Tag 3840 und 3841 – Schockschwerenot.

Gestern wurde ich zum zweiten Mal wach (das erste Mal war ich, wie an allen letzten Tagen, gegen fünf Uhr wach) mit der schockierten Erkenntnis, dass am Dienstag Konzert ist und ich seit… zehn Tagen oder so nicht Geige geübt hatte. Also gar nicht, nicht mal ein bisschen. Hilfe! Also habe ich gestern geübt und heute auch und huff, ich hab nicht alles vergessen! Die Muskeln erinnern sich ja auch.

Apropos Muskeln: die größeren Muskeln meines Körpers habe ich seit fast drei Wochen nicht benutzt, das Hotel in China hatte keinen Fitnessraum. Und an den Abenden, wo ich ne halbe Stunde bis Stunde vom Schlaf abzwacken konnte, habe ich lieber Geige gespielt (die E-Geige war zu diesem Zweck eine gute Anschaffung und der Transport auch kein Problem, Businessclass hat ja glücklicherweise reichlich Platz für Handgepäck) als im Hotelzimmer auf dem Teppich rumzuhüpfen. Mir graut davor, wieder in die Gänge zu kommen mit Sport, es ist immer der Anfang, der am schwersten fällt.

Heute erster Tag an dem ich mich insgesamt normal und auch normal belastbar gefühlt habe.

Mit Michel allein zu Hause zu sein ist sehr angenehm. Da erzählt er auch mal was und ist allgemein überaus kooperativ und hilfsbereit. Ich fürchte, im Alltag kriegt er zu wenig 1:1-Kontakt mit einem von uns Erwachsenen. Da muss ich mal überlegen, wie wir uns da Inseln für schaffen können.

Tag 3839 – Schwitzi.

Die Infektion an sich ist wieder gut. Alles läuft wieder wie es soll und ich esse normale Sachen und nicht hauptsächlich Salzstangen und Ramennudeln und es zuckt auch nichts mehr. Ich war heute schon mehrmals nur für Pipi machen auf dem Klo, ich meine, Yeah! Das sind ungeahnte Lebensqualitäten! Die Codeintabletten habe ich schon seit Montag nicht mehr gebraucht und heute in den Schrank verräumt. Es geht also bergauf.

Was allerdings noch sehr nervig ist: ich bin von Kleinigkeiten sofort total erschöpft. Heute habe ich endlich meinen Koffer ausgepackt (das habe ich seit Freitag einfach nicht hinbekommen) und erstens empfehle ich das nicht, damit so lange zu warten, es sei denn, man bügelt ausgesprochen gerne und schickt gerne Blazer zum Aufbügeln in die Reinigung, und zweitens war ich danach komplett durchgeschwitzt. Leistungssport Koffer auspacken.

Um die Grenzen der Belastbarkeit vollständig auszureizen Weil ich morgen aus Gründen meinen richtigen Computer brauche, der noch bei der Arbeit war Weil mir die Decke auf den Kopf fällt fuhr ich am frühen Abend sehr gemütlich ins Büro, tauschte den „China-PC“ gegen meinen neu aufgesetzten eigentlichen PC aus und fuhr dann weiter sehr gemütlich dahin, wo Burlesque ist. Da machte ich nicht mit, weil keine Chance in meinem Zustand, aber ich sah eine Stunde lang zu. Das war auch schön. Dann fuhr ich sehr gemütlich zurück nach Hause.

Und dementsprechend platt bin ich jetzt. Wie eine Flunder. Eine schwitzende Flunder. Blubb.

Tag 3837 und 3838 – 2 Grad.

Die Besserungskurve ist da, aber sehr flach. Heute war ich noch mal beim Arzt (gestern war nichts mehr frei) und jetzt bin ich den Rest der Woche krankgeschrieben. Nach diesem Ausflug war ich aber auch reif fürs Sofa und da bin ich auch viel zu früh einfach eingeschlafen. Dafür bin ich jetzt wach.

Ich glaube tatsächlich es ist hauptsächlich Erschöpfung übrig. Das Hauptsymptom scheint sich seit heute erledigt zu haben. Schmerzen habe ich nur noch gelegentlich und nicht mehr so krass.

Heute habe ich dafür aber auch erfahren, dass wir umorganisiert werden sollen (mal wieder, was ist das eigentlich für ein seltsames Hobby in mittleren und großen Organisationen?) und welche Möglichkeiten zur Diskussion stehen und nachdem ich am Handybildschirm wirklich ALLE Dokumente dazu gelesen habe, habe ich eine sehr deutliche Meinung und ich nehme ganz stark an, dass die konträr zur Meinung meiner Chefin ist (genau genommen steht die Meinung meiner Chefin in dem einen Dokument ziemlich unverhohlen drin) und jetzt „freue“ ich mich schon ganz besonders auf Montag. Das wird sicher super. Wenn die Chefin Glück hat, hab ich dann nicht auch noch PMS.

Tag 3836 glaube ich – Kein Zustand.

Die Besserung muss man weiterhin mit der Lupe suchen, leider. Ich vegetiere so vor mich hin, gucke die Streamingdienste leer und jeder Ausflug in die obere Etage fühlt sich an wie eine Weltreise. So fertig bin ich danach auch. Also morgen definitiv und vermutlich auch übermorgen wird keine Arbeit stattfinden. Ende.

Immerhin habe ich manchmal Hunger. Dann esse ich. Am Resultat ändert das nichts, aber was rein geht, hilft, ne?

Inzwischen bin ich von alledem auch müde und genervt und ausgetrocknet und habe irgendwelche Mineralien verloren, jedenfalls zucken jetzt einzelne Muskeln in meiner Unterlippe. Sehr nervig. Morgen rufe ich also den Hausarzt noch mal an und schildere den Zustand und bitte um ne Krankschreibung.

Yeah, schon 22 Uhr und ich bin noch wach!

Tag Bummens – Lebenszeichen.

Ich denke, ich werde wahrscheinlich überleben. Ich war heute bereits duschen und habe mehrfach die obere Etage des Hauses aufgesucht – das wäre beides gestern nicht gegangen. Ich musste nicht im Wechsel Schmerzmittel mit verschiedenen Wirkstoffen durchtauschen, um die Minimumsintervalle einhalten zu können. Ich habe gegessen, nicht viel, aber mehr als gestern und ich habe es nicht sofort bereut. Am frühen Nachmittag hatte ich sogar ein ganz seltsames Gefühl im oberen Bauch, das ist erst gar nicht einordnen konnte und dann erstaunt als Hunger identifizierte. Habe mir dann – ganz alleine! – eine Portion instant Ramennudeln gemacht und auch gegessen. Das ist ja in erster Linie Brühe und ein paar Kohlenhydrate von den Nudeln schaden sicher nicht.

Den Tag habe ich allerdings wieder zu 95% auf dem Sofa verbracht und die Verdauung ist auch Lichtjahre von „in Ordnung“ entfernt.

Herr Rabe und Pippi sind heute nach Deutschland aufgebrochen. Herr Rabe hat mehrmals gefragt, ob er das abblasen soll, aber ich habe gesagt, er soll ruhig fahren. Falls es ansteckend ist, was ich habe, ist es auch besser, wenn sie nicht da sind. Gestern haben wir nach Möglichkeit Abstand gehalten, das war ja auch nicht schwer, dem Deckenbündel auf dem Sofa aus dem Weg zu gehen. Vor allem wenn das Deckenbündel um fünf ins Bett geht.

Nach den Codeintabletten gestern habe ich (mit Unterbrechungen) 14 Stunden geschlafen. Jetzt ruft der Jetlag allerdings sehr laut.

Tag Dingens – Bin wieder da…

… mit einem fulminanten Virus, der [Details erspare ich] und unerträgliche Bauchkrämpfe verursacht. So in dieser Form hatte ich sowas noch nie, ich kann kaum aufrecht stehen und fühle mich eher tot als lebendig. Ich sage Virus, weil der Hausarzt, bei dem ich heute auch schon war, gesagt hat, klingt wie Virus. Da gegen die Schmerzen Paracetamol einfach mal gar nichts tut, habe ich Paracetamol/Codein-Tabletten bekommen und die Kombination 7 Stunden Zeitverschiebung und Codein ist nicht meiner Wachheit zuträglich.

Ansonsten war alles gut. Nur die Rückreise und der Tag davor waren nicht sehr schön bis furchtbar.

Tag 3678 – Tja die 2.

Ich fühle mich weiterhin nicht so schlimm, wie sich Herr Rabe gefühlt hat. Das ist gut. Allerdings habe ich auch, im Gegensatz zu ihm, sofort zu Produkten aus der Apotheke gegriffen, weil ich ja auch gesehen hatte, wie es sonst laufen kann. Und diese Produkte haben sehr gut gewirkt, jetzt hab ich halt das Gegenteil von dem, was ich gestern hatte. Obwohl ich es wirklich strikt nach Packungsbeilage genommen hab. Naja, das wird sich auch irgendwie wieder lösen, ne? Und es ist auch nur das eine Symptom weg, die anderen habe ich schon noch und ich bin echt um jeden Meter froh, den ich grad nicht laufen muss.

Heute beim Nudeln kochen ist mir aufgefallen, dass die Dunstabzugshaube eher so ein lautes und designtechnisch fragwürdiges Dekoobjekt und Kondensationsfänger ist. Passend dazu haben wir die Rechnung vom Dachdecker bekommen (der vorerst fertig ist, aber noch mal wieder kommen muss, wenn ein Schreiner die morschen Bretter am Balkongeländer ausgetauscht hat, um da an der Ecke die Folie noch richtig anzukleben). Erst mal ein bisschen atmen.

Tag 3646 – Bergauf.

Möglicherweise werde ich überleben. Es tut schon weniger weh als gestern und auch als heute Morgen und ich fühle mich auch nicht mehr ganz so Kacke.

Außerdem habe ich die ganze obere Etage im alten Haus jetzt fertig geputzt. Man sollte meinen, das ginge bei einem leeren Haus schnell, aber wenn man jeden Schrank von innen putzt und Decken und Wände erst staubsaugt und dann gegebenenfalls noch mal feucht reinigt, dauert das eben alles.

Aber dafür ist es oben jetzt verkaufsfertig. Da muss man, wenn noch mal Leute zum Gucken kommen, hinterher noch mal durchwischen, aber ansonsten ist alles zum Verkaufsstandard klinisch rein.

Tag 3645 – Au.

Bitte keine Tipps. Wirklich keine. Es gibt das, was Sie vorschlagen möchten, eh nicht hier. Und alles andere mache ich schon, oder kann ich nicht machen weil ich dann Nasenbluten bekomme oder weil ich schon beim Gedanken daran, Wasser in meine Nase laufen zu lassen, Panik bekomme.

Meine Kieferhöhle auf der rechten Seite ist entzündet. So richtig. Das tut sehr weh. Zum Arzt geht „man“ damit hier eher nicht und selbst wenn man das vorhätte, ist ja Samstag. Dampfbad hilft, allerdings hauptsächlich währenddessen. Der Effekt verpufft schnell. Paracetamol hilft ein bisschen gegen die Schmerzen (ich habe das Gefühl von Zahnschmerzen im kompletten rechten Oberkiefer). In meiner Verzweiflung habe ich mir das einzige Zeug besorgt, dass man hier rezeptfrei bekommt. Es ist ein Nasenspray mit Primelextrakt, das quasi für eine mechanische Reinigung sorgt. Es reizt nämlich die Nase und Schleimhaut so dermaßen, dass man minutenlang Niesen muss. Danach läuft alles für über eine Stunde. Und ja, das funktioniert, aber Spaß ist das auch nicht. Und auch da klingt der Effekt nach einer Weile wieder ab und alles ist wieder dicht. Mehr als ein Mal am Tag soll man das Nasenspray aber auch nicht nehmen. Es ist wirklich nicht lustig alles.

Dass ich trotzdem heute vier Stunden im alten Haus geputzt habe, bei 30 Grad, verdient, wie ich finde, einen Orden.