Tag 3046 – Leider scheiße.

Das Gespräch mit Michels Lehrerin war ganz und gar nicht gut. Es ist wirklich wirklich schwierig und ich weiß, ich klinge wie so ne „aber MEIN Kind macht sowas nicht“-Mutter und kann mir vorstellen, wie Michels Verhalten in den unangenehmeren Ecken von Lehrer*innen-Twitter durchgehechelt würde und unseres gleich mit und all das macht es noch schlimmer. Ich fühle mich seit dem Gespräch, als hätte man mir den Stecker gezogen. Ich möchte mich schützend vor mein Kind werfen und ich möchte die Lehrerin anschreien, dass er SO NICHT IST, auch wenn ich sehe, wie er ist, wenn er da in der Schule ist, ABER DAS IST NICHT ER! Ich hab keine Ahnung, wie das passiert ist, aber da treten Seiten von ihm zu Tage, die sind sehr unsympathisch. Allerdings hat die Lehrerin ihrer Ansicht nach keinerlei Anteil daran. Ich finde nicht ok, dass sie sehr… herablassend und abwertend über ihn spricht, während er im Raum ist, und nehme an, seine unsympathische Maske ist 1. ein Spiegeln ihres Verhaltens und 2. ein Schutzmechanismus, um das nicht an sich heranzulassen. Ich finde von mir nicht ok, dass ich nicht sofort angesprochen habe, dass ich nicht möchte, dass sie so über und mit meinem Kind (mit egal welchem Kind) spricht. Zu meiner Verteidigung werde ich immer noch beim Gedanken daran so emotional, dass ich große Schwierigkeiten hätte, das sachlich und klar zu kommunizieren. Aber am meisten habe ich Lust, die Lehrerin nachträglich zu schütteln und ich hoffe, sie kriegt in Zukunft jedes Mal explosiven Durchfall, wenn sie sagt, ein Kind sei negativ und solle deshalb lernen, den Mund zu halten.

Das werde ich natürlich nicht sagen. Ich werde das sagen, dass ich nicht möchte, dass sie ihn so abwertet, werde sie bitten, zu versuchen, Persönlichkeit und Verhalten getrennt zu betrachten, werde sie bitten, zu sagen, welche positiven Seiten sie an ihm sieht, werde sie bitten, ihn in Momenten, wo sie sich wünscht, er würde den Mund halten, stattdessen aufzufordern, genauer zu sagen, was ihn stört und ihn dann ausreden zu lassen und ihm zuzuhören, und zu guter Letzt werde ich sie auffordern, Vorschläge zu machen was sie machen könnte, damit Situationen nicht eskalieren. Vorher. Nicht nachher.

Und ich werde nicht heulen und ich werde das Thema Klasse bestrafen weil 1 Kind Mist baut oder frech ist nicht ansprechen, weil Herr Rabe sagt, dass ich das zu wörtlich genommen habe.

Vielleicht werde ich aber, das muss ich auch mit Herrn Rabe noch mal besprechen, darum bitten, dass die Stufenkoordinatorin (die wenigstens ein bisschen Empathie für und Kenntnis über neurodiverse Kinder hat) und die Schulsozialpädagogin beim nächsten Gespräch dabei sind. Schon allein damit die viele sind, falls ich der Lehrerin doch ins Gesicht springe.

Ja, war leider wirklich richtig scheiße. Und ich muss mir das nur alle paar Wochen so direkt geben. Michel hat das jeden Tag. Ich verstehe jetzt, weshalb er sagt, Schule sei die Hölle.

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Von „Schule ist super, ich liebe alle Lehrer*innen, nur Hausaufgaben sind Scheiße“ zu „Schule an sich ist die Hölle“ in grade mal 3 Monaten. Aber hat alles nichts mit dem Verhalten der Lehrerin zu tun, sondern ist in seiner Persönlichkeit begründet. Ist klar.

Jetzt bin ich doch wieder emotional und sarkastisch geworden. Man stelle mich an den Twitter-Pranger für die überbeschützenden Eltern, die ihren kleinen Schneeflöckchen den Arsch pudern.

Hups, immer noch emotional.

Gute Nacht.