Tag 1175 – Kindergarteneingewöhnung die 5.

Hoffentlich zum allerletzten Mal gewöhnen wir also ein Kind im Kindergarten ein. Dieses Mal ganz in Ruhe, denn ich hab Urlaub von meinem Job* und dann bin ich arbeitslos und, also, ach, ich hab halt Zeit.

Pippi braucht diese Zeit glaube ich auch. Gestern wollte sie nicht in einen anderen Kindergarten gehen. Ich kann’s verstehen. Nach den drei Monaten war sie im alten richtig angekommen und jetzt halt wieder ein Wechsel, das ist, unbestritten, nicht schön. Dass die Erzieherin, die ihre Bezugsperson werden soll, krank ist, ist natürlich auch ungünstig, aber halt nicht zu ändern. Jedenfalls bräuchte Pippi gestern erst mal eine gute halbe Stunde um von meinem Schoß runterzukommen. Ich durfte auch nicht sonderlich weit weg gehen, sondern musste, zum Beispiel beim Kneten, im selben Raum bleiben, was natürlich dazu führte, dass mir von sämtlichen Kindern der Gruppe alle Schlangen, Bälle und… unförmigen Gebilde gezeigt wurden. Irgendwie bin ich dann auch in was reingeraten und plötzlich machte ich ganz viele Knetäpfel und -eier. Pippi hat das passende Nest dazu gebaut.

Ich war ehrlich gesagt nach dem Kneten (da waren wir grade zwei Stunden da) schon bereit für Mittagsschlaf, so sehr stresst mich das Zusammensein mit neun Zwei- bis Dreijährigen. Allein der Geräuschpegel frisst meine Nerven in kürzester Zeit auf. Und dauernd wollen die irgendwas. Alle was unterschiedliches, versteht sich, aber alles super dringend. Und wenn keiner was will, haut garantiert irgendwer irgendwem anderem ein Spielzeugauto auf den Kopf oder es fällt wer mit dem Stuhl, den er grad rumschiebt, auf die Nase. Eieiei.

Trotzdem wollten wir bis nach dem Essen bleiben und plötzlich stand da ein Teller für mich auf dem Tisch, zwischen den ganzen Kinderplätzen. Uff. Ich schmierte dann also Stullen mit Leberwurst, Prim, Brunost und Kaviar aus der Tube, goss Milch und Wasser in kleine Tassen, wischte Milchseen vom Tisch, ich ermahnte sogar hier und da wenn Füße über Tischkantenhöhe wanderten. Ehrlich, als es danach hieß, wir sollten nach Hause gehen, damit sich Pippi auf den nächsten Tag freue, war ich glaube ich viel froher als sie.

Heute war also der nächste Tag. Mit Schnee.

Natürlich waren alle Kinder unglaublich aufgeregt, auch Pippi. Sie rannte von der Garderobe aus auch direkt in den Gruppenraum und fing an zu Spielen, als es kurz darauf raus ging, ging ich nur kurz mit und dann wieder rein. Pippi soll ja auch lernen, dass sie alleine dableiben kann, dass ich nicht jeden Tag da sitze und auf Zuruf Eier knete. Für Pippi war das auch erst total ok, aber nach einer guten Stunde kam sie aufgelöst an, weil ihre Finger kat waren. Man stelle sich das vor, wenn man seine warmen Handschuhe nicht anziehen will, werden im Schnee die Hände kalt. Danach war sie jedenfalls echt ungehalten und wollte am liebsten direkt nach Hause. Wir gingen aber noch nicht, sondern aßen und tanzten und Pippi spielte und ich putzte Rotznasen und kultivierte meinen Tinnitus, während ich versuchte, Datenschutzzettel und Gesundheitserklärungen auszufüllen.

Morgen werde ich dann mal tatsächlich den Kindergarten verlassen. Das habe ich Pippi so angekündigt und auch mit den Erzieherinnen abgesprochen. Pippi hätte mich lieber da, aber ich habe das Gefühl, dass es ihr schwer fällt, auf die anderen Kinder und vor allem die Erzieherinnen zuzugehen, wenn ich im gleichen Raum sitze, so unsichtbar wie ich da auch zu werden versuche. Es bleibt spannend.

Pippi findet diese Eingewöhnung auch anstrengend, gestern und heute war sie danach hundemüde und schlief einfach ein, die Nacht von gestern auf heute war dann absolut furchtbar und sie heute noch müder. Hoffen wir, dass sich alles recht schnell zurechtruckelt. Heute gehe ich jedenfalls um neun ins Bett.

P.S. weshalb ich jetzt schon schreibe: Michel ist wieder beim Skitraining. Er war vom ersten Mal letzte Woche so begeistert, dass er es diese Woche gar nicht abwarten konnte und auf dem Hinweg immer wieder fragte, ob wir es eilig hätten, ob wir pünktlich kämen, ganz sicher pünktlich? Und ich sitze derweil im Vereinsheim und Thomas Alsgaard schaut direkt aus den 90ern auf mich herab.

Ich bin total froh, dass ihm das so viel Spaß macht, dass ihn auch Nieselregen bei sehr wenigen Plusgraden nicht schreckt. Ich wäre da anders.

Tag 1158 – Kindergeburtstag ohne Motto.

Nicht dass Sie jetzt denken, ich würde jetzt zur großen Mottogeburtstagskeule ausholen. Nichts läge mir ferner. Ich bewundere bei anderen immer die ausgeklügelten Dekos und Menüs und die Liebe zum Detail und am ehesten seufze ich, weil ich das einfach nicht auf die Kette kriege. Aber sein wir mal ehrlich: mir ist es das auch nicht wert. Wochenlang vorher anfangen zu planen und Deko ordern und Kostüme überlegen, und am Ende weint das Geburtstagskind doch wegen Überforderung wie jedes Jahr und irgendwelche Kinder mögen nur Grillwürstchen und nicht die extra vom Schlachter angefertigten Ninjago-Gesichtswurst-Scheiben, wenn ich für viel weniger Mühe das gleiche Ergebnis haben kann: dann nehme ich, grundsätzlich und in den letzten beiden Jahren besonders, das mit dem Beine hochlegen.

Bestimmt irgendwie Vandalismus oder so.

Heute überlegte ich mir spontan, dass man das halbwegs okay-ishe Wetter ja für eine Schnitzeljagd nutzen könnte. Sprach das mit Michel ab und… gebongt. Schnitzeljagd it was. Wenn wir das nicht gemacht hätten, hätte es halt Spiele zu Hause gegeben, Standardsachen, die ich noch aus meiner Kindheit kenne und die wenig bis keiner Vorbereitung bedürfen. So bastelte ich heute Mittag spontan einen Schatz:

Bei dem Teil mit dem Glitzerkleber übernahm Michel, der neugierig um die Ecke gelugt hatte. Der Glitzerkleber in den dicken Würsten wurde dann auch nicht mehr rechtzeitig trocken und ich glitzerte wegen „Huch, Mist, doch reingepackt!“ so vor mich hin.

Dann schnitt und riss ich aus einem Reststück signalrotem Sweatstoff Streifen und machte mich kurz nach Ankunft fast aller Gäste auf den Weg.

Und es war wie erwartet. Die Kinder hatten einen Heidenspaß und liefen wenigstens ein paar der schnellen Kohlehydrate aus den Muffins wieder raus. Sie fanden alle Schnitzel super fix, den Schatz (der ist ja auch brilliant versteckt, quasi unsichtbar) aber erst nach fünf Minuten suchen. Alle waren happy, drei kletterten auf die Schanze und zwei kamen nach einem scharfen „Runter da jetzt sofort!“ in Mommy-Voice auch wieder runter. Das dritte… kam auch irgendwann und ganz, äh, selbstbestimmt wieder runter, aber das wird dann eher nicht so oft zu uns kommen können, sowas geht nicht, während zwei schon mit hängenden Ohren die Schanze wieder runterkommen, noch extra schnell extra weit und extra nah am ungesicherten Rand hochlaufen. Aber egal, es war eben schon richtig schön, die Kinder hatten Spaß und frische Luft und klar, später hat das Geburtstagskind geweint und eins hat was geschenkt, was ich blöd finde und ein Kind mag keine Wiener und eins findet unseren Ketchup eklig und Herr Rabe hat Saft statt Brause gemischt, aber es hatten am Ende doch alle einen tollen Tag.

Ich glaube, das eine Mädchen ganz in Rosa, die (als einzige) beherzt ihren ganzen Arm in einen morschen Baumstamm steckte und mit mir ein paar riesige, innen schon modrige, Pfifferlinge untersuchte, hat im Gästebad mit meinen Schminkpinseln gespielt, ob bleibende Schäden entstanden sind, sehe ich erst morgen, aber ich finde das gar nicht so dramatisch. Solange es nur die Pinsel sind und nicht die Schminke selbst… und ich merke mir halt vor: besser wegstellen. Und wenn sie nochmal kommt, zeige ich ihr gern was man damit macht und wieso die nicht nass werden sollen.

Die Horde auf der Suche.

Doch, es war ein schönes Fest. Und ganz entspannt.

Tag 1026 – Juba Juba Festival 2018.

Nach einem sehr warmen und einem langsam immer kälteren bis wirklich frischen Tag (und bevor der ganze Kram jetzt gleich wieder abgebaut werden muss), hier das Resümee zum Juba Juba Kinder-Festival 2018: toll war’s. Und das sag ich nicht nur meiner Freundin zuliebe. Es gab wie immer jede Menge ganz unterschiedliche Aktivitäten für Kinder, Kunst, Handwerkliches, Wissens-Dinge… von allem was dabei. Manches war eher so mittelmäßig durchdacht, aber dann am zweiten Tag geändert, zum Beispiel gab es dann heute eine zweite Kinderschminkstation, nachdem man da gestern eine

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Schwups, da hieß es „könnt Ihr zwei *jetzt* mitkommen?“ (Ja klar, dafür bin ich ja gekommen, ne?) und dann haben wir die Bühne abgebaut. Faszinierend und schweißtreibend und ich habe neue Sachen gelernt und so ein bisschen geil ist Arbeit, deren Ergebnis man buchstäblich sofort sieht, ja schon. Aber egal, wo war ich? Ach ja.

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Also jedenfalls war da gestern eine gefühlt kilometerlange Schlange beim Kinderschminken und heute dann eine weitere Station. Es gab ein ganz tolles Zelt für die Kleinsten, einen Bücherbus mit Literaturbühne dran, zwei Bühnen und die Turnhalle mit eher Theater-Bühnen und halt ganz viel Zeug zum machen, von dem wir auch in zwei Tagen nur einen kleinen Teil geschafft haben. Die Stimmung war überall entspannt, die meisten freundlich (Herr Rabe hat heute einem Mädchen den Todesblick verpasst, das Pippi unabsichtlich geschubst hat, sodass Pippis Lolli in den Dreck fiel und die aber, nachdem Pippi entrüstet zu brüllen anfing, nur doof glotzte und keine Anstalten machte, sich zu entschuldigen. Den Blick habe ich bei Herrn Rabe selbst noch nie gesehen, der lässt kochendes Wasser gefrieren. Aber alle anderen sonst waren schon wirklich entspannt!) und manche haben sich noch nicht mal vorgedrängelt, wenn man irgendwo in einer unförmigen Schlange anstehen musste. Wie das eben so ist, mit ganz vielen Kindern und Familien auf einem Haufen.

Wie gesagt, wir haben nicht alles geschafft, aber wir haben

  • Boote gebaut
  • Buttons gemacht
  • Jonglierbälle gemacht
  • Einen Skifahrenden Roboter gebastelt
  • Ballontutafone (it’s a thing! Und es klingt wie so ne Enten-Locktröte.) gebaut
  • Noch viel mehr Buttons gemacht
  • Origami gebastelt (da hat Michel vieeeeel mehr Talent für als ich. Und entspannt hat es mich auch nicht, im Gegensatz zu „Schlepp mal diese drülfzigtausend Metallstangen da hin und leg sie alle auf den Ständer da.“)
  • Und Michel hat eine Miesmuschel probiert, dafür einen Muschelorden bekommen und ganz viele (tote) Speisefische haben wir uns auch angeguckt

(Eins vorweg: was ich wirklich großartig finde, ist, dass alles auf allen Bühnen in Gebärdensprache gedolmetscht wird. Viele Daumen hoch dafür!)

Dann haben wir natürlich Musik gehört, super gut fand ich ja Hopalong Knut, Reggae und Ska für Kinder, und das Trondheimer Symphonieorchester mit Rasmus Rohde (norwegischer Kindermusiker), den Knabenchor des Doms haben wir uns dann lieber geschenkt (Knabenchor finde ich maximal gruselig, egal wie schön die singen, Gru-Se-Lig ist das in meinen Ohren) und die Physik-Show haben wir leider verpasst. Was ich aber (und die Kinder auch) noch viel besser fand, waren einerseits die Lesungen von Jørn Lier Horst, der sehr schön und Kindergerecht echte Fälle aus seiner Zeit als Polizeikommissar erzählt hat und wie er die in seiner Kinderkrimireihe verwurstet hat, mit ganz viel Raten von den Kindern (manch Achtjährige hat echt schon morbide Phantasien, in denen in einer Truhe unbekannten Inhalts auf dem Dachboden eines gefassten Bankräubers zerstückelten Leichen liegen. Würde ich dann aber doch eher in den Erwachsenenbüchern von Horst vermuten.) und ganz schön-gruseligen Geschichten (fand Michel auch. Der steht ja auch total auf die „Detektivbüro Nummer 2“-Bücher) ohne Mord und Totschlag, selbst wenn ein echtes Skelett darin vorkam. Mit Fotos! Von einem echten Skelett! Auf einer Lesung für Kinder! Kriegt manche vielleicht Schnappatmung von, die Kinder fanden das alle toll. Die zweite „Lesung“, die ganz ganz toll war, war von Ståle Gerhardsen. Der ist Künstler, Maler, Illustrator, Dings… und hat ganz mitreißend erzählt und die Kinder entertaint und die Erwachsenen gleich mit. Sein neueres Buch heißt „Hva som helst“ [irgendwas/alles mögliche] und handelt von Thea, die rausfinden möchte, was alles in einen Bleistift passt. Nachdem Aufsägen nicht besonders aufschlussreich war, malt sie also alles mögliche, großen Quatsch meist, und in den Bleistift passt das alles rein, sogar ein Pottwal auf einem Mond. Am Ende zeichnete er dann auch noch auf seinem iPad auf Kinderzuruf die quatschigen Kinderideen und Michel war kaum zu bremsen vor lauter Ideen, hat aber sich immer ganz brav gemeldet, mit „Æ! Æ!“ zwar, aber, eben, bis auf einmal. Da hatte Ståke grad eine Brille gemalt und gefragt, wer denn die Brille aufhat („wer benutzt Brillen?“), da rief Michel einfach ganz selbstverständlich „Meine Mama!“ und so kam es, dass ich mit einem „Mø!“-sagenden Vikinger in einem Drachenboot saß, über dem ein Elefantenbusflugzeug, das von einer Riesenameise mit Zylinder gesteuert wurde… aber das geht alles zu weit. Jedenfalls haben wir das Buch dann gekauft. Mit Widmung. Michel ist hin und weg.

Wovon Michel auch hin und weg war, und ich ehrlich gesagt auch, (und Pippi auch, die hat die eine Show sogar zweimal angeguckt, weil sie die so toll fand) waren die Shows und Aktionen vom Flying Seagull Projekt. Das ist eine Organisation von Artist*Innen und Clowns, die mit solchen Aktionen wie dem Juba Juba Festival finanzieren, was sie sonst tun, nämlich: herumreisen und Quatsch machen für Kinder, die flüchten mussten. Sie gehen in die Auffanglager und machen mit einfachen Mitteln halt Blödsinn für die Kinder und bringen sie zum Lachen, in einer Situation, in der normalerweise nicht viel zu Lachen ist. Sie spielen auch in Slums, Krankenhäusern und überall da, wo Kinder nicht viel zu Lachen haben. Ich finde das großartig und werde deshalb auch (sobald neues Geld vom NAV da ist) etwas für das Projekt spenden. Dass das mit dem Lachen definitiv klappt, davon konnten wir uns dieses Wochenende sehr ausführlich überzeugen, Michel und Pippi und eigentlich alle Kinder haben sich ausgeschüttet vor Lachen über die wirklich quatschigen und redundanten und komplett albernen Witze der Truppe. Wohlgemerkt, eigentlich ohne Sprache. „Uhlala!“ kann Pippi jetzt jedenfalls auch sagen. Und – für mich – unvergessen: der Witz des Truppenchefs, als sich eine andere Clownin anschickte, mit „Säbeln“ zu jonglieren, natürlich nachdem vorher immer alles schief gegangen war und sie auch gar nicht jonglieren kann, jedenfalls sagte der Chef, gewichtig und mit erhobenem Zeigefinger: „HMS“ [Helse, Miljø, Sikkerhet, also Safety, Environment, Health] und setzte sich einen Bauhelm auf. „Farlig!“ [Gefährlich]. Und dann konnte die wilde Messerjongliererei losgehen, Michel hat sich fast ein paar Nägel abgekaut vor Spannung. Hachja.

So, und jetzt noch Bilder.

was ich so bastle…und was Michel in der selben Zeit (mit Hilfe, aber nicht viel!) bastelt. Tjanun.

Abgebaut! Hurra! (Und Schleichwerbung. Wenn Sie mal zufällig in Trondheim und Umgebung ne mobile Bühne brauchen, melden Sie sich doch!)

Tag 199 – Mein erstes Mal

Gestern war ich das erste mal im Indoorspielplatz. Oder sagt man auf dem Indoorspielplatz? Ich weiß nicht. Egal. Im Lekeland halt. Anlass war ein beweglicher Ferientag des Kindergartens und dass ich vor Monaten, als die beweglichen Ferientage bekannt gegeben wurden, auf Herrn Rabes Frage „Soll ich dann Urlaub nehmen…?“ leichtsinniger Weise mit „Ach was, das geht schon!“ geantwortet hatte. Dazu kam dann noch kurzfristig „Am 25. ist PayDayDinner und Dartturnier Endrunde, da muss ich spielen, ich komm nach der Arbeit und vor dem Dinner nicht nach Hause.“ . Hurra. Jackpot quasi. Mit zwei wuseligen Kindern allein zu Haus – den ganzen Tag vom Aufstehen bis zum Ins-Bett-bringen. Als wir Michel letzte Woche eröffneten, dass der Kindergarten diese Woche zwei Tage zu haben würde und er die Tage mit mir und Pippi allein verbringen müsse und ich auch noch nicht wüsste, was wir dann machen würden, sagte er zuerst, er wolle zu Brutus. Und dann, als ich sagte, das ginge nicht so einfach, „Splielplatz elleicht… Elleicht Einkaufen…“ Einkaufen, ja, guter Plan, nur leider nicht tagesfüllend. Und dann war das Wetter gestern auch noch Ultra kacke, sodass Spielplatz beim besten Willen auch nicht drin war. Und verrotzt sind die Rübennasen ja auch noch, also auch kein Schwimmbad. Hilfe! Letzter Ausweg: Indoorspielplatz. 

Inzwischen bin ich ja schlau (oder fies, wie mans nimmt) und sagte Michel erstmal gar nichts. Ich packte uns ein bisschen Proviant ein (Michel wunderte das gar nicht groß, dass wir Brotdosen zum Einkaufen mitnahmen. Hauptsache, er durfte die Dose mit den Gurken halten), stopfte heimlich Michels Stoppersocken in meinen Rucksack und dann gingen wir einkaufen. Mit dem Bus zum Shoppingcenter, da in den Supermarkt, Gedön kaufen und für jeden noch einen Snack. Dann setzten wir uns auf ein Sofa und aßen unseren Proviant bis auf zwei Bananen komplett auf, Michel verschüttete meinen Tee auf dem Sofa (Glücklicherweise Fake-Leder) und krümelte alles mit seinem Croissant voll, Pippi kaute glücklich an einem Stück Birne und schluckte vielleicht 1% davon runter, der Rest landete überall und dann war da noch die Sache mit den Lolliverteilenden Werbeheinis, die Michel übersahen, kurz: danach war ich im Eimer. Aber so richtig. Mein Körper schrie nach Kaffee. Also fragte ich Michel, ob er Lust auf Lekeland hätte, so ein ähnliches, wie sie letztens mit dem Kindergarten besucht hatten (und wonach Michel im Kindergarten eingeschlafen ist, hähähä…) gäbe es hier auch. Natürlich war er gleich Feuer und Flamme. Welcher Dreijährige wäre das nicht? Und der Eingang: ein riesiges, aufgerissenes Haifischmaul! Sooooo toll! Innerlich brülle ich „Für Kaffee!!!“, während ich mich in das Haifischmaul stürze. 

Wir sind drin. Es mieft. Nach Turnhalle irgendwie. Käsefuß, Kinderpups und Weichbodenmatte. Nicht nach Kaffee. Aber ich kann eine Café-Nische sehen. Erst noch Schuhe ausziehen. Ich pelle den total zappeligen Michel aus zwei von drei Schichten Kleidung. Die Stoppersocken vergesse ich im Rucksack. Michel rast los. Ich hinterher, den Kinderwagen strategisch günstig direkt an der Caféecke geparkt, nehme Pippi raus, drehe mich zum Café… „MAMA! Daaaa! Boooot mit Kanoooonen! Komm! Komm jetzt, Mama!“. Ich zwinkere der Kaffekanne ein kurzes „Bis gleich!“ zu und schlurfe zu dem Boot. Tatsächlich. Da ist ein halbes Piratenboot. Mit Luftdruckkanonen drauf, mit denen man Schaumstoffbälle abschießen kann. Der innere Pazifist in mir winkt verzweifelt mit seinem weißen Fähnchen aber gegen Michels leuchtende Augen hat er keine Chance. Wir quetschen uns alle drei durch die Lamellenpforte. An den Kanonen angekommen erringt mein innerer Pazifist einen Teilsieg, weil ich nicht rausfinden kann, wie die Dinger funktionieren. Erst als eine andere Mama mir sagt „Das da ist kaputt. Da einfach reinstecken und dann auf den Knopf drücken… Neineinein, DEN Knopf DA!… Ja, so geht’s.“ schaffe ich, was die meisten Vierjährigen intuitiv hinbekommen und schieße einen Ball ab. Michel flippt völlig aus. Pippi setze ich auf den Boden, sie strahlt mich an und kann sich scheinbar nicht entscheiden, welchen der herumliegenden Bälle sie zuerst mit ihrem Schnodder beschmieren soll. Michel schleppt drölfzig Bälle an, mit denen muss ich dann die Kanone beladen, er schießt. Am meisten freut er sich, wenn er mehrere Bälle auf einmal abschießt. So spielen wir, Pippi sabbert Schaumstoffbälle an und fügt deren sicher bereits bunter Keimflora noch ihre eigenen Bazillen hinzu, ich bin Pinky, Michel ist Käpt’n Säbelzahn, dann ist er Pinky und ich bin Käpt’n Säbelzahn, ich habe keine Ahnung worum es geht, aber Michel ist im siebten Himmel. Plötzlich stürzt er los, raus aus dem Lamellenloch, hält sich den Schritt. Ich schnappe mir Pippi, die grad dabei war, mit dem Finger ein Loch in einen Ball zu prökeln, und stürze hinterher. „Mamaaaaa! Klo, SOFORT!“ ruft Michel. Ich dirigiere ihn leicht panisch zum Klo „für kleine Piraten und Prinzessinen“, kotze kurz innerlich ein bisschen als ich das lese, wir schaffen es rechtzeitig und dank niedriger Klos kann Michel sich alleine hinsetzen. Das Klo könnte sauberer sein und weniger nach Kinderpipi riechen. Hände waschen geht fix: Michel will sofort wieder zu den Kanonen. 

Ich will weiterhin Kaffee. Der Kompromiss ist die Babyecke neben dem Café. Hier sitzen schon einige Mamas mit Babys, die allesamt leicht abgeranzte Riesenspielwürfel besabbern. Ein paar etwas größere Kinder beklettern die Minirutsche. Es gibt noch ein etwas miefiges Bällebad, in das stürzt sich Michel direkt. Pippi krabbelt ein bisschen herum, will aber scheinbar nur andere Kinder beobachten. Sie guckt sich förmlich die Augen aus dem Kopf. Ich auch: der Kaffee ist in Sichtweite. Das nimmt Junkiehafte Züge an. Ich überlege, ob ich beide Kinder einfach kurz den anderen Mamas…? „Mama, guck mal!“ Michel hopst vom Rand ins Bällebad. Pippi versucht sich am Rand des Bällebads hochzuziehen. Ich stelle sie hin. Jetzt ist sie im siebten Himmel. Die anderen Muttis versuchen, Konversation mit mir zu betreiben. Pippi fällt um. Michel rutscht einem anderen Kind fast auf den Kopf. „Jaja, sieben Monate.“ Ich stelle Pippi wieder hin. Michel baut einen Turm aus den Riesenwürfeln. „Ja, hm, früh dran… Michel, sei vorsichtig da, hier sind überall Babies!“ Michel schmeißt den Turm um. Das einzige Baby das er trifft, ist Pippi. Sie fällt um. „Komm, Mama!“ Michel will wieder zu den Kanonen. Ich schaffe es, ihn davon zu überzeugen, alleine da hinzugehen, von hier kann ich ihn ja sehen. Die anderen Muttis sind plötzlich sehr in einem Gespräch unter sich vertieft. Auch gut. Mit Konversation hab Ichs nicht so ganz. Pippi krabbelt rum. Guckt die anderen Babies an. Guckt und guckt und guckt. Kommt angekrabbelt, versucht sich an mir hochzuziehen. Sie ist müde. Ich schnappe sie mir und gehe zu Michel, der grad aus dem Boot kommt. 

„Michel, ich muss einmal Pippi wickeln, möchtest du mitkommen?“ Dämliche Frage von mir. Natürlich will er. Ich schnappe meinen Rucksack. Auf dem Weg zum Wickelraum kommen wir am Kino vorbei. Michel gravitiert automatisch ins Kino. Es läuft eine norwegische Fassung von Doc MacStuffins und ich frage mich kurz, woher ich weiß, was das ist. Weiß es nicht. Spreche mit Michel ab, dass ich Pippi wickeln gehe und er so lange Film gucken kann. Gehe Pippi wickeln, auch der Wickelraum könnte sauberer sein und als ich den Windeleimer öffne um die Windel zu entsorgen, schlägt mir ein infernalischer Gestank entgegen. Welchen ich ignoriere und durch sehr flaches Atmen zu verdrängen versuche, schnell mit Pippi auf dem Schoß selbst aufs Klo gehe und dann sehr schnell den Raum verlasse. Puh. Michel sitzt noch im Kino. Ich soll reinkommen, sagt er. Pippi hat Hunger. Ich sage ihm, dass ich keine Lust auf Film habe, dass ich Pippi stillen will und ihn dann abhole. Ok, sagt er. 

Ich suche mir eine Ecke, in der ich mit Pippi sitzen kann, aber den Eingang des Kinos im Blick habe. Beim Stillen schlafe ich fast ein. Pippi schläft nicht nur fast ein. 

Michel kommt aus dem Kino und rennt zum Klo. Hämmert an die Tür. Er denkt, ich sei da drin. Ich rufe, aber er hört mich nicht. Pippi nuckelt noch. Ich tue, was ich mir mal geschworen hatte, niemals in der Öffentlichkeit zu tun und gehe leicht vornübergebeugt mit dem angedockten Baby los um Michel zu retten. Als ich am Kinderwagen angekommen bin (direkt neben dem Café, Sie erinnern sich?), sieht er mich. Ich tarne die Aktion als eine weniger panikartige indem ich souverän Pippi abdocke, blitzschnell die Brust unter dem Shirt verschwinden lasse und Pippi in den Kinderwagen bugsiere. Sie schläft weiter. Michel sieht die Donuts und behauptet, er hätte Hunger. Das ist meine Gelegenheit! Ich kaufe einen Donut, einen Muffin und EINEN KAFFEE! Mir ist völlig egal, dass der Kaffee mal wieder eher schlecht ist. Hauptsache, er wirkt! Das tut er. Der Tag hat einen Sinn. 

Michel will wieder zu den Kanonen. Das kann doch nicht sein, dass er von ca. 10 Sachen hier nur mit einer spielen will. Die große Rutsche vielleicht? Er traut sich nicht. Vom Kaffee beflügelt, biete ich ihm an mit ihm zu rutschen. Das ist ok. Zuerst rutscht er vor mir und ich halte ihn fest. Dann rutschen wir nebeneinander und halten uns an der Hand. Dann rutschen wir nebeneinander ohne festhalten. Und dann rutscht er alleine. Ich bin ganz stolz, dass er sich jetzt traut. Er rutscht ca. eine Million mal. Pippi wird wach und wir sehen Michel beim Rutschen zu. Sein Gesicht ist schon ganz rot vor Anstrengung und Spaß. Ich gehe mit Pippi wieder in die Babyecke. Sie guckt und steht und guckt und krabbelt und guckt und sabbert und guckt. Michel rutscht und rutscht und rutscht. Zwischendurch ruft er zu mir rüber: mit meinem Vornamen! Hat er geschnallt, dass es keinen Sinn macht, zusammen mit 40 anderen Kindern nach „Mama!!!“ zu rufen? Vielleicht. Ich sinniere vor mich hin. Pippi sieht schon recht fertig aus. Zu viel zu gucken. Gleich schmurgelt Ihre Birne durch, statt neue Synapsen zu machen. Michel sieht aus wie ein Feuermelder. Mit einem Mal trägt er Schaumstoffkanonenkugeln zur Rutsche. Ich interveniere. Hauptsächlich daran, dass er überhaupt nicht protestiert mache ich fest: Zeit zu gehen. Michel muss noch kurz den Kanonen Tschüss sagen. Und dann noch mal rutschen. Zum Abschied. 

220 Kronen, plus 70 im Café. Dafür, dass Michel als erstes heute morgen Herrn Rabe vom Boot und den Kanonen und dem großen Hai und so Puffpuff und große Rutsche ganz schnell erzählt hat. 

War ganz ok, glaub ich. 

Tag 121 – Julegrøt

Wir waren heute beim besten Freund (sofern man das bei Dreijährigen sagen kann) des Kindes Julegrøt essen. Das ist Milchreis mit einer Mandel drin, wer die findet bekommt eine Überraschung. Bei Erwachsenen wäre das Schnaps gewesen. Bei Kindern eher nicht. Zufällig *hier riiieeesiges Augenzwinkern vorstellen* waren zwei Mandeln im Milchreis, und beide (!!!) waren in den zuvor für die Kinder bereitgestellten Tellern. Verrückt, nicht wahr? So ein Zufall. 

Jedenfalls hatte ich eine Vorahnung, dass es möglicherweise zu einem Geschenkeaustausch kommen könnte und habe in Windeseile heute Mittag eine Mütze genäht. Und eingepackt*. Und ein Kärtchen geschrieben. Und das alles, während das Baby wach war! Aber dafür können die Jungs beim nächsten Mal die Bude im mützenmäßigen Partnerlook auseinandernehmen. 

Ich bin jetzt reif fürs Bett. 

*und danach hab ich dann dran gedacht, das man ja auch mal ein Foto hätte machen können. Nun gut. Roter Jersey mit blauen Sternen, zum Wenden. Müssen Sie sich jetzt eben vorstellen. 

Tag 118 – Wochenende in Bildern 05./06.12.15

Dieses Wochenende habe ich mal wieder Bilder von uns und dem was wir so gemacht haben gemacht. Gemacht haben wir gar nicht so viel, aber sehen sie selbst.

Samstag vormittag: ich fange mit der Brötchenteigvorbereitung an.

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30 g Dinkelmehl. Die Laborratte in mir MUSS das auf zwei Nachkommastellen genau abmessen.

Danach duschen und so, die Familie chillt auf dem Sofa. Aus dem Bad bringe ich mir etwas Arbeit mit.

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Kann der blöde Wäscheberg nicht von alleine weggehen? Im Hintergrund das schlafende Baby, das netterweise lange genug für den kompletten Korb schlief…

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Babysachen umräumen. Zu kleines weg, passendes hin. Die Schublade am Wickeltisch platzt aus allen Nähten, dabei hab ich schon vieles aussortiert obwohl es passt (aber eben nicht mehr gefällt). Gleichzeitig freue ich mich über die süßen Sachen, die wir schon beim Kind hatten und die ich jetzt wiederfinde.

Irgendwann war das Baby aber dann doch mal wach und Herr Rabe ging mit den Kindern einkaufen. Ich putzte in der Zeit das Bad. Ohne Bilder.

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Kaffeepause mit Kaffee aus Ruanda (aus dem Kaffeeadventskalender). Vorläufiges Ergebnis des Kalenders übrigens: Herr Rabe und ich mögen keine Südamerikanischen Kaffees. Zu sauer.

Nach dem Kaffee war es Zeit für Herrn Rabe sich für die Weihnachtsfeier fertig zu machen.

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Von diesem Bild hab ich ca. 1000 Versionen, die alle irgendwie komisch aussehen. Hier ist Herr Rabe fertig für die Weihnachtsfeier. Nur echt mit Norwegermütze. Und Fahne. (Höhö, Fahne…)

Das Kind war dann etwas traurig, dass Herr Rabe das Haus verließ, aber wir wollten ja noch Keksteig machen und es startete direkt einen Probelauf im Kekse backen.

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Das Kind backt Kekse. Die sind natürlich heiß und deswegen braucht es Ofenhandschuhe.

Dann rief der Brötchenteig nach mir und ich hatte ca. 10 Minuten nicht beide Augen auf dem Kind. Resultat: Küche nass.

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Wasserpanscherei, weil ich mal kurz beschäftigt war. Und ne Hose hat das Kind auch nicht mehr an, warum auch immer.

Den Keksteig haben wir aber trotzdem noch gemacht und das Kind hat ganz prima mitgeholfen. Aber für Eier aufschlagen dürfen tut es auch einfach alles.

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Der Keksteig ist fertig und wird noch etwas verziert, bevor er im Kühlschrank übernachten muss. (Ja, das Kind hat das Gesicht ganz alleine gemacht. Augen, Nase und Mund. Stolze Mama hier.)

Eigentlich war dann schon Bettzeit, aber wir hatten ja noch nichts gegessen, also schnell Abendbrot gemacht und die Brötchen gebacken.

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Abendessen: vegetarisches Moussaka und „Vill ikke sånn!“ („Will nich sowas!“) aka. Brot mit Weihnachtskäse.

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Die Brötchen sind auch aufbackfertig und müssen abkühlen.

Am Sonntag morgen habe ich dann das Frühstück gemacht, damit Herr Rabe noch ein bisschen schlafen konnte.

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Frühstück. Kaffee ist wichtig für mich, der Weihnachtskäse ist wichtig fürs Kind.

Nach dem Frühstück das Kind darauf hingewiesen, dass der Nikolaus da war:

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Der Nikolaus war da! Das Kind packt sofort die Schoki aus (weshalb ich extra bis nach dem Frühstück mit dem Hinweis gewartet habe).

Nach dem Genuss von drei Minischokonikoläusen war das Kind dann wie auf Speed für die nächsten zwei Stunden. Die Mandarine wurde mit einem schnöden „Mag nich.“ an Papa verschenkt.

Zum Kekse backen kam meine Freundin A. (die aus Oslo) und sie, das Baby, das Kind und ich backten ca. 10 Minuten zusammen. Dann hatte das Kind keinen Bock mehr und rannte lieber wie verrückt durch die Gegend, ging mit Herrn Rabe auf den Dachboden, holte die Weihnachtsdeko, packte alles aus und verteilte es sonstwo, und schleppte mit seinem Zug die Keksförmchen ab.

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Der Zug entführt die Keksausstecher!

Nach dem Backen folgte das Anmalen der Kekse, da war der Zuckerschock abgeklungen und das Kind wieder konzentrierter dabei.

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Fleißige Keksanmalerei.

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Die Keksausbeute fertig verziert.

Und auch die Adventsdeko hat, in abgespeckten Form dieses Jahr, weil wir ja eh nicht bis Weihnachten hier sind, ihren Platz gefunden.

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Endlich haben wir auch ein bisschen Advendsdeko. Hier der letzte Woche gekaufte Stern.

Jetzt noch Kamin, Kakao und kreischendes Baby und dann ab ins Bett.

Mehr Wochenenden in Bildern finden Sie wie immer bei Susanne von Geborgen Wachsen. Diese Woche mit der Frage: Gasherd oder Induktion? (Gas! Gaaaas!!!)

 

 

 

Tag 40 – Schwitzekind

Heute hab ich das Kind zum allerersten mal in eine Kindertanzgruppe gebracht. Wir sind dafür extra ganz früh (um halb acht) aufgestanden und sind dann zu dritt (Baby, Kind und ich) in das rosa Fitnessstudio gefahren. Mit dem Bus. Ich fand das auch sehr mutig von mir, ja. Wie dem auch sei, das Kind hatte sich schon ewig auf den Kurs gefreut, weil es tanzen einfach ganz ganz toll findet. Es musste natürlich sein Kleid anziehen, weil man „ohne Kleid nicht gut tanzen kann“. Ich sehe da noch Bedarf an einigen aufklärenden Tanzvideos auf Youtube mit normal™ gekleideten Menschen. Vorschläge willkommen.

In dem Kurs waren erwartungsgemäß ein Haufen kleiner rosa Ballerinas* aber auch viele Jungs, alle mit Eltern da, die meisten mit zwei Elternteilen, manche auch noch die Oma dabei. Unheimlich voll der Raum, Geräuschkulisse schon ohne Musik leicht belästigend. Da das Kind immer erst etwas schüchtern ist, musste ich die ersten 15 Minuten mit ihm an der Hand mitmachen, aber spätestens bei „und dann rennen alle ganz schnell im Kreis und wenn die Musik anhält stehen alle auf einem Bein!“ kam ich beim im Kreis rennen hinter dem kleinen Roadrunner nicht mehr hinterher und blieb einfach irgendwo stehen und sah dem Flitzer beim Rennen zu, während ich einen Riesen Haufen Rührungstränen herunterschluckte. Das müssen diese Hormone sein, aber ich hatte einfach die ganze Zeit Pipi in den Augen. Da rennt mein eben noch kleines Baby im Kreis, rudert wild mit den Armen, Kopf schon knallrot vor Anstrengung (ganz die Mama) und schwitzig in den Haaren und kann einfach nicht genug kriegen. Die Augen leuchteten so hell vor Freude, dass ich nicht mal mitbekam, dass ich beknackte Kinderlieder sang und fröhlich dazu klatschte und tanzte. Am Ende wollte das Kind auf gar keinen Fall nach Hause und ich sehe schon die Wutausbrüche kommen, wenn wir ihm sagen, dass der Kurs nur alle zwei Wochen stattfindet.

Aber mehr würden meine Nerven (und inkontinenten Tränendrüsen) auch nicht aushalten.

*Was ich beim Ballett trage? Strumpfhose (schwarz), Body, Hose die lang genug ist um die Cellulite zu verdecken, T-Shirt oder Top. Schläppchen (schwarz). Kein Kleid. Kein Rosa. Kein Tütü.