Tag 1417 – Ferien!

Huff. Nachdem ich gestern tatsächlich grad so Abschminken noch geschafft hab (Zähneputzen aber nicht mehr) und heute den Wecker eine Stunde später als sonst stellte, hab ich dann doch noch mal genug Schlaf für den letzten Arbeitstag bekommen. Der war dann geprägt von Sachen fertig machen, wenigstens soweit, dass es weitergegeben werden kann. Dann habe ich sehr hart mit mir gerungen aber die Vernunft hat überwogen und der Computer ist deshalb im Werk geblieben. Ebenso sämtliche Ordner. Ok, ich hab mir noch ganz schnell auf dem Weg raus die Anleitung ausgedruckt, wie man von zu Hause aus ins Firmennetzwerk kommt, aber es ist ansonsten alles da geblieben und das ist schon ganz gut so. Ich hab den Urlaub bitter nötig (siehe gestern), ich laufe echt auf Reserveakku. Im nächsten halben Jahr wird der Oktober schlimm (schlimmschlimmschlimmschrecklich!), sonst geht es aber. Ich will ja auch fertig werden mit der Einarbeitung und Inspektionen selbständig leiten können, das passiert nicht ohne Arbeit. Der Plan sieht vor, bei soundso vielen Inspektionen erstmal Lead Inspector zu spielen, also im Prinzip alles zu machen von Kontaktaufnahme bis „wir schließen die Inspektion von unserer Seite ab“ alles zu übernehmen, aber eben mit Begleitung durch diejenige, die am Ende die Verantwortung trägt. Ich freue mich auf manche der geplanten Inspektionen, es ist viel interessantes dabei, vor manchem graut mir auch, aber nicht wegen der Hersteller sondern wegen der Orte an denen die sich befinden und den Transportmitteln, die wir dahin nehmen müssen. Ein Hoch auf die Pharmaindustrie und Tabletten gegen Reiseübelkeit, die als Nebenwirkung das Hirn ein wenig umnebeln, sodass mir die Größe des Flugzeugs oder die Breite der Brücke oder die Länge des Tunnels ein bisschen egaler sind.

Ich werde die Ferien gleich mit einer kleinen Radtour zum Inn zum Spell Energy sammeln zum Supermarkt und dann einem kleinen Kämpfchen im Fortress Bier auf der Couch einläuten. Hoffentlich werd ich nicht wieder von Mückenhorden angefallen, seit Montag Abend weiß ich, warum die Gegend hier Moor heißt.

Die Kinder haben nun auch frei und ich glaube das wird super. Michel ist so groß geworden im letzten Jahr und Pippi auch. Hach, die zwei. Das Planschbecken steht bereit, wir sind bereit für 26 Grad morgen. Brilliant event um 12 Uhr sagt das Internet.

Außerdem kommt morgen Besuch und ich bin aufgeregt. Aber dazu mehr, wenn der Besuch da ist.

Tag 1414 – Inspektørinnendasein…

Die letzte Inspektion vor meinem Urlaub ist zu Ende. Nun muss ich nur noch den Report bis Freitag Nachmittag schreiben und mit meiner Kollegin durchgehen (hier schallendes Lachen einfügen). Zum ersten Mal war ich richtige Inspektørin, hui, das war ein bisschen aufregend. Aber es hat bis zum Schluss, als ich meine Kollegin fragen musste, ob und wenn ja, wie, die erste Seite auch gestempelt werden muss, keiner gemerkt, Hurra! Ich mag den Job immer noch sehr. Er fühlt sich auch immer noch an wie ein Lottogewinn, nach dem letzten Jahr sowas cooles ist schon irgendwie verrückt. Kontrastreich jedenfalls.

Michel hatte heute „Fußball-Schule“, so eine Art Fußballorientierte Ferienspiele, organisiert vom Sport-Hort. Für die Kinder, die eh in den Sport-Hort gehen, kostet das nichts extra, aber es sind halt noch andere Kinder da und ich glaube unter anderem deshalb wollte Michel heute morgen seinen Nagellack schnell noch entfernt bekommen. Und nee: wenn das Kind rumdruckst, dass es den abhaben will und irgendwann mit der Sprache rausrückt, dass das beim Sport-Hort keiner sehen soll, zwinge ich ihn nicht, die brennende Patriarchatsflagge schwenkend mit lila Nagellack da hin zu gehen. Ich find schon cool genug, dass er das gegenüber seinen Freunden durchgezogen hat.

Pippi ist nun zur Eingewöhnung vor den Ferien in der „Bärenhöhle“ im Kindergarten, also bei den großen Kindern. Hier platzt also bald ein kleines Mädchen vor Stolz. Es ist sehr niedlich. Die „du bist doch schon groß! Die Bärenhöhle!“-Euphorie nutzen wir, um körperkontaktloses Einschlafen einzuführen. Vorlesen können wir ja im Bett, aber dann setzen wir uns davor und singen/summen. Pippi macht das ganz gut mit, Michel… nicht so. Aber der ist ja eh sehr Kuschel-bedürftig, das überrascht mich nicht, dass er von der Idee, alleine einzuschlafen, nicht so begeistert ist. Konsequenter Weise ist er die letzten zwei Abende in Pippis Bett eingeschlafen. Soll mir recht sein, wenn sie sich gegenseitig anschnarchen wollen, bitte.

Tag 1413 – Se Schtraggel.

Se schtraggel is riel.

Oslo. Vom Zug aus.

Downtown Eidsvoll.

Da wo ich wohne.

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Ansonsten heute 40 Minuten an einer Bushaltestelle gewartet, in der Zeit hätten eigentlich drei Busse kommen sollen, die kamen dann direkt nacheinander. Während der Zeit auch von einem Taxifahrer angeranzt worden, weil ich nicht wusste, wo ich bin, außer halt an dieser Bushaltestelle. Das GPS hatte ihn an eine Adresse geschickt, die nicht diese Bushaltestelle war, sondern woanders, vermutlich grob in der Nähe, aber woher soll ich das wissen, ich kenne mich da nicht aus sonst würde ich wohl kaum ein Taxi rufen und ins Anmerkungs-Feld schreiben „An der Bushaltestelle Blumenweg* stadtauswärts“. Irgendwie war das meine Schuld, dass ich weder genauer angeben konnte, wo ich war, noch wusste, wo im Verhältnis zu meinem Standort nun die Adresse war, an der er sich befand. Am Ende heulte ich fast, weil ich wirklich nicht mehr weiter wusste, wie ich ihm noch erklären sollte, dass ich verdammt noch mal nicht wusste, wo ich bin, an der Bushaltestelle halt, eine große Straße, in die einen Richtung ein Schild mit „Ring 3“ in die andere eins mit „Stadtteil Bahnhof“. Da sagte er zu mir, ich müsse wohl ein anderes Taxi rufen und legte auf. Wutentbrannt versuchte ich die Zentrale zu erreichen, aber da war laut Bandansage „viel Verkehr“ und niemand nahm ab. Nur dem dann doch auftauchenden Bus (dem 1. von 3en, die dann Prozessionsspinnermäßig hintereinander herfuhren) ist zu verdanken, dass ich aufgelegt habe, bevor ich jemanden ordentlich rund machen konnte.

So ein Tag war halt heute.

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*Name von der Redaktion geändert

Tag 1406 – Swuuusch.

Die letzten zwei Wochen Probezeit sind angebrochen, wo ist denn das letzte halbe Jahr hin bitte? Wie wahrscheinlich bei allen ist bei uns auch vor den Ferien die Geschäftigkeit groß, alles muss noch Ferien-fertig werden. Hier noch ein paar Altlasten abschließen, da noch was wegarchivieren, diese Zulassung noch rausschicken und jenes Zertifikat. Die nächsten Tage werden einigermaßen vollgepfropft, dann noch Montag und Dienstag nächste Woche eine letzte Inspektion, Sommerfest, Kollegenabschied, dies, das und dann: Urlaub. Ein echter, verdienter Urlaub. Verdient aber unbezahlt aber Tjanun. Nächstes Jahr dann auch bezahlt. Dieses Jahr müssen halt die Überstunden dafür herhalten, das ist schon in Ordnung.

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Michel und ich waren heute bei den Zweitklässlereltern. Das war drei Leuten sehr unangenehm: Michel, mir und dem Vater, der die Tür öffnete. Seltsame Situation, mitten in Norwegen geht man nicht einfach zu Leuten und sagt „hallo, ich wollte mal mein Gesicht zeigen und hallo sagen und dass der Tankstellenausflug gar kein Problem gewesen wäre, wenn die Jungs uns Bescheid gesagt hätten“. Es stellte sich heraus, dass auch der Zweitklässler nicht bis zur Tankstelle darf. Hups.

Den Rückweg (auf dem Hinweg war Michel mit Nörgeln beschäftigt, dass er da nicht hin will und auf gar keinen Fall irgendwas sagen wird und das überhaupt total doof ist alles) haben wir dann genutzt um ein paar Begriffe zu klären, nämlich „peinlich“ und „unangenehm“. Wie putzig mein Kind ist, es weiß nicht, was das Wort „peinlich“ bedeutet. Und erklären sie das mal, das ist gar nicht so einfach. Ich habe ihm erklärt, dass die Situation grad für mich auch unangenehm war, weil ich die ja nicht kenne und nicht weiß, wie die reagieren, aber dass mir das nicht peinlich war. Es aber ok und verständlich ist, wenn ihm das peinlich war. Dann haben wir Regeln festgelegt, zusammen. Michel darf bis zur Unterführung und nicht weiter, ohne Bescheid zu sagen. Wenn wir ihn irgendwo vermuten, er aber für länger woanders hingeht (anderer Kumpel, Spielplatz, whatever), sagt er auch Bescheid. Nicht-Befolgung führt zu Suspendierung eben dieser Privilegien.

Puh. Jetzt muss ich nur noch für ein autofreies Eidsvoll von hier bis zur Unterführung sorgen, dann kann ich wieder ausatmen.

Tag 1401 – Hammer und Nägel.

Heute ein „externes Meeting“ gehabt. Das heißt, ein Meeting mit Leuten von außen. Das machen wir, wir beraten ja auch* und falls Sie planen, in Norwegen eine große Tablettenfabrik oder sowas zu errichten, bitte fragen Sie erst, wir sind da gern behilflich, jedenfalls ist uns das viel lieber als dass wir hinterher meckern müssen.

Das externe Meeting war ein erstes Treffen, es wurde uns also erst mal recht viel und detailliert über das geplante Projekt erzählt. Derjenige, der die Idee zu dem Projekt hatte ist Professor und ein überaus guter Redner, es war angenehm ihm zuzuhören, er erzählte erst eine rührende Geschichte über den Hund seiner Tochter, es war alles ganz dramatisch mit Spannungsbogen und allem, wirklich sehr unterhaltsam. Aber wie das so ist mit dem Wissenschaftsvolk: das eigene Fachgebiet ist einfach überall relevant. Die Immunsystemleute: das Immunsystem ist alles, Krebs, Alzheimer, die Waschmaschine frisst Socken: an allem ist das Immunsystem schuld. Für DNA-Reparaturleute ist es halt eine Deregulation der Reparaturprozesse. Für Mikrobiomleute: genau. Und auch dieser Professor hatte seinen Lieblingshammer und sah überall Nägel, Prostatahypoplasien, offene Diabetesbeine, der Hund der Tochter, alles Nägel, nehmt mein Zeug es wird alle Nägel versenken!!!

Doch, es war wirklich interessant. Mal gucken, ob die Geschichte weitergeht, mein Kollege und ich waren vielleicht ein wenig desillusionierend.

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*schließlich ist einer unserer Werte „Teile“. Also eigentlich „wir teilen“, nämlich Wissen, innerhalb und auch nach außen, aber so wie es in der Liste unserer Werte steht heißt es „Teile“ oder ganz streng genommen „wir sind… und Teile“ und es macht mich immer, immer, immer ganz wuschig

Tag 1400 – Alles drin.

Heute morgen dachte ich schon, dass heute ein besonderer Tag sein müsse, heute Nachmittag bestätigte sich das.

Was ich mich dabei ja oft nicht zu schreiben traue: mit „alles möglich“ meine ich nicht nur ein Verbot der AfD, Weltfrieden, Erfindung der CO2-Speicherkapsel sondern auch Meteor trifft Erde, Zombieapokalypse, sofortiges Versiegen des Golfstroms.

Tatsächlich war der Tag dann recht ok und ich wiegte mich in Sicherheit bis etwa 16:30. Arbeit war ok, ich schaffte es in den Stoffladen und kaufte da was ich wollte und nicht viel mehr und kam mit unter 15€ auf dem Bon wieder raus. Ich bekam den Zug um 16:24 und da fing es an irgendwie zu haken, der Zug war viel zu spät und dann auch überfüllt, ich hatte Kopfschmerzen und nicht so richtig Lust auf das Sommerfest der Erstklässler.

Was mir dann aber echt die Laune versaute, war, dass Herr Rabe meine Abrechnung für das Gehalt, das ich von der Chipsfabrik nie bekommen habe und das letzte Woche aus dem Lohngarantiefonds bezahlt wurde (juhu!), dabei hatte. Denn da ist dem Insolvenzverwalter ein ziemlicher Schnitzer unterlaufen, der dazu geführt hat, dass er mir viel (!) zu viel Einkommensteuer abgezogen hat. Nun hab ich ja die Einkommensteuererklärung schon längst gemacht (wir erinnern uns – da meldete sich der Insolvenzverwalter auf meine Nachfragen, wie ich das denn da angeben solle, einfach nicht), das heißt, ich darf dann wohl morgen beim Skatteetaten anrufen und nachfragen, was ich jetzt machen muss um irgendwann dann mal mit der Steuerrückerstattung dieses Geld zurück zu kriegen, eventuell halt erst nächstes Jahr. Zombieapokalypse wär mir fast lieber gewesen als nun weiter mit dieser Chipsfabriksache rumzulaborieren.

Wie heißt es so schön? Jede Firma kriegt den Insolvenzverwalter, den sie verdient.

Zur Auflockerung: heute keine Zombieapokalypse und ein Bild, das Michel beim Sommerfest gemacht hat.

Tag 1396 – Noch drei Tage drei.

Gestörtes Verhältnis zu ungeraden Zahlen, man kennt das. Ich leide seit 97 Tagen.

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Heute so: Kinder weggebracht, einziger Tag diese Woche, Montag bis Donnerstag habe ich immer abgeholt und dafür halt super früh den Bus genommen, damit ich vor acht bei der Arbeit bin. Schlaucht. Morgens Die Kinder wegbringen schlaucht allerdings auch. Michel macht ja einigermaßen mit, der trödelt nur, aber Prinzessin Sturkopf ist halt morgens schlecht drauf UND hat ihre ganz eigenen Ideen von allem und das strengt an. Heute zum Beispiel wollte sie den Werkzeugkoffer samt Inhalt mit in den Kindergarten nehmen. Ich sagte, sie könne eine Sache aus dem Koffer mitnehmen, „aber nicht den ganzen Koffer!“, woraufhin sie den Koffer in ihren Rucksack ausleerte und alles mitnahm, außer dem Koffer selbst. Widerstand durch Eltern zwecklos, es sei denn man will weitere 20 Minuten vergeuden, weil das Kind schreulend auf dem Boden liegt.

Bei der Arbeit: guter Tag. Dinge getan, die sich erwachsen und kompetent und ernst genommen anfühlten. Außerdem weiter ausgebildet worden zur Behandlung von (internationalen) Qualitätsfehlern, weil ich Ende Juli da „Vikar“ sein werde, also katholischer Geistlicher Vertretung für die Frau, die das bei uns hauptamtlich macht. Das ist Teil meiner Jobbeschreibung als Inspektørin und ich glaube, ich werde da Spaß dran haben, jedenfalls hatte ich an der Einarbeitung schon viel Spaß. Ich kann ja inzwischen auch sehr gut damit leben, überall Streberin und flink pike zu sein, habe ich heute gemerkt, weil natürlich hatte ich die Hausaufgabe gemacht und natürlich hatte ich die SOP frisch ausgedruckt dabei. Wenn sowas anderen aus der Gruppe nicht gefällt sagt das ja mehr über sie aus als über mich, ne? Jedenfalls freue ich mich darauf, da Geistliche Vertreterin zu sein. (Trotzdem bitte nicht in den Reaktor spucken, falls Sie bei einem Pharmaunternehmen arbeiten. Danke.)

Die Verabschiedung der Kollegin war einigermaßen traurig für mich. Für die meisten anderen war sie wohl eher heiter. Die meisten anderen sind auch schon lange da und machen sich nicht so viele Gedanken drum, dass nun innerhalb von 6 Monaten 3 Inspektørinnen gekündigt haben und ob das wohl möglicherweise irgendwas bedeuten soll. Ich mag den Job aber weiterhin.

Außerdem heute Geld ausgegeben. Ich hoffe auf Enthüllung am Dienstag, dann sollte was in der Post sein, das dann hoffentlich was erklärt, das mich ein gutes Stück voranbringen sollte, mit dem letzten Jahr abzuschließen. Aber Geld ausgeben geht schon mal und ich brauche wirklich neue Sommerschuhe – meine Chucks fallen auseinander und die letztes Jahr reduziert gekauften haben mir in den letzten Tagen in kürzester Zeit furchtbare Blasen beschert. Für sowas ist das Leben zu kurz. Im Vorbeigehen heute außerdem Birkenstock’s hübsch gefunden. Es geht vielleicht auch einfach zu Ende mit mir.

Nun Bett. Noch ist kein Kind hier, das muss genutzt werden.