Tag 1790 – Inneres und Äußeres Regenwetter.

Innen war mehr so Blitz und Donner, außen Regen mit Hagel und noch mehr Regen bei feindseligen 9 Grad.

Herr Rabe ist erkältet. Pippi hat am Freitag Nachmittag eine Kindergartenerkältung mit nach Hause gebracht, gestern hatte Herr Rabe Halskratzen und heute fuhr Herr Rabe deshalb brav nicht mit dem ÖPNV ins Büro, um von dort aus ungestört zu arbeiten, sondern blieb zu Hause. Leider legte sich Herr Rabe direkt den ganzen Tag ins Bett, da kann ich ja immer nicht so super gut mit umgehen.

Ich hakte weiter Sachen ab. Kinderrucksäcke waschen, Winter- und Regenkleidung waschen, check check check. Sogar den Wäschehaufen auf dem Gästematratzensofa bin ich zähneknirschend angegangen, allerdings hab ich nur die Kindersachen und meine eine Hose verräumt (bzw. in die Waschmaschine gestopft, weil es mir extrem widerstrebt, dreckige Winterkleidung für mehrere Monate in Kisten zu stecken und ich frag mich auch, warum die überhaupt auf dem Sofa lagen und nicht in der Wäsche waren und überhaupt, Blitz, Donner). Es hatte sich für drei die befreundete Innenarchitektin angekündigt, da sollte es wenigstens halbwegs ordentlich (wenn auch trostlos, das ist ja Teil des Problems) aussehen. Die befreundete Innenarchitektin kam dann aus Gründen doch erst um halb fünf, aber wir haben jetzt einen groben Plan und werden den Themenkomplex „Kinderzimmer trennen“, der, wie gewohnt, gleich eine ganze Ratte an weiteren Aktionen nach sich zieht, mit professioneller Hilfe angehen. Ungewohnt für mich, mich nur um wenig kümmern zu müssen, zum Beispiel prüft die Innenarchitektin, ob wir den Einbau eines Dachfensters wohl bei der Kommune beantragen müssen. Sehr seltsam, offen gestanden, da die Kontrolle abzugeben, aber auch sehr angenehm, den damit einhergehenden Mental Load bei einer abzuladen, die damit ihren Lebensunterhalt verdient. Eigentlich win-win, ich muss nur loslassen lernen und das ist für eine Kontrolletti nicht so leicht aber auch das schaffe ich. Stichwort eiserne Disziplin, jetzt also bei „Ich mische mich nicht ein“.

Am Ende des Tages fing dann leider auch Michel an zu nölen, ihm sei so kalt und die Nase sei zu und der hat jetzt also auch Pippis Seuche. Nachdem er eigentlich gut eingeschlafen war, stand er dann alsbald auch wieder im Wohnzimmer, weil Pippi ihn störe. Er hat dann also nach langer Zeit mal wieder RuPauls Drag Race mit uns geguckt und WHOA WIE GUT DER INZWISCHEN ENGLISCH KANN. Der ist sieben und versteht… fast alles. Er kann übersetzen („I’m gonna jump out of the car right now!”) und sagt auch selbst komplette Sätze („I want to buy her as a Christmas tree.“). Was manchmal lustig ist, ist dass er den (in diesem Fall auch noch… speziellen) Erwachsenenhumor oft nicht versteht, zum Beispiel, warum der sagt, dass er aus dem Auto springen will (weil er traurig ist, rausgeflogen zu sein). Dass da eine bei einer Mini-Challenge 5.000 $ gewonnen hat, hat ihn schwer beeindruckt und er wollte dann wissen, ob man damit wohl reich wird. Offen gestanden weiß ich das nicht, ich glaube, man muss ein ziemliches Ausnahmetalent sein und vermutlich sehr sehr hart arbeiten und dann kann man mit Glück phasenweise davon leben, wäre meine Vermutung. Und ein paar ganz wenige werden reich. RuPaul zum Beispiel. Aber den gibt’s ja schon.

Aus Zwanghaftigkeit habe ich dann beim Drag Race gucken erst den Käfig der Meerschweinladies gereinigt und dann noch mein heutiges Workout erledigt und jetzt werde ich vielleicht einfach nie wieder irgendwas hochheben.

Hoffentlich wird das Wetter morgen ein bisschen besser, außen wenigstens, das dürfte innen dann auch wirken.

Tag 1670 – Waaaaaaaegschaffen.

Huff huff. Zu viel zu tun, da werden Mails auch mal etwas unwirscher schneller beantwortet. Die nächsten vier Tage Inspektion machen es nicht besser, keine Zeit keine Zeit und überall Coronavirus. 192 übrigens. Spannend: man weiß bei 3 noch nicht, wo sie sich angesteckt haben. Gut, dass ich morgen erst mal flüchte in ein Fylke mit nicht mal halb so vielen Fällen reise.

Inzwischen läuft das Packen für Jobreisen schon recht routiniert. In einem anderen Leben hab ich dann echt alles doppelt, jetzt hab ich vieles einfach in klein. Außerdem haben sich bewährt: Cremedeo in Minidöschen abgefüllt und Haarpuder statt Wachs. Der Reiserucksack bzw seine Bestandteile: eine Mappe für Blusen (die darin tatsächlich halbwegs knitterfrei bleiben) und ein Dings Cube, in dem man Shirts, Socken, Unterwäsche und 23 Strumpfhosen sehr einfach und klein zusammenpacken kann, machen das Packen auch schon deutlich einfacher und platzsparender. Juhu!

Vielleicht hab ich mir doch was eingefangen, oder es ist ein neues Feature von Kater oder aber meinem Zyklus, dass ich mich einmal im Monat krank fühle, ohne es zu sein. Temperatur normal, aber Kreislauf wegen nonexistentem Blutdruck (und nem Ruhepuls von unter 60, ich sag ja, die Schilddrüsenblockerdosis ist zu hoch), dazu seltsame Verdauung (nix schlimmes, nur Gegrummel, harter Blähbauch und diffuses Übelkeitsgefühl). Das hatte ich halt vor exakt einem Monat auch schon mal, deshalb die Vermutung, es könnte am Zyklus liegen. Was es auch ist: ich möchte es nicht und es soll weggehen.

Tag 1669 – Nie wieder.

Als ob.

Aber nicht noch mal so viel. Ich hab den ganzen Tag im Bett gelegen, mit Magen, Kopf und Kreislauf. Völlig Schachmatt, als hätte ich das erste mal Alkohol getrunken.

Lag bestimmt an der Ahoi-Brause, die die Nachbarin importiert hat und zum Vodka reichte. Seit Ewigkeiten nicht mehr gemacht, dann ist der Kater auch gleich wieder wie früher.

Ich hab ein schrecklich schlechtes Gewissen und will auch kein Mitleid. Das war keine coole Aktion.

(Ach ja, zur Info: es war der 40. Geburtstag unseres Nachbarn, also immerhin ein Anlass. Zu wenig gegessen, zu wenig Wasser über den Tag getrunken, schlechte Tagesform und dann waren wir auch noch viel zu spät weil Michel nicht einschlafen konnte und alle waren schon „verzaubert“ als wir ankamen und überhaupt. Alles keine Entschuldigung.)

Tag 1642 – Auf der Höhe, auf dem Damm, in Form…

… bin ich heute nicht. Ich weiß nicht ganz, was es ist, aber ich hab mich den ganzen Tag gefühlt, wie vom Bus überrollt. Nach dem Abendessen bin ich dann auf dem Sofa eingeschlafen und eben erst wieder aufgewacht, um ins Bett zu wanken. Alles nicht gut. Schon mal gar nicht, weil ich morgen auf eine Inspektion muss (und kommen Sie bitte nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, oder von mir aus in Richtung der Vorgesetzten, die das Personalproblem ignorieren).

Hoffentlich richtet es eine dicke Mütze mit Schlaf.

Tag 1592 – Mehr deutsche Merkwürdigkeiten.

Nach anfänglichem Schwächeln wegen der blöden Erkältung habe ich mich dann doch mit der Familie auf den Weihnachtsmarkt geschleppt. Ich wollte nämlich un-be-dingt Glühwein. Der erste Gang führte aber erstmal in eine Apotheke, denn Michels Allergie ist trotz neuer Bettwäsche noch da (sind halt weiter überall Teppiche). Da fiel ich fast vom Glauben ab, dass es hier Rabatt auf die Bestseller gibt. Medikamente. Rabatt auf Medikamente. Das gibt’s in Norwegen nicht, die Reklamegesetzgebung ist sehr streng und eigentlich darf man im Großen und Ganzen gar nicht groß für Medikamente werben und schon gar keine Rabatte nach Gutdünken geben.

Weiter am Kinderkarussell. In Norwegen haben wir so selten Kirmes, dass Michel begeistert zwei Mal mit dem Kleinkindkarussell mitfuhr, einmal davon sogar hinten im Polizeiauto, das sich Pippi sofort gesichert hatte. Am Karussell fiel mir auf, dass unsere Kinder gemessen an den deutschen Kindern sehr leicht bekleidet waren. Aber es waren 9 Grad, da brauchen die keine Mütze, und solange keiner friert muss auch nicht zwingend ne Jacke angezogen werden. Naja, wir sind da wohl inzwischen hartgesotten.

Glühwein. War lecker, wäre entspannter gewesen mit entspannteren Kindern.

Michel und mir einen Paradiesapfel gekauft und er hat gefragt, wie man den isst. Endlich konnte ich mal Lebensweisheiten weitergeben! Die anderen Leute auf dem Weihnachtsmarkt haben wahrscheinlich gedacht, wir wären vom Mars, aber es war eben sein erster Paradiesapfel, die gibt’s in Norwegen nämlich auch nicht.

Dann kurze Tour zu dm. Es gibt jetzt einen neuen dm, der ist riesig, neben Zara. Zwei Etagen. Und das erste mal hatte ich ein deutliches Absurditätsgefühl bei dem völlig überbordenden Angebot. Ich lege mich fest: es gibt keinen reellen Bedarf für über 100 verschiedene Sorten Shampoo. Ich habe kurz mal ausgerechnet: wenn das Regal 5 m lang ist und eine Shampooflasche im Schnitt 7 cm breit, sowie sechs Reihen (Zeilen?) Shampoo da stehen und jeweils 2 von 1 Sorte nebeneinanderstehen, dann stehen da etwa 210 Sorten Shampoo. 210. Leute, das ist völlig bekloppt.

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Pippi ist dann auf dem Rückweg auf Herrn Rabes Schultern eingeschlafen, das war sehr niedlich, wie er sie im Fahrstuhl da zurechtrücken wollte und sie anfing zu schnarchen. Die andern Leute im Fahrstuhl haben sich auch sehr amüsiert.

So. Und nun nach einem langen Tag voller Rotz endlich schlafen.

Tag 1591 – Dunkles Deutschland.

Zuerst das wichtigste: Wir sind heile angekommen! Wir hatten insgesamt alle einen guten Tag, denke ich, auch wenn Pippi und ich ordentlich erkältet sind. In Kiel haben wir eine nette Twitterin samt Mann und K2 getroffen und sind staunend durch den Citti geschlendert. Auf der Autobahn haben die Kinder die Tablets leer geguckt und ich habe die deutschen Autofahrenden vom Beifahrersitz aus veratmet. In Bielefeld angekommen haben wir das Auto ausgeladen und sind direkt weiter zur besten Friseurin überhaupt gefahren. Dabei ist Pippi auf den 5 Minuten Fahrt eingeschlafen und deshalb hat sie nun als einzige keinen frischen Haarschnitt.

Bei der Friseurin noch zufällig einen Freund von früher getroffen, der inzwischen in der Schweiz lebt aber auch noch in der alten Heimat zur besten Friseurin überhaupt geht. Das war schön.

Danach noch Döner und nun platzen wir alle fast. Die Kinder nicht, die schlafen selig, sogar Michel, der Dank der Schwägerin auch beim Opa daunenfreies Bettzeug hat und deshalb nicht so allergiegeplagt ist wie die letzten Male als wir hier waren.

Was uns bisher aufgefallen ist, zum ersten Mal so extrem: wie voll und hektisch Deutschland ist. Wie schlecht die Straßen und insbesondere die Menschen auf ihr (zu Fuß oder auf dem Rad) beleuchtet sind. Mein Puls im Straßenverkehr ist permanent 180, weil überall Autos sind, die fahren wie die Henker und dann hopst einem noch ein komplett schwarz gekleideter Fußgänger fast vors Auto.

Dafür bin ich nicht mehr gemacht.

Tag 1568 – Lässt nix aus.

Möglicherweise werde ich jetzt auch noch krank. Eigentlich wollte ich heute nach der Arbeit Sport machen, aber seit dem Mittag fühlte ich mich diffus unwohl mit Gliederschmerzen und leichtem… nicht Schwindel aber so leichter Dizziness. Jedenfalls gab es keinen Sport für mich. Dafür liege ich jetzt schon geduscht und im Schlafanzug auf dem Sofa, im Rücken ein Wärmekissen und über mir eine Decke. Jetzt gucke ich noch eine Folge The Crown und dann gehe ich ins Bett und hoffe, morgen ist es besser.

So ein Scheiß.

Tag 1485 – Regenwetter.

Draußen Regen, drinnen irgendwie auch. Komische Stimmung, es wird eben Herbst. Möchte mich deshalb auch einfach mit Kuschelsocken aufs Sofa legen und warmen Kakao trinken. Bin nicht so ganz sicher, wie viel davon die total voll schönen natürlichen Hormonschwankungen des Zyklus sind und wie viel der Raumtemperatur von grad mal 18 Grad geschuldet. Oder der Tatsache, dass ich mit einem juckenden Auge aufwachte, an dessen Lidrand sich ein gelbes Bläschen befand, das sich dann im Laufe des Vormittags entleerte. Das innere Regenwetter nährte sich jedenfalls gut daran, dass ich mich bei Sachen am Auge inzwischen nicht mehr zu schminken traue, nachdem ich schon mehrmals sauteure Mascaras dann doch weggeworfen habe, weil sie mit irgendeinem Rotz kontaminiert waren. Wir erinnern uns: ungeschminkt sehe ich aus wie wahlweise mein Bruder oder mein Vater, nur mit lila Haaren und Wasserfalltop.

Hoffentlich ist morgen wenigstens das Auge wieder ok. Fast immer geschminkt sein schult immerhin die Fähigkeit, sich nicht am Auge oder sonstwo im Gesicht zu fummeln, sodass ich es wohl heute zumindest nicht schlimmer gemacht habe.

Tag 1484 – Gepuzzel.

Follow-up Schulter und Daumen. Ich habe heute meine tatsächliche Hausärztin kennen gelernt, die war jetzt ein Jahr in Elternzeit. Mein Stoffwechsel ist grad ok, das ist das Gute, die Ärztin ist auch nett, das ist auch gut, die Ärztin war auch nicht so alarmiert, dass bildgebendes Tralala angeleiert wird, das ist wohl auch gut. Dafür habe ich jetzt eine Packung von dem Zeug, was auch in der wohlriechenden Salbe ist, in Tablettenform zur Behandlung von innen und obendrein Physiotherapie gewonnen. Ich wurde sehr gelobt für mein Training und meine Gesamtfitness, ich soll aber erst mal die Arme generell nicht über Schulterhöhe und nicht unter Belastung vor dem Körper heben. Das muss eben die Physiotherapie richten. Das wird unter Umständen ganz schön teuer aber vor allem wird es ein lustiges Gebastel, das in meinen Terminkalender einzubauen. Also, wenn ich dann mal nen Termin hab, denn die Physiotherapeuten, die ich nicht komplett selbst bezahlen muss, haben wohl ganz ordentliche Wartelisten. (Aber ist es mir das wert, sofort einen Termin zu kriegen, dafür aber das Dreifache für jeden Termin zu zahlen? Hahaha, nein.) Aber egal, Hauptsache es hilft.

Und wenn der Daumen irgendwie anders wird, egal wie, soll ich sofort wieder kommen, das ist ja halbwegs erfreulich. Vor allem finde ich überaus sympathisch, dass die Ärztin da geradeheraus sagt: ich weiß nicht, was das ist, es kommt mir komisch vor und ich höre mich mal ein bisschen um, ich melde mich wenn ich ne Idee hab.

(Hoffentlich hat sie keine Idee, die dann wieder weitere drülfzig Termine nach sich zieht.)

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Ansonsten heute traurig. Das schöne Wochenende ist halt vorbei. So schön es war, hab ich aber auch zu wenig geschlafen und eventuell will mein Körper nach nur drei Wochen schon wieder einen Zyklus beenden, das schlägt alles auf die Laune.

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Michel hat Sportzeug vom Sport-Hort bekommen. Hier ist jemand sehr sehr stolz und jemand anderes ist sehr verwundert, wie groß ihre Kinder plötzlich beide geworden sind. Hammer.

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Pippi hat heute meine Zugangskarte von der Arbeit „vorgelesen“. Da steht drauf: „MAMA GEHT ZUR ARBEIT“. Nämlich. (Die kleine Zwergmaus kann ein astreines gekratztes R. Nämlich am Anfang meines Vornamens. Aber auch nur da. Faszinierend.)