Tag 3594 – Alles.

Meine Güte, hier ist was los.

Aufgestanden, nach Hamar gegurkt, Schranktüren (gebraucht) gekauft. Mehrere in der Küche sind ziemlich hin.

Dann geräumt und geräumt und geräumt, Sachen weggefahren, weiter geräumt. Wir sind jetzt so… 1/3 weiter gekommen. Nicht weit genug.

In einem Anfall von Panik doch noch das Outfit für den Curtain Call fertig genäht. Das werde ich festkleben müssen und ich kann es auch literally nirgendwo anders anziehen, aber es ist ein komplett rückenfreier Traum, der auch vornerum extrem freizügig ist, in blauen Pailletten. Fotos eventuell morgen, wenn dafür Zeit ist.

Tag 3589 und 3590 – Fertig… ach nee doch nicht.

Ich bastele an einem Burlesque-Kostüm. Es sollte „ganz einfach“ sein. Ist es nicht. Die Vorgabe war:

  • Korsett, unterbrust, bezogen mit Paillettenstoff
  • BH, bezogen mit Paillettenstoff
  • Unterhose, bezogen mit, sie ahnen es, Paillettenstoff
  • „Rock“, nennen wir es eher Bauchtanz-Gürtel, aus Chiffon
  • Handschuhe

Ich habe viele, viele Stunden mit dem Versuch zugebracht, ein Korsett mit Stoff zu beziehen. Offenbar bin ich das falsch angegangen, weil ich die einzige mit diesen Problemen war, aber es war furchtbar und ich werde das nie wieder machen. Ich werde ebenfalls nie wieder billigen Paillettenstoff kaufen, der ist nämlich eine Garantie für Pailletten absolut überall. Mich würde nicht mal mehr wundern, wenn mir Pailletten in der Blutbahn kreisen. Ich konnte tatsächlich Herrn Rabe vorhin sehr erheitern, als ich ihm zeigte, dass ich UNTER DEN BRÜSTEN Pailletten kleben hatte. Sie sind wirklich überall. Sie sind auch im Haus überall. Immerhin kann ich jetzt nicht mehr verloren gehen, man muss nur der Spur aus rosa Pailletten folgen.

Generell also etwas frustig, diese ganze Paillettenbastelei. Und absurd Zeitaufwändig, jedenfalls für eine, die gar keine Zeit für nichts hat grad. Gestern habe ich den ganzen Tag damit zugebracht. Und heute auch noch mal ein paar Stunden für die „Unterhose“. Man kann es kaum so nennen, es ist quasi nichts dran, hauptsächlich Gummis und Glitzer. Aber Paillettenstoff (sie ahnen es: Pailletten am Po…). Als ich fertig war, war ich aber wirklich zufrieden, es ist dann doch noch was geworden.

Dachte ich. Dann hatte ich es heute bei einer außerordentlichen Probe an. Und jetzt muss ich noch mal ran. Ein paar Kleinigkeiten und ein paar größere Eingriffe. Der Rock ist zu lang, da trete ich drauf. Alle anderen haben außerdem ordentliche Falten gemacht, während ich das nur gerafft habe, also werde ich es wohl „oben kürzen“, also aufmachen, kürzen, und in Falten wieder annähen. Den Bund der Netzstrumpfhose muss ich noch mit rosa Gummilitze bedecken, aber das dauert höchstens 2 Minuten. Am ätzendsten ist aber, dass ich den Paillettenstoff von den BH-Trägern wieder abmachen und irgendwie anders wieder dran friemeln muss, weil mir die Träger sonst beim Ausziehen die Schultern und die Arme verkratzen. Ich sehe jetzt grad wirklich schlimm aus. Am Freitag darf das so nicht sein, da muss ich ja danach wieder auf die Bühne, mit dem Solo.

Es ist bestimmt gut, dass ich das heute alles rausgefunden habe, statt erst Mittwoch. So können die Kratzer hoffentlich verheilen und ich habe ein bisschen Zeit, diese Dinge zu fixen. Bestimmt ist das gut.

Leider zu früh über das „fertig sein“ gefreut.

Ansonsten heutige Kostüm-fails: mehrmals das Korsett nicht schnell genug aufbekommen, einmal mit dem Rock in der Strumpfhose hängen geblieben und dann mit meinem Rock als Schwanz fertig getanzt.

Tag 3447 und 3448 – Wenn man Mützen braucht.

Heute, also jetzt grade, fühle ich mich wie mit der Dampfwalze überrollt. Die Dampfwalze setzte nochmal zurück und fuhr noch mal drüber. Die Dampfwalze heißt Gürtelroseimpfung. Ich schätze mal, Gürtelrose ist wesentlich schlimmer, aber ein Spaß ist das hier grade echt nicht. Hänge also vorm Fernseher rum, frierend trotz Wärmekissen und Tee und versuche, nicht auf die Gliederschmerzen zu fokussieren. Ist gar nicht so einfach. Vielleicht lege ich mich einfach zu Monty ins Häuschen. Monty häutet sich und rührt sich deshalb nicht vom Fleck.

Gestern habe ich Mützen genäht. Für alle, hier die von den Kindern (Michel hat sich diese Tarnfarbe sehr gewünscht).

Ich witzelte ein bisschen rum, dass ich so eine Mütze jetzt wohl auch brauche, ich habe nämlich am Mittwoch meine Haare erst blondiert und dann Flamingo Pink getönt. Völlig vergessend, dass wir Pippi versprochen hatten, ins Schwimmbad zu gehen. Resultat:

Ich weiß jetzt generell nicht, ob pink echt meine Farbe ist, tendiere zu nein. Aber mit diesen lustig entfärbten Längen ist es irgendwie lustig. Alle Teile von Haaren, die vorher schon mal blondiert waren, sind halt im Schwimmbad entfärbt worden. Warum auch immer, beziehungsweise eher: warum auch immer der Rest nicht.

(Und ja, die Haare sind sehr tot und müssen dringend geschnitten werden.)

Tag 3377 und 3378 – Kurze 22 Monate.

Inzwischen sind sowohl Herr Rabe also auch die Kinder norwegische Staatsbürger. Hat doch nicht 22 Monate gedauert, sondern eher so einen. Jetzt haben sie die doppelte Staatbürgerschaft und können damit jetzt auch norwegische Pässe beantragen, wenn sie wollen. Etwas lustig finde ich, dass im Bescheid steht, dass sie jetzt keine Aufenthaltserlaubnis mehr hier haben. Erst danach steht dann, dass sie die auch nicht mehr brauchen.

Ich habe heute hauptsächlich gearbeitet. Danach habe ich für Pippi sehr schnell ein Leggings- und Shirt-Set in käsegelbem Jersey genäht. Ich hasse ja den Ausdruck „von der Maschine gehüpft“, aber es geht ja doch recht schnell, so simple Dinge aus einfarbigem Jersey zusammenzubasteln. Jetzt kann Pippi morgen als Käse auf ihre Halloweenparty gehen. Fragen Sie einfach nicht, warum Käse. Ich hinterfrage das auch nicht. Ich führe nur aus.

So, jetzt ab ins Bett, Michel muss morgen um halb zehn am anderen Ende von Eidsvoll bei so nem Korpsdings sein. Damit ich mich nicht langweile oder so, muss Pippi da auch hin, aber erst um viertel vor elf. Kann quasi nur hin und her fahren. Toll.

Tag 2972 und 2973 – Warten auf Regen.

Der Mantel ist fertig und bis auf die allerletzte Naht, die ich wieder auftrennen werde, sobald ich mir einen neuen Auftrenner besorgt habe (der alte ist irgendwie verdunstet…) bin ich sehr zufrieden. Nur Bilder von auf dem Bügel, nicht an mir, ich war heute optisch nicht präsentabel.

Von vorne
Von hinten (find the Whoopsie).
Vorne halb offen, noch ein Whoopsie, das ich aber zum Feature erklärt habe.

Jetzt ist natürlich mindestens eine Woche Sonnenschein und 20 Grad aufwärts angekündigt.

Sehr viel anderes habe ich nicht gemacht. Gebügelt und mich vor der kommenden Woche gegruselt. Falls ich mich nicht melde, bin ich im Inspektionstunnel oder irgendwann morgens beim Versuch, Pippi um 07:20 Uhr schulfertig zu haben, geplatzt.

Tag 2966 und 2967 – Alte Bekannte.

Ich hab die Nähmaschine aus dem Haufen an Zeug auf dem Nähtisch ausgegraben und angefangen, mir einen himbeerfarbenen Softshellmantel zu nähen. Das ist noch nicht schwierig genug und ich hab ja auch im letzten Jahr quantitativ total viel Übung gehabt, ich mache also alles anders als es im Schnittmuster steht. Eine Kapuze dran, ohne ein Schnittmuster für eine Kapuze zu haben. Reißverschluss statt Knöpfe – das könnte einfacher sein, es handelt sich aber um einen Mantel mit asymmetrischem Überlapp, ich muss also den einen Teil vom Reißverschluss irgendwie quasi mitten in den Stoff einsetzen. Kein Wendemantel, sondern mit Belegen (hauptsächlich weil der als Wendemantel vermutlich viel zu warm würde). Ziernähte in Kontrastfarbe, um das ganze Pink optisch zu unterbrechen.

Ich bastele, aus Schaden klug, fleißig Prototypen. Kapuze in Kombination mit Nackenbeleg sowie Reißverschlusslösung wollen gut durchdacht sein, ich kenne mich ja und ärgere mich sonst für immer über die kleinen Schummeleien überall. Ebenfalls aus Schaden klug hefte ich auch tatsächlich lieber erst einmal, als bombenfeste Nähte wegen undurchdachter Aktionen stundenlang wieder aufzutrennen. So komme ich zwar nicht so schnell voran, wie ich könnte, bin aber hoffentlich am Ende glücklicher mit dem Ergebnis. Bonus, wenn ich noch dran denke, einen Aufhänger dran zu basteln. Das habe ich bei keinem Mantel bisher getan und es nervt halt immer dann, wenn kein Bügel zum Aufhängen da ist, total.

Fotos folgen, wenn fertig. Das, was schon fertig ist (das Oberteil minus der Reißverschluss und der untere Teil, die müssen nur noch heiraten) sieht sehr vielversprechend aus und ich bin total begeistert von den Farben, die ich mir da ausgesucht habe. Trotz Gebastel bin ich auch (noch) sehr glücklich mit den Änderungen, die ich mir da ausgedacht habe.

Was allerdings an Softshell echt nervig ist: der Stoffstift hält nicht, Kleber hält nicht, Bügeleinlage* hält nicht und doof zu nähen ist es auch. Zumindest meine Maschine überspringt bei dem Stoff manchmal Stiche, trotz Microtex-Nadel. Beim Futterstoff, den ich aus Faulheit mit dem gleichen Nadel-Garn-Setup nähe, passiert das aber nicht, und faszinierender Weise auch viel weniger, wenn ich einfach voll Gas gebe. Die Devise ist also Pedal einfach durchtreten und aufs Beste (also gerade Nähte) hoffen.

(Keine Sorge, ich hatte schon schlimmere Stoffe, das hier ist nur nervig, aber bedarf eigentlich keiner weiteren Maßnahmen, weder zum Nähen noch zur seelischen Unterstützung.)

Tag 2579 – Weiter Urlaub.

Michel lässt verlauten, es ginge ihm gut, der Tee sei lecker und wir sollen morgen bitte 20 Minuten VOR dem Konzert da sein. Er wollte noch, dass ich die Meerschweinchen mitbringe, weil die beim Kurs gesagt haben, es könnten alle kommen, Eltern, Geschwister, Tanten, Onkel, Omas, Opas *und Hunde, Katzen und was man sonst noch so zu Hause hat*. Ja, das Kind nimmt ziemlich wörtlich, was Erwachsene so sagen. Die Meerschweinchen bleiben aber trotzdem hier, die finden Marschmusik auch gar nicht so schön, glaube ich.

Wir haben heute lange geschlafen, dann ein bisschen herumgerödelt und danach haben wir einen Spaziergang in den Ort gemacht, um noch mehr leckeres Essen aus Transportern und ähnlichem zu essen (heute: vegetarische Taco-Bowl für mich und Herrn Rabe und Softeis für Pippi und Herrn Rabe, wobei Pippi wie immer bei uns auch mitgegessen hat und das wie meistens sehr gut fand).

Spaziergang mit Hase.

Danach fuhren Herr Rabe und Pippi nach Hamar, die Ikea-Bestellung abholen. Wir haben vor der harten Matratze doch sehr schnell kapituliert und einen Topper gekauft. Ich spielte Geige. Später machte ich mich noch über den Reparatur- und Änderungsstapel her, setzte an einer Hose Taschen ein, nähte eine andere Hose im Schritt wieder zusammen (da hatte ich gestern so einen Silikonstreifen herausgetrennt, der mich wegen Pieksigkeit jedes Mal in den Wahnsinn trieb, wenn ich die Hose trug), machte einen Rock von Pippi enger (nur eingefaltet und umgenäht, da der Rock eh eine Wickeloptik mit Rüschen hat und zudem klein gemustert ist, fällt das gar nicht auf, dass das die Fauli-Version von Anpassung ist) und flickte eine hellgraue Jogginghose von Michel am Knie, mit – fancy ausgedrückt – visible mending, was so viel heißt, dass ich von hinten einen Flicken aus Jersey aufgenäht und dann mit verschiedenen bunten Garnen kreuz und quer mit Zickzackstich über den Riss genäht habe. Letzteres vor allem, weil Michel an losen Ecken und Kanten so lange friemelt, bis es unreparierbar kaputt ist. Jetzt hat die Hose halt ein neues Design-Feature.

Tag 2531 – Krankenpflegeperson.

Falls Sie mal eine sehr müde Frau im Zug von oder nach Oslo sehen, die Nähte auftrennt, bin das wahrscheinlich ich. Bis zum Flughafen hatte ich die Ärmel ab, der Rest der beiden Fahrten ging dafür drauf, das vermaledeite Schrägband wieder abzumachen. Die Anleitung beschrieb die Montage des Schrägbandes nämlich schludrig (einfach drüber legen und festnähen) und genau so sah es dann auch aus. Also alles ab und neu, mit auseinanderfalten, Rundungen einknipsen, feststecken, festnähen, rumfalten, Rundungen einknipsen, wieder feststecken, wieder festnähen. Das dauert, aber nicht so lange wie alles zwei mal machen und zwischendurch auftrennen.

Ohne Ärmel und weiterhin in hellblau sieht es jetzt ein bisschen aus wie das, was hier die Intensivkrankenpflegepersonen tragen, nur dass das dunkelgrün ist.

Jetzt ist es in der Waschmaschine, als Vorbereitung auf eine Runde baden in Jeansblau. Ich glaube mit den hellblauen Nähten könnte das sogar ganz nett aussehen. Wir werden sehen.

Übermorgen geht es los, wär halt schon irgendwie gut, wenn ich mich bekleiden könnte.

(I’m peeing my pants, aber sagen Sie es niemandem, ja?)

Tag 2530 – Judo.

Jumpsuit in hellblauem Leinen mit weiten Armen und weiten Beinen? Blöde Idee. Sieht aus wie ein Judoanzug. Jetzt überlege ich fieberhaft, wie ich das fixen kann. Werde wohl die Ärmel abmachen und ihn dunkelblau einfärben und aufs Beste* hoffen. Hat dann halt Ziernähte in hellblau.

So ein Sch…

Nein, keine Fotos.

*einen höheren Grad an ausgestrahlter Seriösität

Tag 2506 – Hust.

Michel hat sich neulich im Stoffladen in den Kopf gesetzt, ein Kuschelkissen aus extrem flauschigem Kunstleder in hellblau haben zu wollen. Dass es Kunstleder ist, war Herrn Rabe gar nicht klar, und der war mit Michel im Stoffladen und ließ sich breitschlagen. Zum Glück habe ich allerdings Ledernadeln geerbt, weshalb das kein Drama war. Was niemandem klar war, war dass das Zeug an den Schnittkanten höllisch fusselt. Aber Michel ist ein guter Staubsaugerhalter. Trotz sofortigen Versäuberns musste er den Staubsaugerrüssel quasi vor meine Nase halten, damit ich nicht jede Menge winziger Plastikfussel einatmete. Einige kamen aber doch in Hals und Nase an und kratzen seitdem da rum. Das ganze Gefussel stresste mich so sehr, dass ich mir in die linke Zeigefingerkuppe nähte und nur dank der dicken Hornhaut vom Geige spielen an der Fingerspitze kein Blutbad veranstaltete. Jetzt ist da eine Kerbe in der Hornhaut, aber sonst nichts. Es hat nicht mal geblutet, gerade so. Gelernt habe ich: die Ledernadeln sind scharf. Kunstleder mit Flausch fusselt absurd. Weil Flausch auf Flausch auch rutscht, kann Michel das nicht selbst. Michel sollte nicht in Stoffläden gelassen werden. Und wenn ich Lungenkrebs kriege, weiß ich wenigstens, warum.

Der Stoffrest wohnt jedenfalls erst mal in einer zugeknoteten Plastiktüte.

Michel ist sehr happy mit seinem Kissen. immerhin etwas.