Tag 966 – Motzi.

Die gute Nachricht: Pippi ist soweit wieder gesund, dass sie in den Kindergarten gehen kann.

Die schlechte Nachricht: Pippi steckt bis zu den entzückenden Haarspitzen in der, ja, ich lege mich da jetzt schon fest, allerschlimmsten aller Entwicklungsphasen: der Autonomiephase.

Es ist furchtbar. Ihr Lieblingswort ist Nein. Ein geschrienes, wütendes Giftzwerg-Nein. Ziehst du dich bitte an? Nein. Kann ich dir die Zähne putzen? Nein! Gibst du das Michel bitte zurück? NEIHEIN! Aussagen statt Fragen formulieren hilft auch mal so gar nicht. Lass den Becher stehen. Nein. Jetzt ist gut mit Hände waschen. Nein! Ich ziehe dir jetzt die Windel an. NEIHEIN!

Ist das alles? Nein. Denn dazu kommt, dass sie ein Sturkopf sondergleichen ist und wenn sie nicht bekommt, was sie will, folgt halt ein Wutanfall. Heute hatten wir derlei drei:

  • Auf dem Weg zum Kindergarten, weil sie Laufrad fahren wollte, dann doch nicht mehr, dann aber nicht im Kinderwagen sitzen wollte, sondern den selbst schieben und wir nach dem Laufradgehampel und diversen Neins am Morgen da keine Zeit für hatten. Ergo: brüllendes Kleinkind auf dem Bürgersteig, mitten zwischen den angetauten Hundehaufen und den sechs Tonnen Split die da noch liegen.
  • Beim Abholen aus dem Kindergarten, weil sie ihre Hausschuhe da lassen musste. Das ging so weit, dass ich sie einfach so, wie sie war, ohne Mütze, Schuhe oder Anzug aus dem Kindergarten schleppte und im Kinderwagen festschnallte. Da tobte sie dann noch weiter vor sich hin und verweigerte den ganzen Nachhauseweg standhaft jedes Angebot, ihr was anzuziehen. NEIHEIHEIHEIN! Bei 5 Grad ist das sicher nicht schön gewesen.
  • Beim Aufwachen aus dem Schläfchen, was sie spontan auf dem Sofa hielt, nachdem sie vor lauter Wut im Kinderwagen eingeschlafen war (ca. 5 Sekunden nach dem Foto). Für dieses Schläfchen war ich sogar ganz dankbar, weil ich auch nicht so sehr gerne in jeder freien Minute von meinem Kind angeschrien werde. Dieser letzte Wutanfall geschah augenscheinlich grundlos, bestand aus infernalischem Gebrüll und um sich schlagen und treten und alles vollschnoddern vor lauter Geheul und dauerte eine geschlagene Stunde. In der Stunde war ich ihr Boxsack, weggehen durfte ich nicht, sie anfassen aber auch nicht, mit ihr reden nicht. Als Michel ankam und ihr ein Schokoei anbot, pfefferte sie ihm das ins Gesicht. NEIHEIN!!! (Nahm Michel nicht übel, er aß es dann halt einfach.) Gerade als ich soweit war, mich im Bad zu verbarrikadieren, um dieses Gebrüll mal kurz nicht ganz so laut hören zu müssen, schluchzte sie laut „Maahaamaaa! Maaaamaaaa!“ und reckte ihre Arme in die Luft (nicht in meine Richtung, eher so irgendwohin halt) und auf meine Frage „Soll ich dich jetzt trösten?“ kam ein kaum hörbares „ja.“ zurück.

Ich weiß ja, es geht vorbei. Man kann nichts machen außer aushalten und das brüllende Bündel im Zweifel ganz schnell aus Supermärkten, KiTas und Arztpraxen entfernen (umstritten, ob man das wirklich sollte, aber erstens würde ich nicht wollen, dass mich jemand einfach Rotz und Wasser heulend in der Öffentlichkeit sitzen lässt, wenn es auch anders geht, auch wenn „Kinder halt dazu gehören“ und, zweitens, ja, da oute ich mich gern, aber fremde Kinder in der A-Phase kann ich, wenn ich ohne Kinder irgendwo bin, noch schlechter aushalten als mein eigenes. Wenn deshalb die Möglichkeit besteht, dass das Kind irgendwo anders brüllt, sorge ich als Mutter dafür, dass es das auch tut und schätze es auch, wenn andere Eltern das tun.). Diese Phase ist total wichtig für die Entwicklung des Kindes und blablablablabla, weiß ich alles.

Schön isses trotzdem nicht.

(Steigst du jetzt aus? NEIN!)

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Auto-Lobhudelei: Adoptionspapiere noch nicht ausgedruckt.

Tag 933 – Gnääähhhhh!

Geplant war, dass ich hier jetzt schon geraume Zeit im Bett liege und der Mann demnächst nach Hause kommt.

Jetzt liege ich hier seit grad und der Mann kommt vielleicht irgendwann morgen, denn, tadaa, einer seiner Flüge wurde abgesagt und jetzt befindet er sich auf einer „Hauptstädte Skandinaviens“-Odyssee, inklusive Schnee und Passagieren, von denen sich nur das eingecheckte Gepäck im Flugzeug befindet. Neben mir liegt Pippi, die vor eineinhalb Stunden während ich vor mich hinsportelte einmal kurz und dann als ich grad in die Dusche steigen wollte in infernalisches Gebrüll ausbrach. Ich versuchte wirklich alles, aber sie brüllte und schluchzte nur. Zwischendurch verstand ich irgendwas wie „Jalla“ oder „Allah“ oder „Aua“ oder vielleicht war es auch „Mama“, in der Lautstärke hört sich alles Kindergebrüll für mich gleich an. Auch bei meinen eigenen Kindern*. Ich ermittelte empirisch, dass meine Anwesenheit als Boxsack durchaus gewünscht war, alles andere aber nicht. Nach dreißig Minuten (in denen ich ja nackt in Pippis Bett lag, getreten und angebrüllt wurde, mich aber nicht zudecken durfte, weil wasweißichdenn) gab ich auf, schleppte das inzwischen heisere Brüllbündel ins Bad und ließ sie auf meinem Handy Mausclips gucken, während ich sehr schnell duschte, sehr schnell Vorteig für Brötchen ansetzte und sehr schnell Wäsche aufhängte. Jetzt gibt sie mir mein Handy nicht zurück.

News von der Vortragsfront: Ich werde entweder deutlich kürzen oder sehr schnell sprechen müssen. Das ist nicht so richtig cool, weil ich gefühlt schon alles bis zur Grenze der Verständlichkeit eingedampft habe. Naja, ich hab mir jedenfalls die Daten mit nach Hause genommen und kann vielleicht am Wochenende irgendwann noch mal ran. Falls Herr Rabe irgendwann wiederkommt.

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Auto-Lobhudelei: Eigentlich viel geschafft, trotz leicht widriger Umstände in Form widerborstiger Kinder.

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* Michel hatte heute morgen einen totalen Wutanfall, weil wir sein rotes T-Shirt mit dem Steinbock drauf noch nicht gewaschen haben. Das andere rote T-Shirt war völlig inakzeptabel, weil da Zahlen drauf sind. Unzumutbar. Er wollte dann zu Hause bleiben. Alleine. Wegen des T-Shirts. Nach vier Scheiben Brot zum Frühstück war das alles gar nicht mehr so schlimm und dann auch die rote Jacke ok, aber ich habe mal wieder gemerkt: wenn der so drauf ist, hilft nichts außer Aussitzen. Hirn out of order.

Tag 932 – Schnipsel.

Habe Michel bei der Schule angemeldet, auf die er vermutlich nie gehen wird. Was für ein Scheißgefühl. Mit Fünftklässlerchor und allem. Wie stolz Michel war. Ich wollte mich am liebsten unsichtbar machen.

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Dadurch heute nicht so viel gearbeitet, wie ich wollte. Vortrag ist jetzt so halbfertig. Geht schon, aber da ich meiner Kollegin versprochen habe, am Montag fertig zu sein, muss ich eventuell am Wochenende ran.

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Die Bluse wird so schön. Ich bin begeistert. Kirschen. So seriös *hust*. Und wenn man einmal kapiert hat, wie das alles geht mit den Belägen und Manschetten und so ist es auch nicht übermäßig schwierig.

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Michels unangenehmen Kumpel nach dem Kindergarten mit nach Hause genommen, nachdem mich die Jungs breitgequatscht hatten. Hmmnaja. Ich hab dann ein Loblied auf den Hygienespüler gesungen, nachdem Michels Handschuh vor der Tür im gelben Schnee landete und es erst der Kumpel, dann Michel und dann keiner von beiden gewesen sein wollte. Und so ging es im Grunde dann auch weiter. Anstrengendes Kind.

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Selbes Kind hat aber auch für den Lacher des Tages gesorgt, als es erzählt hat (während die Mama daneben stand): „Weißt du was? Meine Mama wäre fast ins Gefängnis gekommen! Weil sie einen Strafzettel bekommen hat! Die fährt nämlich wie eine Sau!“ (Ja, 75 in ner 50er Zone ist „wie eine Sau“ und ja, sie wäre tatsächlich fast ins Gefängnis gekommen, weil sie nämlich den Strafzettel nicht bezahlen konnte. Ihr Vater hat ihr dann aber das Geld geliehen. Das klärte sich also alles auf, herzlich gelacht habe ich aber trotzdem – über das peinlich berührte Gesicht der Mutter.)

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Die Haut an meinen Händen findet das Wetter grad ultimativ kacke. Obwohl ich schon dauernd Handcreme draufmache, ist die ganz arg rissig und trocken und rau und rot und tut auch weh. Aber ich sitze halt auch den ganzen Tag im Klimaanlagenbüro, unterbrochen durch Ausflüge in -15 Grad. Es ist so kalt, dass ich sogar das Fenster zulasse, weil ich sonst unter meiner Winterbettdecke friere. Von morgens aus dem Bett kommen und direkt tiefgefrieren mal ganz zu schweigen.

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Pippi ist momentan ziemlich anstrengend. Zuckersüß, aber auch unfassbar bockig, aus Prinzip, wie es scheint. Ich sage x, sie sagt Nein. Und das meint sie dann auch. Ich sage viel x. Anstrengend. Dazu kommt, dass sie scheinbar Albträume hat, jedenfalls schläft sie die ersten 2-3 Stunden sehr schlecht, schreckt oft hoch, weint im Schlaf und so weiter. Anstrengend. Alles Anstrengend.

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Zum Umfallen müde gerade.

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Auto-Lobhudelei: Bluse und Vortrag werden glaube ich richtig gut.

Tag 921 – Ein bisschen Fortschritt.

Am Kleid: Rigilene verarbeiten ist gar nicht schwer. Einfach abschneiden, Enden abrunden, mit nem Feuerzeug anschmurgeln (stinkt, ich war selbst überrascht, gar nicht), zwei, drei Sekunden warten, dann mit den Fingern rund drücken. Zwei bis drei Stecknadeln bei dem Versuch, das Band festzustecken, abbrechen. Diesen Schritt kann man aber auch weglassen. Auch sich fies in den Finger stechen ist optional. Das Band dann mit einigen Stichen quer am oberen Ende fixieren. Dann von oben nach unten zuerst eine, dann die andere Seite des Bandes direkt auf den Stoff nähen. Aufpassen, dass man immer zwischen den gleichen Stäbchen bleibt. Fertig.

Ich bin jetzt mit dem Oberteil fertig und zufrieden, die Spitze ist zugeschnitten, morgen geht’s weiter.

Mit den Kindern: bei Michel etwas lockerer, bei Pippi etwas strenger geworden. Die kleinen Individuen brauchen Feinabstimmung meiner grad erst wieder halbwegs aufgefüllten Erziehungskräfte.

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Kleine Anekdote: wenn ich die Kinder ins Bett bringe, sage ich immer „Schlaf gut und träum was schönes, von Sauren Gurken und Zucker und Anis.“ Pippi kommt mir jetzt gerne zuvor, sobald ich gesagt habe „Schlaf gut…“ sagt sie „Ja, däum ssönes, saue Guhke, Zucka, Nis!“ und dann schmilzt mein Herz immer ganz doll.

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Auto-Lobhudelei: Das Kleid wird, glaube ich, echt schön. Ansonsten sind die Kinder bei mir nicht verwahrlost oder verhungert während Herr Rabe auf seinem Skitrip war.

Tag 920 – Lessons learned.

  • Die Kinder halten es kuschelnd und sich nur ab und an schlagend noch etwa 30 Minuten im Bett aus, nachdem sie aufgewacht sind.
  • Die Kinder sind trotzdem am Samstag immer gegen halb acht wach. (Das Klischee sagt ja eigentlich, dass das erst mit der Schule losgeht, wir müssen aber beide Kinder jetzt schon unter der Woche wecken, damit sie rechtzeitig in die KiTa kommen. Das wird noch richtig spaßig, wenn das Aufstehen noch mal ne Stunde eher (ca.) sein muss, wenn Michel mit der Schule anfängt.)
  • Michel hat so vieles von mir. Temperament, unter anderem. Vermutlich rasseln wir deshalb gern mal aneinander. Hautfarbe inklusive damit verbundenen Problemchen hatte ich ja auch schon mal festgestellt – Michel muss wirklich immer mit Sonnencreme eingecremt werden, sobald ein bisschen die Sonne scheint, verträgt gleichzeitig aber nur wenige Sonnencremes dauerhaft. Das ist plöd, armes Kind, ich kenne das. Und neuerdings hat Michel auch noch ab und zu Kopfschmerzen. Nie Bauchweh. Immer Kopf. Heute: einseitig. Oh Mann. Kindermigräne brauchen wir und vor allem er nicht auch noch, bittedanke.
  • Pippi versucht jetzt, durch puppenhaftes Wimpernklimpern Schimpfe zu entgehen. Klappt nur ganz selten.
  • Auch mit Michel allein im 1,60 m breiten Bett liegt er zu zwei Dritteln auf mir drauf. Q.e.d.
  • Michel ist jetzt in der, wie soll ich es nennen? linguistischen Phase. Jedes Wort wird auf seine Bedeutung hin erforscht. Infoquelle: Ich. „Was bedeutet „Sonne“?“ Keine Ahnung, Dings, Sonnengott, großer leuchtender Ball, ähh, wahrscheinlich hat irgendein Urzeitmenschenvorfahre mal in den Himmel geguckt „SO-EH!“ gegrunzt und dann hieß das eben so. Und das dann für HundkatzemausSchuheHoseWaschmaschineWäscheGrätenKnochenFleischFischSäugetierEi. Hunderttausendmal am Tag. Ich will die Warum-Phase zurück.
  • Man kann schon auch ohne zweite Person (und ohne Büste) Kleider abstecken. Es ist halt etwas umständlich. Aber nach nur drei Stunden (oder so) bin ich jetzt mit dem Anpassen soweit fertig, dass ich die (Hilfs-)Nähte alle aufmachen und endgültig wieder zusammensetzen kann. Was für ein Akt. Man muss aber dazu sagen: ich hab das noch nie gemacht, das Kleid ist ja auch trägerlos und Satin verzeiht gar nichts. Da sind sofort Falten oder es rutscht, sobald man ausatmet, es hat ja auch noch gar keinen Stand, weil das Innenfutter, das mit (noch so ein erstes Mal) Rigeline verstärkt wird, noch nicht drin ist. Es ist jedenfalls bisher mein anspruchsvollstes Projekt, ich bin gespannt, wie es am Ende wird. Und ich bin ein bisschen froh, dass noch die Spitze drüber kommt. Dann sieht man wenigstens kleinere Schnitzerchen nicht mehr sofort.
  • Ich bin viel schlanker als gedacht, vor allem über der Brust. Ich dachte immer, ich hätte ein recht breites Kreuz, aber ich musste fast 10 cm im Umfang über der Brust wegnehmen, vor allem im Rücken und den Rest unter den Armen. Dann noch unter den Brüsten ordentlich was weg, Taille verschmälern… dabei habe ich ja vorher extra gemessen und dann mit den angegebenen Maßen des fertigen Kleidungsstücks verglichen. Vielleicht geht auch mein Maßband falsch. Hmmhmm.
  • ohne Spitze sieht das Kleid an mir aber noch recht… behämmert aus. Wobei solche Kleider das vielleicht an fast jeder*m tun würden, deren/dessen Schultern nicht miniminischmal sind.
  • Ich bin so furchtbar diszipliniert. Sport ist Sport und wenn ich halt erst dazu komme, wenn die Kinder im Bett sind so be it. Dann mache ich halt Sport um zehn Uhr abends. Und lache ein bisschen über mich selbst.

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Auto-Lobhudelei: den Tag mit den Rübennasen ganz gut überstanden, meist nicht wie die schlechteste Mutter der Welt gefühlt, die Kinder haben gebastelt und wir waren sogar draußen und hatten den Schlitten dabei (es waren aber keine guten Schlittenhügel auf dem Weg. Dafür kann man auf so nem Goretex-Hintern echt sehr sehr schnell Rutschen herunterrutschen).

Tag 884 – So groß.

Michel kommt dieses Jahr in die Schule. Jedenfalls, wenn wir in Norwegen bleiben. Jeden Tag erinnert mich ein Zettel am Kühlschrank daran. Darauf steht: Du, Michel Rabe, hast einen Platz in der Schule um die Ecke.

Pippi macht wieder einen Entwicklungsschub durch. Dieses Mal wohl sprachlich. Sie reden in ganzen Sätzen (mit konfusem Satzbau, aber so what) und kann Vergangenheit und Zukunft benennen, und elementare Gefühle von anderen beschreiben. Leider geht auch dieser Entwicklungsschub mit Brüllerei und Trotzanfällen allererster Güte einher, aber das kennen wir ja auch schon.

Michel hat jetzt schon zwei mal bei seinem besten Freund übernachtet.

Pippi zählt. Ein, fei, dei, sju, åtte, ni.

Michel liest, ein bisschen jedenfalls. Auf jeden Fall sitzt er schon gerne irgendwo und guckt sich Bücher an. Und er kann die meisten Großbuchstaben erkennen und sehr, sehr langsam auch Wörter daraus zusammenbasteln. Auch diese Entwicklungen: Lesen, woanders schlafen, bald Schule (und die Sache mit dem Umzug macht ihm auch jetzt schon riesige Sorgen), sind nicht ohne Nebenwirkungen und wir waschen jetzt wieder öfter mal Bettwäsche, halten mehr oder weniger gut Wutanfälle und Gebrüll und Trotz und Verzweiflung aus und haben nur wenig Platz in unserem Bett.

Ach ja. Same, same, but different.

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Auto-Lobhudelei: im Bewerbungs-Soll, noch nichts angezündet, sogar wo angerufen (aber die Dame war nicht da). Aber angerufen! Mit einem Telefon! Bereit, mit richtigen, echten Menschen zu sprechen!

Tag 839 – Beste Mama ever!

Wenn meine Kinder wählen könnten, wäre ich das wohl heute geworden. Zumindest zum Teil. Oder eher: bis auf Ausnahmen.

Weil, also, hmm, für dieses „Erziehen“ braucht man definitiv mehr Nerven als ich zur Zeit habe. Auf der Ebene fand heute also nur das Allernötigste statt und das kostete mich schon alle meine spärlichen Nervenvorräte. Jupp, ich bin die Mutter, die im Parkhaus erst ihr Kind anschreit (so richtig mit der Mom-Voice und den fiesen Sätzen die direkt aus der dunklen Masse der eigenen Kindheit stammen) und dann das brüllende Kind recht ruppig im Autositz anschnallt, weil NEIN, OHNE ANSCHNALLEN FAHREN WIR NICHT LOS UND NEIN, WIR WERDEN HIER NICHT NOCH NE STUNDE LANG HERUMHAMPELN, ES IST SCHON SPÄT UND WIR MÜSSEN NOCH EINKAUFEN. Das passierte heute zwei mal innerhalb von nicht mal anderthalb Stunden. Dazwischen lag ein Einkauf aus der Hölle, weil Pippi, die sture und trotzphasige Rübennase, das Geburtstagsgeschenk für ihre Freundin trotz ca. 5000-maliger Ermahnung und „Ja, R. sin!“-Beteuerungen ihrerseits dann doch ausgepackt hat, woraufhin ich ihr das wegnahm. Ja. Ich bin also auch die Mutter, die erst ihr brüllendes, zappelndes Kind aus dem Parkhaus schleppt (das hallt da so!), dann vor dem Supermarkt mit dem brüllenden Kind auf dem Boden hockt, vom brüllenden Kind gehauen wird, dem brüllenden Kind mitteilt, dass jetzt eingekauft wird, deren brüllendes Kind aus dem Einkaufswagen klettert und deren brüllendes Kind im Supermarkt mitten im Weg auf dem Boden liegt. Mütter mit seit längerem ungeduschten Teenagern gingen vorbei und ich sah das „Gott sei dank ist das vorbei!“ in ihren Augen. Mütter mit rosigen Babies gingen vorbei und ich sah das „Oh mein Gott, das arme Kind, meins wird das ja nie machen, weil…“ in ihren Augen. Ältere Damen gingen vorbei und schüttelten „Tztztz“-machend den Kopf. Und dann war es irgendwann vorbei und meine Nerven auch und hier ist die Liste der Dinge, die wir kauften um weitere Tantrums auf jeden Fall zu verhindern:

  • Zwei trockene Brötchen
  • Eine extra Packung Apfelsaft
  • Cornflakes
  • Pappsüßen Kinderjoghurt (ok, den wollte Michel haben)
  • Fettarme Milch
  • Tomatensoße mit Basilikum von Barilla
  • Äpfel
  • Überraschungseier (wollte auch Michel haben)

Nur beim Eis an der Kasse blieb ich hart und es war mir dann auch echt egal, dass sie da wieder herumbrüllte, dann sollen die aufhören, ihre Quengelware in Hörweite der Kassierer*Innen aufzustellen, wenn die das zu sehr stört (mich hat das in meinen vielen, vielen Jahren an diversen Kassen übrigens nie gestört).

Ansonsten hab ich mich heute nur beim Anziehen und beim Zähne putzen durchgesetzt, alles andere habe ich einfach durchgehen lassen. Ich traue Ihnen genug Phantasie zu, um sich „alles andere“ realitätsnah auszumalen.

Dieses Kind schafft mich. Und dann ist die wieder so niedlich, dass ich sie fressen möchte. Wenn Sie ihren Bruder füttert zum Beispiel. Oder ihr Bärchen ins Bett bringt.