Tag 2961 – Erfolg!

Ich habe heute zwei Dinge geschafft, auf die ich ein bisschen stolz bin. Das erste besteht aus mehreren Unterschritten:

  • Ich habe erkannt, dass ich lieber nicht den Sozializing-Teil unseres „Abteilungstages“ mit 70 Leuten, davon einigen, die ich noch nie gesehen hatte, mitmachen sollte. Jedenfalls nicht, wenn ich nicht morgen komplett fertig sein will.
  • Ich habe mir gestattet, das sein zu lassen. Das war eigentlich der schwierigste Punkt.
  • Ich habe dann beschlossen, auch nicht einfach zu schwindeln, dass leider leider irgendeinem Kind spontan der Fußnagel eingewachsen ist oder ein Meerschwein Blähungen hat, sondern es zu sagen, wie es ist.
  • Und das hab ich dann auch gemacht. Habe meiner Chefin gesagt, ich schaffe das nicht, und ich möchte in Zukunft auf mich mehr Rücksicht nehmen, mit heute beginnend.

Gut, die Rezeption und Reaktion ließ ein bisschen zu wünschen übrig, aber ich durfte schlussendlich tatsächlich nach dem Fachseminar nach Hause gehen und da in Ruhe im Homeoffice vor mich hin pröddeln. Hurra!

Beim nächsten mal kriege ich das bestimmt auch nicht erst, wenn ich eigentlich schon mittendrin bin, hin, sondern sehe vorher ein, dass ich für solche Dinge einen Preis bezahle, der eventuell zu hoch ist und dass es dann auch ok ist, nein zu sagen. Man muss sich nicht zu jedem (sorry) Bullshit zwingen, nur damit die Oberchefin happy ist. Auch ich muss das nicht.

Fast forward zum Abendprogramm: ich habe das Presto aus der ersten Violinsonate von Bach, vor allem auch den Teil, bei dem ich am Wochenende noch tatsächlich aus Frustration irgendwann gegen den Notenständer getreten habe, viermal in akzeptabler Qualität und fast (zweimal tatsächlich ganz) ohne das Gefühl zu haben, über meine panisch zappelnden Finger zu stolpern, durchgespielt. Ist halt bei mir eher so ein Allegretto als ein Presto, aber if you can play it slowly, you can play it quickly! Ich spiele auch lieber langsamer und kontrolliert als das Stück in höherem Tempo einfach zu schreddern. Ich war echt kurz vorm Jubeln. Für‘s nächste mal note to self: wenn es nur noch frustet, sofort was anderes spielen, was Freude macht (ich schrieb „f*ck this“ in die Übungsapp). Mindestens einen Tag Pause von dem Stück gönnen und dann erst mal versuchen, den Spaß daran wiederzufinden, ohne sich gleich wieder in der A****lochpassage zu verbeißen. Einfacher gesagt, als getan, aber hilft tatsächlich.

Vielleicht übergreifendes Thema für heute: ich bin kein Supermensch und das ist auch völlig ok so.

Alternativ übergreifendes Thema für heute: Pausen helfen, auch langfristig.

Tag 2924 – Dänemark Tag 9.

Nur ein kurzer Abriss des Tages, weil es irgendwie schon wieder total spät ist (hups).

Ich hatte heute Mittag eine Geigenstunde, online. Das hat bei Bach schon mal ein bisschen geholfen, ich habe viele gute Tips zu Strichen, Fingern/Lagen und vor allem zum Üben bekommen. Nächste Stunde irgendwann im August, face to face.

Bis auf Michel, der sich zwar besser fühlte, aber noch nicht wieder richtig fit ist, waren danach alle hier im Ort im Zoo. Der ist überraschend groß und hat echt viele überhaupt nicht so dänische Tiere. Die Affen haben leider alle sehr kleine Gehege, andere Tiere waren wesentlich besser mit Platz versorgt. Was mir am Besten gefallen hat, war die riesige Voliere, in der viele verschiedene Vögel und diverse andere Tiere (Lemuren, Maras und die dort nicht hingehörenden aber freudig am Vogelfutter partizipierenden Ratten) einfach herumspazieren und -fliegen.

Selbstbildnis ich im Urlaub.

Der Zoo hat auch mehrere Schlangen und man konnte eine Boa anfassen. Aus reinen Recherchegründen *hust* habe ich das gemacht und bin immer wieder fasziniert. Ich weiß echt nicht, wie lange wir Michel da noch hinhalten können. Natürlich nur Michel! Niemand(TM) hat in Michels Alter ein Buch über Schlangen mehr oder weniger auswendig gelernt!

Auch im Schlangenhaus.

Nach dem Zoo gab es erst Spielplatz (noch im Zoo) und dann Eis für alle. Eis leider drinnen, weil es regnete. In dem Café war es LAUT. Aber besser als mit drei nörgelnden Kindern nass werden und mit Regenwasser verdünnten Kaffee trinken.

Abends machte ich mit Frau Wunnibar noch einen Spaziergang zum Strand, wo der Wind derart doll wehte, dass wir erst fast von der Düne gesandstrahlt wurden und dann am Wasser mit einer Salz-Sandkruste überzogen wurden. Beim Waschen hinterher gab das direkt ein Peeling dazu. Das war sehr schön, ordentlich durchgepustet.

Als sämtliche Kinder im Bett waren, spielten wir noch eine Runde Karten und es ist natürlich gänzlich unwichtig, dass ich gewonnen habe. Ähäm.

Tag 2919 – Dänemark Tag 4.

Hier ist es immer noch sehr schön, auch bei nicht so gutem Wetter – da kann man sehr ausgiebig ein Spiel ausprobieren. Und feststellen, dass es überraschend langsam, komplex und wenig kooperativ ist. Und weil manche von uns dann aus unterschiedlichen Gründen unter Strom stehen, sagen sie gemeine Sachen zu anderen, die auch unter Strom stehen und die sind dann über alle Maßen verletzt davon (das liegt an einem Phänomen namens Rejection Sensitive Dysphoria) und für die ist der Tag dann leider ziemlich im Eimer, aber das wird zumindest bis Ende des Spiels überspielt. Sie dürfen sich gerne ausdenken, wer in diesem Fall welche Rolle gespielt hat, weil es im Prinzip auch egal ist, es hätte nahezu jede Kombination sein können.

Abends versuchte ich, meine angestaubten Musiktheoriekenntnisse hervorzukramen und das Stück zu analysieren, das der Geigenlehrer mir „aufgegeben“ hat. Es ist *Trommelwirbel, Fanfarenstoß* das Presto aus Bachs 1. Violinsonate. Zwei Seiten Sechzehntel. Durchgehend. Ich hatte das schon mal in Abschnitte unterteilt, Phrasen kann man das eigentlich nicht nennen. Das reicht mir aber irgendwie noch nicht, das Stück ist so effing komplex, dass ich dachte, vielleicht hilft eine kleine Analyse, wenigstens die Tonarten raussuchen, vielleicht finde ich ein Thema oder so? Hahaha Nein. Es fängt damit an, dass es g Moll ist (laut Titel), aber notiert ist es in d Moll. Es wird wild (wirklich WILD) moduliert, ja, g Moll ist da durchaus auch bei, außerdem B Dur, G Dur, d Moll, D Dur, Es Dur und gefühlt jede andere Tonart auf der oberen Hälfte des Quintenzirkels. Und das allein auf der ersten Seite bis zur Wiederholung. Weiter kam ich nicht, da hatte ich schon mehr als eine Stunde darüber gebrütet. Die „Abschnitte“/„Themen“/„Phrasen“ sind mal 5, mal 3, mal 8 Takte lang und zwischendurch gibt es immer mal „Überhänge“, wo diese Abschnitte über Taktgrenzen hinausgehen und alles kurz asymmetrisch wird, dann aber wieder zurück in den Takt findet… und das alles halt in 16teln, die einfach ohne Pause durchrattern. Selbst beim Hören tun sich da ständig neue Dimensionen auf und ich hab das durchaus schon viele Male gehört. Mein Fazit nach meiner kleinen Analyseübung ist jedenfalls ein beherztes WTF. Bach, Alter, was geht? Ich schwanke zwischen maßloser Bewunderung und ebenso großer Überforderung.

Danach machte ich einen Abendspaziergang zum Runterkommen, sah Sonnenuntergang mit Leuchtturm und trug eine sehr kleine Kröte, die mitten auf der Straße spazieren ging, auf die andere Straßenseite.

Tag 2893 – Dies und das.

War heute das vermutlich letzte mal vor meinem Urlaub im Büro. Seltsam. Habe die Lieblingskollegin gezwungen, mit mir Eis zu essen. Das war schön. (Drehe ansonsten weiter am Rad wegen Korea, aber was soll man machen, es wird ja so oder so passieren und dann irgendwie laufen.)

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Michel ging es heute schon viel besser, er hatte sich ja gestern auch sehr gründlich entladen. Auch das sehr ähnlich wie bei mir.

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Pippi hat am Samstag noch einen Tanzauftritt. Heute war Generalprobe dafür und – die sind ja schon sehr niedlich, diese Kleinen. Der Trainerin gebührt allerdings aller Respekt der Welt, so eine Horde kleiner Mädchen im Blick haben, ist echt nicht ohne und wäre absolut nichts für mich. Pippi freut sich sehr auf die Aufführung und hat mir vor und nach der Probe diverse Knöpfe an die Backe gelabert und dazwischen gesungen.

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Herr Rabe fährt (naja, fliegt) morgen mit seiner Arbeit auf die Färöer-Inseln. Der freut sich darauf auch. Außerdem hat er gestern den zweiten Platz beim Mario Cart-Tournier gewonnen, während ich bei der Arbeit so Sachen bespreche wie „Anträge richtig ablehnen“ und „Was ist eine sinnvolle Bußgeldhöhe“. Mir scheint, einer von uns hat den lustigeren Job.

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Es ist so warm. Ich meckere nicht darüber, aber ich meckere darüber, dass es auch so furchtbar trocken ist und ein paar Pflanzen und der Rasen schon leichte Ermüdungserscheinungen zeigen. Klimawandel, so schön.

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Der Geigenlehrer hat mir ein neues Stück gegeben. Jetzt übe ich das Presto aus der 1. Violinsonate von Bach, das ist gleichzeitig überraschend leicht (man bricht sich dabei gar nicht die Finger, faszinierend) und erwartet schwer (2 Seiten in gleichmäßigen, schnellen Sechzehnteln rauf und runter dudeln und es wie Musik klingen lassen ist nichts für Feiglinge). Es geht einfach immer noch ein bisschen weiter, noch mal 8 Takte, nochmal 4, und nochmal acht und dann, etwas überraschend in dem ganzen Fluss, zwei Schlussakkorde. Ta-Taaaa!

Tag 2859 – Nach hinten raus ok.

Sozialkater am Tagesanfang. Wollte eigentlich nur aus dem Fenster gucken und den Blumen beim Wachsen zusehen.

Habe trotzdem gearbeitet, auch mehr oder weniger produktiv, nur nicht zwingend an den Sachen, an denen ich produktiv sein sollte. Tjanun. Eben vieles anderes gemacht.

Nach der Arbeit endlich die Weide beschnitten und die der Nachbarn gleich mit. Die hatte es noch nötiger als unsere, da waren schon viele Zweige tot. Man muss dazu sagen, dass sie auf der anderen Seite von unserem Hochbeet steht, noch nahezu auf unserem Grundstück, und unsere Weide ist 2 Meter weiter. Die Sonne schien und es war nun echt kein großer Akt. Ich hoffe nur, dass die Nachbarn nicht böse sind, die waren nämlich nicht da, als ich drauf los schnippelte.

Damit lose zusammenhängend werden wir am Wochenende dringend Unkraut jäten und die Himbeere am Einnehmen des Hochbeets hindern müssen.

Abends habe ich Geige geübt und es wird echt. Ich bin recht zufrieden.

Michel schläft heute bei seinem Schulfreund, das ist immer noch sehr ungewohnt, wenn er nicht da ist. Aber auch irgendwie schön, vor allem, dass er einen Freund gefunden hat, bei dem er sich so wohl fühlt, dass er da von sich aus übernachten möchte.

Der Tag hatte einen deutlichen Aufwärtstrend. Ich hab trotzdem einen Arzttermin ausgemacht, vielleicht möchte ja doch noch mal wer rausfinden, warum ich so seltsam bin.

Tag 2810 – Auch sowas wie Routine.

Zwei Tage Kurzinspektion (eigentlich nur anderthalb), einmal nach Bergen jetten und zurück bitte. Aus Gründen viel darüber nachgedacht, ob das auch remote gegangen wäre und zu dem Schluss gekommen, dass das nicht gegangen wäre, nein.

Jetzt bin ich wieder zu Hause und gar nicht so erschossen wie sonst auch schon öfter. Vielleicht werde ich ja langsam doch eine von den erfahrenen Inspekteurinnen, die „sowas“ mal grad aus dem Ärmel schütteln. Abends habe ich sogar noch ein bisschen Geige geübt und befürchte jetzt leider, dass dieses Vivaldi-Concerto etwas langweilig werden könnte. Es wird sich noch zeigen, denke ich, aber ich bin eher gewohnt, bei den ersten Malen nicht sonderlich weit zu kommen und mit vielen Fragezeichen die Noten anzustarren (looking at you, Bach). Das heute (den 1. Satz) hab ich nahezu einfach runtergespielt. Ohne Murmel allerdings, vielleicht sollte ich es mit einer Murmel zu Schwierigkeitsgrad „unmöglich“ befördern. Oder doppelt so schnell spielen. Oder so.

Jetzt freue ich mich auf Schlafen im eigenen Bett und ohne Regenprasseln. Das ist nämlich erst schön, wird dann aber nervig und irgendwann ist man kurz davor, sich IRGENDWAS ins Ohr zu stopfen, nur damit es aufhört, das habe ich letzte Nacht zur Genüge getestet. Heute, während wir in einem innen liegenden Meetingraum saßen, war draußen dagegen die ganze Zeit schönster Sonnenschein. Ich glaube, das Wetter hasst mich oder will mich zumindest verarschen.

Tag 2807 und 2808 – Entwicklungen.

Gestern und heute waren etwas anstrengend, ehrlich gesagt. Erst nahm Korea noch mehr Form an. Dann hat Michel seine Zahnspange bekommen und ist sehr groß damit. Er muss jetzt langsam die Tragedauer steigern bis zu 16 Stunden am Tag und wenn das erreicht ist, wird auch langsam das Schräubchen immer weiter gedreht. Neulich war der noch ganz klein und wir rannten uns die Hacken nach der richtigen Schnullerform ab. Jetzt hat er eine Zahnspange und schlürft schon wie ein Großer. Außerdem wissen wir seit heute sicher, dass er ADHS hat. Vielleicht nur das, vielleicht auch nicht, aber sicher das. Das hat nach den letzten Monaten mit all den Fragebögen keinen mehr so richtig überrascht, außer vielleicht die Schule, mit der haben wir aber noch nicht gesprochen. Aber ich freue mich schon sehr auf das Gespräch mit der Psychologin und der Schule, wo so Dinge angesprochen werden, wie „ein Kind das schon Hausaufgaben, die über eine Woche aufgegeben werden, nicht organisiert bekommt, kann dies erst recht nicht über zwei Wochen“. Und nein, man kann nicht von allen Kindern erwarten, dass sie das „dann halt lernen“, und in manchen Familien führt sowas auch zu inakzeptablen Ausrastern und Streits, was in der Konsequenz eher zu nicht zwingend gesunden Coping-Strategien als zu echtem Lernen führt. Am Ende wird das Kind zwanghaft wie seine Mutter…

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Kleines Update: eine Murmel zwischen Daumen und Geige halten ist wirklich hardcore. Also geht, aber dann spielt eine halt nur Tonleitern im Schneckentempo. Aaaaber: tatsächlich minimiert das sehr effektiv jede Bewegung in der linken Hand, weil einfach sofort die Murmel runterfällt, sobald man zu doll zuckt. Der Daumen ist auch ganz locker, aber bei mir immer noch eher da, wo ich ihn hinlege und nicht da, wo der Lehrer ihn haben will. Aaaandererseits: vielleicht ist es einfach Wumpe, wo der linke Daumen ist, solange es funktioniert? Ich muss das noch ein bisschen probieren. Damit ich auch noch andere Dinge als Tonleitern üben kann, nehme ich Würfel, die Rollenspielwürfel sind sehr gut geeignet, den Schwierigkeitsgrad langsam zu steigern. Ein Nachteil an allem: das sind alles harte Dinge, die schnarren, wenn man sie an die Geige hält. Macht keinen Spaß, so rein akustisch.

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Morgen fliege ich nach Bergen, um 7 Uhr muss ich im Zug sitzen. Deshalb jetzt Licht aus.

Tag 2805 – Höhenflug.

Meine Geigenstunde war um Längen besser. Warm machen hat geholfen, und sich nicht mehr in die Hose machen, dass der Lehrer bestimmt lacht und/oder sagt, dass man ein hoffnungsloser Fall ist und die Geige lieber als Feuerholz verwenden als darauf herumstümpern sollte, wahrscheinlich noch mehr. Die unterkomplexen Etüden darf ich dann jetzt sein lassen (Hurra!) und mich einer komplexeren Etüde und einem Concerto von Vivaldi widmen. Ansonsten habe ich weiter viele Punkte bekommen, an denen ich arbeiten kann/darf/soll, aber das ist ein sehr langfristiges Projekt, und, wenn man dem Internet Glauben schenkt, auch recht typisch für so halb fortgeschrittene Schüler*Innen wie mich. Kurz gesagt: zu wenig Gewicht im linken Arm, dadurch zu viel Bewegung in den Fingern, dadurch eine angespannte Hand, langsame Finger und schnelle Ermüdung. Ich merke die Symptome ja auch. Und ich erinnere mich auch noch mit gemischten Gefühlen an meine Geigenlehrerin, die immer immer immer wieder daran erinnerte, dass der Daumen locker sein soll. Jetzt soll ich erst mal einfache Dinge wie Tonleitern (oder die eine unterkomplexen Etüde) üben und mir dabei irgendwas, das runterfällt, wenn man zu doll drückt (wie eine Murmel oder ein kleiner Würfel) zwischen Geige und Daumen klemmen. Ich werde da morgen mal suchen, Murmeln hab ich ja jetzt. Ich habe auch angesprochen, dass ich die Bogenhaltung, die er möchte, zwar gut für Kontrolle finde, für lockere Passagen aber zu unflexibel. Wir kommen darauf zurück, aber erstmal soll ich es mehr so machen und weniger flexibel. Also rechts fester, links Daumen abhacken, äh, locker lassen. Um die Geige an sich höher zu bekommen müsste ich vermutlich eine andere Schulterstütze haben, eventuell auch wieder (meh) eine andere Kinnstütze, das ist nämlich so wie er meint, dass es richtig ist, für mich weniger stabil und auch leicht unbequem. Dafür hab ich nicht mehr immer den Abdruck der Schraube der Kinnstütze am Hals, hmm.

Jedenfalls, das war heute echt schon fast gut. Vielleicht hab ich ja irgendwann keine Angst mehr vor ihm.

Mehr war nicht. Reicht auch, so neben allem anderen.

Tag 2803 und 2804 – Auf ein Neues.

Gestern fehlte mir für alles der Antrieb und ich wollte am liebsten unter irgend einem Stein sterben. Heute ist endlich dieser Zyklus vorbei, das war dieses Mal eine schwere Geburt (haha). Ich schiebe das auf Corona.

Morgen habe ich wieder Geigenunterricht. Ich habe die zwei (unterkomplexen) Etüden in der 1. Lage brav geübt und mir für vor der Stunde im Übungshotel (wo ja auch die Stunde sein wird) ein Räumchen gemietet, damit ich mich warm spielen kann. Ich bin da ja leicht zwanghaft (das überrascht niemanden mehr, hoffe ich) und mache immer das selbe* „Warm-Up“, und dass ich das das letzte mal nicht machen konnte hat mich zusätzlich zu allem noch nervöser gemacht. Das lässt sich immerhin für 85 Kronen ziemlich einfach beheben und ich bin dann hoffentlich auch nicht mehr so verschwitzt wie letztes Mal. Generell wäre weniger nervliches Wrack sein schön.

Was anderes: nur Duolingo ist nicht wirklich sinnvoll für wen, die sich Sprachen gern über die Regeln erschließt. Ich habe jetzt aber eine Seite gefunden, die ganz gut erklärt, wie die Sprache aufgebaut ist. Mein Verdacht ist nämlich, dass Koreanisch gar nicht besonders schwer ist, weil es eine sehr regelbehaftete Sprache zu sein scheint. Es scheint auch wenige Ausnahmen zu geben, so wie im Norwegischen auch. Aber Duolingo ballert eine halt schnell mit ganzen Sätzen zu, in denen dann natürlich Verben konjugiert sind und seltsam anmutende Endungen an Wörtern hängen. Wenn man verstanden hat, was die Endungen bedeuten, macht das auch plötzlich alles Sinn, ohne diese Zusatzinfo macht aber selbst mein (ich behaupte** mal, überdurchschnittlich Mustererkennungs-begabtes) Gehirn irgendwann nur noch Hä. Hä-si-mi-da. Und weil ich aber nun mal gut Muster erkennen kann, suche ich dann nach den Mustern und bescheiße Duolingo und in erster Linie mich selbst. Auf der anderen Seite werde ich wohl niemals auf Koreanisch „Philadelphia“ oder „Princeton“ sagen müssen, insofern ist vermutlich verschmerzbar, wenn ich da nach dem Wort, das mit Phi anfängt und mit I-A aufhört, suche.

Noch was ganz anderes: ich hab die Murmelfrau aufgegeben, mir Murmeln im Laden gekauft und meine Murmel-Glitzerflasche gebaut, sie ist sehr schön und klackert dezent, und mit den Murmeln ergeben sich im Glitzer auch noch mal hübsche optische Effekte. Außerdem ist sie in der richtigen Größe zum Mitnehmen und liegt gut in der Hand. Ich hab sogar noch Murmeln übrig, falls mir mal der Sinn nach einer anderen Farbe oder so steht.

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*Natürlich nicht exakt das selbe. Es sind die selben drei Übungen, aber ich wechsele bei der ersten Übung die Griffarten durch und spiele bei der 2. Übung immer andere Dur-Tonleitern. Bei der dritten (auch Tonleitern, aber moll) wechsele ich Stricharten, wobei ich da seit langer Zeit am Ziel „Bogenwechsel weitgehend unhörbar machen“ festhänge. Vielleicht sollte ich mal was anderes üben, aber ich kann ja nicht mit was unperfektem aufgeben!

**Genau genommen habe ich einen Zettel, auf dem das bestätigt ist, dass ich „recht weit vom Durchschnitt entfernt gut“ Muster erkennen kann.

Tag 2792 – Schnipsel.

Wir haben mit Michel einen Kaffevertrag abgeschlossen. Er macht uns Kaffee (Latte) und wir bezahlen ihn für diesen Service. Das war seine Idee und ich finds niedlich und tue viel für Kaffee. Heute klappte das direkt erst mal so mittel, weil wir Erwachsenen gestern Abend erst beschlossen haben, dass ich heute ganz früh arbeiten gehe (und dann auch ganz früh zurück fahre). Ich war also gar nicht da und Herr Rabe musste zwei Kaffee trinken.

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Hab beschlossen, dass ich beim Geige spielen nicht an zu vielen Sachen gleichzeitig arbeiten kann und deshalb heute auf den Bogen fokussiert. Strichrichtung – Joa, das war eingerissen, sehe ich ein. Bogeneinteilung und Bogenhaltung hängen ein bisschen zusammen, der Lehrer meinte, ich solle den Bogen etwas anders halten und mit dieser anderen Haltung ist es tatsächlich leichter, einen satten Ton zu erzeugen (ich kann mehr Gewicht auf die Stange übertragen) und damit ist es auch einfacher, Bogen zu sparen. Das ist bei langsamen Passagen super. Allerdings sehe ich noch nicht ganz, wie ich damit lockerere Passagen spielen soll, aber das habe ich heute auch einfach gar nicht erst probiert, sondern mich auf gerade streichen und richtige Haltung von allem in langsamen Stücken (ok, einem langsamen Stück) konzentriert. Bin soweit zufrieden mit heute.

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Heute Morgen habe ich festgestellt, dass um 6:11 gar kein Zug fährt. Ich bin nämlich um zwanzig nach fünf eigentlich als der Wecker klingelte tatsächlich wach gewesen und hab mich eine viertel Stunde später dann auch tatsächlich aus dem Bett geschält, Sportkleidung angezogen und bin losgefahren. Eigentlich, weil ich gegen Ende meines Workoutes bemerkte, dass ich meine Sporthose auf links anhatte und mir die ganze Zeit ein Waschzettel prominent auf dem Po herumwippte. Waren ja auch nur drei meiner direkten Kolleg*Innen mit mir im Fitnessraum.

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Pippi durfte neulich ihre Piercingstecker aus den Ohrlöchern rausnehmen, die 8 Wochen waren rum und alles sah super aus. Leider hat sie dann, ohne Bescheid zu sagen, noch mal andere Stecker reingemacht und die sehr fest zugeballert. Das war keine gute Idee. Aber wenn Sie mal Lust haben, direkt in den Abgrund der Elternhölle zu blicken, an deren Boden sich insbesondere Mütter gegenseitig zerfleischen, googeln sie mal „Ohrloch Kind entzündet“. Das war meinerseits keine gute Idee. Wir machen jetzt einfach weiter mit Piercingstecker (damit sich nichts einkapselt), Desinfizieren und Bepanthen (damit der Stecker nicht verklebt, was dann juckt, weshalb Pippi dann dran rumfummelt, natürlich ohne vorher die Hände gewaschen zu haben). Wenn es bis zum Wochenende nicht weg ist, fahre ich mit ihr zum Piercingstudio und frage, was wir da machen sollen. Google werde ich zu dem Thema jedenfalls nicht noch mal bemühen.