Tag 3453 und 3454 – Ganze Arbeit.

Gestern bin ich am Schnee gescheitert. Das kann schon mal passieren, sagten alle, aber irre peinlich ist mir das trotzdem gewesen.

Ich dachte nämlich, ich käme da hoch.

Hoppla, unscharf. Aber man sieht, dass es eine Kurve einen Hügel rauf ist. Relativ steil. Geräumt, aber nicht gestreut.

Ich kam nicht hoch. Oben ist Pippis Schlagzeugunterricht. Ich ließ Pippi raus, damit sie die letzten 50 Meter läuft und wollte dann halt rückwärts den Hügel wieder runter und unten parken.

Das… ging irgendwo schief. Ich weiß nicht, ob ich mich verlenkt habe oder ob das Lenken einfach nichts gebracht hat, aber am Ende saß ich hinten im Schneehaufen fest und vorne drehten die Reifen einfach durch.

Es folgten unrühmliche 30 Minuten. Sehr unrühmliche. Ich wusste nicht, was ich machen sollte und entschied mich für hilfloses Heulen. Immer wenn ich aus dem Auto stieg, legte ich mich auf die Fresse, weil es so glatt war. Ich rief Herrn Rabe an, der aber ja auch nichts machen konnte. Zwei Frauen versuchten, mich aus dem Schneehaufen zu schieben. Eine hatte auch Kies irgendwo aufgetrieben, den wir unter die Reifen schaufelten, aber auch das half alles nur mittel viel, am Ende stand ich zwar nicht mehr quer (wie zwischenzeitlich auch mal), sondern halbwegs am Rand, aber trotzdem komplett fest im Schnee. Am Ende rief ich den Abschleppdienst an.

Das sieht so wild gar nicht aus. War es aber.

Es war dann, als der Abschleppdienst da war, eine Sache von vielleicht 5 Minuten. Mit der Seilwinde zog er mich aus dem Schnee und dann war auch alles schon erledigt.

Rechnung kommt dann demnächst. Und die Zacken, die mir da aus der Krone gebrochen sind, kriegt man auch mit Sekundenkleber nicht mal eben wieder fest.

Warum erzähle ich das: damit Sie nicht denken, ich wäre irgendein Supermensch, dem nie so richtig doofe und vermeidbare Fehler passieren. Damit Sie, falls sie mal im Schnee feststecken, daran denken können, dass Sie nicht allein sind. Und damit ich eine Erinnerung habe, dass wir eventuell doch über Winterreifen mit Spikes nachdenken sollten.

Heute war verhältnismäßig ereignislos (Arbeit, Sport, endlich Haare geschnitten, aber so wie immer), aber gestern war ich danach einfach ziemlich gar.

Tag 3450 – 2024 im Hause Rabe.

So war 2024. Es passierte viel und wenig, wie das eben so ist, bei normalen Leuten.

Ganz am Anfang des Jahres hatte Herr Rabe ein Konzert mit seiner neuen Band. Und es war Mega! Es folgten noch zwei weitere Konzerte dieses Jahr, eins davon sogar ein bezahlter Gig auf dem Dorffest. Herr Rabes Band ist sehr gut, und das sage ich nicht einfach so daher.

Wir waren nahezu erstaunlich wenig krank, aber im Januar fuhr ich auf eine Inspektion in einem Tal mitten im Nichts, vier Stunden Autofahrt und am zweiten Tag erwachte ich eigentlich zu krank für alles. Ich hoffte, dass meine Kollegin irgendwie übernehmen könnte, sodass ich maximal dekorativ rumsitzen müsste, traf sie aber beim Frühstück käsebleich an, sie hatte Migräne. Ich sag’s mal so: wir haben das durchgezogen und auch das irgendwie geschafft. Der Hersteller hat wenige Monate später seine Herstellerlaubnis zurückgezogen, aber das hatte mit der Inspektion selbst nicht zu tun.

Im März, zu meinem Geburtstag, zogen nach ein paar Wochen freudiger Erwartung Greg und Monty bei uns ein. Zunächst in einem mit einer Trennwand (wie wir dachten) geteilten Terrarium. Das funktionierte nicht, also baute ich so etwa über Ostern und an einem zweiten Terrarium herum. Mit den Wechselwarmen lief es holprig an, mit Futterverweigerung, schlechter Häutung und allem, was das Schlangenhalterinnendasein so zu bieten hat (bis auf Krankheiten und Parasiten, klopf auf Holz), aber irgendwann platzten alle diese Knoten und jetzt läuft alles sehr rund und wir erfreuen uns an zwei sehr ruhigen Mitbewohnenden in sehr hübschen Terrarien.

Im April und Mai wurde ich schnell noch auf sehr viele Kurse geschickt, damit mein Fortbildungsplan etwas hübscher aussieht. Die Kurse waren auch gut. Brüssel ist trotzdem keine sehr hübsche Stadt. Ich mag aber, nahezu wider Erwarten, mit anderen Inspekteur*innen zusammenkommen. Der Weirdo-Anteil ist da sehr hoch.

Parallel dazu lief im Frühjahr auch die Autismusdiagnostik und die führte Anfang Juni auch zu einer Diagnose. An der Stelle war ich davon nicht mehr überrascht. Trotzdem fühlt es sich sehr validierend an, das so bestätigt zu bekommen, dass ich mir das nicht alles nur einbilde oder halt ein soziales Weichei bin. Mir hilft es auch sehr, in entsprechenden Communities zu sein, wo alle weirdos der einen oder anderen Sorte sind. Gemeinsam ist man halt weniger allein. Niemand möchte sich wirklich dauerhaft wie ein Alien fühlen (glaube ich).

Vorm Sommer war ich noch schnell bei einer richtig schlimmen Inspektion, bei der ich spätestens beim abschließenden Meeting den noch sehr jungen Lead Inspector am liebsten ganz mütterlich auf den Schoß genommen hätte. Es ist sehr seltsam für mich, plötzlich auf mehrere Arten die Senior zu sein. Ich bin doch sonst immer die jüngste!

Um meine Chefin zu ärgern, färbte ich mir ebenfalls im Frühjahr (vielleicht auch Ostern?) die Haare mal wieder lila.

Meine Kolleg*Innen streikten für die Möglichkeit, einen eigenen Tarifvertrag für Akademiker im Staat zu behalten. Ich musste am Ende nicht streiken, hatte aber bei der Arbeit und zu Hause Meltdowns, weil ich das nicht zeitnah erfuhr, sondern ganze eineinhalb Tage vor der geplanten Inspektion, die dann so schlimm wurde. Es war unerträglich für mich, nicht zu wissen, ob ich reisen darf oder nicht. Übrigens ein „lustiger“ Fakt dazu: wir sind immer noch nicht mit der Tarifrunde durch, wir verhandeln um einen gesamten Topf von 2,7% (auch hier war die Inflation wesentlich höher als das), eventuelle Gehaltsanpassungen bekommen wir frühestens im Februar ausbezahlt und das wird schon knapp. Ich fühle mich ein bisschen verarscht von dem Ganzen.

Direkt vor und während der Streik-Sache hielt ich noch mal eben nen zweitägigen Kurs für qualified persons. War alles ein bisschen viel, vorsichtig ausgedrückt.

Michel hatte im ersten halben Jahr von 2024 immer mehr eskalierende Probleme mit seiner neuen Klassenlehrerin, die er zur 6. Klasse bekommen hatte. Die war dann irgendwann auch bis zu den Sommerferien krank geschrieben. Die Probleme bestanden wohl doch nicht nur mit Michel. Allerdings muss man dazu sagen, dass es seit den Sommerferien besser ist. Michel reißt sich mehr zusammen, die Lehrerin hat aber auch wohl an sich gearbeitet. Die Wogen haben sich etwas geglättet.

Die Sommerferien begannen wie üblich mit Ferienkursen, erst war Pippi auf einem Tanzkurs, dann waren beide Kinder beim Korpskurs. Beide Kinder finden diese Korpskurse richtig gut. Da sind auch viele Kinder, die so ein bisschen extra sind, da passen Pippi und Michel ausgesprochen gut rein, auf ihre individuellen Arten.

Ebenfalls Anfang der Sommerferien stieg ich seit langer Zeit mal wieder auf die Waage (ich hatte beim Ballett im Spiegel Dinge gesehen, die mir nicht gefielen) und mich traf offen gestanden fast der Schlag. Da war eine 8 vorne. Am nächsten Tag begann ich ein Trainingsprogramm, das ich seither eisern durchgezogen habe (soweit es ging. In Indien war das wirklich schwer und manchmal ging es halt nicht). An mindestens 6 von 7 Tagen die Woche mache ich jetzt Sport, entweder das Fitnessblender-Programm, oder Ballett, oder Klettern, oder Schwimmen, oder Burlesque, oder laufen. Das hat sehr viele positive Effekte, nicht nur ist die 8 weg (ich glaube, die war eh nur ein ungünstiger Tag), ich habe tatsächlich etwa 5 kg Gewicht abgenommen, optisch eher so 8 kg, ich habe wesentlich mehr Muskeln und bin auch stärker und ich bin vor allem viel ausgeglichener. Ich mag meinen Körper im Spiegel wieder mehr angucken, auch in Unterwäsche. Die Winkeärmchen sind weg, der Hintern ist wieder straffer, der Bauch ist je nach Zyklusphase jetzt dann auch mal wieder richtig flach (wenn auch weich, waren ja auch zwei mal Babys drin, ne?). Ich habe keine Diät gemacht, nur wesentlich mehr Sport. Die Waage, die auch das angeblich beurteilen kann, sagt, ich habe jetzt normal viel Fett an meinem Körper und viele Muskeln. Statt wie Anfang Juli viel Fett und normal viele Muskeln. Bei all dem ist mein BMI immer noch im Übergewichtsbereich, was ich einigermaßen lächerlich finde. Wenn mir wer mit Übergewicht kommt, zerquetsche ich di*en einfach mit meinen super starken Oberschenkeln.

Apropos Gewicht: nachdem Michel im Mai oder so beschloss, kein Ritalin mehr nehmen zu wollen, ist Essen kein Dauerthema mehr und er hat zugenommen. Jetzt ist er nur noch dünn, nicht besorgniserregend dürr.

Ja, Burlesque. Als die Kinder beim Korps-Sommerkurs waren, waren wir beim Burlesque-Bingo und danach meldete ich mich für den Kurs an. Aber vorher waren wir noch…

… Sommerurlaub in Bielefeld machen. Das war super schön. Sehr entspannt für alle in einer Ferienwohnung. Wir trafen viele, aber nicht zu viele, Leute und sahen Bielefeld mal als Touristen. Hach.

Nach dem Urlaub ging es direkt rund. Pippi bekam Fische und die starben erstmal dauernd. Michel fuhr auf Klassenfahrt und fand es gut. Mein Burlesque-Kurs ging los und ich fand ihn gut. Pippi bekam endlich einen richtigen Trommellehrer und findet das nach wie vor gut. Dann war ich auf einigen anstrengenden Inspektionen inklusive einer, bei der ich die ganze Zeit unter Beobachtung durch einen französischen Inspektor stand. Ich war auf einem 20-Jahre-Abi-Treffen. Meine Mutter war zu Besuch. Ich war in Bergen beim Mensa-Landstreff. Ich hielt einen Vortrag bei einem Reinraumseminar (das ist, weil ich mich ja so super gut mit Reinräumen auskenne, ne? Hahaha). Ich färbte meine Haare blau. Ich reiste nach Indien, auf eine irre anstrengende Inspektion. Zum ersten Mal verschlief ich SO RICHTIG auf einer Inspektionsreise. Kein Wunder, wenn man bis Mitternacht arbeitet. Die Inspektion lief für die Firma katastrophal, aber wir pflanzten trotzdem hinterher einen Baum dort. Den „düngen“ sie jetzt wahrscheinlich mit Aceton oder so.

Insgesamt war August bis Dezember ein einziger Brei aus zu viel, ehrlich gesagt. Es lief für mich beruflich gut, das ist das einzig positive. Der Preis dafür war aber hoch.

Privat hatte ich irgendwann ab Mitte November SEHR VIEL mit der Burlesque-Show zu tun und Mitte Dezember strippte ich das erste mal vor einem johlenden Publikum. Ich habe auch die Choreografie ganz selbst gemacht, darauf bin ich mindestens ebenso stolz. Das war absolut alle Mühe wert. Das nächste mal fange ich nur früher an.

Zwischen Sport und Burlesque und der vielen, vielen Arbeit habe ich leider weniger Geige gespielt, als ich mir wünschen würde. Vielleicht kann ich das wieder ein bisschen drehen, ich spiele ja gerne Geige.

Zwischen den Jahren tauschten die Kinder die Zimmer und ich stellte fest, dass mein Zyklus inzwischen ziemlich out of whack ist, dieses Jahr hatte ich Zyklen zwischen 24 und 35 Tagen Länge, das ist für einige normal, für mich aber nicht.

Insgesamt ein so ganz okayes Jahr, würde ich sagen. Viele gute Dinge, aber in der Grundstimmung zu viel von allem. Vieles von dem will ich aber ja auch gerne machen, es ist also Klagen über selbst zugeführten Schmerz.

Man sollte solche Artikel vielleicht nicht auf „Schmerz“ beenden. Insofern: auf ein neues Jahr, es bringt Veränderungen im Hause Rabe mit sich. Michel wechselt die Schule, Pippi wechselt die Lehrerin, Herr Rabe wird die magischen 42 Jahre alt, ich werde endlich erwachsen 40. Das kann ja eigentlich nur gut werden alles.

Tag 3449 – Kurzmeldungen.

  • Ich bin wieder unter den Lebenden. Nach einer gar nicht mal so guten Nacht wachte ich nassgeschwitzt auf, hatte aber keine Schmerzen mehr. Seit Mittag ca. fühle ich mich auch, bis auf Schmerzen im Arm, wieder normal. Das mache ich dann also in zwei Monaten nochmal, Hurra. Noch so ein Grund, Kinder gegen Windpocken impfen zu lassen.
  • Hier sind -18 Grad draußen. Das ist sehr kalt. Gestern hatten wir obendrein Sturm (mit rumfliegenden Mülltonnen) und für Montag ist Schneechaos vorhergesagt. Auch das alles: Hurra.
  • Die zweite Staffel von Squid Game endet mit dem fiesesten Cliffhanger aller Zeiten. Es ist eine Schweinerei. Ich bin empört! Monster. Ich hätte die dritte Staffel eh geguckt, auch ohne diesen Cliffhanger.
  • Greg hat Hunger. Ich warte darauf, dass Monty fertig mit Häuten wird, aber armes Greg klebt schon an der Scheibe, wenn ich abends den Raum betrete. Nun ja. In der Natur kommt auch nicht exakt jeden 10. Tag ne perfekt passend große Ratte vorbeispaziert, ne? Aber ich nehme an, wenn Greg was dazu sagen könnte, wäre es: Ich bin empört!

Tag 3447 und 3448 – Wenn man Mützen braucht.

Heute, also jetzt grade, fühle ich mich wie mit der Dampfwalze überrollt. Die Dampfwalze setzte nochmal zurück und fuhr noch mal drüber. Die Dampfwalze heißt Gürtelroseimpfung. Ich schätze mal, Gürtelrose ist wesentlich schlimmer, aber ein Spaß ist das hier grade echt nicht. Hänge also vorm Fernseher rum, frierend trotz Wärmekissen und Tee und versuche, nicht auf die Gliederschmerzen zu fokussieren. Ist gar nicht so einfach. Vielleicht lege ich mich einfach zu Monty ins Häuschen. Monty häutet sich und rührt sich deshalb nicht vom Fleck.

Gestern habe ich Mützen genäht. Für alle, hier die von den Kindern (Michel hat sich diese Tarnfarbe sehr gewünscht).

Ich witzelte ein bisschen rum, dass ich so eine Mütze jetzt wohl auch brauche, ich habe nämlich am Mittwoch meine Haare erst blondiert und dann Flamingo Pink getönt. Völlig vergessend, dass wir Pippi versprochen hatten, ins Schwimmbad zu gehen. Resultat:

Ich weiß jetzt generell nicht, ob pink echt meine Farbe ist, tendiere zu nein. Aber mit diesen lustig entfärbten Längen ist es irgendwie lustig. Alle Teile von Haaren, die vorher schon mal blondiert waren, sind halt im Schwimmbad entfärbt worden. Warum auch immer, beziehungsweise eher: warum auch immer der Rest nicht.

(Und ja, die Haare sind sehr tot und müssen dringend geschnitten werden.)

Tag 3446 – Ein bisschen Mimimi.

Rückblick morgen oder sogar erst Freitag, wir werden sehen. Aber hier erst mal wie angekündigt mein momentan tägliches wtf-Erlebnis und Konfrontation mit meinen Unzulänglichkeiten.

Es folgt ein Ausflug in ein Spezialinteresse. Sorry.

Das geht ja noch. Das ist auch nicht schnell. Der schnell aussehende Teil in der Mitte ist Andante, und soll laut Lehrer ordentlich schmalzig klingen. Zumindest in meinen Ohren, denn wenn ich glaube, ich übertreibe jetzt voll und es trieft vor Schmalz, hört man davon nur „Ja, süß“.

Der Lehrer hatte übrigens ursprünglich gesagt, ich soll nur die erste Seite machen, weil wir ja seit ein paar Monaten Martelé-Striche geübt haben. Und dann war er ganz schockiert, dass ich den Rest nicht angeschaut hatte, und auch nur die zweite Seite dabei hatte (die dritte lag irgendwo zu Hause).

Die zweite Seite:

Die Doppelgriffe! HURZ!

Und die Killer-Seite.

Ab der 5. Zeile, für 4 Zeilen, möchte ich zur Zeit nur in Embryonalstellung auf dem Boden liegen. Der ganze Teil erschließt sich mir einfach nicht, auch nicht, nachdem ich verschiedene Aufnahmen angehört habe. Was sollen diese leeren E-Saiten da überall, außer eine quälen?

Heute habe ich kurz gemacht, was ich bisher vermieden hatte: die Akkorde angeschaut. Nun ist es ja so, dass diese Streichinstrumente so gebaut sind, dass es eigentlich nicht möglich ist, mehr als zwei Saiten gleichzeitig zu spielen. AUSSER, und das soll man hier tun, man haut den Bogen mit viel Gewicht auf die Saiten und braucht keinen lange gehaltenen Ton, dann kann man, weil die Haare ja biegsam sind, auch drei Saiten schaffen. Und das ist glaube ich auch der Clou bei dem Stück: das ist eigentlich sogar noch ganz „nett“ geschrieben. Die dritte Saite bei den meisten dieser Akkorde ist die leere E-Saite, das heißt, man muss nur auf zwei Saiten greifen. Laut spielen ist außerdem viel leichter als leise spielen, dass man den Bogen quasi auf die Saiten werfen muss, ist also mitgedacht. Das ist, dafür dass es Akkorde sind, also noch (sehr viele Anführungszeichen denken) einfach*. Und so ist es bei mehreren Teilen. Dafür dass es in der gefühlt 17. Lage ist, ist es noch ok, weil man da oben viele Es, Gs, Ds und As hat, also gut hören kann, ob man so ca. richtig getroffen hat. Dafür dass es Doppelgriffe sind, ist es noch nett, weil man oft nur einen Finger umgreifen muss. Generell kann man viel „liegen lassen“, was Intonation einfacher macht. Aber. Es ist halt so viel.

Mimimi.

(Übrigens: „Man kann viel liegen lassen“, „Dafür dass die Lagen so hoch sind, geht’s eigentlich noch“ und „die Akkorde sind gar nicht so schlimm“ sind alles Sachen, die mir vor zwei Jahren niemals über die Lippen aus den Fingern gekommen wären. Üben hilft halt doch. Und ein Lehrer, der eine zu Finger-liegen-lass-Etüden zwingt, auch. Auch wenn ich damals beleidigt war dass ich so Kinderkram kriege.)

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* lediglich die dritte Zeile von unten, erster Takt, letzte zwei Achtel: Hä??? Zwei Es gleichzeitig, also ein leeres E und eins auf der A-Saite, und dann noch ein C? Auf der D-Saite dann, gezwungener Maßen, also, äh, 4-2-0 und dann der nächste ist, äh, 3-1-0. Uh, dann kann man da bleiben und den nächsten 4-0-0 spielen, statt 4-2-0. Aber Lagenwechsel in dem Tempo. Aber auch da wieder: „nur“ in die dritte Lage. Aber, aber, aber, nur, geht noch, ist ok. Sind mir ein bisschen viele Abers und nurs.

Tag 3444 und 3445 – Frohes Neues Jahr!

Frohes Neues Ihnen allen. Ich werde das Jahr in den nächsten Tagen mal Revue passieren lassen. Aber nicht mehr heute Nacht.

Wir sind gut reingekommen, haben lecker gegessen und um Mitternacht unsere Wunderkerzen angezündet und das Feuerwerk in der Gegend betrachtet. Das wird auch immer weniger und aus vielen Gründen finde ich das auch gut so, auch wenn ich das wirklich gerne anschaue. Oslo hatte dieses Jahr eine Licht- und Musikshow in der gesamten Innenstadt, da muss ich mich mal umhören, wie das war. In Oslo dürfen Privatpersonen innerhalb von „Ring 2“, also in der, sagen wir mal, großzügigeren Innenstadt, kein Feuerwerk zünden. Und auch das finde ich aus vielen Gründen gut so.

Leider scheint Michel das neue Jahr kränklich zu beginnen, der schlief schon nach dem Essen auf dem Sofa ein und verzog sich um 0:14 Uhr ohne Umwege ins Bett. Da er auch hustet und über Ohrenschmerzen klagt, ist da wohl was im Gange.

Monty ist davon, dass so spät abends in „ihrem“ Wohnzimmer noch so viel Leben ist, eher wenig angetan. Das merkt man an erheblich weniger Rumturnen als sonst, es wird hin und wieder mal der Kopf rausgestreckt, festgestellt, dass es immer noch hell ist, und dann der Kopf wieder eingezogen. Von einem Versteck ins andere kriecht sie so, dass man sie nicht sieht. Wenn man einfach spät abends auf dem Sofa sitzt und Fernsehen guckt, ist das Bild ein ganz anderes, da wird das ganze Terrarium genutzt, inklusive der Scheiben, und daran herumgeturnt, geklettert und geschlängelt. Hunger konnte in den letzten Tagen nicht die Ursache des Turnens sein, es gab einen Weihnachtsbraten (ungebraten. Und im Ganzen, mit einem langen Schwanz).

Geigenmäßig breche ich mich zur Zeit schlimm einen ab. Ich kann das morgen mal zeigen, also die Noten, aber ich muss meinen Geigenlehrer echt mal fragen, ob das so sein Ernst ist. Ich hab das Stück bekommen mit der Anweisung, mir das anzugucken und dann zu melden, aber ich schaffe selbst beim Angucken (also so grob gucken und ein bisschen rumprobieren, wie das gehen könnte, wie man es greifen könnte und wie ich will, dass es klingt und phrasiert wird) nur so eine Phrase am Tag, also vielleicht so 8 Takte (von denen 4 ne Wiederholung sind). In ner Stunde, grob. Weil nahezu jede Phrase irgendwas neues gemeines hat, komische Betonungen in Dreiermustern, die nicht dem Takt folgen, Triller, Zeug in der drülfzigsten Lage, Doppelgriffe, schnelle Akkorde, und wenn sonst nichts ist, ist es Allegro und Sechzehntel DIE GANZE ZEIT. Über zwei Seiten. Ich bin durch die ersten eineinhalb Seiten jetzt durch, das hat aber auch über eine Woche gedauert. Und meistens hab ich das, was ich am Tag zuvor gemacht und mühselig erarbeitet hab, am nächsten Tag schon wieder vergessen. Ich sitze da zur Zeit mit nem Flickenteppich aus Phrasen in unterschiedlichen Tempi, weil ich nicht alles gleich schnell kann. Wie gesagt, ich muss den Geigenlehrer echt fragen, ob er das ernst meint. Ich mag ja Herausforderungen, aber, puh. Puh, puh. Ächz.

Ich habe mich übrigens über all ihre lieben Worte zu meinem Weihnachtsgeschenk an Sie sehr gefreut. Das wollte ich auch noch sagen.

Tag 3443 – Ein neuer Mensch.

Heute morgen endlich meine Tage bekommen. Habe seither Schmerzen und so, fühle mich aber wie ein neuer Mensch, beziehungsweise wie ich selbst und nicht, naja, ein unausstehlicher, heuliger, aggressiver Blob. Ich werde das wohl noch mal bei einer Fachperson ansprechen müssen, denn dass eine das einfach aushalten muss, vermutlich noch für so 10 ish Jahre (wobei ja nun ein unregelmäßiger Zyklus auch was ist, was den Anfang vom Ende einläuten kann, und was Ärzt*innen nicht einfach mit „sie sind ja noch nicht mal 40!“ abtun sollten), will ich nicht einfach so hinnehmen. Das ist auch nicht hinnehmbar, diese depressiven Zustände. Dieses Mal war das auch dem langen Zyklus geschuldet, ich höre normalerweise ein paar Tage vorm Zyklusende auf, das Antidepressivum zu nehmen, weil das so ne lange Abbauzeit hat. Aber wenn das Ende sich dann einfach mal um ne Woche verschiebt, lande ich halt so richtig auf dem Arsch.

Anyway, jetzt ist es ja erst mal für ganze zwei Wochen Ruhe (wenn ich Glück habe, manchmal sind es auch nur 10 Tage, weil ich zwischendurch ja auch immer mal kurze Zyklen habe). Den Tag habe ich auch direkt genutzt um wieder Sport zu machen und anzuleiern, dass endlich die Kinder die Zimmer tauschen, statt dass immer nur davon geredet wird, dass wir das ganz sicher in den Weihnachtsferien tun. Jetzt sind beide Kinder halb umgezogen, morgen folgt der ganze Kleinkram, dann fertig. Am schwersten (im wahrsten Sinne des Wortes) waren Greg und die Fische umzuziehen, die leben ja nun in recht schweren Behältnissen. Alle scheinen es aber ganz gut überstanden zu haben. Greg wurde nur kurz wach, guckte aus der Höhle raus und zog dann fix den Kopf wieder ein um weiterzuschlafen. Schlange müsste man sein.

Wo wir bei Fischen sind: wir haben Platys jetzt in allen möglichen Stadien, von ganz kleinen Babyfischen bis zu übermütigen Teenagern, die meinen, bei den Großen mitmachen zu können, wenn es Futter gibt. Das ist schon sehr niedlich. Die vier Guppyweibchen scheinen es auch gut zu haben, seit inzwischen ja einigen Wochen. Vielleicht schauen wir doch noch mal ob wir zwei neue Männchen besorgen. Guppymännchen scheinen sehr wenig robust zu sein.