Tag 1033 – Viel Gebacken und ein bisschen Kindergedöns.

Wenn der Sommer halt wieder sehr Trøndermäßig ist (also: um die 12 plus minus 5 Grad, plus minus Regen), macht man halt den Backofen an und backt gegen die mäßige Laune an. Heutige Ausbeute: zwei Brote und ein Rhabarberkuchen. Und zwei Flaschen Rhabarbersirup*. Herr Rabe hat jetzt gelernt, dass man Rezepte immer ganz lesen sollte, denn im letzten Satz könnte sowas stehen wie „Kuchen in der Form auskühlen lassen“. Lecker war’s trotzdem, auch wenn es eine leichte zerflossene Matsche war, die sich halt besser mit dem Löffel als einer Gabel essen ließ. (Kein Foto. War echt optisch nicht so ganz schön.)

Michel hat heute gelernt, dass er keinen Rhabarber mag (wie hätte es auch anders sein sollen, dieses Kind ernährt sich ja konsequent vitaminarm). Pippi hat gelernt, dass sie „Rababa“** schon mag, aber nicht, wenn Michel das verweigert. Und nicht roh, aber dann mag ich den ja auch nicht.

Generell ist das mit Michel grad wieder einigermaßen anstrengend. Weil einfach alles zu einem Wutanfall führt. Egal was, es ist ein Drama. Zum Beispiel: da war ja Rhabarber auf dem Kuchen. Ekelhafter, alles verseuchender Rhabarber. Streusel, Vanillecreme und Boden mochte er zwar, aber bekam schon mal vorsorglich einen Heul- und Wütanfall, weil das ja sicher quasi unmöglich sein würde, den Rhabarber zu entfernen. Anderes Beispiel: er möchte dauernd Sachen haben. Teure Sachen, zum Beispiel einen Lego-Zug oder das Lego-Batmobil. Wir erklären dann, dass wir das nicht einfach so kaufen (Schreul!!!), er sich das aber ja zum Geburtstag wünschen kann (Schreuuuuuldasistaberjanochsoooooolange!). Wir erklären „Geld“ und „Wert“ und auch, dass wer alles immer sofort bekommt, Sachen vermutlich nicht wertschätzen lernt (Schreulwüttob!!!). Solche Situationen, und davon gibt’s ja im Leben mit Kindern ständig welche, führen halt momentan direkt zum Tobsuchtsanfall. Ich würde ja gerne behaupten, dass ich gar nicht weiß, woher er das hat, aber sagen wir’s mal so: der ist ich mit der Impuls- und emotionalen Kontrolle eines Fünfjährigen. Juchhe. Hoffentlich finden wir alle noch einen Weg, damit mit weniger Schreien umzugehen. Erstmal haben wir heute abgemacht, dass er ab den Sommerferien ein wöchentliches Taschengeld bekommt, damit er ein besseres Gefühl für den Wert von Geld bekommt. Vielleicht hilft’s ja. Wegen der Höhe haben wir ja null Ahnung, da kann man’s ja auch wieder nur falsch machen, aber wir fanden, dass der Gegenwert von einem im normalen Laden gekauften, normal großen Eises ganz gut ist. Das sind dann ca. 25 Kronen (etwa 2,70€) das kommt mir irre viel vor (ich bekam 1 DM damals!) aber Norwegen heute ist halt nicht Deutschland vor 27 Jahren und für 10 Kronen kriegt man hier nicht mal eine Packung Hubba Bubba (das kaufte ich damals dann für meine Mark, oder eben zwei (!) Kugeln Eis beim Bäcker oben an der Straße), das kann’s ja auch nicht sein irgendwie. Die Zuckerwatte beim Juba Juba Festival neulich kostete 50 (!!!) Kronen. So zum Vergleich.

Pippi versucht hingegen immer, ihren Willen zu kriegen, IMMER, jetzt hat sie zum gewöhnlichen Repertoire einer knapp Dreijährigen*** noch die Drohung „… eller så sier jeg ifra!“ (frei übersetzt: „… sonst petz‘ ich!“) hinzugefügt, sicher ein Kindergarten-Ding. Ist halt nur lustig, wenn sie das bei uns versucht, wem will sie da denn petzen? Ihrem Teddybär?

Insgesamt also alles vermutlich ziemlich normal hier, nur mit Rabarbra.

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Auto-Lobhudelei: Recht gelassen die meiste Wut hingenommen. „Begleitet“, sagt man in Erzieher*Innen-Sprache.

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*gestern habe ich Rhabarber gekauft, weil ich eigentlich 1 kg einfrieren wollte, bis die norwegischen Erdbeeren kein Vermögen mehr kosten. Morgen muss ich dann also noch ein Kilo Rhabarber kaufen um es einzufrieren.

**Wir sind Westfalen, Rabaabaa. So.

***Also auch Schreulen und Hauen und sich auf den Boden werfen.

Tag 978 – Gemischtes.

Heute war ich beim NAV. Das kam so:

Ich habe seit inzwischen 5 Wochen kein Arbeitslosengeld bekommen. Es wurde mir ja von Anfang an klargemacht, dass ich in den zwei Wochen vor der Disputation kein Arbeitslosengeld bekäme, weil ich in der Zeit „in Ausbildung“ sei und deshalb ja keine Jobsuche betreiben könne (dass ich auch in der Zeit Bewerbungen abgeschickt hab: Schwamm drüber, ne?). Ich müsse das dann in den „Meldekarten“ entsprechend angeben. Die Meldekarten muss man alle zwei Wochen ausfüllen, aber online dauert das keine fünf Minuten, ist also echt kein großes Ding. Und normalerweise geht das dann auch fix, dass man das Geld bekommt, also so etwa 2-3 Tage. Nun. Ich füllte diese Meldekarten rund um die Disputation also entsprechend aus und halte für den Zeitraum zwei Wochen vor der Disputation „in Ausbildung“ an. Und dann gingen die zwei Meldekarten zur „manuellen Behandlung“. Ganz toll, vielen Dank auch, dachte ich mir, aber sonst auch nix weiter. Bis dann jetzt für die neue, ganz stinknormale Meldekarte auch kein Geld kam. Da sah ich heute morgen nach und fand heraus, dass die quasi in der Pipeline hinter den anderen beiden feststeckt, die nicht bearbeitet wurden. Ich grmpfte also und rief die Hotline an. Die Dame bei der Hotline teilte mir dann freundlich mit, dass die zwei Meldekarten „durchgefallen“ seien und deshalb auch die dritte nicht bearbeitet wurde. Moment, durchchgefallen? Ja, weil ich „in Ausbildung“ angekreuzt hatte. Das „in Ausbildung“ gilt nur für „vom NAV aberkannte Kurse und Studien“. AHA! Das hätte mir ja auch mal wer sagen können, nicht wahr? Ich hätte da, so die Dame weiter, „Abwesend“ anhaken müssen. Obwohl ich ja sehr anwesend war. Tjanun. Und da gäbe es jetzt leider nur die Möglichkeit, das zu korrigieren, indem ich persönlich da hinginge und mit meiner Betreuerin spräche. Ich grmpfte noch viel mehr, ging aber heute Mittag da hin. Und war schockiert. Ich kam direkt von der Eingangstür in einen Raum voller Leute, die scheinbar ungeordnet herumstanden. Einige sag ich an Computern mitten im Raum stehend Dinge tun, einige sitzend auf Sofas, zwischendrin auch welche am Drucker, und hier und da Leute mit roten Westen. Ich dachte zuerst, ich wäre in den abschließenden Mingling-Teil irgendeines Seminars geraten und wollte schon wieder umdrehen, aber irgendwie kam mir seltsam vor, dass die Leute so scheinbar gar nicht mingelten. Und auch nichts offenkundig gemeinsam hatten. Ich blieb also unentschlossen einfach stehen und besah mir das ganze. Die roten Westen (mit dem Charme einer Bauarbeiterkluft) hatten eine Aufschrift mit „NAV.no – 24/7 geöffnet“ (oder so), die schienen also hierher zu gehören. Und wuselten manchmal zielgerichtet herum, dann aber wieder nicht und guckten aufmerksam Leute an. An einem Ende des Raumes war so eine Art Tresen, an dem mehrere Leute standen und dahinter mehrere rote Westen, also schien es mir ratsam, mal zu schauen, ob das ein Empfang oder sowas war (ich suchte die ganze Zeit nach einer Gelegenheit, eine Nummer zu ziehen, weil das in Norwegen ja immerimmerimmer so ist, dass man einfach eine Nummer zieht und dann die Nummer aufgerufen wird und fertig). Und wie ich da so versuchte, die Schlange am Tresen zu erkennen, rief eine der roten Westen „Wir haben hier keine Schlangenordnung!“. WHAAAAAT? Keine Nummer, keine Schlange, soll man die im Ernst einfach ansprechen? Bis ich mich gesammelt hatte, war die rote Weste natürlich besetzt. Dann drängelte sich jemand vor (oder so, gab ja keine Schlange, aber ich bin ganz sicher, dass die nach mir gekommen sind) aber die nächste rote Weste war dann meine. Der erzählte ich also – mitten im Raum, umgeben von Leuten (!!!) – meine Geschichte und sie fragte nach meinem Ausweis. Ich habe keinen Lichtbildausweis mit meiner Personnennummer drauf, also zog sie dann mit meinem Führerschein plus Krankenversicherungskarte (meinem einzigen Ding mit der Personnennummer drauf, abgesehen vom offiziellen Registrierungsbeweis) von dannen. Bis sie wiederkam, hörte ich unfreiwillig die komplette Geschichte des sehr laut sprechenden, älteren Rumänen mit, der vorgestern erst angekommen ist und noch eine Personnennummer braucht. Weil er noch keine Arbeit hat, hat ihn der Skatteetaten schon weggeschickt und er verstand nicht, wieso ihm niemand eine Nummer zuteilen wollte, ohne die doch in Norwegen nichts funktioniert. Kurz bevor er wirklich sauer wurde, kam meine rote Weste zurück, mit zwei Zetteln zur Korrektur der zwei Meldekarten. Die füllte ich auf der Sitzfläche eines Stuhls aus und gab sie ihr unterschrieben und mit der falschen Jahreszahl (Hupsi, aber ist ja auch noch so neu, das Jahr…) versehen zurück, sie sagte Danke und dass das jetzt korrigiert wäre und das war’s. Dann war ich wieder draußen. Auf der Pro-Liste also eindeutig: Geht fix, deren System.

Trotzdem, liebes NAV: warum?!? Warum keine Nummern? Wir mögen Nummern ziehen! Das ist fair, das kann wirklich fast jede*r, selbst Leute mit richtig schlechter Sozialkompetenz schaffen es, ne Nummer zu ziehen und im Zweifel eben draußen oder in der Ecke eines der schicken Sofas sich unsichtbar machend darauf zu warten, dass sie dran sind. Dieses System, was ihr da habt, ist echt (wie jemand auf Twitter sagte) Apple Store gone wrong. Für Leute mit psychosozialen Problemen ein echtes Hindernis, für alle anderen mindestens unfair und total unübersichtlich, keine Privatsphäre, und dass die Mitarbeiter*Innen da nicht komplett irre werden, ist echt ein Wunder.

So.

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Pippi wollte heute nach der KiTa nicht nach Hause laufen. Aber auch nicht Laufrad fahren. Was ich also tragen musste. Plus die schwere und volle Tasche Kram aus der KiTa (unter anderem der Winteranzug, mit dem Michel, als ich kam, auf den Knien über den gestreuten Asphalt robbte und meine Fresse, das Ding hat über 100€ gekostet und hat jetzt Löcher in den Knien. War. (und bin) ich. sauer.). Also beide Arme voll und bockige Pippi, die einfach stehen blieb. Viele unserer Nachbarn aus dem Viertel kennen jetzt die deutsche Mutti, die ihr Kind anschreit. Und ein paar deutsche Flüche.

Nach sowas möchte ich echt immer gern aufn Arm oder direkt ins Bett.

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Sport gemacht und, weil ich ein neues Sportprogramm angefangen habe, den „Physical Fitness Test“ wiederholt, allerdings ohne Laufen, ich laufe ja nicht. (Ich gehe. 19256 Schritte heute.) Und ich muss schon sagen: ich bin stolz auf mich. Die >-Zeichen heißen, dass noch ein paar mehr gegangen wären, aber es mir zu blöd wurde.

(Ach ja: Push-ups sind Liegestütze, in dem Fall ganz normale und nicht auf den Knien, sondern auf den Füßen, Squats sind Kniebeugen, Plank heißt, dass man sich auf Unterarme und Zehen aufstützt und den Rest halt wie ein Brett macht, also vom Boden weg, aber flach, in einer Linie von den Schultern bis zu den Fersen abfallend ohne, dass der Po angehoben wird. Flexibility wird da bestimmt, indem man quasi eine Klappmesser-Übung macht und musst, wie weit man mit den Händen an den Fersen vorbei strecken kann (oder, wenn man nicht bis zu den Füßen kommt, halt -x cm). Ich glaube, das ist bei mir nah am maximal erreichbaren, bei dieser Übung bin ich schon sehr flexibel, ich lege den kompletten Oberkörper auf meinen Beinen ab und die Unterarme auf den Boden neben die Waden, was soll da noch groß gehen, wenn meine Arme nicht durch gewisse Laufradtragereien noch deutlich länger werden?)

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Ein lustig aussehendes Brot gebacken, nach einem Rezept von Ketex.

(Ich glaube, die Teiglinge lagen ein bisschen sehr nah aneinander, deshalb haben die beim Aufgehen im Ofen so eine Art Brücke gemacht und sich gegenseitig hochgedrückt. Aber sonst tadellos, wir werden sehen, wie es schmeckt, so schwierig, wie’s im Rezept klingt, fand ich es jetzt nicht.

Tag 893 – Schon wieder.

Genervt von mir selbst. Ich bin weinerlich und reizbar und das einzige gute heute war die viertel Stunde die ich spontan an der Nähmaschine verbracht habe.

Gebacken habe ich auch, aber heute ist so ein Tag, da denke ich nur: das interessiert doch keine Sau. Und die Brötchen sind eh hässlich geworden. Der eine Brot-Teigling war schon verhautet und ist nicht so schön aufgegangen, den anderen hatte ich falschrum zur Gare gestellt und der ist deshalb nicht schön aufgerissen. Ich bin schon echt ne Heldin.

Ich wär so gern positiver. Echt. Aber: nee. Jedes Mal wenn ich gezwungen werde, über meine Situation* zu sprechen (weil es Leute halt interessiert, wie es hier so weitergeht), erzähle ich so und höre mich reden und denke: scheiße. Das ist echt alles bescheiden hoch drei. Und da locker-flockiges schreiben, fällt mir schwer.

Ich versuche es. Versprochen.

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Auto-Lobhudelei: ach…

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Ok, nochmal: Auto-Lobhudelei: Das Back-Soll ganz und das Näh-Soll fast erfüllt. Wocheneinkauf in 40 Minuten in 2 Läden erledigt. Leckere Bolognese-Sauce gekocht.

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*arbeitslos. Fucking arbeitslos. Das Amt kann mich theoretisch zwingen, ne Ferienvertretung im Kliniklabor Namsos anzunehmen, wenn ich sie angeboten bekäme. Das fühlt sich schon nach drei Wochen echt furchtbar an und wird wohl noch ne Weile so weitergehen. Hilfe? Nö. „Sie können selbst in Arbeit kommen.“ Ja. Falls ich darüber nicht die Nerven verliere.

Tag 885: 12/2 von 12.

Es ist der 12. Januar und das bedeutet: Caro von Draußen nur Kännchen sammelt unsere 12 Bilder!

Hier gab es heute nur 6, weil der Tag müde und bescheiden war und ich dann am Ende auf dem Sofa einschlief. Aber fangen wir von vorne an.

[ohne Bild]

Der Wecker klingelt, ich liege mit Pippi in Michels Bett, Pippi hat in 2-Stunden-Intervallen wie am Spieß gebrüllt. Ich schalte offenbar im Tran alle meine Wecker aus und schlafe wieder ein.

[ohne Bild]

Pippi seufzt und drückt – sie pullert. Mich an, denn die Windel läuft aus. Ich bin dann wach (um 08:15 auch allerhöchste Zeit) aber huiii, meine Laune.

[ohne Bild]

Ich bin richtig fies zu den Kindern, die sich beim Anziehen und Frühstücken wie immer viel Zeit lassen. Pippi schmaddert sich außerdem so gründlich mit Joghurt zu, dass ich sie komplett umziehen muss. Es bewahrheitet sich auch ein mal wieder: selbst, wenn ich mich nur anziehe und Zähne putze, nicht meine Haare wasche oder mein Gesicht irgendwie auch nur anfasse, brauchen wir ne Stunde bis aus dem Haus. Was sich auch bewahrheitet: in der Stunde ist dann keine Zeit für Kaffee und dann bin ich gar kein Zombie, sondern ein tollwütiger Terrier.

Nach einer Nacht mit permanent brüllendem und um sich tretendem Kleinkind werden das heute vielleicht 12 Shades of Aggro. Dies ist außerdem mein 1. Kaffee. #1von12 von #12von12

[ohneBild]

Wütend und frierend sitze ich auf dem Sofa und sabotiere mich selbst im Bewerbung schreiben.

Mittagessen. Ok, Frühstück. #2von12 von #12von12

Ich backe dann auch noch Brötchen, nach diesem Rezept, den Poolish hatte ich gestern Abend angesetzt, dann muss der halt weg.

Brötchen in the making. Symbolbild. #3von12 von #12von12

Ich tue dann auch noch so als würde ich arbeiten:

Esstisch-Office. #4von12 von #12von12

Aber in echt mache ich nichts produktives, dödele herum, twittere und Backe zwischendurch. Ich telefoniere mit einer HR-Frau und kriege schlechte Nachrichten von der Fakultät: möglicherweise wird meine Defense erst Ende Mai oder im Juni sein. Das wäre… schlecht für meine Nerven. Ich darf aber auch nichts selbst unternehmen, weil ich die Opponenten nicht kontaktieren darf. Wie man weiß, kann ich mit so Ohnmachts-Situationen voll gut umgehen.

Brötchen! #5von12 von #12von12

Da sind sie fertig. Ich gehe duschen, in der Hoffnung, dass ich mich danach besser motivieren kann und nicht mehr sehnsüchtig zum Bett schiele.

Selbst wenn ich gar nicht aus dem Haus gehe: mit den beiden hier fühle ich mich doch mehr wie ich selbst. #6von12 von #12von12

Tja, und dann war ich grade fertig und top-motiviert (najaaa…) da rief Herr Rabe an, ob ich die Kinder abholen kann. Seufz. Na klar.

[ohne Bilder]:

Kinder abholen, Milchreis kochen, Dinozug anmachen, essen, Wutausbrüchen heute mal wegen echt dünner Nerven* aus dem Weg gehen, statt auszuhalten und dann kam Michel an, als er sich abgeregt hatte und kuschelte sich an und dann sind wir beide eingeschlafen.

Ein irgendwie käsiger Tag.

Und weil Fristen ablaufen, muss ich am Wochenende wenigstens eine Bewerbung schreiben.

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*Als ich dreizehn war, hatte meine Mutter schon seit langer Zeit einen Freund. Zum Essen gaben wir uns immer die Hand und sagten alle einen Spruch auf, in dem wir uns einen guten Appetit wünschten. An dem Tag wollte ich nicht, also nicht ihm die Hand geben. Es gab Milchreis mit Kirschen und ich war halt pubertär motzig und wollte mal wieder klar machen, dass dieser Typ mir nichts zu sagen hätte. Ich weiß nicht mehr, was ich sagte, aber danach stand er hinter mir und knallte mir links, recht, links, rechts eine, auf die Ohren (zum ersten und einzigen Mal, meine Mutter hat ihn danach vor die Tür gesetzt). Dann nahm er wutschnaubend seinen Teller um ihn mit nach oben in sein Zimmer zu nehmen, überlegte es sich im Flur aber anders und warf den Teller mit voller Wucht gegen die Wand. Ich erinnere mich noch sehr lebhaft, wie meine Mutter versuchte, die Kirschflecken vom pfirsichfarbenen Strukturputz zu waschen. Am Ende haben wir die Stellen übergestrichen. Und Milchreis mit Kirschen ist bis heute ein echt schwieriges Essen für mich. Obwohl ich das sehr gern mag.

Tag 784 – Sonntagswerk.

In der Reihenfolge der Fertigstellung:

Brötchen: zum ersten Mal seit lange den Teig zu weich gemacht, dafür dann auch übergar gebacken. Optisch deshalb kein Meisterwerk (kaum Ofentrieb, nicht gerissen, manche sind etwas unförmig vom Transport auf den Schieber), geschmacklich höchstwahrscheinlich wie immer, ich baue drauf, dass wenigstens das Innenleben wegen des weichen Teigs besonders wattig ist.

Jogginghose passend zur letze Woche genähten Jacke. Nicht zu weit, nachdem ich 6cm Weite rausgenommen habe.

Missgelauntes Kind.

Weste: meine Omi hatte mir ja zu Pippis Geburtstag Stoff geschickt. Jetzt habe ich endlich mal was draus gemacht. Nämlich eine Weste, sehr simpler Schnitt, abgenommen von einer Weste, die sie zum 1. Geburtstag bekommen hatte und die anfangs als Kleid funktionierte.

Überaus gut gelauntes Kind (das sich nicht blogfreundlich fotografieren lässt, ‚selbst schuld’, sagt die Rabenmutter.).

Brot 1: super! Omnomnom.

Kleid für mich: sehr schön, Bilder gibt’s morgen. Etwas verwundert über 1,5 cm Nahtzugabe im Schnittmuster. Und 4 cm Saumzugabe. Das waren sehr, sehr lange Ärmel!

„Ballkleid“. Endlich ist es fertig. Nach nur einem Dreiviertel Jahr habe ich mich wieder ran getraut. Mein Geheimtipp an alle, die wie ich an Nikki-Stoff zu verzweifeln drohen: Französische Nähte. Macht viel Arbeit, aber funktioniert immerhin. Das Kleid ist trotzdem nicht so richtig hübsch, aber Pippi gefällts (und der Name kommt von ihr, weil sie meint, die Punkte sind Bälle).

Brot 2: im Ofen vergessen (Hupsi, das ist mir ja überhaupt noch nie passiert). Insgesamt ca. 15 Minuten zu lange gebacken, vermutlich nicht schlimm. Hier offenbart sich ein weiterer Vorteil meines Backsteins: da ich den Ofen nach dem Anbacken komplett ausschalte, kann das Brot bei sowas wenigstens nicht schwarz werden.

Und dann sogar noch Haare gefärbt und Fingernägel abgefeilt. Ich weiß nicht warum, aber beides wächst momentan wie Unkraut. Was ja an sich schön ist, ich beschwere mich auch gar nicht.

Jetzt halbwegs bereit für die neue Woche.

Tag 656 – Selbermachtag. 

Endlich kann ich Ihnen die neu genähten Sachen zeigen! Und damit es sich auch lohnt, hab ich heute noch schnell ein zweites Sommerkleid genäht und ein Brot gebacken. 

Fangen wir mit dem Brot an. Ich hatte ja letzte Woche den Plan gemacht, das Sauerteigtütenrezept nochmal mit einer größeren Menge Sauerteig auszuprobieren. Das war eine sehr gute Idee, denn heraus kam ein optisch ansprechendes, außen knuspriges, innen fluffiges Brot, das vor allem sehr lecker schmeckt. Yeah! Hier also das Rezept:

  • 300 g Roggenvollkornsauerteig (145 g grobes Roggenvollkornmehl, 145 g Wasser, 15 g Roggenanstellgut*, ca. 16 h gereift bei Raumtemperatur)
  • 130 g feines Weizenvollkornmehl
  • 600 g Weizenmehl
  • 380-400 g Wasser
  • 10 g Hefe
  • 1,5 Esslöffel Olivenöl
  • 2,5 Teelöffel Salz
  • 1 großzügigen Löffel Honig

Das alles ca. 10 Minuten in der Knetmaschine zu einem recht weichen Teig kneten, die letzten 50 mL Wasser nach Gusto, Knetfertigkeiten und verwendetem Vollkornmehl schlückchenweise zugeben. Teigruhe abgedeckt 1 h bei Raumtemperatur. Dann wirken und formen, in Weizenvollkornmehl wälzen und mit dem Schluss nach oben 1 h zur Gare stellen**. Auf einen Schieber stürzen, Einschneiden (nicht so tief, wie ich das gemacht habe!) und mit reichlich Dampf im gut vorgeheizten Backofen bei 270 Grad 15 Minuten anbacken. Schwaden gut ablassen und 45 Minuten weiterbacken (bei, hmm, 180 Grad, es sei denn, Sie haben auch einen Lavaton Backstein). Fertig. 

Yeah, Bildunterschriften gehen wieder. Hier also das Brot. Ich hab es zu tief eingeschnitten, das ist mir auch schon länger nicht passiert. Also so 2 cm müssten eigentlich reichen!

Omnomnomnom!

 

Soviel zum Backen, jetzt zum Nähen. Neulich hatte ich schon mal ein Ella von pattydoo mal als Shirt genäht, zum Ausprobieren. Daraufhin hab ich das Schnittmuster dann doch noch mal enger gemacht und die etwas komischen Schulterwubbels verschwinden auch, wenn man Vorder- und Rückenteil aus irgendeinem nicht ganz nachzuvollziehenden Grund falsch zusammennäht *hust*.

Könnte man mal bügeln.


Heute kam dann das echte Kleid dran. Wie gesagt, irgendwas lief schief, deshalb ist das Oberteil nicht so ganz wie geplant, aber trotzdem hübsch. Die Ärmel, die ich ja eigentlich auch dreiviertellang machen wollte, aber dann nicht genug Stoff hatte, ließ ich letztlich „einfach“ ganz weg (die Gänsefüßchen, weil mir das viele viele Flüche beschert hat und mit einer Seite bin ich eigentlich auch noch nicht ganz zufrieden). 

Ich mag die Farbe (dunkles Petrol) und den Rock. Viskosejersey ist zwar ne Pest beim Zuschneiden, aber fällt einfach unheimlich schön.



Und dann hatte ich ja letztens auch noch aus dem vermutlich verfluchten Stoff, der aus Gründen für Ella nicht gereicht hätte, ein Lucille-Kleid gemacht. Da hab ich mal Blindsäume ausprobiert – ein Experiment, das ich eher nicht zu wiederholen gedenke. 

Ich mag ja Komplementärfarben.


Jetzt muss halt nur noch Sommer werden. 

*es geht sicher auch ein anderes Anstellgut. Zum Beispiel eins aus der Tüte ;)

**Ich stell es meist erst 30 Minuten bei ca. 40 Grad in den Ofen und dann während der Ofen vorheizt halt in der Küche. 

Tag 649 – Brot backen könnte so einfach sein!

Neulich schickte mir Herr Rabe aus dem Supermarkt eine SMS. Ein Bild von einer Packung fertigen Sauerteigs, mit der Frage, ob er das mitbringen solle. Herr Rabe kennt mich gut und auch meinen übermäßigen Ehrgeiz Neugierde, beim Backen neue Dinge auszuprobieren. Und so brachte er den Teig dann auch mit. 

Vollkornweizensauerteig mit lebenden Kulturen, 150 g. Man soll Hefe zusetzen. Soso. Das steht erstmal vorne drauf. (Und dass es für drei Brote, vier Baguettes oder 12 Brötchen sein soll. Wo ich mich ja schon gefragt habe, was das denn für drei Minibrote werden sollen, etwas größer als ein Baguette und so groß wie vier Brötchen? Das atmen wir ja in weniger als einer Mahlzeit ein!)

Ich wollte erstmal das Rezept machen, das hinten drauf steht. Sicher ist sicher. Nahezu stoisch hielt ich mich also fast ganz an die Rezeptangaben. 


Man nehme: 

  • Die komplette Tüte* Sauerteig
  • 25 g frische Hefe
  • 0,5 L kaltes Wasser
  • 200 g Weizenvollkornmehl
  • 600 g Weizenmehl
  • 2,5 Teelöffel Salz (oder Meersalz aka. Salz)
  • 1,5 Esslöffel Oliven- oder Rapsöl (hatte kein Rapsöl, nahm Sonnenblumenöl)
  • 2 Esslöffel Honig
  • 1 Esslöffel Irgendwas „für luftigeres Gebäck“ (kenn ich nicht, hab ich nicht, ging auch ohne)


Dann soll man die Hefe im Wasser auflösen (haha, ain’t nobody got time for that, ich brösel die einfach immer klein und lasse den Rest von der Knetmaschine erledigen) und bis auf das Salz alle anderen Zutaten dazutun und dann ca. 10 Minuten kneten. Am Ende das Salz einrieseln lassen. (Was das mit dem Salz soll weiß der Himmel, das steht öfter in allen möglichen Rezepten. Ich sehe keinen naturwissenschaftlichen Sinn darin und kloppe das Salz einfach immer so dazu und das funktioniert bei mir sehr gut. Ausnahme: Brühstücke und so, da mache ich das Salz da mit rein, dann kann es sich schon mal auflösen und verteilt sich später besser im Teig.)

Der Teig soll dann eine Stunde gehen (Teigruhe). Da war ich schon skeptisch: nach 10 Minuten kneten in der Maschine ist der Teig recht warm, schätzungsweise so 30 Grad. Und dann 25 g Hefe? Oioi. Der Sauerteig aus der Packung hatte auch nicht grad nach wenig Triebkraft ausgesehen oder gerochen. (Jetzt fragen Sie sich vermutlich, woran ich das festmache? Also, guter Sauerteig riecht schwach nach (Apfel-)Essig, nicht unangenehm, und schmeckt säuerlich, wie Joghurt vielleicht. Saurer Joghurt, zugegeben. Hungriger Sauerteig riecht nach Alkohol und manchmal sogar ziemlich fies nach Aceton und es setzt sich oben „Fusel“, also Alkohol, ab. Um aus dem Stadium rauszukommen, müssen die Bakterien und Hefen erstmal ihren Stoffwechsel mit Futter ankurbeln und sich dann vermehren und dann erst machen sie die guten Gärsachen, die die Luftblasen ins Brot zaubern. Für diese Prozesse wäre so ne Zweistündige Ruhe/Gare zu kurz, der Sauerteig hätte also keine ausreichende Triebkraft. Man kann ihn aber einfach wie alle normalen Menschen am Tag vorher hochfüttern (Anstellgut(so heißt der Sauerteigansatz)menge = 10% der zu versäuernden Mehlmenge ist ne gute Faustregel), dann hat er wieder Trieb. Hupsi, abgeschwiffen.) Also jedenfalls passierte genau das, was ich erwartet hatte: nach der Stunde hatte ich sehr, sehr viel Teig. 

Dann steht da weiterhin, man soll den Teig jetzt vorsichtig falten und noch ne Stunde gehen lassen. Oder über Nacht. Dann soll man ihn rollen UND NOCH MAL NE STUNDE GEHEN LASSEN. Ich besah mir den riesigen Batzen Teig und entschied mich dafür, dass ich jetzt genug von dem komischen Rezept gehabt hätte. (25 g Hefe, und dann 3 x 1 h gehen lassen, gewirkt wird auch nicht, da hab ich hinterher mehr Löcher als Brot! Und vermutlich eher nen Fladen als alles andere.)

Ich wirkte also den Teig jetzt schon ordentlich (er war ziemlich weich, eigentlich nichts für Anfänger, aber Tjanun. Man kann ja noch ein bisschen mehr Mehl reintun, das schadet nicht. Vollkornmehl, dann.), formte ihn länglich aus und ließ ihn mit dem Schluss nach unten im 1 kg-Gärkörbchen gehen. Nach zwanzig Minuten heizte ich etwas hektisch den Ofen an, weil der Teig schon so stark aufgegangen war. Nach 45 Minuten Gare (= Gehen lassen vor dem Backen) war der Teig auf dem besten Weg, sich aus dem Gärkörbchen zu begeben. Beim Kippen auf den Schieber fiel er ziemlich zusammen und ich verabschiedete mich von der Vorstellung, dass der noch genug Ofentrieb haben könnte, um dekorativ aufzureißen. Dann buk ich (ohne Einschneiden, wie gesagt, kein nennenswerter Ofentrieb mehr zu erwarten) bei 260 Grad mit Schwaden für 15 Minuten an, ließ den Dampf ab und „buk“ 45 Minuten bei ausgeschaltetem Ofen (ein Hoch auf den Lavaton-Backstein!) weiter. Fertig. 

Naja, ich sags mal so: es schmeckt. Wie typisches Norwegerbrot. Leider war der Teig wohl im Gärkörbchen an der Unterseite (die dann beim Backen oben war) zu trocken geworden und etwas verhautet, deshalb hat’s den Deckel leicht abgehoben beim Backen. Ich finde die Krume (das Innenleben) zu weich und die Kruste zu wenig kross, und insgesamt den Geschmack zu fad, weil einfach zu wenig sauer, aber die Kinder finden es total super. Yeah, Brot, das schmeckt, wie aus dem Supermarkt. Verräterkinder.



Das war am Mittwoch. Heute machte ich das Experiment nochmal: mit meinem eigenen Weizensauer, den ich auch nur mit Weizenmehl auf 150 g geführt hatte. Außerdem nahm ich nur 10 g Hefe. Rest ließ ich so: 1 Stunde Teigruhe, wirken 1 Stunde Gare (die ich diesmal auch einhielt, aber mit Schluss nach oben). Dann habe ich diesmal den Teigling eingeschnitten, gebacken wie gehabt. 


Immerhin schon mal hübscher. 


Die Krume ist wie beim letzten Mal: sehr weich. Und bei diesem Brot schmeckt man den Honig raus, finde ich. Das kann man mögen, mein Ding ist es nicht so. Der Teig ist etwas zu weich gewesen, deshalb haben sich oben ein paar etwas größere Luftblasen gesammelt und die Porung ist nicht ganz gleichmäßig geworden. Die Kruste ist wieder kein Hit. 

Was ich beim nächsten Mal anders machen würde: 

  • Einen größeren Teil der Mehlmenge versäuern, vermutlich würde ich erstmal 300 g Sauerteig auf die Gesamtmenge nehmen, also 145 g (Vollkornweizen-)Mehl, 145 g Wasser, 15 g Anstellgut*, über Nacht wärmlich** stehen lassen. Dann zum Brotteig machen nur noch 130 g Vollkornweizenmehl und 400 g Wasser dazugeben (ja, es müssten eigentlich 430 g Wasser sein, aber der Teig war ja eh zu weich).
  • Vielleicht auch ein Roggen-(Vollkorn)-Sauerteig, für den Geschmack, dann aber mit dem Wasser aufpassen.
  • Für eine schönere Kruste das Brot fünf Minuten vor Ende der Backzeit mit kaltem Wasser abstreichen und dann mit leicht geöffneter Ofentür zu Ende backen.

Ja, so würde ich’s machen. 

Fazit: den Sauerteig kann man schon nehmen. Das Rezept ist ausbaufähig. 

*Natürlich hab ich nicht die komplette, komplette Tüte genommen, sondern aus den letzten ca. 3 g in der Tüte ein neues Vollkornweizenanstellgut gezogen. Fazit davon: der geht ganz schön gut ab!

**halt nicht 30 Grad, aber vielleicht knapp über 20. Das haben wir in der Küche.