Tag 1137 – Und dann, plötzlich…

… stehe ich im Supermarkt und kaufe (alleine) ein und kriege Gliederschmerzen. Im Becken (auch wenn das auch bei mir nicht atmet), im Rücken und in den Beinen.

… rupft sich das große Kind seinen nächsten Wackelzahn raus. Und singt ihm vor.

… verbringe ich fast zwei Stunden mit meiner Mutter am Telefon. Meine Mutter verplant schon mal das noch nicht vorhandene Gefährt, mit dem mein Onkel seinen Rennwagen durch die Gegend kutschieren will.

… bin ich so hundemüde, dass mir die Augen beim Tippen zufallen. Keine Links heute, bin froh, wenn ich mich noch abgeschminkt kriege.

Bitte jetzt nicht auch noch diese Erkältung von Michel.

Tag 1111 – Schnaps! Schnaaahaps!

(Und bis zur nächsten Schnapszahl dauert es wieder über drei Jahre! Kinder, wie die Zeit vergeht!)

Bei der Arbeit läuft alles seinen gewohnt absurden Gang, außer dass der Kollege ob seiner nächste Woche anstehenden Prüfung immer nervöser und dadurch reizbarer wird. Das überträgt sich auch auf mich und ich bin eh vielleicht grad etwas reizbar, das ist keine so gute Kombi. Aber so ist es eben jetzt, wir haben uns bis zum Hals in Artikeln eingegraben, damit wir besser einschätzen können, ob es das wert wäre, den einen oder anderen Prozess eingehender zu untersuchen und morgen früh sollen wir das dem Chipsmann dann präsentieren. Ähäm. Okay. Der Chipsmann selbst versucht Loyalitäten auszuloten und wenn ich was nicht leiden kann, dann wenn man versucht, mich zu manipulieren, ich bin dagegen, wie Michel sagen würde, allergisch, denn ich kriege Kopfschmerzen von diesem vielen Gedenke und nicht-Aussprechen und Geheimnisse haben. Urgs. Schreckliche Situation.

Apropos Michel: der meint auch, er sei allergisch gegen Licht, weil er morgens schlechte Laune und manchmal Kopfschmerzen hat. Ich denke ja, das liegt am Schlafmangel, genau wie Dauergeheul am Nachmittag/Abend. Leider hab ich heute auch wieder unter Beweis gestellt, das meine Mutter-Skills nicht so auf der Höhe sind, weil ich das mit dem Schlafmangel und „es ist eigentlich auch schon wieder Bettzeit“ ausgesprochen habe (–> mehr Geheul) und mir dann bei Michels Aufzählung, wie lange er sparen muss um sich irgendein Objekt der Begierde zu kaufen, nämlich „UND WIE LANGE SOLL DAS DAUERN, HÄH? SIEBEN UND SIEBEN UND SIEBEN UND SIEBEN UND SIEBEN MAL? UND SIEBEN UND SIEBEN…“ ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte –> „MAMA LACHT ÜBER MICH!!! WÄÄÄHÄHÄHÄHÄHÄ!“.

Tjanun. Muss alles, wird alles werden, irgendwie. (Heute für mich keinen Schnaps, morgen klingelt der Wecker auch wieder früh.)

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Auto-Lobhudelei: Ich werd durch den Job noch sowas wie diplomatisch.

Tag 1043 – Kurze Notizen.

„Aktiv arbeitssuchend“ sein ist nicht nur nervig, sondern unter Umständen auch richtig teuer. Zum Beispiel durfte ich ja dieses Event Bzw. die Reise dahin komplett selbst zahlen, weil wegen isso. Auch Mitgliedschaften in diversen Netzwerken sind zwar zum Teil preislich reduziert, kosten aber schon noch was. Kurse die mir weiterhelfen würden (oder zumindest nicht alle meine Gehirnzellen fressen und mich alles anzünden wollen lassen würden) muss ich, genau, selbst bezahlen. Und dann kommen da noch so vermeintlich alberne Aspekte zu wie: nicht jede*r hat Klamotten im Schrank, die man zu Interviews anziehen kann und manch eine*r hat ne Frisur die regelmäßig nachgeschnitten werden will. Meine zum Beispiel will das und da mein Friseur ab nächster Woche für vier Wochen im Urlaub ist, ließ ich heute locker flockige 700 Kronen da. Memo an mich: Für die nächste absehbare Jobsuche-Phase frühzeitig Langhaarfrisur planen und anlegen.

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Woran man merkt, welches Kind abends aus dem Kinderzimmer getappt kommt, bevor es da ist? Pippi schießt die Kinderzimmertür (generell alle Türen, es liegt also nicht an mir, dass:), Michel nicht.

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Pippi wächst wohl bald mal wieder. Die hat ja eh schon so große Füße und jetzt grad futtert sie Unmengen, zu jeder Mahlzeit, und keine Kohlenhydrate, sondern Proteine, Proteine, Proteine. Käse ohne Brot, Veggie-Würstchen aber keine Pommes, Fischstäbchen, Milch, Joghurt… und nachts wieder Bananen. Wir hatten sie schon von den Nacht-Bananen entwöhnt, es ist also anzunehmen, dass es nur wieder ne kurze Phase ist.

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Auch Pippi: geht jetzt ab und an aufs Klo. Und pullert dann auch. Ok, sie findet auch sehr spannend, dass sie auf dem Klo sitzend recht gut ihre Vulva untersuchen kann. Aber hey, sie ist fast drei, das mit dem Klo fände ich langsam echt gut, und dass sie wissen will, was da zwischen den Beinen alles ist, was man sonst ja schlecht selbst sieht, ist ja normal. Auch wenn ich heute das Angebot „Mama Pippi auch kitzeln?“ schmunzelnd ablehnte und hinterherschob, dass überhaupt gar keiner sie da kitzeln soll, außer ihr selbst. Und sie selbst auch besser nur, wenn ich nicht direkt daneben sitze.

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Michels unangenehmer Freund wird vielleicht doch nicht auf derselben Schule anfangen. Es gab da wohl einen unschönen Vorfall mit dem Alkoholiker-Vater und seitdem hat die Mutter das alleinige Sorgerecht, die Mutter wohnt aber inzwischen in einem anderen Stadtteil und der kleine Bruder wird ja, wie alle Kinder des Kindergartens (s.u.), nach den Ferien den Kindergarten wechseln – in einen bei denen in der Nähe. Dass Michels Freund also in die dortige Stadtteilschule geht, ist recht wahrscheinlich. Ich bin nicht soooo traurig. Also, ich fühle mit dem Kind wegen des Vorfalls und der generell bescheidenen Situation, aber ich finde schön, dass mein Kind das vielleicht nicht mehr ausbaden muss, was Erwachsene an diesem Kind verkackt haben.

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Unsere KiTa macht ja zu, es regt mich eh kolossal auf, aber sie sind jetzt schon seit zwei Wochen massiv am Abreißen und das finde ich echt unmöglich. Da gehen noch Kinder hin, ey, und denen wird sozusagen der Kindergarten unterm Hintern demontiert. Ich möchte da echt mal den Verantwortlichen bei der Kommune die Meinung sagen, diese ganze Aktion ist von vorne bis hinten mies.

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Auto-Lobhudelei: heute mehrere Job-Mails geschrieben, bei denen ich höflich, aber direkt mal nach dem Status gefragt hab. Auch: auf meinen Körper gehört und meinen Fuß geschont, der tut nämlich weh und mag weder gehen noch hopsen. Werde wohl einige Oberkörper-Workouts machen in den nächsten Tagen.

Tag 1033 – Viel Gebacken und ein bisschen Kindergedöns.

Wenn der Sommer halt wieder sehr Trøndermäßig ist (also: um die 12 plus minus 5 Grad, plus minus Regen), macht man halt den Backofen an und backt gegen die mäßige Laune an. Heutige Ausbeute: zwei Brote und ein Rhabarberkuchen. Und zwei Flaschen Rhabarbersirup*. Herr Rabe hat jetzt gelernt, dass man Rezepte immer ganz lesen sollte, denn im letzten Satz könnte sowas stehen wie „Kuchen in der Form auskühlen lassen“. Lecker war’s trotzdem, auch wenn es eine leichte zerflossene Matsche war, die sich halt besser mit dem Löffel als einer Gabel essen ließ. (Kein Foto. War echt optisch nicht so ganz schön.)

Michel hat heute gelernt, dass er keinen Rhabarber mag (wie hätte es auch anders sein sollen, dieses Kind ernährt sich ja konsequent vitaminarm). Pippi hat gelernt, dass sie „Rababa“** schon mag, aber nicht, wenn Michel das verweigert. Und nicht roh, aber dann mag ich den ja auch nicht.

Generell ist das mit Michel grad wieder einigermaßen anstrengend. Weil einfach alles zu einem Wutanfall führt. Egal was, es ist ein Drama. Zum Beispiel: da war ja Rhabarber auf dem Kuchen. Ekelhafter, alles verseuchender Rhabarber. Streusel, Vanillecreme und Boden mochte er zwar, aber bekam schon mal vorsorglich einen Heul- und Wütanfall, weil das ja sicher quasi unmöglich sein würde, den Rhabarber zu entfernen. Anderes Beispiel: er möchte dauernd Sachen haben. Teure Sachen, zum Beispiel einen Lego-Zug oder das Lego-Batmobil. Wir erklären dann, dass wir das nicht einfach so kaufen (Schreul!!!), er sich das aber ja zum Geburtstag wünschen kann (Schreuuuuuldasistaberjanochsoooooolange!). Wir erklären „Geld“ und „Wert“ und auch, dass wer alles immer sofort bekommt, Sachen vermutlich nicht wertschätzen lernt (Schreulwüttob!!!). Solche Situationen, und davon gibt’s ja im Leben mit Kindern ständig welche, führen halt momentan direkt zum Tobsuchtsanfall. Ich würde ja gerne behaupten, dass ich gar nicht weiß, woher er das hat, aber sagen wir’s mal so: der ist ich mit der Impuls- und emotionalen Kontrolle eines Fünfjährigen. Juchhe. Hoffentlich finden wir alle noch einen Weg, damit mit weniger Schreien umzugehen. Erstmal haben wir heute abgemacht, dass er ab den Sommerferien ein wöchentliches Taschengeld bekommt, damit er ein besseres Gefühl für den Wert von Geld bekommt. Vielleicht hilft’s ja. Wegen der Höhe haben wir ja null Ahnung, da kann man’s ja auch wieder nur falsch machen, aber wir fanden, dass der Gegenwert von einem im normalen Laden gekauften, normal großen Eises ganz gut ist. Das sind dann ca. 25 Kronen (etwa 2,70€) das kommt mir irre viel vor (ich bekam 1 DM damals!) aber Norwegen heute ist halt nicht Deutschland vor 27 Jahren und für 10 Kronen kriegt man hier nicht mal eine Packung Hubba Bubba (das kaufte ich damals dann für meine Mark, oder eben zwei (!) Kugeln Eis beim Bäcker oben an der Straße), das kann’s ja auch nicht sein irgendwie. Die Zuckerwatte beim Juba Juba Festival neulich kostete 50 (!!!) Kronen. So zum Vergleich.

Pippi versucht hingegen immer, ihren Willen zu kriegen, IMMER, jetzt hat sie zum gewöhnlichen Repertoire einer knapp Dreijährigen*** noch die Drohung „… eller så sier jeg ifra!“ (frei übersetzt: „… sonst petz‘ ich!“) hinzugefügt, sicher ein Kindergarten-Ding. Ist halt nur lustig, wenn sie das bei uns versucht, wem will sie da denn petzen? Ihrem Teddybär?

Insgesamt also alles vermutlich ziemlich normal hier, nur mit Rabarbra.

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Auto-Lobhudelei: Recht gelassen die meiste Wut hingenommen. „Begleitet“, sagt man in Erzieher*Innen-Sprache.

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*gestern habe ich Rhabarber gekauft, weil ich eigentlich 1 kg einfrieren wollte, bis die norwegischen Erdbeeren kein Vermögen mehr kosten. Morgen muss ich dann also noch ein Kilo Rhabarber kaufen um es einzufrieren.

**Wir sind Westfalen, Rabaabaa. So.

***Also auch Schreulen und Hauen und sich auf den Boden werfen.

Tag 1002 – Dies und das.

Die letzten drei Tage war hier Sommer. Nur noch sehr wenig grün. Aber 24 Grad – das ist, wenn wir ehrlich sind, ein ziemlich guter Tag im August. Ich verdenke es den Trondheimern auch in keinster Weise, dass sie diese 24 Grad nutzen um im Park herumzuliegen und zu grillen und Planschbecken zu verkaufen. Was ich ihnen etwas übel nehme ist: sie lassen überall ihren Müll liegen, die Mülltonnen sind heillos überfüllt und es liegen Haufen aus Plastiktüten gefüllt mit allem zwischen Grillfleischverpackungen, Essensresten und gefüllten Windeln einfach um die Mülleimer herum. Zum Kotzen, und erst recht wenn drei Meter weiter einer der Gullideckel mit dem schönen Spruch „Kacke, Pipi, Klopapier – mehr soll nicht ins Klo!“ dafür wirbt, keine Essensreste ins Klo zu werfen, weil das Ratten anlocken könnte. Wäre ich Ratte, ich würde wohl einfach oberirdisch Müllbeutel plündern.

Was ich auch mehr als befremdlich finde: alle Jahre wieder sieht man an den ersten sonnigen Tagen viele, viele Sonnenbrände. Wirklich fiese, zum Teil, wir sind ja hier immerhin im Norden und die „Ureinwohner“ haben tendenziell schon sehr blasse Haut, sind gern mal (hell-)blond und haben blaue Augen. Bei Erwachsenen denke ich dann ja oft noch „selber schuld, sind ja erwachsen, an jeder Apotheke hängen die Plakate und gibt’s Sonnenschutz mit Faktorrabatt“, aber was mich ratlos macht, sind Kinder mit verbrannten Nasen und Nacken. Da möchte ich, von Eltern bis KiTa-Personal, alle schütteln und sagen: „Cremt. Die. Kinder. Ein. Hautkrebs. Ist. Scheiße. Verdammtnochmal!“. Ja, es ist oft auch keine wahre Freude, ein sich windendes Kleinkind einzucremen, das weiß ich aus erster Hand, aber ich weiß auch: der Groschen fällt irgendwann und dann ist „Sonne scheint, also eincremen“ fast so selbstverständlich wie das abendliche Zähneputzen. Bis dahin sehe ich das wie eben Zähneputzen: es ist meine Verantwortung, dass meine Kinder weder Karies noch Sonnenbrand kriegen, Zweidreivierjährige können solche diffusen Konsequenzen wie „akkumulierte DNA-Schäden“ noch nicht abschätzen, also wird da nix mitentschieden, Zähneputzen, eincremen, basta.

Hrmpf!

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Urlaubsvorbereitung war heute etwas frustrierend: die Wettervorhersage sagt, dass es an drei von sechs Tagen bei 17 Grad regnen wird. Juchheh.

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Trotzdem Kinder-Sommer-Klamotten gesichtet und sortiert, um zu schauen, ob morgen noch was besorgt werden muss. Antwort: eher nicht, Pippi hat ca. 8 Kleider, die letztes Jahr noch zu groß waren und geschätzt 16 kurze Leggins, die an ihre Spargelbeine immernoch sehr gut passen, auch in Größe 86.

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Pippis A-Phase ist wirklich nicht schön. Dieses Kind ist wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Im einen Moment niedlich hoch 10, singt Lieder, erzählt einem was, macht Quatsch, aber im nächsten Moment (wenn man ihr dann gesagt hat, sie soll den Quatsch doch sein lassen) ein Wutzwerg sondergleichen, der kreischheulend und um sich tretend und schlagend auf dem Boden liegt. Heute hat sie Herrn Rabe volle Wucht ins Gesicht gehauen. Mit Absicht. Generell wird kein von uns in normaler Lautstärke und Ton geäußertes „Nein“ akzeptiert, wir müssen immer erst laut werden. Und dann brüllt sie und beschimpft sich als „Dumme Pippi!“. Hoffentlich ist das bald vorbei.

Tag 966 – Motzi.

Die gute Nachricht: Pippi ist soweit wieder gesund, dass sie in den Kindergarten gehen kann.

Die schlechte Nachricht: Pippi steckt bis zu den entzückenden Haarspitzen in der, ja, ich lege mich da jetzt schon fest, allerschlimmsten aller Entwicklungsphasen: der Autonomiephase.

Es ist furchtbar. Ihr Lieblingswort ist Nein. Ein geschrienes, wütendes Giftzwerg-Nein. Ziehst du dich bitte an? Nein. Kann ich dir die Zähne putzen? Nein! Gibst du das Michel bitte zurück? NEIHEIN! Aussagen statt Fragen formulieren hilft auch mal so gar nicht. Lass den Becher stehen. Nein. Jetzt ist gut mit Hände waschen. Nein! Ich ziehe dir jetzt die Windel an. NEIHEIN!

Ist das alles? Nein. Denn dazu kommt, dass sie ein Sturkopf sondergleichen ist und wenn sie nicht bekommt, was sie will, folgt halt ein Wutanfall. Heute hatten wir derlei drei:

  • Auf dem Weg zum Kindergarten, weil sie Laufrad fahren wollte, dann doch nicht mehr, dann aber nicht im Kinderwagen sitzen wollte, sondern den selbst schieben und wir nach dem Laufradgehampel und diversen Neins am Morgen da keine Zeit für hatten. Ergo: brüllendes Kleinkind auf dem Bürgersteig, mitten zwischen den angetauten Hundehaufen und den sechs Tonnen Split die da noch liegen.
  • Beim Abholen aus dem Kindergarten, weil sie ihre Hausschuhe da lassen musste. Das ging so weit, dass ich sie einfach so, wie sie war, ohne Mütze, Schuhe oder Anzug aus dem Kindergarten schleppte und im Kinderwagen festschnallte. Da tobte sie dann noch weiter vor sich hin und verweigerte den ganzen Nachhauseweg standhaft jedes Angebot, ihr was anzuziehen. NEIHEIHEIHEIN! Bei 5 Grad ist das sicher nicht schön gewesen.
  • Beim Aufwachen aus dem Schläfchen, was sie spontan auf dem Sofa hielt, nachdem sie vor lauter Wut im Kinderwagen eingeschlafen war (ca. 5 Sekunden nach dem Foto). Für dieses Schläfchen war ich sogar ganz dankbar, weil ich auch nicht so sehr gerne in jeder freien Minute von meinem Kind angeschrien werde. Dieser letzte Wutanfall geschah augenscheinlich grundlos, bestand aus infernalischem Gebrüll und um sich schlagen und treten und alles vollschnoddern vor lauter Geheul und dauerte eine geschlagene Stunde. In der Stunde war ich ihr Boxsack, weggehen durfte ich nicht, sie anfassen aber auch nicht, mit ihr reden nicht. Als Michel ankam und ihr ein Schokoei anbot, pfefferte sie ihm das ins Gesicht. NEIHEIN!!! (Nahm Michel nicht übel, er aß es dann halt einfach.) Gerade als ich soweit war, mich im Bad zu verbarrikadieren, um dieses Gebrüll mal kurz nicht ganz so laut hören zu müssen, schluchzte sie laut „Maahaamaaa! Maaaamaaaa!“ und reckte ihre Arme in die Luft (nicht in meine Richtung, eher so irgendwohin halt) und auf meine Frage „Soll ich dich jetzt trösten?“ kam ein kaum hörbares „ja.“ zurück.

Ich weiß ja, es geht vorbei. Man kann nichts machen außer aushalten und das brüllende Bündel im Zweifel ganz schnell aus Supermärkten, KiTas und Arztpraxen entfernen (umstritten, ob man das wirklich sollte, aber erstens würde ich nicht wollen, dass mich jemand einfach Rotz und Wasser heulend in der Öffentlichkeit sitzen lässt, wenn es auch anders geht, auch wenn „Kinder halt dazu gehören“ und, zweitens, ja, da oute ich mich gern, aber fremde Kinder in der A-Phase kann ich, wenn ich ohne Kinder irgendwo bin, noch schlechter aushalten als mein eigenes. Wenn deshalb die Möglichkeit besteht, dass das Kind irgendwo anders brüllt, sorge ich als Mutter dafür, dass es das auch tut und schätze es auch, wenn andere Eltern das tun.). Diese Phase ist total wichtig für die Entwicklung des Kindes und blablablablabla, weiß ich alles.

Schön isses trotzdem nicht.

(Steigst du jetzt aus? NEIN!)

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Auto-Lobhudelei: Adoptionspapiere noch nicht ausgedruckt.

Tag 933 – Gnääähhhhh!

Geplant war, dass ich hier jetzt schon geraume Zeit im Bett liege und der Mann demnächst nach Hause kommt.

Jetzt liege ich hier seit grad und der Mann kommt vielleicht irgendwann morgen, denn, tadaa, einer seiner Flüge wurde abgesagt und jetzt befindet er sich auf einer „Hauptstädte Skandinaviens“-Odyssee, inklusive Schnee und Passagieren, von denen sich nur das eingecheckte Gepäck im Flugzeug befindet. Neben mir liegt Pippi, die vor eineinhalb Stunden während ich vor mich hinsportelte einmal kurz und dann als ich grad in die Dusche steigen wollte in infernalisches Gebrüll ausbrach. Ich versuchte wirklich alles, aber sie brüllte und schluchzte nur. Zwischendurch verstand ich irgendwas wie „Jalla“ oder „Allah“ oder „Aua“ oder vielleicht war es auch „Mama“, in der Lautstärke hört sich alles Kindergebrüll für mich gleich an. Auch bei meinen eigenen Kindern*. Ich ermittelte empirisch, dass meine Anwesenheit als Boxsack durchaus gewünscht war, alles andere aber nicht. Nach dreißig Minuten (in denen ich ja nackt in Pippis Bett lag, getreten und angebrüllt wurde, mich aber nicht zudecken durfte, weil wasweißichdenn) gab ich auf, schleppte das inzwischen heisere Brüllbündel ins Bad und ließ sie auf meinem Handy Mausclips gucken, während ich sehr schnell duschte, sehr schnell Vorteig für Brötchen ansetzte und sehr schnell Wäsche aufhängte. Jetzt gibt sie mir mein Handy nicht zurück.

News von der Vortragsfront: Ich werde entweder deutlich kürzen oder sehr schnell sprechen müssen. Das ist nicht so richtig cool, weil ich gefühlt schon alles bis zur Grenze der Verständlichkeit eingedampft habe. Naja, ich hab mir jedenfalls die Daten mit nach Hause genommen und kann vielleicht am Wochenende irgendwann noch mal ran. Falls Herr Rabe irgendwann wiederkommt.

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Auto-Lobhudelei: Eigentlich viel geschafft, trotz leicht widriger Umstände in Form widerborstiger Kinder.

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* Michel hatte heute morgen einen totalen Wutanfall, weil wir sein rotes T-Shirt mit dem Steinbock drauf noch nicht gewaschen haben. Das andere rote T-Shirt war völlig inakzeptabel, weil da Zahlen drauf sind. Unzumutbar. Er wollte dann zu Hause bleiben. Alleine. Wegen des T-Shirts. Nach vier Scheiben Brot zum Frühstück war das alles gar nicht mehr so schlimm und dann auch die rote Jacke ok, aber ich habe mal wieder gemerkt: wenn der so drauf ist, hilft nichts außer Aussitzen. Hirn out of order.