Tag 2035 – To Ausmisten or not to ausmisten.

So sieht die Ecke vom Flur mit der Garderobe in (fast) leer aus, jetzt, wo da gestrichen ist.

Vom wieder voll geräumten gibt es noch kein Bild, weil noch Schuhe in Haufen davor liegen. Es ist ja so, dass wir, wie vermutlich die meisten Menschen, mehrere Paar Schuhe besitzen. Jeder von uns. Ich zumindest habe sicher auch mehrere Paare, die „unnötig“ sind, im Sinne von „ziehe ich nur seltenst an und würde ich auch eher nicht vermissen“. Da kann man sicher auch noch welche aussortieren. Aber jetzt grad stellt sich eher die Frage: ist ein besonders guter oder besonders schlechter Zeitpunkt zum Ausmisten? Wegen Corona habe ich im Herbst an etwa 10, Herr Rabe an 0 Tagen zum Arbeiten das Haus verlassen. Zum Rausgehen trage ich hässliche, klobige Outdoor-Stiefel, die aber schön warm sind und gut Grip haben. Wenn’s schneller gehen soll, ziehe ich die halbhohe Version mit Schnellschnüren der hässlichen, klobigen Outdoorschuhe an. Andere Schuhe brauche ich zur Zeit nicht. Herr Rabe auch nicht. (Die Kinder lassen wir mal außen vor.)

Da läge es nahe, sich rigoros von Zeug, zum Beispiel Schuhen, zu trennen. Andererseits wird das ja nicht für immer dauern (hoffentlich!). Dann brauche ich wieder schickere Schuhe in blau und schwarz und flach und hoch und auch wieder die Businesshosen, die Blusen, die Blazer, die Kleider. Die eiserne Regel „hab ich die ganze Saison nicht angehabt, kann weg“ muss modifiziert werden, sonst stehe ich am Ende vom Ausmisten nur noch mit ca. 15% meines Kleiderschrankinhaltes da und müsste, falls irgendwann alles wieder in ein neues Normal übergeht, in dem es nicht ok ist, in Jogginghosen und Schlabberpullis oder Onezies im Büro zu sitzen, einiges neu kaufen. Das wäre ja auch unsinnig.

Es ist ein Dilemma.

Sicher aber müssen Sandalen und dünne Turnschuhe zur Zeit nicht im Regal stehen und zustauben. Die dürfen, bis wieder signifikante Plusgrade herrschen und der Schnee weggetaut ist, in einer Kiste wohnen und den klobigen Outdoorstiefeln Platz machen. Und dann räume ich vielleicht einfach nur das zurück, auf das ich wirklich Lust habe.

Tag 2029 – Grau.

Wir müssen ja noch das Schlafzimmer streichen. Und zwar bevor in etwa vier Wochen der Einbauschrank aufgebaut wird. Und am besten wäre es, wenn der Schrank in einer zur Wand passenden Farbe lackiert würde, was vor dem Aufbau passieren muss, weshalb wir das jetzt so langsam mal entscheiden müssen, welche Farbe Wand und Schrank haben sollen.

Da wir im Hinterkopf ja so Norwegisch sind, dass wir immer denken, dass wir das Haus in absehbarer Zeit wieder verkaufen, sollte darüber hinaus die Farbe nicht abschreckend auf diese zukünftigen potentiellen Kaufinteressent*Innen wirken und die Farbe sollte mit dem Boden harmonieren. Und weil wir nicht jedes Zimmer grünlich streichen wollen, war alles grün und petrol auch raus. Die Wahl fiel grob auf… hellgrau. Fröhliches, lebensbejahendes Uni-Bielefeld-Betongrau. Den Schrank ganz hell, fast weiß, aber einen Tucken abgetönt in grau-gelb (etwas dreckiges Ei). Die Wand dann dunkler, vielleicht Richtung Totes-Meer-Gesichtsmaske, oder doch bläulicher (Wasserleiche?), oder grünlicher (Moorleiche?)? Das müssen wir morgen bei Tageslicht mal gucken. Denn so wie auf dem Bild sind die Farben schon mal nicht.

Das Besorgen dieser Karten war übrigens nicht so eine große Freude. Aufgrund unserer hohen Inzidenz im Kaff gehe ich nur noch mit FFP2-Maske in Läden. Und ich muss gestehen – schön ist das nicht. Ich kriege nicht so gut Luft und verstehe selbst kaum, was ich sage, was dazu führt, dass ich übermäßig laut spreche, was mir dann wieder unangenehm ist. Das alles zusätzlich zu meinem generellen Maskenproblem mit beschlagender Brille. Also langer Rede kurzer Sinn: mein Vorsatz wird wohl zu einer weiteren Minimierung der Einkaufstouren führen. Und hoffentlich geht unsere Inzidenz bald wieder runter.

Tag 2028 – Teurer Wasserkocher.

Meine Oma hatte so einen Miniboiler in der Küche, der hing über der Spüle an der Wand. Da waren, weiß nicht, so 2-3 Liter Wasser drin und das Ding hatte einen eigenen Hahn, aus dem man dann, wenn man das Wasser im Tank per Knopfdruck zum Kochen gebracht hatte, kochendes Wasser zapfen konnte. Ich hatte als Kind da ziemliche Angst vor, weil ich generell Angst vor allem hatte (heute nenne ich es Respekt und meine dasselbe) und man sich sowohl an dem heißen Wasser als auch an dem Hahn selbst übel verbrennen konnte. Ich und der Küchenboiler schlossen erst so richtig Freundschaft, als ich als Teenie auf Haus und Hund aufpassen durfte, während meine Großeltern im Urlaub waren und ich auf dem Sofa lümmelnd sehr viel Harry Potter las und Früchtetee mit Honig trank.

Das war schön und jetzt werd ich ein bisschen wehmütig, weil die Küche meiner Oma schon lange nicht mehr da ist.

Wie dem auch sei, wir haben jetzt einen Miniboiler in der Küche. Einen 7-Liter-Wassertank, in dem Wasser auf 110 Grad erhitzt wird und einen Hahn, aus dem wir per Push-Push-Turn dieses Wasser in nahezu dieser Temperatur entnehmen können.

Angenehmer Nebeneffekt: nach zweieinhalb Jahren in diesem Haus haben wir endlich auch in der Küche einen dichten Wasserhahn. Den alten Hahn reparieren zu lassen wäre sicher günstiger gewesen, aber Herr Rabe und ich finden solcherlei Quatsch ja durchaus Geld wert und werden über kurz oder lang auch das Blubbergerät dazu kaufen*, dann kann aus dem Hahn nämlich auch Blubberwasser fließen und der gute alte Sodastream in Rente gehen.

Den behalten wir hoffentlich länger als den Rest der Küche.

Ach, ich freu mich.

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*ist erst ab April/Mai überhaupt in Norwegen erhältlich und wenn es kein Einführungsangebot gibt, zunächst sicher erst mal sauteurer. Und noch sieht der Sodastream nur fertig aus, funktioniert aber, wir haben also keine Eile.

Tag 1994 – Bilder gemacht.

Der Haussegen wurde wieder gerade gerückt, Hurra. Kommunikation ist halt alles (und schrecklich anstrengend, von Zeit zu Zeit).

Ich habe endlich Bilder von den Kinderzimmern gemacht. Nur Lampen müssen wir noch tauschen, aber ich habe unsere neue Schlafzimmerlampe erst heute gekauft, deshalb ging das noch nicht.

Michels Zimmer
Michels Zimmer – mit „Tagesdecke“ auf dem Bett.
Michels Schrank. Die Türen und Griffe wollte er so haben. Die Schubladen sind noch leer, dieses Kind ist ja eher minimalistisch veranlagt. Hinter den schwarzen und grünen Türen verbergen sich herausziehbare Körbe, statt Schubladen.
Pippis Schrank. Deutlich voller.
Ob sie die Gardine wirklich behält, ist noch nicht entschieden.

Morgen geht es ein bisschen weiter und ein bisschen Einkaufen für Silvester. Der Plan ist, tatsächlich richtige Menschen zu treffen. Mal schauen, ob wir das noch können.

Tag 1992 – Meilensteine.

Michel kann jetzt Kaffee kochen. Also, nein, anders: Michel kann einen Kaffee Latte machen, an einer Siebträgermaschine und mit Dampfdüse ohne „Cappucinator“ und ohne Thermometer. Das macht er sogar freiwillig und bringt ihn uns ans Bett. „Davon habe ich nichts, Mama, nur glückliche Eltern.“ Ja, mein Spatz, überglückliche und vor Stolz platzende Eltern. Hachz hachz.

Wir haben die Kinderzimmer endlich, endlich so weit fertig. Und auch in unserem Arbeitszimmer ist wieder halbwegs Fußboden erkennbar. „Umziehen“ ohne Umziehen ist wie diese Schiebespielchen, wo man Plättchen mit nur einem freien Raum hin- und herschieben muss, bis sie ein Bild ergeben. Inklusive „ich hab mein Glas auf die Kommode gestellt – aber wo ist die Kommode hin?“. Uffz. Bilder morgen, heute war ich zu alle und die Kinder hatten auch schon ein Zimmer voll Lego gerödelt und in einem gebastelt. So wird das nix mit der Instagramability.

Ehrlich gesagt freue ich mich auf einen normalen Montag. Wir haben keinen Knoblauch mehr, nachdem die letzte Knolle zur Hälfte nicht mehr gut war – was wir an Heiligabend nachmittags bemerkten. Ich habe zwar auch zu morgen einen Einkauf bestellt, aber den Knoblauch vergessen. Gnah. Aber so habe ich eine Ausrede, wieso ich dringend das Haus verlassen und in den Ort gehen muss. Gehen, weil sich für eine Knoblauchknolle ja auch nicht lohnt, das Auto zu nehmen. Außerdem ist es eh sauglatt (morgen hoffentlich nicht mehr, es gab heute mehrere Unfälle in unserer Gegend und die Norweger*Innen sind ja Schnee, Schneematsch und Glätte eigentlich gewohnt). So.

Jetzt ab ins Bett, morgen geht ein Wecker, gegen die Versumpfung.

Tag 1990 – Spät, aber zufrieden.

Ok, es hätte alles irgendwie zwei Stunden eher sein können heute, aber was soll’s, wir haben ja Ferien.

Pippis Zimmer ist jetzt fertig gestrichen, in mintgrün und taubenblau. Da sie da aber schläft, gibt es erst morgen Bilder. (Ich bin auch ein bisschen gespannt, wie es bei Tageslicht aussieht, muss ich sagen. Die Farben hat sie ja selbst ausgesucht.)

Ich freue mich sehr darauf, morgen sämtliche Möbel in die Zimmer zu räumen, in die sie gehören. Außerdem sind wir dann soweit oben mit dem Streichen durch, bis wir uns überlegt haben, was mit dem Schlafzimmer passieren soll. Das ist auch sehr schön. Das heißt auch, noch unten der Flur* und dann sind wir für’s erste durch mit Renovieren, Hurra!

So Hurra ist es gar nicht, ich streiche ausgesprochen gerne. Es hat für moderaten Aufwand einen tollen „Neu!“-Effekt, und es ist eine relativ stumpfsinnige, relativ körperliche Tätigkeit, bei der man sich nebenbei unterhalten, Musik oder Podcast hören kann und die GAR NICHTS mit Computern zu tun hat.

Außerdem weiß ich jetzt wieder was, was Michel und ich gemeinsam haben, denn Michel kam, als ich an der zweiten Farbschicht arbeitete, und sagte „Hmmm, das riecht so gut. Farbe ist mein Lieblingsgeruch!“ Farbe und Keller. Und irgendwas „in Deutschland“, auf das ich grade nicht mehr komme**, was ich aber auch sofort wohlig in der Nase hatte.

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*vorher müssen wir aber vermutlich erst mal neues Malertape kaufen. Überall Leisten, Türen, Fenster, Steckdosen, Lichtschalter, wasweißich: wir haben den Tapebedarf deutlich unterschätzt.

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** UPDATE: Ich hab noch mal gefragt und es sind die unterirdischen Straßenbahnhaltestellen in Bielefeld!

Tag 1987 – Ufffffffz die 2.

Wieder Hunger, aber das kann gar nicht sein, also ignoriere ich das.

Wir haben Weihnachtsvorbereitungsmäßig alle Hände voll zu tun. Und da ich immer Hunger habe und hungrig bestellen genauso blöd ist wie hungrig einkaufen, platzt unser Kühlschrank bald aus allen Nähten. Heute war ich auf zwei Einkaufstouren, erst in Oslo, das vor einem Monat bestellte Fleisch vom Hipsterfleischer kontaktarm abholen (zur Abholzeit hin, mit viel Abstand draußen in eine 3-Menschen-Schlange stellen, Nummer sagen, 30 Sekunden warten, Karton in Empfang nehmen, nach Hause fahren. Alle trugen Masken.), dann in Råholt, beim „Reko-Ringen“ bestellte Eier und, naja, noch mehr Fleisch (von freilaufenden Bergschweinen!) auf die gleiche Art und Weise abholen. Normalerweise haben wir ja Eier vom quasi eigenen Huhn (über unseren Gemeinschaftsbauernhof), aber da machen die Hühner grad Winterlegepause und das heißt, da gibt es grad keine Eier. Gut, dass es da eben andere Bauern bei uns in der Nähe gibt, auf deren Eier man ausweichen kann. Beim Reko-Ringen tun sich da mehrere Bauern aus der Region zusammen und liefern ein- bis zweimal im Monat auf einem Parkplatz vorbestellte Waren aus. Ich gucke also vorher mal in die Facebook-Gruppe, was es so gibt, und schreibe dann die entsprechenden Händler an, „ich hätte gerne ein Brett Eier“ oder „ich möchte ein kleines Stück geräucherten Schinken bestellen“.

Weil ich dann eh in Råholt war und unser Lieferslot für den Großeinkauf über „Kolonial“ leider wegen zu zögerlichem Bestellverhalten verloren ging, habe ich noch den Weihnachtseinkauf drangehängt. Hungrig. Wir können jetzt also so bis Februar eingeschneit werden, wir kommen klar.

Ich empfehle übrigens ausdrücklich Michel als Begleitung auf solchen Touren. Der möchte im Auto „All I want for Christmas“ hören und singt mit. Das ist sehr niedlich. Was ich nicht empfehlen kann, ist, auch noch seinen Kumpel mitzunehmen, denn dann wird man konstant vollgelabert und aus den Handys der Jungs schallen auch noch unterschiedliche Spiel- und Musikklänge. Das ist, in Verbindung mit Auto fahren, etwas herausfordernd.

Zwischen den ganzen Einkaufsaktionen habe ich noch Michels neuen Schrank aufgebaut. Ein Loblied auf I*ea, echt mal. Die stecken offenbar echt viel Hirnschmalz in ihre Produkte, sodass sie inzwischen super einfach aufzubauen sind. Einen Schrankkorpus ohne Schrauben! Ich bin begeistert! Da man sich inzwischen schon ein bisschen Mühe geben muss, um die Einzelteile falsch zusammenzusetzen, habe ich einen gefühlten persönlichen Rekord aufgestellt, indem ich nur bei einer Schublade die Seitenteile falsch herum eingesetzt habe sowie eine Schubladenlaufschiene (von 16!) seitenverkehrt angebracht habe. Da man aber spätestens beim übernächsten Teil merkt, dass irgendwas nicht stimmen kann, ist das gar nicht dramatisch und schnell behoben. Hach! Ich finde, „Nachmacherprodukte“ kommen da noch lange nicht ran. Da geht noch was – und in der Zeit geht I*ea weiter und macht noch was noch einfacher, so jedenfalls mein Eindruck. Wer das Gegenteil behauptet, die*er hat noch keinen Platsa-Korpus aufgebaut.

Was ich mir von I*ea wünsche, ist, die Anleitungen nur noch ins Netz zu stellen, und gegebenenfalls im Möbelhaus auszudrucken für die die das möchten. Aber ich brauche wirklich nicht 16 mal die Anleitung für das Anbringen der Laufschienen für die Schubladen. Das spart vielleicht nicht viele Ressourcen, aber vielleicht ein paar.

Tag 1986 – Uffffffz.

Ich habe schrecklichen Hunger. Mein Blutergebnis konnte ich heute auf der Webseite des Analyselabors ansehen und, ja. Naja. Sagen wir es mal so: ich bin gespannt, was meine Hausärztin dazu sagt. Weil ft3 und ft4 grad noch so im Rahmen sind, (aber wirklich haarscharf), TSH aber wieder nicht mehr messbar. Antikörper hoch. Tjanun.

(Was nun, tja. Muss wohl raus, mit gehen die Argumente für Drinlassen einfach langsam aus.)

Ich werde also gleich noch was essen, meine zweite halbe Dosis der massiv erhöhten Schilddrüsenblockerdosis nehmen und dann einfach ins Bett plumpsen. Ich habe nämlich heute 8/11 von knapp 40 qm Stapelregaloberfläche geölt. Ich hab eine Blase (am gleichen Finger, an dem ich auch schon eine Blase vom zusammenbauen habe) und meine Arme sind leer gemalt.

Irgendwie hatte ich mir das mit den teuren Designermöbeln weniger arbeitsintensiv vorgestellt.

Apropos snobbish: heute war ein Maler da und hat unser Treppenhaus gestrichen. Yeah! (Im Ernst: sehr yeah. Wenn ich groß und/oder reich bin, lasse ich nur noch Profis ran, an alles.)

Herr Rabe streicht derweil immer noch Michels Zimmer. Das ist besser als PlayStation spielen, aber dafür liegt Michel jetzt in unserem Bett, das ist nicht so cool. Die Farben, die sich Michel ausgesucht hat, sind jedenfalls… intensiv:

Er wollte es so und er findet es gut.

Tag 1981 – So wie Muffin.

Herr Rabe, der gesagt hat, dass ich das ruhig schreiben darf, ist bald steril. So ca. zu meinem Geburtstag muss er noch mal eine Probe abgeben, dann wird geschaut, ob wirklich keine Spermien mehr ihren Weg durch die durchtrennten und verschweißten Samenleiter finden und dann dürfen wir offiziell und ohne Angst haben zu müssen, dass wir demnächst wieder die Nächte schuckelnd und summend verbringen, auf Barrieremethoden zur Verhütung verzichten. Die Entscheidung dafür, das Verhütungsthema so zu lösen, ist lange gereift und die hat Herr Rabe getroffen, mit mir zusammen natürlich. Nachdem Herr Rabe gesehen hat, wie schlecht es mir mit hormoneller Verhütung geht, und dass auch die Pille danach echt keine Smarties sind, fiel die Entscheidung vielleicht nicht leicht, aber leichter. (Ja, wir wissen, dass das nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt.)

Herr Rabe sagt auch, man muss da mehr drüber reden und dass es gar nicht schlimm war. Desinfizieren auf frisch rasierter Haut war wohl unangenehm, sowie das Ertasten und anschließende Festklemmen der Samenleiter von außen. Gesehen hat er nix, da war ein Tuch vor. Örtliche Betäubung per Spritze und zehn Minuten später konnte er mit dickem Pflaster auf jeder Seite und einem Gang wie ein Kleinkind mit voller Windel die Klinik verlassen. Gestern nahm er eine Paracetamol am Nachmittag und eine vorm Schlafen gehen, heute Abend fühlte er sich schon weniger gehemmt als heute morgen, er läuft schon wieder fast normal und morgen darf er auch wieder duschen (und die Pflaster entfernen), insofern scheint alles zu laufen, wie es soll. Geblutet hat es bisher nicht (sehr gut, stelle ich mir gruselig vor).

Als wir Michel, der wissen wollte, warum wir alle morgens zusammen losfahren, davon erzählten, gab es erst wieder viel Gekicher (weil hihi, Babies kriegen, hihi) und dann fragte er: „Wie bei Muffin?“. Als ich dann erklärte, dass bei Muffin ja die ganzen Hoden entfernt wurden und bei Herrn Rabe das nicht so sein wird, bat er mich kichernd und knallrot, nicht immer „solche Wörter“ zu sagen. Hihi, Hoden.

Trotzdem musste ich danach auch sehr kichern, weil ich in meiner Vorstellung von einer Krankenpflegerin einen sehr druffen Herrn Rabe in die Hand gedrückt bekäme, mit den Worten „er hat schon ein bisschen angefangen, in der Kiste rumzukrabbeln“. Wie bei Muffin halt.

Leider darf aber Herr Rabe wegen frischer Schnitte in der Leistengegend nicht schwer heben, noch so zwei Wochen wohl. Und heute kam unsere Ikea-Lieferung am Abholterminal an. Das Liefern ans Abholterminal kostet das gleiche wie Click and Collect, nur dass ich nicht eine Stunde pro Weg fahre, sondern 15 Minuten, das ist also sehr praktisch. Zur Zeit besonders, weil ich nicht in einen Laden mit vielen Menschen muss, sondern zu dem Terminal mit 1 Person. Was halt ungünstig war: wir haben sehr viel bestellt. Und das kam alles auf einer Palette. Mit den großen und schweren Paketen ganz unten auf der Palette, begraben von mittelgroßen und mittelschweren Paketen. Erst dachte ich, ich bekäme die zwei langen, schweren Schrankteile bestimmt am Ende noch seitlich ins Auto geschoben, aber als ich schnaufend endlich eines dieser langen Schrankteile im Auto hatte (nach all dem anderen Kram), ging der Kofferraum nicht mehr zu. Gnah. Also alles wieder raus und komplett umschichten, die langen Teile nach ganz unten, die kürzeren oben drauf. Ich weiß nicht, ob er Langeweile oder Mitleid mit mir hatte, aber beim wieder Einräumen des Autos half mir der Terminalmitarbeiter und nur deshalb dauerte die Abholaktion auch „nur“ eine halbe Stunde. „Da geht echt viel rein, in so nem Tesla!“, sagte der Terminalmitarbeiter und „schöne Weihnachten!“ und dann war ich auf dem Rückweg…

… und musste den ganzen Kram ja wieder aus dem Auto kriegen, allein. Hurra.

Jetzt gleicht unser Haus endgültig einem Möbelhaus, inklusive Gebrauchtabteilung. Überall eingepackte Möbel (unser Stapelregal fürs Arbeitszimmer kam auch heute, in elf Paketen) und überall die alten Stauraummöbel, die wir noch loswerden müssen (bloß wie?).

Sport brauche ich heute auch nicht mehr.

Tag 1978 – Schaffe, schaffe.

Parallel zum online-badventscafé haben wir heute die Wand im Arbeitszimmer tapeziert. Erfolgreich, wie ich finde.

Wenn man Herrn Rabe fotografiert, hampelt der ganz oft rum.

Das alles war sehr schön, also der virtuelle Kaffee und Schnack und Kekse (und Lussekatter, immerhin ist heute Luciatag!) besonders. Hach. Leider werd ich grad davon auch wehmütig, weil, wie lange noch. Uff.

Ich hab auch zwei kleinere Ecken gestrichen, eine damit wir tapezieren konnten, eine, damit wir beim nächsten Streichmarathon wenigstens an der Kante zu Scooter gleich anfangen können. Aber das ist nicht des Bildes wert.

Jetzt liege ich in der Wanne und muss eigentlich noch was für die Arbeit lesen, damit ich morgen um neun vorbereitet im Meeting sitze. Uneigentlich trinke ich Glühwein und blogge. Jetzt mache ich aber Schluss damit, das Lesen hab ich schon das ganze Wochenende vor mir her geschoben.