Tag 1681 – Corontäne Tag 8.

Es knirscht und holpert und ist einfach anders und einfach ist anders. Aber es muss ja. Und deshalb wird es auch.

Ich hatte heute den Schul-Teil des Tages und habe den dazu genutzt, mit den Kindern nahezu zu machen, was auf dem Stundenplan stand, nämlich Blumen pflanzen. Ich erzähle lieber nicht zu viel darüber, wie das war. Ich bin ein Kontrolletti und das klappt mit wuseligen Kindern eher mäßig.

Blumenkreißsaal.

Draußen guckt der Rhabarber aus der Erde, sonst aber leider noch nichts.

Mittags durfte ich meine neue Sonnenbrille abholen. Morgens Blutprobe. Beides sehr Corona-gekennzeichnet. Beim Arzt durfte ich ausnahmsweise im Wartezimmer warten aber auch nur, weil da niemand anderes saß. Andere Patient*Innen sollten draußen warten und wurden angerufen, damit sie rein kommen können. Das selbe beim Optiker: ich wartete im Auto auf meinen abgemachten Termin, während drinnen die Optikerin über alle Oberflächen putzte, die der vorherige Kunde angefasst hatte. Optiker haben hier auch seit Montag eigentlich Zwangs-zu, die Brille durfte ich nur abholen, weil ich sie lange vor den Maßnahmen jetzt bestellt habe. Und eben einzeln und nach Terminabsprache und mit minimalem Kontakt zur Optikerin. (Bild vielleicht morgen.)

Ich finde das alles gruselig. So stelle ich mir die Angangssequenz aus Zombie-Filmen vor, die ich aus Gründen nicht gucke.

Mittag bis später Nachmittag: Arbeit. Meetings (Remote) und Anleitungen für die Kolleg*Innen basteln. Es ist kompliziert.

Es ist etwas verstörend, zu sehen, dass der Kollege sich nicht rasiert und die Kollegin sich nicht schminkt, andererseits sitze ich auch ungeschminkt vorm PC.

Es braucht wohl alles noch ein bisschen Gewöhnung.

Tag 1680 – Corontäne Tag 7.

Hrgls ich muss eigentlich echt dringend ins Bett. Meine Augen sind schon ganz klein.

Ich freue mich ein bisschen darauf und darüber, meinen Kolleg*Innen all die schönen Arbeitstools nahezubringen, die wir ja eigentlich schon eine Weile bis zufällig vor kurzem bekommen haben, aber nicht in Betrieb genommen haben. Ich bin die ganze Zeit voll pädagogisch (finde ich) und schreibe immer z.B. wo man welche Daten findet. Das Screenshot-Tool ist mein bester Freund und ich schreibe das erste Wiki meines Lebens. Und dann schreibe ich eine Mail, wo steht, wo man in Teams das Wiki findet. Aber das wird schon alles werden, mir macht sowas ja Spaß und es ist DIE Gelegenheit, alles vom vollgemüllten Server zu retten, was wirklich gebraucht wird und den Rest in Gorleben umzubenennen.

Wir haben heute Blumenerde gekauft. Nicht so viel, wie ich wollte, aber schon viel. Dazu bin ich mit den Kindern zur Miljøstation gefahren und habe Komposterde in Säcken auf dem einsamen Parkplatz in den Kofferraum geworfen, danach habe ich kontaktlos mit Karte bezahlt. Menschlicher Kontakt: quasi 0. Der Frühling kann jetzt kommen.

Eigentlich ist der Frühling schon da. 12 Grad und warme Sonnenstrahlen!

Spaziergang ohne Menschen. Die drei, die wir trafen, machten einen sehr weiten Bogen um uns und wir um sie.

Tag 1679 – Corontäne Tag 6.

Spät, heute aber wegen Arbeit am Abend. Vielleicht muss ich doch aufpassen, dass ich nicht mehr als die 7,75 Stunden am Tag arbeite, die ich momentan abrechnen kann. Bei uns ist es nämlich netterweise so geregelt, dass die, die Kinder zu betreuen haben, sofern sie annähernd „normal“ arbeiten, die normale Arbeitszeit abrechnen dürfen, auch wenn sie momentan vielleicht nicht ganz so effektiv arbeiten und nicht ganz so lange „da“ sind. Ich mache ja normalerweise dauernd Überstunden, jetzt grad halt nicht, oder doch? Hmm. Ich muss das beobachten.

Die ganze Situation ist furchtbar anstrengend, ehrlich gesagt. Schon an Tag 6. Jetzt fühlt es sich nämlich endgültig an wie 2 Vollzeitjobs. Vollzeit-Arbeit plus Vollzeit-Kinderbetreuung. Keine Ahnung, wie unsere Omas das gemacht haben, bevor es Kindergärten gab, ehrlich. Da mussten wohl Kinder wirklich einfach so mitlaufen, schätze ich, und auch viel mit anpacken.

Ersteres können meine Kinder relativ gut, zweiteres… naja. Wir arbeiten dran. Heute haben wir „Kunst und Handwerk“ gemacht:

Meerschweinchenschloss. Es bekam noch ein Katapult, mit dem die Meerschweinchen dann eine kleine Weihnachtsbaumkugel aus Plastik schießen können. Also falls wir hochintelligente WehrMeerschweinchen kriegen, jedenfalls.
Das hat Pippi echt alles ganz alleine gemacht und dabei auch nur minimal rumgesaut!

Pippi haben wir außerdem heute mit einem Perlen-Fädel-Set glücklich gemacht:

Das kann sie sehr lange. Es werden auch sehr lange Ketten.

Und der Vorteil an all dem: ich musste nicht wieder „My hat, it has three corners“ auf drei Sprachen singen. (Wie konnte das passieren? Warum bin ich in dieser Situation? ICH HABE DAS SO NIE UNTERSCHRIEBEN!).

Remote arbeiten mit meinen Kolleg*Innen ist ein bisschen challenging, oder wie meine Chefin sagte: „wir sind ja alle nubes“. sic.

Tag 1672 – Zwischen whoa und whoa.

Inspektion: läuft. Und sie ist so unfassbar spannend! Ahhhhh! Ich würd so gern mehr erzählen, aber daaaaarf nicht ahhhhhhh!

Ab morgen hat das ganze Werk Homeoffice. Die Aktion wirkt unkoordiniert und panisch. Man weiß weder genaues über die Gründe noch hat man an uns gedacht, die einfach mal mitten in einer Inspektion stecken, die wichtig ist, auch, hüstelhüstel gesamtgesellschaftlich für die Versorgung norwegischer Patienten. Jedenfalls wussten wir etwa 2 Stunden lang weder, ob wir Freitag wieder nach Hause dürfen, noch ob wir eventuell alles abbrechen und sofort nach Hause kommen müssen. Müssen wir nicht, wir dürfen hier erst mal weiter machen. Trotzdem haben wir heute ein bisschen Risikobewertet und ziehen jetzt alle kritischen Themen vor. Wer weiß was morgen Nachmittag ist.

489.

Tag 1671 – Hotelzimmeraussichten Teil 4. und 35.

Iiiiiiiich hab Geburtstag.

Bester Geburtstag. Habe den ganzen Tag inspiziert und damit das gemacht, was mir viel Freude bereitet. Hach! Hach. Wer hätte das gedacht, nach 2017 und 2018? Ich jedenfalls nicht.

Das 35. wird mein Lebensjahr, das hab ich so beschlossen.

Jedenfalls, die Aussicht:

(Falls Sie’s erkennen: behalten Sie’s bitte für sich.)

Restlichen Tag mit Amüsement über Reiserichtlinien verbracht. Ob jemand dran gedacht hat, dass drei Inspekteure grade schon auf Reisen sind? Wohl kaum. Jedenfalls sollen wir jetzt nicht mehr reisen. Mal sehen, ob wir Freitag wirklich nach Hause kommen oder laufen müssen. (Im Hotel ließe es sich zur Not noch etwas aushalten.)

Tag 1670 – Waaaaaaaegschaffen.

Huff huff. Zu viel zu tun, da werden Mails auch mal etwas unwirscher schneller beantwortet. Die nächsten vier Tage Inspektion machen es nicht besser, keine Zeit keine Zeit und überall Coronavirus. 192 übrigens. Spannend: man weiß bei 3 noch nicht, wo sie sich angesteckt haben. Gut, dass ich morgen erst mal flüchte in ein Fylke mit nicht mal halb so vielen Fällen reise.

Inzwischen läuft das Packen für Jobreisen schon recht routiniert. In einem anderen Leben hab ich dann echt alles doppelt, jetzt hab ich vieles einfach in klein. Außerdem haben sich bewährt: Cremedeo in Minidöschen abgefüllt und Haarpuder statt Wachs. Der Reiserucksack bzw seine Bestandteile: eine Mappe für Blusen (die darin tatsächlich halbwegs knitterfrei bleiben) und ein Dings Cube, in dem man Shirts, Socken, Unterwäsche und 23 Strumpfhosen sehr einfach und klein zusammenpacken kann, machen das Packen auch schon deutlich einfacher und platzsparender. Juhu!

Vielleicht hab ich mir doch was eingefangen, oder es ist ein neues Feature von Kater oder aber meinem Zyklus, dass ich mich einmal im Monat krank fühle, ohne es zu sein. Temperatur normal, aber Kreislauf wegen nonexistentem Blutdruck (und nem Ruhepuls von unter 60, ich sag ja, die Schilddrüsenblockerdosis ist zu hoch), dazu seltsame Verdauung (nix schlimmes, nur Gegrummel, harter Blähbauch und diffuses Übelkeitsgefühl). Das hatte ich halt vor exakt einem Monat auch schon mal, deshalb die Vermutung, es könnte am Zyklus liegen. Was es auch ist: ich möchte es nicht und es soll weggehen.

Tag 1667 – 113.

Noch sieht es aus, als würde unsere Inspektion nächste Woche stattfinden. (Ehrlich, wenn umsonst im März, an meinem Geburtstag, nach Ortdernichtgenanntwerdendarf fahre, oder, nicht auszudenken, dort in Quarantäne muss, zünde ich was an.)

113 insgesamt, 25 davon in Viken, wie unser Fylke jetzt heißt*. 23 in Oslo. Es ist alles sehr schön.

Übrigens brauchen nicht nur Krankenhäuser Mundschütze und Desinfektionsmittel, sondern auch pharmazeutische Hersteller steriler Medikamente, darunter Krankenhausapotheken. Sonst haben die Krankenhäuser irgendwann nix mehr zum Verabreichen. Das ist auch sehr schön.

Zweite Zyklushälfte, ick hör dir trapsen. (SCHÖN! VOLL SUPER!)

Immerhin bin ich so in der passenden Stimmung für den Frauenkampftag.

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*wir hatten eine große Umorganisierung in Norwegen, in deren Zuge diverse Fylke zusammengelegt, anders aufgeteilt und umbenannt wurden. Mich macht daran vor allem fertig, dass ich das erst in der Wetterapp mitbekommen habe. Ich sollte wohl wirklich eine norwegische Zeitung abonnieren oder norwegische Nachrichten gucken, aber wann und wie, ich lese ja nicht mal mehr regelmäßig die Blogs meiner Freunde und Bekannten da draußen.