Tag 3193-3195 – Platt.

Die Inspektion war wirklich nicht so schlimm wie befürchtet, trotzdem war ich danach einfach Pudding. Freitag genoss ich noch das Hoch des Abschlusses und das herrliche Wetter und ging noch zum Piercingstudio, mein eines Piercing wieder einsetzen lassen. Das ist es nicht wert, da blind rumzufummeln und am Ende ein knallrotes Ohr zu haben, beim Piercer dauert es 3 Sekunden und kostet mich 100 Kronen. Beziehungsweise jetzt nicht mehr, weil man bei dem Studio quasi die Garantie kaufen kann, die man bekommt, wenn man da etwas hat stechen lassen, und dann tauschen die es fortan ohne extra Kosten. Die Garantie lohnt sich für mich noch vor dem Sommer.

Nach dem Piercer ging ich im Vinmonopolet vorbei und kaufte eine Flasche Sekt, weil mir wirklich nach Feiern war. Leider schlief dann Michel spät und Herr Rabe früh und deshalb wurde Freitag kein Sekt getrunken.

Abends fraßen wieder beide Schlangen nicht. Greg sieht allerdings auch aus, als wäre hen in eine Puderdose gefallen, wird sich also wohl bald Häuten. Monty roch kurz an der dargebotenen Maus und verzog sich dann wieder. Der Züchter sagt, wahrscheinlich ist das Terrarium noch zu „offen“, das Internet sagt, Futter verweigern für 4-6 Wochen nach einem Umzug ist normal und 2-3 Monate überhaupt kein Problem, man soll Geduld haben. Ich habe das Internet zu diesem Thema inzwischen durchgelesen und -geguckt. Einfach warten und in der Wartezeit in Ruhe ein zweites Terrarium einrichten, weil das zusammen wohnen mit Greg wahrscheinlich nichts besser macht für Monty.

Samstag hatten die Kinder Korps-Meisterschaft, allerdings beide verschiedene, weil Pippi im Junior-Korps spielt und Michel im Hauptkorps. Herr Rabe fuhr morgens mit Michel hin, ich mit Pippi später mit dem Zug hinterher, wir trafen uns in Lillestrøm, tauschten die Kinder aus und ich fuhr mit Michel wieder zurück. Den Rest des Tages hing ich ziemlich durch und machte nicht viel, außer „Pørni“ zu Bingen. Das ist eine sehr herzerwärmende Serie aus Norwegen, die ich sehr empfehlen kann, falls sie mögen, wenn normale Menschen, die normal aussehen, normale Dinge erleben. Kein übermäßiges Drama, keine unaushaltbare Spannung. Einfach das nicht besonders wilde Leben einer alleinerziehenden Mutter von zwei Töchtern, Teenie und junge Erwachsene, plus dem da wohnenden Teenie-Neffen und was das alles so mit sich bringt.

Samstag Abend tranken Herr Rabe und ich dann aber den Sekt, darauf, dass die Firma so viel besser geworden ist, wozu ich sie kind of gezwungen habe, was sehr viel Arbeit war. Das war sehr schön, also vor allem mit Herrn Rabe mal wieder einfach zwei Stunden zu reden.

Natürlich hatte ich heute dann erst mal Kopfschmerzen, weil ich inzwischen nur noch alle Jubeljahre Alkohol trinke und auch vorher schon immer Glückssache war, mal hinterher keinen dicken Kopf zu bekommen. Das ist ätzend, und mit einer der Gründe, warum ich mir inzwischen meistens (as in: in 95 von 100 Fällen) auch das eine Bier oder das eine Glas Wein klemme. Der nette Abend mit Herrn Rabe auf dem Sofa war es trotzdem wert.

Nur mit mir los war auch den Rest des Tages nichts, auch nicht, als sich die Kopfschmerzen verzogen hatten. Ich möchte morgen eigentlich noch nicht wieder mit Menschen reden, jedenfalls nicht mit welchen, mit denen ich nicht verheiratet bin. Dieses Wochenende bin ich Herr Rabe wirklich sehr dankbar, dass er das Korpsmeisterschaftsdings übernommen hat und heute mit Pippi im Schwimmbad war. Nächstes Wochenende versuche ich wieder eine bessere Mutter zu sein. Heute musste es reichen, dass ich ein paar im Haus vorhandene, ungiftige Pflanzen (Grünlilien und Pilea) in reines Kokossubstrat umgetopft und dann ins Terrarium gestellt habe – damit es weniger „offen“ ist. Weil ich dann so gut dabei war, habe ich noch weitere Pflanzen umgetopft. Auch wie so ein normaler Mensch der normale Dinge erlebt.

Tag 3192 – Frau Rabe ordnet wieder Dinge.

Inspektion ist tatsächlich wesentlich weniger schlimm als sie beim selben Hersteller auch schon war. Wesentlich. Ich schreibe mir einen Teil davon selbst zu, weil ich in die echt viel Zeit und Geduld und Nerven gesteckt habe, damit die auf ein okayes Niveau kommen. Wider Erwarten haben sie dann aber tatsächlich von sich aus noch weiter Sachen verbessert und jetzt ist es echt ok, da zu sein. Was nicht okay ist, ist unsere (also des Werkes Direktoratets) IT. Gestern früh riskierte der Computer meiner Kollegin einen „versehentlichen“ Sturz aus dem 6. Stock, weil er sich weigerte, sich mit allen unseren Cloud-Systemen zu verbinden. Was schon doof ist, weil das Direktorat ja beschlossen hat, dass *Glitzer- und Konfettikanone vorstellen* Cloudbasierte Systeme und *mehr Glitzerkonfetti* Software as a service die totale Offenbarung sind. Oder wie ich sage: oha, die Direktion hat wieder neue Wörter gelernt, schnallt euch an, liebe Kinder. Jedenfalls ist alles was wir haben jetzt in der Cloud, in der einen oder anderen Form. Zugriff auf diese Daten ist also essentiell. Und den hatte meine Kollegin nicht. In der nächsten halben Stunde wurde ich Zeugin, wie meine Kollegin mit der IT-Hotline alle Phasen der Krisenbewältigung durchlebte. Nach einer viertel Stunde ging ich dem Hersteller Bescheid sagen, dass wir noch ein bisschen brauchen. Nach der halben Stunde hörte ich mich sagen: „Pass auf, das bringt nichts, fahr ins Büro und tausch den Computer aus. Ich sage im Büro Bescheid, dass du kommst. Und ich mache das hier schon.“, worauf meine Kollegin sehr dankbar ins Büro fuhr. Nervenzusammenbruch knapp abgewendet. Und ich schaukelte dann, nach einem Anruf bei meinem Lieblings-nicht-direkten-Kollegen, nämlich dem IT-Mann(TM) die Inspektion total souverän und seriös für die nächsten eineinhalb Stunden alleine. Ich weiß das, weil ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, mir selbst anerkennend nickend über die Schulter zu gucken. Spontane Begehung der Ventilationsanlage war in der Schaukelung inklusive, ohne irgendeine Form von geistiger oder tatsächlicher Vorbereitung. Ich sah mir dabei so zu und war imponiert darüber, dass ich nicht schreiend im Kreis gelaufen bin, sondern das Gegenteil passierte. Also, ja, ich bin nach solchen Tagen trotzdem so erschossen, dass ich abends einschlafe, sobald ich mich irgendwo hin setze, aber in der Situation selbst war ich total ruhig und fokussiert und habe das, für jemanden der keine Planänderung mag, sehr souverän gelöst.

Wahrscheinlich klingt das komisch, aber ich hätte einfach wirklich nicht gedacht, dass ich das so ruhig und versammelt hinbekomme, so total spontan.

Noch so was, nur konkreter: aus Gründen musste ich heute nicht nur Salat (mit Dressing) und warmes Mittagessen (mit Sauce) vom selben Teller essen, sondern es lag auch alles übereinander, damit auch ja alles nach allem schmeckt. Und ich habe das nahezu ohne Meckern gegessen (aus Hunger). Erst den Salat mit so wenig Buttersausce wie möglich, dann die Kartoffeln und den Fisch mit möglichst wenig, inzwischen lauwarmer, Vinaigrette.

Ich bin sehr zufrieden mit mir. Ok, ich muss mir noch was einfallen lassen, wie man „bitte mach nicht solche Schmatzgeräusche*“ in höflich formuliert. Aber sonst echt zufrieden.

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* vor allem nicht, wenn du gar nicht isst!

Tag 3188 – Frühlingsgefühle.

9 Grad und Sonnenschein, es ist der Hammer, da schwitze ich sogar fast schon auf meinem Spaziergang.

Mein Geigenlehrer hat mir „Albumstücke“ von Shostakovich gegeben, ich spiele „Elegie“ (Nummer 5) und „Frühlingswalzer“ (Nummer 6). Ich habe auch die Romanze in C angefangen (Nummer 8), die hebe ich mir noch ein bisschen auf. Die ist machbar, wenn ich sehr viel Zeit in die zwei Zeilen mit Doppelgriffen investiere. Aber mit 5 und 6 habe ich erst mal genug. So bis… nächste Woche, fürchte ich, irgendwie komme ich ein bisschen zu schnell voran, um lange was davon zu haben. Frühlingswalzer ist lustig, der Lehrer hat gesagt, ich soll das „ironisch übertreiben“, was ich versuche. Allerdings habe ich mich neulich mal gefilmt (bei einem anderen Stück) und bin jetzt um die Erkenntnis reicher, dass mein Gefühl von übertrieben emotional sich anhört wie von einer depressiven KI gespielt. Wie beim Tanzen auch fällt es mir schwer, Emotionen zu transportieren. Vielleicht hatte die Psychologin recht, mit ihrer Aussage, dass ich keine emotionelle Gestik und wenig emotionelle Mimik habe – auch wenn sich das innen drin in mir nicht so anfühlt. Keine Ahnung. Jedenfalls muss ich beim Walzer noch viel mehr übertreiben, bis es sich anhört, als würde Heidi über eine blühende Frühlingswiese hüpfen, vor einem Panorama aus schneebedeckten Bergwipfeln. Die Elegie ist da anders, die darf ruhig ein bisschen introvertiert sein. Aus Gründen liegt mir das mehr. Dafür ist die zwar auch im 3/4-Takt, soll sich aber KEINESFALLS walzerig anhören.

Nächste Woche bin ich möglicherweise in einem ganz tiefen Inspektionstunnel. Nur dass Sie Bescheid wissen.

Tag 3186 – Humtata.

Die Marschiersaison beginnt bald, especially kündigt sich schon an, in Form den Marschseminars, das die Kinder dieses Wochenende haben. Pippi wird Becken spielen und hat extra ganz kleine Becken bekommen, so in Untertassengröße, damit sie nicht am Abend des 17. Mai Arme bis zu den Fußgelenken hat. Michel fand das Marschseminar heute Morgen noch Folter, aber hinterher war es total gut und nur zu früh (12. ähm, naja.).

Herr Rabe war den ganzen Tag unterwegs und ich hatte dann auch nur mäßig Lust zu kochen, weshalb ich den Kindern freistellte, ob wir was zu Essen holen sollen, zum Beispiel bei der goldenen Möwe (Kinder: Jaaaaa!) oder Sushi (Kinder! JAAAA! SUSHI! SUSHI!). Also gab es Sushi. Pippi isst eigentlich nur Lachs-Nigiri, und bekam dann auch nur solche, Michel isst fast alles an Sushi, nur keine Tempurashrimps-Rollen, weil die „crunchy und weich gleichzeitig sind“ und das mag er nicht. Ich bekam also ein paar Maki von ihm ab. Dafür trat Pippi ein paar ihrer Nigiris an Michel ab. Im Endeffekt hat er mehr als eine ganze Portion „Großes Sushi 3a“ gegessen, während ich mit „Mittleres Sushi 2a“ und Michels zwei Tempura-Maki schon kurz vorm Platzen war. Wenn Michel immer so essen würde, hätte ich mindestens 50% weniger Sorgen. Aber ich will wirklich nicht meckern, wenn er jetzt heute mal problemlos isst und sagt: das war sehr lecker, danke Mama!

(Wenn wir jetzt dauernd Sushi essen würden, würde er das plötzlich nicht mehr mögen, wetten?)

Tag 3185 – Nope again.

Greg hat sich heute seine Maus ohne mit der nicht vorhandenen Wimper zu zucken einverleibt. Monty hingegen… Nein. Erst saß hen ewig lange in der Ecke oben und kam nicht raus, auch nicht, nachdem ich Mäuseduft im Terrarium verteilt hatte. Irgendwann kam Monty dann aber doch runter, ich hielt hen die Maus vor die Nase, Monty drehte um und kroch wieder in das Loch. Das Spiel spielten wir drei mal, dann hatte ich die Schnauze voll. Morgen schreibe ich mal dem Züchter, ob ich irgendwas besser machen kann oder ob Monty einfach ein kleines Angsthäschen ist, das noch mehr Zeit zum Ankommen braucht.

Michel kam heute aus der Schule, recht aufgebracht, aber nicht so schlimm wie auch schon. Die Lehrerin ist dieses Mal eventuell ein bisschen sehr weit gegangen und die Kinder haben sich zu 8. spontan bei der Rektorin (bzw. ihrer Vertretung) beschwert. Weil es selbstwirksame, große Kinder sind, die wissen: wenn ein*e Erwachsene*r sich daneben benimmt, muss man das nicht einfach hinnehmen. Die 8 waren übrigens alle nur Zeug*innen, wie ein Klassenkamerat schlecht behandelt wurde. Und ich bin auch sehr froh, dass Michel total entsetzt darüber ist, dass die Lehrerin behauptet, ihre eigene Tochter nicht zu trösten, wenn sie sich weh tut. Irgendwelche von den guten Absichten, die wir mit den Kindern haben, sind wohl doch angekommen, auch wenn Michel das nicht so oft so deutlich zeigt. Pippi ist da anders, die hat mich auch neulich, als ich aus Gründen, auf die ich nicht eingehen möchte, auf dem Klo geheult habe, getröstet. Ich hab ihr gesagt, dass sie das nicht muss, aber sie meinte „wenn ich traurig bin, tröstest du mich auch“. Pippi hat mich auch im Hochseilgarten angefeuert. Sie ist vielleicht einfach eher Macherin, wenn es um soziale Dinge geht.

Das Auto war beim Service. Das war alles sehr aufregend, weil sie vergessen hatten, dass ich einen Mietwagen haben möchte. Dadurch musste ich ziemlich lange warten, ohne Kopfhörer in der irre lauten Wartezone und kam am Ende in Zeitstress. Dadurch hatte ich null Zeit, mich mit dem Mietwagen auseinanderzusetzten, der obendrein komplett zugeschneit war und natürlich nur so Mini-Eiskratzer, die es für 1€ gibt. Mein Schock: der versprochene Nissan Leaf war ein Quashkai geworden. Mit so einem Ding mit vielen Zahlen! Und zu vielen Pedalen.

Naja. Ich kam bis zum ersten Kreisverkehr. Und es hilft einer Frau, die im Kreisverkehr das Auto abgewürgt hat und die offensichtlich Probleme hat, das Auto wieder in Bewegung zu bringen, gar nicht weiter, wenn man hupend und unflätig herumgestikulierend an ihr vorbei fährt. So gar nicht. Eher im Gegenteil.

(Im ersten statt im dritten Gang anfahren. Das hilft enorm.)

Tag 3182 und 3183 – Nope.

Körper tut überall weh, gestern Ballett, heute Bouldern (die Kinder haben jetzt beide Mittwochs Kletterkurs, irgendwas muss eine ja tun, wenn sie da schon zwei Stunden in der Hanne abhängen muss). Immer noch an Erkältung sterbend, die tötet mich aber so langsam, dass ich Ballett und sowas alles noch machen kann, es ist nur die Nase, die betroffen ist. Die dafür nervend. Gestern Abend herrschte mich Michel an, als ich ihn ins Bett bringen wollte: „Lass das!“ Es war meine Nebenhöhle, die wegen irgendwelcher Druckausgleichsgeschichten knackte. Nichts, was ich irgendwie bewusst steuern und sein lassen könnte.

Bei der Arbeit sehr viel nein gesagt. Verstehe aber tatsächlich nicht, dass meine Chefin, nachdem ich zu zwei Sachen wegen keine Zeit Nein gesagt habe, trotzdem noch mit der dritten und vierten Sache ankommt. Da fühle ich mich nicht sonderlich ernst genommen. Speziell finde ich auch, dass sie mich, nachdem ich meine Teilnahme an einem (Entschuldigung, aber Bullshit-)Ganztagsmeeting abgesagt habe, fragt, warum ich das mache. Weil ich da im Ausland bin, auf einer Inspektion, das steht seit vor Weihnachten in meinem Kalender. Der für alle zugänglich ist. Gestern habe ich auch einmal sehr laut und sehr deutlich gesagt, dass mein Nein nicht an mangelnden Interesse liegt, sondern daran, dass meine Arbeitszeit bis Ende September in weiten Teilen komplett verplant ist. Es ist für mich ein erstaunlich großer Stressfaktor, wenn ich ständig „geht nicht“ zu allem sagen muss, und dann auch noch erklären muss, warum es nicht geht, VOR ALLEM wenn ich das Leuten wiederholt erklären muss und VOR ALLEM wenn ich das meiner personalverantwortlichen Chefin erklären muss, immer wieder, ohne dass sie es irgendwie zu verstehen scheint. Der Frau, deren Job es ist, meine Arbeitsbelastung zu kennen.

Was ich außerdem heute für die Zukunft gecancelt habe, ist, meine Reiseabrechnungen zu „attestieren“. Ich muss da in so einem furchtbaren System eigentlich nur bestätigen, dass ich eine Reise bestellt und/oder getan habe, dass ich in einem Hotel gewohnt und mit einem Flugzeug geflogen bin, etc. In der Praxis muss ich aber drölfzig Buchhaltungsaufgaben machen, zum Beispiel das Frühstück vom Hotel aus der Hotelrechnung extrahieren und dann für die einzelnen Posten die richtigen Steuercodes angeben (ungleich Steuersätze, das wäre ja einfach, aber wir haben zum Beispiel 2 Codes für „12% Umsatzsteuer“, und es ist sehr wichtig den richtigen zu nehmen, aber es ist nicht ersichtlich und auch nicht logisch, welchen man nehmen muss. Zu bedenken außerdem: wir sind jetzt ein Papierfreies Büro mit Clean desk und free seating und können nicht mehr wie früher Listen mit Kostenstellen und Projektnummern und effing Steuercodes am Arbeitsplatz an die Pinnwand pinnen. Die Pinnwand ist noch da, die ist nur leer. Leere, graue Cubicles, was könnte es schöneres geben?). Und ich scheitere daran JE.DES. MAL. Jede einzelne meiner Attestierungen kommt zurück, weil ich irgendwas falsch gemacht habe. Literally jede und manche mehrmals. Ich gebe mir wirklich Mühe und mache trotzdem immer irgendwas falsch, und statt dass unsere Buchhaltung das alles so fertig macht, dass ich nur noch auf „bestätigen“ drücken muss, schreibt sie mir so Sachen wie „der Betrag ist falsch“ oder „falscher Steuercode, Hotelfrühstück ist 00“ (es ist nicht 00, weil es 0% Steuern sind. Es sind 25% Steuern. Code 7 ist auch 25% Steuern, aber scheinbar ein anderer) und dann darf ich wieder 5-10 Minuten mit steigendem Puls versuchen, ob ich es dieses Mal schaffe. Heute kam eine Rechnung zurück, bei der ein Betrag falsch war, den ich gestern aber nicht ändern konnte. Ich habe es extra meiner Kollegin gezeigt, und gefragt, ob ich irgendwie zu doof bin, diesen Betrag zu ändern. Heute kam es also wegen was zurück, das sich gestern technisch nicht lösen ließ und dann löste ich das total erwachsen und schrieb meiner Chefin, der ich auch schon vor 4 Wochen geschrieben hatte, dass ich mich von unserer Buchhaltung wegen diesem Rotz langsam gemobbt fühle und dass man Ressourcen sicher sinnvoller einsetzen kann als so, dass ich jetzt aufgebe. Ich mache das nicht mehr. Fertig. Ich kann ihnen gerne in anderer Form bestätigen, dass ich das war, die eine Reise gebucht hat. Aber nicht in diesem System, und definitiv nicht nachdem ich erst mal einen Haufen anderer, zum Teil technisch nicht möglicher Dinge machen muss. Einfach nein. Morgen richte ich mir ne Outlook-Regel ein, dass alles schön gesammelt und als gelesen markiert wird, und Ende. Und nein, ich will auch nicht noch ne Schulung in dem System, ich will, dass alle im Haus ihre Arbeit tun, die Buchhaltung ihre und ich meine. Ende.

Tag 3181 – Kommunikation bitte nur schriftlich.

Es ist ja so: ich kann nicht gut lügen. Eigentlich gar nicht. Bei bewussten Lügen haben ich das Gefühl, mir würde ein großer roter Pfeil über dem Kopf blinken, mit dem Wort LÜGE! dran, wie in einem Comic. Anschließend verfolgt mich das auch ca. für immer, dass ich das eine mal, da, da habe ich nicht die Wahrheit gesagt, Schande über mich, bestimmt fliegt es auch morgen auf und alle hassen mich. Ungefähr so. Was ich kann, ist sehr trockene, lustige Bemerkungen machen, mit vollkommen neutralem Gesichtsausdruck, wo mir die Ironie/der Sarkasmus völlig klar ist, aber andere nehmen das zum Teil doch überraschend ernst (meine Chefin zum Beispiel). Da ist mir aber völlig egal, ehrlich gesagt, meinen Humor werde ich sicher nicht ändern. Meine Umwelt kann sich damit trösten, dass ich keine richtigen Witze erzähle, seit ich aus dem Fritzchen-Witz-Alter raus bin. Das kann ich nämlich wiederum gar nicht, weder kann ich mir Witze merken, noch sie gekonnt rüber bringen. Super schlechte Wortwitze gehen manchmal. Welche von der Sorte, wo in der WG des besten Freundes damals eine Wortwitzkasse für stand.

Was ich aber eigentlich sagen wollte: Aprilscherze und ähnlich gelagerte Puns gehen auch kaum in Persona. Ich möchte dabei auf den Füßen trippeln und gnihihi machend meine Hände reiben, weshalb das sofort auffliegen würde. Das Veräppelungs-Äquivalent zum blinkenden roten Pfeil. Aber schriftlich geht ganz gut, da sieht ja keiner das Gnihihi, das ich dafür auch so ganz in echt hier zu Hause machen kann. So habe ich heute dem Lieblingskollegen weis gemacht, dass ich mich total aufs Büro morgen freue und vorhabe, da jetzt öfter hin zu fahren, weil ja nicht das Büroklima darunter leiden soll, dass ich Inspektionen und Kurse und Gedöns habe. Und er hat es tatsächlich geglaubt, und gedacht, ich sei übergeschnappt. Gnihihi.

Ansonsten heute strahlender Sonnenschein, ich war ohne Mütze, Schal und Handschuhe draußen spazieren, das erste Mal seit mindestens Oktober, und es war warm genug. Hurra, hurra, 8 Grad plus! Kein Aprilscherz, sondern reine, ehrliche Freude.