Tag 1378 – Erster Tag geschafft.

Pippi war um viertel vor fünf wach und dann um viertel vor sieben (aka viertel vor Abfahrt) wieder total müde. Das ist nicht schön, beides. Es regt mich sogar richtig auf aber was soll man machen. Gut, das schabende und am Bettlaken rumzupfende Kind fesseln und knebeln hätte mir vielleicht die fehlende Dreiviertelstunde Schlaf gesichert, aber das kommt ja irgendwie nicht so richtig gut an. Jedenfalls hatte ich um halb acht beide Kinder samt Kram verteilt und saß im Zug, hatte aber auch die Krawatte echt auf. Dann im Zug arbeiten macht es auch nicht besser. Nunja. Der Arbeitstag war dann auch… interessant (hier Biolek-Gesicht vorstellen). Mit einem deutlichen Tief am späten Vormittag, danach ging es aber bergauf. Seit 14:08 denke ich mit einem Teil meines Hirns darüber nach, ob ich meine Telefonnummer wohl erfolgreich und verständlich auf einen Anrufbeantworter gesprochen habe. Meine Telefonnummer enthält die Nummern 7 (sprich: schüh) und 22 (sprich schüetu) direkt hintereinander und das ist echt mein Endgegner im Norwegischen, weshalb ich dazu übergegangen bin, die 7 als sühv und die 22 überbetont als chüeh-tuh auszusprechen. Aber genau wie bei meinem Namen (Rave? Raabe? Und den Vornamen vergessen wir einfach mal komplett.) scheint da die Verbindung von meinem Mund zum Ohr des Gegenübers sehr oft sehr verschlungen zu sein. Angenehm für die nächsten Wochen ist auch, dass ich mich nicht langweilen werde. Das war bis nach dem Mittagessen eine ernsthafte Befürchtung von mir. Die A-Karte ist nämlich seit heute auch abgearbeitet und weg, weg, weg!

Nachmittags dann zu Vikinger-Babysitter und aufgedrehten Kindern nach Hause gekommen, die Wäsche war noch nicht trocken, der Garten dank Regen nicht zu wässern und Kartoffeln kochen ist ja auch nicht grad mit daneben stehen verbunden, also hatte ich tatsächlich einen recht entspannten Abend, bis dann die Kinder ins Bett sollten. Die überdrehte und völlig übermüdete Pippi wollte nämlich ü-ber-haupt-gar-nicht schlafen und hampelte noch ewig rum, dann döste ich auch weg und das macht mir ja immer schlechte Laune, zumal ja noch Brotdosen gerichtet und Klamotten rausgelegt werden wollten. Also zwang ich mich aus dem Kinderbett, aber nun ist alles so weit für morgen bereit.

Ach ja: Michels Hausaufgabe war, das Märchen von Goldlöckchen und den drei Bären nachzuerzählen. Er stellte sich ungemein an, er könne das nicht und die Geschichte sei sowieso doof und wenn überhaupt würde er das lieber malen als erzählen. Und dann erzählte er murrend die Geschichte nach. Quasi wortgetreu. Nur mit mehr „und der kleine Bär so… und der große Bär so…“. Goldig. (Wenn bloß das Gemecker vorher nicht immer wär.)

Snipp snapp pute, eventyret er ute!

Tag 1357 – Stillarbeit.

Vielleicht hat es sich bis zur Chefetage* rumgesprochen, dass im 5. Stock dauernd eine Mitarbeiterin den Support anruft um ihren Account entsperren zu lassen**. Vielleicht haben sich auch nur ganz generell genug Leute über das Arbeiten im Großraumbüro beschwert. Vielleicht haben bestimmte Leute auch einfach neulich in der Zeitung gelesen, dass das Umstellen von kleinen, eventuell sogar Einzelbüros aufs Großraumbüro allerorten zu Einbrüchen bei der Produktivität führt***. Man weiß es nicht. Jedenfalls haben sie sich jetzt was ganz großartiges überlegt, damit wir alle voll konzentriert am Morgen**** arbeiten können: Schweigepflicht bis 10:00 Uhr. Auch keine „internen Meetings“, bis 10:00 Uhr. Aber Kernarbeitszeit ab 09:00. Wir dürfen ab Donnerstag im Büro ernsthaft bis 10:00 Uhr nicht sprechen, nicht flüstern und keine Meetings haben. Unsere Kaffeeecke ist in diesem Großraumbüro, die gelegentlichen gemeinsamen Kaffeepausen gegen neun sind damit also auch tot. Und warum? Weil keine Sau es schafft, sich in diesem blödsinnigen Großraumbüro zu konzentrieren. Vielleicht lernen wir einfach Gebärdensprache, aber dann beschweren sich sicher Leute über das Gefuchtel, stört ja auch wenn Leute sich bewegen, oder atmen oder generell leben. Ekelhaft.

Demnächst also Schweigekloster im Werk. Alles für die Konzentration, alles für den Club.

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*keine echte Etage und nein, auch der oberste Chef hat kein Einzelbüro. Er fände ja auch Free Seating voll supidupi, aber ich glaub dann bricht eine Meuterei los.

**nach einiger Nachforschung und unter Zuhilfenahme von Google weiß ich jetzt, dass mein Passwort irgendwie nicht ins Active Directory geschrieben wird. Das wird dann im Hintergrund aber von diversen Programmen erfolglos abgefragt und nach 2 Fehlversuchen bin ich halt raus. Wär jetzt noch schön, wenn mir der Support das glauben würde.

***so wie halt 95% der ohnehin Großraumbüro-skeptischen Belegschaft. Ich finde den Artikel der vor ein paar Wochen rumgeht grad nicht, aber dieser hier ist ähnlich.

****Morgens vor 10 sind ja einige von uns***** eh nicht auf der Höhe der Konzentrationsfähigkeit, aber auch diese Erkenntnis wird gekonnt ignoriert

*****ich (und mit mir die anderen Eulen)

Tag 1338 – Misanthrop.

Für meinen Geschmack heute schon wieder zu viel Menschenkontakt gehabt. Leider sind viele Leute auch… herausfordernd. Erst war Frühstück im Kindergarten, dann las ich auf dem Weg zur Arbeit Direktiven und Regulations der EU, dann kam ich bei der Arbeit an und hui, das ist zwischenmenschlich weiter alles nicht einfach. Ich habe jetzt, wo ich mit meiner ewig langen Einarbeitungsliste grad fast durch war, eine weitere Liste, ich nenne sie mal die „Frau Rabe studiert Pharmazie“-Liste. Sie geht über vier Seiten. Es steht alles drauf, außer dem was ich eh schon kann und das mich interessiert, weil „das brauchen wir nicht“, also wurde es gestrichen. Tschö, monoklonale Antikörper. Wir sehen uns wieder, die werden hier nicht ewig nur Tabletten pressen.

Immerhin kam ich fürs erste um eine sogenannte Erfolgskontrolle herum, aber auch nur, weil meinem Kollegen so spontan keine passende Prüfungsform einfiel.

Man braucht Eier für diesen Job. Eier und ein dickes Fell. Water off a duck’s back.

Jetzt haben glaube ich alle Ferien, ich werd also morgen allein da mit der Kaffeemaschine sein. Das wird auch ganz schön, glaube ich.

Von der Arbeit direkt zum Elternabend, das halt wie Elternabende so sind, ich bin ab Sommer dann Stellvertreterin für die Elternvertreterin aus Michels Klasse, danke, Merkel Nähmutter. Außerdem ist bald 17. Mai und was habe ich mir eigentlich dabei gedacht, in die 17. Mai-Hauptstadt zu ziehen? Gar nix. So sieht’s aus.

Die Steuererklärung hab ich auch endlich gemacht. Und jetzt geht’s einfach direkt ins Bett. Pfft. Menschen. Überschätzt.

Tag 1278 – 4.29.

Heute gelernt: einen 4.29 kann man immer machen, wenn einem sonst nix einfällt.

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Michel erzählte heute morgen, seine Klassenkameradin, nennen wir sie mal frei erfunden Lise, könne Spagat. In jede Richtung. Erwachsene können nicht so gut Spagat, weil die Beine länger sind und dann ist der Abstand so groß. Er kann auch keinen Spagat. (Ich fügte an dieser Stelle an, dass ich auch mal Spagat konnte, auch als ich schon erwachsen war und er das auch nur üben müsste, dann könne er das auch irgendwann.) Aber die Lise, die kann das, die geht nämlich zum Turnen.

Und beim Turnen, ne Mama, da nimmt man auch ab.

Der Satz hat mich wütend und traurig und alles gleichzeitig gemacht und ich habe Michel dazu erst mal ein paar Takte gesagt, nämlich

  • Dass man Sport nicht macht um abzunehmen, sondern zu allererst mal weil’s Spaß macht und dann vielleicht irgendwann weil man davon fitter wird
  • Dicke Leute können viel Sport machen und sehr fit sein und sich pudelwohl fühlen
  • Schlanke Leute machen umgekehrt auch nicht alle Sport und sind vielleicht ganz und gar nicht fit oder gesund
  • Und überhaupt und ganz wichtig: SECHSJÄHRIGE SOLLTEN SICH ÜBERHAUPT NOCH KEINEN KOPF UMS ABNEHMEN MACHEN
  • Herrschaftszeiten. Das wird ein schöner nächster Elternabend. Da freue ich mich jetzt genauso drauf, wie auf den im Kindergarten, wo ich mal anmerken werde, dass Leuten, die beim Abliefern und Abholen vorm Kindergarten das Auto einfach laufen lassen, offenbar an der Zukunft ihrer Kinder nicht so viel gelegen ist, jedenfalls an keiner auf einem Planeten mit halbwegs in-Ordnung-em Klima.
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  • Heute zum ersten Mal im nicht-mehr-ganz-Dunkeln das Haus verlassen, um 07:03 wurde der Himmel im Osten schon blau. Auch im noch-nicht-ganz-Dunkeln nach Hause gekommen. Wäre nicht der Zug hoffnungslos verspätet gewesen (ich habe von Schreibtisch zu Couch 1 Stunde 50 Minuten gebraucht), wäre es noch heller gewesen und das tut dem Gemüt außerordentlich gut sage ich Ihnen. Das schafft keine Vitamin-D-Tablette, was länger werdende Tage mit mir machen. Noch 5 Wochen ca. und dann ist es endlich wieder länger hell als dunkel (und ja, der Tag der Tag-und-Nacht-Gleiche ist überall gleich, dieses Jahr am 20. März). Hach!
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  • Das mit dem total verspäteten Zug war aber doof, denn ich musste erst sehr lange warten, dann fuhr der Zug auf einem anderen Gleis, was ich aber erst raffte, als er auf dem anderen Gleis einfuhr und dann musste ich sehr schnell sprinten (was ich hasse und normalerweise tue ich mir würdeloses Rennen zum ÖPNV nicht an, aber ich hatte ja schon ewig gewartet) und dann war natürlich in Eidsvoll auch kein Bus zu kriegen und ich musste vom Bahnhof aus nach Hause laufen. Letzteres war noch am wenigsten schlimm, dachte ich erst, aber mein Uterus meinte dann ab der Hälfte des Wegs, er hätte nun genug und krampfte sich um die Spirale und das war dann sehr unangenehm. Zu Hause plumpste ich auch nur noch aufs Sofa und schlief recht bald bei Mickey Mouse ein.

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    Pippi kuschelte sich beim Fernsehen an mich und als ich wieder wach wurde konstatierte, ich sei sehr weich und würde gut riechen. Das ist doch mal ein schönes Kompliment.

    Tag 1273 – Ein paar Gedanken.

    Heute fertig inspiziert. Es kamen nicht allzu viele Eichhörnchen vor, aber ich habe ein paar Insider-Tipps von meinem Kollegen bekommen und weiß nun, dass meine Kollegin nicht gern gewisse Teilaspekte von Inspektionen macht, weil sie das Gefühl hat, darin nicht gut zu sein. Beides mildert das Gefühl, dass ich wenige der Beobachtungen mit Sicherheit auch allein gefunden hätte. Einige ja, im Labor fühle ich mich zu Hause (und immer wenn ich in einem stehe denke ich, wie schön das ist, da nicht mehr tagaus, tagein irgendwelche Proben in irgendwelche Geräte zu stellen, dann zu hoffen, dass alles klappt und am Ende irgendwelche Daten irgendwie auszuwerten), da weiß ich wo die dreckigen Socken liegen könnten. Aber im reinen Dokumententeil der Inspektion… ich bin da noch unsicher. Was ok ist, denke ich, ich lerne ja noch. Ich muss ja noch nicht alles können und alles wissen, genau deshalb bin ich ja Observatør und genau deshalb frage ich auch, entweder direkt oder (wenn es um „ist das nun echt Murks oder nur so ein Gefühl?“ geht) halt hinterher. Natürlich will ich aber auch nicht rüberkommen, als wär ich total blöd und das ist nun mein täglicher Drahtseilakt bei Inspektionen: genug nachfragen, um Wissensdurst zu stillen, aber auch nicht die ganze Unsicherheit, die ja, sein wir mal ehrlich, auch einfach noch zu 90% aus Altlasten besteht und gar nichts mit dem neuen Job zu tun hat, raushängen zu lassen. Uff.

    Hier stand bis eben ein Sermon über Außenwirkung und was man wem gegenüber so preisgibt und warum nicht. Aber das regt mich grad zu sehr auf darüber zu schreiben, also mache ich es ganz kurz: zu beurteilen, ob jemand glücklich ist, steht nur dieser Person zu. Jemandem, der irgendwie wirkt, sagen wir mal, glücklich, zu unterstellen, er*sie verberge was, sagen wir mal, tiefes Unglück, ist vermessen und falls Sie mal sowas zu mir sagen sollten, werde ich vermutlich ziemlich bissig*. Jemandem dann auch noch ungefragt wegen der vermessenen Einschätzung tiefen Unglücks aufgrund äußerlichen Glücks** zu umarmen oder ähnliches ist grenzüberschreitend und einfach völlig daneben. Machen Sie sowas nicht, oder wenn, rechnen Sie mit körperlicher Gegenwehr.

    So. Soviel zu „glücklich wirkende Menschen einfach mal umarmen, die haben’s nötig“.

    (Könnt mich aufregen.)

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    Noch ein Gedanke: in England werden wohl bestimmte Eichhörnchen (nicht die von den Strommästen) zum Verzehr angeboten und alle schreien, weil Eichhörnchen, die sind ja niedlich. Nicht so wie Lämmer zum Beispiel, die sind nicht niedlich, die kann man essen. Mäh, mäh. Oder Schweine, die zum Teil unter fiesen Bedingungen gehalten werden, das ist viel besser als so ein freilaufendes Eichhörnchen. Oder Kühe, die sind ja so überzüchtet, die kann man auch essen, die kämen ja in freier Wildbahn gar nicht klar, haha, aber wer eingeschleppte Eichhörnchen isst, die dabei sind, heimische Arten zu verdrängen, mit dem stimmt was nicht. Und es ist auch ein riesiger Unterschied zwischen einem im Wald geschossenen Reh und einem im Park geschossenen (?) Eichhörnchen, dochdoch, na sicher. Weil Eichhörnchen sind niedlich.

    (Könnt mich auch aufregen.)

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    *in meinem Fall hat das besondere Gründe, die hier nichts zur Sache tun und die Sache nicht ändern

    **muss man sich echt auf der Zunge zergehen lassen.

    Tag 1271 – Møte, møte, møte.

    Einleitung 1: Ich wollte heute gern ein klärendes Gespräch mit meiner Team-Chefin führen, die ist aber so etwa bis in zwei Wochen durchgehend in irgendwelchen Meetings.

    Einleitung 2: selbige Team-Chefin sagte heute im Meeting (sic) zur Besprechung des Jahresberichts und den darin auftauchenden Diskrepanzen zwischen Fristen und tatsächlichem Abliefern: „Ein Problem ist auch, dass wir alle zu viel in Meetings sitzen. Dadurch schaffen wir unsere eigentliche Arbeit nicht mehr.“

    (Da möchte man ja schon ganz Loriotesk „ACH!“ rufen, aber es kam ja noch besser.)

    Tatsächliche Story: in selbigem Meeting, nach der Besprechung des Jahresberichts, diversen Neuerungen auf Datenmanagement-Seite (die neue Team-Chefin macht nicht alles so weiter, wie es der alte Team-Chef seit immer gemacht hat und die Inspektør hier seufzt aus Gründen erleichtert) und „bitte tragt eure Urlaubswünsche da und da ein“ bekamen wir noch Besuch. Der Besuch stellte uns ein neues Tool vor, eine Art Datenbank, die wir ab demnächst benutzen müssen, allerdings längst nicht alle von uns und vor allem brauchen wir diese Datenbank eigentlich nur, um einen ganz bestimmten Prozess nachvollziehen zu können. Die Vortragenden stellten uns aber sämtliche drülfzig verschiedenen, zum Teil noch unausgegorenen und zum Teil auch noch gar nicht implementierten Funktionen vor. Über eineinhalb Stunden lang. Nach etwa dreißig Minuten dachte ich, ja, alles klar, ich klicke also dann da und dann sehe ich, was da passiert ist und kann dann überlegen, ob ich da oder da anrufe und wen ankacke frage, was da wohl los war. Gut! Nein. Denn es ging noch ewig so weiter. „Wir können auch alle Mails an Sie alle weiterleiten!“ (Äh, nein Danke? Ich möchte bitte nur Mails, die für mich relevant sind, nicht tonnenweise Spam…) „Und dann können Sie hier einfach immer gucken…“ (Genau. Wie ich dann demnächst* immer sagen werde „Und wie stellen Sie sicher, dass da auch geguckt wird?“) „Hier machen wir dann noch diese Funktion hin, aber das muss noch von der EU…“ (Jesus. Ich will keine schöne Zukunftsmusik hören. Was zählt ist was jetzt da ist.)

    Und weil das alles ja noch nicht reichte, ignorierte der Ex-Team-Chef nach Kräften meinen sehr demonstrativ mit den Hufen scharrenden** Kollegen und besprach noch tausendundeine Feinheit der „vielleicht irgendwann mal“-Features dieses Systems mit dem Besuch. Während 15 weitere Anwesende an ihren Schreibtisch dachten und an die schlechten Ergebnisse im Jahresbericht.

    Nach dem Meeting ging ich an meinen Schreibtisch zurück und hängte die verschwendete Stunde hinten dran. Mit leicht rauchendem Kopf. Und wenn es mir so geht, auf deren Tisch noch gar keine Fristsachen liegen, wie soll es dann denen gehen, bei denen die Deadlines schon wie Zombies über den Schreibtisch wanken und die sich zudem grad anhören durften, wie schlimm das ist, dass sie ihre Ziele nicht erfüllen weil sie permanent in Meetings rumhängen? Gnarfz.

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    Abends mit Michel Hausaufgaben gemacht und viel Spaß gehabt. Ich sehe das mit den Hausaufgaben ganz entspannt, dadurch geht es auch bei Michel einigermaßen ohne Wutausbrüche. Dafür macht er nur Blödsinn. Tjanun, möchte ich da sagen, nach einem 10-Stunden-Tag in Hort und Schule und dann wieder Hort würd ich vielleicht auch nur noch rumalbern und mal mit beiden Händen oder mit geschlossenen Augen schreiben.

    Was ich aber faszinierend finde: dass er gar nicht merkt, dass die „Lösung“ für die Aufgaben dauernd daneben steht. Die Aufgabenstellungen sind nämlich oft so: ein Bild von einem Baum, darunter steht „Baum“, daneben die Wörter „Baum, Traum, Ball“. Aufgabenstellung: „Kreise das richtige Wort ein und schreibe es darunter.“ Vielleicht bin ich echt übermäßig systematisch veranlagt, ich würd nach den zwei gleich aussehenden Wörtern suchen, einkreisen, abmalen, fertig. Vermutlich könnte ich bis heute nicht schreiben. Aber das bin ja nur ich, und ich bin 33 und kann seit fast 30 Jahren lesen, insofern bin ich da wirklich kein Maßstab und die Macher*Innen von Schreiblernbüchern denken sich ja sicher was dabei. Und so hab ich was zu wundern, win-win.

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    *genau genommen ab morgen. Wünschen Sie mir irgendwas, am besten, dass mich das verfluchte „Ich kann das nicht!“-Gefühl nicht wieder einholt

    **noch nie habe ich jemanden so aggressiv Zettel einsammeln sehen

    Tag 1222 – Hmmmmmmplöt.

    Heute mehr oder weniger unterschwellig über vieles geärgert. Erst morgens die langsamen Kinder, wie können die so unfassbar langsam sein, bitte? Dann Herrn Rabe, der auf meinen Mental Load noch fröhlich draufpackt, dann über Preise von Dingen, Technik, die nicht tut wie sie soll, kaputte Kopfhörer, verschlürte Handschuhe, verpasste Züge, echt schwer abzusägende Bäume, und so weiter und so fort.

    Aber auf der anderen Seite hab ich den Baum jetzt abgesägt, hatte wegen des Zugs einen extra Kaffee, die Handschuhe lagen noch im 1. Laden, mein neues Handy hätte für diese Kopfhörer eh nen Adapter gebraucht und da stellt sich die Frage, ob man nicht lieber Bluetooth-Kopfhörer kauft, Herr Rabe frickelt an der Technik (da ist Code auf unserem Fernseher, genau jetzt!), das große Kind wird sich über seine neuen schicken Klamotten sicher sehr freuen, Herr Rabe und ich haben uns ein wenig angemotzt und dann bleiben nur noch die langsamen Kinder. Die müssen halt früher raus.

    Wirklich doof gelaufen ist ein Test, den wir heute unternommen haben, ob nämlich Michel allergisch auf die Katze von Nachbarn von Bekannten reagiert, die demnächst umziehen. Wenn nicht, hätte hier ein sehr großer, sehr sehr flauschiger Maine-Coon-Norwegische-Waldkatze-Perser-Kater einziehen können, nun wird er leider zur Wohnungskatze downgegraded. Denn Michel reagierte. Nicht stark, nicht so eindeutig wie auch schon, aber eben schon. Mich macht das sehr traurig, ich möchte doch so gerne eine Katze haben, aber nicht so dringend, dass ich riskiere, dass Michel allergisches Asthma entwickelt. Werde wohl oder übel erst eine Hyposensibilisierung anleiern müssen, die muss dann durch sein muss (dauert halt) und zu der Zeit darf hier keine Katze wohnen. Das ist echt eine doofe Aussicht, zumal ich mir schon gut vorstellen kann, wie auf solcherlei Wünsche hier reagiert wird. Gut, wir könnten die Hausstaubmilbenallergie vorschieben und dass er, wenn wir zu Besuch bei Leuten sind, da nicht schlafen kann ohne Antihistamine. Ich habe echt Angst vor Asthma. Hyposensibilisierung hilft genau gegen die Entwicklung von allergischem Asthma.

    Andererseits muss er dann da jede Woche hin, vermutlich in die Poliklinik, eine Stunde Fahrzeit entfernt, zu Praxiszeiten. Hahaha. Keine Katze. Keine Übernachtungen ohne Pillen.

    Abends dann aber immerhin noch mal herzlich gelacht über so Aussteiger-Vögel, die Aussteiger-Beratung für nur drülfzig Geld anbieten und sich damit ihr nices Aussteigerleben finanzieren. Top gepflegter Instagramaccount, Smartphone, Reiseblog, beseeltes, „Erleuchteteres“ Geseier inklusive. Joa. Spoiler: funzt so lange prima bis der Typ, der deinen zum mobilen Tiny-Haus umgebauten Bauwagen wegen Motorschaden am diesen ziehenden Dieseljeep von anno dazumal reparieren soll, halt auch erfolgreich aus seinem Angestellten-Hamsterrad ausgestiegen ist und auf der Nachbarinsel nun Aussteigerberatung für drülfzig Geld anbietet. Nachwuchs ist auch keiner da, weil die alle keine Ahnung haben, wie ein Motor funktioniert, weil nach Lesen und Schreiben und vielleicht ein bisschen plusminusmalgeteilt in der Schule ja nix mehr kommt, was irgendeine Relevanz fürs Leben hat und deshalb kann man das mit der Schule ja gleich sein lassen. Merkste selbst, ne?