Tag 3489 – Schon wieder so müde.

Möglicherweise werde ich noch bereuen, heute beim Sport gewesen zu sein, mir tun nämlich jetzt schon die Beine weh. Tjanun, kann man im Nachhinein jetzt auch nicht mehr ändern.

Nach ein bisschen Geige und dem Verfrachten einer gesprächigen Pippi und einem hoffentlich nicht krank werdenden, aber frierenden und Kopfschmerzen habenden Michels ins Bett, bin ich jetzt auch bereit für selbiges. Bevor mir beim Schreiben die Augen zufallen: gute Nacht.

Tag 3487 und 3488 – Es passiert mal wieder nichts.

Langweilig. Arbeit, Arbeit, Kochen, Essen, Geige, Bett. Gegebenenfalls Sport, dafür war es heute aber zu spät. Morgen nach der Arbeit bin ich aber fest entschlossen, zum Zirkeltraining zu gehen.

Arbeit grad sehr zäh. Habe mir eine Aufgabe selbst aufgehalst, die richtig, RICHTIG ätzend ist. Möchte jetzt die EU Kommission aus Gründen verhauen.

Immerhin habe ich heute, im Gegensatz zu Montag, nicht wieder Kopfschmerzen, nachdem ich im Büro war. Es sind die kleinen Dinge, ne?

Tag 3485 – Winter in schön.

Für jemanden, die hier ja nun mal komplett freiwillig lebt, finde ich Winter oft ganz schon scheiße. Schnee ist nur so lange schön, wie er frisch ist, nicht matschig, nicht zu pudrig, kein Wind dazu kommt und die Temperatur so zwischen -3 und -7 Grad liegt. Dann knirscht Schnee. Idealerweise scheint noch die Sonne und alles glitzert. Die Schneedecke saugt auch allen Schall auf und alles ist gemutet. Das mag ich. Aber dann taut es oder Leute gehen mir mit Skifahrenthusiasmus enorm auf den Geist. Alles wird entweder Matsch oder Eis oder Matsch mit Eis, durchsetzt mit Rollsplitt. Hier und da ein Fleck gelber Schnee oder ein Haufen, den die Hundebesitzenden nicht mitgenommen haben (für mich ist das definitiv ein Argument dagegen, einen Hund zu haben. Warme Würste. Uahhhh.).

Heute war ein Tag der Sorte, die ich mag, weshalb ich nach längerer Zeit endlich mal wieder einen langen Spaziergang gemacht habe. In der Sonne und die kalte Luft bis ganz nach unten in die nach wie vor nicht optimal wiederhergestellten Lungen ziehend. Dabei begegnete ich nur ganz wenigen Leuten, was heute für alle Beteiligten ganz gut so war.

Im Winter steht die Sonne hier ja nicht hoch genug, damit man Vitamin D produzieren kann, aber so eine knappe Stunde in der Winterlandschaft herumlaufen war trotzdem wirklich schön und lange überfällig. Aber das Wetter war auch echt oft echt zum Abgewöhnen, schon seit Weihnachten. Ausreden, Ausreden, ich weiß.

Jetzt soll es erst mal so bleiben, das finde ich schön. Generell finde ich stabiles Wetter schön, und stabil schönes Wetter ist ein eindeutiger Doppelbonus.

Hach.

Tag 3483 und 3484 – Nix zu erzählen.

Hier passiert wenig. Das spannendste, was passiert ist, war gestern, als ich die überaus gierigen Wechselwarmen fütterte. Das war aber auch ziemlich eklig, offen gestanden, und die Details bleiben lieber unbeschrieben. Monty kann nichts dafür, ich glaube, die Ratte war irgendwie nicht so stabil, wie sie sein sollte. Hat Monty jetzt auch nicht sonderlich beeindruckt, die hat wie immer erst mal ihre Beute durchs halbe Terrarium geschlürt und dann gefressen. Aber ne Sauerei gab es diesmal dabei und jetzt ist Monty dreckig und sieht halt aus wie das Raubtier, das sie ist. Ich überlege noch, ob ich sie bade oder einfach warte, es ist sicher nur für mich unangenehm, dass sie dreckig ist. Spätestens bei der nächsten Häutung geht das ja alles mit ab.

Am zweitspannendsten ist, dass Herr Rabe irgendwie gesundheitlich angeschlagen ist, ohne dass man jetzt irgendwie den Finger drauf legen könnte, was er eigentlich hat. Aber gut geht es ihm nicht.

Ansonsten war halt wirklich buchstäblich Nix.

Tag 3481 und 3482 – Abgehakt.

Einmal Inspektion und zurück. 180 km oder so von zu Hause, auf dem Weg den Lieblingskollegen eingesammelt, ein bisschen inspizieren für zwei Tage und zurück. Völlig ok tatsächlich und eine Inspektion abgehakt. Manchmal ist es echt schön, so Routinedinger zu fahren, die man auch im Halbschlaf machen könnte, die auch echt ordentlich sind, die aber halt ihr Zertifikat brauchen. Es muss echt nicht immer alles dramatisch sein.

Einziges Drama: gestern Abend kreisten mehrere Hubschrauber unbeleuchtet gefühlt (und laut Lokalzeitung wohl auch tatsächlich) direkt über dem Hotel herum. Es war, wie ebenfalls die Lokalzeitung wusste, wohl eine Militärübung. Wunderschön, da schläft es sich gleich doppelt so gut. Nicht. Ein Hoch auf die Ohrenstöpsel, trotzdem dauerte es ewig, bis ich einschlafen konnte.

Daran möglicherweise mit Schuld ein inneres Drama, das ich hier aber nicht auswalzen kann, wenn dann mit Passwort, hinterher liest der Feind mit und dann muss ich auswandern. Schon wieder. Das ist mir zu anstrengend.

Tag 3479 und 3480 – Büro und seine Nachwirkungen.

Gestern war eigentlich ein okayer Tag, nur etwas voll. Ich hatte 30 Minuten Mittagspause und ansonsten den ganzen Tag über Meetings „butt-to-butt“. Trotzdem dachte ich auf dem Weg zum Zug noch, dass es eigentlich ein recht produktiver Tag war.

Ich hetzte nach Hause, um Michel zum Kornettunterricht zu fahren. In der Tagesplanung war nicht vorgesehen, dass der Zug zehn Minuten extra im Tunnel rumsteht. Wieder zu Hause machte ich Essen. Dann fuhr ich zum Ballett (bevor ich selbst was gegessen hatte).

Beim Ballett sagte die Lehrerin, ich sei so schön anzusehen, und ich sagte danke. Immerhin. Jetzt würde ich das auch gerne so sehen, ich sehe irgendwie immer nur Beine, die nicht hoch genug gehen, Füße, die den wahrscheinlich flachesten Spann der Welt haben, ein Relevé, das höher sein könnte, Passés, die höher sein könnten, generell könnte alles stabiler sein, das nicht auf einem flachen Fuß stattfindet und Drehungen sind ja nun mal leider tagesformabhängig, gestern war kein Dreh-Tag. Ich arbeite an einer weniger kritischen Einstellung gegenüber mir selbst und sage deshalb jetzt was ich kann: 1) Arme, Kopf, Hals, Schultern 2) Musikalität 3) alles was Kraft braucht, also Pliés, Fondues, Springen, etc. und aus irgendeinem Grund 4) Flexibilität und Kraft im unteren Rücken, sprich, ich kann meine Beine nach hinten gut heben. Und bei all dem Gemecker oben: das ist Jammern auf hohem Niveau, gestern habe ich die Beine im Adagio eigentlich immer knapp über Hüfthöhe bekommen. Mit fast 40 und der Anatomie einer Preisboxerin.

Anyway. Ich hatte schon seit Nachmittags latente Kopfschmerzen, dachte aber, das ließe sich bestimmt wegschlafen. Ich lerne das in diesem Leben auch nicht mehr: das klappt NIE. Einfach nie. Das klappte auch von gestern auf heute nicht, eher im Gegenteil. Ich wachte mit Migräne auf. Ich nahm dann eine Tablette (gestern Abend hätte es wahrscheinlich eine Ibuprofen getan) und manchmal macht mein Körper dann echt lustige Sachen mit seinem Kreislauf, so auch heute. Ich konnte mich kaum auf den Beinen halten und war nur froh, als ich die Kinder in der Schule hatte und mich wieder hinlegen konnte. Jetzt nicht mehr mit Kopfschmerzen, dafür aber mit gefühlt keinem Blutdruck, leichter Übelkeit und Klingeln in den Ohren. Brav, weil wir das jetzt müssen, schrieb ich meiner Chefin eine SMS, dass ich krank sei und dann schlief ich noch mal drei Stunden. Es ist selten (zum Glück) dass ich so starke Nebenwirkungen von den Migränemedikamenten kriege, aber wenn es auftritt, geht echt gar nichts mehr.

Mich lässt der Gedanke nicht los, dass ich einen Tag im Büro mit einem halben Tag im Bett bezahlt habe und das gefällt mir nicht.

Tag 3478 – Weiter nichts zu erzählen.

Hier passiert, was immer am Wochenende passiert. Blumen gießen, Aquarienwasser tauschen, Stundenpläne ausdrucken, die Woche durchsprechen. Wäsche waschen, aufräumen. Sport, Geige. Pippi hatte etwas Besuch von einer Klassenkameradin. Michel hat hauptsächlich gedaddelt und war zwischendurch mal baden, unter anderem, um diese Lockenpracht zu pflegen:

Ich habe meine Haare nachgefärbt und jetzt sind sie wieder leuchtend Flamingo Pink und nicht mehr total ausgewaschen hellrosa-pfirsich.

Außerdem haben wir das Wochenende genutzt, um den Sofabezug zu waschen. Da haben wir ja vor ein paar Jahren in einen neuen Bezug investiert, statt in ein neues Sofa und sind immer noch sehr zufrieden mit dieser Lösung.

Routine-Wochenenden ohne Aufregung sind eigentlich wirklich sehr schön.

Jetzt muss ich versuchen, die Augen versuchen. Es ist jetzt nicht mehr der Jet Lag. Jetzt ist es nur noch das normale Dasein als Eule.

Tag 3476 und 3477 – Nichts zu erzählen.

Hier passiert nichts spannendes. Nicht mal politisch. In den USA passieren hingegen so viele „spannende“ (also gruselige) Dinge, dass mir persönlich das Popcorn inzwischen quer im Hals stecken geblieben ist. Vielleicht sollten wir bald Flüchtlingslager für Leute, die der Orange zum Beispiel durch bloße Existenz unangenehm aufgefallen sind, einrichten. Also zum Beispiel alle LGBTQI-Personen, PoC, politische Gegner*innen und ehemalige Staatsbedienstete. Wir können dann auch schon mal anfangen, nen Rüstungsfonds für Kanada einzurichten.

Es sind noch nicht mal zwei Wochen rum, kaum zu glauben.