Tag 1844 – Miep miep (möp).

Ich habe nächste Woche eine Inspektion, zu der ich mit dem Auto fahren muss. Züge sind böse in Corona-Zeiten, jedenfalls wenn wir extern arbeiten. Wenn wir damit ins Büro fahren drückt man die Augen zu (aber es wäre natürlich schon besser, wir gingen zu Fuß oder führen Fahrrad. Bei 64 km per Weg… nein.). Jedenfalls musste ich heute mit dem bösen Zug in die Stadt fahren, um das Auto abzuholen, das ich haben muss, damit ich nicht mit dem bösen Zug fahren muss. Oh the irony.

Der Trip gestaltete sich etwas holpriger als erwartet. Ich darf auf gar keinen Fall am Ende meines Zyklus das Haus auch nur fünf Minuten verlassen, ohne Menstruationshygieneprodukte für den Fall der Fälle dabei zu haben. Hatte ich natürlich nicht, ging natürlich in die Hose (haha). Immerhin eine Slipeinlage hatte ich da drin, die gab ihr bestes. Danke, Slipeinlage.

Weiterhin war natürlich Bus statt Zug wegen Bauarbeiten zwischen Eidsvoll und dem Flughafen. Glück im Unglück, Gardermoen hat wirklich saubere und kostenfreie Toiletten im öffentlichen Bereich, da konnte ich mit Klopapier improvisieren um eine Sauerei zu verhindern. Der Bus stand obendrein noch im Stau und als ich endlich im Zug saß, hatte ich eine ganze Stunde extra auf den ersten (eigentlich) 10 Minuten Weg zugebracht. Hurra.

In Oslo S angekommen stand ich etwas verwirrt vor dem Selbstbedienungsschalter der Autovermietung, buchte die Superversicherung zu meinem Autolein dazu (wenn was passiert, will ich bittedanke nicht 12.000 Kronen Selbstbeteiligung latzen müssen) und fragte mich dann erst, wo denn eigentlich die Autos sind. Glücklicherweise kam eine Dame und lieferte einen Schlüssel ab, die fragte ich und die erklärte es mir dann. Unter Oslo S ist ein Parkhaus, wer hätte das gedacht.

Nahezu routiniert ging ich einmal ums Auto rum und schrieb dann eine längere Mail mit nicht im Kaufvertrag (per SMS-Link zugeschickt, Technik ist was feines!) aufgeführten Kratzern an die Autovermietung. Den Sitz einstellen fiel mir schwerer als das Navi bedienen und dann, miep miep, war ich unterwegs mit dem kleinen i3 nach Hause. Nettes Auto, muss ich sagen, fährt sich gut und ist zumindest vorne innen erstaunlich geräumig. Ein Elektroauto hatte ich extra bestellt, deshalb musste ich auch nach Oslo zum Abholen, das war also keine Überraschung, allerdings hatte ich eher mit einem Leaf oder so gerechnet. Ein kleines Auto ist nach ein paar Monaten Carona tatsächlich auch mal ganz nett. Wenn’s nicht ausgerechnet ein BMW wär, fände ich, das Auto passt gut zu mir. Miep, miep!

Jetzt fix Augen zu. Morgen muss ich vor der Inspektion noch die Kinder versorgen und abliefern, das wird aufregend und mal was anderes und hoffentlich nicht übermäßig stressig, in jedem Fall aber früh.

Aufgeregt bin ich auch. Ob ich dieses Inspizieren noch kann?

Tag 1798 – Irgendwie beruhigt und irgendwie auch gar nicht.

Ich lag leider heute den halben Tag flach, erst mit Migräne und dann mit den Nebenwirkungen des Migränemittels.

Dafür hab ich aber noch echt viel geschafft, nämlich alle Schweinchen sauber gemacht, die Hausärztin angerufen, die Tierärztin angerufen, dem Anwalt gemailt, Essen gemacht, einen Bilderrahmen repariert, mir eine Tastatur und Maus bestellt, die letztgenannten beiden Punkte von der Ferien-To-Do-Liste gestrichen und mit der Bank telefoniert.

Das Banktelefonat lässt mich einigermaßen ambivalent zurück, wir dürfen nämlich von Seiten der Bank aus versuchen, das Traumhaus zu kaufen. Jetzt bin ich irgendwie sehr beruhigt und es ist mir fast schon egal, ob wir’s nun machen oder nicht, und andererseits ist die jetzt wieder etwas weniger theoretische Möglichkeit für erneutes Chaos im Rabenleben genug um mir ordentliche Anspannung zu verpassen.

Wir schauen uns das also morgen Abend mal in echt und von innen an. Von außen kennen wir es schon, und Sie auch, denn es steht neben dem Kindergarten und ich habe es an Tag 1204 hier mal gezeigt. Und dann stellen wir Tausendundeine Frage, und dann gucken wir mal, ob es uns das Chaos und all das Geld wert ist (und im Zweifel wie viel, also wie hoch wir bieten würden).

Bis dahin atmen.

Tag 1731 – Übersprungshandlungen.

Es ist etwas aufregend mit dem neuen Auto. Oder nein, jain, es ist nicht aufregend, aber ich bin aufgeregt deswegen. Immerhin hab ich das letzte mal ein Auto vor ca. 7 Jahren gekauft.

Heute morgen habe ich Herrn Rabe meinen Namensvorschlag unterbreitet und er musste erst lachen und dann wollte er wissen, ob ich mir das selbst ausgedacht habe (selbstverständlich!). Wir nennen es jetzt auch so. Carona. Weil wir einen fiesen Humor haben.

Das war Übersprungshandlung 1, der Name. Da am Wochenende die meisten Versicherungen und Banken hier nicht arbeiten, war an der Versicherungs- und Bankenfront (vermeintlich) nichts zu tun also ging ich über zu Übersprungshandlung 2: Kleinscheiß-Zubehör bestellen. Herr Rabe war dagegen, auch gleich Fußmatten zu bestellen, sonst hätte ich das auch direkt gemacht. Jetzt kommen erst mal Schlüsseldingse aus Silikon*, ein Induktions-Handyladedings und ein Dings, in das man die Box am 230V-Kabel hängt (nachdem man das Dings an der Wand angeschraubt hat), damit das Kabel nicht in der Steckdose „hängt“. Wir werden zwar auch eine 400V-Ladebox bekommen, aber da muss erst der Elektriker für kommen und der wiederum muss vermutlich erst ein weiteres Mal beantragen, dass wir mehr Strom kriegen, weil alles was mit der Badewanne (wir erinnern uns) zusammen hängt, wegen… Dings verzögert wurde. Jedenfalls darf an der 230V-Steckdose das Auto natürlich geladen werden, aber das Kabel darf nicht am Stecker ziehen wegen Brandgefahr. Ergo: Plastikteil.

Das habe ich also alles bestellt und dann rief doch noch unsere Hausbank an um über die Versicherung zu sprechen und dann war ich ein wenig enttäuscht über den aufgerufenen Preis. Also, ja, mir ist schon klar, dass so ein neues Auto ein bisschen teurer zu versichern ist als ein 16 Jahre alter Prius. Und ich bin ja was das angeht echt eine Schisserin und nehme dann lieber die Superduperkasko mit allem und scharf als dass mir in drei Monaten wer reinfährt und die Versicherung mit den Achseln zuckt und sagt, tscha, doof, musste wohl gucken, ob du nochmal so ein gutes Angebot findest. Dass das alles teurer ist als ne Teilkasko weiß ich. Aber so viel teurer? Deutlich und auch nach allen Rabatten noch über den Preisen, die ich mir in 5 Minuten von anderen Gesellschaften zusammengegoogelt hatte? Puh, puh. Also suchte ich als Übersprungshandlung 3 noch mal nach den Versicherungen, die wir über unsere Arbeitnehmerunion bekommen können und siehe da: nochmal günstiger als die günstigste klassische** Versicherung, die ich so zusammengegoogelt hatte. Weil der Mengenrabatt für die anderen Versicherungen in der Hausbank wegfällt, wenn ich das Auto nicht mehr da versichert habe, guckte ich bei der günstigen Versicherung auch noch nach Hausversicherung (auch günstiger) und nach Hausratsversicherung und da sagte das System, ich möge bitte anrufen und das machte ich dann auch. Die Frau dort war sehr nett, obwohl kurz vor Feierabend war, gratulierte mir erst routiniert zum Autokauf und dann nach Eingabe des Nummernschildes (da bekommt man dann Marke, Modell und Erstregistrierung angezeigt) gratulierte sie nochmal sehr herzlich, so ein schönes Auto, welche Farbe denn, ihr Neffe hat das in weiß, ja, wirklich ein richtiges Traumauto. Jedenfalls war die Frau wirklich sehr nett, nicht so schleimig, wie das vielleicht jetzt klingt und wir haben jetzt alle Versicherungen dort. Schwupps. Und sparen, im Vergleich zur Hausbank, 5500 Kronen im Jahr, weil wirklich jede Versicherung dank der Arbeitnehmerunion dort günstiger ist.

Diese Arbeitnehmerunion ist ne praktische Sache, muss ich sagen.

Montag wird Carona zum Tesladoktor gefahren und der wird dann hoffentlich seine Magie tun um das Batterie-Problem zu beheben. Vor Mittwoch können wir sie eh nicht umregistrieren***, weil ab dann erst die Versicherung läuft (frühestens, wir haben abgemacht, dass ich Bescheid gebe, wenn es sich noch weiter verzögert). Das werden aufregende Tage.

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*die Tesla-Schlüssel sehen ja aus wie so kleine Spielzeugautos, sind wirklich sehr hübsch aaaaaaber sie haben keinen Schlüsselring. Seltsam.

**es gibt noch die hauseigene Versicherung des Tesla Owners Club, die ist nochmal 2500 Kronen günstiger im Jahr, aber die operieren nicht mit dem normalen Schadensfreiheitssystem sondern verdoppeln einfach nach jedem Schaden die Selbstbeteiligung. Mir ist das suspekt.

***das ist hier inzwischen auch alles online. Ich werde berichten. Die Nummernschilder, sofern nicht personalisiert, bleiben jedenfalls dran. Es ist alles sehr aufregend.

Tag 1532 – So aufregend!

Leute, ich liebe diesen Job, auch wenn er anstrengend ist, aber ich bin morgen wieder quasi live bei der Sendung mit der Maus dabei, es ist so spannend!!! Hoffentlich erwischt mich keiner, wie ich fasziniert mit leuchtenden Augen vor den Abfüllanlagen stehe und vor lauter BOAAAHHHH gar nicht weiß, was ich fragen soll.

Des Weiteren mache ich „lustige“ Ausflüge in die Hotels Norwegens, diese Woche sind wir in einem sehr alten Gebäude und das sieht auch genau so aus. Nen Spiegel (außer im Bad) gibt es nicht, auch keinen Schrank und kein Bügeleisen, ich habe eben also extra heiß geduscht und dann meine leicht kofferzerknitterte Bluse in den Wasserdampf gehängt, auf das sie morgen wieder halbwegs glatt sei.

Jetzt liege ich sauber und warm im Bett und merke, dass ich gestern Nacht total beschissen geschlafen hab, also sage ich lieber gute Nacht!

Tag 1531 – Fertig. Und wach.

Ich! Habe! Einen! Mantel! Genäht!

Hat ja auch nur 10 Monate gedauert, obwohl man ja schon zugeben muss, dass von Januar bis Ende September da rein gar nichts dran passiert ist.

Foto gibt es noch nicht, Sie müssen mir das vorläufig einfach glauben. Vielleicht kriege ich im Hotel morgen was fotografiert, oder ich müsste meine Kollegen bitten (not gonna happen), wir werden sehen. Jedenfalls FERTIG!

Außerdem war heute Michels Kindergeburtstag in der Turnhalle, aber das war so entspannt, dass es sich kaum lohnt, darüber Worte zu verlieren. Mir graute davor wirklich, einfach wegen der Menge Kinder (11) aber die spielten und tanzten ganz zufrieden und es war wirklich einfacher als zu Hause, schon allein weil wir null geplantes Programm hatten (das dann ja auch durchgezogen werden will, bei den leicht zwanghaften Migranten).

Vielleicht wurde ich auch gehirngewaschen in den letzten sechs Jahren, schleichend vermutlich.

Gebügelt und gepackt ist für die nächste Woche, eine Woche Inspektion, eine Woche ohne Familie, seltsam, obwohl ich das ja im Mai auch schon mal gemacht hab. Trotzdem – halt seltsam.

Jetzt viel zu spät im Bett, also wirklich zwei Stunden zu spät aber der Mantel ist fertig und gebügelt ist, man kann nicht alles UND ausreichend Schlaf haben, ich jedenfalls nicht.

Tag 1377 – Nicht aufregen.

Im letzten Jahr hab ich eins* gelernt: Schreiend im Kreis rennen hilft nur ganz bedingt. Eigentlich bin ich auch nicht der Typ dafür, unter Stress kann ich sehr gut fokussieren und Dinge erledigen, aber während der Doktorarbeit und besonders der Arbeitslosigkeit und der Perspektivlosigkeit und Ungewissheit und all dem, da gab es ja nix zu erledigen, da gab es nur schreiend im Kreis rennen. Nunja. Das ist auch Vergangenheit, Deckel drauf, danke für deinen Beitrag, wir melden uns, Tschüss. Jedenfalls: es hilft ja auch nichts. Ich könnte zum Beispiel heute im Kreis gerannt sein, weil Herr Rabe nun eine Woche auf einer Konferenz in Barcelona ist und ich hier allein mit den Kindern (und dem Babysitter) den Alltag wuppen muss. Ich möchte das gern, also im Kreis rennen und Haare raufen und verzweifeln und schreien „OH HIMMEL HILF DAS WIRD NIEMALS KLAPPEN ICH BIN DOCH SO EINE FURCHTBARE MUTTER UND KANN DAS NICHT!!!“ aber davon kommen die Kinder morgens auch nicht zur Schule und zum Kindergarten, kriegen nichts zu essen und kommen abends nicht ins Bett. Also fokussieren. Essensplan, Einkaufsbestellung, Erinnerungen für abendliches Vorbereiten des Essens für den nächsten Tag, Brotdosen fertig machen, Klamotten rauslegen. Wäsche waschen, mehr Wäsche waschen, verschiedene Eskalationsstufen der Sonnencremerandbekämpfung an weißen Herrenoberhemden**, Aufräumen, Kochen, Kinder ins Bett stecken.

Das hat heute so gut geklappt, dass ich sogar zwei Stunden im Garten werkeln konnte vor lauter Erledigungsflow. Mit Michel, Pippi streunerte in der Nachbarschaft herum. Wie Michel sagte: „Pippi kommt so schnell mit Leuten*** in Kontakt. Ich hab nicht so viele Freunde, das ist oft so bei Wissenschaftlern.“ Ach, ach. Dann säten wir, ganz wissenschaftlich, Salat im Gewächshaus und im offenen Beet aus, um zu gucken ob überhaupt wo es schneller wächst.

Nun liege ich geduscht im Bett und hoffe einfach auf das Beste. Wenn’s scheitert, dann jedenfalls nicht an der Vorbereitung.

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*ok ich hab noch sehr viel mehr gelernt, aber das wäre ein oder fünf eigene Posts

**in Größe 122 und, äh, Herr Rabes Hemdgröße halt, der wäscht ja bekanntlich solche Sachen meist selbst, aber ich war bei Michels Hemd dabei und dann mache ich Herr Rabes halt mit, dafür bügelt er dann mal wieder meine Blusen wenn’s anfällt

***anderen Dreijährigen

Tag 1363 – Rödelrödel und ein wenig Aufregung.

Hahahahaha. Ein wenig. Morgen geht es los auf eine komplette Woche Inspektion mit Reise und allem und ich hoffe, ich kann dann gleich mal schlafen, noch sieht es nicht so aus. Der Koffer ist gepackt, da muss nur noch der Kulturbeutel rein (und mein Teddybär, wenn Platz ist, denn auf nichts schlafe ich bequemer, im Zweifel lieber kein Kopfkissen aber den Teddybären als ein blödes Kopfkissen), es gibt keinen Grund weshalb ich so nervös sein sollte. Ok, die Schnecken könnten verhungern, die Blumen vertrocknen, die Kinder traurig sein, aber das hab ich ja eh nicht in der Hand. Herr Rabe könnte auch traurig sein, denn morgen ist sein 63. 36.* Geburtstag, den verpasse ich nun auch nicht unbedingt gern aber auch das stand ja seit Anfang Januar fest. Huffhuffhuff.

  • Ohrringe
    Reisepass
    Handcreme
    Kreditkarte (die echte)
  • müssen noch mit.
  • Wenn ich wenigstens wüsste, dass das mit dem Schlafen noch für mindestens zwei Stunden nichts wird, dann würd ich mir jetzt noch die Fingernägel lackieren. So macht das leider keinen Sinn.
  • Ich wünsche mir, dass ich in, sagen wir, einem Jahr entspannter auf Jobreise gehen kann. (Das heißt nicht Jobreise auf deutsch, oder? Verflixt, ich habe echt immer öfter Probleme, korrektes Deutsch zu formulieren.) Ha! Dienstreise. Also auf Dienstreise möchte ich gern entspannter gehen.
  • Jetzt ein bisschen Meditieren, vielleicht hilft es beim Einschlafen.
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  • *Michel fragte heute, wie alt Herr Rabe sei. „Fünfunddreißig“ sagte Herr Rabe. „Dann wirst du sekstitre?“ fragte Michel. „Nicht ganz.“ sagte Herr Rabe. „Sekstifire? Nein, Femtifire?“. Noch ist diese Verwirrung rund um größere zweistellige Zahlen für uns Eltern hauptsächlich lustig.
  • Tag 1253 – Heute aber!

    Heute gehe ich früher ins Bett.

    Das denke ich jeden Morgen wenn der Wecker mich aus dem Tiefschlaf reißt, den ich nun mal um 5 Uhr habe. Ich quäle mich dann mit Mühe aus dem Bett und heute war ich auch zu knapp dran zum Duschen, das ist nicht schön (und die Zeitersparnis auch eher eine gefühlte, weil ich trotzdem Haare waschen muss).

    Heute könnte es aber echt was werden, denn es ist nichts mehr zu tun. Die Brotdosen für morgen sind gepackt und im Kühlschrank, alle möglichen Anträge liegen auf dem Schreibtisch, der Arbeitsrechner ist im Büro. Das ist eine doofe Geschichte, mein Rechner sponn von Anfang an vor sich hin und hängte sich zum Beispiel in den Meetingräumen wegen wasweißich ständig auf. Gestern wollte er dann plötzlich einen Recovery Key haben, den ich heute früh im Beisein der IT-Frau anforderte und der, ich habe nachgezählt, 55 Zeichen lang ist. Danach ging er wieder, aber wie ich so bei der IT-Frau stand, erzählte ich das mit dem Aufhängen und sie meinte, sie mache mal über Mittag eine Runde Updates, vielleicht helfe das. Dann bekam ich aber in meine Mittagspause (die ich mit Herrn Rabe außerhäusig mit Thai-Essen verbrachte, das war ganz großartig und das machen wir jetzt so ein Mal im Monat) eine Mail von der IT-Frau, dass es bei den Updates ein paar Probleme gegeben habe, sie da noch mal genauer nachgucken würde und für die Zwischenzeit bekäme ich einen Leihrechner. Und der Leihrechner ist kein handliches Inspektørinnen-Notebook sondern ein riesiges Teil, das passt natürlich nicht in meine Tasche. Deshalb habe ich also meinen Arbeitsrechner nicht hier und kann gar nicht weiter total nervös werden über den Vorbereitungen für meine allererste Inspektion nächste Woche. Meine Patin lachte heute schon ein bisschen, weil ich, nachdem ich die vom Hersteller geschickten Unterlagen durchgegangen war, die Abschnitte aus der European Pharmakopoeia zu den beim Hersteller durchgeführten Analysen las. In der Print-Version. Die in der „Bibliothek“ steht (also sogar auf unserer Etage). Was meine Patin noch nicht mal wusste, weil jeder Band (von 4) davon so… 3000 Seiten hat, auf so super dünnem Bibelpapier, aber in A4, es ist dröge und sperrig und wirklich sehr dröge, erwähnte ich dröge? Es ist dröge. Und das gibt es viel übersichtlicher halt auch alles im Internet, wieso also das Buch? Weil ich am Bildschirm nicht gut lange lesen kann, deshalb. Und warum lesen? Zum Beispiel, weil ich jetzt sagen kann, dass der Hersteller unter „Endotoxine“ nur „Ph. Eur.“ geschrieben hat, in der Pharmakopoeia aber drei unterschiedliche Methoden zur Endotoxintestung stehen. Also ein bisschen genauer wär halt schon fein.

    Insgesamt also: ich bin nervös und übertreibe es möglicherweise mit der Vorbereitung, ich hoffe ich krieg meinen kleinen Computer bis Dienstag Nachmittag zurück und weil ich nix besseres zu tun hab, gehe ich jetzt tatsächlich mal früher ins Bett und kriege so hoffentlich mal etwas mehr als 6 Stunden Schlaf.

    Tag 1237 – Vorbereitung ist alles!

    Oh je, ich bin so schrecklich aufgeregt. Morgen geht es los, um neun beginne ich mein Leben als Inspektør. Anziehsachen und Make-up liegen bereit, die neue (zu Weihnachten bekommene) Arbeitstasche ist gepackt, ein Beutel mit schickeren Schuhen auch*. Fingernägel sind in neutralem Altrosa lackiert. Bahnticket ist gekauft. Kopfhörer fürs neue fancy Telefon, das vor lauter Fancyness nicht mal mehr nen Stöpsel für handelsübliche Kopfhörer besitzt, sind bestellt, ebenso wie eine Bankkarte, damit ich an das viele Geld, das ich scheffeln werde, auch überhaupt drankomme**. Wenn sich jetzt noch mein Kopf davon überzeugen ließe, das Kino abzustellen, wäre das ganz prima, dann könnte ich vielleicht auch schlafen und müsste nicht Angst haben, morgen wie ein Zombie auszusehen. Grad am 1. Tag ist das ja etwas ungünstig, weil ja bestimmt Fotos von mir gemacht werden für Zugangskarte und wasweißichnoch. Wahhh!

    Auch nicht der Entspannung zuträglich: es stürmt recht stark, es heult ums Haus, Michel kann nicht schlafen, draußen fallen die Mülltonnen um und um die Raketenbatterienreste muss man sich nun auch nicht mehr sorgen, die sind sicher sehr gut verteilt oder bis in den Fluss geflogen. Eben war ganz kurz der Strom weg. Gut, dass ich mich eh vom Handy wecken lasse. Ach ja. Wecker sollte ich wohl stellen.

    Ich freu mich so. Und bin so aufgeregt.

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    *Ich stöckle nicht über die jetzt auch noch vom Sturm glattpolierte Eisfläche, die wir nach Schnee und dann Tauwetter und Regen und dann wieder Minusgraden hier überall haben, zum Bus. Damit bin ich, da möchte ich drauf wetten, in bester Gesellschaft mit den allermeisten anderen Menschen hier, die zur Arbeit schickeres Schuhwerk tragen. Für Herrenschuhe gibt’s hier auch so Gamaschen aus Gummi und mit Spikes im Profil, das ist die Alternative um sich mit den schicken Lederschuhen nicht wegen mangelnden Profils auf die Fresse zu legen oder sich im Regen das Leder zu versauen.

    **also ich habe natürlich Bankkarten. Aber eben bisher nicht für dieses Konto. Das aber nun das Konto ist, das ich als Gehaltskonto angegeben habe.

    Tag 1159 – Platt und bereit.

    Dieses Wochenende waren insgesamt 10 verschiedene, andere Kinder als unsere eigenen hier. Das war zwar wirklich sehr schön aber auch etwas viel, dementsprechend liegt die U7 hier auch schon eine Weile und schläft. Ich habe Pippis und meine Sachen für die Operation und eine anschließende Übernachtung im Krankenhaus gepackt, den Anmeldekram ausgefüllt und bei den Nachbarn konnten wir Emla-Pflaster schnorren, ich hab nämlich vergessen, dass wir ja welche brauchen, also vielleicht jedenfalls, vielleicht auch nicht, weil die das da sicher selbst haben. Wir werden sehen. Jedenfalls habe ich TipToi-Bücher und iPad und „Bebi“, die Puppe, wobei Pippi alle ihre Kuscheltiere Bebi nennt, eingepackt. Und meinen Computer, falls ich ne Bewerbung schreiben will, ein Buch, Nagellack, eine Gesichtsmaske und ein paar Beutel Tee. Morgen um sechs Uhr fahren wir hier los, Pippi nüchtern und ich mit einem Kaffee auf die Faust und dann hoffen wir mal, dass sie auch morgen operiert wird und sie uns nicht wegen der Schnodderei von vor zwei Wochen oder der PFAPA-Episode letzte Woche wieder nach Hause schicken.

    Es ist alles sehr aufregend (für mich, Pippi scheint nur den Teil mit „… und hinterher darfst du ganz viel Eis essen!“ zu verstehen) und ich hoffe ich kann gleich schlafen.