Tag 3358 – Seltsame Filme.

Heute ist nicht viel passiert hier im Rabenhaus. Außer dass Herr Rabe und ich abends ins Kino gegangen sind, in „Joker – Folie à deux“. Den ersten Joker-Film mit Joaquin Phoenix fand ich super, wenn auch brutal auf vielen Ebenen. Der zweite Film jetzt war ein Ritt, ein gut erzählter, etwas weniger brutaler, mit eindrücklich dreckiger Bildsprache. Aber ein Ritt. Mehr oder weniger random wird gesungen, es wird mehr und mehr klar, dass das sowohl Realitätsflucht als auch Kommunikationsverweigerung ist. Die ganze Geschichte strickt sich um: ist er nun der Joker, oder ist er nur zum Teil der Joker, oder ist er einfach er selbst und traumatisiert ohne Ende. Alle möglichen Parts in der Geschichte wollen entweder das eine oder das andere, nur er selbst hängt irgendwie dazwischen und wird ziemlich viel rumgeschubst. Niemand ist eindeutig gut oder böse, wie im richtigen Leben. Das Ende (das spoilere ich jetzt hier nicht) lässt einen, zumindest mich, einigermaßen ratlos zurück.

Also, Fazit: war schon gut, aber auch echt seltsam.

Ebenfalls Fazit: There‘s always a Joker in the pack.

Tag 3357 – Paradox.

Wir haben heute zwei Dinge getan: erst haben wir für die Kinder die Anträge auf die doppelte Staatsbürgerschaft abgegeben. Dafür mussten wir allesamt bei der Polizei aufschlagen. Dann wurden unsere Pässe kopiert, alle, auch die abgelaufenen, viel Papier abgeliefert und das war’s. Jetzt wird es bis zu 22 Monate dauern, bis irgendwas passiert. Herr Rabe hat den Antrag für sich schon letzte Woche abgeliefert, dauert aber genauso lange.

Dann waren wir im Paradoxmuseum in Oslo, das ist ein kleines Museum mit allerlei optischen Täuschungen, Spiegelkabinetten und dergleichen. Sehr unterhaltsam (aber schon auch kostenintensiv).

Leider habe ich nur ein blogfreundliches Bild gemacht, aber das ist dafür auch echt cool.

Am gruseligsten war ein Tunnel, durch den man gehen konnte und der von außen komplett unspektakulär aussah. Aber in dem Tunnel drehte sich die Röhre um einen rum und es war unmöglich, da drin mit offenen Augen das Gleichgewicht zu halten. Es wurde sofort besser, wenn man die Augen zugemacht hat, aber es war wirklich nicht möglich, den Körper anderweitig davon zu überzeugen, dass der Boden nicht zur Seite kippt.

Am Ende hat Herr Rabe noch ein Folterwerkzeug gekauft, also so ein Geduldsspiel, bei der man eine „Schlange“ aus Würfeln wieder in einen 3x3x3-Würfel zusammenfalten muss. Manchmal frage ich mich, ob er weiß, mit wem er zusammen lebt.

Tag 3355 und 3356 – Urlaubsaktivitäten.

Gestern: ich habe meine Haare blondiert. Dieses Mal sind sie tatsächlich weiß geworden. Und das ging so:

  • 3 % (ja, das ist niedrig) Peroxidentwickler im Verhältnis 2:1 mit
  • Schwarzem Blondierpulver (gegen Gelbstich, angeblich) mischen
  • Auftragen. Viel, aber das hauptsächlich weil ich halt zu viel angemischt hatte. Aber dann braucht sich eine wie ich, mit kurzen Haaren, auch keine Gedanken um gleichmäßiges Auftragen machen, das wird einfach alles reingematscht, fertig.
  • Haube auf und Einwirken lassen, und zwar schockierende 1,5 Stunden. Zwischendurch mal gucken, ob sich die Haare schon auflösen. 3% Peroxid ist aber so niedrig, dass das nicht passieren dürfte. Die Theorie ist außerdem, dass das niedrig konzentrierte Peroxid länger reagiert und dann über die lange Zeit eben auch die gelben und grünen Pigmente wegbekommt. Ich war (das mag jetzt ebenfalls schockieren) zu schlecht in Chemie um das beurteilen zu können. Es hat aber tatsächlich länger gedauert, bis merklich was passierte, es hat auf der Kopfhaut weniger gejuckt und das Farbergebnis spricht auch für sich. Die Haare sind auch noch ok intakt, blondiert halt, aber nicht übermäßig kaputt.
  • Auswaschen, fertig.

Ich hab leider keine Lila Spülung mehr, die wäre sicher gut gewesen hinterher.

Ich lasse das glaube ich erst mal ein paar Tage so.

… Weil’s in den 80ern Mode war…

Danach waren wir bei einem Minikonzert, Michel war jetzt 3 Tage auf einem Bandkurs und hat in einer Band gesungen und Kornett gespielt. Das fand er wohl gut und hat er auch gut gemacht. Die zwei Bands haben jeweils ein Lied gespielt. Aber für 3 Tage á 4 Stunden schon sehr ordentlich.

Abends war für mich Geige üben im Übungshotel und dann Hobby-Kurs. Mir ist dabei jemand übel auf den Fuß getreten, ich dachte erst, es sei mindestens was gebrochen, aber es ist scheints nur blau und schmerzhaft. Aber ansonsten war der Kurs gut.

Heute haben Michel, meine Mutter und ich eine Rundfahrt durch den Oslofjord auf einem Ausflugsboot gemacht. Mit Audioguide und in bestem Herbstwetter, bei 15 Grad und blauem Himmel. Das war richtig schön, kann man durchaus mal machen, wenn man Gäste hat, die nicht so gut zu Fuß sind. Ich habe nur leider außer einem Selfie mit Michel gar keine Fotos gemacht. Schlechte Bloggerin…

So, die Augen fallen zu, es ist Zeit für Licht aus.

Tag 3354 – Ein paar Tage frei.

Yeah, Herr Rabe und ich haben den Rest der Woche frei. Für mich war das heute mit einem Endspurt verbunden, der vor allem daraus bestand, noch schnell 194 Änderungswünsche ins IT-Projekt einzutöckeln. Das muss ja alles immer nach Schema F ausgiebigst aufgeschrieben werden, für besonders dumme Dummies, deshalb dauert das selbst für die simpelsten Dinge („mach mit Dings exakt das gleiche wie du schon mit Bumms machst“) ewig.

Ansonsten war hier nur ein bisschen Mädchendrama. Neunjährige sind so lala groß und da kann es sich erst mal ganz toll anhören, bei der Freundin zu übernachten, aber ist dann doch ein bisschen viel, wenn es erst mal spät und die Gefühle groß sind.

Dass endlich neue und weitere Fische im Aquarium eingezogen sind, ist da ein kleiner Trost, aber echt nur ein kleiner. Viele kleine Tröste, eigentlich. Babyfisch geht es auch gut, und das Wasser ist endlich, endlich optimal. Das Nitrat und Nitrit ist endlich unten, Wasserhärte ist gut, alles gut. Hoffentlich überleben die neuen Fische länger. Erste Feststellung: Guppys sind, gemessen an Platys, total hektisch. (Vor allem Babyfisch. Der ist mega hektisch und flitzt nur rum. Aber der hat auch echt Mühe, gegen den Pumpenstrom anzukommen, der ist ja noch Miniklein.)

Hatte ich von Babyfisch eigentlich erzählt? Ich glaube nicht. Babyfisch ist neulich einfach im Aquarium entstanden, dabei war ich sicher, dass wir keine Männchen mehr haben. Das kam etwas überraschend, in dem Aquarium mit immer noch schlechten Wasserwerten und in dem dauernd Guppys starben, erwartete ich alles, nur keinen Nachwuchs.

Tag 3352 und 3353 – Herbst, Wald.

(Heute war nur Arbeit. Langweilig. Also naja, gar nicht so langweilig, für Arbeit, aber nichts was hier berichtet werden müsste oder könnte.)

Gestern allerdings war ich auf einer Pilztour und ich habe jetzt eine richtig tolle Stelle für Trompetenpfifferlinge gefunden. Da wachsen die HAUFENWEISE. Also so viel, dass ich am Ende einfach* abgebrochen habe, so viele Pilze kann ja niemand essen. Es war auch super Wetter und allgemein sehr schön im Wald. Ich habe auch mal wieder Fotos für Teams-Hintergründe gemacht, dieses Mal von verschiedenen Arten von Moos (und ein paar Flechten). Moos ist ja so ein faszinierendes Gewächs, da könnte ich mich auch richtig reinnerden, genauso wie in Pilze. Da muss ich aktiv sein lassen, sehr viel zu zu lesen. Anyway, hier ein paar Bilder vom Wald.

In diesem Bild sind eine Handvoll ausgezeichnete Speisepilze versteckt.
Hier sind sie hingegen gar nicht versteckt.
Ein echter (hinten) und ein falscher (vorne) Pfifferling.
Beweis. Wobei das vielleicht nicht mal ein falscher Pfifferling ist, besonders gut getarnt ist der jedenfalls nicht.
Pilzliebe (geht nicht so weit, dass ich ohne Handschuhe im Waldboden rumbuddle, da sind ja überall Spinnen und so).

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*haha, „einfach“, ich war ja nicht „fertig“, da waren ja noch reichlich Pilze.

Tag 3351 – So frei!

Meine Mutter ist ja zu Besuch, schon seit Mittwoch, nur war ich ja ca. gar nicht da bisher. Aber heute haben wir dann mal was geboten, nämlich einen Ausflug in die Hauptstadt und da in die Oper.

Ich habe ja noch nie eine Oper in der Oper gesehen, und finde Oper auch oft… naja irgendwie wenig zugänglich. Aber Herr Rabe hatte eine Anfänger-Operette aufgetan, nämlich „Die Czardas-Fürstin“ von Emmerich Kálmán, in einer modernisierten und norwegisierten Fassung. Nicht so modern, dass irgendwer sich auf der Bühne mit Kunstblut übergießt und schreiend im Kreis rennt, aber es kamen zum Beispiel Geschlechtsidentitäts-Themen vor. Die gab es als Gegenstand breiter, öffentlicher Debatten 1915 wahrscheinlich noch nicht (obwohl es natürlich auch da schon trans Personen gab). Ein paar Bühnenkostüme hatten einen deutlichen Anklang von Drag. Und das Ganze war schrill, bunt, albern und allgemein sehr vergnüglich. Natürlich auch musikalisch wirklich gut, es ist die Oper, die können da schon was. Aber eben auch gut inszeniert, mit einer Gypsy-Band immer mal wieder auf der Bühne und einer Gruppe von 6 Tänzer*innen, die im Hintergrund dauernd eskalierend alberne Dinge taten, während vorne überzogen schmalzige Duette und ähnliches vorgetragen wurden. Wir alle hatten viel Spaß, sogar Michel fand es „es war schon gut, aber ich hätte trotzdem lieber was anderes gemacht“. Die armen, armen Kinder, die von ihren Eltern in die Oper geschleift werden, ruft das Jugendamt an, da muss doch einer was machen! (Spaß. Wobei ich das Gesicht der Jugendamtangestellten gerne sehen würde…)

Also falls Sie eh in Oslo sind und immer mal neugierig auf eine Oper waren, aber bisher sich nicht getraut haben: https://www.operaen.no/forestillinger/czardasfyrstinnen-opera/?gad_source=1&gbraid=0AAAAADlW9JxMNMpZsvjOWC7Yz7-Nwd2W9&gclid=CjwKCAjw0t63BhAUEiwA5xP54Xs6Hezt1sKdyjSMgp2p2Q0jBFDQFJmuQgQyjOQEEMJp2JdhmgzgZBoCJUAQAvD_BwE

Es gibt auch Untertitel, Norwegisch und Englisch. Und nach den ersten 15 Minuten oder so waren die dann auch an.

Tag 3349 und 3350 – Haben wir auch das überstanden, ja.

So, also jetzt habe ich auch mal ein Abschlussmeeting einer Inspektion von der anderen Seite erlebt. Also von der Seite, der mitgeteilt wird, was sie alles falsch macht. Gestern habe ich ja erst eines gehalten, die Seite kenne ich ja. Das habe ich, naja, vielleicht nicht hundertmal, aber sicher so 60-70 mal gemacht bisher. Die Firma hat das auch gut über die Bühne gebracht, die waren eigentlich ganz gut, die paar Sachen, die wir da haben, sind zum allergrößten Teil Pillepalle. Ein bisschen taten die mir leid, weil wir wegen des französischen Inspekteurs mega ultra super gründlich waren und wirklich kein Fitzelchen haben durchgehen lassen. Der französische Inspekteur hatte auch an uns kaum was zu meckern, und die paar Dinge, die er uns vorgeschlagen hat, waren ebenfalls auf einem (rein fachlichen) Fitzelniveau. Sowohl gestern als auch heute im Abschlussmeeting hat er ausdrücklich meine und der Kollegin technische, fachliche und Softskills gelobt. So entspannt sei ich, sagte er, und würde eine gute Atmosphäre schaffen. Ich danke an dieser Stelle dem professionellen Inspekteur-Renana-Kostüm, das das alles stets locker flockig wuppt. Besonders freut mich, dass der französische Inspekteur das heute halt alles noch mal vor allen meinen Kolleg*innen, Chefinnen und dem Direktor selbst wiederholt hat. Zusammen mit: kein Finding für die observierte Inspektion, alles top, nicht mal Verbesserungsvorschläge. Mit Glanz bestanden, würde ich sagen. Sowohl ich als auch das Kostüm.

Nach dem Abschlussmeeting heute habe ich endlich mal wieder richtig Sport gemacht. Das war sehr anstrengend und aber auch sehr gut. Nach der Woche war ich aber bei der anschließenden „Hurra, es ist vorbei!“-Feier so platt, dass ich hätte einschlafen können. Zusätzlich waren sowohl Pizza als auch Kuchen falsch geschnitten und mein Kostüm war irgendwie schon ins Wochenende gestartet. Meine Kollegin hat mir dann ein Stück Kuchen abgeschnitten, weil ich nicht darüber hinweg kam, wie die anderen ihn angeschnitten hatten. Ich habe dann auch brav meine Ohrenstöpsel geholt. Und mir auch nichts vorgeworfen, ja mei, dann muss ich halt wen haben, der mir nach so ner Woche den Kuchen schneidet. So what.

Tag 3348 – Müdes piep.

Dass halt auch noch dauernd alles schief geht, macht meine Woche nicht einfacher. Gestern war in der Bahnhaltestelle Feueralarm, alle mussten raus, unter Sirenengeheul. Heute war auf der Strecke wo ich lang muss Signalstörung und ich habe dann aus lauter Verzweiflung ein Taxi genommen. Wunderschön, das ganze.

Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, hab ich gestern Abend meiner Chefin eine patzige Antwort auf eine behämmerte Mail geschrieben. Leider versehentlich mit Reply to all. Die Mail war (auch wenn es dafür gar keinen Grund gab, das zu tun) an so ungefähr alle im Haus geschickt worden. Tjanun, bin ich jetzt also die patzige Idiotin, die keine Mailprogramme bedienen kann. Cool.

Tag 3346 und 3347 – Es tut mir ja leid.

Ich bin im Inspektionstunnel. Inspizieren und dabei inspiziert werden ist nochmal anders seltsam und auch anstrengend, wobei es heute weniger schlimm war als gestern. Gestern musste ich dem französischen Inspektor Rede und Antwort stehen und zwar geschlagene drei Stunden lang. Das war wie ein Kreuzverhör. Danach war ich komplett Pudding, ganz haarscharf kurz vorm Meltdown und aggressiv wie ein angepisster Terrier. Dagegen war heute quasi Urlaub, da haben wir nämlich was gemacht, was ich kann, nämlich inspiziert. Gut, der französische Inspektor atmete mir dabei quasi die ganze Zeit in den Nacken, aber was will man machen.

Ich denke, es läuft schon so ganz ok. Das wird schon gehen. Irgendwie. Auch noch den Rest der Woche. Aber ich fühle jetzt wesentlich mehr mit den armen Opfern Objekten unserer Inspektionen.