Tag 3814 – Zu früh gefreut.

Gestern Nasenbluten, heute Nasenbluten. Heute während ich im Auto saß und mich am steilsten Stück der Straße festgefahren hatte und Herrn Rabe vorheulte, dass es gar nicht in die Tüte kommt, dass ich die Nachbarn um Hilfe bitte, weil die dann denken, ich kann nicht Auto fahren. Was ich ja auch nicht kann, ich meine, ich hatte mich ja festgefahren. Und dann platzte vor lauter Stress offenbar das Äderchen im linken Nasenloch mal wieder und es lief einfach. Ich hatte nichts, kein Taschentuch, nichts, außer der auf dem Beifahrersitz liegenden Tasche mit nassen Schwimmsachen. Also blutete ich in ein nach Chlorwasser riechendes, nasses Badehandtuch und heulte dabei und wartete, dass die Wärmekabel ihren Scheiß Job machen und die Nase aufhört zu bluten. Ich hab grad fast 3000 Kronen ausgegeben und drei Monate Verdauungsprobleme gehabt für eine Kur mit Eisenpräparaten, vom Arzt verschrieben wegen quasi nicht existentem Eisenspeicher. Ich hab kein Blut zu verschenken. Und dann läuft das einfach in ein nasses Handtuch. Als die Kabel 45 Minuten gewärmt hatten, schaffte ich es irgendwie selbst (also ohne Hilfe von Nachbarn oder Abschleppdienst), wieder vom Fleck zu kommen und kam tatsächlich zu Hause an. Wo ich feststellte, dass mir Blut in den Kaschmirschal gelaufen war. Nie passiert sowas mit irgendwelchen günstigen, leicht zu ersetzenden Textilien. Ich schmiss den Schal sofort in die Waschmaschine im Wollprogramm bei 30 Grad und was ich im leicht schummrigen Licht im Wohnzimmer vorhin beim Aufhängen gesehen habe sah ganz gut aus, aber maaaaaan, was für ein Stress alles. Aber hilft ja nix, bin ja die einzige Erwachsene zu Hause, also räumte ich die Einkäufe weg, machte mein Gesicht sauber, cremte meine Nase von innen ein, stieg wieder ins Auto und holte Pippi ab, machte Essen und wusch noch eine Ladung teilweise blutige Handtücher und danach die Schwimmsachen. Müll hab ich auch noch weggebracht. Ich hab echt viel gemacht, aber ich bin auch echt fertig jetzt, das war alles viel stressiger als nötig. Die Folge Only Murders in the Building auf dem Sofa habe ich mir mehr als verdient.

Spätestens zum nächsten Winter kaufe ich Spikereifen.

Tag 2848 – Gefühle.

Heute war Pippis Vorstellung, das heißt, ich konnte heute auch die ganze Vorstellung mal sehen. Bonus: die richtig guten Gruppen Tanzen auf jeder Vorstellung. Nun ist es ja so, dass ich normalerweise nicht die emotionalste Person der Welt bin, eigentlich kann ich hauptsächlich Wut offen zeigen und bin sonst recht reserviert*. Aber Musik macht schon was mit mir und Tanz macht noch viel mehr mit mir. Und so fand ich mich in einem gnädiger Weise dunklen Saal und die Tränen liefen wegen süßen Kindern (darunter Pippi) und extrem guten Modern-Gruppen, und sogar wegen extrem guten HipHop-Gruppen. Ich meine, HipHop. Aber die waren auch alle so gut und ich war auch mal gut (nicht so!) aber jetzt bin ich 38 und kriege schon Schmerzen überall bei der Vorstellung, mich so schnell zu bewegen oder mich elegant und ausdrucksstark über den Boden zu wälzen. Ich könnte natürlich jetzt Dance Mom werden und Pippi muss dann all meine unerfüllten Träume stellvertretend für mich ausleben, aber dafür bin ich mir 1. viel zu bewusst, wie bescheuert das wäre und 2. ist Pippi dafür das falsche Kind, wenn man auf die Druck ausübt, passiert nämlich meist das Gegenteil von dem, was man möchte.

Drei der Kinder und Jugendlichen sind mir sehr aufgefallen, da war der eine Junge, der unglaublich viel Spaß hatte und mitsang (das macht Pippi auch, und ich mache das auch, aber nicht bei Shows), das große Mädchen das unfassbar gut HipHop tanzt und passabel alles andere, aber wirklich überragend eben HipHop (alle Styles) und das eine blonde Mädchen mit den langen Haaren (ok, das trifft auf ca. 80% der Tänzerinnen hier zu…), das aus der Jane-Fonda-Gedächtnisgruppe (I‘m so exited) herausstach, weil sie nicht nur wie der Rest der Gruppe die komplette 3-Minuten-Killer-Choreografie technisch sauber und voller Energie ausführte, sondern, Achtung, auch noch nen schönen Kopf/Hals dabei hatte. Ich hatte mal eine Ballettlehrerin, die sagte, man spricht beim Tanzen mit dem Brustbein, den Schultern und dem Kopf, und bei diesem Mädchen war das sehr gut zu sehen, auch was das für die Linien ausmacht. Ich hoffe, die werden alle entsprechend gefördert. So. Das war mein Senf als Hilfs-Dance-Mom.

Einziger Minuspunkt: es war zu laut. Und viel zu viele Menschen – die zum Teil auch noch mit mir reden wollten. In Summe waren das dann wohl in den letzten Tagen leider ein bisschen viele Dinge außerhalb meiner halt doch ziemlich begrenzten Komfortzone und als wir wieder zu Hause waren, war mein Akku so leer, dass ich mich erst mal ins Bett legte – besser jedenfalls als direkt wieder loszuheulen, diesmal aus Erschöpfung. Trotz 8 Stunden Schlaf letzte Nacht schlief ich noch mal fast zwei Stunden. Dann ging’s wieder.

___

* kalt, sagen einige. Sieht aber nur so aus, ehrlich.