Heute Abend plötzlich etwas Land unter. Meine Chefin möchte mit uns komische Dinge machen, die ich nicht machen möchte, ich versuchte Herrn Rabe zu erklären, warum ich das nicht machen möchte und Herr Rabe versuchte mir zu erklären, warum meine Chefin das machen möchte und wie Normale Leute(TM) an sowas überhaupt herangehen. Alles daran war mir sehr fremd, diese normalen Leute und wie sie denken. Alles mögliche wird in dieser Situation auch bei mir (ich hasse das Wort, aber hier passt es mal) getriggert, von Mobbing in der Mittelstufe bis zu Bewerbungssituationen wo man die richtige Antwort auf die Frage „Was sind deine Schwächen?“ geben muss. Kurz gefasst: ich möchte gern selbst entscheiden, wem ich was von mir preisgebe. Auf keinen Fall möchte ich Informationen, die für mich sehr intim sind (z.B. zu meinen tatsächlichen Schwächen), unter Kolleg*innen wie in einer Gruppentherapiesitzung (aber auf Wish bestellt) breittreten.
Heute sehr eingeschränkt in meiner Funktion. Manchmal überkommen mich Zweifel, was die Diagnose betrifft. Aber an solchen Tagen passt sie dann doch nahezu gruselig gut.
Ich bin sehr dankbar für Herrn Rabe, der mir unermüdlich die Menschen erklärt, ohne, dass ich mir belehrt vorkomme. Belehren darf man mich nämlich grundsätzlich nicht.
Hier ist heute nicht viel passiert. Herr Rabe und ich waren zusammen laufen, das hat für mich nur so mittel geklappt, weil ich viel zu schnell losgerannt bin und nach 15 Minuten kurz gehen musste. Aber Herr Rabe soll ja nicht denken, ich sei eine lahme Ente.
Ansonsten Sonntag eben. Wir versuchen, winterfertig zu werden, Herr Rabe hat gestern schon im Garten aufgeräumt, ich habe heute den Ofen gereinigt und Holz geholt. Wir hoffen mal, dass bei uns nicht auch der Schornstein brennt.
Ich übe ein Weihnachtslied. Das war letztes Jahr noch nicht machbar (aufgrund des Arrangements mit lauter Doppelgriffen), dieses Jahr habe ich erstens noch 4 Wochen Zeit und habe zweitens seit fast einem Jahr gezielt Doppelgriffe geübt, da geht das schon viel besser. Außerdem habe ich bessere Übungstechniken gelernt. Ha. Wär doch gelacht, wenn ich das nicht hinbekäme.
Michel übt auch ein Weihnachtslied. Er hasst uns dafür, dass wir ihn zum Üben zwingen, aber ich lasse da meine innere Musiklehrerin raushängen und lasse nicht locker, bis es klappt. Und dann lobe ich ganz doll, natürlich. Michel hat noch knappe drei Wochen, bis er das spielen muss, sollte sich also nach Möglichkeit am Riemen reißen mit dem Üben. Michels Weihnachtslied ist schön, aber ein Kirchenlied, mit all dem, was das an seltsamen Rhythmen und Harmonien so mit sich bringt. Es ist auch nichts, was man halt so kennt, er muss also wirklich auf die Noten gucken. Dir Motivation dazu ist eher marginal.
Arbeit. In die B und C Räume haben sie uns nicht rein gelassen. War nicht so schlimm, wir haben die Dinge auch durch die Fenster gesehen. Abends haben wir uns dann einen „freien“ Abend gegönnt, sind erst in den Fitnessraum gegangen und haben dann gegessen. Weil Samstag Abend war, wollte ich mich ein bisschen feiner machen und mir Lidstrich aufmalen, der hatte nur leider irgendwie den Druck im Flugzeug nicht gut überstanden (schätze ich), jedenfalls war da recht viel Tinte rausgelaufen. Ich dachte, das macht bestimmt nichts, habe das meiste weggetrocknet und aufgemalt und plötzlich lief mir die Tinte ins Auge. Ich sah nichts, aber extrem gruselig aus, die Tinte verteilte sich über den kompletten Augapfel. Gut, dass der Körper sowas schnell wieder rausspült. Den Rest saugte ich mit einem Kosmetiktuch weg und malte fertig. Ich war grad mit dem anderen Auge halb fertig, da lief ein weiterer Tropfen ins erste Auge. Diesmal brannte es so, dass ich das Auge zukniff und dann natürlich Tinte überall hatte. Einseitiger Panda. Ich fluchte sehr und schrieb dem Lieblingskollegen eine Nachricht, dass ich mich zum Essen verspäten würde. Es war dann noch ein schöner Abend, aber ich muss das nicht noch mal machen und empfehle auch niemandem, sich Eyeliner ins Auge zu füllen.
Sonntag:
Nach einem längeren Schläfchen als sonst so und einem ebenfalls längeren Frühstück als sonst so, machten wir einen Ausflug in die Stadt. Wir waren erst im selben Fort wie letztes Mal. Nur mit Sonnenschutz. Und nicht ganz hoch. Und mit Führung, wo wir über das ausgeklügelte Kommunikationssystem gelernt haben, das die da im 12./13. Jahrhundert schon installiert hatten. Und das Wasser- und Abwassersystem. Danach waren wir essen und dann noch auf dem Markt, was so eine absurde Menschenmenge war, dass ich komplett überfordert war, so laut, so viel, so bunt, Hilfe. Der Lieblingskollege fand das sehr amüsant.
Eingewachsene Sandalen.
Auch dieses Mal baten Leute um Fotos. Auch dieses Mal war das sehr seltsam. Irgendwie schaffte ich es, Souvenirs und sogar ein paar Perlenohrringe zu erwerben. Aber schlau war all das nicht, Montag war ich sehr… im Eimer. Autistisch. There, I Said it. Abends war ich das auch schon, der Lieblingskollege hat das dann auch zu spüren bekommen. Aber so ist es eben. Man kann von mir nicht alles haben, zum Beispiel, dass ich auf einem Markt bin und danach noch gerade Sätze raus bringe. Denn natürlich haben wir abends noch gearbeitet, wo kommen wir denn hin, wenn wir über 24 Stunden frei haben!
Montag:
Habe kaum Erinnerungen an den Tag. Dann ist wohl außer Arbeit nicht viel passiert.
Dienstag:
Weiter viel Arbeit. Habe den Lieblingskollegen belabert, nach der Rückkehr ins Hotel in den Fitnessraum zu gehen und danach erst weiter zu arbeiten. Dazu dann Essen aufs Zimmer zu bestellen, weil das Restaurant immer mindestens ne halbe Stunde braucht, um das Essen fertig zu bekommen. Für reines Warten haben wir keine Zeit. Wir haben trotzdem bis Mitternacht gearbeitet.
Mittwoch:
Grandios verschlafen. Um 07:37 davon wach geworden, dass das Zimmertelefon klingelte. Komplett verwirrt aufs Handy geguckt, wo x unbeantwortete Anrufe vom Lieblingskollegen waren. Zurückgerufen und mir 10 Minuten erbeten. Es wurden 19, aber dann stand ich bekleidet, mit geputzten Zähnen, gestylten Haaren und geschminkt in der Lobby. Kein Frühstück, kein Kaffee. Aus irgendeinem Grund hatte mein Handy keinen Piep von sich gegeben. Auch nicht, als ich Musik anmachen wollte. Der letzte Rotz. Nicht empfehlenswert. Den Tag völlig verstrahlt und mit schlechter Laune verbracht, der arme Hersteller. Aber die sollen halt einfach machen, was in den Richtlinien steht, dann haben sie auch keine pissige Inspektørin am Hals. Abends zum Ausgleich Arbeit bis ein Uhr Nachts. (Hass.)
Beschwichtigt worden (on site) mit Curd Apple. Curd Apple ist sehr lecker, auch wenn es nicht so aussieht.
Man löffelt das und lutscht das Fruchtfleisch von den Kernen ab. Die Kerne spuckt man aus.
Donnerstag:
Letzter Tag on site. Morgens noch mal in die Produktion gegangen und tatsächlich spannende Dinge gesehen. Es ist ja, ähm, schon auch, hüstel, spannend, wenn was, hust, ähm, schief geht. Danach viele lose Fäden aufgesammelt, nach dem Mittagessen einen Baum gepflanzt, Abschlussmeeting von 18 bis 20 Uhr. Cola, sehr viel Cola, machte es möglich. Die Firma hat jetzt etwas Arbeit vor sich, um es mal vorsichtig auszudrücken. Ein letztes Mal anderthalb Stunden zurück zum Hotel gefahren. Ein letztes Mal in den Fitnessraum. Den sehr großen Fehler gemacht, in Socken auf dem Laufband zu laufen. Sehr, SEHR schlimme Blasen bekommen. Egal, geduscht, Füße verpflastert, ein letztes Abendessen, dazu auch ein Bier gegönnt. Zurück ins Zimmer, gepackt, irgendwie wach gehalten, um halb eins ausgecheckt und zum Flughafen gefahren. Die 6482 Passkontrollen durchlaufen. Ins Flugzeug. Irgendwie wach gehalten, bis man sich hinlegen durfte. Geschlafen, leider nur oberflächlich, bis 11 (06:30). Weitere Heimreise. Auspacken. Müde müde müde. Wäsche waschen. Alles roch nach Parfüm vom Hotel, vom Hersteller, überall Parfüm.
Das klingt jetzt höchstwahrscheinlich ziemlich bekloppt, aber insgesamt war es eine gute Reise. Wir hatten, trotz allem, sehr viel Spaß. Das Essen war Mega. Der Hersteller interessant. Die Diskussionen (fachlich und privat) mit dem Lieblingskollegen sehr gut. Würde ich wieder so machen – aber dann nicht so lange on Site bleiben. Lieber nen Tag länger, aber bis Mitternacht oder länger arbeiten, wenn man um sechs schon wieder aufstehen muss, ist mehr als brutal.
Aber wenn man so wenig schläft, ist der Jetlag gar nicht so schlimm! (Entschuldigt nichts.)
Ich bin wieder zu Hause. Es ist auch alles gut, aber das war eine sehr anstrengende Jobreise. Sehr sehr anstrengend. Sehr wenig Schlaf. Jetzt ist, nach indischer Zeit, halb drei Uhr morgens und ich kann kaum noch die Augen offen halten.
Eben Michel von seinem besten Freund abgeholt, steht da die Feuerwehr mit Blaulicht vorm Haus und Feuerwehrleute mit Rauchmasken kommen aus dem Haus. Wäre fast in Panik verfallen, wenn nicht die Mutter des Freundes in Seelenruhe vorm Haus gestanden hätte. Es hatte im Schornstein gebrannt, wahrscheinlich ein Vogelnest in Verbindung mit Ruß, unschöne Sache, aber es ist alles gut gegangen, bis auf abgeplatzte Farbe am Kamin sind keine Schäden entstanden. Dadurch hat sie es überhaupt bemerkt: die Farbe fing an Blasen zu werfen und zu stinken. Sie hat dann die Quelle des Gestanks gesucht. Aber bei sowas kann sehr schnell sehr viel Schlimmeres passieren, weil eben das Kaminrohr von innen brennt und sehr sehr heiß wird. Gruselig.
Gestern auch Arbeit, heute frei, ich war auf einem indischen Markt, so viele Leute, Hilfe. Hinterher (doch noch) Arbeit, jetzt dringend Bett. Morgen Arbeit.
Eine Stunde und fünfzehn Minuten hin, neuneinhalb Stunden Arbeit, eine Stunde und fünfundvierzig Minuten zurück (wegen Verkehr) und dann noch mal Arbeit. Essen, in dem Restaurant, in dem nicht laute live Musik ist, aber auch kein Buffet. Deshalb alles ein bisschen hassen, ich will pineapple tandoori und alles mit paneer vom Buffet. Aber nach so Tagen ertragen weder der Lieblingskollege noch ich noch live Musik beim Essen. Und dann ist auch schon elf.
Übrigens, womit man eine Inspektørin wesentlich pissiger macht, als wenn man sie drum bittet, sich zur Begehung der Produktionsräume abzuschminken: wenn man sie nicht drum bittet und sie dann voll geschminkt in sämtliche Räume (CNC und D, denn C und B ist morgen erst) spaziert.
Sehr seltsame Sache auch, der ich noch auf den Grund gehen werde: alle haben Schuhe in der gleichen Größe, die den allermeisten viel zu groß ist, an.
Gestern: geschlafen bis mittags (Ortszeit), Frühstück in Form von Mittagessen, danach Arbeit. Wundern, warum ich so müde bin, des Rätsels Lösung: kein Kaffee. Löslicher Kaffe auf dem Zimmer ist grauenvoll, aber hilft trotzdem.
Abends müde wie Sau, direkt eingeschlafen.
Nach vier Stunden Schlaf plötzlich grundlos hellwach. Eine Stunde im Bett gewälzt und um halb vier aufgegeben. Gelesen und um fünf Uhr in den Fitnessraum gegangen. Um sieben beim Frühstück aufgelaufen, frisch, gestriegelt und gebügelt. Frühstück, dabei fast alles mögliche verschluckt, weil Nachrichten aus Deutschland gelesen. Eine Stunde Fahrt zum Hersteller. Inspektion, powered by Cola, Kaffe und nach dem Mittagessen auch jede Stunde einmal aufstehen und auf dem Flur herumlaufen, um nicht einzuschlafen. Eine Stunde zurück, wegen Verkehr konnte ich da auch nicht die Augen zu machen.
Arbeit.
Essen.
(So müde.)
Den Lieblingskollegen in die Kunst des Kluster-Spielens eingeweiht.
Jetzt Bett. Hoffentlich Schlaf. Länger als bis halb drei bitte.
Im Gegensatz zum Lieblingskollegen habe ich im Flugzeug nur sehr kurz genickert. Jetzt ist es hier schon nach 4 Uhr, die Klimaanlage ist super laut, ich hab letzte Nacht vielleicht so vier Stunden geschlafen, und ich bin echt platt. Um zwei Erfahrungen reicher bin ich auch: in Frankfurt am Flughafen in der Lounge sah ich eine Maus, konnte meinen Augen (und meinem müden Gehirn) nicht ganz trauen, aber dann sah der Lieblingskollege sie auch. Und hier am Zielort kam unser Pickup nicht. Letzteres ist nachts um halb drei gar nicht mal so lustig und erquicklich. Am Ende ging es dann ja gut, aber gut für die Nerven ist das nicht gewesen.
Ich grüße aus Zimmer 2248, was eine sehr sympathische Zahl ist. Es kann also nur gut werden, diese Reise. Morgen geht es so früh los, dass das Flughafenhotel mich (und den Lieblingskollegen) beherbergen muss. Nach meinen letzten Erlebnissen möchte ich nicht morgens um viertel vor fünf abhängig vom lokalen Taxidienst sein. Hinterher erzählen die mir wieder was von dem wahnsinnig dichten Verkehr in Eidsvoll zu der Uhrzeit oder so.
Reise hält mich nicht von Ballett ab, und das war heute echt heftig, sehr viele relevés und noch mehr Sprünge. Ich glaube, die Vertretung unserer eigentlichen Lehrerin will uns heimlich auf Spitze vorbereiten oder so. Meine armen Waden.
Gestern habe ich schon mal das meiste gepackt. Heute dann den Rest. Weil ich paranoid bin, habe ich alles für die ersten zwei Nächte (und den ersten Inspektionstag) im Handgepäck. Trotzdem habe ich alles in meinen „großen“ Samsonite-Rucksack bekommen. Ha. Dieses Mal habe ich auch verschiedene Sorten Sonnenschutz dabei, Hut, Creme und Kleidung, ich werde NICHT wieder komplett verbrennen.
Ebenfalls gestern noch „schnell“ eine Geigenstunde gehabt. Das viele Geübe an Artikulation hat sich gelohnt, ich habe jetzt viel bessere Kontrolle über den Bogen. Eintönig war das Üben, aber Hilfreich. Jetzt kann ich erst mal anderthalb Wochen nicht spielen, was ich ziemlich schrecklich finde.
Herr Rabe kam gestern Nachmittag wieder, wir haben also knapp mehr als uns nur abgeklatscht. Pippi wäre am liebsten direkt wieder ins große Bett eingezogen.
So, jetzt fallen die Augen zu. Gute (kurze) Nacht!