Tag 3435 und 3436 – Weihnachtsvorbereitungen.

Hier passieren so Dinge, die gewöhnlich kurz vor Weihnachten passieren. Last Minute Geschenke werden gekauft, gestern haben wir einen Weihnachtsbaum geholt, Essen wird geplant und vorbereitet. Ich habe gestern beim Bauern Kartoffeln gekauft, war aber schlau genug, erst mal eine davon als Test zu kochen und nope, diese Sorte wird sich nicht zu normalen Salzkartoffeln machen lassen. Aber die wird bestimmt zu guten Klößen. Für „Janssons Frestelse“ (eine traditionelle schwedische Kartoffelbeilage) brauchen wir allerdings andere Kartoffeln, die nicht zerfallen, bevor sie überhaupt gar sind. Note to self: „Hoff“-Kartoffeln sind nicht aus Witz DIE Pommes-Kartoffeln, die sind halt zu nix anderem zu gebrauchen. Schmecken auch enttäuschend wenig. Ich bin von diesen Kartoffeln echt unterwältigt.

Abends haben wir gestern mit Pippi Harry Potter gesehen, wir sind jetzt beim 6. Teil. Es ist ziemlich gruselig und sie hängt einem quasi dauernd auf dem Arm, aber möchte unbedingt weiter gucken. Gestern war sie dann aber genau passend zu der Stelle, wo Harry und Dumbledore aufbrechen, um dieses Medaillon von der Insel mit den Inferi zu holen, zu müde, und dann haben wir die wirklich schlimme letzte halbe Stunde des Films heute nachgeholt.

Pippi findet Knutschen in Filmen immer noch sehr eklig. Knutschen in echt auch, das wird bei Herrn Rabe und mir immer mit sehr angewiderten Geräuschen kommentiert.

Herr Rabe und ich haben endlich an unserem Exit-Adventskalender weitergerätselt. Wir hinken da ein paar Tage hinterher, aber es ist wieder sehr lustig.

Unsere anderen Adventskalender sind Tee-Adventskalender von dm, da waren bisher nur wenige (vielleicht so 3?) Tees dabei, die ich wirklich gar nicht mochte, aber einer davon war heute. Ich mag wirklich echt keinen grünen Tee. Wirklich gar nicht. Ich hab’s probiert, aber nee. Nicht für mich. Ein anderer, den ich gar nicht mochte, war einer, der schmeckte, als würde man sich Meerschweinchenheu als Tee aufgießen. Also, das ist bestimmt für andere ein Hochgenuss, aber ich bleibe bei Früchte- und Kräutertees und mache weiter um Gräser und Grünen (und schwarzen und weißen und so weiter) Tee einen weiten Bogen.

Heute Abend habe ich mir ein halbes Glas Rotwein, den Rest aus einer Flasche, an der ich schon ewig rumtrinke, eingeschenkt. Pippi fragte daraufhin, ob das „koffeinfreies Bier“ sei. Ich finde, das ist eine Markt- oder zumindest eine Marketing-Lücke.

Tag 3426 und 3427 – Vorführen.

Ich muss sehr kurz machen, weil ich echt kurz vorm Koma bin. Ich vertiefe das dann morgen alles, in wacher, und vielleicht mit Fotos. Es ist jetzt ja vollbracht, und ich kann wieder andere Dinge tun. So wie bloggen. Und Geige spielen.

Michel hatte gestern Weihnachtsball, eine Tradition an seiner Schule für die Siebtklässler. Das ist ja deren letztes Jahr an dieser Schule und statt Weihnachtsfeier machen sie dann einen Ball. Michel war sehr stylisch im mintgrünen Anzug unterwegs. Mit Krawatte und allem. Viele der Mädchen trugen „richtige“ Ballkleider, was Michel doof fand, weil er dann da dauernd drauf getreten ist. Aber apropos Mädchen: Michel hat eine Rede gehalten, bei der er die Mädchen der Stufe besungen hat. Das hat ihn seit längerem sehr beschäftigt und einen Meltdown hatte er auch deshalb schon, aber dann haben wir uns Dienstag hingesetzt, zusammen die Rede geschrieben und er hat die geübt und auf Kärtchen dabei gehabt und es dann auch durchgezogen und viel Lob bekommen. Gestern auf dem Weg zum Ball fragte er mich noch „Mama, du tanzt doch auf Bühnen, hast du irgendwelche Tipps?“ und ich sagte nicht, dass ich komplett abdrehe, bevor ich auf eine Bühne gehe, und ein nervöses Wrack mit einem Puls von 180 bin. Sondern ich sagte „Man muss immer dran denken: man stirbt nicht. Man denkt das, aber es ist nicht so.“ (Ja, hmm, ob das jetzt so pädagogisch sinnvoll war, aber er ist 12.)

Schlaue Gedanken, die mich nicht davon abhielten, ein nervöses Wrack mit einem Puls von 180 zu sein. Heute. Zwei mal. Wobei das eine mal sogar recht gechillt war, jedenfalls wenn das zweite mal der Maßstab ist.

Heute Morgen hatte ich so eine Art Show-Inspektion. Dabei haben eine Kollegin und ich eine interne Datenbank inspiziert. Während all unsere Kolleginnen und Kollegen zuguckten. Hurra. Aber trotzdem nichts gegen…

… Trommelwirbel…

… ein Solo bei einer Burlesque-Show. Komplett mit ausziehen und allem. Mit selbst gemachter Choreographie. In selbst gemachtem Kostüm. Nach einem viertel Jahr Kurs.

(Und zwei Gruppennummern.)

So, da wissen Sie das jetzt auch.

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Tag 3424 und 3425 – Weihnachts-Stress und so weiter.

Den Lieblingskollegen habe ich dieses Mal nicht sonderlich lange muffeln lassen. Ich weiß doch auch nicht. Am besten geht es, wenn man ihm irgendwann quasi anbietet, sein Arschverhalten unter den Teppich zu kehren und zu Business as usual zurückzukehren und einfach nie mehr drüber zu sprechen. Dann ist der Konflikt schnell weg. Aber das widerstrebt mir eigentlich, ich will offene Feldschlacht Konflikte bitte austragen. (Ja, der ist fast 20 Jahre älter als ich.)

Die Kinder hatten gestern Weihnachtskonzert mit dem Korps. Das haben sie super gemacht. Pippi hat das große Schlagzeugset ganz alleine bedient (und bei anderen Stücken hauptsächlich verschiedene Arten von Plüngelüng gemacht) und war da sehr souverän. Michel hat auch sehr gut gespielt und Spaß gehabt. Insgesamt bin ich allerdings schon auch froh, dass die Kinder nicht mehr ganz so blutige Anfänger sind, nachdem ich wieder mal die blutigen Anfänger hören durfte. Die punkten halt hauptsächlich durch süß sein, nicht durch musikalischen Hochgenuss.

Heute war der Morgen sehr holperig. Zu Hause habe ich zeitlich nicht geschafft, Kaffe zu trinken. Am Bahnhof war „der langsame Kaffeemann“ im Dienst. Die haben da in dem Café ein paar Baristas, die noch nicht so ganz verstanden haben, dass ein To-Go-basiertes Verkaufskonzept nicht so mega gut mit achtsamem Slow-Food-entspanntem Eingießen und noch ein bisschen Latte-Art übereinander passt. Als er sich neben die Brühkaffeemaschine stellte, um die letzte Minute bis der Kaffee durchgelaufen ist, einfach abzuwarten, während die verbleibende Zeit bis zur Abfahrt des Zuges kritisch schrumpfte, ging ich ohne Kaffee einfach wieder. Schnaubend und alles hassend allerdings, ich hatte ja noch keinen Kaffee getrunken. Ich brauche dann aber AUF JEDEN FALL noch einen aus dem Café unten im Haus wo das Büro ist, dachte ich so, als ich in die T-Bane einstieg. Und dann war ich plötzlich am Carl Berners Platz. Denn ich kann von 5 Linien alle bis auf eine nehmen, um zur Arbeit zu kommen. So ein mal im Jahr steige ich in die 5. Linie ein und merke es am Carl Berners Platz. Aber nur ein Mal in 6 Jahren habe ich obendrein dann noch keinen Kaffee getrunken. Ich war kurz vorm Mord und etwas zu spät für eine Abschiedsfeier bei der Arbeit. Aus Verzweiflung sprang ich über alle möglichen Schatten und bat die Lieblingskollegin, mir einen Kaffee bei dem Café unten im Haus zu holen. Dass ich bei der Abschiedsfeier niemandem den Kopf abgebissen habe, verdanken wir heute also dem heldinnenhaften Einsatz der Lieblingskollegin.

Aber auch: was für einen Unterschied so ein Kaffee für meine Laute macht. Es ist ein Wundermittel!

Tag 3423 – Auf und ab.

Der Tag war so mittel gut. Im Durchschnitt ok. Arbeit war eher meh. Der Lieblingskollege hatte schlechte Laune und ließ die gnadenlos an mir aus. Das hat er manchmal, das geht vorbei, aber es ist trotzdem Kacke. Das Verhalten ist auch kindisch und eines Lieblingskollegen unwürdig. Aber was soll man machen, ich könnte mir das jetzt ganz doll zu Herzen nehmen, aber damit wäre ja auch keinem geholfen. Also warte ich ein bisschen, bis er sich beruhigt hat, und dann sage ich ihm, dass ich nicht mag, so behandelt zu werden.

Außer mit dem Lieblingskollegen beschäftigten mich bei der Arbeit meine chaotische Chefin, kranke Kolleginnen, ätzende Meetings und „ich muss um 15 Uhr schon wieder gehen, Pippi hat Tanz-Weihnachts-Abschluss“.

Tanzen war nämlich heute, am letzten Tag vor den Weihnachtsferien, mit Publikum, also vorwiegend Eltern. Da saß ich auf meinem Höckerchen und guckte der kleinen Maus zu, die inzwischen die größte in der Ballettklasse ist. Und die auch schon einiges ganz gut drauf hat. Sie hat das wirklich super gemacht, nicht nur für ihr Alter. Ich bin ganz stolz, so eine große Tochter zu haben, der man den Spaß am Tanzen ansieht, die das aber auch alles sehr gewissenhaft macht. Und, Achtung Ballettmutti, sie ist die einzige, die beim Drehen den Trick mit dem Kopf schon raus hat. Ich glaub den hab ich mal mit ihr in der Küche geübt. (Für nicht-Tanzende: bei schnellen oder vielen aufeinanderfolgenden Drehungen ist es wichtig, den Kopf zuletzt und am schnellsten zu bewegen. Also man dreht den Körper unter dem Kopf, guckt aber weiter geradeaus. Wenn es nicht mehr weiter geht, dreht man ganz schnell den Kopf und guckt wieder geradeaus, der Körper kommt dann nach.) Ich bin jedenfalls sehr stolz und Pippi auch.

Blogfreundliches Bild von Pippi.

Danach war Herr Rabe sogar mit bei meiner Vorführstunde – als einziger Gast bei unserer Muttitruppe. Herr Rabe ist jetzt ganz beeindruckt, so leicht sehe das aus, und dass wir uns diese ganzen französischen Wörter nicht nur merken, sondern dann auch tanzen können. Leider hat er verpasst, wie ich in der PERFEKTEN Attitude stand, auf super hohem Releve und ohne Stange anfassen. Da musste Herr Rabe nämlich grad in sein Handy gucken. Pfft.

Ich war nach dem Ballett jedenfalls wesentlich besser gelaunt. Wie immer war es das Wert, dann doch da hin zu gehen, trotz müde und schlechter Laune.

Vielleicht sollte ich dem Lieblingskollegen mal Ballett empfehlen.

Tag 3401 – Sonntag eben.

Hier ist heute nicht viel passiert. Herr Rabe und ich waren zusammen laufen, das hat für mich nur so mittel geklappt, weil ich viel zu schnell losgerannt bin und nach 15 Minuten kurz gehen musste. Aber Herr Rabe soll ja nicht denken, ich sei eine lahme Ente.

Ansonsten Sonntag eben. Wir versuchen, winterfertig zu werden, Herr Rabe hat gestern schon im Garten aufgeräumt, ich habe heute den Ofen gereinigt und Holz geholt. Wir hoffen mal, dass bei uns nicht auch der Schornstein brennt.

Ich übe ein Weihnachtslied. Das war letztes Jahr noch nicht machbar (aufgrund des Arrangements mit lauter Doppelgriffen), dieses Jahr habe ich erstens noch 4 Wochen Zeit und habe zweitens seit fast einem Jahr gezielt Doppelgriffe geübt, da geht das schon viel besser. Außerdem habe ich bessere Übungstechniken gelernt. Ha. Wär doch gelacht, wenn ich das nicht hinbekäme.

Michel übt auch ein Weihnachtslied. Er hasst uns dafür, dass wir ihn zum Üben zwingen, aber ich lasse da meine innere Musiklehrerin raushängen und lasse nicht locker, bis es klappt. Und dann lobe ich ganz doll, natürlich. Michel hat noch knappe drei Wochen, bis er das spielen muss, sollte sich also nach Möglichkeit am Riemen reißen mit dem Üben. Michels Weihnachtslied ist schön, aber ein Kirchenlied, mit all dem, was das an seltsamen Rhythmen und Harmonien so mit sich bringt. Es ist auch nichts, was man halt so kennt, er muss also wirklich auf die Noten gucken. Dir Motivation dazu ist eher marginal.

Tag 3385 und 3386 – Kaum ist Herr Rabe aus dem Haus…

Herr Rabe kommt ja erst morgen zurück, bis dahin muss ich hier also Dinge allein regeln. Irgendwie geht das halbwegs, aber gut ist anders. Donnerstag früh war gehetzt, weil Halloween. Gestern früh war noch mehr gehetzt, weil ich um neun im Büro ein Beratungsgespräch hatte, also echt absolut pünktlich sein musste. Das bedeutet, den Zug um acht zu erwischen. Das bedeutet, um 07:45 mit den Kindern aus dem Haus zu sein. Das bedeutet, bis dahin müssen alle alles gepackt haben, Sportzeug hier, Brotdose da, Brille geputzt, Gesicht aufgemalt, „Mama, wo sind meine Socken?“ etc. Ich sag es mal so: der Ton war eher Drillseargeant als Säuselmutti hier, aber ich war pünktlich im Büro. Und war seriös und so weiter, as usual, die Beratenen waren zufrieden. Den Rest des Tages verschanzte ich mich in einem Mini-Meetingraum, weil ich mit dem Lieblingskollegen die anstehende Inspektion vorbereiten musste, den ganzen Rest des Tages. Über Teams, normale Leute sind ja freitags nicht im Büro. Abends kam ich dann mit der Freitagspizza unterm Arm nach Hause, versorgte alle mit Pizza und danach ging auch total überraschend quasi nichts mehr, ich schlief dabei ein, Pippi ins Bett zu bringen. Ich wachte auch wieder auf, so ist es nicht, aber aus „erst Sport, dann Geige“ wurde „ich tanze ein paar mal eine Choreografie durch“ und von da direkt ins Bett. Dass ich das Tanzen, also ein kleines bisschen Bewegung, überhaupt gemacht hab, verdanke ich Herrn Rabe, mit dem ich eine halbe Stunde telefonierte, nachdem ich mich bei Pippi wieder aus dem Bett geschält hatte.

Heute war auch viel los, ich habe mal wieder eine Impfung bekommen* (Auffrischung TDPP), dann direkt Sport (bevor mich die Impfung aus den Latschen haut), Duschen, Kinder einsacken, mit Michel Schuhe kaufen**, meine Brille fixen lassen (die hing irgendwie schief), einkaufen, einen neuen Satz Guppys*** kaufen. Nach Hause, Pippi zu ihrer Freundin jagen****, Guppys im Aquarium auswildern, umziehen, aufbrezeln und auf zu einem Date. Mit mir. Ich ging zu einer Burlesque-Show in Oslo, und es war super. Ganz allein, aber schick aussehend und mich wohl fühlend habe ich mich dafür beglückwünscht und belohnt, dass ich ein sehr okayer Mensch bin, eine gestresste, aber akzeptable und soweit irgendwie möglich zugewandte Mutter, eine echt gute Angestellte und außerdem sehe ich in einem engen, schwarzen Kleid und High Heels auch echt hot aus. So. Nicht erst seit extensivem Sportprogramm, das hat nur aus Gold Platin gemacht. Die Show war super, ich kann es nicht anders sagen, mir fehlen ein bisschen die Worte, weil es einfach so toll war. Wer verpasst hat, wie sich eine nahezu nackte Künstlerin auf/in/an einer Badewanne mit Löwenfüßen mit goldenem Glitzer aus einer Sektflasche übergießt, hat das halt verpasst. Kunstvoll, ästhetisch und sexy mit Glitzer übergießt, muss man dazu sagen. In anderen Zusammenhängen (moderner Tanz, modernes Theater etc.) finde ich Nacktheit ja sehr stark überbewertet und den Kunstaspekt sehr überfrachtet. Aber das hier war Entertainment ohne 57 Metamessages, und einfach sehr schön anzuschauen. Die Moderatorin des Abends war auch toll, witzig, charmant, schön und eine super Sängerin. Es war einfach echt ein toller Abend mit mir und Burlesque, und ich kann das nur empfehlen, also beides: mal sich für sich selbst fein machen und was schönes alleine machen, und auf eine professionelle Burlesque-Show gehen. Man kann das verbinden, muss man aber nicht.

Selbstliebe ist echt wichtig. Klingt abgedroschen, ist aber so.

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*Ich bin sehr froh, dass das hier in der Apotheke super einfach geht. Ich brauche nur ein Rezept für den Impfstoff von meinem Hausarzt, dann buche ich den Termin in der Apotheke und der Apotheker setzt mir die direkt. Da brauche ich dann nicht mehr, wie früher, die Impfung in der Apotheke kaufen und zur Arztpraxis schleppen, um sie dort von einer Arzthelferin setzen zu lassen.

**Hoher Verschleiß aufgrund ADHS ist bei Michels Schuhen echt ein Problem. Das Paar, das ich vorgestern ohne Zucken in die Mülltonne geschmissen habe, war Anfang August gekauft und jetzt wirklich komplett aufgelöst. Ich weiß nicht, was er damit macht, das weiß er selbst nicht mal, wahrscheinlich irgendein unbewusstes Gehampel.

***Letzter Versuch. Wenn die nun auch wieder über die Wupper gehen, lassen wir es mit Guppys. Die Platys haben ja offenbar das beste Leben im Aquarium, wir haben inzwischen wirklich viele Babyplatys. Da muss man beim Wasser wechseln echt aufpassen, dass man keinen Winzfisch mit wegsaugt.

****Ich hatte Übernachtung für sie organisiert, damit ich nicht beide Kinder alleine zu Hause lassen muss, um zu der Show zu gehen. Win win für alle, Michel hat nämlich ganz gerne mal das Haus für sich.

Tag 3383 und 3384 – Überstanden.

KI-Seminar überlebt. Ich schwöre, wenn ich noch ein Mal das Schaubild aus GAMP 5 sehen muss, zum Verfahren wie man KI trainiert, validiert und testet, schreie ich. Und ehrlich gesagt spricht es nicht für einen professionellen Anbieter solcher Schulungen, wenn sie die Vorträge nicht wenigstens minimal auf Redundanz (und bitte auch, und das nicht nur minimal, auf Relevanz!) prüfen.

Ansonsten war hier sehr viel Leben in den letzten Tagen. Gestern Hobby-Kurs, da bahnen sich dinge an, huiuiui. Es waren aber echt viele krank, scheinbar haben alle grad diverse Atemwegserkrankungen, so schön. Ich lasse Samstag noch schnell DiphteriePolioTetanusKeuchhusten auffrischen, primär wegen letzterem. Aber auch Polio sollte man alle 10 Jahre auffrischen lassen. Hin und wieder, und sogar ganz bald, bin ich ja in Gegenden, wo es noch Polio gibt.

Heute Halloween. Michel wollte gerne als Mädchen verkleidet in die Schule gehen, das ist zwar nicht gruselig, aber eine bessere Ausrede, um das mal auszuprobieren, kriegt er nicht so schnell. Er hat von mir ein Kleid geliehen (das natürlich viel zu groß war, aber es war eines, wo das nicht viel macht) und anderes Zubehör wie eine Strumpfhose. Ich habe CurlyGirl-Haarzeug gekauft und ihn damit die letzten Tage die Haare ein paar mal waschen lassen, um seine Locken richtig rauszuholen. Heute morgen habe ich ihn geschminkt. Und dann hatte ich eine sehr süße Micheline, mit ungerecht dichter Lockenpracht und riesigen braunen Augen. Michel findet die Locken toll und will das jetzt so beibehalten mit dem Curly Girl. Außerdem mag er Strumpfhose tragen und würde sich gerne hin und wieder schminken. Soll er von mir aus gerne alles machen, wenn es ihm Freude macht. So happy wie heute morgen hab ich ihn jedenfalls schon länger nicht gesehen.

Tag 3377 und 3378 – Kurze 22 Monate.

Inzwischen sind sowohl Herr Rabe also auch die Kinder norwegische Staatsbürger. Hat doch nicht 22 Monate gedauert, sondern eher so einen. Jetzt haben sie die doppelte Staatbürgerschaft und können damit jetzt auch norwegische Pässe beantragen, wenn sie wollen. Etwas lustig finde ich, dass im Bescheid steht, dass sie jetzt keine Aufenthaltserlaubnis mehr hier haben. Erst danach steht dann, dass sie die auch nicht mehr brauchen.

Ich habe heute hauptsächlich gearbeitet. Danach habe ich für Pippi sehr schnell ein Leggings- und Shirt-Set in käsegelbem Jersey genäht. Ich hasse ja den Ausdruck „von der Maschine gehüpft“, aber es geht ja doch recht schnell, so simple Dinge aus einfarbigem Jersey zusammenzubasteln. Jetzt kann Pippi morgen als Käse auf ihre Halloweenparty gehen. Fragen Sie einfach nicht, warum Käse. Ich hinterfrage das auch nicht. Ich führe nur aus.

So, jetzt ab ins Bett, Michel muss morgen um halb zehn am anderen Ende von Eidsvoll bei so nem Korpsdings sein. Damit ich mich nicht langweile oder so, muss Pippi da auch hin, aber erst um viertel vor elf. Kann quasi nur hin und her fahren. Toll.

Tag 3365 und 3366 – Nicht erzählte Dinge.

Gestern hatte Michel einen eher so mittelguten Tag. Seine schrecklichen Eltern haben ihn nämlich dazu gezwungen, mit dem Kornett einen Auftritt zu machen, wie er es vor mehreren Wochen zugesagt hatte. Nun ist es aber ja so, dass Michel eher nicht übt, auch nicht, wenn ein Auftritt ansteht und dann kommen irgendwann die Nerven und dann geht es halt auch nicht mehr. Von seiner Mutter hat er zwar vieles geerbt, aber nicht das niemals aufgeben, Augen zu und durch, Scheiße mit Schwung. Das nicht. Ich musste das Projekt, ihm gut zuzureden, dann auch irgendwann aufgeben. Herr Rabe hat es dann aber irgendwie hinbekommen und abends ist Michel aufgetreten. Ich finde, allein dafür, dass er es durchgezogen hat, verdient er den fettesten Applaus des Abends, vier Stunden vorher sah es nämlich nicht danach aus. Aber jetzt hat er wieder eine Erfahrung im Sack, nämlich dass man daran nicht stirbt, nicht mal, wenn man nicht genug geübt hat. (Plus die Erfahrung, dass seine schrecklichen Eltern beinhart sind, wenn es ums Handtuch werfen aus Bequemlichkeit oder Angst geht. Die schrecklichen Eltern tun dafür dann auch wieder ein paar Geldeinheiten in die Therapiekasse.) (Oh und plus die Erfahrung, dass der Kornettlehrer gar nicht mal so begeistert über die Kinder ist, die gar nicht auftauchen.)

Heute war im Gegenzug „Kinder“geburtstag, mit seinen drei besten Kumpels waren er und Herr Rabe im Escape Room in Oslo. Das war wohl super gut, rundum. Vielleicht sind wir doch nicht die allergrausamsten Eltern der Welt.

Und da kommen wir zu den nicht erzählten Dingen: ich nutzte die Zeit, nachdem ich meine Mutter zum Flughafen gebracht hatte und Herr Rabe und Michel unterwegs waren, dazu, joggen zu gehen. Ja, da habe ich immer wieder und auch noch vor kurzem gesagt, dass das niemals passieren wird, weil laufen eine würdelose Bewegungsform ist, aber jetzt war es irgendwie doch schon das vierte oder fünfte mal. Auch daran stirbt man nicht, habe ich dabei festgestellt. Es macht nur auch keinen Spaß, aber die Sportprogramme wollen ja irgendwie immer Ruhetage haben und ich werde von Ruhetagen leider unruhig und unleidlich. Also… jogge ich. Meine Spazierrunden. Das dauert unter 30 Minuten, ich schwitze ordentlich und dann ist auch gut. Angefangen habe ich im Schneckentempo, mit dem einzigen Ziel, die Strecke durchzulaufen. Heute war ich viel zu schnell unterwegs, da hatte ich hinterher Husten, das soll so nicht sein, glaube ich. Also heute, das habe ich nachgeguckt, habe ich für 2,95 km so viel Zeit gebraucht wie für 2,4 km beim ersten Mal. Das wird alles kein neues Hobby, ganz sicher nicht, aber so ein mal die Woche ist das ganz ok und besser als sonntags abends alles hassen, weil man sich nicht ausreichend bewegt hat und nicht schlafen kann.

Im Nachhinein bin ich im Übrigen extra sauer auf meine Sportlehrerinnen und -Lehrer im Gymnasium, die einfach nur, ohne jede Erklärung oder Vorbereitung, gesagt haben „lauft mal nen km um den Sportplatz, ihr habt [x, weiß nicht mehr] Minuten.“. Und wirklich immer bin ich nach spätestens der ersten Runde entweder röchelnd mit dem Gefühl, meine Lungenschleimhaut löse sich einfach ab, oder mit furchtbarem Seitenstechen zusammengeklappt. Ich dachte echt, ich kann das einfach nicht. Im Nachhinein bin ich sicherlich mit einer Geschwindigkeit weit über meinen Fähigkeiten gestartet, aber das hat nie wer gesagt. Es war einfach „mach mal, jeder kann laufen“ (gegendert haben Lehrerinnen und Lehrer damals auch noch nicht). Aber mit einer gewissen Grundkondition, die man ja aufbauen kann, und einem ausreichend geringen Tempo geht nicht nur ein, sondern sogar 3 km. Besonders doll ärgert mich im Übrigen, dass ich ja durchaus sportlich war. Andere Kinder waren das nicht, denen ging es vermutlich bei absolut jeder Sportart etwa so wie mir beim Dauerlauf und beim Werfen. Sportdidaktik von 1998 kann im Nachhinein in die Tonne.

Was anderes, was ich nie erzählt habe, weil einfach zu viel Trubel war: Herr Rabe hat Cardos verkauft und ein wesentliches Upgrade erworben. Von Zitrön zu Zö. Jetzt steht vor unserer Tür ein Renault Zoe neueren Jahrgangs, mit fast der vierfachen Reichweite von Cardos, und steuerbar über eine App, das heißt, man muss nicht im Winter in ein -20 Grad kaltes Auto steigen. Rückfahrkamera, Tempomat und all so, ich kann da nur für mich sprechen, aber für mich heutzutage normale Funktionen hat Zö auch. Ich will darauf nicht mehr verzichten, vor allem hier in Norwegen nicht, wo Fahren im Allgemeinen überaus gechillt ist. Insofern habe ich Herr Rabe dabei bereitwillig unterstützt, Cardos auszutauschen. Und die Reichweite macht auch, dass man nicht mehr im Dorf festsitzt, wenn die andere Person mit Konacar unterwegs ist. Für Kieferorthopäde und ähnliche Touren ist das durchaus von Vorteil.

Nur einen Namen braucht es noch, das Zö.

(Tag 3363 und) 3364 – Happy Birthday!

Michel hat Geburtstag! Er ist jetzt schon 12 und in allen Belangen groß, außer wenn er Abends zum Einschlafen nach einem weiteren Kuscheltier verlangt. Ich kann noch nicht so ganz fassen, dass er schon 12 ist, aber es spricht alles dafür, dass es so ist. Eben war er noch vier und wollte, dass man den Kuchen EXAKT SO aufschneidet, wie er sich das ausgedacht hatte. Jetzt geht er, an seinem eigenen Geburtstag, nach der Schule mit einem Schulfreund nach Hause. Als Geburtstagsessen hat er sich Sushi gewünscht (und bekommen) und als Abendgestaltung wollte er Beetlejuice, den alten, aus den 80ern, mit der ganzen Familie gucken. Auf seinen Wunsch hin gab es Zitronenkuchen. Geschenke gab es auch, unter anderem ein Schwert, das ich nach einem mittleren Drama auf dem Sparrenburgfest in Bielefeld heimlich gekauft habe und das seither gut versteckt war. Er hat sich ehrlich gefreut, vor allem das Schwert war eine wirkliche Überraschung.

Michel sagt, er hatte einen guten Tag. Das ist die Hauptsache. Ich bin sehr stolz auf ihn und ein bisschen gerührt von diesem großen, selbstständigen, tollen Kind. Hachz hachz.