Tag 3387 und 3388 – Viel los.

Ich grüße aus Zimmer 2248, was eine sehr sympathische Zahl ist. Es kann also nur gut werden, diese Reise. Morgen geht es so früh los, dass das Flughafenhotel mich (und den Lieblingskollegen) beherbergen muss. Nach meinen letzten Erlebnissen möchte ich nicht morgens um viertel vor fünf abhängig vom lokalen Taxidienst sein. Hinterher erzählen die mir wieder was von dem wahnsinnig dichten Verkehr in Eidsvoll zu der Uhrzeit oder so.

Reise hält mich nicht von Ballett ab, und das war heute echt heftig, sehr viele relevés und noch mehr Sprünge. Ich glaube, die Vertretung unserer eigentlichen Lehrerin will uns heimlich auf Spitze vorbereiten oder so. Meine armen Waden.

Gestern habe ich schon mal das meiste gepackt. Heute dann den Rest. Weil ich paranoid bin, habe ich alles für die ersten zwei Nächte (und den ersten Inspektionstag) im Handgepäck. Trotzdem habe ich alles in meinen „großen“ Samsonite-Rucksack bekommen. Ha. Dieses Mal habe ich auch verschiedene Sorten Sonnenschutz dabei, Hut, Creme und Kleidung, ich werde NICHT wieder komplett verbrennen.

Ebenfalls gestern noch „schnell“ eine Geigenstunde gehabt. Das viele Geübe an Artikulation hat sich gelohnt, ich habe jetzt viel bessere Kontrolle über den Bogen. Eintönig war das Üben, aber Hilfreich. Jetzt kann ich erst mal anderthalb Wochen nicht spielen, was ich ziemlich schrecklich finde.

Herr Rabe kam gestern Nachmittag wieder, wir haben also knapp mehr als uns nur abgeklatscht. Pippi wäre am liebsten direkt wieder ins große Bett eingezogen.

So, jetzt fallen die Augen zu. Gute (kurze) Nacht!

Tag 3349 und 3350 – Haben wir auch das überstanden, ja.

So, also jetzt habe ich auch mal ein Abschlussmeeting einer Inspektion von der anderen Seite erlebt. Also von der Seite, der mitgeteilt wird, was sie alles falsch macht. Gestern habe ich ja erst eines gehalten, die Seite kenne ich ja. Das habe ich, naja, vielleicht nicht hundertmal, aber sicher so 60-70 mal gemacht bisher. Die Firma hat das auch gut über die Bühne gebracht, die waren eigentlich ganz gut, die paar Sachen, die wir da haben, sind zum allergrößten Teil Pillepalle. Ein bisschen taten die mir leid, weil wir wegen des französischen Inspekteurs mega ultra super gründlich waren und wirklich kein Fitzelchen haben durchgehen lassen. Der französische Inspekteur hatte auch an uns kaum was zu meckern, und die paar Dinge, die er uns vorgeschlagen hat, waren ebenfalls auf einem (rein fachlichen) Fitzelniveau. Sowohl gestern als auch heute im Abschlussmeeting hat er ausdrücklich meine und der Kollegin technische, fachliche und Softskills gelobt. So entspannt sei ich, sagte er, und würde eine gute Atmosphäre schaffen. Ich danke an dieser Stelle dem professionellen Inspekteur-Renana-Kostüm, das das alles stets locker flockig wuppt. Besonders freut mich, dass der französische Inspekteur das heute halt alles noch mal vor allen meinen Kolleg*innen, Chefinnen und dem Direktor selbst wiederholt hat. Zusammen mit: kein Finding für die observierte Inspektion, alles top, nicht mal Verbesserungsvorschläge. Mit Glanz bestanden, würde ich sagen. Sowohl ich als auch das Kostüm.

Nach dem Abschlussmeeting heute habe ich endlich mal wieder richtig Sport gemacht. Das war sehr anstrengend und aber auch sehr gut. Nach der Woche war ich aber bei der anschließenden „Hurra, es ist vorbei!“-Feier so platt, dass ich hätte einschlafen können. Zusätzlich waren sowohl Pizza als auch Kuchen falsch geschnitten und mein Kostüm war irgendwie schon ins Wochenende gestartet. Meine Kollegin hat mir dann ein Stück Kuchen abgeschnitten, weil ich nicht darüber hinweg kam, wie die anderen ihn angeschnitten hatten. Ich habe dann auch brav meine Ohrenstöpsel geholt. Und mir auch nichts vorgeworfen, ja mei, dann muss ich halt wen haben, der mir nach so ner Woche den Kuchen schneidet. So what.

Tag 3348 – Müdes piep.

Dass halt auch noch dauernd alles schief geht, macht meine Woche nicht einfacher. Gestern war in der Bahnhaltestelle Feueralarm, alle mussten raus, unter Sirenengeheul. Heute war auf der Strecke wo ich lang muss Signalstörung und ich habe dann aus lauter Verzweiflung ein Taxi genommen. Wunderschön, das ganze.

Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, hab ich gestern Abend meiner Chefin eine patzige Antwort auf eine behämmerte Mail geschrieben. Leider versehentlich mit Reply to all. Die Mail war (auch wenn es dafür gar keinen Grund gab, das zu tun) an so ungefähr alle im Haus geschickt worden. Tjanun, bin ich jetzt also die patzige Idiotin, die keine Mailprogramme bedienen kann. Cool.

Tag 3346 und 3347 – Es tut mir ja leid.

Ich bin im Inspektionstunnel. Inspizieren und dabei inspiziert werden ist nochmal anders seltsam und auch anstrengend, wobei es heute weniger schlimm war als gestern. Gestern musste ich dem französischen Inspektor Rede und Antwort stehen und zwar geschlagene drei Stunden lang. Das war wie ein Kreuzverhör. Danach war ich komplett Pudding, ganz haarscharf kurz vorm Meltdown und aggressiv wie ein angepisster Terrier. Dagegen war heute quasi Urlaub, da haben wir nämlich was gemacht, was ich kann, nämlich inspiziert. Gut, der französische Inspektor atmete mir dabei quasi die ganze Zeit in den Nacken, aber was will man machen.

Ich denke, es läuft schon so ganz ok. Das wird schon gehen. Irgendwie. Auch noch den Rest der Woche. Aber ich fühle jetzt wesentlich mehr mit den armen Opfern Objekten unserer Inspektionen.

Tag 3321 – Bald ist es geschafft.

Morgen noch. Heute haben die Lieblingskollegin und ich eine kleine Futzelinspektion eingeschoben, bevor es morgen wieder zu dem alle Zeit des Tages fressenden Hersteller geht. Ich mag nicht mehr, ich mag schlafen und ein Leben haben.

(Man muss den Job schon sehr heiß und innig lieben, um nach einer Woche mit an die 70 Arbeitsstunden nicht zu wünschen, man hätte irgendwas schönes als Job, sowas wie Blumenkränze binden oder aufs Meer starren.)

Tag 3320 – Der helle W…

Es entgleist hier mit der Arbeit, ich bin völlig gar. Um überhaupt noch sowas wie Kontrolle über einen kleinen Teil zu haben, bin ich die letzten drei Tage außerdem eine Stunde eher aufgestanden, um Sport zu machen. Morgen werde ich das nicht tun, weil ich finde, 6 Stunden Schlaf müssen schon auch drin sein. Aber mit ein bisschen Glück und Daumen drücken sind ich und die Lieblingskollegin morgen vor dem Lieblingskollegen wieder im Hotel und dann werde ich einfach in Windeseile rausrennen und Sport machen, bevor irgendwer auf die Idee kommt, dass wir entweder essen oder arbeiten könnten.

Essen, apropos: heute gab es für mich Heilbutt im Restaurant, das ist einfach immer sehr lecker. Beim Hersteller müssen alle zusammen mit mir Blumen (und Fisch) essen, weil der Einfachheit halber halt für alle Pesco-vegetarisches Essen bestellt wurde. Hehe.

Tag 3318 – Im Inspektionstunnel.

Es ist schön, aber auch sauanstrengend und nicht zuletzt sauspät. Deshalb nur eine kurze Meldung, in der ich damit angebe, dass 8 Wochen Sport wirklich was bringen, nämlich

  • 4 Sekunden pro Kilometer schnelleres Gehen (da ist langsam auch einfach ne Grenze erreicht, wo ich so Schnellgehtechniken können müsste, um noch schneller gehen zu können. ansonsten müsste ich joggen, aber das möchte ich nicht, man erinnert sich vielleicht hier an meine letzte Joggingerfahrung, nach der ich zwei Tage krank war, 2018 müsste das gewesen sein)
  • Verdopplung der Liegestütze, die ich machen kann
  • 50% mehr Kniebeugen, die ich machen kann bevor ich aus Langeweile aufhöre, weil ich keinen Bock mehr zu zählen habe. Außerdem dabei wesentlich bessere Ausführung
  • 50% längere Plank
  • Flexibilität muss ich nachmessen, wenn ich zu Hause bin, ich habe hier kein Maßband mitgenommen. Nach dem Papier her zu urteilen, auf das ich Striche gemalt habe, ist das aber auch besser geworden (auch da – Klappmesserdehnung – ist irgendwann bald eine physiologische Grenze erreicht, wenn mir da nicht plötzlich die Arme wachsen, kann ich nicht noch weiter am Fuß vorbei schieben, da sind sich einfach Beine und Oberkörper gegenseitig im Weg)

Insgesamt sehr zufrieden damit. Morgen stehe ich wieder etwas früher auf, als ich müsste, um mich morgens wenigstens ein bisschen bewegen zu können, vor einem 13 Stunden Arbeitstag.

Tag 3317 – Im Wald.

Nördlich von Trondheim bin ich im Hotelzimmer angekommen. Hier ist nix außer Wald (und einer Pharmafirma halt, ne?). Hier werde ich jetzt also ne Woche sein.

Die Reise startete etwas holprig, weil mein Taxi einfach mal nicht kam. Nach 10 Minuten rief ich an und durfte mir allerlei… Unverschämtheiten anhören, die alle darauf hinausliefen, dass ich selber schuld dran bin, dass ein vier Stunden zuvor für diesen Zeitpunkt bestelltes Taxi nicht pünktlich bei mir ist. Inklusive, dass 15 Minuten von zu Hause zum Bahnhof ja eh viel zu knapp kalkuliert seien. Das ist ein Weg von 3 km, an einem Sonntagnachmittag, in Eidsvoll, einem Kaff. Ich fragte die Dame, ob sie schon mal in Eidsvoll gewesen sei, weil ich den Vorwurf so dermaßen lächerlich fand. Dochdoch, sie hätten da in Eidsvoll grade sehr viel Verkehr. Fast hätte ich gelacht, was für ein Blödsinn. Leider brauchte ich dieses Taxi einfach sehr dringend, das war nicht so lustig.

Irgendwann kam dann tatsächlich das Taxi, und der Taxifahrer erklärte mir dann auch, warum sie viel Betrieb (nicht Verkehr) haben: es war Schienenersatzverkehr zum Flughafen. Ähhhh, damit hatte ich nun zusätzlich zum verspäteten Taxi nicht gerechnet und war einigermaßen ratlos, was der Taxifahrer wohl merkte, und dann anbot, dass ich bis zum Bahnhof bezahle, und dann fährt er eh zum Flughafen und kann mich einfach mitnehmen, ohne dass ich dafür bezahle. Das war sehr lieb und rettete meinen Glauben an das Taxiunternehmen und die Menschheit ein wenig.

Durch die Verspätung (30 Minuten dann insgesamt) hatte ich grad noch so Zeit für einen Haarschnitt, das war mein Plan gewesen und deshalb bin ich überhaupt nur so früh los. Wollte so früh los. Aber dann war der laut App bis 18 Uhr offene Salon nicht offen und bis ich durch die Sicherheitskontolle beim anderen Salon war, war es 17:55. In fünf Minuten ist nicht mal mein Haar geschnitten. Hrmpf. Aber Hauptsache pünktlich am Flughafen und am Gate.

Note to self: in Trondheim am Flughafen macht um 8 das meiste zu und man bekommt dann knapp noch ein Sandwich.

Von Trondheim ging es weiter mit einem Bus-großen Propellerflugzeug, das ist nach wie vor nicht mein Ding. Aber die Lieblingskollegin hat sich netter Weise neben mich gesetzt und dann war es auch nur halb so schlimm.