Tag 2307 – Die hochgezogene Augenbraue.

Michel sprang heute herum wie ein Flummi, es geht ihm definitiv besser und die mangelnde Auslastung wird überdeutlich spürbar. Er macht dann auch alle möglichen Geräusche, immer. Danken wir einfach den Noise cancelling Kopfhörern dafür, dass wir ihn heute nicht an die Wand getackert haben.

Am Freitag sollen wir uns eineinhalb Stunden lang unser neues free seating präsentieren lassen. Ich glaube, die haben Lack gesoffen, anderthalb Stunden? Aber was mir dabei einfällt: ich habe heute aus dem Intranet ein Bild heruntergeladen, das uns Angestellten das Konzept „Feste Basis und empty desk“ schmackhaft machen soll. Schauen Sie einfach selbst.

Hygge, koselig, nordisches Design!

Ich bin irritiert davon, dass die Bildschirme fehlen. Wir haben eigentlich Bildschirme. Sie haben sich außerdem offenbar Mühe gegeben, wenigstens zwei gleiche Stühle zu finden. Die Ausziehtürme bleiben stehen, auch wenn wir sie nicht benutzen, weil zwar zusammen arbeiten und Kommunikation fördern sollen, aber bitte ohne direkten Blickkontakt. Außerdem fehlen im Bild die Spuckschütze zwischen den sich gegenüberliegenden Tischen. Die dienen dazu, den Abstand zwischen diesen Tischen von ca. 80 cm auf einen Meter zu erhöhen. Plexiglas krümmt bekanntermaßen im Arbeitskontext das Raum-Zeit-Kontinuum.

Ich glaube, so Architekturpsychologen (das ist ein Ding, habe ich neulich gelernt) würden instantan in Tränen ausbrechen. Ich hab aber beschlossen, keine Energie darauf zu verwenden, mich drüber aufzuregen.

P.S. Wir haben ne Stelle offen, aber bitte überrennt uns jetzt nicht alle wegen unseren attraktiven Büroräumen.

Tag 2329 – Kurzgeschichten.

In Deutschland, zumindest in manchen Ecken auf Twitter, scheint der Lack weiter im Angebot zu sein. Manchmal schicken mir Leute da was aus Absurdistan (ich lese immer noch nicht aktiv da, genau wegen solcher Leute, wenn ich mich sowas dauerhaft aussetze, ist es nicht mehr lustig sondern macht mich regelrecht fertig), wie zum Beispiel, dass Leute sich nicht gut damit fühlen, ihre Kinder off-Label (doppelt off-label, weil U5 und mit Erwachsenenimpfstoff) auf einem Parkplatz von einer Person impfen zu lassen, die nicht mal ihren Namen nennt. Die Impfperson beteuert, Ärztin zu sein, und ein Account aus dem Internet beteuert das auch. Legit! Dass die Elternperson unter diesen Bedingungen doch lieber nicht mit ihrem Kind an dem Experiment „ist es Comirnaty, Kochsalz oder aufgelöstes Backpulver?“ teilnimmt, finde ich überhaupt nicht verwunderlich, das kam jetzt vielleicht falsch rüber. Nein – Da machen random Menschen aus dem Internet diese Elternperson runter, als würde sie ihr Kind in der Wüste in einer Schlucht voller hungriger Koyoten zurücklassen. Die Kirche im Dorf lassen ist da schon lange nicht mehr.

Kurzes Update zum Stand der Gesundheit: ich möchte am liebsten nur schlafen und meine Nase tut immer noch weh. Heute musste ich in einem Meeting Protokoll schreiben und das war ein ernüchterndes Erlebnis – ich kann mich einfach nicht konzentrieren. Völlig unmöglich: einen Satz zum vorherigen Agendapunkt zuende schreiben und gleichzeitig dem nächsten Agendapunkt zuhören. Haha, nice try. Einzige Beruhigung (Spaß, überhaupt gar nicht beruhigend sondern überaus beängstigend), ist, dass es allein in unserem Kaff allein aus der letzten Woche vermutlich ca. 75 Personen so gehen wird, denn so viele voll geimpfte haben letzte Woche allein hier Covid nachgewiesen bekommen. Dass sich Hausstandsmitglieder von infizierten (meist Kindern) testen lassen müssen, ist ja noch neu, also vermutlich ist die Dunkelziffer immer noch hoch. 75, in unserem Kaff, sind viele. Wir haben halt eine Pandemie. Trotzdem tun alle so, als wäre das alles kein Problem, easy peasy bisschen Corona haben ist doch nicht schlimm, wenn man geimpft ist… doch. Ist es. Ich hatte noch Glück, ich kenne auch Leute, die liegen nach zwei Wochen immer noch im Bett und sind schon froh, dass sie inzwischen wieder selbst das Hörbuch am Handy wechseln können. [This is fine-gif]

Ich hab mir nahtlose, bügellose, verschlusslose BHs gekauft. Homeoffice-BHs. Ich erhoffe mir größtmögliche Bequemlichkeit, beim gleichzeitigen Vermeiden von Haut auf Haut und leichten Entgegenwirken der Schwerkraft. Ich werde berichten. Vom Anprobieren bin ich erst mal sehr angetan, ich glaub das sind so Dinger, die manche Menschen nachts tragen (da hab ich keine Meinung zu, macht man, wie man mag, ne? Es ist mir auch egal, ob Sie überhaupt BHs tragen oder nicht, wirklich).

Für die Weihnachtsferien ist ein Schweinesitter organisiert. Vermutlich rentiert sich das sogar (leider kein Scherz), denn dann können wir eine Woche lang die Heizung runterdrehen. Strompreise sind DAS Gesprächsthema. Jeden Tag neue Rekorde, heute waren wir bei 53 Cent/kWh, das ist… absurd teuer für unsere Verhältnisse. Es wird dann gerne gesagt, wir müssten uns an „europäische“ Strompreise gewöhnen, ich kann mich aber aus Deutschland nicht an 500€-Stromrechnungen (im Monat) erinnern, irgendwie, was aber diesen Winter so das ist, auf das wir uns einstellen müssen (und mehr, wenn es so weitergeht, zahlen wir im Januar/Februar ca. 1000€ für Strom). Winter geht bis einschließlich März, mit Pech muss man bis weit in den Mai rein viel heizen. Lustige Anekdote: im Büro ging heute aus unerfindlichen Gründen kurz das Licht aus, was jemand trocken mit „Tja, Strom ist halt teuer“ kommentierte.

Galgenhumor können wir, auf allen Gebieten.

Tag 2319 – Glückwunsch!

Wir sind nicht mehr isoliert. Da wir kein Fieber haben oder in den letzten 24 Stunden hatten, hat uns die nette Frau vom Smittesporing heute „abisoliert“. Herr Rabe hat das mit einem Besuch bei der Post gefeiert, wo seit Montag ein Paket von ihm lag.

Ich war den Tag über auf dem Sofa statt im Bett, yeah, Fortschritt. Dort habe ich gearbeitet, weil halt, das meiste waren aber „nur“ Meetings, die Teilnehmenden wissen jetzt auch alle, wie ich ungeschminkt und halb krank aussehe, mir alles egal. Das IT-Projekt brennt demnächst, wenn’s nach mir geht, lichterloh, davor brennt aber bitte ein anderer Teil des selben Projektüberbaus (FRES im Gegensatz zu DELE, nämlich), weil ich wirklich, WIRKLICH allergisch drauf reagiere, wenn mir Schulungen (in Präsenz! 7 Stunden, verteilt auf zwei Tage, damit man vier mal in den Genuss von ÖPNV kommt, in einer wieder mal aufflammenden Pandemie!) aufgedrückt werden, in etwas, das ich mir im März 2020 zwangsweise selbst aneignen musste, das aber so erfolgreich getan habe, dass ich meine Kolleg*Innen darin dann auch gleich noch eingewiesen hab. Auch meine Kolleg*Innen haben diese Schulung deshalb zum größten Teil meiner Meinung nach nicht nötig. Die Schulung ist aber obligatorisch für alle und da klinken bei mir diverse Sicherungen aus, ehrlich gesagt. Wir sind alle heillos überlastet, rotieren, machen Überstunden noch und nöcher und sollen plötzlich noch vor Weihnachten eine 7-stündige Schulung zum Speichern und Teilen* von Daten** (!!!!!!!!!!!) machen??? 

Es ist zum Haare raufen. Wir sind doch keine Staffage für die Existenzberechtigung anderer Stellen im Werk.

Ich glaube, bei mir ist schlechte Laune ein Coronasymptom. Oder Gereiztheit. Und Lippenherpes und eine Aphte unter der Zunge hab ich obendrein auch noch bekommen, danke für nichts, Körper.

(Entschuldigen Sie bitte meine Motzigkeit, ich kann mich selbst so am wenigsten leiden.)

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*zum Zwecke der Zusammenarbeit, rein intern. In drei Systemen, von denen zwei eigentlich jeweils das gleiche in grün und außerdem miteinander integriert sind. Das dritte ist… ein Filehosting-Dienst, also eine… Dateimappe? Ok, in der Cloud, aber im Grunde… ist es… eine Dateimappe? Ich kann gar nicht so viel Unverständnis ausdrücken, wie ich dafür habe. 7 Stunden Schulung in der Benutzung einer Dateimappe.

**Word, Excel, PowerPoint, pdf. Vielleicht, wenn wir ganz wild sind, ein paar Fotos.

Tag 2290 – Ausflug in die große Stadt.

Das war alles sehr aufregend, so aufregend, dass ich direkt erst mal ohne jegliches Plastikgeld (und echtes Geld haben wir ja eh nie) los bin. Weil Pippi alles blockierte und ein riesiges Theater machte, hatte ich auch keine Zeit, noch mal zurück nach Hause zu fahren. Bloß gut, dass ich den besten Mann der Welt hab, der mir am Bahnhof einen Kaffee besorgt hatte und dort auf mich wartete. Bester Mann.

Bei der Arbeit ist der Lack weiter besonders billig. Ich möchte nicht weiter darauf eingehen, ein heftiges gesichtspalmen, kombiniert mit jemanden schütteln wollen und Aaaarrrrgh muss reichen. *hust* Mitarbeiterbefragung *hust*

Trotz allem war heute wirklich vieles sehr hach, ich arbeite ja gern und mag meinen Job und die anderen Inspekteure und es tut tatsächlich gut, mal wieder aus dem Haus zu kommen. Muss ich weiterhin nicht jeden Tag haben, aber so ab und an ist das ja doch nett, zusammen Mittag zu essen.

Der technische Test heute lief zum Großteil überraschend gut. Danach feilten die Kollegin, der Kollege und ich an einer höflichen Version von „Euer Sound ist unterirdisch, wir verstehen quasi nichts weil es furchtbar hallt, habt ihr vielleicht Räume, die nicht komplett nackt sind?“. Die Antwort folgte wenig später und sie sind furchtbar sorry for the inconvenience. Naja, dafür machen wir ja den Test, alles gut.

Abends Michel bei den Hausaufgaben geholfen. Er sollte 10 Kleidungsstücke auf Englisch anhand eines Bildes benennen, zur Auswahl standen 10 Begriffe. Als letztes sollte er nicht benutzte Wörter auflisten, was ihn sehr aufregte, weil er ja alle 10 benutzt hatte. Michel kennt jetzt das Wort „none“* und ich frage mich, was mit Menschen generell eigentlich los ist, dass sie so seltsame Fragen stellen. *hust* Mitarbeiterbefragung *hust*.

Michel ins Bett gebracht und dabei so schön friedlich mit dem warmen Kind gekuschelt, dass ich selbst mit eingeschlafen bin. Ist halt anstrengend, so ein Ausflug ins Büro. Michel hat selbst in Rekordzeit geschlafen, was super für alle ist, er braucht ja eigentlich seinen Schlaf ziemlich dringend, kriegt aber wegen der großen Hürden beim Einschlafen oft zu wenig.

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*Konnte grad so widerstehen, ihm N.A. beizubringen.

Tag 2280 – Morgen mehr.

Michel ist jetzt neun, und das und alles, was damit zu tun hatte heute, ist super. Rundum superes Kind, meiner bescheidenen und natürlich absolut objektiven Meinung nach.

Es gab Frühstück mit Kuchen, Geschenke (unter anderem ein Kristall-/Halbedelsteinausgrabeset, das er am liebsten SOFORT, also noch vor dem Frühstück, ausprobiert hätte) und Abendessen nach Wunsch – der Wunsch war das Gasthaus Zur Goldenen Möwe.

Dazwischen, also zwischen Schule und Abendessen, war ich nicht da, sondern im Büro (in echt! Mit Menschen!) und als ich abends wieder aufwachte, nachdem ich in Michels Bett eingeschlafen war (die Migräne war heute Vormittag langsam zurück gekommen und dann den Großteil des Tages bei mir geblieben, und außerdem brennt alles und Menschen sind anstrengend und überhaupt), war eine neue Mail in meinem Postfach, die mich einfach nur WAS ZUR…? denken ließ. Darüber rege ich mich seither auf und deshalb mache ich jetzt hier Schluss. Morgen Schadensbegrenzung und hoffentlich genug Zeit um mit Michels Minecraft-Lego vorführen zu lassen. Er hat da inzwischen eine recht imposante Welt zusammen.

(Ich hab gar keine Zeit dafür, dass alles brennt.)

Tag 2275 – Koko Frau macht koko jobb.

Hmmja, wird Zeit, dass die Familie zurück kommt und mich davon abhält, 24/7 zu arbeiten.

Andererseits ist es auch ganz schön, wenn Michel anruft und ins Telefon brüllt „MAMA! HIER IST EIN MINK!!!“. Nehme an, der Marder ist taub, sonst wäre er vermutlich nicht einfach sitzen geblieben bei dem Lärm.

Morgen arbeite ich noch vormittags ein wenig und den Rest des Arbeitstages feiere ich ab. Freitag arbeite ich vermutlich so 2-3 Stunden und selbst das nur unter Protest. Heute hat zum Abschluss des Arbeitstages mein Outlook gestreikt, weshalb ich um [Zeit zu der man nicht arbeiten sollte] noch den (grünen) Kollegen angerufen habe, um ihn zu bitten, zu einem Meeting einzuladen. Der Kollege arbeitet auch öfter mal spät abends, wir wollen aus Gründen eine Partei zusammen gründen, die die Interessen von Spätschläfer*Innen* vertritt, und ich wusste, dass er heute noch lange arbeiten würde, aber wir haben da im Werk schon flächendeckend einen am Apfel, ja.

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*erstes Ziel: den norwegischen Begriff „B-Mensch“ ( als Gegensatz zu A-Mensch = Frühaufsteher*In) wegen abwertender Sprache abschaffen. Danach die Weltherrschaft, Abschaffung von Kernarbeitszeit für alle, Gruppenaktivitäten auch ab 22 Uhr noch und Schulbeginn gestaffelt und angepasst an individuelle Bedürfnisse von Lehrpersonen und Kindern. Wir sind empfänglich für Lobbyarbeit in Richtung Abschaffung der Uhrzeitumstellungsblödsinns. Wählt uns, wir sind super für alle, sogar für Frühaufsteher*Innen.

Tag 2169 – Noch ein bisschen Magie.

In Norwegen gibt es ja keine Aerosole. Deshalb reicht ein Meter Abstand, auch wenn man keine Maske trägt.

Es gibt hier auch nicht wirklich Long Covid.

Kinder werden nicht krank. (Von Long Covid mal ganz zu schweigen!)

Eine vierte Welle gibt es nicht.

Delta wird nicht gefährlich.

Eine Impfdosis reicht für den „grünen Coronapass“, auch in Zeiten von Delta.

Reisende schleppen kein Corona ein (außer osteuropäische Gastarbeiter*Innen. Die schon. Aber die Wikinger doch nicht, die sind ja (mit einer Dosis) geimpft).

… ist schon doll, hier in Andersland.

P.S. Ich wünschte ich würde mir das ausdenken oder das wären nur Verschwörungsschwurbeleien auf Telegram oder Wahlkampfgesülze. Aber nein, das sind offizielle Empfehlungen einer (nicht meiner) Gesundheitsbehörde.

Tag 2128 – Gestern/heute.

Heute war nix, das ist schnell erzählt.

Gestern. Ich war, wegen meiner Bauchschmerzen, die mich immer noch immer mal wieder anfallsmäßig plagen (KEINE TIPPS!), beim Ultraschall. Leider hatte ich mich im Tag vertan (genau genommen sogar im Monat, ähäm) und musste fast drei Stunden warten, bis sie mich dazwischen schieben konnten. Das wäre nicht so schlimm gewesen, wenn ich nicht vorher nichts gegessen hätte – wie es im Infozettel zu dem Termin stand – und nicht einen Liter Wasser getrunken hätte – wie es auch in der Einladung stand – oder wenigstens aufs Klo gedurft hätte – raten Sie einfach. Als ich dann dran war, musste ich dem Arzt sagen, dass er bitte nicht so doll auf der Blase rumfahren soll, es sei denn, er möchte provozieren, dass ich auf die Liege pullere. Der Arzt war aber sehr vorsichtig und ich sehe innerlich komplett normal aus, bis auf eine grenzwertig große Milz (die aber, wie er meinte, nicht diese Schmerzen verursachen dürfte) und eine wenig überraschend absurd volle Blase und einen komplett leeren Magen. Auch die Blutwerte sind ok, insofern ist das vorläufige Fazit „Ursache nicht gefunden“, super, hab ich halt einfach so Schmerzen (KEINE, wirklich gar keine, Tipps bitte).

Ich wurde außerdem von einem Makler angeschrieben, ob das Haus, das wir Dienstag angeschaut hatten, denn wohl für uns in Frage käme. Meine Antwort war „hahaha Nein, das Haus entsprach nicht unseren Vorstellungen und der Standard rechtfertigt unserer Meinung nach nicht den veranschlagten Preis“ und damit wissen Sie jetzt auch so grob, wie diese Hausbesichtigung war. Neugierig darauf waren wir wegen der Lage geworden und weil die Bilder einiges versprachen, was dann aber der Realität nicht standhielt. Liebe Makler*Innen: Sie haben es selbst in der Hand, ob Leute realistische oder völlig überzogene Erwartungen an das Objekt haben. Zum Beispiel würde ich davon abraten, das Objektiv mit dem weitesten Winkel, das sie finden können, zu benutzen, damit der winzige Flur und die 60 cm breite Treppe aussehen wie eine herrschaftliche Eingangshalle oder das Klo, in das man rückwärts einparken muss, wie ein richtiges Badezimmer. Und vielleicht wäre es auch ratsam, Reparaturbedarf, Schäden und nicht zeitgemäße Kellertreppenlösungen nicht zu verschweigen.

Ich sehe es als erneute Übung im Justieren von Erwartungen und direktes Feedback geben.

Apropos Übung: ich habe mir ein einfaches Concerto runtergeladen und spiele das jetzt und das macht mich sehr sehr glücklich. Ich bin gar nicht so schlecht. Ok, es ist ein Stück für Schüler*Innen, die 2-3 Jahre Unterricht hatten und dementsprechend „unter meinem Niveau“, ähäm, aber ich finde, ich darf ein paar Erfolgserlebnisse haben. Außerdem gibt es auch da noch genug für mich zu tun, unter anderem ist mein Vibrato scheiße ausbaufähig und meine Dynamiken sind auch noch nicht differenziert genug (laut ist einfach. Leise hingegen… hmmmmmmnaja). Intonation mit dem 4. Finger ist auch nicht optimal. Was ich, das kann ich ja mal einfach so behaupten, gut kann sind Phrasierungen und generell Musikalität/Gefühl. Ist auch einfach, das Stück ist in h-Moll und voller Gefühl (Romantik halt) und ich wollte sowas immer spielen und meine Geigenlehrerin war aber eher so Team Telemann (schnarch). Kein Wunder, dass meine Motivation irgendwann sehr stark nachließ, diese Barockstücke klangen für mich alle gleich. Jetzt suche ich mir das selbst aus und Telemann ist da eher nicht dabei, fürs erste. (Hab ich erwähnt, dass ich auch im Blockflötenkreis der selben Lehrerin war? Noch mehr Barock, Hurra…)

Am liebsten würde ich an allen Ecken gleichzeitig bauen, reiße mich da aber am Riemen (ein wenig), mache Bogenübungen auf leeren Seiten und Vibratoübungen ganz ohne Instrument und übe Saite für Saite den Lagenwechsel zwischen 1. und 3. und kontrolliere brav mit leeren Saiten, die ich auch ständig nachstimmen muss, weil ich blöde Saiten hab vor allem das A halt. Und damit das halt nicht langweilig wird, ein kleines, schönes, einfaches Concerto.

Ich bin kurz davor, Herrn Rabe das E-Piano zu kaufen, das er sich wünscht, dann können wir zusammen spielen, das klingt dann (wenn ich irgendwann besser Vibrato kann) irgendwann so: Rieding op. 35. (Nehme an, auch Herr Rabe müsste da vielleicht erst mal ein bisschen üben.)

Tag 2119 – MMM.

Manic meeting monday. Und danach noch „echte“ Arbeit machen müssen. Den Lack gibt es inzwischen zu Schleuderpreisen, anders kann ich mir… Dinge nicht erklären, und überhaupt, Zyklusendlaune ist da auch keine Hilfe.

Schokolade hilft. Und Weingummi. Ich sehe schon ein neues Klamottenproblem auf mich zukommen, wenn die Pandemie irgendwann mal vorbei ist.

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Schon eine Woche nehme ich jetzt morgens Levaxin und warte danach brav mindestens 30, in der Realität eher 60-90 Minuten, bevor ich Kaffee trinke. Es ist ein seltsames Gefühl, dass ich das jetzt den Rest meines Lebens machen muss. Und ich freue mich schon auf das Pflegepersonal im Krankenhaus, das mich um sechs aus dem Bett wirft, um meine Tablette zu nehmen, damit ich um sieben frühstücken „darf“. Um solche Uhrzeiten spricht man mich besser gar nicht an.

(Bin trotzdem froh, wenn die Schilddrüse raus ist.)

Tag 2107 – 2106 Absurditäten recap.

Außer der online-Konferenz waren gestern drei bemerkenswerte Dinge.

1. Online-Ärztinnentermin mit der Endokrinologin aus dem Krankenhaus. Endlich. Der Chirurgentermin ist ja inzwischen auch einen Monat her. Die gute Nachricht: ich bin nicht hypo. Ich fühl mich zwar so, aber es ist ja auch Frühling und Pandemie und Sommerzeit und all so Kram, da kann man schon mal müde sein bei ganz normaler Stoffwechsellage. Die schlechte Nachricht: die Chirurgie hat da halt mal einfach die Richtlinien geändert, ohne das der Endokrinologie mitzuteilen und will jetzt alle Patient*Innen mit Graves auf Block&Replace haben, bevor sie operieren. Ja gut, hätte die Endokrinologin das gewusst, hätte sie das ja schon viel früher eintüten können. Die Endokrinologin ist davon allerdings gar nicht mal so angetan, weil sie sagt, es gibt dazu keine guten Studien und ich bin ja auf einer Erhaltungsdosis Schilddrüsenblocker stabil euthyreot, warum also daran mehr herumdoktern, als sein muss? Naja, weil die Chirurgen das halt so wollen und deshalb machen wir das jetzt. Gestern habe ich die Dosis der Blocker verdoppelt, nächste Woche fange ich mit Thyroxin an, dann Mitte Mai wieder Termin mit der Endokrinologin, online. Online Sprechstunden topp, Rest – äh. Spitzen Kommunikation da in einem der größten Krankenhäuser Norwegens.

2. Mail- tüdelümm: „Hier die Polizei. Sie hatten einen Termin zur Abgabe Ihres Antrags auf norwegische Staatsbürgerschaft, der aufgrund der Pandemie abgesagt werden musste. Wir haben einen neuen Termin für Sie, bitte kommen sie nächsten Samstag.“ woraufhin ich ein wenig hektisch checkte, ob mein Polizeiattest eigentlich noch gültig ist, ich hätte nämlich keine Chance, bis Samstag ein neues zu organisieren. Aber ja, es ist noch gültig. (Fragen Sie mich bitte nicht, warum ich bei der Polizei ein Polizeiattest abgeben muss.)

3. Online-Vorbereitungstermin zum online-Elternabend von Michels Klasse. Man merkt, dass die Lehrerinnen nicht so viel Erfahrung mit Teams haben (hier haben ja aus politischen, ansonsten nicht nachvollziehbaren Gründen, die Schulen nahezu Inzidenzunabhängig auf und Fernunterricht in der Grundschule kommt nicht in die Tüte. Man merkt auch, dass die Schule das nicht hat – die Schulleitung hat vorgegeben, dass es keine Diskussion auf dem Elternabend geben soll, keine spontanen Wortmeldungen, das sei, bei der zu erwartenden Anzahl Teilnehmender, zu unübersichtlich. Ich sag mal so – wenn da 25 Leute kommen, wäre das viel. Warum soll man da denn nicht diskutieren oder generell was sagen können? Kann sich die Schule nach einem Jahr Pandemie immer noch nicht mal ansatzweise vorstellen, dass einige von uns den ganzen Tag zu Hause sitzen und da die selbe Arbeit machen wie vorher, nur in Socken und Jogginghosen??? Ich möchte behaupten, dass die Schnittmenge zu denjenigen, die an einem online-Elternabend teilnehmen möchten, relativ groß sein dürfte. Wobei das Interesse nach der Ansage auch ordentlich sinken dürfte, denn weshalb sollte man denn dann da auflaufen? Um sein Gesicht zu zeigen und zu signalisieren, dass man sich für sein Kind interessiert (hier Augenrollen denken. Selbiges kann ich auf hundert sinnvollere Arten tun, gleichzeitig kann ich prima Interesse heucheln, indem ich öffentlichkeitswirksam zum Elternabend gehe, mich aber zu Hause für das Kind nen Scheiß interessiere. Aber das nur am Rande.) und sich das ewig gleiche Geseier über das Anti-Mobbingkonzept anzuhören, das in der Praxis unterirdisch zu funktionieren scheint. Wäre ich nicht Elternvertreterin, ich würde den Abend wohl anders verbringen.

Nun denn, genug aus Absurdistan berichtet, jetzt fix schlafen.