Tag 3196 – 14 Minuten.

Bin ziemlich platt, ich hatte einen weiteren Diagnostiktermin, dieses Mal musste ich vierzehn Minuten lang den langweiligsten Test der Welt machen. Mein Perfektionismus war sofort an und die Frustration über Fehler groß. Darum ging es zwar nicht, aber fand ich trotzdem interessant. Am einfachsten fiel mir die Aufgabe, wenn es die maximale Geschwindigkeit hatte und dann machte ich auch die wenigsten Fehler. Signifikant und auffallend weniger Fehler als bei niedrigeren Geschwindigkeiten. Wenn’s brennt werde ich halt fokussierter, ich schrieb es ja bereits. Ansonsten bin ich hauptsächlich sehr schnell in meiner Reaktion, auch das auffällig. Alles andere an meinem Testergebnis war normal, was heißt, dass ich vermutlich kein Problem mit Aufmerksamkeit habe. Solange die Geschwindigkeit/die Informationsdichte hoch genug ist.

Ansonsten war nichts. Monty liegt jetzt gerne auf/in den Pflanzen, Greg scheint einfach beschlossen zu haben, zu warten, bis die Haut von allein von hen abfällt und sich bis dahin nicht mehr zu bewegen. Bei Greg verläuft das aber, soweit ich das bei den wenigen Zentimetern Körper, die ich sehen kann, beurteilen kann, bisher wie im Lehrbuch. Die Reste der letzten Maus kamen noch nicht wieder raus, dann war Greg erst total matt mit einem rosa Bauch, dann noch matter, jetzt aber wieder wesentlich glänzender, nahezu normal. Das Internet sagt, dann müsste es jetzt noch 1-2 Tage dauern. Dann werden wir erfahren, ob Greg auch so rumfutzelt. Also ich nicht sofort, ich bin ab Mittwoch bis Freitag nicht da.

Ah, etwas war doch: ich bin sehr stolz auf mich, weil ich diesen letzten Akkord auf der eins im letzten Takt inzwischen nahezu immer nahezu perfekt sauber hinbekomme, Bämm, einfach da. Ja, das sind 3 Ds, zwei Oktaven und man hört Unsauberkeiten sofort, wie ein abrutschender Bohrer beim Zahnarzt ist das. Und ich kann’s. Haha!

Jetzt hab ich’s beschrien, morgen geht’s also nicht mehr.

Tag 3188 – Frühlingsgefühle.

9 Grad und Sonnenschein, es ist der Hammer, da schwitze ich sogar fast schon auf meinem Spaziergang.

Mein Geigenlehrer hat mir „Albumstücke“ von Shostakovich gegeben, ich spiele „Elegie“ (Nummer 5) und „Frühlingswalzer“ (Nummer 6). Ich habe auch die Romanze in C angefangen (Nummer 8), die hebe ich mir noch ein bisschen auf. Die ist machbar, wenn ich sehr viel Zeit in die zwei Zeilen mit Doppelgriffen investiere. Aber mit 5 und 6 habe ich erst mal genug. So bis… nächste Woche, fürchte ich, irgendwie komme ich ein bisschen zu schnell voran, um lange was davon zu haben. Frühlingswalzer ist lustig, der Lehrer hat gesagt, ich soll das „ironisch übertreiben“, was ich versuche. Allerdings habe ich mich neulich mal gefilmt (bei einem anderen Stück) und bin jetzt um die Erkenntnis reicher, dass mein Gefühl von übertrieben emotional sich anhört wie von einer depressiven KI gespielt. Wie beim Tanzen auch fällt es mir schwer, Emotionen zu transportieren. Vielleicht hatte die Psychologin recht, mit ihrer Aussage, dass ich keine emotionelle Gestik und wenig emotionelle Mimik habe – auch wenn sich das innen drin in mir nicht so anfühlt. Keine Ahnung. Jedenfalls muss ich beim Walzer noch viel mehr übertreiben, bis es sich anhört, als würde Heidi über eine blühende Frühlingswiese hüpfen, vor einem Panorama aus schneebedeckten Bergwipfeln. Die Elegie ist da anders, die darf ruhig ein bisschen introvertiert sein. Aus Gründen liegt mir das mehr. Dafür ist die zwar auch im 3/4-Takt, soll sich aber KEINESFALLS walzerig anhören.

Nächste Woche bin ich möglicherweise in einem ganz tiefen Inspektionstunnel. Nur dass Sie Bescheid wissen.

Tag 3165 – Tief atmen.

Es schneit schon wieder. Es war grad auf den Straßen alles weggetaut und weggeregnet, selbst auf dem Hof waren nur noch Schneereste und jetzt schneit es wieder, in der Version „super nass und klebt sofort zu einer Eisschicht zusammen“. Es ist zum heulen. Ok, nicht für alle, manche wollen ja Ostern Ski laufen und bezeichnen frischen Schnee Ende März bis Anfang April als „Osterstimmung“. Ich bezeichne das als FALSCH. Osterstimmung ist singende Vögel und blühende Narzissen, deshalb heißen die ja auch OSTERglocken. Osterstimmung ist nicht weiße Eier im Schnee suchen.

Ansonsten heute langsamer Tag mit Eskalation am Ende, Streit mit Michel, auch das ist… puh, alles, und er pubertiert ja noch nicht mal. Es kann also noch sehr viel spannender hier werden, als es eh schon ist. Hurra. (Muss das mit dem nicht-Trinken noch mal überdenken… Nein. Und eigentlich sollte man darüber auch nicht frotzeln.)

Gut:

  • in meiner Geige-üben-App stolperte ich zufällig in Ray Chens Übe-Session und das war sehr unterhaltsam und auch sehr lehrreich (und andere würden bestimmt „inspirierend“ sagen, aber ich mag das Wort so gar nicht).
  • Später, als ich selbst übte, besuchte mich eine in meiner Session, mit der ich da hin und wieder Kontakt habe, eine Tierärztin aus Australien, die ebenfalls als Erwachsene das Instrument wieder aufgenommen hat und etwa das gleiche Level hat. Da konnte ich mein Leid über die Doppelgriffetüden klagen und wurde verstanden und bekam Zuspruch, Hurra! Die Etüden sind aber auch tricky, aber das Gute daran ist: die sind nur bei den ersten 2-3 Malen schlimm, danach geht es recht schnell bergauf. Ich spiele die so vielleicht 10-ish mal, einzelne Passagen öfter, bis es sich passabel anhört und nicht mehr anfühlt, als würden sich meine Finger verknoten, und dann fange ich die nächste an. Gut genug ist dabei echt gut genug, ich will damit ja nicht auftreten, ich will nur die innere Hemmschwelle vor Doppelgriffen und Akkorden abbauen und auch schneller vom Blatt ablesen können.
  • Abends, als hen aktiv war, holte ich Monty für ein paar Minuten aus dem Terrarium. Die sollen sich ja schon daran gewöhnen, angefasst zu werden. So ein mal pro Woche, sagte der Züchter, kann man das ruhig machen, sollte man vor allem am Anfang auch, weil man sie ja einfach hin und wieder anfassen MUSS (sauber machen, Tierarzt, etc.) und dann ist es halt gut, wenn sie nicht total panisch werden, weil sie das nicht kennen. Monty ließ das über sich ergehen, ohne fauchen oder sich zusammen rollen, und schnupperte irgendwann auch neugierig meine Hand an, was ganz schön kitzelte. Hach. Zurück im warmen Terrarium machte hen sich aber ohne Umwege auf in das Lüftungsloch. Happy place.

Tag 3152 – Nope.

No nope rope.

Herr Rabe hat das mit dem Gebastel nicht hinbekommen und irgendwann hingeschmissen und ich habe dann den Züchter informiert, dass wir auch heute nicht kommen. Das klingt jetzt, als wäre das easy peasy gewesen, war es nicht. Es werden jetzt also noch mal Dinge geliefert, umgebaut und dann irgendwann…

Dieses Projekt hat mich bereits sehr viel mehr Nerven gekostet als mir lieb ist. Und, sein wir ehrlich, auch mehr als ich mir leisten kann.

Wenigstens eine gute Geigenstunde gehabt. Ich hab da die letzten zwei Wochen viel rein gesteckt und es hat sich gelohnt. Wenigstens an einer Stelle lohnt es sich also. Manchmal. In Teilen. Ich wünschte echt, ich könnte in der Stunde zeigen, was ich kann, und wäre nicht nach wie vor ein nervöses Wrack.

Apropos Geige: ich ackere mich stoisch durch die Flesch Tonleitern, nicht alle Übungen, aber wenigstens die Tonleitern und die Arpeggios plus ein bisschen was. Ich mache das nicht ganz so wie Flesch das wollte, nämlich jeden Tag eine andere Tonart, sondern eher so 4-5 Tage und dann wechsele ich, wenn ich so halbwegs komfortabel mit der aktuellen Tonart bin. Es sind viele Tonarten und auf viele habe ich eigentlich keine Lust, weil sie unbequem sind, also habe ich mir ein System überlegt und steigere die Anzahl Vorzeichen immer um 1 und alterniere zwischen Kreuzen und bs und Moll und Dur. Jetzt bin ich bei b Moll (5 bs), als Nächstes wäre also Fis Dur (6 Kreuze) und dann… muss ich eigentlich wechseln, damit ich alle Tonarten mitbekomme, also… H Dur (5 Kreuze) und dann f Moll… ja, und wenn ich dann bei C Dur/a Moll wieder wechsele, passt es. Schön. Abwechslung mit System.

Tag 3131 – Sonntag.

Muttertag! Jedenfalls in Norwegen. Ist mir größtenteils egal, ich gehöre nicht zu denen, die da jetzt nen Aufstand in der Schule machen, wenn die Kinder was gebastelt haben, weil schlimme Rollenbilder und blablabla, aber ich erwarte auch keine Pralinen und Blumen, bloß weil ein random Tag ist. Ich erwarte Diamanten! Mindestens. Spaß beiseite: ich freue mich deutlich mehr über alltägliche Zusammenarbeit als Blumen ein Mal im Jahr.

Aber immerhin habe ich eine extra lange Übe-Session machen können, nahezu ungestört. Herr Rabe hat Essen gemacht und sogar „Fastelavnsboller“, quasi Hefeboller mit Vanillekrem, was man halt zu Karneval isst. Herr Rabe ist die viel bessere Mutti als ich, jedenfalls was sowas angeht. Jetzt versuche ich, früh ins Bett zu kommen, damit die nächste Woche hoffentlich nicht schon unausgeruht und doof anfängt.

Tag 3128 und 3129 – Musik.

Gestern waren Herr Rabe und ich in der Philharmonie, weil ich Herr Rabe da hingeschleppt habe. Die Kinder haben sich alleine ins Bett gebracht und das hat zu 50% geklappt, die anderen 50% haben wenig überzeugend bei voller Beleuchtung so getan als schliefen sie, als wir zurück kamen. Was, das muss man dazu sagen, um kurz nach zehn war und da schlafen diese 50% normalerweise auch nur manchmal schon.

Jedenfalls wollte ich gerne in die Philharmonie, um Sheku Kanneh-Mason zu sehen, einen Cellisten, den ich auf Aufnahmen sehr mag. Jetzt mag ich ihn auch live, das war sehr gefühlvoll und schön (Elgar Cellokonzert). Das beste war allerdings die Zugabe, ein Solostück mit gepfiffener Melodie. Ich finde das nicht auf YouTube, Sie müssen wohl selbst hingehen.

Nach dem Cellokonzert wurde noch die 3. Symphonie von Brahms gespielt, die auch einfach toll ist. Wir gingen ganz beschwingt und gut gelaunt nach Hause.

Gestern war dann spät und müde und überhaupt. Heute habe ich aber sehr viel Geige gespielt, aus mir wird zwar kein Wunderkind mehr, aber vielleicht eine passable Hobbyspielerin. Ich möchte Vivaldi jetzt langsam mal abschließen, mit was neuem habe ich schon angefangen, nämlich dem 2. und 3. Teil hiervon: https://youtu.be/BTghQEzMEqw?si=FfoFKxLqU59ivC9f (wo man von Brahms sprach, ne, juicy Geschichten da im 19. Jahrhundert). Der Kontrast zu Vivaldi ist hart.

Tag 3108 und 3109 – Börps!

Gestern… war. Ich verdaue da noch dran rum und weiß auch noch nicht, wie ich darüber bloggen will.

Heute früh fuhren wir die Kinder nach Kaff-im-Wald, wo minus 29 Grad waren und ein Korps-Seminar mit Übernachten. Pippi fand das super, Michel so naja. Es war aber auch früh und kalt und viele Leute. Aber nachdem die Kinder abgeliefert waren, hatten wir FREI.

Die Freizeit verbrachten wir jeder auf seine Art: Herr Rabe zockte, ich ging ausgiebig baden, kaufte ein und spielte dann Geige. Ich habe zwei neue Stücke (das 2. und 3. hiervon: https://youtu.be/BTghQEzMEqw?si=e9Z6d4icatbqk-vK) und huiui, die sind schwieriger als sie sich anhören, zum Teil sind da wirklich seltsame Rhythmen und Phrasierungen bei. Aber so für einen ersten Anlauf war es ok.

Für abends hatte ich einen Tisch in einem indischen Restaurant reserviert, wo ich schon länger mal hin wollte. „Der Peppern Gror“ (Wo der Pfeffer wächst) sollte nämlich ausgezeichnet gutes indisches Essen haben. Und hat es tatsächlich. Und typisch für Indien: man rollt am Ende zur Tür hinaus. Klar, es ist auch alles mit Sahne und Butter (Ghee) und wahrscheinlich haben wir ca. 6000 kcal alleine da gegessen, aber es war auch einfach alles so gut! Chefs Table (Deluxe Tastingmenü) for the win, ein bisschen was von allem und ALLES war lecker. Mein Favoritt ist eigentlich immer alles aus dem Tandooriofen, heute bekamen wir unter anderem marinierten, gegrillten Maiskolben, der dann noch mit Limette und Gewürzen (nach Geschmack, Achtung, das Chilipulver brennt wahrscheinlich auf die Dauer auch Löcher in die Teller) eingerieben wurde. Das war Mega lecker. (Ich aß in Indien mal Tandoori Pineapple, das war, zusammen mit Tandoori Paneer, mein absoluter Favorit bisher.) Aber wie gesagt, alles war lecker und wir entschieden aus Gründen danach zum Bahnhof zu laufen statt die Trikk zu nehmen.

Beweisfoto aus 20 Grad mehr als heute Morgen beim Kinder abliefern:

Schon wieder Schnee…

Das war ein sehr schöner Abend, auch wenn ich jetzt nie wieder irgendwas essen kann.

Tag 3098 – Kalt, kalt, kalt!

Der Nacken ist etwas besser, aber auch echt nur etwas. Ich habe eine Technik entwickelt, mit der ich das Wärmekissen mithilfe eines Buffes (also so ein Rundschal/Schlauchschal) an Ort und Stelle halten kann und solange das warm und da drauf ist, geht es halbwegs. Ich konnte das Erdgeschoss aufräumen und vegetierte nicht mehr nur stöhnend vor mich hin! Geige spielen geht auch (heute, gestern nicht…), aber wenn das auf der anderen Seite vom Hals wäre, ginge das vermutlich gar nicht. Ich liege jetzt also mit einem Fleece-Buff mit einem Wärmekissen darunter im Bett und werde vermutlich schwitzen wie ein Schwein, sorry, Herr Rabe. Nach draußen bin ich nur sekundenweise gegangen, um Müll und Pfand ins Bod zu bringen, das sind etwa 2 Meter und das reicht zur Zeit, damit einer die Nasenhaare einfrieren.

Die nicht vorhandene Luftfeuchtigkeit ist übrigens echt schlecht für die Pflanzen, insbesondere die Avocados. Beim Geige spielen muss ich deshalb meinen Bogen in der ersten halben Stunde dauernd nachjustieren und entspannen, weil ich für das Case einen Luftbefeuchter gekauft habe, aber sobald ich den Bogen rausnehme, „trocknen“ dann ja die Haare und verkürzen sich. Dann spiele ich plötzlich auf einem überspannten, steinharten Bogen und wundere mich, dass das alles so schwierig ist. Die Geige und auch die Saiten können das besser ab, und seit ich den Luftbefeuchter habe, muss ich auch deutlich weniger stimmen (und auch nur ganz selten mal nachstimmen), also insgesamt Daumen hoch für den Luftbefeuchter. Gut investierte 20 Euro.

Apropos Geige und gut investiertes Geld: vor Weihnachten und zusammen mit dem Luftbefeuchter habe ich mir endlich eine neue G-Saite gekauft. Meine war irgendwann im Herbst gerissen und ich habe dann eine alte von mir (nicht uralt, nur die, die ich abgenommen hatte, als ich das Saitenset geschenkt bekommen habe) drauf gezogen. Dass es mehrere Monate gedauert hat, bis ich die neue Saite hatte, lag an exekutiver Dysfunktion nicht auf meiner Seite. Aber dadurch hatte ich also mehrere Monate eine andere G-Saite als die anderen Saiten. Mich störten da die ganze Zeit die Nebengeräusche, die Saite klang schabend, aber ansonsten ganz ok (das war ebenfalls keine billige Saite gewesen) – dachte ich. Die neue Saite, die also einfach nur wieder zum Set passt, ist eine andere Welt. Das Schaben ist weg, der Ton ist viel voller, die Obertöne komplexer und alles viel „klingender“, selbst in höheren Lagen. Ich war echt etwas geschockt über den Preis (da kriegt man für andere Instrumente ein ganzes Set von wirklich guter Qualität für), aber das war‘s trotzdem wert.

Dafür habe ich möglicherweise einen Wolfston an meiner Geige gefunden. Tja, machste nix. (Also da macht man tatsächlich nix, außer vermeiden, den dort zu spielen.) Ich werd das mal noch weiter verfolgen, ob ich mir das nur einbilde oder es an mir liegt, das ist ebenfalls sehr gut möglich. Aber es ist schon auffällig, wenn man in einer Tonleiter „Klingel, Klingel, Klingel, Krächskrepelwürg, Klingel…“ hört.

Bitte entschuldigen Sie die Nerderie.

Tag 3036 – Bis irgendwann, tschüssi und hallo.

First things first: Michel ist wieder da und er hatte ein gutes Wochenende. Herr Rabe ist krank, hat aber kein Covid. Pippi hat inzwischen ein ganzes Papierhaus für ihr Papierfigürchen gebastelt und füllt das mit einem kompletten Haushalt voller Papiergegenstände. Es würde mich nicht verwundern, wenn sie demnächst einen winzigen Papier-Stabmixer oder eine Papier-Weichspülerflasche* bastelt.

Ansonsten hatte ich heute Geigenstunde und habe meinem Lehrer mutig mein Leid geklagt und gesagt, ich brauche eine Pause von dem Sch*** Bach Presto, weil ich es inzwischen ein bisschen hasse und das nicht gut ist für das Problem, was macht, dass ich es hasse: stellenweise sehr angespannte linke Hand (Weils halt auch einfach sehr seltsam und unbequem ist von den Fingersätzen her und dabei in gnadenlos immer gleichem, schnellem Tempo ohne Pause. Und das ist noch eins der eher einfacheren Stücke. Bach hat wahrscheinlich ganz einfach Musiker*Innen gehasst.) die ich nach dem Stück, wenn ich denn mal ganz durch komme, ausschütteln muss und die sich dann anfühlt, als sei ich auf den Fingern einen Kilometer gesprintet. Ich glaube das soll nicht so. Der Lehrer war darin sehr einig und ich mache jetzt eine kleine Bach-Pause. Mein anderes Stück, Chanson Triste, habe ich in den letzten zwei Wochen soweit poliert, dass ich zufrieden war (und bekanntlich will das was heißen) und in der Stunde habe ich dann noch den Entscheidenden Letzten Tipp(TM) bekommen. Danach habe ich es noch ein Mal gespielt (und den Tipp umgesetzt) und dann meinte der Lehrer sinngemäß, gut, reicht, fertig damit. Tchaikovsky wandert also in die Schublade**. Dvorak Humoresque hatte ich mir vor zwei Wochen ausgesucht, als Kontrast zu sowohl Tchaikovsky als auch Bach. Das ist fast ein bisschen einfach und der Lehrer war heute schon ziemlich happy damit, ein paar Kleinigkeiten noch, aber ich kann ja nicht nur das üben, da langweile ich mich ja zu Tode, also drucke ich morgen neue Noten aus und gehe zurück zu Vivaldi, Violinkonzert, diesmal in a-Moll. Hurra. Neues Futter.

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*Nicht dass Sie jetzt sonstwas von uns denken: der Weichspüler sammelt bei uns immer sehr viel Staub, weil wir den nur für zwei der Sofadecken benutzen. Die waschen wir so… zwei mal im Jahr vielleicht? Oder wenn irgendwas ist eben, was drauf ausgelaufen oder so. Alles andere wird ohne Weichspüler gewaschen. Handtücher kommen für den Flauschfaktor in den Trockner.

**Oder, mal sehen. Ich kann das ja nicht einfach so weglegen. Und ich ärgere mich darüber, dass insbesondere YouTube scheinbar voll ist von Menschen, die eigentlich auf viel höherem Niveau spielen (Lehrpersonen z.B.), die dann „Schüler*innen-Stücke“ spielen. Nichts daran ist relatable für mich, ehrlich gesagt. Also, ja, nett, dass ich mir 26 Versionen zwischen super und perfekt anhören kann, aber ich hätte gerne mehr normale Leute, die halt auf dem Niveau sind, dass die Stücke noch eine Herausforderung darstellen und wo man das auch sieht und hört. Und dass man auch deutlich über 6 Jahre alt sein kann und das trotzdem nicht so aus dem Ärmel schüttelt. Kinder sind nämlich die einzigen, die man so findet, bei denen deutlich ist, dass sie noch lernen. Ich muss das mal überlegen, was ich damit mache. Bei Gelegenheit.

Tag 2999 und 3000 – Verschnaufen.

Fertig inspiziert. Hurra! Wir waren sogar früher fertig als geplant. So konnte ich den Rest des Arbeitstages (etwa 30 Minuten) nutzen, um meinen Antrag auf mehr Gehalt bei den jährlichen Gehaltsverhandlungen einzureichen. Ich hasse das sehr, weil es so ein ekliger Mischmasch aus selbst verhandeln und die Verhandlung anderen (der Gewerkschaft z.B.) überlassen ist. Wir reichen was ein, mit Begründung warum wir „besser“ als 80% der anderen Angestellten sind, dann geht das durch drei oder vier (weiß ich grad nicht mehr, das System ist so unübersichtlich) Priorisierungsrunden und am Ende kommt irgendwas dabei raus. Involviert ist man selbst nur zu Anfang, danach muss man dem System vertrauen. Letztes Jahr habe ich ein trauriges Prozent durch diesen Prozess bekommen, mein Vertrauen in das System ist gelinde gesagt etwas angeschlagen.

Wie dem auch sei, ich holte dann Pippi ab und fuhr quasi direkt weiter zu meiner Geigenstunde. Die war tatsächlich überraschend gut, ich habe Lob bekommen für meinen Bach (!!!) aber auch Tchaikovsky und er sagte was von Durchbruch und enormer Verbesserung. Wir diskutierten ein paar fortgeschrittene Konzepte, ich erfuhr (durch Schmerz), dass er nicht gut Klavier vom Blatt ablesen kann und um zu vermeiden, dass ich wieder erst in 6 Wochen eine Stunde abgemacht bekomme, haben wir direkt in zwei Wochen den nächsten Termin ausgemacht. Bis dahin werde ich mich im Übertreiben üben, damit ich ein paar extra Sicherheitslayers habe, die ich bei Nervosität einfach abziehen kann und darunter ist es trotzdem noch hübsch, sauber und interessant.

Montag und Dienstag habe ich mir spontan frei genommen und ich werde auch konsequent keinen Finger fürs Werk rühren. Dafür bin ich auch viel zu platt. Und habe zu viel zu tun damit, Bach und Tchaikovsky innerhalb von zwei Wochen fertig zu polieren.