Tag 3822 – Bachliebe.

Also, ich bin ja seit dem Sommer in diesem kleinen, lokalen Kammerorchester. Das habe ich nicht so viel erzählt, glaube ich, es war mir irgendwie ein bisschen unangenehm, falls ich doch ganz schnell wieder austrete. Aber es ist wirklich sehr nett. Die (ausschließlich) Damen sind zwischen 16 und 50 und spielen zwischen 1 und 20 Jahren lang Geige oder Bratsche. Wir haben leider keine Celli und schon mal gar keinen Kontrabass, beides wäre nice. Andererseits können so die beiden, die seit einem Jahr erst spielen, eine modifizierte Cellostimme spielen. Solange wir uns kein Cellokonzert vornehmen, passt das schon.

Dieses Kammerorchesterchen war voller Begeisterung, dass ich da auftauchte. Das ist sehr ungewohnt, ich bin ja echt nicht gut, also, ich bin so ok, und gut genug für vieles, aber wahrlich nicht herausragend in irgendeiner Form. Aber – ich übe und ich hänge mich echt rein. Also so gesehen ist das schon berechtigt mit der Begeisterung. Ich wurde direkt in die erste Geige gesetzt und es wurde beschlossen, dass wir dann ja Eine kleine Nachtmusik spielen können, mit jetzt dann 2 fähigen ersten Geigen. Was, im Übrigen, enorm Spaß macht, zu spielen. Ein richtiger Banger aus dem 18. Jahrhundert. Aber… kurz dachte ich, haben die gehört, wie ich spiele? Dann schluckte ich das runter, fing an zu üben, schrieb eine „Hilfe!“ Mail an meinen Geigenlehrer, und vier Wochen später hatten wir unser erstes Konzertchen im Altersheim. Nur der erste Satz und ein paar weitere, einfache Stücke. Das ging überraschend gut, Altersheim ist ein sehr dankbares Publikum die hören schlecht und vergessen alles sofort wieder.

Jetzt sollen wir aber in drei Wochen ein richtiges Konzert haben, mit der kompletten Nachtmusik (der vierte Satz kommt mir langsam zu den Ohren wieder raus), noch zwei weiteren, eher einfachen Stücken, und ein paar Soli und Duetten. Ich wurde gefragt, ob ich nicht mit der anderen ersten Geige ein Duett spielen könne. Ja klar. Whatever. Geht schon. Die andere erste Geige wohnt Luftlinie 20 Meter von uns entfernt, nämlich quasi unter uns am Hang. Und ist die Mutter von einem Kind aus Michels Stufe, weil das hier halt ein Kaff ist. Wir hatten bisher nicht viel Gelegenheit zum Üben, weil sie grad zur Reha war, aber jetzt ist sie wieder da und aus Mangel an Zeit, was komplett Neues zu üben (ich bin ja dann auch erst mal nicht da), fiel unsere Wahl auf das Bach Double Concerto, und zwar den 2. Satz. Der ist schön, nicht so bekannt, relativ einfach und ein schöner Kontrast zu den anderen Stücken, ohne sich komplett krass abzuheben.

Heute haben wir uns dann zusammengesetzt und zusammen geübt und das war toll. Richtig schön. Wir sind wirklich beide etwa auf dem gleichen Niveau, und konnten quasi direkt durchspielen. Bis auf ein paar rhythmisch etwas herausfordernde Stellen ging das wie am Schnürchen. Und das Stück ist einfach so schön, hach. Ein paar Mal habe ich richtig Gänsehaut bekommen. Ich muss mich da am Riemen reißen, um mich nicht wegzuträumen. Ich mag besonders, dass das Stück wie ein Tanz ist, man macht immer wieder was gleichzeitig, aber unterschiedlich, man lässt mal dem einen, mal dem anderen den Vortritt und tritt selbst in den Hintergrund, mal macht man parallel das gleiche. Alleine macht es nicht mal halb so viel Spaß, wie zu zweit.

300 Jahre alte Musik, und so zeitlos schön. Man sollte viel mehr Bach hören. Und spielen.

(Der letzte Satz ist nur halb ernst gemeint. Weil Bach auch ganz ganz schnell frustrierend schwer werden kann, das weiß ich aus eigener Erfahrung.)

Danach haben die andere erste Geige und ich uns sehr ausgiebig verquatscht, das war auch schön, ist aber eine ganz andere Geschichte.

Tag 3821 – Wochenende halt.

Wochenende ist immer einigermaßen gleich und hat oft mit Einkaufen und Haushalt zu tun. Dieses Wochenende war bisher auch so. Aber – das habe ich gestern gar nicht erzählt – jetzt mit Rückschlagventil! Tadaaaaa!!! Ok und einigem mehr, aber RÜCKSCHLAGVENTIL! Nach nur 5 Monaten!

Spaß beiseite, das Rückschlagventil wurde uns ja auferlegt, dass wir das haben müssen, und ok. Haben wir installiert. Aber wir haben uns auch einigen Quatsch gegönnt und jetzt endlich wieder einen Quooker in der Küche. Das ist super. Kochendes und Sprudelwasser direkt aus dem Hahn (nicht gleichzeitig). Außerdem wird Montag eine neue Dusche montiert und heute wurde die alte abgeholt. Wir haben jetzt kurz seeeehr viel Platz unten im Bad.

Allerdings ist es schon ein bisschen nervig, dass wir halt ungelogen seit 5 Monaten darauf gewartet haben, dass der Klempner, den wir mit all dem beauftragt hatten, dann auch mal kommt. Also ja, nichts davon eilte irgendwie. Wir konnten duschen. Wir konnten Wasser kochen. Und die Frist fürs Rückschlagventil lauft auch erst Ende Februar aus. Klar ist das was anderes, als wenn irgendwem die Gülle aus dem Klo wieder hochkommt oder das Wasser aus der Wand sprüht. Aber… 5 Monate? Vielleicht sollte man dann sagen, sorry, wir nehmen grad keine neuen Aufträge an, wir haben keine Kapazitäten dafür.

Anyway. Ich denke, der Betrieb kann sich nicht wundern, wenn unser nächster Auftrag an wen anders gehen sollte.