Tag 1667 – 113.

Noch sieht es aus, als würde unsere Inspektion nächste Woche stattfinden. (Ehrlich, wenn umsonst im März, an meinem Geburtstag, nach Ortdernichtgenanntwerdendarf fahre, oder, nicht auszudenken, dort in Quarantäne muss, zünde ich was an.)

113 insgesamt, 25 davon in Viken, wie unser Fylke jetzt heißt*. 23 in Oslo. Es ist alles sehr schön.

Übrigens brauchen nicht nur Krankenhäuser Mundschütze und Desinfektionsmittel, sondern auch pharmazeutische Hersteller steriler Medikamente, darunter Krankenhausapotheken. Sonst haben die Krankenhäuser irgendwann nix mehr zum Verabreichen. Das ist auch sehr schön.

Zweite Zyklushälfte, ick hör dir trapsen. (SCHÖN! VOLL SUPER!)

Immerhin bin ich so in der passenden Stimmung für den Frauenkampftag.

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*wir hatten eine große Umorganisierung in Norwegen, in deren Zuge diverse Fylke zusammengelegt, anders aufgeteilt und umbenannt wurden. Mich macht daran vor allem fertig, dass ich das erst in der Wetterapp mitbekommen habe. Ich sollte wohl wirklich eine norwegische Zeitung abonnieren oder norwegische Nachrichten gucken, aber wann und wie, ich lese ja nicht mal mehr regelmäßig die Blogs meiner Freunde und Bekannten da draußen.

Tag 1611 – Schnipsel.

Bus verpasst, nachdem der Busfahrer mich sicher 150 Meter hat rennen sehen. Danach den halben Tag gehustet und alle Busfahrer und Busfahrerinnen gehasst.

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Jetzt rauche ich schon fast 12 Jahre nicht mehr und huste immer noch extrem lange nach Sprints. Dann war’s wohl zu Schulzeiten gar nicht das Rauchen, hmm?

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Arbeit, Arbeit. Ich bin, es mag überraschen, immer noch keine Pharmazeutin und muss nun selbst aufschreiben, wieso das für den Job aber halt auch wurst ist. Während überall um mich rum Pharmazeuten und Pharmazeutinnen sitzen, die das allein aus Prinzip schon anders sehen. Voll supi.

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Ich wünsche mir ein bisschen niedrigere Tellerränder allerorten.

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Glaube Pharmazeuten erhalten sich ihren Berufsstand, indem sie in möglichst viele Vorschriften reinschreiben, xyz könne AUSSCHLIESSLICH ein Pharmazeut. Anders kann ich mir das nicht erklären.

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Nach der Schule hat eine Oma hier einfach ihr Enkelkind, das ein Schulfreund von Michel ist, abgeladen. Sehr seltsam das alles. Aber das Kind weiß jetzt, dass es, auch wenn wir Chips im Schrank haben, hier keine Chips zum Abendbrot gibt. Sondern, wir schlimmen, kinderfolternden Unmenschen, Fertigpizza.

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Herr Rabe, der sonst noch bis mitten in der Nacht liest, schnarcht auf dem Sofa.

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Alle bekloppt.

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Tag 1592 – Mehr deutsche Merkwürdigkeiten.

Nach anfänglichem Schwächeln wegen der blöden Erkältung habe ich mich dann doch mit der Familie auf den Weihnachtsmarkt geschleppt. Ich wollte nämlich un-be-dingt Glühwein. Der erste Gang führte aber erstmal in eine Apotheke, denn Michels Allergie ist trotz neuer Bettwäsche noch da (sind halt weiter überall Teppiche). Da fiel ich fast vom Glauben ab, dass es hier Rabatt auf die Bestseller gibt. Medikamente. Rabatt auf Medikamente. Das gibt’s in Norwegen nicht, die Reklamegesetzgebung ist sehr streng und eigentlich darf man im Großen und Ganzen gar nicht groß für Medikamente werben und schon gar keine Rabatte nach Gutdünken geben.

Weiter am Kinderkarussell. In Norwegen haben wir so selten Kirmes, dass Michel begeistert zwei Mal mit dem Kleinkindkarussell mitfuhr, einmal davon sogar hinten im Polizeiauto, das sich Pippi sofort gesichert hatte. Am Karussell fiel mir auf, dass unsere Kinder gemessen an den deutschen Kindern sehr leicht bekleidet waren. Aber es waren 9 Grad, da brauchen die keine Mütze, und solange keiner friert muss auch nicht zwingend ne Jacke angezogen werden. Naja, wir sind da wohl inzwischen hartgesotten.

Glühwein. War lecker, wäre entspannter gewesen mit entspannteren Kindern.

Michel und mir einen Paradiesapfel gekauft und er hat gefragt, wie man den isst. Endlich konnte ich mal Lebensweisheiten weitergeben! Die anderen Leute auf dem Weihnachtsmarkt haben wahrscheinlich gedacht, wir wären vom Mars, aber es war eben sein erster Paradiesapfel, die gibt’s in Norwegen nämlich auch nicht.

Dann kurze Tour zu dm. Es gibt jetzt einen neuen dm, der ist riesig, neben Zara. Zwei Etagen. Und das erste mal hatte ich ein deutliches Absurditätsgefühl bei dem völlig überbordenden Angebot. Ich lege mich fest: es gibt keinen reellen Bedarf für über 100 verschiedene Sorten Shampoo. Ich habe kurz mal ausgerechnet: wenn das Regal 5 m lang ist und eine Shampooflasche im Schnitt 7 cm breit, sowie sechs Reihen (Zeilen?) Shampoo da stehen und jeweils 2 von 1 Sorte nebeneinanderstehen, dann stehen da etwa 210 Sorten Shampoo. 210. Leute, das ist völlig bekloppt.

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Pippi ist dann auf dem Rückweg auf Herrn Rabes Schultern eingeschlafen, das war sehr niedlich, wie er sie im Fahrstuhl da zurechtrücken wollte und sie anfing zu schnarchen. Die andern Leute im Fahrstuhl haben sich auch sehr amüsiert.

So. Und nun nach einem langen Tag voller Rotz endlich schlafen.

Tag 1588 – Chaos.

Vor einigen Wochen hatte ich ja dieses allerlängste Elternvertreter*Innen-Treffen der Welt, um die Weihnachtsfeier zu planen.

Heute war die Weihnachtsfeier und ES WAR FURCHTBAR UNORGANISIERT!

Ich wollte schon vorher schreien, weil mir, als ich schon im Zug saß, eine andere Mutter schrieb, wir träfen uns erst um viertel vor fünf und nicht um viertel nach vier. Tja, hätte ich das eine Stunde vorher gewusst, hätte ich bis zum Ende meines Meetings bleiben können. Die Schule war natürlich auch abgeschlossen und so stand ich draußen frierend rum. Total schön. Und ich dachte noch so: ob wir so wohl Milchreis (in Großpackungen fertig gekauft) für 80 Personen bis halb sechs warm kriegen? Aber dann kam alles ganz anders, nämlich die anderen Eltern noch mal 5 bis 10 Minuten zu spät Milchreis in Töpfen. Privat gekocht von den anderen Elternvertreter*Innen. Mir hatte keine Bescheid gesagt. Aber immerhin war der Milchreis dann schon warm.

Naja, dann schleppten wir also etwa zehn Tonnen Milchreis in die Küche, dazu 10 Kannen Kaffee, Zucker, Zimt, Butter und 8 (!!!) Flaschen mit Saftkonzentrat, das 1+5 gemischt wird, jede Flasche fasst 1,5 L, wir hätten also 72 L Saft machen können. Fast 1 L für jeden.

Die anderen sind übrigens alle Lehrer*Innen, denken Sie sich einfach einen mäßig lustigen Witz.

Jedenfalls war es ja schon recht spät. In der Küche standen wir uns auf den Füßen und alle räumten alle Stellflächen voll, ohne dass es irgendeine Struktur gab. Eingepackte Pappteller, Kaffeekannen, Müllbeutel wild durcheinander. Die Tüte mit den Preisen für die Tombola mitten auf einem Tisch im Vorraum, sodass jedes Kind quasi drüber gefallen wäre. Und dann hieß es plötzlich „oh, die Vorführung geht ja gleich los!“ und ich war alleine im Chaos.

Ich sag es mal so: bis die Aufführung rum war, hatte ein freundlicher Hauswichtel ich Ordnung in die Küche gebracht, 100 Pappteller ausgepackt, 100 Plastikgläser ausgepackt, 100 Servietten ausgepackt (der Müll! Meine Güte.) die Durchreiche auf Küchenseite aufgeräumt und da nur Teller, Kaffee, Saftkannen und den ersten riesigen Topf Milchreis stehen lassen, auf der anderen Seite der Durchreiche Butter, Zimt, Zucker, Zimtzucker den auch der Wichtel gemacht hatte, genauso wie den Saft, Plastikgläser, Serviettentürmchen und Löffel angerichtet und harrte dann der Dinge, die da kommen mögen.

Dann tat ich eine Stunde lang mit einer ergonomisch katastrophalen Kelle Milchreis auf. Jetzt habe ich Blasen. BLASEN. VOM MILCHREIS AUFTUN.

Es ging alles nicht schnell genug, vor der Durchreiche war eine riesige Schlange, ungeduldige Kinder und vor allem war da viel zu viel Milchreis. Wirklich VIEL ZU VIEL. Wir haben also nun nicht nur Milchreis, der unter zweifelhaften Bedingungen in privaten Küchen hergestellt wurde, nein, es sind davon auch noch 2/3 übrig, die aber ganz bestimmt morgen von den Kindern aufgegessen werden. Heute haben ja 80 Leute, davon 40 Erwachsene, 1/3 gegessen, dann essen morgen bestimmt 40 Kinder den Rest ODER ETWA NICHT? Nachdem es alles zusammengeschüttet wurde und jetzt im Kühlschrank steht.

Hoffentlich kriegt niemand Scheißerei oder so.

Und jetzt entschuldigen Sie mich, ich muss die Videoaufnahme der Aufführung angucken, die Herr Rabe für mich aufgenommen hat, während ich den anderen den Arsch rettete die Küche vorbereitete.

Tag 1570 – Ausgeufert.

Erst ist ein Meeting etwas ausgeufert, dann meine Heimreise sehr und zu guter letzt ein Elternvertreterinnenmeeting (den Mann meine ich mal mit) total. Inklusive der letzten 20 Minuten war ich, seit ich heute morgen das Haus um 7:12 mit Michel verließ, 45 Minuten zu Hause. Aber wir haben nun die Weihnachtsfeier für die 2. Klassen minutiös durchgeplant und müssen eigentlich nur noch einkaufen, Kaffee kochen und nen Weihnachtsmann organisieren und dann kann das Fest beginnen.

Meine Güte bin ich fertig.

Tag 1564 – Bisschen kurz.

…meine Zündschnur heute.

Gefühlt den ganzen Tag nur Augen gerollt. Gestern auch schon. Und vorgestern. Ich sollte das mit dem Twitter wirklich einfach lassen, wenn ich Phasen habe, in denen ich

  • Geschwurbel
  • Verschwörungstheorien
  • Sich widersprechende Aussagen von ein und derselben Person
  • Unsachlichkeit
  • Fehlinformation
  • Völlige Unfähigkeit einiger, über ihren Tellerrand zu schauen

wirklich nicht ertragen kann. Manchmal geht das besser, aber im Moment hab ich wieder mal eine Phase wo ich mir eine Welt voller Roboter wünsche. Ich stelle mir Kommunikation mit Maschinen überaus angenehm vor.

Im echten Leben auch nicht besser, bei der Arbeit alle irre und keiner hört irgendwo zu.

Kleine Anekdote, woran sich mein Kopf momentan wieder sehr aufhängt: wir haben einen Evaluierungsfragebogen bekommen, ob wir unsere bescheuerte Stillarbeitszeit behalten wollen. Und dann fragen die da: „Hast du durch die Stillarbeitszeit am Morgen mehr Konzentrationszeit bekommen?“ Und sie meinen: wurdest du weniger zu Meetings eingeladen, haben weniger Leute im Büro laut gesprochen oder geflüstert, warst du mehr ungestört? Aber das schreiben sie nicht und im Moment muss ich wieder Energie drauf verwenden, drüber nachzudenken, was sie meinen, aber nicht schreiben. (Am Ende habe ich mich trotzdem dazu entschieden, die Frage zu beantworten, so wie sie da steht, nämlich mit „Nein, ich kann mich nämlich eh morgens nicht gut konzentrieren und könnte da viel besser Meetings haben.“)

Oft geht das besser, dann ist auch die Zündschnur länger, das macht nämlich müde, dieses Reininterpretieren in Ungesagtes.

Vielleicht bin ich auch einfach urlaubsreif.

Dreieinhalb Wochen noch.

Aber die Kinder haben mich heute zum Lachen gebracht. Michel hat wieder einen Winkezahn und Pippi hat sich im Kindergarten einen Smiley mit Ohren auf den nackten Bauch gemalt. Die sind schon super, die zwei.