den ich bei den Steuererklärungen gemacht habe, würde nämlich eher Freibeträge als Strafzahlungen geben. Schau an, schau an. Demnach kann ich mir jetzt auch überlegen, ob es mir das wert ist, Dokumente zusammenzusuchen, von denen ich keine Ahnung habe, wo sie sein könnten (vermutlich zum Teil nicht mal in Norwegen, denn viele deutsche Gesellschaften schicken keine Briefe ins Ausland, wo kämen wir denn da hin!).

Das war ein gutes Telefonat, und ein weiteres klärte zumindest etwas auf, das ein fettes Missverständnis hätte werden können (und dann hätte ich was angezündet, es ist immer besser, wenn ich nichts anzünde). Nächstes mal wenn was größeres, gesundheitliches ist, möchte ich bitte, bitte nach Kongsvinger. Das ist zwar ab vom Schuss, aber desorganisierter als Ahus Nordbyhagen kann es nicht sein. Das ist schlichtweg nicht möglich.

Heute war so ganz generell Finanz-Tag. Wussten Sie, dass Elektroautos in Norwegen seit diesem Monat auch KFZ-Steuer zahlen müssen? Ich nicht. Hat mir keiner mitgeteilt, das habe ich zufällig herausgefunden. Da ich seit einem Jahr auch exzessiv norwegische Nachrichten lese, war es wohl auch da nicht.

Mein Bogen ist fertig und morgen hole ich ihn ab. Morgen hole ich oder holen wir auch noch was anderes ab, dazu aber morgen mehr. (Kein Kind/Ultraschallbild. Niemand ist schwanger und einer von uns ist nun auch ganz offiziell steril. Mit bis auf einen Faden, der sich nicht auflösen wollte und deshalb kurzerhand selbst gezogen wurde, keinerlei Problemen.)

Sonst: müde. Unproduktiv (bis auf die Finanzsachen, aber ich mag echt nicht auch noch im Urlaub den ganzen Tag auf den Bildschirm gucken!) und müde, letzteres nach wie vor von allem. Corona stinkt und soll jetzt endlich weggehen.

Tag 2083 – Corontäne v3 letzter Tag.

So, Pippi ist dann jetzt auch offiziell aus der Quarantäne raus. Wir haben das mit einem Schlafanzugtag gefeiert. Abends hab ich diese Steuerunterlagen zusammengesucht, und hoffe jetzt einfach ganz stark, dass die da keine weiteren Unterlagen zu haben wollen. Dann wird es nämlich potentiell sehr haarig.

Sonst war nur Uhrzeitumstellungsschwachsinn, wie immer hasse ich den letzen Sonntag im März ganz besonders, aber das will ja beim drölfzigsten Mal auch keine mehr hören. Insofern gehe ich jetzt einfach ins Bett.

Tag 2081 – Corontäne v3 Tag 5.

Habe heute das erste mal seit Montag das erste mal „so richtig“ das Haus verlassen, weil ich zur Post musste. Bin dort natürlich direkt in eine Nachbarin gerannt, die mich natürlich auch direkt Sachen fragen wollte, die ich gar nicht sagen darf, erst recht nicht mitten in einem Supermarkt.

Ansonsten: jetzt Ferien. Wird Zeit. Nur eine Woche (und Ostermontag), aber immerhin.

Kontakt mit dem Gesundheitswesen war heute eher unerfreulich. Kontakt mit dem Bogenbauer war da schon erfreulicher, vermutlich kann ich Montag oder Dienstag meinen Bogen wieder abholen. Wir werden sehen. Passt ja gut, dass wir Urlaub haben, da habe ich Zeit nach Oslo und zurück zu gondeln. Im Garten rödeln wird über Ostern noch nicht wirklich möglich sein, es liegt einfach noch zu viel Schnee, oder besser, graue, matschige Haufen halb gefrorenen Wassers. Bah.