Tag 51

Hei, Ich bins wieder, das Baby.

Ich habe entdeckt, das da an meinem Körper so Dinger dran sind. Oben die Dinger kenne ich schon länger, ich versuche sie immer in den Mund zu kriegen, aber das klappt nur manchmal. Wenn es nicht klappt, schimpfe ich mit den Dingern, aber das interessiert die nicht. Aber der Milchmensch hält mich ja immer über dieses weiße Teil und sagt „pullerpuller?“ und freut sich dann total, wenn ich piller, und da hab ich gesehen, unten am meinem Körper sind auch so Dinger! Die sehen witzig aus, wie eine dicke Fleischwurst mit mehreren Enden. (Moment mal, ich hab noch nie eine Fleischwurst gesehen, aber egal, wenn ich das Wort Fleischwurst so höre stelle ich mir vor, dass das so ähnlich aussieht wie die Dinger unten an mir dran.) Das ist doch mal total verrückt! Immer wenn ich die sehe, muss ich die ganz fasziniert anstarren und kann mich gar nicht losreißen. Der Milchmensch findet die scheinbar auch ganz toll, jedenfalls macht der immer lustige Sachen mit denen, pupst mit dem Mund dagegen und so. Hauptsache, der Milchmensch isst die nicht auf, bevor ich etwas mehr Kontrolle über meine Gliedmaßen hab, weil ich nämlich gar nicht abwarten kann, diese Dinger in den Mund zu kriegen! Weil die einfach witzig aussehen!

Heute hat mich der Milchmensch wieder zu diesen vielen Leuten geschleppt, wo einer immer vorne steht und ganz viel erzählt, auf ner komischen Sprache die der Milchmensch auch manchmal spricht. Alle anderen da scheinen zu schlafen in der Zeit, jedenfalls sagt sonst keiner was. Ich finde das sehr langweilig da und schlafe meistens dann auch einfach, aber heute bin ich zwischendurch aufgewacht weil ich ganz doll Hunger hatte und danach war ich ja wach (ich weiß auch nicht was die anderen Babys immer von „Einschlafstillen“ erzählen, was soll das denn sein bitte?) und dachte so, ach kack mal ordentlich. Hab ich auch gemacht, aber ich hab mir das total super überlegt: damit der arme Milchmensch nicht so viel dem langweiligen Menschen vorne zuhören muss, kacke ich einfach drei mal und tue hinterher jedes mal so, als wär ich fertig, damit der Milchmensch mir eine frische Windel verpasst. Irgendwie guckte der Milchmensch nach dem zweiten mal ganz komisch und sagte was von „keine Windeln mehr dabei“, deshalb hab ich mir beim dritten mal extra Mühe gegeben und ganz viel rausgedrückt. Dann war der Milchmensch ein bisschen panisch und hat mir am Ende mein Spucktuch um den Po gewickelt! Krass, oder? Ich meine, das ist ein Spucktuch, kein Kacktuch! Aber weil das ja dann scheinbar doch ein Kacktuch geworden war, hab ich da etwas später dann auch noch mal reingekackt. Aber da waren wir schon zu Hause. Ich meine, der Milchmensch ist ja auch irgendwie selber schuld, soll er doch einfach nicht so viele Bohnen und Kohl und sowas essen.

So, jetzt hab ich Hunger.

Bis bald –

das Baby

Tag 50

Wieder so ein Hasstag. Warum?

  • Kopfschmerzen
  • Baby brüllt viel, ist eigentlich nur an der Brust zufrieden –> man kommt zu nix
  • Erste Mahlzeit um 13:30 Uhr
  • Kaffee um 15:00 Uhr
  • Kind hustet, hat letzte Nacht entsprechend schlecht geschlafen (und ich auch) und wird auch diese Nacht schlecht schlafen (und ich auch)
  • Baby rotzt auch wieder rum
  • Komplette Ladung Wäsche stinkt nach Fisch wegen „tollem“ Öko-Waschmittel, das Tran-Geruch nicht wegbekommt
  • Kind zu spät im Bett –> Heulerei wegen jedem Scheiß (Der Duploturm ist falsch gebaut! Wäääähhhhhh!!! Das muss so wie Oma das gemacht hat! Wääähäähäää! Nein, mit Tür!!! Wähähähähääääääää!!! (Wenn ich nur wüsste, was das Kind meint…))
  • Morgen dämlicher Statistikkurs…
  • … falls ich nicht Recht behalte und das Kind über Nacht Fieber ausbrütet, dann zu Hause mit nöligem Baby und krankem Kind

So, das sind genug Gründe um direkt und ohne Umwege ins Bett zu gehen. Gute Nacht.

Ach ja: Und irgendwer oder -was hat gegen unseren Kinderwagen gepinkelt! Im Hausflur! Das war überhaupt die Krönung! Ich denke mal es war ne Katze oder so. Ich hoffe wirklich, dass unsere Nachbarn uns nicht so sehr hassen.

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Beweisstück A. Pinkelspur an Kinderwagen.

Gut, dass man mit Feuchttüchern alles wegbekommt.

Tag 49

Es ist kalt, feucht und die Blätter fallen von den Bäumen. Dann wird es jetzt wohl Herbst. Ich persönlich finde Herbst ja gut eigentlich, schließlich ist mir im Sommer immer zu heiß und als hellweißer Hauttyp bin ich auch ungern in der Sonne. Allerdings hat sich das geändert, seit wir in Norwegen wohnen, weil hier der Sommer, wenn auch viel zu kurz, so doch klimamäßig perfekt ist. Will sagen, 25 Grad, Sonnenschein, ein bisschen Wind vom Fjord (riecht fast wie Meer). Dadurch hat der Herbst aber auch all seinen „Puhhh, endlich nicht mehr so heiß“-Charme verloren und dementsprechend finde ich jetzt 8 Grad und Morgennebel nur mäßig schön. Vor allem, weil das jetzt so weitergeht bis Dezember, dann gibts Schnee, der ist dann bis März (oder Mai), Frühling lässt ewig auf sich warten und ist entweder sehr sehr kurz (2014) oder sehr sehr lang und regnerisch und doof (2015). Herbst: 4 Grad und Regen. Tolle Aussichten. Und Stillbedingt kann ich Wollpullis nicht tragen, dann hat das Baby dauernd Wollfussel im Mund und außerdem kann man die so schlecht hochschieben, dann hat man so ne dicke Wollwurst unter den Achseln und kann das Baby kaum noch erahnen. Alles irgendwie suboptimal. Oder ein Grund, doch mal Stillkleidung zu kaufen. Aber dann sieht man immer sofort: Aha! Die stillt also (noch)! Meh.

Was aber gut ist am Herbst: endlich ist es kalt genug, de Baby seine von Freundin A. selbst gestrickte Bommelmütze aufzusetzen und Die. Ist. So. Süß.

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Liebe Freundin A.: vielen vielen Dank nochmal! ❤ (Das Kind will übrigens, dass du zu seinem Geburtstag kommst. Ich glaube, es ist ein bisschen verliebt in dich!)

Falls Sie sich fragen, warum ich da einen Waschlappen zwischen mich und das Kind geklemmt habe: Ich schwitze viel und das Kind hatte dann nach dem Tragen immer so nen Schwitzeschmadder im Gesicht, bis ich diese geniale Technik entwickelt hab. Hilft auch etwas um eventuelle Babykotze aufzufangen. Jedes Kind in unserem Haushalt bekommt zur Geburt 40 Waschlappen (aus dem großen gelb-blauen Möbelhaus). Damit werden dann Popos abgewischt, als Windeleinlage genommen, der Wickeltisch abgedeckt, Schwitzerei vermieden, Stillsabberei vermieden, Babykotze weggemacht, später Essen aus dem Gesicht entfernt (Und vom Tisch, Essplatz, Stuhl…), Schnodder weggemacht, Kindergartendreck abgerubbelt und manchmal benutzen wir sie sogar als Waschlappen.

Man kann bei schlechtem Wetter auch prima in der Wohnung verstecken spielen. Allerdings ist das Kind da scheinbar noch zu doof klein für.

2015-09-26 15.05.09

War noch was heute? Ach ja, ich bin jetzt Vollmitglied in dem pinken Muttisport-Fitnesstudio. Und ich werde jetzt anfangen, dieses Buch zu lesen. Meine Erwartungen sind nach „The Corrections“ und „Freedom“ extrem hoch. Ich werde berichten.

2015-09-22 14.23.15

Tag 48

Wheee! Wir haben soeben unseren Weihnachts-Heimaturlaub gebucht! Ich werde mit den Kindern am 13. Dezember total mutig alleine losfliegen, Herr Rabe kommt dann am 20. nach (der arme Mann muss ja arbeiten, kann ja nicht jeder Geld fürs Nichtstun 24/7 Kinderbetreuung bekommen) und dann fliegen wir am 7. Januar zusammen wieder zurück. Wo wir in der Zeit wohnen ist so halb klar, aber es wird schon irgendwie gehen, sonst halt doch die schicke Wohnung im Westen von AirBnB. Nächster Schritt werden die Bahntickets (Hurra Direktverbindung im ICE! Und ich werde im Zweifel Stillend durch den ICE wandern, wenn mir eine/r doof kommt, hetze ich das Kind auf sie/ihn!) und mir irgendwen an den Flughafen organisieren, der mir hilft, die zwei Blagen und tausend Koffer von Schönefeld zum Hbf zu bekommen. Oder zumindest von Schönefeld zur S-Bahn. Leider ist das Kind ja wie zehn Sack Flöhe momentan. Oh, und wir brauchen ein PramPack für den Kinderwagen! Eieiei, das wird ne Aktion.

Außerdem haben wir heute geputzt und das war sehr nötig aber jetzt findet man schon mal nicht mehr überall Haare der Freundin C., die ja auch schon vor zweieinhalb Wochen abgereist ist. Wir haben ja alle kurze Haare, Herr Rabe hat schon angefragt, ob C. wohl im Stress gewesen wäre, wegen des Haarausfalls, aber ich denke der hielt sich durchaus im Rahmen, nur kennt er das halt nicht, dass lange, dunkle Haare überall rumfliegen. Nächste Woche kommt die Babysitterin direkt wieder, dann noch mal drei Stunden putzen und dann kann ich (denke ich) meine Schwiegereltern hier reinlassen. Meine Schwiegermutter ist ja so eine Person, die einem als erstes nach der Begrüßung erzählt, was sie heute schon alles geputzt hat. Und mir ständig anbietet, was im Haushalt zu machen was zwar nett ist aber leider für mich nicht möglich, das anzunehmen, sobald es über Spülmaschine ein/ausräumen hinausgeht.

Außer der Haare hatte der Besuch von C. und Familie, vor allem Kind M., noch weitere Auswirkungen: Das Kind will jetzt wieder dauernd ein Lätzchen umhaben. Das ist höchstens so mittel. Dafür sagt das Kind jetzt öfter, wenn es abends müde und weinerlich ist, dass es ins Bett will. Das ist gut. Ins große (also unser) Bett. Das ist wieder nur so mittel.

Und das Kind hat ne Sollbruchstelle, ich bin mir inzwischen fast sicher: die Innenseite der Lippen. Jedes mal, wenn sich das Kind auch nur ein bisschen mehr als nur ein bisschen auf die Fresse legt, zum Beispiel weil es, wie heute, mit dem Laufwagen Roller fährt und dann vornüber kippt, schlägt es sich die Lippe auf. Jedes verdammte mal. Jedes mal ganz viel Blut und Tränen und versaute Klamotten. Und jedes mal hab ich Angst, dass es sich doch nen Zahn ausgeschlagen hat. Tut es aber nicht. Man sieht auch nie von außen was, es hat nur den Mund voller Blut und die Zunge ists nicht. Ob das an dem Überbiss liegt, der sich da (Schnullerbedingt?) gebildet hat? Es schlägt sich aber auch manchmal die Unterlippe auf, das würde ja dagegen sprechen.

Huch, so spät schon. Ich muss ins Bett, mein Rücken tut wieder ganz furchtbar weh nachdem ich gestern das Kind wegen im Auto eingeschlafen und heute wegen Aua herumgetragen hab. Also, das große Kind. 15 kg. Uff. Morgen Sport.

Tag 47 – Tran

Seit etwas über einer Woche bekommt das Baby jetzt Tran. Das ist das, was man in Deutschland unter Lebertran aus Erzählungen der Elterngeneration kennt. Es wird inzwischen nicht mehr aus Walleber hergestellt, sondern aus Kabeljau, aber im Prinzip ist es reines Fischöl. Reich an Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D. Davon sollen Erwachsene und Kinder ab einem halben Jahr einen Esslöffel nehmen, kleinere Babys etwas weniger. Wenn man das nicht macht, verkümmert das kleine Babygehirn und alle springen aus dem Fenster wegen des langen Winters, zumindest wird das von der norwegischen Ernährungsgesellschaft so propagiert. Eigentlich soll man damit schon anfangen wenn das Baby vier Wochen alt ist, aber weil ich persönlich Tran ziemlich eklig finde, hab ich das wegprokrastiniert. Als mich jedoch die Schwester beim Gesundheitscheck dran erinnerte, dachte ich mir so, ach, schaden kanns ja nicht…

Also probierte ich es zuerst mit einem kleinen Plastiklöffel und „tut mir Leid, Baby, aber da musst du jetzt durch“-Gesicht und als das Baby Hunger hatte, damit es gleich mit Milch nachspülen konnte. Das war ungefähr so falsch wie nur möglich, das Baby fing an zu schreien, Tran landete auf seinen und meinen Klamotten und nur wenig in seinem Mund. Und wohin danach mit dem Löffel? Also Tran auch auf dem Tisch. Eine Katastrophe eigentlich. Vor allem, weil der Fischgeruch auch beim Waschen nicht aus der Kleidung zu bekommen ist*. E-kel-er-re-gend! Und dabei mag ich Fisch eigentlich! Aber ich will nicht, dass mein Baby so riecht!
Nachdem ich google gefragt habe, wie man Tran ins Baby bekommt, machen wir jetzt folgendes, und es funktioniert halbwegs:

  • Einen Moment abpassen, in dem das Baby satt und wach und zufrieden ist.
  • Baby nackt ausziehen (falls doch was daneben geht) und auf den Wickeltisch verfrachten.
  • Tran in einer kleinen Spritze aufziehen (ohne Nadel natürlich!) und in den Händen aufwärmen.
  • In kleinen Häppchen (ca. 0,5 mL) dem Baby zwischen Lippe/Wange und Kauleiste spritzen, möglichst weit nach hinten.
  • Falls das Baby was ausspuckt, sofort abwischen.
  • Warten, bis das Baby das runter geschluckt hat, dann das nächste Häppchen.
  • Als Abschluss unbedingt alle Hautpartien an die Tran gekommen ist, mit einem Babyöl-Läppchen nachwischen und mit einem trockenen Läppchen die Reste entfernen. Die Haut stinkt sonst nach Fisch und zwar so ziemlich für immer.
  • Positiv bleiben. Lächeln, sich mit dem Baby unterhalten. Lügen, dass das ja sooo lecker sei, finde ich persönlich nicht gut, aber man kann ja anders mit dem Baby reden, ich sage so Sachen wie „Das fühlt sich lustig an im Mund, ne? Das schmeckt ganz anders als Milch! Das ist total gesund!“
  • Selber Tran nehmen und ein gutes Vorbild sein finde ich schwer, vor allem das mit dem positiv sein dabei. Ich nehme Tran, aber ich halte mir dabei die Nase zu und spüle mit sehr viel von irgendwas mit Geschmack nach. Das ist wohl kein adäquates Vorbild-Verhalten. (Als ich schwanger war gings gar nicht. Einen Esslöffel Öl schlucken, wenn man schon von Joghurt würgen muss. Görgs.) Herr Rabe nimmt Vitamin D als Kautabletten.

Das große Kind weigert sich standhaft, irgendwas zu nehmen, was Medizin sein könnte, seit es mal Antibiotika nehmen musste. Dafür isst es gerne Tran-Fische. Da hat irgendein Perversling sich überlegt, Tran mit Gelatine und unfassbar viel den Fischgeschmack übertünchendem Aroma und Süßstoff und Farbstoff in kleine Fische zu gießen, so ein bisschen wie Weingummi. Das ist des Kindes Highlight** nach dem Kindergarten, wenn es einen Fisch essen darf. Und schon alleine, damit ich wenigstens ein Kind habe, das den Tran (von mir aus mit Nase zuhalten) ohne zusätzliche Chemiescheiße nimmt, zieh ich das beim Baby jetzt durch und hoffe, dass es eine positive Einstellung zu dem Ganzen bekommt. Und nebenbei frage ich mich gerade, wieso ich beim Kind am Anfang skeptisch gegenüber den (kostenlosen!) Vitamin-D-Tabletten war. Denn schlimmer gehts immer. Es hätte Tran sein können.

*Beim zweiten Mal Waschen gehts raus, wenn man die Flecken mit Gallseife vorbehandelt. Nur so als Tipp.

** Highlight 2: Fluortablette, wenns abends ordentlich Zähne geputzt hat. Also, gelassen hat. Die mit Tuttifrutti-Geschmack.

Tag 46

Ich bin müde und schlecht gelaunt und ich möchte gerne um neun ins Bett, deshalb fasse ich mich kurz.

War beim Muttisport. War gut, hab ordentlich geschwitzt aber so soll das ja auch. Das Baby lacht sich über die bunten Gymnastikbälle total kaputt, das ist sehr süß. Dann haben wir die Babys wieder etwas rumgewuppt, das fand das Baby so mäßig cool und dann hab ichs zum Angeben und um die tummy-time für heute abzuhaken auf den Bauch gelegt. Und es hat sich auch brav hochgedrückt und fröhlich das Baby auf der nächsten Matte angelacht. 5 Minuten lang. Ha. Mein Baby ist das stärkste.

Nach dem Training noch kurz gestillt (es ist absolut göttlich, wenn nach den Stunden da neun, zehn verschwitzte Frauen im Kreis auf den Sofas sitzen und stillen) und dann fix Dosendusche und umgezogen und zu einer Veranstaltung der Hochschule für Kindergartenlehrer gegangen. Ja, Erzieher ist hier ein Studiengang. Und die Hochschule hatte zu einem „Säuglingscafe“ eingeladen. Mit Vorträgen über alle möglichen Baby- und Kleinkindthemen von Lehrenden der Hochschule und gratis. Als wir ankamen, wären wir grade perfekt pünktlich zum 2. Vortrag gewesen, aber das Baby brüllte wie am Spieß und beruhigte sich auch in der Trage nur sehr langsam, weshalb wir dann effektiv genau pünktlich zum (gratis) Lunch da waren. Es gab Wraps und ausnahmsweise auch mal ne vegetarische Variante. In jedem Wrap war ne Olive versteckt, na gut, kann man ja rauspulen, aber irgendwie schmeckte der Feta in unmittelbarer Oliven-Nähe auch sehr olivig. Egal, ein Hoch auf die vegetarische Version, das ist nämlich in Norwegen ganz und gar nicht selbstverständlich (leider). Die Vorträge nach dem Lunch waren auch gut, es ging um Abenteuer und Märchen in der Erziehung und um Freundschaften im Kleinkindalter. Ich habe mitgenommen, dass Kinder ihre Freunde selbst aussuchen (jau) und man den Freundschaften, egal wie weird sie auch erscheinen mögen, Raum geben soll (ok). Und dass man Kindern alles erzählen kann, aber wichtiger als der Inhalt die Gestik und Mimik des Erzählten sei und dass selbst ganz kleine Kinder schon „Geschichten“ mit unterschiedlicher Dynamik erfinden.

Danach hab ich mit beginnenden Kopfschmerzen (in dem kleinen Raum waren ca. 50 Muttis mit Babys gewesen!) das Kind abgeholt, das aber grad im Kindergarten einer erzieherischen Maßnahme unterzogen wurde, deshalb musste ich noch kurz warten. Das Kind hatte Quatsch gemacht („bråk“, das heißt Krach/Lärm/Radau), es wurde ihm gesagt, es solle das lassen, ob es das verstanden hätte. Das Kind antwortete nicht und versuchte, den Erzieher offensiv zu ignorieren. Daraufhin durfte es mit dem Erzieher so lange in der Küche sitzen, bis es eine zufriedenstellende Antwort auf die Ausgangsfrage gegeben hatte. Juchhe, Autonomiephase und noch mehr juchhe, dass wir nicht die einzigen sind, die sich mit dem manchmal weit über die Stränge schlagenden Kind herumschlagen müssen. Das Kind darf ja sehr viel bei uns, es muss sich ja auch ausprobieren, aber manche Sachen gehen eben nicht (mit Töpfen gegen die Wände hauen etc.) und genau das mit „ich tu so als hätte ich die Mama/den Papa/den Erzieher nicht gehört und mache einfach weiter“ haben wir hier auch oft. Und ja, ich nehme das Kind dann auch beiseite, erkläre ihm, wieso ich nicht möchte dass es das macht (weil es mich zu Tode nervt!!!) und ringe ihm ein „okay…“ ab. Meistens macht es dann genau den selben Scheiß nicht nochmal, sondern wandelt minimal ab. Also nimmt dann die Pfanne und haut damit gegen den Tisch z.B…. Das hat man dann vom konkret sein.

Nun gut, zu Hause angekommen waren die Kopfschmerzen dann doch recht ordentlich und das Baby am schreien und das Kind am nerven, sodass wir uns erstmal aufs Sofa gesetzt haben und ziemlich lange Bobo Siebenschläfer-Folgen geguckt haben. Dann gab es die letzten drei Pickerts vom letzten Jahr aufgetaut zum Abendessen und ich musste an meine Großeltern denken und wurde ein bisschen traurig, ok nicht nur ein bisschen sondern ganz schön doll, weil der Himmel einfach zu weit weg ist, aber ich glaube ich bin auch einfach müde und geschafft, es war ja auch ein langer Tag. So und deshalb: Gute Nacht.

Ach ja: der neue Schnuller funktioniert tatsächlich. Zielsicher hat das Baby als einzig akzeptable Schnullerform die kieferschädlichste überhaupt ausgesucht. Naja, aber unsere Finger sind erstens noch kieferschädlicher und zweitens furchtbar unhygienisch und das Kind konnten wir auch nach ca. nem halben Jahr auf eine andere Form umpolen, weil auch das Kind nämlich nur die kiefertötenden haben wollte anfangs und die aber schwer zu bekommen sind. Erstmal bin ich sehr froh, dass das Baby jetzt überhaupt einen Schnuller mal nimmt. Ehrlich, so Vollblut-Attachment-Parenting ist nix für mich. Aber dazu gibts auch noch mal einen gesonderten Artikel irgendwann.

Tag 45

Anleitung zum Babysein, 1. Übung: Faust in den Mund

  • Hand zur Faust ballen, auf Hüfthöhe halten.
  • Hand mit den Augen fixieren. Während der Übung die Hand NIEMALS aus den Augen lassen, sie könnte sich in Luft auflösen! Nicht blinzeln!
  • Arm mit ruckartigen Bewegungen langsam Richtung Kopf bringen.
  • Wenn die Hand auf Schulterhöhe angelangt ist, kurz verharren um die Hand in Sicherheit zu wiegen. Jetzt ist es besonders wichtig, dass die Hand weiter im Blick behalten wird. Auch wenn man dann schielen muss!
  • Blitzschnell die Hand in Richtung Mund bewegen.
  • Sollte der Mund getroffen worden sein, sofort mit dem Lutschen und Saugen beginnen.
  • Wurde statt des Mundes das Auge, die Stirn oder die Wange getroffen, Hand zurück zur Schulter bewegen und von dort neu beginnen.
  • Sonderfall: Wurde statt des Mundes das Ohr getroffen, kurz aber kräftig daran ziehen. Dann meckern, weil man am Ohr gezogen wurde.
  • Sollte der Mund den Kontakt zur Hand verlieren, von vorn beginnen.
  • Nach ca. vier Wiederholungen Gemecker einleiten, weil das Spiel doof wird.

Das Baby hat seine Rotvirus-Impfung bekommen und fand es gut. War ja auch keine Spritze sondern Schluckimpfung die wohl sehr süß schmeckt. Während ich noch mit der Schwester darüber sprach, wieso es in Norwegen oder Deutschland eigentlich keine Impfungen als Nasenspray gibt, kackte sich das Baby astrein ein. Innerhalb von drei Nanosekunden ab Gebrumm war es dann auch schon hinten aus der Plastikwindel herausgekrochen und hatte Body und Hose senfgelb durchtränkt. Toll. Sonstige Impffolgen bisher: großer Hunger und seitdem schläft es eigentlich die ganze Zeit…


Heute war wieder Ballett. Unsere Gruppe hat sich selektiert auf die Leistungsstarken und mich. Hmm ja, also mit einer etwas anderen Perspektive bin ich dann wohl doch nicht soooo gut. Hust. Eigentlich tanze ich gerne in Gruppen, die etwas über meinem Niveau liegen, weil ich den Anreiz brauche um besser zu werden. Aber als der Trainer dann fragte, wer von uns denn Fouette-Pirouetten könne, weil die so schön in das Stück passen würden, musste ich dann doch ein bisschen hysterisch lachen. Für alle, die nicht wissen was das ist: Fouette. In Black Swan übt Natalie Portman die vor dem Spiegel zu Hause und reißt sich derbe den Zehennagel ein. Schade Gut dass wir zu Hause nicht so einen Spiegel  haben, sonst müsste ich die jetzt echt üben. Muhahaha.


Ich kann kein Französisch. Also sprechen, Sie Ferkel. Immer wenn ich beim Ballett bin und noch schlimmer, wenn ich drüber schreiben will, fällt es mir wieder auf. Ich hab in der Schule Latein gelernt, weil meine Mutter sich seinerzeit nicht gegen meine Großeltern durchsetzen konnte. Was eine Verschwendung an Lebenszeit. Französisch klingt so schön und irgendwann wenn ich mal total viel Zeit hab, lerne ich Französisch. Und nein, es wird mir nicht leichter fallen, weil ich ja schon Latein kann und man dann ja andere romanische Sprachen und blablablabla. Denn, Überraschung, ich kann kein Latein. Ich kann noch so Wörter sagen, wie „Ablativ“ und „Nominativus cum Infitivum“, bin mir aber schon gar nicht mehr sicher ob die Endungen bei letzterem jetzt richtig sind. Und da ich auch kein Bedürfnis verspüre, mich jemals mit dem Papst zu unterhalten, ist das ja auch nicht schlimm. Aber kein Französisch können ist schon blöd.


Herr Rabe hat tatsächlich was geschrieben. Aber es ist noch ein Draft. Teaser 🙂