Tag 2111 – Durchgepustet.

Wo sich ein Bollogg hinsetzt, wächst tausend Jahre kein Nattifftoffenmoos mehr.

Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär

Wir waren den halben Tag draußen, es war Sonnenschein bei 8 Grad versprochen, es kam die meiste Zeit bewölkter Himmel und irgendwelche Grad, die sich wegen eisigem Wind anfühlten wie -3. Brrrr. Es war voll (ein beliebtes Ausflugsziel für Familien), bumsvoll, um genau zu sein, aber dank des ständigen Windes kann sich da kein Aerosol irgendwo gehalten haben und abgeleckt haben wir niemanden. Da war auch ein ganz toller “Kletterpfad” für Kinder, über den sich eine kleine Prozession von Kindern schob (hangelte, balancierte, kletterte…), das war schon sehr schön. Michel hatte lange ein paar Baustellen, was Balance angeht, das hat sich aber offenbar inzwischen gegeben, das finde ich sehr erfreulich.

Vor lauter frischer Luft und Menschen in 3D möchte ich jetzt gerne ins Bett gehen, ganz sofort. Michel schläft schon, der war auch platt nach dem Ausflug.

Aber schön war’s. Nächstes Mal nur gerne in etwas wärmer.

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Vermelde: bei Pippi ist der erste bleibende Backenzahn durchgebrochen. Immerhin noch nicht alle vier, wie bei Michel, als ich dann auch mal bemerkte, dass da was im Gange war. Natürlich erklärt „wackeln die Zähne, wackelt die Seele“ vieles, Herr Rabe und ich haben auch generell viel Verständnis, dass es schwer ist, 5 3/4 und bald ein Schulkind zu sein, aber uffuffuff lass es einfach bald vorbei sein. Bitte.

Tag 2076 – Bad Rothenfelde.

Heute:

– Alles brennt. Schulen und Kindergärten in unserem Kaff auf rotem Niveau, Alarm, Alarm, Krise*. Michel geht morgen nicht zur Schule, er hat Halsschmerzen und er und Herr Rabe gehen nachmittags zum Coronatest.

– Ich hab mir, ein Jahr into Pandemie und so late to the Party, dass alle schon nach Hause gegangen sind, ein RingFit gekauft. Jetzt also Training mit Gamification. Zuerst hat Michel exzessiv gespielt und es als „bestes Spiel EVER!“ bezeichnet, bis er Blasen und Muskelkater hatte. Dann durfte ich auch mal und es macht schon Spaß, muss ich sagen.

– Michels noch fehlender Schneidezahn guckt endlich raus. Ich hatte schon ernsthaft befürchtet, dass da keiner kommt. Aber doch, eindeutig ein Zahn.

– Pippi vergesse ich demnächst an der Tankstelle Ladesäule. Vorschulphase ist Scheißphase. Wo Michel eher wütend war, ist Pippi weinerlich. Wegen jedem Scheiß wird hier hundertmal am Tag losgeheult, als würden wir vor ihren Augen Einhornbabies schlachten. Bevorzugt in Situationen, in denen niemand Kapazitäten hat, das zu ~begleiten~, zum Beispiel weil sehr hektisch Mails geschrieben werden müssen, man sei systemrelevant und könne wirklich wirklich gar nicht komplett auf Kindergarten verzichten, echt wirklich nicht schon mal gar nicht in der Vorschulphase.

– (Full disclosure: das war eigentlich schon letzte Woche) Wir haben den einen Wandbehang meiner Omi endlich aufgehängt. Hinten ist ein Schild drauf mit Informationen zu dem Werk, unter anderem der Name, Bad Rothenfelde. Dort war mein Opi immer mal wieder zur Kur, die Salinen, Sie wissen schon. Ich nehme an, das Stück ist entweder dort oder in einer solchen Zeit entstanden. Und weil Michel zwar neugierig ist, gut englisch kann, aber mehr rät als liest, „las“ er den Titel vor: „Bad rotten flesh?“ Wir haben darüber sehr gelacht.

Bad rotten flesh.

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*This escalated quickly. Vor ein paar Tagen hieß es noch ganz überzeugt „die Lage ist übersichtlich und wir haben Kontrolle“. Jetzt „wir haben keine Kontrolle und die Testkapazitäten reichen nicht mehr aus“. Wenn ich ersteres nicht schon länger für eine grobe Fehleinschätzung gehalten hätte, käme ich mir jetzt wohl verarscht vor. So ist es nur ein Lorioteskes „Ach.“

Tag 1904 – Kacktag.

Es gibt jetzt norwegische Äpfel. Mjammi! Hab nur deshalb heute keine gekauft, weil ich sie nicht nach Hause schleppen wollte. Norwegische Äpfel sind, genau wie norwegische Erdbeeren, leider geil.

Heute habe ich was vermutlich erwachsenes getan und die Helsestasjon angerufen, weil wir Hilfe brauchen mit Michel, möglichst bevor wir ihn an der Tanke aussetzen. Erwachsen sein ist scheiße, nach wie vor. Nachmittags hab ich mir dann Baby- und Kleinkindbilder von ihm angeguckt und das war auch keine gute Idee. Ich will doch einfach nur mein Kind zurück.

Apropos erwachsen sein ist scheiße: Finanzplanung für die nächsten x Jahre ist auch scheiße. Versicherungen hier, Altersvorsorge da, sparen auf dies und das und tralala. Ich möchte das nicht. Wenn ich mir vorstelle, was 2050 in der Welt los sein könnte (und 2050 bin ich aller Voraussicht nach noch nicht in Rente!), kommt mir das alles komplett sinnlos vor.

Was war noch kacke: ach ja. Ich arbeite bei der Arbeit an so einem kleinen Projekt und das wird noch richtig unschön, das zeichnet sich schon ab. Also intern wird es unschön. Es ist ne krass undankbare Aufgabe, die aber ja irgendwer machen muss und ich nehme den K(r)ampf auch gern auf mich, aber naja. Beliebt mache ich mich damit nicht.

Das klingt jetzt alles sehr negativ. Vielleicht sollte ich einfach mehr schlafen.

Tag 1901 – Dumm og deilig.

Ein recht harmonischer Sonntag, also so harmonisch, wie es mit dem momentan nicht ganz im Gleichgewicht befindlichen Michel sein kann. Wir prödelten erst zu Hause rum, jetzt haben wir die Bücher fertig sortiert und können zu Schritt 1,5: Regale verkaufen und dann Schritt 2: Arbeitszimmer ausräumen und auch da gründlich ausmisten übergehen.

Danach gingen wir ins Kino. In unserem Kaff (gelobt sei das Kaff!) sind die Infektionszahlen nach wie vor niedrig, wir haben nur 4 neue Fälle seit Ende Juni. Während 60 km weiter südlich, in Oslo, die Post dermaßen abgeht, dass der Gesundheitsminister offen droht, die kommunalen Entscheidungen zu übergehen, wenn die Kommune nicht Zack Zack was macht. Was auch immer „was machen“ sein soll. Aber egal, wir waren in unserem Kaff-Kino, in dem an drei Tagen die Woche je ein Film gezeigt wird (oder so). Mit Abstand und Popcorn und der ganzen Familie. Im Knudsen&Ludvigsen-Film, das sagt Ihnen jetzt allen nichts, aber das sind berühmte Kindermusiker aus Trondheim, die sehr lustige Musik gemacht haben. Leider ist einer aus dem Duo schon vor ein paar Jahren verstorben. Aber die Musik kennen die meisten Norweger*Innen und die ist auch wirklich lustig. Unsere Kinder finden die auch gut und Michel hatte den Kinobesuch vorgeschlagen. Aus o.g. Gründen sind wir zur Zeit gewillt, Michel jeden nicht komplett abwegigen, finanziell machbaren Wunsch zu erfüllen, vor allem, wenn es was ist, was ihn mal wieder ein bisschen „klein“ sein lässt. Ich glaube nämlich, dass Michels Hirn sich grad mal wieder neu verdrahtet und dass die Phase zwischen klein und groß wie jedes Mal ziemlich herausfordernd ist, vor allem für ihn.

(Irgendwann schreibe ich einen ganz tollen Erziehungsratgeber mit dem Titel „Es ist bestimmt nur eine Phase“. Da wälze ich dann auf 240 Seiten, das scheint mir eine gute Größenordnung für einen Ratgeber, aus, dass es vermutlich nur eine Phase ist, man atmen und durchhalten soll, lieber ins Kissen als das Kind anschreien und wenn man Sorgen hat, zum Arzt gehen. Da werde ich dann reich mit.)

Aber zurück zum Film: der war herrlich drüber, bunt und schrill und mit einem Humor, über den Kinder (hihi, Pups) wie auch Erwachsene (hihi, Drogenrausch) lachen können. Dass zwischendurch gesungen wird, ist ja irgendwie klar und ist auch etwas aufdringlich, aber da hätte ich für die Erwachsenen als Tipp, auf die Texte zu achten. So ein herrlicher Blödsinn! Und ganz viel Trøndersk, das erfreut mein da geschultes Dialektohr. Ich mag ja Trøndersk, im Gegensatz zu vielen Norweger*Innen, die das schrecklich finden. Aber hach. Hach, hach.

Es war jedenfalls ein sehr gelungener Ausflug, ich habe jetzt, zum drölfzigsten mal, für eine Woche einen „Juba Juba“-Ohrwurm. Vor allem Pippi machte vor allem den Rückweg super gut mit, wir gingen nämlich zu Fuß, und quatschte mir ein kleines Schnitzel an den Rücken. Das war schon auch sehr schön, mal mit ihr eine Dreiviertel Stunde spazieren zu gehen.

Apropos Pippi: abends fand ich Pippis „Baby“, das tagsüber gebadet wurde, im Badezimmerschrank, ordentlich zugedeckt und mit Kuscheltier. Manchmal könnte ich die kleine Maus einfach abknutschen, auch wenn sie da schon längst schlief.

Tag 1897 – Matschetag.

Habe den ganzen Tag furchtbare Kopfschmerzen gehabt, das ging gestern schon los, wurde aber nie eine „richtige“ Migräne, sondern blieb einfach bei starken Kopfschmerzen. Migränetabletten hatte ich fahrlässiger Weise eh nicht mehr, Ibuprofen wirkte erst bei der dritten Dosis. Danach war der Kopf ziemlicher Matsch von den überstandenen Kopfschmerzen, davor wegen der Kopfschmerzen selbst. Das war gar nicht mal so toll, ich hoffe, ich habe den Menschen da draußen keinen Mist per Mail geschrieben.

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Pippi hat jetzt richtig Spaß am Tanzen. Das ist sehr schön zu sehen. Da es aber eh keinen Sinn macht, für die Zeit, die sie da ist, nach Hause zu fahren, sitze ich meistens im Café im Einkaufszentrum und arbeite noch ein bisschen und trinke Kaffee. Falls was ist (vorletzte Woche hat sie sich den Kopf an der Ballettstange gestoßen), findet sie mich da, ansonsten hole ich nach einer Stunde ein fröhlich hopsendes Mäuschen ab, das mir die neuesten Moves vorführt und auch für ein paar Tage nicht damit aufhört. Herr Rabe hat sie heute für den HipHop-Kurs gestylt und weil sie aussehen wollte wie Missy Elliot, ging sie mit Caps über Beanie da hin. Hach! Klappt das mit der Tanzliebe also doch noch.

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Herr Rabe ging heute mit Michel noch eine Runde Pokémon fangen. Das beruhigt Michels Gemüt wenigstens einigermaßen. Am Sonntag haben wir das auch schon gemacht, da hat er wegen Community day an Norwegens bestem Pokémon-Go-Spot bei uns um die Ecke auch noch ein paar Schulfreunde getroffen und war zufrieden. Insgesamt sind wir ja grad in so einer etwas anstrengenden Phase, wo sich anscheinend innen und außen alles mögliche mal wieder neu anordnet und… puh. Ich möchte mein kreatives, lustiges, empathisches Kind zurück und würd auch ganz gern weniger angeschrien werden. Dafür kriege ich jetzt einen großen Sohn, der von einer Woche auf die nächste plötzlich aussieht wie ein großes Kind. Also so, dass es selbst uns, die wir ihn ja täglich sehen, auffällt. Vielleicht ist es auch das, diese gemeine Zeit, in der man für vieles (zu) groß und für vieles (zu) klein ist. ich erinnere mich an ätzende Zeiten. Hmm.

Was ich aber unheimlich niedlich finde, sind seine Eigenheiten beim Sprechen. Zum Beispiel sagt er immer, bevor er eine Frage stellt: „Mama, ich habe eine Frage.“ Oder „Mama, ich möchte dir etwas sagen.“ wie so eine kleine Einleitung und Vorbereitung auf das was kommt. Und natürlich ist er weiterhin klug, weiß total viele scheinbar random Fakten zu allen möglichen Themen und erzählt auch gern darüber besonders gerne wenn er damit seine kleine Schwester korrigieren kann. Und eigentlich will ich doch nur, dass es ihm gut geht und er glücklich ist. Seufz.

Die Hinweise verdichten sich, dass ich wirklich ein kleines Mini-Me habe. Der so klein gar nicht mehr ist, sondern zur Zeit für sein Alter eher groß. Wo ist die Zeit hin?

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Vor sieben Jahren und vier Tagen kamen wir in Norwegen an. Mit Speckzwergi Michel (damals 11 Monate alt) und einem Sprinter und dem Prius voll Kram. Und jetzt haben wir zwei Kinder, ein Haus und zwei echt gute Jobs. Und eine Badewanne. WO IST DIE ZEIT HIN???

Tag 1853 – Flink gutt.

(Flink pike auch, ich war heute echt Supermom und super-alles, wie so ne Karrierefrau: Auto zum Service, Arbeiten, Meeting, Meeting, Auto abholen, Elterngespräch, Arbeiten, anderes Kind abholen, Kind zum Tanzen fahren, arbeiten, mit Kind nach Hause fahren, Essen machen, mit Kind Hausaufgaben machen, Sport. UFF!)

Michel ist heute alleine aus der Schule nach Hause gekommen, nach Absprache. Er durfte mit dem Fahrrad fahren, musste mich aber bei Abfahrt an der Schule anrufen („Mama? Ich fahre jetzt los.“ [tut, tut]) und bei Ankunft zu Hause auch („Ich bin da.“ [tut, tut]). Da saß ich noch im Auto auf dem Weg nach Hause, wie geplant. Zu Hause sammelte ich das stolze Kind ein und wir fuhren zurück in die Schule, zum „Entwicklungsgespräch“. Herr Rabe hatte da eine laaaaange Liste vorbereitet, über was wir sprechen sollten und das taten wir dann auch. Michel ist in der Schule gut (bis sehr gut), behauptet aber anderes. Woran das liegt, wissen weder wir noch die Lehrerin. Die Kinder kriegen hier ja keine Noten, aber er erfüllt alle Lernziele problemlos, was will man mehr.

Die Sprache kam aber auch schnell auf die momentanen Herausforderungen mit Ungeduld und Wut und Ausrastern wegen gefühlter Ungerechtigkeit und all dem. In der Schule ist es nicht wie zu Hause, was gut ist, aber die Ungeduld ist auch da zu merken, allerdings eher in so Fingerschnips-eh-eh-hier-Antwortreinruf-Verhalten (Hurra, ich habe einen kleinen Klon von mir erschaffen, vielleicht nennen wir ihn einfach ab jetzt Hermine). Die Lehrerin findet aber dass Michel in seinem Verhalten voll im Normbereich liegt und das beruhigt mich ja doch, ich hab ja nur das eine Kind und keinen Referenzrahmen. Trotzdem arbeiten wir nun gemeinsam an dem Geduldsthema und auch an der Wut, und bleiben da mit der Lehrerin in Kontakt, ob und wie sich was tut. Michel hat sich außerdem eine Visualisierung seiner (Schul-)aufgaben und seines Verhaltens gewünscht und dass wir das an ein Belohnungssystem knüpfen und wenn das Kind es so wünscht, dann soll es geschehen.

(Disclaimer: Er hat das natürlich nicht so formuliert. Das ist meine erwachsene Interpretation seiner kindlichen Worte. Ich bin ja im Grunde auch gegen Belohnung für alltägliches oder normales Verhalten, aber wenn es ihm erleichtert, zu sehen, was er noch machen muss oder wie oft es Geschrei wegen gar nichts gibt [er findet das nämlich nicht so oft], können wir das für eine Weile so machen. Bedürfnis und so. Seins, nicht meins. Hust, nonmention, hust.)

Insgesamt ein gutes, ruhiges Gespräch, das mich sehr beruhigt hat und in dem mir der zappelnde, Übersprungshandelnde Michel ziemlich leid tat. Ich glaube, fast acht sein ist gar nicht mal so einfach.

Tag 1733 – Ach, ach.

Ach, Zwergi. Erst Gemotze am Morgen, unausstehliche Laune, beim Abliefern an der Schule klingelt es während wir noch etwa 10 m vom Tor entfernt sind und ich werde fast von dir vor Wut über das „zu spät kommen“ (14,5 Minuten bevor der Unterricht los geht) geschlagen. Kein Abschied, dafür ein Anruf der Schule um halb zwölf, dir sei übel. Ich hole also ein überraschend fröhliches und gesprächiges Kind ab, das von Schwindel erzählt und von „nur ein bisschen Gurke gegessen“. Das gesprächige Kind ist mir lieber als das wütende Motzkind vom Morgen. Ich helfe dir, deinen Hund für die Schule fertig zu nähen, du isst ein Brot und eine komplette Paprika zum Mittag, die Eisen-Brausetablette magst du aber nicht. Ich muss arbeiten, deshalb habe ich keine Zeit und keine Energie, dich vom iPad-gucken abzuhalten. Mittagsschlaf fände ich ja besser. Abends darfst du Minecraft spielen, denn da muss Herr Rabe nicht mehr an seinem Computer arbeiten. Ausmachen ist aber nicht so beliebt und du wirst wieder wütend und es gibt Geschrei und Herr Rabe ist sauer und du tobst und weinst und isst alleine am Wohnzimmer-Esstisch. Es ist alles etwas besser mit Essen im Bauch aber Herr Rabe ist noch sauer und du tobst und weinst wieder u d dann soll ich weggehen und dann doch nicht und dann kuscheln und dann ist alles wieder gut. Beim ins Bett bringen sagst du, dein Bein tut weh, ich sage, du wächst vielleicht, du alberst herum dass du dann ganz schief wirst, wenn nur das eine Bein wächst. Dann bringe ich dich ins Bett, in dem viel zu kleinen Schlafanzug, du kuschelst dich an dein Riesenkuscheltier und an mich und dann schläfst du ein und schnaufst und riechst und siehst aus wie als du ganz klein warst.

Da wächst wohl wer und es ist grad so manches schief, nicht nur das Bein.

Tag 1646 – Doppel-Homeoffice.

Huh, neue Schriftart im WordPress-Editor. Was ist das für eine Zermürbungstechnik hier? Das macht mich doch jetzt wieder drei Wochen lang wuschig. Das komische Absatzgehampel nervt mich ja auch noch. (Jaja, dochdoch, ich bin total technikaffin.)

Herr Rabe und ich haben heute beide Homeoffice gehabt, ich, weil ich um halb zehn eine Blutentnahme hatte und es Quatsch fand, danach dann noch ins Büro zu fahren, Herr Rabe weil ich auch Homeoffice hatte. Und so saß ich dann am Esstisch und Herr Rabe im Arbeitszimmer und wir homeofficeten halt so rum, aber immerhin mit gemeinsamer Mittags- und Kaffeepause (und wem, bei dem man sich über #alleirre auskotzen kann). Das war sehr nett, vielleicht können wir das hin und wieder so einschieben, zumindest die Blutentnahmen, wurde mir heute gesagt, finden nicht früher statt, weil ich ja nicht nüchtern kommen muss, wen interessiert da schon, ob Leute vielleicht auch noch andere Dinge zu tun haben, als sich um halb zehn („Das ist aber wirklich das allerfrüheste!“) Blut abnehmen zu lassen. Alle zwei Wochen.

Ich bin darüber so sauer, und es stimmt auch einfach nicht, weil ich nämlich auch schon um halb neun Termine zur (nicht nüchternen) Blutentnahme dort hatte und dann um acht da auflief und um fünf nach acht mit zwei Röhrchen Blut weniger rausspazierte. Dieses Aus-Prinzip-Macht-Demonstrieren-Weil-Du-Bist-Patientin-Und-Von-Uns-Abhängig-Ätsch nervt mich sehr.

Sonst war heute nicht viel. Michel hatte drei mal sehr herausfordernde Laune, nämlich

  • Direkt nach dem Aufstehen
  • Beim Abholen aus dem Hort und
  • Beim/nach dem Abendessen

Und da ich gestern die steile These las, dass Kinder grundsätzlich immer kooperieren wollen, aber manchmal (sic!) nicht können, weil sie entweder schon zu viel kooperiert haben oder „ihre Integrität verletzt wurde“, frage ich mich halt jetzt schon, was genau Michels Kooperationsbereitschaft heute so in Mitleidenschaft gezogen haben soll bzw. inwiefern ich seine Integrität verletzte. „Geld kann man immer nur ein Mal ausgeben“ war’s wahrscheinlich.

Geld ist an allem schuld und ich las heute, dass meine Einstellung zum Kapitalismus zum linksextremen Antikapitalismus gezählt wird. Tscha, dann ist das wohl so. Gleich mal nen schwarzen Hoodie kaufen einem Kapitalistenschwein rauben.

Tag 1388 – Faultiertag.

Wir haben heute eigentlich fast gar nix gemacht. Das war super. Ein bisschen ungeplant, aber das Wetter war mies und mit Rotze-Pippi ins Schwimmbad wär sicher keine gute Idee gewesen, also gab es stattdessen Mittagsschlaf für Pippi und Herrn Rabe, Nachmittagsschläfchen für mich, ein wenig ausgehaltene Langeweile für Michel und ganz viel Ruhe für alle. Gut, am Ende des Tages gingen die Kinder ein wenig die Wände hoch, aber ich hoffe wirklich, dass es für Pippis Erkältung was gebracht hat, die schleppt sie ja nun auch schon wieder zwei Wochen mit sich rum. Was sie nicht davon abhält, mit großer Energie Grenzen zu testen, leider. Huff. Heute hatten wir wieder ein „Gespräch“, das darin endete, dass ich fragte „Hast du verstanden, was du nicht machen sollst?“ – „Den Föhn schmeißen.“ – „Warum hast du denn den Föhn geschmissen?“ – „Ich war sauer. Ich wollte dass du mir Socken holst und du hast nein gesagt.“ – „Ja, du warst sauer. Aber du darfst dann nicht immer Sachen schmeißen. Die können kaputt gehen und du kannst dir weh tun.“ – „Ja. … kannst du mir Socken holen?“ Gespräch mit Gänsefüßchen, weil sie halt erst was schmeißt und dann heult, wenn wir dann auch lauter werden. Das heißt, man muss, bevor man überhaupt mit ihr reden kann, abwarten bis der Zorn verraucht ist und gegebenenfalls trösten, dabei versuchen, auch selbst runterzukommen, weil mit dem Föhn schmeißen, ich meine, hakt’s??? Und überhaupt. Erziehung von dickköpfigen kleinen Rübennasen kriegt von mir lieb gemeinte 3/10 Punkten, macht einfach gar keinen Spaß und ist furchtbar viel Arbeit.

Ha, eins ist doch passiert: Herr Rabe hat unser kleines Lagerräumchen aufgeräumt. Das war nötig, aber wie nötig es wirklich war sieht man eigentlich erst jetzt, man kann sich nämlich plötzlich zu zweit darin aufhalten und noch umdrehen, Hammer. Note an uns: wir haben Eierfarben und sie sind bei der Osterdeko. Im bod.

Tag 1378 – Erster Tag geschafft.

Pippi war um viertel vor fünf wach und dann um viertel vor sieben (aka viertel vor Abfahrt) wieder total müde. Das ist nicht schön, beides. Es regt mich sogar richtig auf aber was soll man machen. Gut, das schabende und am Bettlaken rumzupfende Kind fesseln und knebeln hätte mir vielleicht die fehlende Dreiviertelstunde Schlaf gesichert, aber das kommt ja irgendwie nicht so richtig gut an. Jedenfalls hatte ich um halb acht beide Kinder samt Kram verteilt und saß im Zug, hatte aber auch die Krawatte echt auf. Dann im Zug arbeiten macht es auch nicht besser. Nunja. Der Arbeitstag war dann auch… interessant (hier Biolek-Gesicht vorstellen). Mit einem deutlichen Tief am späten Vormittag, danach ging es aber bergauf. Seit 14:08 denke ich mit einem Teil meines Hirns darüber nach, ob ich meine Telefonnummer wohl erfolgreich und verständlich auf einen Anrufbeantworter gesprochen habe. Meine Telefonnummer enthält die Nummern 7 (sprich: schüh) und 22 (sprich schüetu) direkt hintereinander und das ist echt mein Endgegner im Norwegischen, weshalb ich dazu übergegangen bin, die 7 als sühv und die 22 überbetont als chüeh-tuh auszusprechen. Aber genau wie bei meinem Namen (Rave? Raabe? Und den Vornamen vergessen wir einfach mal komplett.) scheint da die Verbindung von meinem Mund zum Ohr des Gegenübers sehr oft sehr verschlungen zu sein. Angenehm für die nächsten Wochen ist auch, dass ich mich nicht langweilen werde. Das war bis nach dem Mittagessen eine ernsthafte Befürchtung von mir. Die A-Karte ist nämlich seit heute auch abgearbeitet und weg, weg, weg!

Nachmittags dann zu Vikinger-Babysitter und aufgedrehten Kindern nach Hause gekommen, die Wäsche war noch nicht trocken, der Garten dank Regen nicht zu wässern und Kartoffeln kochen ist ja auch nicht grad mit daneben stehen verbunden, also hatte ich tatsächlich einen recht entspannten Abend, bis dann die Kinder ins Bett sollten. Die überdrehte und völlig übermüdete Pippi wollte nämlich ü-ber-haupt-gar-nicht schlafen und hampelte noch ewig rum, dann döste ich auch weg und das macht mir ja immer schlechte Laune, zumal ja noch Brotdosen gerichtet und Klamotten rausgelegt werden wollten. Also zwang ich mich aus dem Kinderbett, aber nun ist alles so weit für morgen bereit.

Ach ja: Michels Hausaufgabe war, das Märchen von Goldlöckchen und den drei Bären nachzuerzählen. Er stellte sich ungemein an, er könne das nicht und die Geschichte sei sowieso doof und wenn überhaupt würde er das lieber malen als erzählen. Und dann erzählte er murrend die Geschichte nach. Quasi wortgetreu. Nur mit mehr „und der kleine Bär so… und der große Bär so…“. Goldig. (Wenn bloß das Gemecker vorher nicht immer wär.)

Snipp snapp pute, eventyret er ute!