Tag 3496 – Erstmal Sofa.

Den heutigen Tag kann man von meiner Seite getrost vergessen, aufgrund von einer unglücklichen Mischung aus Zyklusende, Wetterumschwung und plötzlicher Entspannung habe ich quasi den ganzen Tag wie verkatert auf dem Sofa rumgehangen. Kopfschmerzen, Kreislauf und allgemeine Schlappheit. Tjanun. Passiert.

Die Kinder haben es sehr gut. Wir haben viele Bilder bekommen, heute waren sie in einem Zoo und haben alle möglichen Reptilien anfassen dürfen. Michel hat mich auch heute Morgen angerufen, weil das Paket mit den Schlafmasken, die ich zu meiner Schwägerin bestellt hatte, endlich angekommen ist, und er wissen wollte, was da drin ist. Eine der Schlafmasken hatte ich für ihn bestellt, nachdem er mir neulich meine geklaut hat, weil er die so toll findet. Dann hat er, als er krank war, gefühlt fünf Liter da rein geschwitzt, das fand ich wiederum nicht so toll (obwohl man die Masken in der Maschine waschen kann, was ich dann auch direkt gemacht habe). Generell finde ich das ja eine der ätzenderen Nebenwirkungen am Kinder haben, dass die so gar keinen Respekt davor haben, was MIR gehört. Schlafmasken, Lippenpflegestifte, Nasenspray, Zahnpasta, Pinzetten, selbst das Dings zum Mitesser entfernen. Alles wird mir gemopst. Dann sage ich, ich hätte es gerne wieder, zu beiden Kindern, und dann taucht es irgendwann ganz zufällig wieder auf. Jedenfalls habe ich Michel eine eigene Schlafmaske bestellt und mir ein Upgrade für meine, und extra Augenkissen für geschwollene Augen (Post Meltdown. Passiert ja auch mal.). Letztere kann man kühlen, weshalb die eventuell auch bei Migräne ganz angenehm sind. Michel hat beim Paket aufmachen dann natürlich gleich die Werbung für die weiteren Produkte studiert und möchte jetzt am liebsten ebenfalls direkt upgraden – auf eine Schlafbrille mit extra Gewicht. Das wiederum stelle ich mir ja ganz furchtbar vor. Aber ich denke eh, wir gucken erst mal, ob er die Basisversion denn tatsächlich dauerhaft nutzt.

Wenn Sie sich jetzt fragen, was das für spezielle Schlafbrillen sind: die Marke heißt Manta, ich habe jetzt seit eineinhalb Jahren das Basismodell und bin sehr zufrieden. Es ist genau genommen die einzige Schlafbrille, die ich bei meiner Augenform tragen kann. Alle anderen, die ich probiert habe, drücken auf den Augapfel und dann kann ich morgens nicht richtig sehen, weil der Augapfel minimal platt gedrückt ist. Die von Manta haben aber einen gepolsterten Ring ums Auge rum, der einengen bis zwei Zentimeter Abstand zwischen Auge und Maske schafft. Ich kann die Augen unten drunter sogar aufmachen, wenn ich will. Auf der Seite schlafen geht auch gut, weil die Ringe außen, also an der Schläfe, abgeflacht sind. Ich bin davon sehr überzeugt und schlafe damit besser als ohne, auch im Winter, wenn es nicht um vier Uhr morgens schon hell wird. Von der Werbung hier habe ich nichts, das ist wirklich reine Überzeugung. Der Kundenservice ist im Übrigen auch sehr nett und hilfsbereit, zumindest der in UK (mit anderen hatte ich noch keinen Kontakt).

Morgen wird hoffentlich produktiver. Abends gehen wir aus, wie so Erwachsene an einem Freitag Abend. Spannend.

Tag 3494 und 3495 – Kinder erfolgreich verschickt.

Huff, was für ein Akt. Zwei aufgeregte Kinder zum Packen überreden, dann dazu überreden, einen Teil der Sachen wieder auszupacken, weil sie ja gar nicht auf eine vierwöchige Reise gehen, dann dazu überreden eine der Dauer des Aufenthaltes angemessene Anzahl Unterhosen mitzunehmen. Mehrmals selbst dabei kurz vorm Meltdown sein, weil die Kinder wild durch die Gegend springen und random IRGENDWELCHE Dinge tun, die nur marginal mit Packen zu tun haben. Außerdem ist Zyklusende sehr sehr bald und es ist Laune und Migräne (gestern) und überhaupt alles.

Heute ging dann alles verhältnismäßig glatt, jedenfalls für mich, denn ich ging nur bis zur Sicherheitskontrolle mit. Wir hatten Pippi fürs unbegleitete Fliegen angemeldet, Michel konnte da ein bisschen von nutznießen, aber hatte keine „eigene“ Betreuung. Herr Rabe konnte die zwei durch die Sicherheitskontrolle und bis zur Passkontrolle begleiten, mit einem „Begleiterpass“. Da standen sie dann ewig rum, weil der Flug verspätet war, allein reisende Kinder aber erst kurz vor knapp an der Passkontrolle abgeholt werden. Aber irgendwann kam dann doch jemand und dann musste Herr Rabe „nur noch“ warten, bis das Flugzeug tatsächlich in der Luft war.

Von der Schwägerin bekamen wir Updates vom Abholen und vom Abendessen, von den Kindern selbst kam bisher gar nichts. Dann geht es ihnen wohl gut.

Herr Rabe und ich versuchen uns derweil an die Stille zu gewöhnen. Ich hab obendrein ja auch noch den Rest der Woche frei, so viel freie Zeit ohne Verantwortung, es ist der Wahnsinn!

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Heute ging ein neuer Burlesque-Kurs los, hach. Jetzt muss ich ein Korsett kaufen, ohjemine. Und ich muss auch echt mal mit meinem Fuß zum Arzt, komme mir aber etwas albern dabei vor. „Hallo, mein Zeh tut weh, zu viel gestrippt…“ Deshalb habe ich das auch seit zwei Monaten rausgeschoben, aber es wird halt einfach nicht besser. (Der sagt dann bestimmt, dass ich halt weder Ballett noch Burlesque machen sollte, bis das(TM) weg ist, aber das kommt leider gar nicht in die Tüte, schon mal gar nicht ohne zu wissen, was genau das(TM) ist. Ja, eher schwierige, starrsinnige, besserwisserige Patientin hier.)

Tag 3491 und 3492 – Dies und das.

Michel ist krank. Ich vermute, da der Verlauf bisher exakt gleich ist, dass es die Krankheit vom Lieblingskollegen ist. Dann müsste es ihm morgen schon viel besser gehen. Gestern und heute war aber nicht gut, er hat nur im Bett rumgehangen mit Fieber und Kopfschmerzen. Wenn die Paracetamol grad mal wirkte, kam er essen und verzog sich dann direkt wieder ins Bett. Armer Zwerg. Wie gesagt erwarte ich baldige Besserung, aber schon ist das grad nicht. Ich hoffe nur wirklich inständig, dass sich Pippi nicht ansteckt. Die zwei sollen eigentlich ja am Mittwoch zu ihrer Tante nach England reisen. Und heute schlief Pippi einfach um sechs auf dem Sofa ein, aber das kann auch daran gelegen haben, dass sie bei einer Freundin übernachtet hat und die vermutlich nicht so viel geschlafen haben.

Gestern und heute war ebenfalls wunderbarstes Winterwetter. Wir haben, nachdem wir das mit Michel abgeklärt hatten, das genutzt um Pippi und ihre Freundin auf die Eisbahn zu schleppen. Das ist ja was, was ich an norwegischem Winter sehr liebe, überall kostenlose Eisbahnen. Ich habe nur festgestellt, dass meine Schlittschuhe dringend einen Schliff brauchen.

Abends haben aus Faulheit indisches Essen bestellt. Das war mega lecker. Heute war das auch noch mal lecker, weil jede Menge Reis und zwei Soßen übrig geblieben waren. Heute war es auch gleich noch mal 50% schärfer als gestern. Eine sehr gute Idee von mir.

Heute haben Herr Rabe und ich einen längeren Spaziergang gemacht und ansonsten war nicht so viel. Nachdem ich (Achtung Wechselwarmencontent) Freitag Abend erst gegoogelt habe, wie lange Pythons so gemeinhin brauchen, um ein Häufchen zu machen, beziehungsweise, wann man sich Sorgen machen muss, und daraufhin gelernt habe, dass mehrere Wochen bis Monate noch kein Grund zur Besorgnis sind, präsentierte mir Monty heute ihr Ergebnis von vier Wochen aufsparen. Auf ne Art gut, weil so ganz unbesorgt bin ich ja dann doch nicht gewesen.

Hier, gleich, ist übrigens ein Bild von ihr (im Terrarium) und warum ich glaube, dass sie ein Weibchen ist. Sie ist einfach schon echt lang, für eineinhalb Jahre. Ganz gut im Futter ist sie auch, aber wenn es nach ihr ginge, wäre sie noch viel besser im Futter, sie streift schon wieder seit Tagen abends durchs Terrarium.

Tag 3478 – Weiter nichts zu erzählen.

Hier passiert, was immer am Wochenende passiert. Blumen gießen, Aquarienwasser tauschen, Stundenpläne ausdrucken, die Woche durchsprechen. Wäsche waschen, aufräumen. Sport, Geige. Pippi hatte etwas Besuch von einer Klassenkameradin. Michel hat hauptsächlich gedaddelt und war zwischendurch mal baden, unter anderem, um diese Lockenpracht zu pflegen:

Ich habe meine Haare nachgefärbt und jetzt sind sie wieder leuchtend Flamingo Pink und nicht mehr total ausgewaschen hellrosa-pfirsich.

Außerdem haben wir das Wochenende genutzt, um den Sofabezug zu waschen. Da haben wir ja vor ein paar Jahren in einen neuen Bezug investiert, statt in ein neues Sofa und sind immer noch sehr zufrieden mit dieser Lösung.

Routine-Wochenenden ohne Aufregung sind eigentlich wirklich sehr schön.

Jetzt muss ich versuchen, die Augen versuchen. Es ist jetzt nicht mehr der Jet Lag. Jetzt ist es nur noch das normale Dasein als Eule.

Tag 3441 – Kebab.

Nachdem wir ja tagelang nur rumgegammelt haben und wegen Wetter bzw. Untergrund (vereist) das Haus nicht verlassen haben, sind Herr Rabe, Michel und ich heute in die Hauptstadt gefahren. Die Kinder haben neue Handys zu Weihnachten bekommen, aber wir hatten noch keine Bumper besorgt und das wollten wir heute tun. Erst habe ich mich total gefreut. Dann wurde mir klar, dass das bedeutet, dass da überall Leute sind. Leute, die im Zug laut telefonieren. Leute, die im Zug laut mit ihrer Freundin diskutieren („Du schenkst mir nen DILDO??? Würdest du deiner Mutter erzählen, dass du mir nen DILDO schenkst???“). Leute in Oslo die da Dinge tun, Bumper kaufen und ähnliches. War eigentlich doch ganz schön zu Hause.

Aber weil wir dann ja schon mal da waren, erfüllten wir Michel noch einen Wunsch und gingen Kebab essen. Er hat nämlich behauptet, er habe das noch nie gegessen und als Deutscher (!) geht das ja nicht. Das traditionelle deutsche Essen, der Döner. Aber hey, besser als wenn er sich Eisbein wünscht. Herr Rabe hatte auch eine Dönerbude mit echtem Dönerspieß aufgetan (hier kommt sonst so ne Beleidigung des Begriffes Kebab oft aus der Pfanne, ist also eigentlich Geschnetzeltes), der auch „bisschen scharf“ anbot und es fühlte sich alles sehr heimisch an. Jedenfalls für Herrn Rabe und mich. Michel war nicht so sehr angetan, das war ihm alles ein bisschen zu durcheinander. Aber jetzt hat er es mal probiert.

Tag 3435 und 3436 – Weihnachtsvorbereitungen.

Hier passieren so Dinge, die gewöhnlich kurz vor Weihnachten passieren. Last Minute Geschenke werden gekauft, gestern haben wir einen Weihnachtsbaum geholt, Essen wird geplant und vorbereitet. Ich habe gestern beim Bauern Kartoffeln gekauft, war aber schlau genug, erst mal eine davon als Test zu kochen und nope, diese Sorte wird sich nicht zu normalen Salzkartoffeln machen lassen. Aber die wird bestimmt zu guten Klößen. Für „Janssons Frestelse“ (eine traditionelle schwedische Kartoffelbeilage) brauchen wir allerdings andere Kartoffeln, die nicht zerfallen, bevor sie überhaupt gar sind. Note to self: „Hoff“-Kartoffeln sind nicht aus Witz DIE Pommes-Kartoffeln, die sind halt zu nix anderem zu gebrauchen. Schmecken auch enttäuschend wenig. Ich bin von diesen Kartoffeln echt unterwältigt.

Abends haben wir gestern mit Pippi Harry Potter gesehen, wir sind jetzt beim 6. Teil. Es ist ziemlich gruselig und sie hängt einem quasi dauernd auf dem Arm, aber möchte unbedingt weiter gucken. Gestern war sie dann aber genau passend zu der Stelle, wo Harry und Dumbledore aufbrechen, um dieses Medaillon von der Insel mit den Inferi zu holen, zu müde, und dann haben wir die wirklich schlimme letzte halbe Stunde des Films heute nachgeholt.

Pippi findet Knutschen in Filmen immer noch sehr eklig. Knutschen in echt auch, das wird bei Herrn Rabe und mir immer mit sehr angewiderten Geräuschen kommentiert.

Herr Rabe und ich haben endlich an unserem Exit-Adventskalender weitergerätselt. Wir hinken da ein paar Tage hinterher, aber es ist wieder sehr lustig.

Unsere anderen Adventskalender sind Tee-Adventskalender von dm, da waren bisher nur wenige (vielleicht so 3?) Tees dabei, die ich wirklich gar nicht mochte, aber einer davon war heute. Ich mag wirklich echt keinen grünen Tee. Wirklich gar nicht. Ich hab’s probiert, aber nee. Nicht für mich. Ein anderer, den ich gar nicht mochte, war einer, der schmeckte, als würde man sich Meerschweinchenheu als Tee aufgießen. Also, das ist bestimmt für andere ein Hochgenuss, aber ich bleibe bei Früchte- und Kräutertees und mache weiter um Gräser und Grünen (und schwarzen und weißen und so weiter) Tee einen weiten Bogen.

Heute Abend habe ich mir ein halbes Glas Rotwein, den Rest aus einer Flasche, an der ich schon ewig rumtrinke, eingeschenkt. Pippi fragte daraufhin, ob das „koffeinfreies Bier“ sei. Ich finde, das ist eine Markt- oder zumindest eine Marketing-Lücke.

Tag 3426 und 3427 – Vorführen.

Ich muss sehr kurz machen, weil ich echt kurz vorm Koma bin. Ich vertiefe das dann morgen alles, in wacher, und vielleicht mit Fotos. Es ist jetzt ja vollbracht, und ich kann wieder andere Dinge tun. So wie bloggen. Und Geige spielen.

Michel hatte gestern Weihnachtsball, eine Tradition an seiner Schule für die Siebtklässler. Das ist ja deren letztes Jahr an dieser Schule und statt Weihnachtsfeier machen sie dann einen Ball. Michel war sehr stylisch im mintgrünen Anzug unterwegs. Mit Krawatte und allem. Viele der Mädchen trugen „richtige“ Ballkleider, was Michel doof fand, weil er dann da dauernd drauf getreten ist. Aber apropos Mädchen: Michel hat eine Rede gehalten, bei der er die Mädchen der Stufe besungen hat. Das hat ihn seit längerem sehr beschäftigt und einen Meltdown hatte er auch deshalb schon, aber dann haben wir uns Dienstag hingesetzt, zusammen die Rede geschrieben und er hat die geübt und auf Kärtchen dabei gehabt und es dann auch durchgezogen und viel Lob bekommen. Gestern auf dem Weg zum Ball fragte er mich noch „Mama, du tanzt doch auf Bühnen, hast du irgendwelche Tipps?“ und ich sagte nicht, dass ich komplett abdrehe, bevor ich auf eine Bühne gehe, und ein nervöses Wrack mit einem Puls von 180 bin. Sondern ich sagte „Man muss immer dran denken: man stirbt nicht. Man denkt das, aber es ist nicht so.“ (Ja, hmm, ob das jetzt so pädagogisch sinnvoll war, aber er ist 12.)

Schlaue Gedanken, die mich nicht davon abhielten, ein nervöses Wrack mit einem Puls von 180 zu sein. Heute. Zwei mal. Wobei das eine mal sogar recht gechillt war, jedenfalls wenn das zweite mal der Maßstab ist.

Heute Morgen hatte ich so eine Art Show-Inspektion. Dabei haben eine Kollegin und ich eine interne Datenbank inspiziert. Während all unsere Kolleginnen und Kollegen zuguckten. Hurra. Aber trotzdem nichts gegen…

… Trommelwirbel…

… ein Solo bei einer Burlesque-Show. Komplett mit ausziehen und allem. Mit selbst gemachter Choreographie. In selbst gemachtem Kostüm. Nach einem viertel Jahr Kurs.

(Und zwei Gruppennummern.)

So, da wissen Sie das jetzt auch.

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Tag 3424 und 3425 – Weihnachts-Stress und so weiter.

Den Lieblingskollegen habe ich dieses Mal nicht sonderlich lange muffeln lassen. Ich weiß doch auch nicht. Am besten geht es, wenn man ihm irgendwann quasi anbietet, sein Arschverhalten unter den Teppich zu kehren und zu Business as usual zurückzukehren und einfach nie mehr drüber zu sprechen. Dann ist der Konflikt schnell weg. Aber das widerstrebt mir eigentlich, ich will offene Feldschlacht Konflikte bitte austragen. (Ja, der ist fast 20 Jahre älter als ich.)

Die Kinder hatten gestern Weihnachtskonzert mit dem Korps. Das haben sie super gemacht. Pippi hat das große Schlagzeugset ganz alleine bedient (und bei anderen Stücken hauptsächlich verschiedene Arten von Plüngelüng gemacht) und war da sehr souverän. Michel hat auch sehr gut gespielt und Spaß gehabt. Insgesamt bin ich allerdings schon auch froh, dass die Kinder nicht mehr ganz so blutige Anfänger sind, nachdem ich wieder mal die blutigen Anfänger hören durfte. Die punkten halt hauptsächlich durch süß sein, nicht durch musikalischen Hochgenuss.

Heute war der Morgen sehr holperig. Zu Hause habe ich zeitlich nicht geschafft, Kaffe zu trinken. Am Bahnhof war „der langsame Kaffeemann“ im Dienst. Die haben da in dem Café ein paar Baristas, die noch nicht so ganz verstanden haben, dass ein To-Go-basiertes Verkaufskonzept nicht so mega gut mit achtsamem Slow-Food-entspanntem Eingießen und noch ein bisschen Latte-Art übereinander passt. Als er sich neben die Brühkaffeemaschine stellte, um die letzte Minute bis der Kaffee durchgelaufen ist, einfach abzuwarten, während die verbleibende Zeit bis zur Abfahrt des Zuges kritisch schrumpfte, ging ich ohne Kaffee einfach wieder. Schnaubend und alles hassend allerdings, ich hatte ja noch keinen Kaffee getrunken. Ich brauche dann aber AUF JEDEN FALL noch einen aus dem Café unten im Haus wo das Büro ist, dachte ich so, als ich in die T-Bane einstieg. Und dann war ich plötzlich am Carl Berners Platz. Denn ich kann von 5 Linien alle bis auf eine nehmen, um zur Arbeit zu kommen. So ein mal im Jahr steige ich in die 5. Linie ein und merke es am Carl Berners Platz. Aber nur ein Mal in 6 Jahren habe ich obendrein dann noch keinen Kaffee getrunken. Ich war kurz vorm Mord und etwas zu spät für eine Abschiedsfeier bei der Arbeit. Aus Verzweiflung sprang ich über alle möglichen Schatten und bat die Lieblingskollegin, mir einen Kaffee bei dem Café unten im Haus zu holen. Dass ich bei der Abschiedsfeier niemandem den Kopf abgebissen habe, verdanken wir heute also dem heldinnenhaften Einsatz der Lieblingskollegin.

Aber auch: was für einen Unterschied so ein Kaffee für meine Laute macht. Es ist ein Wundermittel!

Tag 3423 – Auf und ab.

Der Tag war so mittel gut. Im Durchschnitt ok. Arbeit war eher meh. Der Lieblingskollege hatte schlechte Laune und ließ die gnadenlos an mir aus. Das hat er manchmal, das geht vorbei, aber es ist trotzdem Kacke. Das Verhalten ist auch kindisch und eines Lieblingskollegen unwürdig. Aber was soll man machen, ich könnte mir das jetzt ganz doll zu Herzen nehmen, aber damit wäre ja auch keinem geholfen. Also warte ich ein bisschen, bis er sich beruhigt hat, und dann sage ich ihm, dass ich nicht mag, so behandelt zu werden.

Außer mit dem Lieblingskollegen beschäftigten mich bei der Arbeit meine chaotische Chefin, kranke Kolleginnen, ätzende Meetings und „ich muss um 15 Uhr schon wieder gehen, Pippi hat Tanz-Weihnachts-Abschluss“.

Tanzen war nämlich heute, am letzten Tag vor den Weihnachtsferien, mit Publikum, also vorwiegend Eltern. Da saß ich auf meinem Höckerchen und guckte der kleinen Maus zu, die inzwischen die größte in der Ballettklasse ist. Und die auch schon einiges ganz gut drauf hat. Sie hat das wirklich super gemacht, nicht nur für ihr Alter. Ich bin ganz stolz, so eine große Tochter zu haben, der man den Spaß am Tanzen ansieht, die das aber auch alles sehr gewissenhaft macht. Und, Achtung Ballettmutti, sie ist die einzige, die beim Drehen den Trick mit dem Kopf schon raus hat. Ich glaub den hab ich mal mit ihr in der Küche geübt. (Für nicht-Tanzende: bei schnellen oder vielen aufeinanderfolgenden Drehungen ist es wichtig, den Kopf zuletzt und am schnellsten zu bewegen. Also man dreht den Körper unter dem Kopf, guckt aber weiter geradeaus. Wenn es nicht mehr weiter geht, dreht man ganz schnell den Kopf und guckt wieder geradeaus, der Körper kommt dann nach.) Ich bin jedenfalls sehr stolz und Pippi auch.

Blogfreundliches Bild von Pippi.

Danach war Herr Rabe sogar mit bei meiner Vorführstunde – als einziger Gast bei unserer Muttitruppe. Herr Rabe ist jetzt ganz beeindruckt, so leicht sehe das aus, und dass wir uns diese ganzen französischen Wörter nicht nur merken, sondern dann auch tanzen können. Leider hat er verpasst, wie ich in der PERFEKTEN Attitude stand, auf super hohem Releve und ohne Stange anfassen. Da musste Herr Rabe nämlich grad in sein Handy gucken. Pfft.

Ich war nach dem Ballett jedenfalls wesentlich besser gelaunt. Wie immer war es das Wert, dann doch da hin zu gehen, trotz müde und schlechter Laune.

Vielleicht sollte ich dem Lieblingskollegen mal Ballett empfehlen.

Tag 3401 – Sonntag eben.

Hier ist heute nicht viel passiert. Herr Rabe und ich waren zusammen laufen, das hat für mich nur so mittel geklappt, weil ich viel zu schnell losgerannt bin und nach 15 Minuten kurz gehen musste. Aber Herr Rabe soll ja nicht denken, ich sei eine lahme Ente.

Ansonsten Sonntag eben. Wir versuchen, winterfertig zu werden, Herr Rabe hat gestern schon im Garten aufgeräumt, ich habe heute den Ofen gereinigt und Holz geholt. Wir hoffen mal, dass bei uns nicht auch der Schornstein brennt.

Ich übe ein Weihnachtslied. Das war letztes Jahr noch nicht machbar (aufgrund des Arrangements mit lauter Doppelgriffen), dieses Jahr habe ich erstens noch 4 Wochen Zeit und habe zweitens seit fast einem Jahr gezielt Doppelgriffe geübt, da geht das schon viel besser. Außerdem habe ich bessere Übungstechniken gelernt. Ha. Wär doch gelacht, wenn ich das nicht hinbekäme.

Michel übt auch ein Weihnachtslied. Er hasst uns dafür, dass wir ihn zum Üben zwingen, aber ich lasse da meine innere Musiklehrerin raushängen und lasse nicht locker, bis es klappt. Und dann lobe ich ganz doll, natürlich. Michel hat noch knappe drei Wochen, bis er das spielen muss, sollte sich also nach Möglichkeit am Riemen reißen mit dem Üben. Michels Weihnachtslied ist schön, aber ein Kirchenlied, mit all dem, was das an seltsamen Rhythmen und Harmonien so mit sich bringt. Es ist auch nichts, was man halt so kennt, er muss also wirklich auf die Noten gucken. Dir Motivation dazu ist eher marginal.