Tag 3349 und 3350 – Haben wir auch das überstanden, ja.

So, also jetzt habe ich auch mal ein Abschlussmeeting einer Inspektion von der anderen Seite erlebt. Also von der Seite, der mitgeteilt wird, was sie alles falsch macht. Gestern habe ich ja erst eines gehalten, die Seite kenne ich ja. Das habe ich, naja, vielleicht nicht hundertmal, aber sicher so 60-70 mal gemacht bisher. Die Firma hat das auch gut über die Bühne gebracht, die waren eigentlich ganz gut, die paar Sachen, die wir da haben, sind zum allergrößten Teil Pillepalle. Ein bisschen taten die mir leid, weil wir wegen des französischen Inspekteurs mega ultra super gründlich waren und wirklich kein Fitzelchen haben durchgehen lassen. Der französische Inspekteur hatte auch an uns kaum was zu meckern, und die paar Dinge, die er uns vorgeschlagen hat, waren ebenfalls auf einem (rein fachlichen) Fitzelniveau. Sowohl gestern als auch heute im Abschlussmeeting hat er ausdrücklich meine und der Kollegin technische, fachliche und Softskills gelobt. So entspannt sei ich, sagte er, und würde eine gute Atmosphäre schaffen. Ich danke an dieser Stelle dem professionellen Inspekteur-Renana-Kostüm, das das alles stets locker flockig wuppt. Besonders freut mich, dass der französische Inspekteur das heute halt alles noch mal vor allen meinen Kolleg*innen, Chefinnen und dem Direktor selbst wiederholt hat. Zusammen mit: kein Finding für die observierte Inspektion, alles top, nicht mal Verbesserungsvorschläge. Mit Glanz bestanden, würde ich sagen. Sowohl ich als auch das Kostüm.

Nach dem Abschlussmeeting heute habe ich endlich mal wieder richtig Sport gemacht. Das war sehr anstrengend und aber auch sehr gut. Nach der Woche war ich aber bei der anschließenden „Hurra, es ist vorbei!“-Feier so platt, dass ich hätte einschlafen können. Zusätzlich waren sowohl Pizza als auch Kuchen falsch geschnitten und mein Kostüm war irgendwie schon ins Wochenende gestartet. Meine Kollegin hat mir dann ein Stück Kuchen abgeschnitten, weil ich nicht darüber hinweg kam, wie die anderen ihn angeschnitten hatten. Ich habe dann auch brav meine Ohrenstöpsel geholt. Und mir auch nichts vorgeworfen, ja mei, dann muss ich halt wen haben, der mir nach so ner Woche den Kuchen schneidet. So what.

Tag 3321 – Bald ist es geschafft.

Morgen noch. Heute haben die Lieblingskollegin und ich eine kleine Futzelinspektion eingeschoben, bevor es morgen wieder zu dem alle Zeit des Tages fressenden Hersteller geht. Ich mag nicht mehr, ich mag schlafen und ein Leben haben.

(Man muss den Job schon sehr heiß und innig lieben, um nach einer Woche mit an die 70 Arbeitsstunden nicht zu wünschen, man hätte irgendwas schönes als Job, sowas wie Blumenkränze binden oder aufs Meer starren.)

Tag 3320 – Der helle W…

Es entgleist hier mit der Arbeit, ich bin völlig gar. Um überhaupt noch sowas wie Kontrolle über einen kleinen Teil zu haben, bin ich die letzten drei Tage außerdem eine Stunde eher aufgestanden, um Sport zu machen. Morgen werde ich das nicht tun, weil ich finde, 6 Stunden Schlaf müssen schon auch drin sein. Aber mit ein bisschen Glück und Daumen drücken sind ich und die Lieblingskollegin morgen vor dem Lieblingskollegen wieder im Hotel und dann werde ich einfach in Windeseile rausrennen und Sport machen, bevor irgendwer auf die Idee kommt, dass wir entweder essen oder arbeiten könnten.

Essen, apropos: heute gab es für mich Heilbutt im Restaurant, das ist einfach immer sehr lecker. Beim Hersteller müssen alle zusammen mit mir Blumen (und Fisch) essen, weil der Einfachheit halber halt für alle Pesco-vegetarisches Essen bestellt wurde. Hehe.

Tag 3317 – Warten auf Wäsche.

Ich war eine nahezu gute Korpsmama und habe den ganzen Tag beim Flohmarkt zugebracht. Nahezu weil ich das eigentlich morgen auch tun müsste, aber das schaffe ich nicht, vor allem nicht mental, habe ich heute wieder mal feststellen dürfen. Das war so anstrengend, mit all dem Chaos, den Menschen, den wirklich zum Teil sehr seltsamen Interaktionen, dass ich danach erst mal drei Stunden im Bett verbracht habe. Aber hey, Pflicht getan.

Weil sich das alles so hinzog, und das im Bett atmen und runterkommen dann natürlich auch weitere Verzögerungen im Tagesplan mit sich brachte, ist es jetzt schon sehr spät. Soeben ist aber eine Maschine Wäsche mit einzelnen Wäschestücken, die ich für meine morgen beginnende Reise (nur Norwegen, aber die ganze Woche und mit Hotel) brauche, fertig geworden. Die hänge ich jetzt noch auf und dann gehe ich endlich auch ins Bett (und lasse mich von Pippi anschnarchen, die Herrn Rabes Platz für ihn warm hält).

Tag 3306 – Bettzeit!

Heute morgen haben wir festgestellt, dass wir früher ins Bett gehen müssen. Das machen wir dann jetzt auch. Ich mache das auch tatschlich jetzt ohne Handy, das klappt ganz gut und ich habe auch schon ein Buch fertig gelesen und ein neues angefangen. Das fertig gelesene Buch ist „Barbarotti und der schwermütige Busfahrer“ von Håkan Nesser und ist ganz toll (trotz des leicht peinlichen deutschen Titels). Ein langsames Buch, in dem keine Sensationen passieren und nichts groß ausgeschlachtet wird. Es ist nicht gruselig, nicht grausam, nicht brutal, nicht absurd (looking at you, Jo Nesbø). Es ist wie ein warmer Kakao an einem Herbstabend, unter einer Wolldecke. Ob man die anderen Barbarotti-Bücher kennen sollte, um das Buch genießen zu können, weiß ich nicht so recht, aber wer die noch nicht kennt, verpasst was. Ich finde nicht, dass man das als Krimi bezeichnen kann, es sind eher Romane, die sich halt um einen Polizisten drehen. Lesen sie einfach mehr Håkan Nesser. Wenn nicht gleich eine ganze Reihe, ist „Kim Novak badete nie im See von Genezareth“ auch echt toll. Zum Beispiel.