Tag 3900 – 3902 – Dies und das.

Die einzige „vollwertige“ GMP-Inspektorin bei der Arbeit zu sein ist ja auch nur so mittel. Aus Gründen gehe ich auch beiden Chefinnen aus dem Weg. Aus anderen Gründen habe ich auch bis auf Montag die ganze Woche Homeoffice (und Montag hatte ich nach der Arbeit auch wieder Migräne, das ist echt fast jeden Montag so und sehr ätzend) und aus wieder anderen Gründen habe ich diese Woche eine recht ruhige Woche. Verdient, wie ich finde. Trotzdem landet halt jeder GMP-Scheiß bei mir, und dann schreibe ich wahlweise freundliche oder genervte oder schwammige mails zurück. Je nachdem, was für eine Kategorie Anfrage gekommen ist. Und das mache ich ganz alleine und ohne KI. Ha.

Michels Kieferorthopäde meint, Michel braucht doch noch eine lose Spange. Das kostet… sehr viel Geld. Und das, obwohl wir nur einen Eigenanteil zahlen, weil durch den tiefen Überbiss eine medizinische Notwendigkeit besteht. Ein paar Tage nach Brille aussuchen finde ich das weniger amüsant als eh schon. Kinder sind echt teuer. Und wenn man denen schlechte Zahnstellungsgene und schlechte Augengene mitgegeben hat, umso mehr.

Mit Grieg geht es vorwärts. Überraschender Weise ist das gar nicht so schlimm, das hört sich nur schlimm an und sieht schlimm aus. Vielleicht überschätze ich mich auch total, aber das geht echt überraschend gut klar.

Hier ist ein bisschen Freizeitstress, muss ich zugeben. Am Wochenende sind die Tanzvorstellungen, das heißt, die regulären Kurse sind dann erst mal vorbei, das dürfte einiges entzerren. Da hat man dann auch Zeit, Michel eine feste Spange in den Oberkiefer kleben zu lassen und nebenher ein paar hausgemachte Drogen zu verkaufen um das finanzieren zu können.

Tag 3890 und 3891 – Party Party Party!

Ich sollte wahrscheinlich dringend schlafen, aber ich muss wenigstens erzählen, DASS ich gestern auf dieser Jobfeier war. Das Thema war „wähl ein Jahrzehnt“ und nachdem ich diverses durchprobiert hatte, landete ich bei einem von meiner Omi geerbten Kleid aus den 60ern. Nun habe ich ja die Frisur, die ich habe, die gibt nicht soooo viele klassische 60s-Stylingmöglichkeiten her, aber mit ein bisschen Recherche fand ich Edie Sedgewick, eine recht tragische Figur, die jung nach einem intensiven Leben starb. Aber sie hatte kurze Haare und ein sehr prägnantes Make-Up, das aber nicht komplett drüber in manchen Aspekten war (wie z.B. das von Twiggy, die sich wohl drei Paar falsche Wimpern übereinander geklebt hat. Ich besitze nur zwei paar falsche Wimpern). Also habe ich morgens schon meine Haare mit Gel in eine Seitenscheitel-runder-Hinterkopf-Geschichte geklebt und mir nach der Arbeit ein 60s-New York-it-Girl-Make-up aufgemalt. Nein, ich hab leider kein Foto gemacht. Ausgeprägter Lidstrich, dahinter ein „Streifen“ Weiß, bis zur Lidfalte, wo ein schmaler aber deutlicher Streifen in grünschwarz mit einem Wing nach außen war. Unterm Auge schwarzer Kajal, um den Hündchenaugen-Effekt zu verstärken. Dazu falsche Wimpern (1 Paar) und ein altrosa matter Lippenstift.

Und damit war ich dann komplett drüber. Ich hatte vergessen, wie lahm bürokratisch meine Kollegys zum Großteil sind. Also, ja, manche hatten sich immerhin in irgendwelche Jahrzehnt-Fummel geworfen (überraschend viele schlimme Jogginganzüge aus den 80ern), aber mit Make-up spielt irgendwie niemand. Schade eigentlich.

Das Fest war dann nett, aber furchtbar laut und sehr sehr anstrengend für mich. Es gab gutes Essen, aber mit nur wenigen vegetarischen Optionen (ich hab mir sagen lassen, dass die Fleischgerichte alle super waren). Immerhin gab es zwei Getränkebons pro Person, das ist ungewohnt großzügig vom Werk. Dieses Mal hab ich vom Weißwein auch keine Kopfschmerzen bekommen.

Um zehn begab ich mich auf die Heimreise und um viertel nach elf war ich endlich erlöst von zwei Plagen: dem Kleid (meine Omi war schmaler als ich, zumindest in Schultern und Oberweite, die hob halt auch keine Gewichte, ne?) und der rechten Kontaktlinse. Wegen Astigmatismus nur auf dem rechten Auge habe ich unterschiedliche Kontaktlinsen für links und rechts, und die rechte wird immer schneller „zäh“ als die linke. Ich konnte den halben Heimweg kaum noch was sehen und Augentropfen halfen auch nicht, aber im Zug, wo ich mir nicht mal die Hände vorher waschen kann, wollte ich die Linsen auch nicht rausfummeln. Also dann zu Hause, und das war SO SCHÖN.

Danach bin ich nach einer Dusche einfach ins Bett geplumpst und habe elf Stunden geschlafen.

Fazit: Ich bin stolz auf mich, dass ich das durchgezogen hab, dass ich socialized hab, und dass ich mir nicht vor lauter Scham das Make-up wieder abgewaschen hab. Sollen sie halt denken, dass ich gerne mal aussehe wie ein Clown, weil es das tatsächlich manchmal auch trifft. Make-up macht mir nach wie vor einfach Spaß.

Heute haben wir nicht so viel gemacht. Michel und ich haben neue Fahrradhelme gekauft und im Anschluss habe ich meine Haare schneiden lassen, damit ich wieder ordentlich aussehe. Danach habe ich sie dann oben blondiert, damit ich wieder unordentlich aussehe. Morgen kommt dann Farbe drauf.

Tag 3887 – 3889 – Zurück im Werk.

Da sind alle bekloppt, was niemanden mehr überraschen dürfte. Vielleicht sind es auch weiterhin meine Hormone, die Nerven, jedenfalls gehen mir ALLE kolossal auf den Geist. Heute hatte ich Homeoffice, das hat geholfen.

Ansonsten passiert aber auch irgendwie Nix. Michel hat heute einen Friseurtermin verpennt, zu dem er alleine hingehen wollte/sollte. Ich war joggen und hasse das immer noch. Außerdem hab ich Zeug rausgesucht, um morgen nach der Arbeit zum „Winterfest“ mit besagter Arbeit zu gehen. Aufgrund von Laune habe ich die Entscheidung, ob ich da hin gehe, ewig vor mir her geschoben, aber jetzt hab ich ein Kleid und Schminke rausgelegt und es wird schon irgendwie werden. Ich kann ja auch um acht nach Hause gehen.

Gestern Burlesque und vorgestern Ballett: mir tun furchtbar die Füße weh. Also nicht so zu viel gelaufen weh, sondern mehr so eigentlich sollte man zum Arzt damit weh. Links ist am schlimmsten. Letztes Jahr war’s rechts. Aber der Arzt sagt dann auch nur „ja dann machen Sie eben nicht so*!“ und das kommt gar nicht in die Tüte, yolo, und in zwei Wochen ist Show. Also vom Ballett.

Machen Sie das nicht nach, ne? Aber ich bin groß und kann selber entscheiden, wann ich zum Arzt gehe. Generell bin ich groß und kann Dinge selbst entscheiden, das musste ich aber auch bei der Arbeit erst mal wieder klarstellen. Was mit ein Grund ist, weshalb die mich alle so nerven.

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*alles, wo unter Belastung die Zehen angewinkelt werden, also jedes Relevé und generell das Tragen von und Herumlaufen in hochhackigen Schuhen. Gefühlt sind aber alle Schuhe irgendwie falsch. Und ohne Schuhe ist auch falsch. Tja. Den Kindern würde ich an dieser Stelle Amputation vorschlagen.

Tag 3875 – 3877 – Hoppalalalala.

Eine Verkettung unglücklicher Umstände führt dazu, dass ich in drei Stunden schon wieder aufstehen muss, aber jetzt gerade knallwach bin. Das ist ungünstig, aber nicht wirklich zu ändern.

Ich habe die ganze nächste Woche frei. Gestern habe ich einiges an Zeugs weggearbeitet und kann jetzt auch guten Gewissens frei haben. Es war tatsächlich ganz nett, mal endlich die Dinge wegzuschaffen, die seit Monaten für ein schlechtes Gewissen sorgen. Die Inbox ist fast auf Null (unbearbeitete Dinge lasse ich da bewusst liegen, das waren dann gestern aber auch nur noch zwei) und die To-Do-Liste hat keine überfälligen Punkte mehr.

Ansonsten habe ich ein zweiwöchiges Sportprogramm angefangen, das (zusammen mit Zirkeltraining und Ballett und Burlesque und und und) dafür sorgt, dass ich ständig Muskelkater habe. Aber das ist ein viel angenehmerer Schmerz als Rücken-Schulter-Knie und was eine sonst so an Zipperlein bekommt, wenn sie den Sport schleifen lässt. Lediglich meine Füße sind von jeder Form von Training bisher schmerztechnisch unbeeindruckt. Außer Burlesque, das beeindruckt sie wegen der High Heels schon, aber in die falsche Richtung.

Tag 3873 und 3874 – Piep.

Nur kurze Meldung, weil mir die Augen zufallen. Bei der Arbeit sind weiterhin alle bekloppt. Ich arbeite mir den Hintern rund und versuche, nebenbei sowas wie ein Leben zu haben, heute z.B. dadurch, dass ich für Pippi und ihre Freundinnen Tanz-Taxi war. Außerdem war ich beim Optiker, der drülf Untersuchungen gemacht hat, wobei rausgekommen ist, dass meine Augen, außer dass ich halt schleckt sehe, völlig in Ordnung sind.

Ich bin echt urlaubsreif und heilfroh, dass ich nächste Woche frei habe.

Heute war beim Burlesque kein Impro (naja, nur ein bisschen Impro), aber dafür hat die Gürtelschnalle an meinem Puddingtown-Regenmantel die Stunde nicht überlebt. Seufz.

Tag 3872 – Alle bekloppt.

Bei der Arbeit sind alle einigermaßen irre, was soll man sagen, ich darf ja auch nichts sagen, Sie müssen das jetzt einfach so hinnehmen.

Krisenmaximierung ist ein Wort, das ich im Norwegischen sehr mag. Das passt sehr schön zum ersten Satz.

Heute habe ich außerdem passenderweise eine Umfrage ausgefüllt, die mir seit Jahren immer mal wieder in meiner Funktion als Staatsangestellte zugestellt wird und eine der Fragen war, ob einer die politische Führung in die Sachbearbeitung reinfunkt und ich antwortete total überzeugt nein.

Naja, stay tuned, vielleicht muss ich bei der nächsten Umfragerunde anders antworten.

Tag 3867 und 3868 – Kontraste.

Also, das waren jetzt zwei sehr seriöse und erwachsene Tage. Meine Güte. Ich finde das immer noch etwas seltsam, dass ich sowas einfach darf, da in die Firmen gehen und denen dann sagen, was sie alles falsch machen. Aber es ist jetzt geschafft und morgen werde ich hauptsächlich im Hoodie und in Jogginghose vorm Rechner sitzen und früh Feierabend machen, ich finde, ich habe das mehr als verdient.

Gestern Abend bin ich nach der Inspektion noch zum Burlesque gegangen, weil das ja oft gut tut, um auf andere Gedanken zu kommen (und auch vernünftig zu schlafen und nicht drülf mal nachts wach zu werden und an irgendwelche Arbeitsdinge zu denken). Was ich verdrängt hatte: es war angekündigt, dass wir Improvisation mit Handschuhen (also dem Ausziehen von Handschuhen) machen sollten. Was ich mir in meiner wildesten Phantasie nicht vorgestellt hatte: dass wir KOMPLETT nur improvisieren würden. Eine Stunde Tanzimprovisation, dann eine halbe Stunde Handschuhimprovisation. Ich hasse Improvisation. Ich kann das nicht. Deshalb sollte ich es mehr üben, yada yada yada aber ICH. WILL. DAS. NICHT. AHHHHH. Alles in mir sträubt sich dagegen. Natürlich hab ich es trotzdem gemacht. Aber nach nem ganzen Tag mit fachlichen Diskussionen auf hohem Niveau „einfach mal so“ was improvisieren, OH GOTT.

Ehrlich, schmeiß mir irgendeine Choreo zu, ich mache mich auch zum Affen und alles, kein Problem. Aber bitte nicht einfach Musik anmachen und sagen: „Stell dir vor, du bist Rauch, in einem Raum voller Rauch.“

(Zu allem Überfluss weiß ich jetzt, dass meine Handschuhe, wenn mir sehr warm ist, kaum an- und schon gar nicht wieder ausbekomme. Geschwollene Hände sind ein Ding.)

Tag 3864 und 3865 – Piep 2.

Heute habe ich zweieinhalb Stunden zur Arbeit gebraucht, davon habe ich über eine Stunde in einem komplett überfüllten Bus, der an jedem dritten Baum gehalten hat, gestanden, und insgesamt war dieses Erlebnis so erfreulich, dass ich jemanden umgebracht hätte, hätten sie auch nur falsch Hallo gesagt. Warum das ganze: in Oslo S war ne Sicherung rausgeflogen. Das kommt vor, leider relativ oft, und weil das System da aus der Steinzeit ist, müssen in solchen Fällen 160.000 Sicherungen händisch überprüft werden. Das kann dann 5 Minuten dauern oder 3 Stunden. Es ist wirklich lächerlich. Wenn man dann noch in Betracht zieht, was so ein Jahresticket für die 35 Minuten Oslo-Eidsvoll kostet, kann man schon mal sehr angefressen sein, wenn man morgens schon vor 8 mehr und engeren Körperkontakt mit Fremden hatte als in einem Jahr wünschenswert ist.

Der Rest des Tages war ok, aber geprägt von meinem Groll. Gestern war auch ok, ich hab sogar gebacken und Michel hatte Besuch.

Morgen geht es wieder auf die Inspektion. Heute habe ich diesbezüglich mit Hilfe meiner Kollegin und dem Lieblingskollegen schwierige Entscheidungen getroffen. Das gehört zu den eindeutig weniger schönen Aspekten meines Berufes.

Tag 3860 und 3861 – Im Inspektionstunnel.

Diese Woche drei Tage, nächste Woche drei Tage (gleiche Firma), dazwischen und danach Office und Umorganisierung und tralala. Und Korpsdings am Wochenende mit Backen von Boller. Inspektion könnte theoretisch entspannt sein, ist sie aber nicht, vor allem nicht für mich, weil ich da „Chef“ bin (lead inspector) und alle schwierigen Entscheidungen treffen muss. Hurra.

Dazu müde und Kopfschmerzen (kein Wunder, wenn man den ganzen Tag durch 4 Etagen Firma gerannt ist) aber das beste was ich machen kann, ist wohl, einen guten Job zu machen und meine schwierigen Entscheidungen auf einer möglichst soliden Grundlage zu treffen (nicht so wie unsere Direktion *hust*).