Tag 3371 – Ein sehr voller Tag.

Es ist so schön, hier unter anderen Neurospicy Leuten zu sein. Ich bin überwältigt davon, wie viel Spaß ich hier habe.

Es ging los mit Frühstück, wo sich zwei Entwickler aus Hamar zu mir setzten, die interessante Einblicke in einen anderen staatlichen Etat boten. Werde das mal unserer Direktion vorschlagen (falls ich mal kündige, weil danach definitiv die Hütte brennt).

Danach war Speed Friending, das war auf viele Arten sehr anstrengend, aber am Ende bin ich noch fast ne Stunde mit einer der anderen Teilnehmerinnen da sitzen geblieben und habe mich unterhalten, also ich würde sagen, geklappt hat es mit dem friending.

Dann war Chor, dann Mittagessen, dann Bouldern. Chor und Bouldern war beides sehr gut. Überraschend, was ich so kann, bei beidem. Beim Bouldern musste ich trotzdem nach einer Stunde aufgeben, weil meine Arme nur noch Pudding waren. Da hatte ich dann aber auch echt was geschafft.

Dann zwei Vorträge, einer über den weiblichen Zyklus und einer über ADHS. Möchte die Gynäkologin, die mir vor nem Jahr die Pille verschrieben hat, zu der Zyklus-Vortragenden schicken, ich glaube, die kann da noch was lernen. Auch der ADHS-Vortrag war sehr interessant.

Dann Chor. (Wir müssen ja was schaffen, morgen sollen wir beim Galadinner „auftreten“, nach nur 4 Proben bei der nie alle gleichzeitig anwesend waren.)

Dann Abendessen, mit der F.84-Gruppe aus dem 2 %-Club hier. Das ist eine sehr angenehme Subgruppe Leute, die ich zum allergrößten Teil sehr gern habe.

Dann fertig machen für die Mottoparty „Film und Fernsehen“, was ich zunächst sehr gruselig fand. Aber dann war’s gar nicht schlimm und sehr lustig.

Dann Stand-Up (einer aus dem Club ist Comedian) und danach eigentlich Party, aber das habe ich nicht lange ausgehalten. Stattdessen habe ich mit zwei anderen (F.84-) Frauen Magic Maze gespielt und muss sagen, so viel Spaß zu haben hatte ich echt nicht mit gerechnet. Wir zogen auch die ganze Aufmerksamkeit des Brettspiel-Raumes auf uns, weil wir uns so einen abgeierten, immer wieder unterbrochen von sehr stillen Pausen. Das ist einfach ein super Spiel.

Und dann war es plötzlich halb zwei.

Tag 3370 – Wieder außerhalb der Komfortzone.

Aber anders. Denn ich bin jetzt wo, wo ich drei Tage lang nichts anderes mache, als neue Leute kennen zu lernen.

Bisher läuft das ganz ok. Aber ich gehe jetzt dann auch lieber ins Bett, obwohl noch Brettspiel, Poker, Gaming und generell geselliges Beisammensein läuft. Das läuft aber auch ohne mich. Meine Batterie im Hinblick auf meine Einschränkungen ist eh schon ziemlich leer, gestern merkte ich das sehr deutlich, und es liegen noch zwei volle Tage vor mir. Lieber Kräfte schonen. Aber ich war schon beim Pop Up Chor und habe gesungen, das war zwar musikalisch jetzt eher so njaaa aber ansonsten sehr schön.

Aus gegebenem Anlass habe ich gestern meine Haare getönt. Und auf komplett weiß knallt die Farbe auch richtig.

Aber holla, färbt die Farbe ab. Also, dass Directions in den ersten Tagen ausbluten, bin ich gewohnt, aber das ist ein neues Level. Lustiger Weise geht es von den Händen (an die es nur abgefärbt hat) dann aber nie mehr runter. So soll die Farbe aber auch nur kurz sein, genau genommen nur dieses Wochenende, da kann ich das verschmerzen.

Tag 3349 und 3350 – Haben wir auch das überstanden, ja.

So, also jetzt habe ich auch mal ein Abschlussmeeting einer Inspektion von der anderen Seite erlebt. Also von der Seite, der mitgeteilt wird, was sie alles falsch macht. Gestern habe ich ja erst eines gehalten, die Seite kenne ich ja. Das habe ich, naja, vielleicht nicht hundertmal, aber sicher so 60-70 mal gemacht bisher. Die Firma hat das auch gut über die Bühne gebracht, die waren eigentlich ganz gut, die paar Sachen, die wir da haben, sind zum allergrößten Teil Pillepalle. Ein bisschen taten die mir leid, weil wir wegen des französischen Inspekteurs mega ultra super gründlich waren und wirklich kein Fitzelchen haben durchgehen lassen. Der französische Inspekteur hatte auch an uns kaum was zu meckern, und die paar Dinge, die er uns vorgeschlagen hat, waren ebenfalls auf einem (rein fachlichen) Fitzelniveau. Sowohl gestern als auch heute im Abschlussmeeting hat er ausdrücklich meine und der Kollegin technische, fachliche und Softskills gelobt. So entspannt sei ich, sagte er, und würde eine gute Atmosphäre schaffen. Ich danke an dieser Stelle dem professionellen Inspekteur-Renana-Kostüm, das das alles stets locker flockig wuppt. Besonders freut mich, dass der französische Inspekteur das heute halt alles noch mal vor allen meinen Kolleg*innen, Chefinnen und dem Direktor selbst wiederholt hat. Zusammen mit: kein Finding für die observierte Inspektion, alles top, nicht mal Verbesserungsvorschläge. Mit Glanz bestanden, würde ich sagen. Sowohl ich als auch das Kostüm.

Nach dem Abschlussmeeting heute habe ich endlich mal wieder richtig Sport gemacht. Das war sehr anstrengend und aber auch sehr gut. Nach der Woche war ich aber bei der anschließenden „Hurra, es ist vorbei!“-Feier so platt, dass ich hätte einschlafen können. Zusätzlich waren sowohl Pizza als auch Kuchen falsch geschnitten und mein Kostüm war irgendwie schon ins Wochenende gestartet. Meine Kollegin hat mir dann ein Stück Kuchen abgeschnitten, weil ich nicht darüber hinweg kam, wie die anderen ihn angeschnitten hatten. Ich habe dann auch brav meine Ohrenstöpsel geholt. Und mir auch nichts vorgeworfen, ja mei, dann muss ich halt wen haben, der mir nach so ner Woche den Kuchen schneidet. So what.

Tag 3321 – Bald ist es geschafft.

Morgen noch. Heute haben die Lieblingskollegin und ich eine kleine Futzelinspektion eingeschoben, bevor es morgen wieder zu dem alle Zeit des Tages fressenden Hersteller geht. Ich mag nicht mehr, ich mag schlafen und ein Leben haben.

(Man muss den Job schon sehr heiß und innig lieben, um nach einer Woche mit an die 70 Arbeitsstunden nicht zu wünschen, man hätte irgendwas schönes als Job, sowas wie Blumenkränze binden oder aufs Meer starren.)

Tag 3320 – Der helle W…

Es entgleist hier mit der Arbeit, ich bin völlig gar. Um überhaupt noch sowas wie Kontrolle über einen kleinen Teil zu haben, bin ich die letzten drei Tage außerdem eine Stunde eher aufgestanden, um Sport zu machen. Morgen werde ich das nicht tun, weil ich finde, 6 Stunden Schlaf müssen schon auch drin sein. Aber mit ein bisschen Glück und Daumen drücken sind ich und die Lieblingskollegin morgen vor dem Lieblingskollegen wieder im Hotel und dann werde ich einfach in Windeseile rausrennen und Sport machen, bevor irgendwer auf die Idee kommt, dass wir entweder essen oder arbeiten könnten.

Essen, apropos: heute gab es für mich Heilbutt im Restaurant, das ist einfach immer sehr lecker. Beim Hersteller müssen alle zusammen mit mir Blumen (und Fisch) essen, weil der Einfachheit halber halt für alle Pesco-vegetarisches Essen bestellt wurde. Hehe.