Tag 2260 – Noch platter.

Sport, also, warum macht man das überhaupt. Au Füße. Au alles.

Ich hoffe wenigstens auf guten Schlaf zur Belohnung.

Ansonsten ist Homeoffice ja auch ganz schön, Homeoffice alleine hat auch was für sich. Das muss alles in die Planung der teilweisen Rückkehr ins Büro mit einfließen.

Michel hatte heute wie jeden Dienstag Korps und fand das zwar nach dem Hort erst eine totale Zumutung, nachdem er was gegessen hatte gar nicht mehr so schlimm und dann war es wie immer gut. Was haben sie gemacht? „Na Musik.“ Ja, ach so. Hinterher meinte er zu mir, ich könne mich doch auch beim Korps anmelden, einem für Erwachsene und mit Geigen. Das gäbe es nämlich. „Meinst du ein Orchester?“ Ja, das meinte er. Aber Korps für Erwachsene mit Geigen find ich auch gut.

(Tatsächlich hab ich da schon öfter drüber nachgedacht, aber ich hab so unregelmäßig Zeit, das macht mich als Ensemblespielerin nun nicht sonderlich attraktiv. Naja, mal gucken.)

Mehr war heute nicht. Doch – ich hab eine Erinnerung bekommen, doch bitte mal wieder zur Gebärmutterhalskrebsvorsorge zu gehen. Sind schon wieder drei Jahre rum, na sowas. Mache ich natürlich, man muss hier in Norwegen jede Vorsorge mitnehmen, die man kriegen kann.

Tag 2259 – Platt aber happy.

Der Ausflug in die Großstadt war schön, sehr schön, ich hab sehr produktiv gearbeitet, fühlte mich sehr professionell und all das, danach wie so ne Supermutti Pippi pünktlich abgeholt, alle Kinder zu Freizeitaktivitäten gefahren und wieder abgeholt und mit Michel Post abgeschickt, und danach noch mit selbstgebackenem (!) Kuchen zum politischen Treffen. Das klingt jetzt wirklich alles sogar in meinen Ohren, als wär ich irgendsoein Übermensch, aber ich liege jetzt im Bett und bin so müde wie seit langem nicht mehr.

Ab und zu so ein Tag ist bestimmt trotzdem gut fürs Selbstwertgefühl. Vielleicht ist es doch ne gute Idee, sich auf 2 Tage Büro die Woche einzustellen und an den Tagen dann zwischen den Meetings all den Kleinscheiß wegzuschaffen, der mit seinen 5 Minuten hier, 15 Minuten da die To-Do-Liste verstopft.

Tag 2257 – Echtes Leben.

Ein Abend mit den Nachbarinnen. Das ist immer sehr nett, und wird auch oft sehr spät, jedenfalls für so Mutti-Verhältnisse wie unsere. Wir sind ja eine sehr zusammengewürfelte Gang, die nicht viel gemeinsam hat, außer Häuser in der gleichen Straße zu besitzen/besessen zu haben und Kinder im etwa gleichen Alter zu haben, insofern ist es auch immer eine gute Gelegenheit um die eigene Bubble ein bisschen zu verlassen. Ich mag das sehr, wir sollten das wirklich öfter machen, hoffentlich lässt Corona uns.

Wo das gesagt ist, schiebe ich jetzt die post-Event-Anxiety, zu viel erzählt zu haben, weit weg und mache die Augen zu.

Tag 2249 – Allein, buhuhuuu.

Herr Rabe ist SCHON WIEDER auf einem Wochenendtrip, empörend! Nein, Quatsch, es sei ihm sehr gegönnt.

Ich bin heute morgen ordentlich erkältet aufgewacht, das kommt von den Kindern und bei niemandem von uns ist es Corona. Was gut ist, auch wenn erkältet sein ziemlich saugt.

Weiterhin habe ich heute viel zu lange gearbeitet, aber so ist das leider öfter mal bei uns. Wir bekommen eine*n weitere*n Inspektør*In nach Ausschreibung und Bewerbungsrunde plus Kündigungsfrist, sowie eine Consultant im Herbst und Winter, weil unser Corona-Backlog plus Backlog von vorher plus IT-Projekt leider machen, dass wir sonst absaufen. Mein Arbeitstag zum Beispiel wurde so lang wegen des IT-Projektes. Ich hoffe wirklich sehr, dass die Prognosen passen und wir bis Ende des Jahres damit fürs erste durch sind, aus verschiedenen Gründen.

Leider hab ich die Vermutung, dass ich nicht die einzige bin, die ziemlich rotiert, sondern dass das quer durch die Organisation geht.

Heute wurde der Plan für die Sitzplatzorganisation im Büro vorgestellt, den ich ja sozusagen mit ausgeheckt habe. Ich hoffe, es kündigen jetzt nicht gleich alle. (Liebe Arbeitgeber*Innen, überlegen Sie sich wirklich, WIRKLICH gut, ob es sich nicht vielleicht doch rechnet, mehr Platz zu mieten, wenn man dadurch sehr großen Unmut, ein paar Kündigungen und Produktivitätsverluste (wegen viel Unruhe, Umstellung, etc.) vermeiden kann. Besonders wenn Sie keine hippe Designbude sind, sondern eine leicht staubige Behörde.)

So, jetzt muss ich sehr dringend schlafen, begleitet vom Schnurcheln der Kinder geht das bestimmt gut. Hach, hach.

Tag 2238 und 2239 – Im Kaninchenbau.

Eigentlich könnte ich vermutlich die nächsten Tage auch gleich mit drauf schreiben. Es kommt grad vieles zusammen: Inspektion generell (viel Arbeit), erste on-site Inspektion seit fast einem Jahr (aufregend!), sehr viele Menschen auf einmal, sehr enger Kontakt mit Menschen, die ich seit vielen Monaten nur auf Bildschirmen gesehen habe und dass ich all das auch vermisst habe.

Trotzdem schlaucht das natürlich ungemein. Gestern bin ich abends über einer Folge RuPauls Drag Race eingeschlafen und habe dann beschlossen, nicht zu bloggen sondern einfach das Licht auszuschalten.

Anekdoten:

  • Meine Kollegin wurde bereits Mette-Marit genannt. Die Ähnlichkeit ist, äh, frappierend, oder so, so wie bei Äpfeln und Melonen ca.
  • Heute haben wir in schicker Krankenpflegekluft gearbeitet
  • Ich habe zwar alles Metall aus meinen Ohren entfernt bekommen, aber den einen Ring kriege ich nicht mehr rein
  • Eigentlich hätte ich hier nur ein paar Socken mit hinnehmen müssen (merken für‘s nächste Mal)
  • Es gibt hier zwei brauchbare Restaurants, plus das Hotelrestaurant, aber der Koch des Hotelrestaurants ist krank, also fällt das weg. Es gibt also wohl 2 x Pizza und 2 x Sushi.

Ich lieb meinen Job sehr. Er ist bekloppt aber liebenswert.

___

Norwegen hat binnen einer Woche Dänemark und Schweden überholt und ist jetzt Pandemie-Erster aber wir haben die Pandemie überhaupt nicht losgelassen, nein nein! Üüüüüberhaupt gar nicht! (Hier hartes Augenzucken vorstellen.)

Tag 2223 – -_- .

Hui so müde.

Irgendwann gegen vier kam Herr Rabe und legte sich dazu.

Es folgte ein langsames Frühstück und dann Aufräumen und Musiker wiederfinden. Pavilions wurden abgebaut, Teppiche getrocknet und Musikanlagen und Bühnenteile in Lager zurückgefahren. Menschen wachten in Zelten, Hängematten, Studios und Betten auf und sahen wesentlich zerknautschter aus als gestern.

Um viertel vor sieben wurde ich wach von Gesang und Klavierspiel im Raum nebenan, und das war schön (wenn auch wirr und sehr früh) – bis sie auch noch anfingen, zu Joiken. Joik ist auch schön aber auch laut. Da stand aber dankenswerter Weise auch Herr Rabe auf und sagte Bescheid, dass im Raum nebenan Leute schlafen. Daraufhin verschwanden die Musik spielenden Menschen und tauchten zur leichten Verzweiflung des Restes ihrer Band auch bis zum frühen Nachmittag nicht mehr auf. Wir schliefen noch bis viertel vor neun, dann war Leben in der Küche, Pippi war eh wach, die Gastgeberkinder auch und es war sehr hell.

[Hier habe ich wohl versehentlich einen Absatz gelöscht, so ein Mist.]

Wir frühstückten langsam und machten uns dann an die Aufräumarbeiten, während überall Leute aufwachten, in Zelten, Hängematten, Betten und Kellerstudios. Alle sahen sehr zerknautscht aus und ich versuchte zu raten, wann sie wohl, auf einer Skala von eins bis acht, ins Bett gegangen waren.

Kurze Anmerkung: das war richtig schön gestern, aber ich frage mich auch, wie ich das vor 15 Jahren jedes Wochenende und dann noch oft Mittwochs habe durchziehen können, ohne ständig wie ein Zombie rumzuschleichen. Ich war ja mit halb zwei noch zu einer relativ zivilisierten Zeit im Bett und fühle mich trotzdem heute wie vom Zug mitgeschleift.

Aufräumen hieß: Pavilions abbauen, Stühle zusammenstellen, Teppiche trocknen, Bierdosen einsammeln, die Spülmaschine laufen lassen und so weiter. Alles in dem Tempo, was eine Horde mehr oder weniger verkaterter Menschen um die 40 und aufwärts halt noch so an den Tag legen können.

Was man mit 38 zum Trocknen aufgestellten Schirmen alles anfangen kann.

Zwischendrin wuselten vier Kinder und bauten Hütten aus den Regenschirmen, die ein Büroausstatter aus der Gegend gesponsert hatte. Ich glaube, für die Kinder waren die Regenschirme ein großes Highlight. Es wurde damit gebaut und die größeren Kinder versuchten, ob zwei Regenschirme einen signifikant bremsen, wenn man von der Schaukel (hinterm Haus) aufs Trampolin springt. Beide fanden ganz subjektiv ja und verifizierten das ca. 3.000 mal. Ich tat so, als würde ich diese halsbrecherische Aktion nicht sehen.

Irgendwann krochen wir sehr müde nach Hause, es fühlte sich jedenfalls so an, obwohl wir das Auto da hatten. Zu Hause war dann auch nicht so viel mit uns los, wir hingen alle mehr oder weniger stark durch, reinigten uns ausgiebig und machten ein improvisiertes Abendessen aus Washaltdaist.

Ich mag diese Freunde, die da mal eben mit Einsatz der ganzen Familie ein kleines Festival veranstalten, sehr. Und fühle mich so langsam in unserem Dorf hier auch wirklich angekommen, auch dank denen, die hier zwar tief verwurzelt sind, aber trotzdem herzlich gegenüber „Neuen“. Hach.