Tag 3867 und 3868 – Kontraste.

Also, das waren jetzt zwei sehr seriöse und erwachsene Tage. Meine Güte. Ich finde das immer noch etwas seltsam, dass ich sowas einfach darf, da in die Firmen gehen und denen dann sagen, was sie alles falsch machen. Aber es ist jetzt geschafft und morgen werde ich hauptsächlich im Hoodie und in Jogginghose vorm Rechner sitzen und früh Feierabend machen, ich finde, ich habe das mehr als verdient.

Gestern Abend bin ich nach der Inspektion noch zum Burlesque gegangen, weil das ja oft gut tut, um auf andere Gedanken zu kommen (und auch vernünftig zu schlafen und nicht drülf mal nachts wach zu werden und an irgendwelche Arbeitsdinge zu denken). Was ich verdrängt hatte: es war angekündigt, dass wir Improvisation mit Handschuhen (also dem Ausziehen von Handschuhen) machen sollten. Was ich mir in meiner wildesten Phantasie nicht vorgestellt hatte: dass wir KOMPLETT nur improvisieren würden. Eine Stunde Tanzimprovisation, dann eine halbe Stunde Handschuhimprovisation. Ich hasse Improvisation. Ich kann das nicht. Deshalb sollte ich es mehr üben, yada yada yada aber ICH. WILL. DAS. NICHT. AHHHHH. Alles in mir sträubt sich dagegen. Natürlich hab ich es trotzdem gemacht. Aber nach nem ganzen Tag mit fachlichen Diskussionen auf hohem Niveau „einfach mal so“ was improvisieren, OH GOTT.

Ehrlich, schmeiß mir irgendeine Choreo zu, ich mache mich auch zum Affen und alles, kein Problem. Aber bitte nicht einfach Musik anmachen und sagen: „Stell dir vor, du bist Rauch, in einem Raum voller Rauch.“

(Zu allem Überfluss weiß ich jetzt, dass meine Handschuhe, wenn mir sehr warm ist, kaum an- und schon gar nicht wieder ausbekomme. Geschwollene Hände sind ein Ding.)

Tag 3860 und 3861 – Im Inspektionstunnel.

Diese Woche drei Tage, nächste Woche drei Tage (gleiche Firma), dazwischen und danach Office und Umorganisierung und tralala. Und Korpsdings am Wochenende mit Backen von Boller. Inspektion könnte theoretisch entspannt sein, ist sie aber nicht, vor allem nicht für mich, weil ich da „Chef“ bin (lead inspector) und alle schwierigen Entscheidungen treffen muss. Hurra.

Dazu müde und Kopfschmerzen (kein Wunder, wenn man den ganzen Tag durch 4 Etagen Firma gerannt ist) aber das beste was ich machen kann, ist wohl, einen guten Job zu machen und meine schwierigen Entscheidungen auf einer möglichst soliden Grundlage zu treffen (nicht so wie unsere Direktion *hust*).

Tag Dingens – Bin wieder da…

… mit einem fulminanten Virus, der [Details erspare ich] und unerträgliche Bauchkrämpfe verursacht. So in dieser Form hatte ich sowas noch nie, ich kann kaum aufrecht stehen und fühle mich eher tot als lebendig. Ich sage Virus, weil der Hausarzt, bei dem ich heute auch schon war, gesagt hat, klingt wie Virus. Da gegen die Schmerzen Paracetamol einfach mal gar nichts tut, habe ich Paracetamol/Codein-Tabletten bekommen und die Kombination 7 Stunden Zeitverschiebung und Codein ist nicht meiner Wachheit zuträglich.

Ansonsten war alles gut. Nur die Rückreise und der Tag davor waren nicht sehr schön bis furchtbar.

Tag 3816 – 3818 – Vorbereitungen.

Ich bin immer noch konstant müde. So viel Vitamin D kann man echt gar nicht nehmen. Oder so viel schlafen, zumindest schaffe ich das nicht.

Wir bereiten die China-Reise vor. Ich bin wirklich langsam sehr aufgeregt. Wird das alles funktionieren? Wird mir der Lieblingskollege den Kopf abreißen, weil das Netz in China mit der eSIM, die ich nach langen Recherchen ausgesucht habe, genau da wo die Site ist, schlecht ist? Werde ich nach über einer Woche authentisch chinesischem Essen nie wieder dort hin wollen? Werde ich durchdrehen, weil die von der Site uns vermutlich nie in Frieden lassen werden? Mir ist das alles zu aufregend und dann kann ich nicht mal meine normalen Kontakte haben, weil ich alle privaten Geräte zu Hause lassen muss und nur das nahezu leere Telefon und den ebenso leeren PC mitnehmen darf.

Mir ist das grad alles ein bisschen viel.

Tag 3804 und 3805 – Routine.

Die erste Inspektion des Jahres ist nahezu überstanden. Es war eine „kleine“ Inspektion eines Auftragslabors und ohne großartiges Reisen. Wir sind etwas früher fertig geworden als geplant und machen deshalb morgen nur noch die Abschlussbesprechung, gemütlich vom Büro aus. Die neue Kollegin hält sich einigermaßen wacker. Ich bin vorsichtig optimistisch.

Ich bin einigermaßen platt. Es lief zwar wirklich glatt, aber ich muss wieder ein bisschen rein kommen und jemanden neues einarbeiten, „so nebenher“, während man ja auch ne ganz normale Aufgabe hat (nämlich inspizieren), ist nicht so ganz ohne. Morgen, am durch die vorzeitig fertige Inspektion gewonnenen Bonustag, kann ich mich hoffentlich ein bisschen erholen. Jetzt hoffe ich erst mal auf Schlaf.

Tag 3766 – Schubidu.

Hab zwei Bier getrunken, es ist ja immerhin Samstag und morgen dann doch auch mal frei. Der Lieblingskollege und ich haben dann noch sehr lange Kluster Duo gespielt, wobei wir uns langsam ein Publikum erarbeiten. Die Leute fragen sich halt schon, was wir da eigentlich machen. Aber jetzt bin ich ein bisschen beduselt.

Ich freue mich unbändig auf fast acht Stunden Schlaf. Der Lieblingskollege hatte heute Nacht schon über sieben, der hat nämlich, ganz ähnlich wie ich letztes Jahr, heute verpennt.

Es ist erstaunlich okay und wenig schlimm, dass ich dieses Mal hier das Sagen hab, also lead inspector bin. Läuft ganz ok soweit. Ich mag die Bestimmerinnenrolle durchaus auch.

Tag 3763 – 3765 – kurze Meldung.

Bin gestern und vorgestern einfach sang- und klanglos eingeschlafen. Viel zu spät natürlich. Aber hier ist auch echt viel los. Mittwoch haben wir ein wenig gearbeitet, ein wenig gesportelt und viel versucht, den Jetlag zu bekämpfen. Gestern war Inspektion, heute auch. Kurz dachte ich gestern, am Mittagessen sei irgendwas nicht gut gewesen. Aber bis zum Abendessen ging das dann wieder und zum Abendessen habe ich mir dann einfach kurzerhand alle Innereien weggebrannt mit wirklich, wirklich scharfem Essen. Aber lecker. Zwei Currys, ganz simpel, dazu Naan und nach den ersten Bissen dazu dann auch Curd Rice. Danach haben wir noch die Hochzeit fotografiert, die hier im Hotel stattfand. Komplett wilde Sache.

Ein klitzekleiner Ausschnitt: der Eingang zum Festivalplatz, wo zwei Bühnen aufgebaut waren, die Gäste auf Samt-Sofas platznehmen konnten und etwa 20 Blumenläden ihren gesamten Warenbestand ausgeleert zu haben schienen.

Dazu gab es Feuerwerk, unfassbar schicke Menschen, eine Trommelband und Tanz.

Heute dann wieder Inspektion. Morgen auch. So schön, dass die norwegischen Arbeitszeitgesetze außerhalb Norwegens nicht gelten.

Indien ist schon echt sehr anders.