Tag 2996 – Alles machen.

Der erste Inspektionstag war noch nicht so schlimm und ich war um sieben zu Hause. Quasi Luxus. Totaler Luxus: abends was vernünftiges essen (von Herrn Rabe zubereitet), Pippi ins Bett bringen, einen Spaziergang machen und noch ein bisschen Geige spielen. Sogar duschen war ich. Fast wie so jemand mit einem normalen Job. Man sollte vielleicht dazu sagen, dass ich zur Site nur 30 Minuten mit dem Auto fahre, ich habe also die für mich kürzest mögliche Anreise und muss dadurch auch erst um viertel nach acht los. Morgen auch noch ungeschminkt, da spare ich noch mal 10 Minuten vor dem Spiegel. Wie im Urlaub, ey.

Leider liegt jetzt ein Schniefnasenmichel hier in unserem Bett. Also leider sowohl weil er schnieft (armer Zwerg) und weil er in unserem Bett liegt (arme wir). Ich werde wohl gleich in sein Bett umziehen. Meh.

Tag 2922 und 2923 – Dänemark Tag 7 und 8.

Huch, schon ne ganze Woche rum!

Wir haben es immer noch ferienmäßig gut, spielen viel (gestern bis so spät, dass bloggen einfach nicht mehr drin war), chillen, bauen Lego und kommen nach und nach im Ferienmodus an. Für mich heißt das, dass ich zum Beispiel mal spontan Lust auf Eis kriege und dann abends mit Herrn Rabe halt noch nen Spaziergang zum Supermarkt mache (weil um 17 Uhr die Eisdielen schließen).

Leider ist Michel seit gestern krank und liegt eigentlich nur im Bett. Fieber, Kopfschmerzen, laufende Nase. Das Bettzeug haben wir schon x mal gewaschen, wegen heftigem Nasenbluten. Er betreibt scheinbar Aderlass über die Nase. Heute geht es schon besser, aber noch nicht gut. Immerhin hat er aber wieder gegessen.

Die Mädels kriegt man nur selten zu Gesicht, die spielen die ganze Zeit irgendwas mystisches und versuchen, uns Erwachsenen Zutrittsverbot zur oberen Etage zu geben. Herr Igelbert hat sie trotzdem heute mal zum Aufräumen gezwungen, denn sie hatten sehr fleißig gebastelt – aber ohne die übrig gebliebenen Mount Everests aus Papierschnipseln zu entsorgen. Sehr süß ist, dass Pippi den anderen beiden ihre norwegischen Bücher vorliest. Das übersetzen muss sie noch ein bisschen üben, aber es ist trotzdem SO NIEDLICH!

Hachz.

Tag 2890 – Beware of the pølse.

Die Kinder haben sich, genau wie der Rest des Korpses, eine klitzekleine Lebensmittelvergiftung vom Ausflug mitgebracht. Hoppala. Immerhin nicht ganz so schlimm wie manche andere, aber auch nicht gut. Man geht davon aus, dass was an der letzten Raststätte, an der sie auf dem Rückweg waren, nicht gut war. Ich hoffe, die Raststätte ist informiert.

Außer Kindern mit Magenverstimmung war nix los außer Arbeit. Süd-Norwegen bereitet sich auf eine kleine Hitzewelle mit über 30 Grad vor. Ich habe ungute Backflashes zu 2018, als wir das Haus mitsamt komplett totem Garten kauften, weil wegen Dürre verboten war, Trinkwasser zum Gießen zu benutzen (oder zum Füllen von Planschbecken und Pools, oder zum Auto waschen). Noch dürfen wir gießen, aber nicht mehr mit dem Schlauch, sondern nur noch mit Kannen – damit keiner stundenlang seinen Rasen sprengt. Wir machen über Nacht heimlich den Sickerschlauch an, weil das viel weniger Wasser verschwendet als einmal ne Kanne Wasser auf die Erde zu kippen, von der dann 90% sofort versickert. Würden wir auch nicht machen, wenn man wirklich gar nicht mehr wässern dürfte, aber noch darf man ja so halb. Anderenorts darf man nur noch 2 Tage die Woche gießen, an welchen richtet sich nach der Hausnummer. Norwegische Kommunen sind kreativ, was das Sparen von Wasser angeht.

Passend dazu sieht unser Apfelbaum gar nicht gut aus. Nur ein Ast hat ausgetrieben. Die restlichen Äste sind unter der Rinde zwar noch grün, aber treiben nicht aus. Es ist ein recht trauriger Anblick.

Meh.

Tag 2759 – Fertig.

Habe wieder nur einen Strich auf dem Test. Das ist gut. Ich fühle mich auch einigermaßen dem entsprechend, bis auf sehr trockenen Hals bin ich eigentlich wieder hergestellt. Ich lasse es noch ein paar Tage ruhig angehen, was Sport betrifft, aber ansonsten kann ich, denke ich, wieder normal mein Leben leben.

Michel hat auch nur einen Strich auf dem Test, was ich kaum glauben kann, weil der sich ziemlich kacke fühlt. Der lebt sein Leben erst mal nicht normal. Wenn man ihn fragt, ist er sogar kurz davor, selbiges auszuhauchen. Ich würde aber so von außen betrachtet sagen, dass es vor Weihnachten schlimmer war. Auch das Leiden.

Ich bin gespannt, was das noch gibt, vielleicht habe ich ja echt keinen so angesteckt, dass die Schnelltests ausschlagen. PCR gibt es hier nicht mehr, es sei denn, man wird ins Krankenhaus eingeliefert.

Tag 2723 – Nichts zu erzählen.

Eigentlich ganz viel ungeordnetes Zeug im Kopf, aber nichts davon ist aufschreibereif.

Pippi geht es um Längen besser und sie hat heute auch ihre vier Dosen Penicillin ohne großes Drama genommen. Ein bisschen Meckern gehört dazu, das sei ihr auch zugestanden, aber wenigstens gab es heute keine Tränen deshalb. Sie hat auch kein Fieber mehr, das Ohr tut nicht mehr so weh und selbst das Geschnodder ist abgeklungen, es reichten heute ca. 2 Taschentuchpackungen, das sind ca. 6 weniger, als vorgestern noch. Das ist leider nicht übertrieben, es war wirklich extrem.

Tag 2722 – Wunderheilung.

Hahaha, die Ärztin hatte ja gestern Antibiotikum verordnet, wenn es heute nicht wesentlich besser ist. War es nicht, also wollte ich das Antibiotikum (Penicillin. Nichts abgefahrenes.) in der Apotheke vorbestellen. Haha. Von deutlich über 1000 Apotheken in Norwegen haben knapp 70 überhaupt Penicillin als Saft da. Hahaha. Die nächstgelegene war auch nicht in Oslo sondern ein Stück hinter Hamar. Aber was tut man nicht alles, damit das Kind endlich nicht mehr so leiden muss, ne, also holten wir Penicillin in einer Stunde Fahrtzeit Entfernung ab. Die Pharmazeutin in der Apotheke war dann sogar noch so nett darauf hinzuweisen, dass die Flasche, die die Ärztin aufgeschrieben hatte, bei der Dosierung nicht für die komplette Behandlungsdauer reichen würde. Als ich erzählte, wo wir wohnen, bekam sie Mitleid und gab mir das fehlende Drittel in Form einer zusätzlichen kleinen Flasche mit. Und jetzt hat auch diese Apotheke keinen Penicillinsaft mehr. Aber mal ehrlich – ein Hoch auf die Pharmazeutin, die alle ihre beruflichen Rechte und Pflichten so gewissenhaft erfüllt. Der Ärztin sei verziehen, dass sie über den Mangel an Penicillin nicht Bescheid weiß, meiner Erfahrung nach haben Ärzt*Innen oft keinen Schimmer von Medikamentenmangel, es sei denn, es stand schon fett in allen Zeitungen. Dass die Ärztin aber nicht gemerkt hat, dass Dosierung, Behandlungsdauer und verschriebene Packungsgröße nicht zusammen passt – äh. Ja. Gesichtspalme.

Mit sehr viel Mühe und Bestechung mit Cola zum Nachspülen quatschten wir nach der erfolgreichen Beschaffung die erste von 40 Dosen in Pippi rein. Penicillin ist einfach extrem widerlich und der Geschmack so penetrant, dass er kaum zu übertünchen ist. Diese Marke hier versucht es vergebens mit Orangenaroma. Und siehe da – als wir die Einnahme der zweiten Dosis ankündigten war Pippi spontan geheilt von all ihren Plagen! Ein Wunder!

War sie natürlich nicht. Sie wollte nur keine Medizin mehr nehmen müssen. Die zweite Dosis ging dann auch nur nach vielen Tränen und lebhaften (kindgerechten) Horrorstories von multiresistenten Keimen im Ohr runter. Eine Dosis landete auf der Kleidung (tjanun), also noch 37 mal. Das wird eine spannende Zeit für alle Beteiligten.

Ich erwäge zu diesem Anlass nicht ganz ernst doch wieder von meinem Plan, keinen Alkohol mehr zu trinken, abzurücken. Bisher lebe ich zwar ganz gut mit alkoholfreiem Weihnachtsbier, aber nachdem ich eine Dosis Penicillin in eine willensstarke Siebenjährige gequatscht habe, will ich eigentlich gern nen Schnaps und auf den Arm.

Tag 2721 – Fies.

Herr Rabe war heute Abend mit Pippi bei der Legevakt, weil nach zwei Tagen Ohrenschmerzen keinerlei Besserung in Sicht ist. Fazit: ist halt fies entzündet, aber mehr auch nicht. Morgen können wir ein Antibiotikum in der Apotheke abholen, wenn es nicht morgen deutlich besser ist.

Ja, hmm. Das war irgendwie ein nicht ganz wie geplantes Weihnachten. Arme Maus.

Tag 2720 – Grad noch…

… gefehlt: Pippi ist richtig krank, das linke Ohr ist entzündet und tut ihr offensichtlich sehr doll weh und die Nase produziert so viel Schnodder, dass wir ihr zu Weihnachten eine eigene kleine Papiermühle für die Taschentücher hätten schenken sollen. Dazu leichtes Fieber, also insgesamt eine fette Erkältung mit einer daraus resultierenden Mittelohrentzündung. Nichts, was nicht innerhalb weniger Tage vermutlich von selbst wesentlich besser wird, aber scheiße genug wenn man es hat (oder ein Kind damit hat, das dementsprechend beschissen schläft und tagsüber drauf ist). Arme Maus. (Jaja, wir machen, was wir können, Wärme, Schmerzmittel, inhalieren… aber es tut halt einfach sau weh.)

… gefehlt und…

… gut gegangen: Ich dachte heute, es sei eine gute Idee, den Backofen nach dem Braten gestern mal sauberzumachen, bevor heute der Fisch reinwandert. Also machte ich den Ofen sauber, wie ich das immer so mache und danach wollte ich den Ofen vorheizen und *pling* flog die Sicherung raus. Licht ging, alles andere im Ofen führte zum selben Resultat. Google sagte, dass wahrscheinlich irgendwo beim sauber machen Wasser rein gelaufen sei, und dass man es trocknen lassen sollte und dann noch mal gucken (außerdem mache Rasierschaum sowohl Ofen als auch Sicherung (???) zuverlässig sauber, was auch immer das mit dem Problem zu tun hat, aber es war eine hoch gerankte Antwort). Aber auch nach zwei Stunden ohne Tür im Ofen flog die Sicherung jedes Mal raus, wenn ich ihn anschaltete. In der Zwischenzeit hatte sich aber Herr Rabe in die Thematik per YouTube eingearbeitet. Und so schritt er zu Werke, den Backofen ausbauen, dann auseinanderbauen, überall messen, wo der Kurzschluss ist (erfolglos) und schlussendlich trotzdem den Übeltäter hervorzaubern. Die Heizspirale für Oberhitze ist hinüber. Sie ist unter anderem verformt, das allein wäre aber vermutlich nicht so schlimm, allerdings ist auch ihr Mantel geplatzt und vermutlich ist da das Putzmittel rein gekommen und hat den Kurzschluss verursacht. Der Ofen ist 10 Jahre alt und ich rechnete fest damit, dass das sein Todesurteil sei, aber ein Hoch auf die Gütersloher Markenware und Herrn Rabe, der einen norwegischen Händler aufgetrieben hat, bei dem man problemlos Ersatzteile wie Heizspiralen für diese Markenware bestellen kann. Herr Rabe checkte noch gewissenhaft die übrigen Heizelemente durch, die aber alle ok aussehen und bastelte den Ofen dann wieder zusammen. Ich hatte den Eindruck, er hatte da Spaß dran, während ich eher so innerlich schreiend im Kreis lief, weil wir den Backofen wirklich oft benutzen und es war doch der Fisch geplant und der hält ja nicht ewig so frisch im Kühlschrank und ohgottogottogott Panik. Am Ende klemmte Herr Rabe noch die kaputte Heizspirale ab, und siehe da: der Ofen funktioniert auch ohne, jedenfalls Umluft und Unterhitze funktionieren ohne Probleme, jetzt, wo es keinen Kurzschluss mehr gibt. Es gab dann sogar noch Fisch, aus dem sauberen Backofen (Umluft), und er war sehr lecker, wenn auch spät.

Ich empfehle nicht, an den Feiertagen den Ofen „mal grad“ zu putzen. Machen Sie das nicht. Never putz a running Ofen, oder eher, Never putz an Ofen you need later that day.

Heute Herrn Rabe ewig dankbar.

Tag 2707 – Schlottern im Werk.

Das Werk spart jetzt Strom und deshalb ist es da kalt. Da war es vorher schon kalt, jetzt ist es Wollpullover- und Wollsockenkalt. Meine Kollegin sitzt mit Pulswärmern am Schreibtisch, eine andere hat sich zwei Schreibtischleuchten organisiert, um damit punktuelle Wärme zu erzeugen (nein, ich verscheißere Sie nicht). Ich habe schon vor ein paar Wochen so eine Art Teppich zum Anziehen besorgt, trotzdem ist es wirklich keine sonderlich große Freude, da in Meetings oder am Schreibtisch über längere Zeiträume still zu sitzen. Am Ende des Tages waren meine Finger ziemlich blau (ok, ich hab halt auch quasi kein Melanin zur Zeit). Jedenfalls ist Büroarbeit da echt nur so mittel attraktiv, muss ich sagen.

Andererseits war ich heute echt produktiv in den 3 Stunden, in denen keine Meetings waren. Und die großen Bildschirme sind auch ganz nett.

Heute Morgen gab es auch noch Zugchaos und ich saß eine Stunde länger als geplant im Zug, weil im Tunnel vor Oslo eine Hochspannungsleitung gerissen und auf einen Zug gefallen war. Die Leute in besagtem Zug (bzw. sogar zwei Zügen) hatten es jedoch noch deutlich schlimmer, die saßen nämlich vier Stunden mit Notstrom (also kein Licht, keine Heizung, kein Klo) im Zug im Tunnel fest. Wir konnten immerhin im Schneckentempo über die Dörfer statt durch den Tunnel fahren.

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Mein Immunsystem wehrt weiter tapfer Herrn Rabes und Michels Infekt ab, ich bin gesund, dafür habe ich aber die halbe Nacht mit Pippi im Bett geschlafen, weil die schlimme Ohrenschmerzen hatte. Heute gönnten wir ihr dann auch einen Tag mit Nasenspray und Schmerztabletten auf dem Sofa, statt das wehe Ohr draußen 10 Minusgraden auszusetzen. Morgen möchte sie aber sehr gerne zur Schule, weil dann ja St. Lucia ist. Wir werden sehen. Herr Rabe bügelt jedenfalls soeben das Luciakleid.

Tag 2705 – Noch mehr Lazarett.

Jetzt ist Pippi auch wieder krank. Diese Fieber-Rotze, die auch Michel und Herr Rabe haben*. Denen geht es immerhin besser, wobei Michel immer noch reichlich Drama macht. Herr Rabe schleppt sich von Couch zu Bett und zurück, aber er programmiert schon wieder, also wird er es wohl überleben. Einzig ich halte mich wacker, bin aber so panisch, morgen mit 40 Grad Fieber aufzuwachen, dass ich heute priorisiert habe, im Haus Ordnung zu schaffen und den Kühlschrank zu füllen.

Meine Geige hatte jetzt wegen allem Möglichen ein paar Tage Pause und offenbar hat sich die Luftfeuchtigkeit dramatisch geändert, die war nämlich total verstimmt. Es ist aber auch wirklich schweinekalt draußen und dementsprechend trocken.

So langsam nervt das hier ein bisschen. Winter, Rotze, Dunkel.

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*kein Corona und wenn’s Grippe ist, ist es bei Herrn Rabe trotz Impfung