9 Grad und Sonnenschein, es ist der Hammer, da schwitze ich sogar fast schon auf meinem Spaziergang.
Mein Geigenlehrer hat mir „Albumstücke“ von Shostakovich gegeben, ich spiele „Elegie“ (Nummer 5) und „Frühlingswalzer“ (Nummer 6). Ich habe auch die Romanze in C angefangen (Nummer 8), die hebe ich mir noch ein bisschen auf. Die ist machbar, wenn ich sehr viel Zeit in die zwei Zeilen mit Doppelgriffen investiere. Aber mit 5 und 6 habe ich erst mal genug. So bis… nächste Woche, fürchte ich, irgendwie komme ich ein bisschen zu schnell voran, um lange was davon zu haben. Frühlingswalzer ist lustig, der Lehrer hat gesagt, ich soll das „ironisch übertreiben“, was ich versuche. Allerdings habe ich mich neulich mal gefilmt (bei einem anderen Stück) und bin jetzt um die Erkenntnis reicher, dass mein Gefühl von übertrieben emotional sich anhört wie von einer depressiven KI gespielt. Wie beim Tanzen auch fällt es mir schwer, Emotionen zu transportieren. Vielleicht hatte die Psychologin recht, mit ihrer Aussage, dass ich keine emotionelle Gestik und wenig emotionelle Mimik habe – auch wenn sich das innen drin in mir nicht so anfühlt. Keine Ahnung. Jedenfalls muss ich beim Walzer noch viel mehr übertreiben, bis es sich anhört, als würde Heidi über eine blühende Frühlingswiese hüpfen, vor einem Panorama aus schneebedeckten Bergwipfeln. Die Elegie ist da anders, die darf ruhig ein bisschen introvertiert sein. Aus Gründen liegt mir das mehr. Dafür ist die zwar auch im 3/4-Takt, soll sich aber KEINESFALLS walzerig anhören.
Nächste Woche bin ich möglicherweise in einem ganz tiefen Inspektionstunnel. Nur dass Sie Bescheid wissen.