… Schnee werden heute Nacht erwartet. Das ist viel, selbst für hier, und weil -10 Grad sind, bleibt das auch alles liegen. Keine Ahnung, ob, wie und wann wir es morgen zur Arbeit schaffen, aber wir werden es versuchen. Vorsichtshalber haben wir ein Auto schon unten an der Straße geparkt, außerdem sind schon wieder Teile der Kabel ausgefallen und ich hab mich offen gestanden auch nicht getraut, hoch zu fahren. Ich muss dann aber dran denken, Spikes für die Schuhe mitzunehmen, sonst ist es etwas Risikosport, den Weg hoch zu gehen.
Heute der Tag war so lala. Ich habe gearbeitet und dann hatte ich irgendwann am späten Nachmittag derbe Kopfschmerzen und war wie ausgeknockt müde und musste erst mal ne Stunde Nickerchen machen. Offenbar bin ich nichts mehr gewohnt. Danach war ich weinerlich und frustriert und generell nicht mein bestes ich. (Und nein, es ist mal ausnahmsweise nicht der Zyklus.)
Herr Rabe hat die letzten zwei Tage ausgesprochen lecker gekocht, gestern Rosenkohlpfanne und heute Schmorkohl. Beides mit Kartoffeln. Das sind alles noch Weihnachtsreste (Kohl hält sich ja). Wir fühlen uns sehr westfälisch. Sogar die Kartoffelsorte ist ganz in Ordnung und hat einigermaßen Geschmack. Cerisa heißt die. Wenn es nicht verboten wäre, würde ich Kartoffeln aus der Heimat importieren und selber anbauen. So westfälisch bin ich! Und so fad sind die norwegischen Kartoffeln.
Donnerstag und gestern habe ich noch unvernünftig viel gearbeitet, damit wenigstens die meisten großen Klötze von meinem Schreibtisch sind, wenn ich Urlaub nehme. Was ich jetzt habe.
Gestern habe ich außerdem eine Geigenstunde gehabt (die war gut), mir endlich die Haare schneiden lassen (sehr gut!) und war beim Geigenbauer, Saiten kaufen. Scheiße, sind Saiten teuer. Aber ich habe ja auch gerne ein komplettes Set auf Halde liegen, weil Saiten meistens sehr plötzlich reißen.
Auf dem Rückweg von Oslo ging es mir plötzlich gar nicht gut, irgendwas hatte ich nicht vertragen oder es war nicht mehr gut oder so, aber es wollte bitte schnell raus und machte vorher auf dem Weg durchs System große Schmerzen, sodass ich mit Schweißausbrüchen im Zug saß und erst mal meinen Gürtel lockerte, damit alles wenigstens so frei wie möglich passieren konnte. Ich schaffte es nach Hause, war aber den Rest des Tages nur auf verschiedenen Sofas. Heute nach dem Frühstück war erst mal alles raus, glaube ich, da ging es mir schon viel besser.
Heute war ich mit Pippi in Oslo, erst Sachen einkaufen und dann beim Weihnachtskonzert des Lieblingskollegen. Das war sehr schön (beides).
Jetzt allerdings habe ich ziemlich Laune. Hat möglicherweise interne, aber möglicherweise auch externe Gründe. Jedenfalls… ARRRRGGGGHHH!
Der (Arbeits-)Tag bekam einen so harten Dämpfer ganz am Schluss, dass ich immer noch total wütend bin deshalb, es ist ganz irrational, weiß ich auch, aber… AAAARRRRGGGHHH!
Danach wäre ich echt gerne noch zum Friseur gegangen, aber das hat auch nicht geklappt wegen Zeitdruck. Immerhin konnte ich mit Michel zu seinem Trompetenunterricht gehen, letztes Mal in diesem Jahr, und er hat das super gemacht. Stolze Mama.
Selbst wenn ich jetzt sofort einschlafe, klingelt in fünf Stunden der Wecker. Ich bin aber schrecklich aufgekratzt und kann gar nicht schlafen. Wir arbeiten zu viel und zu lange und zu Hause bei der Arbeit ist auch irgendwas im Gange. Ansonsten essen wir. Es ist sehr viel und zum überwiegenden Teil auch ausgesprochen gutes Essen, aber jetzt haben wir heute schon zum zweiten Mal das Abendessen einfach ausfallen lassen, weil einfach gar nichts mehr rein geht. Dagegen könnte man, selbst wenn man dafür Zeit hätte, gar nicht an-trainieren.
Also ja. Alles eigentlich gut, nur viel und so langsam auch so überreizt, dass ich zu Hause gern eine Woche ins Schweigekloster gehen würde. Wenn man da Geige spielen dürfte jedenfalls.
P.S.: kein Sonnenbrand! Nicht mal ein bisschen! Sonnencreme plus Sonnenkleidung hat es rausgerissen.
Furchtbar langweilig tatsächlich. Aber auch sehr gut. Lauter Routinen. Arbeit/Arbeit/Schule/Schule. Danach fahren wir in einem überfüllten Zug nach Hause, Einkaufen, Essen machen, einer fährt mit Michel zum Trompetenunterricht (er ist seit einem halben Jahr doch umgestiegen, er wollte ja ursprünglich für immer beim Kornett bleiben). Ich habe Streichorchester, von dem ich hier noch nie was erzählt habe, glaube ich. Quasi ein Geheimnis. Es ist auch nix dolles, aber macht Spaß. Und ich lerne was. Danach mache ich noch Sport, Herr Rabe bringt Pippi ins Bett, Michel geht selbständig ins Bett, ich dusche und dödele dann noch ein bisschen rum und jetzt ist Schlafenszeit. Morgen Büro und dann Geigenstunde – Schauen, was ich in einer Woche mit der Rode Etüde habe ausrichten können. Und einen Blick auf Eine kleine Nachtmusik 4. Satz werfen, die ganzen Verzierungen bringen mich sehr stark ins Schwitzen.
Wir hatten „Abteilungstag“, vielleicht ist das einer der Tage im Halbjahr, den ich am meisten hasse. Das ist den ganzen Tag bei der Arbeit aufeinander hocken für „fachlichen Input“ (der irgendwie für 23 Leute mit komplett unterschiedlichen Aufgaben passen soll, also meist nur an der Oberfläche rumkratzt und keinen wirklich weiter bringt) und dann noch „was schönes“ miteinander machen. Also essen gehen. Um vier. Wie so Rentner.
Aber – es war (nach dem wirklich stellenweise quälend ätzenden Arbeitsteil) sehr nett und vor allem lecker beim Essen und weil danach ja noch sehr viel vom Abend übrig war, waren wir noch mit einigen in der Bar oben auf dem Munch-Museum und das war auch schön. (Anmerkung: das ist eine sensorisch angenehme Bar. Dunkel und nicht laut. Und man kann rausgucken und hat super Aussicht über Oslo.) Wir sind sogar fast ein bisschen versackt! Uiuiui.
Das Essen war Libanesisch, genauer große Meze-Platten zum Teilen für alle. Das war wirklich sehr sehr lecker. Falafel kriegt man hier äußerst selten in der Qualität, so gute habe ich zuletzt in Berlin gegessen.
Jetzt bin ich aber auch echt geschafft von dem Tag, meine Güte, war der lang. Und so viele Leute.
Gestern war Nix. Nur Büro. Naja, und unsere Chefin wird nicht weg befördert. Das kam auch gestern offiziell raus (ich wusste das schon länger, weil ich Hobbydetektivin bin). Die Chefin ist darüber, das wurde heute sehr deutlich absolut nicht amused. Der Direktor hat sich aber auch denkbar ungeschickt ausgedrückt. Anyway, sie bleibt uns erhalten.
Heute hatte ich quasi den ganzen Tag Meetings mit dem Lieblingskollegen, um die Indien-Inspektion vorzubereiten. Dazu hatte ich (unter anderem, man kriegt ja bei uns nicht für nen ganzen Tag nen Raum, wenn man den nicht ein Jahr im Voraus bucht) den größten Meetingraum, den wir haben, gebucht, damit wir auch die größte Leinwand haben, denn manche Dinge muss man in WIRKLICH, WIRKLICH groß sehen, um sie… naja auch dann nicht so richtig zu verstehen. Diese Firma hat irgendwie eine ganz eigene Logik, die sich uns nicht erschließt. Aber das ist nur eine Nebengeschichte, denn wir haben heute auch Abschied von eben diesem Meetingraum genommen. Ab morgen ist das ein „Nationaler Bereitschaftsraum“, abhörsicher, diesdastralala und dann eben auch Zugangskontrolliert. Normalsterbliche wie wir kommen dann da einfach nicht mehr rein. Warum man, in einem Haus, in dem ständiger Meetingraummangel herrscht, einen von zwei großen Meetingräumen für den weit überwiegenden Teil der Belegschaft sperrt, weiß der Geier. Ich habe mich beschwert, mehr kann ich auch nicht machen.
Abends beim Ballett war „Freunde-Woche“, man konnte eine*n Freund*in mitbringen und die konnten dann mitmachen. Ich habe keine Freund*innen… äh… mitgebracht, ähäm, aber andere hatten das und da waren heute vier sehr tapfere Damen, die durch eine komplette Ballettstunde mit nur minimalen Modifikationen geschleift wurden. Teilweise taten sie mir ein bisschen leid, wer muss schon in der ersten Ballettstunde seines Lebens direkt Pirouetten drehen (aus der fünften!!!), aber sie haben sich wacker geschlagen, hatten Humor dabei und keuchten nur gelegentlich. Applaus an die Truppe, Respekt, echt.
Heute hat es auch das erste Mal in diesem Winter geschneit. Nur ein bisschen, aber Auto fahren war trotzdem etwas langwieriger als sonst so. Man muss sich jedes Jahr aufs Neue dran gewöhnen, auf Schnee und glatten Straßen zu fahren. Alle anderen auch. Die ersten Tage sollte man da wirklich etwas Nachsicht zeigen und etwas mehr Zeit einplanen, dann geht das auch bald alles wieder. Was aber spannend war: das erste Mal unsere beheizte Straße hoch.
Es ging tatsächlich ganz ok. Augen zu, „Gas“ geben, und durch. Vorher, das haben wir als Tipp bekommen, ein paar mal Lichthupen, FALLS von oben wer kommt, denn man möchte sich wirklich nicht plötzlich gegenüberstehen, sonst muss man rückwärts wieder runter (was wohl öfter mal schief geht). Dann sollte man lieber waren, bis das Auto von oben unten angekommen ist.
Arbeit im Homeoffice, Inspektionen fürs nächste halbe Jahr geplant, anschließend Geige gespielt und abends mit Herrn Rabe auf dem Sofa versackt. Ich frage mich jetzt, warum man eine Serie auf Deutsch dreht und dann noch mal auf Deutsch (schlecht) drüber-dubt. Das macht ja nichts besser, eigentlich nur schlechter. Sehr seltsam.
(Hier passiert nicht viel interessantes. Chefin nervt. Arbeit nervt. Früh aufstehen nervt kolossal. Und leider wird vermutlich mein Ballett ab nächstem Jahr eingestampft, wegen zu wenigen angemeldeten. Das finde ich sehr traurig. Und weiß auch noch nicht, was ich dann mache. Aber das überlege ich mir dann zu gegebener Zeit.)
Am Samstag war ja nicht nur doofes Spiel spielen*, sondern davor war in umgekehrt chronologischer Reihenfolge ein Galadinner, bei dem man seinen Platz finden musste, indem man das richtige Puzzle zu seinem zugelosten Puzzleteil fand, und Quiz. Ich konnte beim Quiz tatsächlich mal was beitragen, weil ich mehr als di*er durchschnittliche Norweger*in über Berlin weiß (yeah!) aber an folgendem haben wir uns alle die Zähne ausgebissen, kollektiv der ganze Raum. Ein Raum voller Leute, die in genau sowas eigentlich überdurchschnittlich gut sind. Tipp gibt es dann morgen.
Die Frage, die vorgelesen wurde, war: welche Zahl kommt als Nächstes in der Reihe? 2, 3, 5, 9, 7, 33.
Ich hab mein Puzzle sofort gefunden.
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*das ich heute gekauft habe, genau wie das hier, das ich letztes Jahr verzweifelt gesucht und nicht gefunden habe (weil ich den Titel nicht wusste):
Das kann man bestimmt auch mit den Kindern mal spielen, das ist sehr kurzweilig und lustig.
Zwei Tage Homeoffice. Meine Produktivität war… sehr durchwachsen. Ich versuche, zu akzeptieren, dass das nun mal so ist, und mich dafür nicht fertig zu machen. Das ist manchmal nicht einfach. Aber am Ende kommt ja immer noch eine überdurchschnittliche Arbeitnehmerin (mit unterdurchschnittlichem Gehalt) dabei raus.
Heute hatte ich aber frei. Morgen habe ich auch frei. Ich bin nämlich wieder auf dem Landestreffen des 2%-Clubs. Das stresst mich offenbar, denn ich habe direkt erst mal meine Kosmetik- und sonstige Badezimmersachen fein säuberlich aufgereiht und symmetrisch ausgerichtet. Aber es ist wie auch beim letzten Mal: alle hier sind so nett und interessant, es macht mich sehr glücklich. Selbst Sauna mit mir völlig unbekannten Leuten war gut. (Anmerkung: man geht hier in Badekleidung in die Sauna. Immer.) Es ist echt lange her, dass ich in einer Sauna Bier getrunken habe. Zwischen den Saunagängen habe ich mich sogar im Kanal abgekühlt, also fast Eisbaden, das Wasser kommt aus dem Fjord. Beim letzten Mal war ich sogar bis zum Bauchnabel drin!
Danach noch viele schöne Gespräche gehabt, aber um elf war die Luft bei aller Liebe raus und ich begab mich auf mein Zimmer. Platt wie ein Brötchen.