Tag 3143 – Normaler.

Wir sind wieder zu Hause. Auch die Rückreise war recht friedlich und entspannt. Nur bin ich sehr überreizt, von den letzten Tagen und auch von der Reise (Gatwick ist ein furchtbarer Flughafen für Menschen mit sensorischen Issues und keinen Löffeln mehr), mein Körper reagiert schon mit Ohrenklingeln und 50 Shades of Kopfschmerzen und ich gehe jetzt besser schlafen.

Gute Nachrichten:

  • Michel ist auch gleich viel ausgeglichener. Dessen Sozialverträglichkeit verhält sich umgekehrt proportional zur Anzahl Menschen, mit denen er gleichzeitig sozialisieren soll. Komisch, kenne ich gaaar nicht…
  • Alle unsere Heizungen (sofern eingestöpselt) sind jetzt echt fernsteuerbar, also auch von England aus. Dann kann man schon mal das Haus warm machen bevor man nach Hause kommt, Hurra!
  • Alles für die Schlangen ist da und morgen können wir basteln. Vielleicht, ganz vielleicht, schreibe ich dann einen Artikel für Dummies, wie so Terrarien-Thermostate und -Heizquellen funktionieren. Das steht nämlich irgendwie nirgends und deshalb war ich sehr gespannt, ob, und wie, das nun alles zusammenpassen würde. Es ist total simpel, wenn man die Teile erst mal in der Hand hat, aber es wär echt Mega, wenn man das vorher schon wüsste, dass das gehen wird und wie. Das könnten auch die Anbieter von Terrarien-Thermostaten voll gut als „Werbung“ benutzen, es wirkt nämlich jetzt ein bisschen so, als wollten sie nicht unbedingt was verkaufen.
  • Ich hab meine Geige wieder <3

Tag 3140 und 3141 (aber echt nur ganz kurz) – Krass!

Super kurzer Abriss der letzten zwei Tage: gestern sind wir alle nach Brighton gereist. Das klappt inzwischen mit den großen Kindern echt gut. Heute waren wir dann bei so richtig englischem Wetter (Wind und Regen aus allen Richtungen) in Brighton unterwegs. Man kann auch drei mal am Tag Haare föhnen. Die armen Haare, aber in meinem Fall sind die ja kurz und müssen eh dringend wieder noch kürzer. Abends waren wir dann bei der Antrittsvorlesung der Schwägerin, schlappe 5 Jahre, nachdem sie einen Lehrstuhl bekommen hat, fand die nämlich endlich mal statt. Mir war bisher nicht so ganz in allen Ausmaßen klar, wie krass meine Schwägerin in ihrem Feld ist, aber jetzt weiß ich es etwas besser und… hui. Nach der Vorlesung gab es noch eine Feier in einem indonesischen Restaurant (indonesisches Essen ist das beste Essen PUNKT ENDE DER DISKUSSION). Vier von vier Norwegen-Raben sind jetzt müde, und mindestens drei von vier Norwegen-Raben sind auch zu 1000% überreizt. Ich glaube die Vorlesung war ein Erfolg und die Feier auch, ich hoffe nur (für meine Schwägerin), dass andere etwas länger durchgehalten haben.

Tag 3139 – Aua.

Es sind ja Winterferien, deshalb ist diese Woche kein Ballett – eigentlich. Es gab eine Sonderstunde. Jetzt tut mir alles weh, was nicht vorher schon weh tat. Mein Knie habe ich nämlich heute Morgen so gegen den Türrahmen gezimmert, dass ich erwartet hatte, es sei grün und blau. Zu sehen ist aber nichts, ob das beruhigend ist, weiß ich noch nicht. Es tut immer noch dumpf weh, aber Ballett ging ja auch. Ich habe auch wieder Probleme mit der Schulter und dem rechten Daumen, aber mir noch mal anzuhören „da ist nichts“ ist mir im Moment noch zu doof.

Lustige Sache: beim Tanzen war heute eine, die mal meine Lehrerin war, in Trondheim beim Studi-Ballett. So ganz zu Anfang der Blog-Zeiten könnte ich mal darüber geschrieben haben. Eine sehr kleine Lateinamerikanerin. Erkannt hat sie mich glaube ich nicht, aber das ist auch gar nicht schlimm, finde ich, besser als awkward Konversation betreiben.

Tag 3138 – Huch!

So spät schon. Muss dringend schlafen. Kann aber vermelden: an Schlangenausrüstung ist bis auf Styropor für unten drunter alles bestellt. Styropor gibt’s im Baumarkt für sagenhafte 42 Kronen die Platte, das besorge ich morgen (oder Dienstag). Ich weiß seit heute, dass Styropor und Schaumstoff auch als Baumaterialien dienen, um Fundamente zu isolieren, ey und wir müssen mit an Milchpackungen festgemachten Deckeln leben damit ja kein Plastik in die Natur gerät. Also, ich verstehe es ja, also das mit den Deckeln, und eine Schildkröte im Meet wird wohl eher nicht versehentlich das Fundament eines Hauses fressen, aber diese Fundamentreste sind dann einfach auch noch sehr lange da, nachdem sich der Rest des Hauses in Wohlgefallen aufgelöst hat. Mir war das bisher wirklich nicht klar, ich wusste nur, dass Beton umwelttechnisch nicht so der Knüller ist. Nicht, dass unter einigen Häusern (keine Ahnung, wie verbreitet das tatsächlich ist) 30 cm Plastik eingegossen sind.

Tag 3137 – So süß!

Michel und ich haben heute einen Ausflug gemacht. Eine Stunde übers Land, durch eine glitzernde Landschaft. Gestern und in der Nacht auf heute hat es geregnet, dann wieder gefroren und alles war in einer dicken, komplett klaren Eiskruste eingeschlossen. Heute schien dann aber die Sonne und hier sah es wirklich aus, als würden überall Diamanten in den Bäumen hängen. Auf dem Rückweg war ganz anderes Wetter, nämlich dichter Bodennebel, etwa zwei Meter hoch in den Senken. Wir wohnen hier ja in einer Hügellandschaft und jedes Mal wenn man über eine Kuppe gefahren war, war es, als würde man in die Nebelsuppe eintauchen. Wir wohnen ja auch in einer Landschaft, wo durchaus mal ein Elch über die Straße spaziert, also kroch ich da, wo Nebelsuppe war, im Schneckentempo lang.

Zwischen Glitzerdiamanten und Gruselnebel schauten wir uns jede Menge Danger Noodles an. Große, kleine, ganz große, genervte, neugierige, ängstliche, gechillte. In allen möglichen Farben. Aber, total angenehm, in einem dunklen Raum, nur von Terrarien beleuchtet. Ok, es war auch sehr warm da. Und feucht. Eigentlich ein einziges großes Terrarium. Michel war erst schüchtern, dann aber irgendwann voll dabei. Ich tat derweil cool und nicht so, als würde ich am liebsten gleich alle mitnehmen. Aber ich habe alle meine Fragen stellen können (langweilige Fragen, wie „welchen Tierarzt hast du?“ und „was macht man im Urlaub?“) und gute Antworten bekommen. Hinterher habe ich dann geguckt, wo man Futter herbekommt und wieder cool getan, diesmal aber als würde ich total abgebrüht 10 tief gefrorene Rattenbabies á 30 g bestellen. Huffja, naja, Natur und so, ne?

Montag mache ich dann nen Termin, meine Tetanus-Impfung auffrischen lassen. Die letzte müsste ich vor ca. 11,5 Jahren bekommen haben, als der Kinderarzt uns mit Michel-Säugling zusammen die TDPP-Impfung verpasste, in erster Linie wegen Keuchhusten. Und FALLS einen eine nicht giftige Schlange beißt, wäre Tetanus eine mögliche (nicht wahrscheinliche) Folge. Also lieber auffrischen lassen.

Tag 3136 – Wenn alles falsch ist.

Also erstmal ein kleiner Nachtrag zum Tabletten kauen: aufgrund eines technischen Problems konnte Kommentatorin Anja ihren Kommentar nicht veröffentlichen. Ich finde aber dass das ein guter Tipp ist:

„Was tatsächlich zu einer schnelleren Wirkung beiträgt, ist sich auf die rechte Seite zu legen. Dann rutscht die Tablette schneller in den Darm. Ist nur leider nicht immer und überall möglich…“

Klar geht das nicht immer. Aber ich liege sonst automatisch auf der linken Seite, wenn ich mich hinlege, vielleicht sollte ich die rechte mal ausprobieren.

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Bei der Arbeit waren heute die zwischenmenschlichen Dinge eher schwierig. Zu Hause auch. Michel wollte in einem Computerprogramm („Blender“) etwas machen, aber OHNE sich irgendwelche Anleitungen oder Tutorials anzugucken und das funktionierte nicht. Die Frustration führte zur unweigerlichen Explosion und dann ist erst mal alles komplett falsch. Helfen ist falsch, nicht helfen ist falsch, nicht helfen können ist total falsch und nach Lösungen googeln ist ebenfalls total falsch. Egal was man macht, die Explosion geht immer weiter, wie eine unerschöpfliche Feuerwerksbatterie, aber ohne bunt und Glitzer, nur mit Chinaböllern aus Tschechien. Das ist wirklich gar nicht mal so schön. Irgendwann, als der Zorn an einer Box Taschentücher ausgelassen und verraucht und die Tränen getrocknet waren, hat er sich entschuldigt, aber in der Situation kommt er selbst überhaupt nicht da raus, wie eine hängen gebliebene Schallplatte, nur in wütend. Ich hab da keine gute Lösung, er auch nicht. Aushalten I guess it is. Ich habe diese Sorte Ausraster ja auch nur noch sehr selten, also so innerhalb der nächsten 25 Jahre wird er das wohl lernen. Galgenhumor hilft.

(Bevor wieder Kommentare kommen: er tut mir in erster Linie total leid, so große und schwierige Emotionen haben und nicht hantieren können ist ja vor allem für ihn schlimm. Aber ich kann leider auch nicht so viel machen. Das war einfacher, als „auf den Arm“ noch gegen alles half.

Und um anderen Kommentaren vorzugreifen: das Wort weirdo benutze ich nicht als Beleidigung, im Gegenteil. Ich möchte das Reclaimen, als Umschreibung für neurodiverse Menschen. Ich bin meistens sehr zufrieden damit, ein weirdo zu sein. Natürlich ist nicht alles daran rosig, so wie Situationen wie die oben beschriebene. Aber so im Großen und Ganzen ist es halt einfach nur anders.)

Tag 3135 – Nope.

Hier ist heute nicht viel passiert. Michel und ich haben die Schlangenanschaffung besprochen und Produkte rausgesucht und geschaut, was das alles kostet. Erstmal gar nicht so viel, das teuerste ist ein Thermostat. Schlangi wird erst mal in einer Plastikbox wohnen, solange Schlangi noch klein ist. Das reicht, und ist für Schlangi sogar besser als ein (zu großes) Terrarium. Jetzt sind wir vorbereitet und kaufen NICHT sofort alles, sondern fahren am Wochenende erst mal zu dem netten Züchter und lassen uns alles zeigen und empfehlen.

Ansonsten habe ich heute auf eine Ibuprofentablette gebissen, mit Absicht, weil meine eine Kollegin (Pharmazeutin) mir erzählt hat, dass sie das macht, wenn sie schneller mehr Wirkung haben will. Ich kann jetzt sagen: machen Sie das nicht. Das ist widerlich, das Tablettengranulat klebt sich ewig in die Kaugruben der Backenzähne, es schmeckt bitter-scharf und ist glaube ich auch sehr stark sauer, jedenfalls war hinterher die Seite meines Mundes auf der ich gekaut hatte wie leicht betäubt und dann gereizt, wie wenn man ein bisschen zu heißes Zeug gegessen hat. Die Wirkung war tatsächlich etwas schneller da aber gefühlt auch schneller wieder weg. Vielleicht lag die schnellere Wirkung aber auch daran, dass ich mit ungefähr einem halben Liter Wasser nachspülen musste, um das zerkaute Zeug runter zu kriegen. Viel trinken hilft ja gegen so ungefähr alles (außer Harndrang). Ich weiß jetzt also: meine Kollegin ist sehr viel härter als ich und Ibuprofentabletten kauen ist es nicht wert. (Kauen Sie außerdem NIE Paracetamol, sagt die Kollegin. Extrem bitter und eklig. Und wenn die Kollegin das schon sagt…)

Tag 3134 – Bett.

Heute ist es es etwas besser, die Medikamente wirken, danke Pharmaindustrie. Jeden Monat halt, und wenn ich nicht rechtzeitig dran denke… tja.

Außerdem heute einen harten Fall von „Medizinisch geschulte Personen machen per Definition nie etwas falsch“ gehabt, hart mit den Augen gerollt und den Vertrag mit der Privatklinik gekündigt. So oft gehe ich da eh nicht hin, dass es sich lohnen würde, und maßlose Arroganz kann ich auch billiger haben.

Jetzt müde. Eigentlich schon den ganzen Tag, weil schlecht geschlafen.

Tag 3133 – Schlecht.

Ich bin heute der allerschlechteste Mensch der Welt. Ich könnte Ihnen jetzt auch noch mal alles aufzählen, was ich alles nicht kann, was an mir scheiße ist und was heute darüber hinaus noch kacke gelaufen ist, aber das habe ich bereits beim Mann getan und den hat es auch schon eher so mäßig interessiert bzw. hat er sich drüber lustig gemacht bzw. weiß er wahrscheinlich auch nicht, was er machen soll außer doofe Witze (nachdem ich das Coachinggesicht schon outgecallt hatte).

Aber hey, immerhin kann ich Noten lesen (nicht mal gut) und vom Blatt spielen (gut). Das ist mehr als manche Leute, die mit Musikunterricht Geld verdienen! Ich kann sogar ein Instrument stimmen ohne professionelles Tuning-Gerät, zur Not sogar ohne irgendein fucking Gerät und nur mit einer Stimmgabel oder einem Referenzton. Eigentlich bin ich kurz vor musikalisches Wunderkind, denn all das habe ich gelernt, bevor ich 12 war. Noten lesen noch wesentlich früher. Es ist quasi nicht zu glauben.

Oh toll, grad höre ich, dass auch Michel nicht schläft. Dann kommt der ja morgen sicher spitzenmäßig aus dem Bett. Was auch wieder meine Schuld ist, weil ich um 22:30 dann doch mal Feierabend haben wollte und sein Zimmer verlassen habe, bevor er schlief. Kann man halt nicht machen. Volle Aufopferung oder man ist halt nicht gut genug, weil man nicht dafür sorgt, dass das Kind genug Schlaf bekommt. Das habe ich mir ja so ausgesucht. Wahrscheinlich hatte ich einfach noch ein unerfülltes Bedürfnis danach, mal so richtig zu verkacken, das kann man mit kleinen Menschen sehr gut und vor allem nachhaltig, wenn man das richtig anstellt, haben gleich mehrere Generationen was davon!

Ich mache jetzt hier aus, das ist ja nicht auszuhalten.