Tag 978 – Gemischtes.

Heute war ich beim NAV. Das kam so:

Ich habe seit inzwischen 5 Wochen kein Arbeitslosengeld bekommen. Es wurde mir ja von Anfang an klargemacht, dass ich in den zwei Wochen vor der Disputation kein Arbeitslosengeld bekäme, weil ich in der Zeit „in Ausbildung“ sei und deshalb ja keine Jobsuche betreiben könne (dass ich auch in der Zeit Bewerbungen abgeschickt hab: Schwamm drüber, ne?). Ich müsse das dann in den „Meldekarten“ entsprechend angeben. Die Meldekarten muss man alle zwei Wochen ausfüllen, aber online dauert das keine fünf Minuten, ist also echt kein großes Ding. Und normalerweise geht das dann auch fix, dass man das Geld bekommt, also so etwa 2-3 Tage. Nun. Ich füllte diese Meldekarten rund um die Disputation also entsprechend aus und halte für den Zeitraum zwei Wochen vor der Disputation „in Ausbildung“ an. Und dann gingen die zwei Meldekarten zur „manuellen Behandlung“. Ganz toll, vielen Dank auch, dachte ich mir, aber sonst auch nix weiter. Bis dann jetzt für die neue, ganz stinknormale Meldekarte auch kein Geld kam. Da sah ich heute morgen nach und fand heraus, dass die quasi in der Pipeline hinter den anderen beiden feststeckt, die nicht bearbeitet wurden. Ich grmpfte also und rief die Hotline an. Die Dame bei der Hotline teilte mir dann freundlich mit, dass die zwei Meldekarten „durchgefallen“ seien und deshalb auch die dritte nicht bearbeitet wurde. Moment, durchchgefallen? Ja, weil ich „in Ausbildung“ angekreuzt hatte. Das „in Ausbildung“ gilt nur für „vom NAV aberkannte Kurse und Studien“. AHA! Das hätte mir ja auch mal wer sagen können, nicht wahr? Ich hätte da, so die Dame weiter, „Abwesend“ anhaken müssen. Obwohl ich ja sehr anwesend war. Tjanun. Und da gäbe es jetzt leider nur die Möglichkeit, das zu korrigieren, indem ich persönlich da hinginge und mit meiner Betreuerin spräche. Ich grmpfte noch viel mehr, ging aber heute Mittag da hin. Und war schockiert. Ich kam direkt von der Eingangstür in einen Raum voller Leute, die scheinbar ungeordnet herumstanden. Einige sag ich an Computern mitten im Raum stehend Dinge tun, einige sitzend auf Sofas, zwischendrin auch welche am Drucker, und hier und da Leute mit roten Westen. Ich dachte zuerst, ich wäre in den abschließenden Mingling-Teil irgendeines Seminars geraten und wollte schon wieder umdrehen, aber irgendwie kam mir seltsam vor, dass die Leute so scheinbar gar nicht mingelten. Und auch nichts offenkundig gemeinsam hatten. Ich blieb also unentschlossen einfach stehen und besah mir das ganze. Die roten Westen (mit dem Charme einer Bauarbeiterkluft) hatten eine Aufschrift mit „NAV.no – 24/7 geöffnet“ (oder so), die schienen also hierher zu gehören. Und wuselten manchmal zielgerichtet herum, dann aber wieder nicht und guckten aufmerksam Leute an. An einem Ende des Raumes war so eine Art Tresen, an dem mehrere Leute standen und dahinter mehrere rote Westen, also schien es mir ratsam, mal zu schauen, ob das ein Empfang oder sowas war (ich suchte die ganze Zeit nach einer Gelegenheit, eine Nummer zu ziehen, weil das in Norwegen ja immerimmerimmer so ist, dass man einfach eine Nummer zieht und dann die Nummer aufgerufen wird und fertig). Und wie ich da so versuchte, die Schlange am Tresen zu erkennen, rief eine der roten Westen „Wir haben hier keine Schlangenordnung!“. WHAAAAAT? Keine Nummer, keine Schlange, soll man die im Ernst einfach ansprechen? Bis ich mich gesammelt hatte, war die rote Weste natürlich besetzt. Dann drängelte sich jemand vor (oder so, gab ja keine Schlange, aber ich bin ganz sicher, dass die nach mir gekommen sind) aber die nächste rote Weste war dann meine. Der erzählte ich also – mitten im Raum, umgeben von Leuten (!!!) – meine Geschichte und sie fragte nach meinem Ausweis. Ich habe keinen Lichtbildausweis mit meiner Personnennummer drauf, also zog sie dann mit meinem Führerschein plus Krankenversicherungskarte (meinem einzigen Ding mit der Personnennummer drauf, abgesehen vom offiziellen Registrierungsbeweis) von dannen. Bis sie wiederkam, hörte ich unfreiwillig die komplette Geschichte des sehr laut sprechenden, älteren Rumänen mit, der vorgestern erst angekommen ist und noch eine Personnennummer braucht. Weil er noch keine Arbeit hat, hat ihn der Skatteetaten schon weggeschickt und er verstand nicht, wieso ihm niemand eine Nummer zuteilen wollte, ohne die doch in Norwegen nichts funktioniert. Kurz bevor er wirklich sauer wurde, kam meine rote Weste zurück, mit zwei Zetteln zur Korrektur der zwei Meldekarten. Die füllte ich auf der Sitzfläche eines Stuhls aus und gab sie ihr unterschrieben und mit der falschen Jahreszahl (Hupsi, aber ist ja auch noch so neu, das Jahr…) versehen zurück, sie sagte Danke und dass das jetzt korrigiert wäre und das war’s. Dann war ich wieder draußen. Auf der Pro-Liste also eindeutig: Geht fix, deren System.

Trotzdem, liebes NAV: warum?!? Warum keine Nummern? Wir mögen Nummern ziehen! Das ist fair, das kann wirklich fast jede*r, selbst Leute mit richtig schlechter Sozialkompetenz schaffen es, ne Nummer zu ziehen und im Zweifel eben draußen oder in der Ecke eines der schicken Sofas sich unsichtbar machend darauf zu warten, dass sie dran sind. Dieses System, was ihr da habt, ist echt (wie jemand auf Twitter sagte) Apple Store gone wrong. Für Leute mit psychosozialen Problemen ein echtes Hindernis, für alle anderen mindestens unfair und total unübersichtlich, keine Privatsphäre, und dass die Mitarbeiter*Innen da nicht komplett irre werden, ist echt ein Wunder.

So.

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Pippi wollte heute nach der KiTa nicht nach Hause laufen. Aber auch nicht Laufrad fahren. Was ich also tragen musste. Plus die schwere und volle Tasche Kram aus der KiTa (unter anderem der Winteranzug, mit dem Michel, als ich kam, auf den Knien über den gestreuten Asphalt robbte und meine Fresse, das Ding hat über 100€ gekostet und hat jetzt Löcher in den Knien. War. (und bin) ich. sauer.). Also beide Arme voll und bockige Pippi, die einfach stehen blieb. Viele unserer Nachbarn aus dem Viertel kennen jetzt die deutsche Mutti, die ihr Kind anschreit. Und ein paar deutsche Flüche.

Nach sowas möchte ich echt immer gern aufn Arm oder direkt ins Bett.

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Sport gemacht und, weil ich ein neues Sportprogramm angefangen habe, den „Physical Fitness Test“ wiederholt, allerdings ohne Laufen, ich laufe ja nicht. (Ich gehe. 19256 Schritte heute.) Und ich muss schon sagen: ich bin stolz auf mich. Die >-Zeichen heißen, dass noch ein paar mehr gegangen wären, aber es mir zu blöd wurde.

(Ach ja: Push-ups sind Liegestütze, in dem Fall ganz normale und nicht auf den Knien, sondern auf den Füßen, Squats sind Kniebeugen, Plank heißt, dass man sich auf Unterarme und Zehen aufstützt und den Rest halt wie ein Brett macht, also vom Boden weg, aber flach, in einer Linie von den Schultern bis zu den Fersen abfallend ohne, dass der Po angehoben wird. Flexibility wird da bestimmt, indem man quasi eine Klappmesser-Übung macht und musst, wie weit man mit den Händen an den Fersen vorbei strecken kann (oder, wenn man nicht bis zu den Füßen kommt, halt -x cm). Ich glaube, das ist bei mir nah am maximal erreichbaren, bei dieser Übung bin ich schon sehr flexibel, ich lege den kompletten Oberkörper auf meinen Beinen ab und die Unterarme auf den Boden neben die Waden, was soll da noch groß gehen, wenn meine Arme nicht durch gewisse Laufradtragereien noch deutlich länger werden?)

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Ein lustig aussehendes Brot gebacken, nach einem Rezept von Ketex.

(Ich glaube, die Teiglinge lagen ein bisschen sehr nah aneinander, deshalb haben die beim Aufgehen im Ofen so eine Art Brücke gemacht und sich gegenseitig hochgedrückt. Aber sonst tadellos, wir werden sehen, wie es schmeckt, so schwierig, wie’s im Rezept klingt, fand ich es jetzt nicht.

Tag 946 – Hungrig ins Bett.

Das werde ich vielleicht bereuen, wenn ich dann nicht schlafen kann. Das Problem ist ein hausgemachtes. Ich bin ja einigermaßen zwanghaft. Deshalb konnte ich heute Abend trotz Muskelkater von gestern keine fünfte gerade sein lassen und musste um meines Seelenfriedens willen Sport machen. (Heute waren Arme dran, die waren auch vom Po- und Beinmuskelkater gänzlich unbeeindruckt). Jedenfalls war es nach dem Gehopse und einer Dusche schon ziemlich spät. Das wiederum lag einerseits an spät schlafenden Kindern und andererseits daran, dass ich etwas Zeit dabei vertrödelt hatte, mich über die schwammigen Aussagen dieser NASA-Zwillingsstudie aufzuregen. Wie dem auch sei, ich bin ja einigermaßen zwanghaft. Und musste deshalb wenigstens noch den Futterstoff zuschneiden.

Gut dass ich auch so zwanghaft bin, mich selbst ins Bett zu schicken und nicht noch ganz schnell die Kanten zu versäubern. Nur für Essen hab ich keine Zeit mehr jetzt. Und die Zähne hab ich auch schon geputzt.

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Auto-Lobhudelei: ich überzeuge mich fast erfolgreich davon, dass das schon irgendwie hinhauen wird mit der Disputation.

Tag 913 – Nähere Ausführungen zum Sport.

Nun, ich hatte das ja angekündigt, dass ich wieder mehr Sport machen wolle, schon allein um an diesen eintönigen und zum Teil furchtbar frustrierenden Tagen gerade auch mal auf andere Gedanken zu kommen (und nicht meinen Frust an Menschen aus dem Internet auszulassen). Ich wusste nicht, was genau ich machen wollen würde, irgendwas auf YouTube, weil Fitnessstudio grad finanziell schwierig und wegen Vertragslaufzeiten und Tralala auch einfach ungünstig wäre. Tanzen geht nicht mehr und der Angestellten-Sport auch nicht, weil ich ja offiziell nicht mehr Angestellte der Uni bin. (Mir fällt grad ein: eine Einschränkung vorweg. YouTube ist natürlich nix, wenn man echt gar keine Motivation aufbringen kann, oder sich nicht pushen kann, wenn kein Trainer einen beaufsichtigt. Denn ob ich mitturne oder Chips essend auf dem Sofa sitze, während das Video läuft, kontrolliert natürlich nur das Kind, das die Chipskrümel findet keiner.) Ich fragte ein bisschen auf Twitter rum, ob jemand was empfehlen könne und die Reaktionen waren insofern interessant, als dass ich einige Tipps nur über Direktnachrichten bekam, offenbar ist es für mache unpassend, im Internet öffentlich sichtbar Sportvideos zu empfehlen. Also, äh, für mich nicht, und deshalb kann ich hier jetzt auch ganz offen schreiben: Ich habe Fitnessblender gewählt. Die wurden von mehreren Leuten empfohlen und waren außerdem auf Platz eins eines „the 5 best free fitness channels on YouTube“ (oder so) Artikels auf Buzzfeed (oder so, keine Ahnung, ist auch nicht so wichtig). Ich probierte also zwei, nein, drei Videos aus, während ich hier mit den kranken Kindern hockte und mir gefiel das Unaufgeregte auf Anhieb. Aber dazu später, denn…

Ich habe das Gefühl, die Wahl von „Fitness“ erklären zu müssen. Denn es ist ja so: „For free“ könnte ich jede Menge anderen Sport machen. Sogar draußen. Ich könnte Langlauf machen! Grade jetzt im Winter und während ganz Norwegen wegen Olympia vorm Fernseher klebt haben wir dafür hier ja die besten Bedingungen. Aber ich kann ja echt nicht gut Skifahren und alleine traue ich mir das einfach noch nicht zu – da habe ich zu große Angst, mich zu verlaufen und vor allem mir den Hals zu brechen und erst gefunden zu werden, wenn Tiere meine gefrorenen Körperteile zufällig zum nächsten Parkplatz geschleppt haben. Ich könnte auch Laufen gehen! Äh nein. Einfach nein. Ich hasse Laufen. Ich gehe gern zu Fuß, aber in schnell und mit Schwitzen und so… Nee, echt nicht. Dieses Läufer-High kommt bei mir nie, ich habs echt oft genug probiert, was kommt ist das Gefühl, meine Lunge auszuhusten und dass mein Herz mir aus dem Hals hopst. Da kann das hundertmal „mehr als ein Sport“ sein, wie Laufende gern nur ganz dezent missionarisch behaupten, ich finds einfach scheiße. Und überhaupt: Tanzen ist auch „mehr als ein Sport“ (nämlich eine Kunstform), Yoga ist „mehr als ein Sport“ (nämlich Meditation), Boxen ist „mehr als ein Sport“ (Strategie-Dings, ich gebe zu, da begebe ich mich auf dünnes Eis), vermutlich ist auch Curling oder Hockey oder Handball „mehr als ein Sport“, weil LEIDENSCHAFT!!!1elf!. Lebensgefühl. Self-Care (grade als Mutter muss man ja auch obendrein noch für sich selbst sorgen… hoppla, da musste ich ein bisschen brechen).

Ich hingegen wollte einfach Sport. Gern mit Schwitzen, gern keine 2 Stunden pro Einheit, gern so, dass man auch mal Muskelkater bekommt, zusammenfassend: den Körper spüren und dass der was getan hat. Yoga ist mir zu wenig Schwitzen, für alles mit Kraft fehlt mir das Equipment (was nur bedingt stimmt, aber dazu gleich), eigentlich will ich auch nicht abnehmen (im Sinne von Gewicht verlieren, ich mag schon lieber, wenn meine Muskeln auch sichtbar sind) und fände deshalb jetzt täglich Cardio irgendwie nicht so zielführend. Die drei Tests bei Fitnessblender waren ein HIIT (High Intensity Interval Training, also in kurzen Intervallen irgendwas sauanstrengendes machen, dann ganz kurze Pause mit weiter bewegen, nächste Übung…), ein Pilates-Workout und ein Butt/Thigh/Lower Back Blabla toning irgendwas. Leider verbrachte ich zum Teil deutlich mehr Zeit mit der Suche nach einem geeigneten Workout, als mit dem Workout selbst, weil YouTube so eine bescheidene Suche hat. (Ich glaube bei Fitnessblender auf der Homepage geht es viel besser, aber das habe ich noch nicht ausprobiert.) Aber erstmal zu den Videos: erster wichtiger Punkt für zwanghafte Tänzerinnenseelen wie mich: es gibt keine Musik. Wenn Musik läuft, muss ich mich im Takt bewegen und dabei powere ich mich oft wirklich übermäßig aus, das geht einfach nicht für mich, dass dann „meinem Tempo anzupassen“. Nix da, Takt it is! Dann zu den Trainern: Kelly und Daniel sind ein Personal-Trainer-Ehepaar, die (Hurra!) aussehen, wie normale Menschen. Und reden wie normale Menschen. Und (weil sie alles meistens ungeschnitten so mitmachen, wie man es eben auch durchturnt) mal schnaufen, oder kurz Pause machen müssen, rot werden, eben: normale Menschen. Nebenher sind sie natürlich super trainiert, fast immer super gut drauf und trinken am Tag jeder vermutlich sechs Liter Wasser, aber wer würde ihnen das übel nehmen, es ist ja ihr Job. Die Videos sind prinzipiell alle kostenfrei verfügbar, aber man kann sich komplette Trainingsprogramme kaufen, die dann 2 bis 8 Wochen lang jeden Tag (mit Erholungstagen) ein Video präsentieren. Damit, und mit ihrem Ernährungs-Tralafitti (dazu auch gleich) verdienen die beiden ihr Geld und vermutlich gar nicht mal wenig. Nun, und weil ich ein (im Grunde) fauler Mensch bin, der außerdem keine Ahnung von Trainingsplänen hat und gern bereit ist, für gute Arbeit auch Geld zu bezahlen, habe ich mir nach den ersten Testläufen so ein vier-Wochen-Programm gekauft, und zwar eines, das ohne Gerätschaften (also: Gewichte) auskommt und das einen guten Mix aus all den vielfältigen Trainingsvideos versprach.

Jetzt bin ich halb durch mit dem Programm und liebe es. Es ist wirklich ausgewogen und durchdacht. Es ist immer Warm-Up und Cool-down dabei und zwar fokussiert auf die Körperteile, die man grad trainiert hat. Die Videos innerhalb eines Programms wiederholen sich nicht, natürlich wiederholen sich aber einzelne Übungen. Die Extra-Credit-Challenges machen aus einem gut machbaren 35-Minuten-Workout schnell mal ein total auspowerndes 45-Minuten-Workout, aber das ist ja auch so gedacht und diese Extra-Credit-Dinger muss man ja auch nicht machen. Wenn man die weglässt kommt man auf eine durchschnittliche Workout-Dauer von ca. einer halben Stunde, aber eben: jeden Tag. In den Videos ist (für mich überflüssiger) Schnickschnack wie die geschätzten verbrannten Kilokalorien angezeigt, und das sind, grob geschätzt, am Tag etwa 180 (untere Grenze), mal mehr, selten weniger. Zu jedem Workout-Tag gibt es eine kleine Einführung, eine wirklich sehr ausführliche gibt es einmal am Anfang. Man kann in dem Programm Tage überspringen, wenn man anderen Sport gemacht hat, wenn man aber nur keine Zeit oder Lust hatte, soll man da wieder anfangen, wo man aufgehört hat. Es gibt einen übersichtlichen Kalender und allerlei Schnickschnack wie Rezepttipps. Das reine Trainingsprogramm ist für mich nahezu perfekt: Ich brauche kein Zeug, trainiere meinen ganzen Körper, arbeite an Kraft und Kondition (und habe gelernt, was für zornige Kraftübungen man nur mit dem Körpergewicht und Anarbeiten gegen die eigenen Muskeln machen kann) und mich jeden Tag motivieren fällt mir leichter, als mich zwei Mal die Woche aufzuraffen (wenn es keine festen Termine sind). Am besten wäre es wohl tatsächlich, ich würde direkt am Morgen sporteln, weil ich mich dann den Rest des Tages ganz aufgeräumt und viel ausgeglichener fühle, aber das wiederum scheitert am gemütlichen Bett. Die ersten Tage des Programms waren hart, ich hatte üblen Muskelkater und noch keine Routine, aber jetzt macht es mir richtig Spaß. Nachdem ich gestern von meinen definierteren Muskeln schrieb erklärte mir übrigens eine Freundin, das sei auf den Wasserverlust zurückzuführen, die beanspruchten Muskeln ziehen Wasser aus dem umgebenden Gewebe (?) und treten dadurch deutlicher hervor. Das kann sehr gut sein, denn seit ein paar Tagen habe ich ständig Durst und möchte am liebsten einen kleineren See pro Tag aussaufen. Und weil ich eben eh schon schlank bin und an Armen und Schultern kein sichtbares Fett habe, reichen schon knappe zwei Wochen um sichtbarere Muskeln zu zaubern.

Bin ich also restlos begeistert? Fast. Denn die Fitnessblender-Menschen kommen halt gleich mit der Lifestyle-Keule. Du sollst nicht nur täglich sporteln, wegen health und so (von da ist es nur ein ganz kurzer Weg zu „Leute die wegen Übergewicht krank sind, sind undiszipliniert und selber Schuld an ihrer Krankheit“ und das finde ich einfach sehr gefährlich), „lean“, also schlank zu sein, ist auch das erklärte Ziel (ahhhh, kurz vor Bodyshaming) und generell ist das ja auch alles „mehr als ein Sport“, nämlich Lifestyle und du sollst auf jeden Fall jetzt auch clean eaten. Da kriege ich ja schon Zuviel, weil ich da an Avocados und Ziegen-Hüttenkäse denken muss, aber ich erkläre mal kurz, worum es dabei geht. Ich habe nämlich trotz meiner Abneigung den Clean-Eating-Part der Sportprogramm-Einleitung auch gelesen, context is for kings und so. Also, ganz vereinfacht ist clean eating das Bestreben, möglichst wenig prozessierte Lebensmittel zu essen. Möglichst alles soll so gegessen werden, wie es vom Baum/Strauch/Busch fällt, an/in/auf der Erde wächst, vom Tier kommt, etc. Garen ist schon erlaubt, das wäre dann raw food, kann man bei dem meisten Obst und Gemüse sicher machen, bei Kalbsleber würde ich das aber lassen. Käse ist ok, Brot ist ok, aber dann bitte aus Vollkorn, Nudeln auch, Reis (Vollkorn!), Kartoffeln: alles gut. Was nicht ok ist: Schmierkäse, Tütensaucen, Chips, Frühstücks-„Cerealien“ und generell alles, was irgendwie chemisch anmutet oder absurd viele Inhaltsstoffe hat. Mein Fazit nach dem Lesen der Einleitung war übrigens: Hey, wir essen schon voll clean. Wir machen das meiste selbst, Nutella ist hier absurd teuer: Yeah, clean eating! Heute war sogar ne Avocado im Salat! Wo ich halt anfange, schlimmes Augenzucken zu kriegen, ist, wenn da steht „Honig ist besser als Zucker“, weil, nein. Und nochmals nein. Und generell, wenn jeder Ausflug in Richtung „normales Essen“ als Cheating oder Treat dargestellt wird. Das macht mir so ein ganz ungutes Gefühl im Magen und das kommt nicht vom Avocadosalat. Essen ist so toll und Essgewohnheiten so vielfältig. Niemand hört gern über sein Abendessen, das sei ja jetzt „eine Belohnung“ oder gar „ein Ausrutscher“. Man muss aber sagen, dass dieser Teil des Fitnessblender-Konzepts in den Videos nur am Rande vorkommt, wenn sie am Ende sagen, man solle so schnell wie möglich was essen und zwar „real food“. Nicht so unreal wie Schokokekse, obwohl, vielleicht enthalten die dann ja auch unreal Kalorien?

Abschließendes Fazit: Minus den Ernährungskram und Minus das unausgesprochene „alle haben schlank zu sein zu wollen“: Find ich richtig gut. Ich freue mich auf jeden Fall schon mal auf die nächsten zwei Wochen. Und mein Bett, um meinen heute doch mal wieder arg geschundenen Körper auszuruhen.

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Auto-Lobhudelei: Ohne zu verrecken 40 Minuten sehr anstrengendes und anspruchsvolles Training durchgezogen

Tag 912 – Ächz.

Heute Morgen sang ich noch Loblieder auf mein Sportprogramm und dass das ja jetzt gar nicht mehr so schlimmen Muskelkater macht wie am Anfang noch und dank meiner schnell wachsenden Muskeln* sieht man an Schultern, Armen und oberem Rücken schon Erfolge und im unteren Rücken merke ich dass er mir viel seltener wehtut und olé olé, super Sportprogramm.

Dann kam die 10-Minuten Total Abs Burnout Pilates Extra Credit Challenge** I’m Anschluss ans Total Upper Body Workout. Heute Nachmittag dachte ich noch, hmm, fühlt sich alles recht müde an. Dann fing der Körper beim Vornüberbeugen an, lustige Zuckungen zu produzieren.

Und dann hatte ich die brillante Idee, geliehene Schnittmuster auf in meinem unerschöpflichem Fundus*** gefundenen Schnittmusterpapier zu übertragen. Erst kroch ich dafür auf dem Boden herum, aber als Herr Rabe mich ächzend und fluchend vom Boden hochkommen sah, räumte er mir den Esstisch frei. Da stand ich dann in leicht vorgebeugter Haltung und jetzt bin ich fertig mit dem Abmalen, aber meine Abs**** sind jetzt auch wirklich für die nächste Woche so dermaßen ausgeburnt.

Morgen geht’s weiter. Mit dem Sport und den Schnittmustern auch.

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Auto-Lobhudelei: heute viel erledigt bekommen, sogar eine Bewerbung verschickt, obwohl meine Motivation dies zu tun heute auf einem Tiefpunkt war. Dafür eine Post-doc-Stelle in Kopenhagen gefunden, auf die ich mich auf jeden Fall bewerben werde. Das Thema ist nämlich sehr ähnlich zu dem, was ich hier in der Doktorarbeit gemacht habe und es ist ein industrieller Post-doc. Win -win.

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*Mir wurde schon zu viel Testosteron unterstellt, ich nehme ja an, dass meine Muskeln einfach immer ungefähr konstant da sind, aber bei längerer Nicht-Benutzung nicht mehr gut ansprechbar sind und dann auch nicht so sichtbar. Da braucht es nicht viel, um alte Formen wieder herzustellen. Wirklich irgendwas verändert hat sich nämlich nicht, nur etwas definierter ist es halt geworden.

** Diese Extra-Credit Challenges sind Zusatzaufgaben, die man machen kann, aber nicht muss. Ich sehr aber nur „Challenge“ und schreie sofort reflexhaft „Accepted!“. Ich arbeite daran, das abzustellen.

*** Ich hab das ja alles von meiner Oma geerbt, en bloc alles was in der Nähe der Nähmaschine lag. Ich muss nie, vermutlich die nächsten 10 Jahre auch nicht, Gummilitze kaufen. Und Nähgarn in fast allen Farben habe ich auch immernoch. Und eine Tonne Knöpfe. Und eben auch, etwas überraschend, eine Packung Schnittbogenpapier von Burda und ca. 1990. Praktische Sache! Danke, Oma!

****Abs sind Abdominal muscles also Bauchmuskeln. Burn out in dem Zusammenhang heißt, dass die Muskeln wirklich beansprucht werden sollen, bis man nicht mehr kann.

Tag 897 – Deine Mutter!

Im Moment ist ja ganz einfach gelöst, wer bei uns für die Betreuung kranker Kinder zuständig ist: ich. Heute war ich also mit zwei kranken Kindern zu Hause. Super. Bekanntlich kommt man zu viel, wenn man mit kranken Kindern zu Hause rumhängt. Ich kam nur deshalb zu was (was = drei E-Mails*, eine Dreiviertel Bewerbung**, 30 Minuten Sport*** und eine schnelle Dusche**** hinterher), weil die Kinder das iPad an Lach- und Sachgeschichten leergucken durften und Pippi zwei Stunden Mittagsschlaf machte. Nen Mutterorden gewinne ich damit auch nicht, aber zwei Kinder, die jetzt einigermaßen erholt sind und den Tag über zufrieden waren und sich nur wenig kloppten.

Morgen kann Michel hoffentlich wieder in den Kindergarten gehen – der hatte direkt nach dem Aufstehen leichtes Fieber und seither nicht mehr. Die Bewerbungen brennen mir sonst meine Nägel weg.

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Auto-Lobhudelei: Gepluster nett aber direkt formuliert. Viel darüber nachgedacht, weshalb ich ein super Trainee wäre. Sport gemacht und geschwitzt.

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*Gepluster 1-3. Gepluster 2 war auch schon erfolgreich.

**Die noch mit Herrn Rabe durchgegangen und festgestellt, dass ich gegenüber meinem CV sehr protective bin. Das ist ja auch mein Leben. Wenn Sie also, aus welchem Grund auch immer, Zugang zu meinem CV haben: mehr als Rechtschreibfehler bitte nicht mal erwähnen. Es ist für uns alle so besser, glauben Sie mir.

***Mein Body ist jetzt total getoned. (Oder wie ich sagen würde: im Arsch. Aber das bin nur ich.)

****Aus Witz und zum Ausprobieren vorm Duschen meine Nase konturiert. Nachdem ich so viel Drag Race geguckt habe, klappte das auf Anhieb super gut. Fernsehen bildet! Ich weiß jetzt, wie ich mit Stupsnase aussähe. Lustig, hauptsächlich. (Und dass man aus dieser langen, starken Nase echt ein putziges Näschen zaubern kann, hätte ich auch echt nicht gedacht. Aber man kann!)

Tag 646 – Der moderne Neandertaler.

Seit längerem nagt etwas an mir. Ich mache zu wenig Sport. Ich bin unfit, das stört mich am meisten und meine komplette Körpermitte ist… weich. Das gefällt mir so nicht. Das soll wieder fest sein und ich möchte auch bitte nicht mehr schnaufend im vierten OG ankommen, wenn der Fahrstuhl mal wieder vom Roboter belegt ist. Nun ja, man weiß, aus dieser Situation gibt es drei potentielle Auswege:

  1. Mehr Sport
  2. Weniger oder anders essen
  3. Akzeptieren, dass der Körper nicht mehr 20 ist (der Geist natürlich schon! Nur müder.)

Das Zweite kommt gar nicht in die Tüte. Ich esse gerne und noch viel lieber gut und Hunger ist für mich das absolut am schwersten zu ertragende Gefühl überhaupt. Diät wäre gar nicht mein Fall, egal welche. Ernährungsumstellung hin zu, keine Ahnung, low carb, low fat, Mediterranean blabla, wäre schon eher möglich, aber, haha, doch nicht mit kleinen Kindern. Oder ich koche demnächst immer zwei Mahlzeiten: eine für mich und eine für den Rest der Familie. Haaaahahaha. Nein. Also der Punkt ist für die nächsten 6-13 Jahre (je nachdem, wann hier welches Kind kochen lernt) raus. Bleibt ein Balanceakt zwischen 1. und 3. Und da kippte der Zeiger eben immer mehr zum Sport, bis meine Kollegin mir am Dienstag erzählte, sie habe vor Dienstags und Donnerstags zum Sport zu gehen, da sei Sport für Angestellte auf dem Hauptcampus. Das steht uns ja eh zu, zumindest einmal die Woche jedenfalls. Bisher ging ich zum Yoga, aber, wie soll ich sagen: morgens um acht in irgendeinem Raum auflaufen und nicht total abgehetzt sein, das klappt höchstens einmal im Monat. Deshalb erschien mir Sport am anderen Ende des Arbeitstages irgendwie praktikabler und ich sagte meiner Kollegin, dass ich heute gerne mitkäme. Und startete den Tag damit, hektisch meinen Sport-BH zu suchen*.

Meine Kollegin hatte keine Sportsachen dabei, weil sie vor Muskelkater von Dienstag kaum laufen konnte. Ich ging also allein. (Memo to self: nächstes Mal ein Vorhängeschloss mitnehmen. Und ne Wasserflasche.)

Heute war „Krafttraining“, da denke ich ja immer an Bankdrücken, aber schon in der Beschreibung hatte es geheißen, man benutze sein Körpergewicht für das Training. Der Raum war recht gut gefüllt mit mittelalten (45), mitteljungen (28) und ein paar ziemlich alten (65) Universitätsangestellten. Der Frauenanteil überwog deutlich. Fitnessstufen waren allesamt vertreten, von der ziemlich alten, hardcore durchtrainierten Frau bis zum Mann mit 9. Monats-Wohlstandswampe (Ich verzichte hier für die Fallbeschreibung mal auf Sternchen und so, die wirkten alle sehr im Einklang mit ihrer Geschlechtsidentität.). Das Training an sich sah so aus: 5 Minuten Aufwärmen mit Aerobic, dann immer so Intervalldinger: 25 Sekunden irgendwas tun (Liegestützen, Planking, Bauchmuskelzeug), 10 Sekunden Pause und Stellungswechsel, dann wieder 25 Sekunden irgendwas tun (Kniebeugen, Burpees, Telemarkhopp), das ganze vier mal, dann neue Übung. Am Ende gab es das kürzeste Dehnprogramm ever und es wunderte mich danach auch nicht mehr, dass meine Kollegin so üblen Muskelkater bekommen hat. Ich dehnte jedenfalls noch ein bisschen extra, so viel Zeit muss sein. Soweit ich das beurteilen kann, ist das Trainingsprogramm so aufgebaut, dass sich alle verausgaben können, die wollen. Es gibt genug „Extras“ für die besonders fitten und genug „Schonendes“ für Leute mit Zipperlein oder einfach keinem so hohen Trainingsanspruch an sich selbst. (Eigentlich war es ziemlich genau wie der Muttisport**, nur mit einer anderen Zielgruppe und ohne Babys und nicht in rosa. Und ohne Singen!) Ich verausgabte mich vorsichtig (hier Smiley mit Sonnenbrille denken) und beobachtete die Menschen um mich rum. 

Nun ist es ja so, dass ich seit der Schule seit der späten Uni-Zeit mit latenter Fitnesssucht nur noch tanzender und Yoga machender Weise unterwegs war. Yoga ist kein Wettbewerb (Naja… meistens nicht. Da fällt mir immer das Lied Wettentspannen von Peter Licht ein.) und beim Tanzen soll ja alles federleicht und einfach gaaaar nicht anstrengend wirken. Außerhalb des von mir gewohnten Kontexts war ich deshalb echt überrascht vom Trainingsverhalten erwachsener Männer. Vor allem im Kontrast zu den Frauen. Achtzehn von Achtzehn Frauen (ja, ich hab nachgezählt) schienen mittelmäßig angestrengt. Keine wirkte wirklich kaputt, obwohl viele das volle Programm ohne zu Murren durchgezogen hatten. Gegen Ende entwich manchen ein „Puh.“ und man konnte verstohlenes Handtuchtupfen und vermehrtes Trinkflascheansetzen beobachten.

Fünf von sechs Männern führten sich auf, als müssten sie grade mit bloßen Händen einen Bären erwürgen. Und zwar von Anfang an. Da wurde lautstark geächzt, gestöhnt, geflucht. Das Gesicht Todeskampfgleich verzerrt. Dem Kumpel in den Pausen zwischen den Übungen anerkennend-mitfühlend auf die Schulter geklopft, während der Kumpel vornübergebeugt, die Hände auf den Knien abgestützt den Kopf hängen lasst und „Gläääärchchchch“-machend die Lefzen hochzieht. Es war faszinierend. Wie im Discovery Channel! „Hier ein männliches Exemplar der Gattung Mensch. Um die Jagd nach Beute und die Flucht vor Feinden zu simulieren, trainiert er im Spiel mit seinen Artgenossen seine Ausdauer und Kraft. Erkennbar ist dieses Verhalten an den neonfarbenen Fußkleidern, die extra zu diesem Zweck angelegt werden. Das Ausstoßen gutturaler Grunzlaute während des Spiels ist ein nicht unerheblicher Bestandteil der sozialen Interaktion.“

Ich habe für die Diskrepanzen zwischen dem männlichen und dem weiblichen Trainingsanstrengungskommmunikationsverhalten folgende Erklärungsansätze:

  • Die Männer haben sich einfach echt viel viel mehr angestrengt.
  • Die Frauen waren alle viel fitter als die Männer.
  • Frauen fallen die Übungen leichter.
  • Frauen untertreiben sehr stark wenn sie angestrengt sind und lassen sich nichts anmerken.
  • Männer übertreiben sehr stark wenn sie angestrengt sind um Weibchen anzulocken und konkurrierende Männchen mit ihrem Imponiergehabe zu verscheuchen.

Ich werde das in der nächsten Zeit etwas beobachten. Ganz neutral, versteht sich.

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*war in der Schublade mit den Sportsachen. Überraschung.

** Meine Güte, war Pippi da noch klein! Keine sechs Wochen!

Tag 235 – Mein erstes Mal: Taverne. Korfu Tag 5

Beginnen wir chronologisch: mein Wecker klingelte heute früh um 07:00 Uhr. Um 07:18 stand ich endlich auf. Um 07:35 war ich fertig zum Laufen. Und ich lief und ich starb nicht, deshalb werte ich das mal als Erfolg. Auch wenn ich nur 20 Minuten unterwegs war. 

Herr Rabe hat am Vormittag eingekauft und dann ein Auto gemietet, sodass wir jetzt mobil sind. Hurra! Und wir können im Auto Musik hören, was Michel sehr freut. 

Mit dem Auto waren wir dann in Sidari und am Canal de Amour. Sidari ist eine Geisterstadt außerhalb der Saison. Richtig krass, mit Holzwegen, bei denen ein Drittel der Planken fehlt und so. Aber Canal de Amour ist schön, doch. Leider habe ich davon kein Foto gemacht, aber Herr Rabe hat ca. drölfzig. Zum Abschluss und weil Michel aufgedreht war ohne Ende waren wir noch auf einem völlig verlassenen Spielplatz. Das hatte schon fast Endzeitstimmung, wie da das Unkraut zwischen den Gummimatten hervorquoll. 

Weil wir dann ja eh in der Ecke waren, waren wir noch kurz beim Kap Drastis. Da fahren wir nochmal mit weniger nöligen Kindern hin, das sah nämlich von oben so aus:

 

Als Tagesabschluss ging es dann zum Essen in eine Taverne. Hier um die Ecke ist eine, die macht aber erst am 15. regulär auf, deshalb wanderten wir in den Ort, zur nächsten geöffneten. Atmosphäre war so mäßig, sehr britisch-touristisch, aber die Leute waren  unfassbar nett. Und Kinderfreundlich ohne Ende sind die Griechen. Oder vielleicht nur ohne Berührunsängste, ich weiß es nicht, jedenfalls wird mit Michel und Pippi geschäkert und gealbert woimmer wir hinkommen. So auch da. Und das Essen war einfach mjammijammischmackofatz! Herr Rabe und ich hatten beide was von der Korfiotische-Spezialitäten-Karte, er geschmortes Lamm, ich Pasta mit so einer Art Rinderschmorsauße. Köstlich. Mit Zimt und möglicherweise Nelken, das klingt jetzt vielleicht komisch, war aber wirklich richtig lecker. Michel hatte Pommes, wir hatten noch Tomaten-Gurken-Salat als Vorspeise, kostenlos gab es Fladenbrot mit Knobidipp und als Nachtisch Obst mit Zimt. Pippi aß begeistert ein paar Pommes und ziemlich viel Fladenbrot, überhaupt steht sie ja voll auf Brot, da passte das. Am Ende waren wir alle vier fast am Platzen. Und glücklich. Dazu ein Wein, ein Bier, ein Apfelsaft: 34€. Echt. 10% Trinkgeld kamen uns da etwas dürftig vor, zumal eben der Service auch sehr nett gewesen war, Michel total begeistert davon war, dass direkt vor der Taverne ein paar Wippen standen, ich wirklich das Gefühl hatte, als Familie mit Kindern willkommen zu sein, und so weiter. Wir ließen dann 5 € da (man will ja auch nicht gönnerhaft erscheinen, ich tue mich da immer schwer…). Und apropos Wippen: Michel wippte und wippte und wippte mit einem etwas älteren Jungen, vielleicht 6,7 Jahre alt, Brite. Michel sprach mit dem Jungen konsequent norwegisch. (Ich glaube, er denkt, alle die nicht deutsch sprechen, sprechen norwegisch.) Der Junge sprach Englisch. Es war recht amüsant anzusehen. Am Ende sagten wir Michel, er könne sich mit „Good bye!“ verabschieden. Das tat er dann auch. „Guubei! … Warum ich guubei esacht, Mama?“

Ach ja, das war ein schöner Abend.