Tag 3815 – Wochenendende.

Sonntag. Niemand hat sich am Hang festgefahren. Yeah.

Ich hatte eine Geigenstunde, wo ich mein Leid über Rode 9 geklagt habe und zur Belohnung weiter daran arbeiten „darf“. Nein, es ist ja gut so, es ist sehr komplex und ich kann viel dabei lernen. Und etwas Lob habe ich auch bekommen, ich hätte mir eine gute Basis und ein stabiles Grundgerüst erarbeitet, es muss jetzt halt noch „schön“ werden. Es klingt grad noch sehr roboterhaft, was kein Wunder ist, weil im Kopf die ganze Zeit mehrere Metronome mitlaufen, Achtel, Sechzehntel, Triolen, Sekstolen. Außerdem ist mein Bogen zu kurz, oder anders gesagt: ich muss den Bogen wesentlich besser einteilen. Sonst verhungern die letzten Töne auf den laaaaaangen Bögen gerne mal. Das sind alles keine Überraschungen. Überhaupt nicht. Das Problem ist eher, dass alles gleichzeitig passiert. Aber dazu habe ich jetzt Übetipps bekommen und kann dann nun Häppchenweise Feinschliff betreiben.

Zu Hause angekommen hatte irgendwie niemand den Haushalt gemacht, Schweinerei. Also fing ich damit an. Pippi machte freiwillig mit. Michel schlief auf dem Sofa ein. Herr Rabe kam nach Hause und räumte endlich Weihnachten weg. Jetzt ist gestaubsaugt und die Bäder sind sauber und die Küche ist zumindest aufgeräumter als vorher. Tolle Laune kriege ich davon nicht, also das Ergebnis freut mich schon, aber der Weg dahin ist furchtbar ätzend.

Danach habe ich dann noch Essen gemacht. Das macht mir wenigstens mehr Spaß als Putzen.

Für morgen früh ist die Sporttasche gepackt. Sehr empörend finde ich, dass mir gestern im Schwimmbad meine Reiseshampooflasche entwendet wurde. Die hatte ich schon länger als wir in Norwegen leben, und die war schon überall mit, immer wieder aufgefüllt mit über die Jahre auch sicher 7-8 verschiedenen Shampoos. Es war nicht mal eine tolle Flasche oder so, einfach eine schnöde Reisegröße von einer dm-Eigenmarke. Keine Ahnung, wer sowas klaut, aber als wir gestern mit Schwimmen fertig waren, war das Shampoo nicht mehr in dem Fach in der Dusche. Alles andere war noch da, nur das Shampoo war weg. Sehr seltsam und sehr empörend. Jetzt musste ich ein neues Fläschchen abfüllen, und das ist falsch, das passt alles nicht so gut ins Reisetäschchen und ich finde nicht gut, dass ich jetzt wegen seltsamen Leuten im Schwimmbad meine Shampooflaschenroutine ändern muss. Ganz und gar nicht gut.

Tag 3687 – Planleggingsdag.

Ich hatte heute bei der Arbeit nicht so viel zu tun, aber ich habe ausreichend Flexizeit. Gleichzeitig habe ich gestern nicht geschafft, zum Friseur (bei der Drop-In-Kette) zu gehen und das Gartencenter mit den auf norwegische Verhältnisse angepassten Pflanzen hat immer nur bis 17 Uhr, Samstags nur bis 15 Uhr auf. Wenn man hier was pflanzen will, sollte man das jetzt echt langsam machen, sonst geht es im Winter tot. Long Story Short – Ich fuhr heute mitten am Tag nach Jessheim, erst zum Gartencenter, dann zum Friseur. Im Gartencenter wohnte ich erst am Telefon Herrn Rabes Versuch, Karten für System of a Down zu bekommen, bei und leistete moralischen Support. Dann kaufte ich leicht impulsiv nicht nur einen (tiny!) Holunderstrauch, sondern auch einen Flieder und eine Clematis in lila. Was soll eine auch machen, wenn alles im Angebot ist? (Ja, ich weiß, nichts kaufen.)

Friseur ging dann auch ganz fix. Die heutige Friseurin war etwas grob, aber ansonsten gut. Jetzt ist alles wieder kurz. Weil aber fast alles von der vorherigen Färbung dabei abgeschnitten wurde, habe ich zu Hause noch blondiert. Erfolgreich. Morgen kommt dann pink drauf und dann bin ich wieder fresh und hip. Heute bin ich nur mittelhip und meine Kopfhaut juckt.

Tag 3649 – Plötzlich Jugendlich.

Heute war ich, statt für den Urlaub zu packen, mit Michel beim Friseur. (Herr Rabe hat statt für den Urlaub zu packen Johannisbeeren mit Pippi gepflückt, also stehen wir morgen sehr früh auf.) Michel wollte schon länger seine Haare kürzer haben und ich habe das natürlich wie eine gute, bedürfnisorientierte Mutter gehandhabt und nein gesagt. Ich musste mich erst eine Weile an den Gedanken gewöhnen, dass Michel seine Haare abschneiden will. Aber ich habe das dann doch irgendwann überwunden und ihm einen Termin beim Friseur gemacht, und zwar einem ordentlichen, da, wo Herr Rabe auch hingeht. 45 Minuten und 650 Kronen später hatte ich dann ein ganz neues Kind, das jetzt aber sehr, sehr zufrieden ist.

Vorher
Erst mal die Längen ab.
Da kann man sich auch nen zweiten Michel draus basteln.
Nachher.

Jetzt sieht er plötzlich aus, wie ein Jugendlicher. Ein ausgesprochen gut aussehender obendrein (gute Gene, ähäm, natürlich alle nur vom Vater!), ich sehe ihn schon rechts, links, oben und unten Herzen brechen, weil er einfach bisher so gar nicht an Romanzen interessiert scheint.

Vor allem ist aber Michel happy ohne Ende und tanzt seither durch die Gegend. Er behauptet, das ginge jetzt besser, weil „mindestens drei Kilo!“ Haare ab sind. Ich durfte schon zeigen, wie man Salzwasserspray benutzt (Michel musste zu Hause noch ein paar Härchen abduschen) und jetzt friemelt er ständig an seinen Haaren. Das ist sehr schön zu sehen.

Da gewöhne ich mich bestimmt auch schnell dran, dass er anders aussieht.

Tag 3619 – Blöd alles.

Blöden Kacktag bei der Arbeit gehabt. Haus nicht verkauft. (Allerdings hatte der potentielle Käufer wohl davon gefaselt, um den Garten rum ganz viel Thuja zu pflanzen, damit bloß keine Nachbarn reingucken können und das fände ich dann doch ziemlich herzbrechend, da grabe ich den Holunder doch noch aus vorher.)

Abends einen ziemlichen Haufen Geld für Kinderunterwäsche ausgegeben und dann noch neue Brillen geordert. Hilft ja alles nichts.

Michel will seine Haare schneiden, wegen Gruppendruck von seinen Kumpels, in etwas, das ich pottenhässlich finde (einen Wolf Cut, ich finde das sieht aus wie nicht oder schlecht geschnitten). Ich würde das gerne verhindern, aber das wäre vermutlich schlechte Elternschaft. Außerdem geht man echt lange in den Knast für prophylaktische Serienmorde an sämtlichen norwegischen Friseur*innen.

Schön war, mit Herrn Rabe eine Folge The Residence zu gucken, das ist eine ganz schöne Serie auf Netflix. Man lernt dort viel über Vögel.

Gucken Sie mal, wie schön der Holunder blüht!

Leider gibt es keine Geruchsfotos, aber der Busch duftet meterweit.

Tag 3498 – Haare ab und ein kleiner Shopping-Ausflug.

Herr Rabe und ich sind heute nach Oslo gefahren, zum Haare schneiden und weil ich was zurückgeben wollte. Dann hat mich Herr Rabe noch in den tollen Handschuhladen geschickt, um Lederpflege zu kaufen, und dann hab ich irgendwie auch Handschuhe gekauft, tolle, blaue Lederhandschuhe mit Wollfutter. Ich bin jetzt groß und muss gar nicht mehr die allerbilligsten Strick-Handschuhe im Dreierpack an der Kasse bei Lindex kaufen. Nämlich.

Als ich Herrn Rabe wieder traf waren seine Haare zwar nicht kurz, aber doch deutlich kürzer als vorher. Meine allerdings auch. Nur waren die vorher kurz und sind jetzt wieder richtig kurz. Jetzt friere ich am Kopf ohne Mütze wieder.

Apropos frieren: der Winter ist jetzt wieder zum Abgewöhnen. Es sind 2-3 Plusgrade und dabei nieselt es die ganze Zeit. Es ist alles grau und alles ist vereist, bis auf da, wo es matschig ist. Die feuchte Kälte kriecht überall rein und man friert mehr als bei trockenen -10 Grad. Eklig. Kann bald Frühling sein?

Tag 3478 – Weiter nichts zu erzählen.

Hier passiert, was immer am Wochenende passiert. Blumen gießen, Aquarienwasser tauschen, Stundenpläne ausdrucken, die Woche durchsprechen. Wäsche waschen, aufräumen. Sport, Geige. Pippi hatte etwas Besuch von einer Klassenkameradin. Michel hat hauptsächlich gedaddelt und war zwischendurch mal baden, unter anderem, um diese Lockenpracht zu pflegen:

Ich habe meine Haare nachgefärbt und jetzt sind sie wieder leuchtend Flamingo Pink und nicht mehr total ausgewaschen hellrosa-pfirsich.

Außerdem haben wir das Wochenende genutzt, um den Sofabezug zu waschen. Da haben wir ja vor ein paar Jahren in einen neuen Bezug investiert, statt in ein neues Sofa und sind immer noch sehr zufrieden mit dieser Lösung.

Routine-Wochenenden ohne Aufregung sind eigentlich wirklich sehr schön.

Jetzt muss ich versuchen, die Augen versuchen. Es ist jetzt nicht mehr der Jet Lag. Jetzt ist es nur noch das normale Dasein als Eule.

Tag 3447 und 3448 – Wenn man Mützen braucht.

Heute, also jetzt grade, fühle ich mich wie mit der Dampfwalze überrollt. Die Dampfwalze setzte nochmal zurück und fuhr noch mal drüber. Die Dampfwalze heißt Gürtelroseimpfung. Ich schätze mal, Gürtelrose ist wesentlich schlimmer, aber ein Spaß ist das hier grade echt nicht. Hänge also vorm Fernseher rum, frierend trotz Wärmekissen und Tee und versuche, nicht auf die Gliederschmerzen zu fokussieren. Ist gar nicht so einfach. Vielleicht lege ich mich einfach zu Monty ins Häuschen. Monty häutet sich und rührt sich deshalb nicht vom Fleck.

Gestern habe ich Mützen genäht. Für alle, hier die von den Kindern (Michel hat sich diese Tarnfarbe sehr gewünscht).

Ich witzelte ein bisschen rum, dass ich so eine Mütze jetzt wohl auch brauche, ich habe nämlich am Mittwoch meine Haare erst blondiert und dann Flamingo Pink getönt. Völlig vergessend, dass wir Pippi versprochen hatten, ins Schwimmbad zu gehen. Resultat:

Ich weiß jetzt generell nicht, ob pink echt meine Farbe ist, tendiere zu nein. Aber mit diesen lustig entfärbten Längen ist es irgendwie lustig. Alle Teile von Haaren, die vorher schon mal blondiert waren, sind halt im Schwimmbad entfärbt worden. Warum auch immer, beziehungsweise eher: warum auch immer der Rest nicht.

(Und ja, die Haare sind sehr tot und müssen dringend geschnitten werden.)

Tag 3414 und 3415 – Viel zu kurzes Wochenende.

Hier passierten wochenendliche Dinge, nur zu viele auf einmal, für so ein kurzes Wochenende. Sehr viel Hobbykurs, das eskaliert grad ein bisschen und nagt an den Wochenenden jetzt auch noch rum. Aber nur kurz und bald dann gegessen.

Ach ja: heute habe ich mir die Haare wieder blau gemacht. Das blau von Blue Lagoon wäscht sich aus weiß gebleichtem Haar aber wirklich sowohl langsam als auch schön raus, die letzten zwei Wochen ca. war es himmelblau. Mir gefällt die Farbe wirklich gut, auch weil sie sich so schön rauswäscht, aber ich hab noch so viele andere Farben, die ja auch benutzt werden wollen. Muss darüber nachdenken, wie ich das handhaben möchte.

Jetzt muss ich aber erst mal ins Bett, in sechs Stunden klingelt ja schon wieder der Wecker. Uff.

Tag 3370 – Wieder außerhalb der Komfortzone.

Aber anders. Denn ich bin jetzt wo, wo ich drei Tage lang nichts anderes mache, als neue Leute kennen zu lernen.

Bisher läuft das ganz ok. Aber ich gehe jetzt dann auch lieber ins Bett, obwohl noch Brettspiel, Poker, Gaming und generell geselliges Beisammensein läuft. Das läuft aber auch ohne mich. Meine Batterie im Hinblick auf meine Einschränkungen ist eh schon ziemlich leer, gestern merkte ich das sehr deutlich, und es liegen noch zwei volle Tage vor mir. Lieber Kräfte schonen. Aber ich war schon beim Pop Up Chor und habe gesungen, das war zwar musikalisch jetzt eher so njaaa aber ansonsten sehr schön.

Aus gegebenem Anlass habe ich gestern meine Haare getönt. Und auf komplett weiß knallt die Farbe auch richtig.

Aber holla, färbt die Farbe ab. Also, dass Directions in den ersten Tagen ausbluten, bin ich gewohnt, aber das ist ein neues Level. Lustiger Weise geht es von den Händen (an die es nur abgefärbt hat) dann aber nie mehr runter. So soll die Farbe aber auch nur kurz sein, genau genommen nur dieses Wochenende, da kann ich das verschmerzen.