Tag 601 – Hachseufz. 

Es ist ja so: egal wie blöd der Tag war, egal wie unproduktiv ich bei der Arbeit rumgehangen habe, egal wie absurd manche Internetdiskussion sich entwickelt, egal wie zickig Vierjährige und wie dickköpfig Einjährige sein können, am Ende zählen kleine warme Körper in meinem Arm, wuschelige Haare, die meine Nase kitzeln, ein geflüstertes „Mama, du sollst mich immer ins Bett bringen, weil du bist am coooooolsten!“ und vor allem die völlig entspannten Schlafgesichter, das leise Seufzen und Schnaufen und all das Vertrauen, das da mitschwingt. Da werd ich dann auch mal ganz sentimental. 

Tag 550 – Freitag Abend. 

Nicht, dass Sie denken, wir hätten die Kinder verkauft oder so. Die erfreuen sich bester Gesundheit (haha, also, was man so Gesundheit nennt, im Februar bei Kindergartenkindern). 

Mit Michel haben wir weiterhin Diskussionen um den allgemeinen Umgangston, dass zum Beispiel „Mehr Fleisch!“ keine angenehme Art ist, die Eltern um ein weiteres Stück Hühnchen* zu bitten. Außerdem singt Michel munter das Dinozug-Lied und nervt uns alle ordentlich mit Dinos. Ist aber auch sehr niedlich dabei, das muss man ihm lassen und er lernt auch viel. Und wir dadurch auch. Ist schon ok. 

Pippi ist mal wieder in einer Ich-fresse-meinen-Eltern-die-Haare-vom-Kopf-Phase. Bald wächst sie sicher zehn Zentimeter oder sie kann demnächst Teller auf ihrer Nase balancieren oder so. Irgendwas ist jedenfalls im Gange, die dreihunderttausend Kilokalorien am Tag müssen ja für was gut sein. 

Alles in allem geht es mir langsam auch wieder so gut, dass ich nicht mehr sofort schreiend davon laufen will, wenn mal beide gleichzeitig was von mir wollen. 

Und das Beste: beide schlafen jetzt. 

*Hat er sich gewünscht, ich bin also pflichtschuldig losgelaufen und habe Antibiotika-freies Huhn aus Haltung mit viel Platz besorgt. Und er hat es tatsächlich gegessen und fand es lecker! Hurra!

Tag 524 – Die lieben Kinder. 

Geschwister, unverkennbar.


Ach ja. Die Kinderchen. So niedlich. Manchmal. 

Manchmal nicht. 

Heute ist das letztere manchmal. 

Michel redet unfassbar viel und vor allem laut. Also so laut, dass wir bei der nächsten HNO-Kontrolle mal nachfragen werden, ob er wirklich wirklich WIRKLICH normal gut hört. Gefühlt sagen wir tausendmal am Tag „Du brauchst nicht so schreien!“, „Nicht so laut, bitte!“ oder, pädagogisch wertvoll wie eh und je, „BRÜLL HIER NICHT SO RUM!“. Zur Lautstärke kommt eine enervierende Redundanz des Gesagten. Es ist eigentlich immer irgendeine Forderung, die er jetzt sofort erfüllt haben will. „KANN ICH GRÜNEN APFELSAFT MIT BLUBBERWASSER? KANN MIR JEMAND GRÜNEN APFELSAFT MIT BLUBBERWASSER REINSCHINKEN? PAAAPAAAA? ICH WILL GRÜNEN APFELSAFT MIT BLUBBERWASSER!!!“ [Grün, weil die Packung grün ist. Die vom naturtrüben ist gelb.] Und wenn man dann auf das angebrüllt werden nicht sofort reagiert oder – undenkbar – man wagt es sowas zu sagen wie „Grade ist schlecht, schau mal ich wickel grad Pippi, putze mir dabei die Zähne und mit den Füßen falte ich Wäsche. Hol dir doch schon mal den Saft aus dem Kühlschrank, ich komme dann gleich.“ Dann kommt „ICH WILL NICHT HELE TIDA [die ganze Zeit] WARTEN!!! ORRRRRAAAAAAAAA!!!!!!“ und Meltdown. Entzückend. 

Heute hatten wir außerdem eine Gegessen-wird-was-auf-den-Tisch-kommt-Diskussion, bei der ich mich zeitweise fühlte wir meine eigene Oma. Aber wenn selbst Herrn Rabe, der ja sonst die Ruhe selbst ist, der Kragen platzt, weil sich Michel seit Wochen weigert, was anderes als Nudeln mit Ketchup oder Nudeln mit Kräutersalz zu essen, dann ist es eben Zeit für die Auseinandersetzung. Wir haben jetzt einen Kompromiss: wir tun nicht mehr so obereklige Dinge wie Zwiebeln und Petersilie (die hat er vorher noch roh weggeknabbert, aber Schwamm drüber) ins Essen, dafür probiert er wenigstens. Es ist dringend an der Zeit, dass sich an Michels Essgewohnheiten was ändert, schon alleine weil sich Pippi den Mist abguckt und noch viel früher in die Ich-esse-nur-nackte-Nudeln-Phase startet. Obwohl sie eigentlich noch vieles mag. 

Ja, ach ja, Pippi. Die Nervensäge. Ich vermute mal es ist wieder irgendsoein Schub, jedenfalls habe ich nicht nur nachts wieder ein Kind auf dem Gesicht liegen, nein, tagsüber habe ich immer ein nörgelndes, oder weinendes, oder hysterisch schreiendes Kind am Bein. Sie versucht dann an mir hochzuklettern, sobald ich versuche, mich zu bewegen lässt sie sich theatralisch auf den Boden plumpsen und weint, als hätte ich ihr gerade Den Einen Ring weggenommen und ins Feuer geschmissen. (Manchmal schaffe ich es, sie von mir loszueisen, dann klebt sie halt an Herrn Rabe. Hauptsache sie klebt.) Dazu natürlich alterstypische Dickköpfigkeit, bei einem eh schon willensstarken Kind ist das, ähhh, herausfordernd. Und absolutes Unverständnis für Dinge wie „Guck mal, die ganz scharfen Küchenmesser, die sind echt nur für Große, wir hängen das jetzt hier wieder hin.“. Meltdown. Auch das: entzückend. Ganz und gar reizend. 

Hach ja. Und dann liegen die nachts in meinem Bett, und schnarchen mir ins Ohr und schieben ihre Füße zwischen meine Beine und das ist alles vergessen. Dann ist da nur Hachseufz. (Bis zum nächsten Morgen, wenn es wieder heißt „ICH WILL GRÜNEN APFELSAFT…“) 

<3 

Tag 516 – Gespräche. 

Kurzer Einblick in unser tägliches Leben mit den bezaubernden Kindern. 

Michel: Willst du raten, was ich für ein Tier bin?

Herr Rabe: Klar! Bist du vielleicht… braun?

Michel: Nein, ich bin ja ein Eisbär! Orrrr. 

Michel: Willst du raten, was ich für ein Tier bin?

Herr Rabe: Klar!

Michel: Du musst fragen, welche Farbe ich hab.

Herr Rabe: Hmmmm. Bist du braun?

Michel: Nein.

Herr Rabe: Bist du weiß?

Michel: Hmmmmmneeeeiiiin?

Herr Rabe: Hmm. Bist du grau?

Michel: Nein.

Herr Rabe: Bist du rot?

Michel: Nein.

Herr Rabe: Hmm, jetzt fällt mir nichts mehr ein…

Michel: Ich bin ja ein Eisbär! Orrrrr!

Michel: Jetzt bist du dran. Du musst dir überlegen, was du für ein Tier bist. 

Herr Rabe: Ok, ich hab’s mir überlegt.

Michel: Bist du weiß?

Herr Rabe: Nein. 

Michel: Orrrr Papa, du musst ja auch ein Eisbär sein!

Pippi kann auch sprechen. Drei Worte. Vier, wenn man ‚Mjam‘ mitzählt. Fünf, gestern hat sie ein paar Mal „Okeyyyyy?“ gesagt. Dafür singt sie echt schön. Bææ Bææ lidl laaa (Bææ Bææ Lille Lamm), Åååå hudldudldudl (åååå boogieboogieboogie), Düpdüpdüp, düpdüpdüp (Mikkel rev, satt og skrev…), klappt alles super in der richtigen, erkennbaren Melodie. Lustig ist auch, dass sie viele verschiedene Intonationen von ‚Ja‘ kann, aber kein ‚Nein‘. Gespräche mit ihr sind dann ungefähr so:

Pippi: *nöckelnöckel* Mamaaaa?

Ich: Na, hast du Hunger?

Pippi: Jaaaaa!

Ich: Soll ich dir Brot machen?

Pippi: Jaaaaa!

Ich: Mit Frischkäse?

Pippi: Jaaaa!

(Vermutlich könnte das Gespräch auch weitergehen mit:

Ich: Soll ich dir geraspelte Fußnägel mit draufstreuen?

Pippi: Jaaaaa!

Aber so fies bin ich nicht.)

Pippi: *drückt* *nöckelnöckel*

Ich: Na, sollen wir mal eine frische Windel machen?

Pippi: Ja. *wetzt ins Bad*

Pippi: *wacht nachts auf und weint*

Ich: Willst du Banane essen?

Pippi: Jaaaaa. (Hier abfallenden Laut vorstellen. Und abfallende Mundwinkel.)

Herr Rabe: *holt Banane*

Pippi: Ja! Ja! Haha!

Pippi: *wacht sehr warm auf und weint*

Ich: Oh nein, hast du Fieber?

Pippi: Jaaaaaa?

Ich: Fühlst du dich nicht gut?

Pippi: Jaaaaaa?

Ich: Kannst du deshalb nicht mehr schlafen?

Pippi: Jaaaaa?

Also alles in allem eine sehr positive, etwas Eisbärenlastige Situation hier. 

Tag 505 – Urlaub, Hachz. 

Urlaub mit Kindern zu Hause. Ohne dass man irgendwen besuchen müsste oder überhaupt könnte. Ich finde das total großartig. Endlich kommt man mal zu all den liegen gebliebenen Dingen (Herr Rabe hat schon die Messer geschliffen und alle Holz-Kochutensilien abgeschmirgelt und geölt! Ich habe, ähhh, einen Staubsaugerroboter gekauft.)  und die Kinder sind halbwegs ruhig und entspannt weil eben nicht täglich drölfzig Leute zu besuchen sind. Und weil ich so entspannt bin und nicht sechstausend Dinge gleichzeitig in ein Wochenende quetschen muss, kann ich mir Zeit nehmen für Bügelperlen, Knete, Malen, Bücher vorlesen, Lego und wir haben sogar schon einmal eine Kinder-CD gehört. Außerdem kuscheln wir viel und kitzeln uns viel und erzählen uns viel (Michel vor allem, der ist weiterhin in der Laberphase) und haben uns gern. Selbst über Pippis nächtliche Bananen-Fressattacken* lachen wir gemeinsam. So harmonisch kann es hier gern öfter sein. 

*jede Nacht, gegen Mitternacht. Wird wach und hat Hunger. Wenn am nächsten Tag um sechs der Wecker klingelt, reagiere ich da gerne mal gereizt…