Tag 112 – Das Kranksein nutzen

Weil mein Hals kratzt als hätte ich ne Muskatreibe geschluckt, bin ich heute nicht zum Sport gegangen. Also schon wieder nicht. Das letzte Mal war ich dann vor drei Wochen da. Schlimmschlimm. Und da sich auch das Baby die Rotzerei eingefangen hat und rumschnorchelt und Schnodderblasen produziert und etwas unleidlich ist, war ich auf einen nervigen Babytragetag gefasst. Aber siehe da: das Baby wollte eigentlich den ganzen Tag schlafen (obwohl es glaub ich kein Fieber hat, ich hab nicht gemessen, aber es schien mir nicht so) und so konnte ich vier (!!!) meiner Übungsklausuren durchorgeln und wenn jetzt nicht irgendwas totaaaal verrücktes* drankommt, sollte ich dem gewachsen sein. Hurra! Fertig gelernt! Ich freu mich und werde morgen möglicherweise zum Stoffladen fahren, um das zu feiern. Ich muss nämlich eh zum Arzt und mir Blut abnehmen lassen und der Stoffladen ist da in der Nähe. 

Neulich schickte uns meine Mutter Adventskalender. Ich wusste das nicht vorher, es kam mir aber sehr gelegen, weil ich das völlig vergessen hatte. 

Jedenfalls ist der fürs Kind von Playmobil und so eine riesige Box, die zu 90% aus Luft besteht. Und da wir ja fast die Hälfte der Adventskalenderzeit in Deutschland sind, müsste ich also den halbleeren aber immer noch riesigen Adventskalender mitschleppen. Das war uns zu doof und deshalb packten Herr Rabe und ich (und das Baby, aber das sabberte und rotzte eigentlich nur alles voll) heute alles aus und in Geschenkpapier wieder ein. So sieht es schöner aus und lässt sich besser mitnehmen. 

  
Merke: die nächsten Wochen wird nix getoastet. 

Unser Adventskalender ist übrigens mit 24 Sorten Kaffee. Ich werde berichten. 

*Power of Hypothesis Tests wäre sowas Verrücktes. Da renkt sich mein Hirn aus irgendwie. 

Tag 111 – Schnaps? Schnaps!

Wochenende ohne Bilder. Fertig.

Heute waren wir bei einem Weihnachtsmarkt im angrenzenden Hippie-Viertel. Ich mag das da sehr, bin ja auch ein kleines bisschen selber Hippie. Jedenfalls trafen wir des Kindes neue Hausärztin da und kauften für jeden von uns eine neue Mütze von ihr, deren Erlös an eine in Syrien arbeitende Hilfsorganisation geht. Dann kaufte ich noch zwei Fensterweihnachtssterne mit Glitzer und bunt, einen für mich und einen für meine Mutter als Weihnachtskleinigkeit. Dann wollten wir alle, immer noch gesundheitlich etwas angeschlagen, nach Hause.

Abends dann mit meiner Mutter geskypt. Wir wünschen uns nichts zu Weihnachten, wir haben alles was wir brauchen und noch viel, viel mehr, und so sagten wir ihr, sie könne das Geld, was sie sonst für Geschenke für uns ausgeben würde, spenden, das fänden wir schön. Sie sagte „Och nö, das find ich doof.“ Und faselte zwei Sätze später, dass sie ja sooo ne gute Idee für uns hätte und ich ahne was es sein wird und mich gruselts jetzt schon. Eigentlich gruselts mich schon vor der ganzen Weihnachtszeit, sie fängt schon wieder an, mich zu verplanen, ungefragt, und das kann ich absolut nicht ab. Zumal ich mich doch arg frage, inwiefern ich, ja immerhin mit zwei Kindern im Schlepptau und vermutlich ohne Auto, dabei helfen soll, einen Weihnachtsbaum zu kaufen…


 

Ich muss lernen, aber mindestens ein Kind will dauernd was von mir und mein kümmerliches bisschen Selbstbeherrschung geht gerade dafür drauf, hier nicht sämtliche meiner Mitbewohner unter 1 m Körpergröße anzuschreien. Aber verdammt noch mal, ich muss doch lernen!!! Langsam werde ich etwas verzweifelt.

Tag 110 – Alle Krank

Das Kind hat Herrn Rabe und mich angesteckt. Jetzt sind wir beide verrotzt, er hustet auch, ich hab dafür Kopfschmerzen. Dem Kind geht’s sehr viel besser, kein Fieber mehr, fast normaler Appetit, wollte heute unbedingt „Fußballen“, war dann aber nach 20 Minuten Fußball spielen ziemlich fertig. Aber Husten hat es noch, nicht zu knapp und wacht davon auch nachts öfter weinend auf. Deshalb gehen wir jetzt auch einfach ins Bett, damit die akkumulierte Schlafmenge bei uns Großen trotzdem halbwegs passt. 

Tag 109 – Morgens 

Letzten Sonntag bekam ich eine Nachricht meiner lieben Freundin A. A.’s Tochter M. ist so alt wie das Kind und vor drei Wochen wurde T., die kleine Schwester von M. geboren. Bis jetzt war noch der Papa von M. und T. tagsüber da, aber der muss wieder arbeiten, deshalb auch die Nachricht, die sie an mich, die *hust* Koryphäe auf dem Gebiet „Alltagsbewältigung mit zwei Kindern“ richtete:

A.: Ab Morgen bin ich zwei Kids „alleine“😱
A.: Oh Gott
A.: Panik!!
A.: Wie bekommt man das hin😳?

Ich: Ja Hmm also äh
Ich: Hier so: ich versuche mich aus dem Bett zu schleichen, ohne dass das Baby aufwacht.
Ich: Das klappt selten.
Ich: Dann mach ich mich fertig
Ich: „Fertig“ haha. Ich ziehe ne Jogginghose an und putze mir die Zöhne und setze ne Mütze auf.
Ich: Dann mache ich Frühstück für das Kind und wenns super gut läuft noch seine Brotdose und wenns fantastisch läuft weil beide Kinder weiterhin schlafen mach ich mir nen Kaffee.
Ich: Dann wecke ich das Kind und der frühstückt dann und ich zieh ihn an und putze ihm die Zähne. Das Baby schlafend in den Kinderwagen und los geht’s zum Kindergarten.
Ich: Da sind anderthalb Stunden rum.
Ich: Nach’m Wegbringen versuche ich bei Gelegenheit zu duschen/Haare zu waschen/ zu Frühstücken/ Kaffee zu machen.
Ich: Und meistens klappt das alles mal gar nicht und beide Kinder stehen mit mir auf, wollen bespaßt werden, müssen gewickelt werden, können mit einem Mal nicht mehr alleine essen und so weiter. Dann gibt’s keinen Kaffee und potentiell schlechte Laune. 😐
Ich: Und dann kommen wir auch oft erst auf den letzten Drücker im Kindergarten an.

A.: Du kannst einen wunderbar aufheitern mit deinen Beschreibungen😄
A.: Ich, schon bevor es soweit ist vorm Nervenzusammenbruch, dann kommt deine Alltagsbeschreibung und relativiert sich alles ein wenig!!
A.: Danke😘

(Bitteschön liebe A. Dafür haben wir uns ja. Muttifreundinnen 4-ever ❤ !)

Tag 108 – Krankes Kind (3)

Heute war ich mit dem Kind beim Arzt. Herr Rabe hat einen Kinderkrank-Tag eingereicht, damit ich nicht das Baby in ein Wartezimmer voller verrotzter  Menschen mitschleppen musste. Besser wars auch, denn der Ausflug dauerte wesentlich länger als erwartet.

Um 13:45 hatten wir einen kurzfristigen Termin bekommen. Ich parkte neben der Praxis auf einem Wohngebietparkplatz und hoffte sehr, dass ich nicht wieder einen Strafzettel über 800 NOK (knapp 100!!!€) bekommen würde. Die Praxis war ganz schön voll und wir kamen erst um zehn nach zwei dran. Da gings dem Kind, das morgens noch halbwegs fit gewesen war, schon wieder recht dreckig und ich musste es die ganze Zeit tragen und auf dem Schoß haben.

Die Ärztin hörte ab, guckte in die Ohren, guckte in den Hals und wurde volle Möhre dabei angehustet. Sagte, sie hätte gerne nen CRP-Wert und nen Halsabstrich, Mandeln wären zwar normal aber man weiß ja nie. Der linke Lungenflügel würde etwas Rasseln bis tief in die Bronchien. Also setzten wir uns wieder ins Wartezimmer. Wurden irgendwann wieder aufgerufen für den Pieks in den Finger, der das Kind so schockierte, dass der darauf folgende Halsabstrich mit wenig Protest abging. Dann gab es ein buntes Pflaster und einen Flummi und viel Pusten von Mama. Und wieder ins Wartezimmer. Dann wieder zur Ärztin rein: Hmm, der CRP ist eigentlich ok, das ist alles komisch, gehen Sie bitte zum Lunge Röntgen ins Krankenhaus. Da war ich dann erst mal ziemlich geschockt: Krankenhaus??? So schlimm? Lunge Röntgen klingt auch nicht gut. Egal, erstmal dem Kind Sicherheit vermitteln. Und den Herrn Rabe anrufen, der und das Baby müssen mit, sonst kriegt das Baby Hunger und dann? Ja eben. Mann und Baby eingesackt, auf dem Rückweg noch schnell wegen tausend Einbahnstraßen verfahren, und ab ins Krankenhaus. Auch da: Warten. Lange.

Das Röntgen der Lunge war dann ein besonderer Spaß, weil das Kind partout nicht vor der Platte sitzen oder stehen bleiben wollte. Es erforderte eine blitzschnelle Röntgenassistentin, die just in dem Moment, als das Kind mal kurz richtig davor saß, auf ihr Knöpfchen drückte. Die seitliche Aufnahme war trotzdem etwas schief, aber da das Kind schon wieder völlig aufgelöst war und an mir hing wie eine Klette, meinte sie, vielleicht reicht es ja dem Arzt auch so, erstmal ausruhen und wenn doch noch ein neues Bild gemacht werden muss, dann machen wir das eben später. Ok. Also wieder: Warten. Auf die Bildauswertung.

Das Kind schlief auf Herrn Rabe ein, das Baby hatte Hunger und wurde gestillt, kackte und wurde gewickelt, war müde und wurde herumgeschleppt, die Uhr tickte vor sich hin und dann endlich kam jemand und rief uns auf: Gehen Sie bitte in die Kinder-Notaufnahme. Da wurde mir etwas flau, aber es half ja nichts. Ab in die Kinder-Notaufnahme. Die fanden wir zunächst nicht und irrten, jeder ein Kind und diverse Jacken schleppend, in der Kinderklinik herum. Irgendwann begegnete uns ein Arzt, der uns den Weg sagte. Also hin da und: Warten.

Dieses Mal mussten wir nur sehr kurz warten und wurden von sehr netten Kinderkrankenschwestern in Empfang genommen. Die stellten erstmal drölfzig Fragen und untersuchten das Kind ein bisschen. Wieder über 40 Grad Fieber. Oha.  Das Kind bekam dann ein Eis und ein Trinkpäckchen und 310 mg Paracetamol als Zäpfchen und zwei Emlapflaster falls Blut abgenommen werden müsse (nachdem es auf die Frage: „Tut’s dir irgendwo weh?“ seinen Finger mit dem bunten Pflaster vorgestreckt hatte) und eine Elektrode an den Fuß. Wir bekamen jeder einen Becher Wasser und das Baby einen Kinderwagen zum drin schlafen. Dann mussten wir wieder (Sie ahnen es sicher bereits) warten. Das Pflaster wirkt ja eh erst nach ner Stunde und außerdem war grade Schichtwechsel und sie wollten abwarten, wie das Paracetamol wirkt. 45 Minuten später schliefen alle außer mir. Die Schwestern kamen wieder und weckten alle wieder auf, maßen noch mal die Temperatur (jetzt nur noch 37,8) und gingen wieder raus. Nach noch mal 10 Minuten kam endlich der Arzt, ein netter, ziemlich kleiner, älterer Herr mit starker Brustbehaarung der die in meinen Ohren schönste Sprache der Welt sprach: Schwedisch. Es ist so schön. Hachz. Nun ja, er hörte noch mal ab, besah sich dann nochmal das Röntgenbild, guckte auf den CRP-Wert und machte viele hmms dabei. Und erklärte uns im Endeffekt könnten wir nichts weiter machen, die Lunge hört sich schlimm an, sieht aber so schlecht gar nicht aus, also Entzündung ja, aber keine schlimme, Bakterien sinds nicht, dann wäre der CRP höher, Viren vielleicht, obwohl dann eher auch Ohren und/oder Augen mit betroffen sein müssten, vielleicht auch Mycoplasmen, man weiß es halt nicht. Samstag sollte das Fieber wegsein. Wenns Montag noch nicht weg ist, nochmal zum Arzt. Von dem Husten hätten wir jetzt aber länger was, der alleine sei aber dann nicht mehr ansteckend. Viel trinken. Sei besser als jeder Hustensaft.

Mir fielen erstmal tausend Steine vom Herzen, das das Kind nicht im Krankenhaus bleiben musste. Und tatsächlich hab ich mich noch nie so über nen normalen Wutanfall gefreut, den es zu Hause wegen irgendwas und der runtergefahrenen Temperatur bekam. Darauf eine Pizza für alle!

Tag 107 – Krankes Kind (2)

Das Kind ist immernoch krank. Herr Rabe hat sich heute mal einfach drüber hinweggesetzt, dass das Kind sagte, es wolle nicht Fieber gemessen bekommen: 40,3 Grad. Ja Hmm. Das erklärt einiges. Zum Beispiel dass es den ganzen Tag weint. Ehrlich. Regression zum Baby hier. Und wer meint, mit Baby sei man fremdbestimmt, ist herzlich eingeladen mal vorbeizukommen. Das Kind und das Baby definieren grade gemeinsam Fremdbestimmung völlig neu. Und ich hasse es sehr doll. Das Kind will, dass ich mit ihm auf dem Sofa kuschel und keinen Meter weggehe. Das Baby will herumgetragen werden. Beide weinen sehr laut und ausdauernd, wenn ich ihren Wünschen nicht nachkomme. Zähneputzen? Nicht für Mama. Essen? Nicht für Mama. Aufs Klo? Nicht für Mama. Aaarrrrrrggggg!

Und. Ich. Muss. Für. Diese. Scheiß. Statistikklausur. Lernen. Wiesollichdasdennbittemachenverdammtnochmal??? 

Orrrrr. Echt. 

Morgen gehen wir zum Arzt, soll der mich auslachen aber is mir egal, so geht’s nicht weiter. 

Tag 106 – Krankes Kind

Gnaaaaa die Worpress App hat meinen Eintrag kaputt gemacht und meine Motivation jetzt alles nochmal zu tippen geht gegen null. 

Kurzfassung: Kind ist immer noch krank und ich komme deshalb tagsüber zu null Komma gar nix. 

War beim Erste-Hilfe-Kurs für Babys und Kleinkinder. Dauerte anderthalb Stunden. In einem muffigen Raum. Zusammenfassung: checken, ob offensichtlich was im Hals steckt, dann entfernen. Rauspulen oder Kind übers Knie legen und kräftig auf den Rücken schlagen. Wenn Kind nicht atmet: 5 mal kurz pusten (das ist der einzige Unterschied zum Erwachsenen), dann Wiederbeleben mit 30 mal Pumpen und 2 mal pusten. Weitermachen bis Ambulanz kommt. Ach ja genau: Ambulanz rufen nicht vergessen. Die Telefonnummer ist 113 hier, das ist für mich verwirrend, aber soweit ich weiß wird man im Zweifelsfall von 112 umgeleitet.

Und jetzt ins Bett.