Tag 3060 und 3061 – Winter im Homeoffice.

Hier passiert literally gar nichts. Ich pröddele im Homeoffice vor mich hin, Herr Rabe war jetzt nach langer Zeit mal wieder im Büro (er war erst krank und dann noch länger wegen dichter Nebenhöhlen nicht fit und es geht ja, wenn’s sein muss monatelang, haben wir ja alle gelernt. Man muss gar nicht alle im Büro anhusten). Das spannendste was heute passiert ist, war, dass ich mit Michel beim Kieferorthopäden war, der die Zahnspange noch mal drei Stufen weiter gedreht hat, aber damit ist dann jetzt auch gut, kein Weiterdrehen mehr. Soweit ich weiß, werden als nächstes die Klötze, die den Unterkiefer nach vorne ziehen, nach und nach runter geschliffen. Wann das ist, müssen wir gucken, schätze ich. Der enorme Überbiss ist aber schon fast halbiert allein durch den geweiteten Oberkiefer. Nächster Termin in sechs Wochen.

Tag 3044 – Sticheln.

Michel ärgert seine Lehrerin weiterhin. Die geht damit nicht sooo toll um und reagiert nicht soooo super erwachsen, und dann eskaliert es halt wieder. Michel erzählt mir das wenigstens relativ entspannt, was ich schamlos als Beleg unserer herausragenden Elternfähigkeiten deute. Ich sage ihm dann schon auch, dass ich nicht gut finde, dass er die Lehrerin bewusst auf die Palme bringt, und dass das dann eben bei ihr Reaktionen hervorruft, die er ja so langsam auch abschätzen können müsste, die Muster sind ja immer gleich. Zur Sicherheit gehe ich die vorhersehbaren möglichen Reaktionen dann noch mal für ihn durch. Aber wir bestrafen ihn da nicht, das finden ich und Herr Rabe nicht zielführend. Konsequenzen sind noch mal was anderes, aber wir können ja keine logischen Konsequenzen für Dinge, die in der Schule passieren, durchsetzen. Aber Mittwoch in das Elterngespräch mit der Lehrerin möchte ich schon gerne einen Boxsack oder so mitnehmen, für alle Beteiligten. Ich glaube nämlich auch, dass die Lehrerin das mit Konsequenzen und Strafen komplett anders sieht.

Tag 3040 – Sorgen, große und kleine.

Oder bei Großen und Kleinen. Michel rasselt immer wieder mit seiner neuen Lehrerin aneinander. Ich bin heute mit einer Ärztin aneinander gerasselt. Es führt bei uns beiden zu ähnlichen Reaktionen: erst Wut, dann Tränen und zum Schluss einem Hyperfokus darauf, der Gegenseite zu beweisen, dass man Recht hat.

Michel macht das schon echt gut und kann, wenn Wut und Tränen einigermaßen unter Kontrolle gebracht sind, sehr gut ausdrücken, was ihn stört und warum. Und was er mir heute erzählt hat – ja gut. Das würde mich auch sehr irritieren. Das habe ich in der Deutlichkeit nicht zu Michel gesagt, sondern erst mal nur seine Wahrnehmung und seine Gefühle validiert und ihm erklärt, dass auch Erwachsene, selbst wenn sie „auf eine Schule gegangen sind, wo man lernt, Lehrer zu sein“, wie er es ausdrückte, manche Dinge noch lernen müssen und man ihr die Chance schon auch geben muss. Das beinhaltet natürlich aber auch, dass man auf einer sachlichen Ebene kommuniziert, was zu Konflikten geführt hat. Ich hoffe, Michel kriegt das auch hin (und zündet nicht einfach alles an). Und dann hoffe ich noch mehr, dass die Lehrerin vernünftig und wie eine erwachsene Person reagiert.

Von der Ärztin erwarte ich beim nächsten mal einfach Quellenkritik, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich noch mal zu der hingehe, ist aus meiner Sicht grad eher gering. Es ist sehr schön, erwachsen zu sein. Da kann man sich zumindest bei bestimmten Personen aussuchen, ob man mit ihnen Kontakt haben will oder nicht. Recht habe ich trotzdem, im Gegensatz zu ihr verlasse ich mich nämlich nicht auf bunte Broschüren sondern lese Beipackzettel SPCs (die ausführliche Version des Beipackzettels für Gesundheitspersonal und speziell Interessierte).

Als Erwachsene kann man sich außerdem nach dem Tanzen selbst und ohne fragen müssen ein Eis kaufen, dem Geigenlehrer sagen, dass man Bach grad sehr scheiße findet und der Ballettlehrerin, dass Kostüme, die den Po nur unzureichend bedecken, nicht in die Tüte kommen. Es ist ja wirklich auch nicht alles schlecht.

Tag 3031 – Noch mehr Grusel.

Kurz ein paar Schnipsel von gruseligen (und nicht ganz so gruseligen) Dingen.

  • Ich hab den ganzen Arbeitstag IT-Projekt-Dinge gemacht. Das ist weiterhin zum Abgewöhnen.
  • Heute früh war ich zur Blutabnahme beim Arzt und ich weiß nicht, wie das passiert ist, aber ich sehe jetzt aus wie nach einem Vipernbiss. Neben dem (kleinen) blauen Fleck von der Nadel ist nämlich ein weiterer blauer Fleck, aber da war nichts, nur Pflaster.
  • Auto fahren auf dem ersten Schnee ist furchtbar gruselig. Also man hat das schnell wieder drauf, Jahr für Jahr, aber ich möchte den ganzen Nordlenninger echt ein lieb gemeintes Haltet die Fresse entgegen rufen. Die machen sich nämlich jedes Jahr rituell drüber lustig dass in und um Oslo beim ersten Schnee das völlige Chaos ausbricht und Busse aus Gräben gezogen werden müssen und dergleichen. Wir haben hier halt ca. 6 Monate im Jahr tatsächlich keinen Schnee und wenn man ohne Spikes fährt, ist das halt erst mal gewöhnungsbedürftig. Ich schätze, das ist nicht anders, wenn man einen Bus fährt. Außer dass da noch größere Massen in Bewegung sind. Ich bin heute, trotz Winterreifen (ohne Spikes) um ein paar Kurven ungewollt sportlich geschlittert, das war gar nicht mal so schön und bei ein paar km/h mehr hätte ich vermutlich die Leitplanke geknutscht und Nordlenninger würden sich über mich kaputt lachen.
  • Die Ballettlehrerin schlug heute vor, die letzten 15 Minuten mit der Turngruppe zu verbringen, die hatten nämlich ein Airtrack aufgebaut. Also ein, keine Ahnung, 15-20 Meter langes, dickes (sicher 50-60 cm) Luftkissen. Mein Beckenboden fand die Vorstellung sehr gruselig, mein knapp noch U40-Ich ansonsten auch, weil, ugghhh, ich hab seit bestimmt 20 Jahren kein Rad mehr geschlagen, geschweige denn so Faxen wie Flugrollen gemacht. Man wird ängstlicher mit dem Alter. Andererseits war ich im Turnen in der Schule immer sehr gut und fand zum Beispiel Springen immer super, ich war ja auch ziemlich stark als Jugendliche. Bin ich noch, zumindest im Verhältnis zu vielen anderen. Whatever. Mein Beckenboden hatte recht mit seinen Befürchtungen, aber beim Ballett bin ich ja eh darauf vorbereitet, Springen zu müssen. Das Hopsen auf der Luftmatte hat aber ungeahnt viel Spaß gemacht und ich kann noch Rad schlagen (beide Seiten), Luftrolle und Handstand mit Abrollen. Das sind alles drei aber Sachen, die ich lieber auf Bodenturnmatten machen würde, das starke Federn hat mich ein paar mal ziemlich rausgebracht.
  • Das süßeste Kostüm heute hatte ein noch ganz kleines Kind an, das vielleicht 1,5 Jahre alt war und in einem voluminösen Skianzug steckte, über (!) den ein Hexenkostüm mit Tüllrock geprömmelt war. Das war insgesamt alles sehr viel Stoff und das Kind glich eigentlich eher einem tapsig herumwackelnden schwarzen Tüllball. Dazu kam, dass es noch neu im Trick-or-Treat-Business war und erst drei mal zu Mama gucken musste, ob es jetzt echt ganz im Ernst in Ordnung ist, Süßigkeiten zu nehmen. Dann trug es aber das ausgesuchte Bonbon wie eine Trophäe (oder eine Sandale) vor sich her. Also, selbst will ich so kleine Kinder ja nicht mehr haben, aber die sind schon oft sehr sehr niedlich in dem Alter.

Das war’s. Mehr war nicht. Jetzt Bett, weil sehr platt von Turnen.

Tag 3028 – Gemischtes.

Die Kinder hatten heute Korpsseminar, das war natürlich im Vorhinein Kinderfolter und hinterher aber super gut. Ich beantworte Michels Fragen „warum muss ich [Aktivität] machen?“ inzwischen meist nur noch mit „weil wir Monster sind“ und hoffe, dass er es bevorzugt zeitnah, spätestens aber so in 20 Jahren versteht. Über was soll er denn auch sonst in seiner Therapie reden?

Pippi ging nach dem Korpsseminar zur Halloweenparty der Tanzschule. Ich schminkte sie dafür, sie wollte das Gesicht weiß und die Augen schwarz, aber „nur so Striche, wie Erwachsenenschminke“, und die Lippen schwarz. Wann ist mein Baby denn so groß geworden? Aber dafür hier noch eine Perle, die sie im Schminkprozess äußerte: „Mama, das ist nicht schlimm, wenn du was falsch machst, dann sieht man, dass es selbst gemacht ist.“*

Kann man im Internet posten, da Kind nicht wirklich erkennbar.

Die Party war super und Pippi sehr zufrieden mit ihrem Tag.

Ich war, nachdem ich Pippi bei der Party abgeliefert hatte, noch kurz einkaufen und habe gruselige Gemüsepreise gefunden.

72 Kronen für ein Kilo Sellerieknolle?!?

Das sind über 6€ für… Sellerie. Ich dachte bisher immer, Sellerie sei eins dieser Wurzelgemüse, die sich auch in Norwegen gut anbauen lassen und deshalb quasi nichts kosten. Der hier ist ja auch von hier. Verkniffen hab ich ihn mir dann trotzdem, so dringend muss der dann doch nicht in die Bolognesesauce.

Ansonsten habe ich die traurige Nachricht zu vermelden, dass Pølse heute abgeholt wurde. Das war nicht so einfach für mich, weshalb ich es bis fünf Minuten vorher ignorierte und hinterher ziemlich durch den Wind war. Jetzt haben wir also gar keine Haustiere mehr.

Am Vormittag habe ich außerdem sichtbar gedacht und muss jetzt Michel schonend beibringen, dass wir keine Schildkröte(n) anschaffen werden. Auch wenn die cool sind. Ich kann und will nicht leisten, was Schildkröten brauchen und die haben es in Griechenland wesentlich besser als hier, selbst wenn wir uns ein Bein dafür ausreißen. Es ist ja immer noch Norwegen hier, wir können kein Tier haben, das zwar draußen wohnen soll, aber bei unter 15 Grad in Winterruhe geht. Das würde ja von spätestens Ende September bis frühestens Anfang Mai im Kühlschrank wohnen müssen. Neenee. Nope. Einfach nein.

All das… ein bisschen viel. Eine muss viel Lego bauen um das auszugleichen.

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*jaha, nämlich nicht wie so Industrieschminke, die man am Fließband ins Gesicht gestempelt kriegt! Bei der sind zwar die Augen symmetrisch, aber dafür war meins mit Liebe gemacht!

Tag 3023 – Keine Worte.

Ich bin diffus angepisst von allem. Vermutlich einfach zu viel durch die Gegend gerödelt, zu viel gemacht, zu wenig für mich getan, das nicht daddeln am Handy war. Bügeln zähle ich nicht als „für mich“, ich hasse Bügeln und bügele meine Sachen echt nur, weil ich muss. Heute musste ich, ich hatte keine einzige gebügelte Business-Hose mehr und morgen ist Inspektion, hoppala. Ich würde niemals auf die Idee kommen, beispielsweise und total hypothetisch versteht sich, Sweatjacken oder T-Shirts zu bügeln. Ich finde auch daran nichts entspannend, ich habe mühsam unterdrückte Angst vor allem dem heißen Bügeleisen, besonders in Verbindung mit Kabeln und dergleichen, die nun mal dazu gehören. SHE-mäßig müsste Bügeln ein untragbares Risiko darstellen. Ich argwöhne, dass das Patriarchat irgendwie dran schuld ist, dass Bügeln immer noch nicht sicherer ist als 1970 und nicht wesentlich sicherer als 1870 (immerhin müssen wir das Bügeleisen nicht mehr mit glühenden Kohlen füllen, voll der Gewinn).

Anyway. Schlechte Laune. Im Werk alle bekloppt.

Aber beste Kinder, vor allem Michel, der heute sehr erwachsen und ganz ohne Rumschreien seinen Missmut über die Schule einerseits (Grund und Anlass für einen Teil der schlechten Laune auch da, leider) und andererseits die von ihm wahrgenommene Untätigkeit seiner Eltern in Haustierfragen an mich kommunizierte. Punkt für Punkt aufgezählt und dargelegt, mit Lösungsvorschlägen. Vielleicht haben wir doch einiges richtig gemacht, auch wenn wir offenbar für ihn nicht deutlich genug über seine Haustierpläne nachdenken.

Werde in Zukunft versuchen, sichtbarer zu denken.

Tag 3012 und 3013 – Freitag der 13.

Wegen meiner Trotteligkeit habe ich Tag 3000 verpasst. So ärgerlich, ey. Ich bin aber schon bei Ende Juli mit dem Korrigieren angekommen. Das mache ich immer mal so nebenbei, das braucht keine Gehirnzellen sondern eigentlich nur Daumen.

Michel ist das Wochenende über weg. Mit seinem besten Freund auf der, Sie ahnen es, Hütte. Alle unsere Kinder waren jetzt also vor uns Erwachsenen auf Hüttentour. Ungerecht. Aber das wichtigste ist, dass sich Michel das überhaupt zutraut und das mitmacht und sicher eine gute Zeit hat. Trotzdem komisch mit nur einem Kind, genau wie letztes Wochenende.

Ich war gestern und heute im Büro. Gestern, weil ich nachmittags Geigenunterricht hatte. (War echt gut, ich kam um Bach herum, spielte aber dafür ca. hundert mal die ersten 4 Ds von Chanson triste [Tchaikovsky] bis der Lehrer einigermaßen zufrieden war.) Heute, weil ich mitten am Tag in die Philharmonie ging, da gab es ein Mittagskonzert mit Janine Jansen, Sibelius Violinkonzert und danach noch Sibelius Symphonie Nr. 5. Es war ganz wunderbar, Janine Jansen ist eine tolle Performerin, die alle Stimmungen in diesem recht vielschichtigen Stück hervorragend rüberbringt, ohne zu routiniert dabei zu wirken. Und Symphonie Nr. 5 ist immer toll. Ich hatte ja mal erwähnt, dass mich Sibelius immer irgendwie an Zugvögel erinnert. Heute las ich im Programmheft, dass die 5. Symphonie das sogenannte Schwanenthema hat, zu dem Sibelius angeblich inspiriert wurde, als er von einem See abhebende Schwäne sah. Ich sag mal so, 1. lag ich mit Gänsen gar nicht so weit daneben und 2. was für ein krasser Komponist muss man sein, damit eine random Person 100 Jahre später an große, fliegende Vögel denkt, wenn sie die Musik hört.

Jedenfalls war das super. Über den Rest des Tages breiten wir gnädig den Mantel des Schweigens. Es ist halt auch schon wieder kurz vor Zyklusanfang, dieses Mal mal wieder mit plötzlichem und anlasslosen Nasenbluten. Hoffentlich bald vorbei, der Zyklus.

Freitag der 13.-mäßig ist gar nicht passiert. Langweilig. Ich hab noch nicht mal ne Katze gesehen, geschweige denn eine schwarze in der Nähe von Leitern.

Tag 3008 – Wochenendlich.

Hier passiert, was am Wochenende halt so passiert, außer dass Pippi nicht da ist (und dementsprechend auch nicht 1-3 Nachbarsmädchen plus Pippi hier rein und raus laufen als wären wir eigentlich nur eine drei-Häuser-WG). Herr Rabe war bei der Entsorgungsstation, Gartenabfall weg bringen. Ich war einkaufen. Morgen holen wir die Schweinchen rein. Die versuchen schon seit Wochen, sich Winterspeck anzufressen. Ich glaube ihr Ziel ist die Kugel, wir schmeißen schon ständig Futter rein und werden trotzdem, sobald wir uns in der Nähe des Käfigs zeigen, gierig angequiekt.

Heute Abend haben wir Erwachsenen mit Michel den ersten Teil der Hobbit-Reihe geguckt. Das war ganz schön, verdeutlichte aber auch, dass wir über kurz oder lang (eher kurz) einen neuen Fernseher werden kaufen müssen. Unser hat nämlich mittig einen grünen Fleck, der immer größer wird. Laut Internet ist das bei den 1. Generation OLED dieser Marke wohl manchmal so und machen kann man da nicht viel. Alles was man machen kann (Kalibrations-Kram und zurücksetzen und so weiter), haben wir versucht, aber erfolglos. Jetzt sehen halt alle Figuren immer aus, als müssten sie brechen. Und der weiße Ork ist hellgrün. Wunderschön. Nicht.

Ich habe eine neue Weirdo-Erkenntnis über mich. Ich habe ja quasi schon immer irgendwelche Musik über Kopfhörer gehört, während ich irgendwo hin gegangen bin, zur Bahn, zur Schule, nach Hause, egal. Immer Musik. Genauso lange bewege ich dabei auch meine Hände, meistens spiele ich Luftgitarre und/oder Luftschlagzeug oder Luftdirigiere. Auch genauso lange unterdrücke ich das auf ein Minimum, weil mir sehr klar ist, wie weird das aussieht. So langsam bin ich aber alt genug, um zu erkennen: who cares. Ich jedenfalls nicht. Ich höre Musik, ich habe den körperlichen Drang, mich dazu zu bewegen, es ist nur eine Stunde die Woche Tanzen* und mir ist echt egal, ob random Leute auf der Straße denken, die Frau da, die ist aber seltsam. In der letzten Woche habe ich das (abends, im Dunkeln, weil ganz so mega mutig bin ich da doch noch nicht) dann mal nicht unterdrückt und siehe da – es macht mich sehr sehr glücklich, wenn ich meine Arme einfach wedeln lassen kann. So glücklich, dass ich grinsend die Augen schließe und auch schon mal fast zu weinen angefangen habe. Das ist nicht mal sehr koordiniert, sondern einfach was ich zur Musik so fühle untermalend. Manchmal macht der Kopf auch noch mit und irgendwann heute hab ich sogar mitgesungen. Das sieht höchstwahrscheinlich schon von Weitem ziemlich außerhalb der Norm aus. Und es ist mir egal, es fühlt sich echt einfach so gut an. Ich hoffe, ich kann das auch irgendwann im Hellen. Also wenn Sie mal eine Frau Ende 30 mit Sonnenbrille die täglich gleiche** Route spazierrennen sehen, und diese Frau wedelt dabei sehr engagiert mit den Armen herum, sagen Sie ruhig… naja, seien wir ehrlich: sagen Sie nichts, ich bin dann sehr versunken und nicht auf angesprochen werden eingestellt, weshalb mich das sehr raus hauen würde. Winken Sie einfach im Vorbeigehen. Oder wedeln sie mit, das ist schön! Für mehr Luftgitarre im öffentlichen Raum.

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*es ist auch wirklich ein Rätsel, warum ausgerechnet Tanz. Körperlicher, kontrollierter Ausdruck von Gefühlen, angeleitet und mit einer genauen Vorschrift, zu Musik. Gleichzeitig so viele Faktoren, die man kontrollieren muss, dass es garantiert nicht langweilig wird und es immer noch was gibt, das perfektioniert werden kann. Ganz komisch, dass Leute wie ich das toll finden.

Das war ironisch gemeint.

**es gibt 4 Stufen, ganz kurz, kurz, länger, lang, für alle Bedürfnisse von 15-40 Minuten. Ich kann unterwegs entscheiden, wann ich rechts abbiege, das bestimmt die Länge der Tour. Meistens überlege ich mir das auf den ersten 100 Metern. Aber ja, im Grunde ist es immer die selbe Strecke, da kenne ich jeden Stein und zur Zeit auch jeden Pilz und auch das macht mich sehr froh. Herr Rabe hingegen geht gerne ganz abenteuerlich in der ganz anderen Richtung laufen und nimmt dann unbekannte Strecken. Wir sind halt alle verschieden, ne?

Tag 2963 und 2964 – Nichts zu erzählen.

Es ist nicht viel passiert, weder gestern noch heute. Ich hab sehr viel gearbeitet, zu viel, bin aber ein gutes Stück weit gekommen und die anderen Aufgaben müssen halt bis nächste Woche warten. Heute abend, also jetzt, ist Herr Rabe spontan weg, weil er sich zur Flohmarkt-Nachtwache hat belabern lassen. Der kommt irgendwann gegen drei wieder. Michel ist morgens ein Kotzbrocken, Pippi morgens trödelig, also wie immer. Neu ist nur, dass beide mit dem Fahrrad zur Schule fahren und wir morgens kein Elterntaxi sind. Pippi setzen wir nach dem Sport-Hort, zu dem sie ja mit dem Bus hinfahren, wieder an der Schule ab, damit sie ihr Fahrrad nach Hause fahren kann. Seit Mittwoch fährt sie mit Michels altem Fahrrad und sieht darauf super groß aus. Oder klein, wie man‘s nimmt, weil ihre Beine so lang sind ist nämlich der Sattel gar nicht mal ganz unten, und dann sieht es aus, als wäre das Rad viel zu groß für sie, dabei sind es nur die Proportionen, die etwas Off sind.

Morgen fahre ich mit Pippi nach Oslo, Ballettschuhe kaufen. Die von letztem Jahr sind viel zu klein und außerdem wünscht sich Pippi so sehr ein richtiges Trikot, was ich aber echt sie anprobieren lassen möchte, genauso wie eine Strumpfhose, wegen der Proportionen eben. Vielleicht, wenn ich die Nerven dazu habe, nehmen wir noch Michel mit, der Schuhe für den Herbst braucht. Ihn dafür an den Ohren aus dem Haus schleifen kommt allerdings nicht in Frage, dafür sind mir meine Nerven und mein Wochenende zu schade. Nachdem er sich schon bei dem Versuch, die Nasenkissen an die Brille montieren zu lassen (was er gerne wollte!) aufgeführt hat, als sei es grauenvollste Kinderfolter ihn dafür aus dem Haus zu zerren, bin ich wenig motiviert, das morgen mit ihm durchzuziehen, lasse mich aber natürlich gerne positiv überraschen. Ist das schon Pubertät? Wird das dann eventuell noch schlimmer? Ich fürchte es.

P.S. abends ist er aber immer noch sehr kuschelig und auch kommunikativ, das ist schön. Er ist ja eigentlich auch sehr umsichtig und daran interessiert, dass es allen um ihn rum gut geht, nur vergisst er das in akuter Muffel- oder Motzlaune gerne mal. Ich hoffe, auch für ihn, dass das irgendwann wieder weg geht.

Tag 2959 – Wochenende im Schnelldurchlauf.

So schnell ist ein ganzes Wochenende rum. Ich bin darüber nur mäßig glücklich, vor allem, weil ich Idiotin (sorry, aber anders kann man das nicht sagen) heute gearbeitet habe (bezahlt, mit Überstundenzuschlag, ABER TROTZDEM!) und mich dafür runter mache weil das so nicht sollte und so weiter und so fort und mein Arbeitgeber spürt ja so keine Konsequenzen yada yada. Aber ich sag Ihnen mal was: mein Arbeitgeber spürt so oder so keine Konsequenzen. Der kriegt nicht die Mails mit „wann kommt mein Report?“ „warum habe ich noch keine Antwort auf diese Frage?“ „ist meine Mail mit sechs Tonnen Dokumentation angekommen, hab gar nichts mehr gehört?“ und so weiter. Die kriege ich/wir und selbst wenn wir die nach oben weiterleiten, kommt von oben nur „ja, schlimm, machste nix“, wenn überhaupt. Vielleicht, wenn sie nen guten Tag haben, drei Sätze über die schlimmschlimme Ressourcensituation und dass „wir“ besser priorisieren müssen, wobei das wir sie selbst nur scheinbar mit einschließt. Und damit sind wir wieder mit der unmöglichen Aufgabe allein, 150% Arbeit in 100% Zeit zu erledigen.

Tschuldigung, ich bin darüber grad sehr frustriert, das dankt mir keine Sau, dass ich heute 4,5 Stunden meines kostbaren Wochenendes vorm Rechner gehockt habe. Und selbst schuld bin ich auch noch, ich könnte ja einfach was liegen lassen und damit leben lernen, dass Dinge liegen bleiben. Genau das fällt mir aber extra schwer, schwerer als vielen anderen, und eigentlich finde ich, dass das ebenfalls nicht meine Aufgabe sein kann, mich selbst zu fixen, damit ich diesen Stapel besser ignorieren kann.

Aber nun zu etwas erfreulicherem. Gestern habe ich nicht gearbeitet. Gestern haben wir unsere „Bod“ (Lagerräume, aber auch Schuppen, es gibt Innebod [drinnen, Abstellkammer], Utebod/Redskapsbod [draußen, oft (Werkzeug-)Schuppen] und Sportsbod [draußen, für Skier, Fahrräder und so weiter]) aufgeräumt. Das war sehr nötig, denn man kam weder in den Schuppen noch in den Utebod der nicht der Schuppen ist, hiernach „Bod“ noch rein, da stand und lag so viel… Zeug einfach im Weg, dass man sich und die Dinge darin nur noch wie so ein Schiebespiel, wo man nur ein freies Feld hat, bewegen konnte. Das hat alles Gründe, Teile der Gründe sind aber auch nur Ausreden und eigentlich ist das ja auch egal. Jedenfalls räumten wir erst mal alles auf den Hof und unter das Carport, sortierten dann nach „Müll“, „Flohmarkt“ und „behalten“ und räumten dann den „behalten“ Teil wieder rein, nur in ordentlich und, zumindest teilweise und zumindest hoffen wir das, besser durchdacht, weil man jetzt an Sachen, an die man schnell mal ranmuss, auch ran kommt, ohne erst den Rasenmäher ausparken zu müssen oder ähnliches. Der Flohmarkt-Teil wanderte bis Donnerstag erst mal wieder ins Bod, aber ordentlich in einer Kiste(+) gesammelt. Donnerstag sammelt der Korps das für den Flohmarkt am Wochenende zusammen. Der Müll steht erst mal unterm Carport, damit muss bei nächster Gelegenheit jemand zum Entsorgungshof fahren. Es ist viel Müll, von Pappe, Styropor, kaputten Koffern, Elektroschrott bis zu alten Bratpfannen mit sich lösender Beschichtung ist alles dabei. Plus ein bisschen Gartenabfall. Es lohnt sich also, mit der Tour zum Entsorgungshof. Bonus: ich weiß genau, wo im Schuppen die Plane fürs Auto ist, und man kommt da auch dran. Ich frage mich nur, ob wir exorbitant viel Müll produzieren, weil wir ca. 2-3 mal im Jahr regulär zum Entsorgungshof fahren, und da ist das Auto immer voll. Nicht mitgerechnet irgendwelche Extratouren, weil wir zum Beispiel mehrere große Ikeamöbel gekauft haben und die Pappe wegfahren müssen oder im Garten 264 Pflanzen beschnitten haben.

Aber, nachdem da im Schuppen jetzt wieder Platz ist, konnten wir ja erst mal was neues anschaffen. Scherz. Aber nur ein halber. Denn Michel brauchte ein neues Fahrrad, Pippi kann eigentlich dann Michels altes Fahrrad erben und Pippis Fahrrad können wir dann verkaufen, dann stehen netto die selbe Anzahl Fahrräder im Schuppen. Wir waren deshalb sehr spontan mit Michel im Dorf ein neues Fahrrad kaufen und die überholen jetzt auch das alte, damit Pippi es erben kann. Der Fahrradkauf ging recht fix, ein Vorteil (für so Menschen wie Michel und mich, die schnell Entscheidungsparalyse bekommen) an Dorfläden ist eine sehr begrenzte Auswahl, in seiner Größe gab es exakt 2 Mountainbikeähnliche Modelle. Es wurde das etwas günstigere, wobei Fahrräder generell ja nicht gerade billig sind. Außerdem brauchte Michel auch einen neuen Helm, der ebenfalls dort besorgt wurde (und den alten haben wir direkt danach auf den Müll-Haufen getan). Ich hoffe ein bisschen, dass Michel realisiert hat, was der Helm und das Rad gekostet haben, ich habe nämlich wenig Interesse daran, öfter solche Ausgaben zu tätigen. Michel ist jedenfalls happy mit seinem neuen Fahrrad und dem neuen Helm und dem neuen Fahrradschloss und das neue Rad hat auch wieder einen funktionierenden Ständer, Hurra. Keine Ausrede mehr, warum man das Rad einfach auf den Rasen schmeißen muss.

Offen gestanden war ich danach trotzdem gar, das war sehr spontan und viel Interaktion mit dem Fahrradverkäufer. Aber jetzt ist es erledigt.

Abends versetzten wir, nachdem die Schweinchen noch eine halbe Stunde Unterhaltungsprogramm für einen ganz bezaubernden Anderthalbjährigen waren, noch den Meerschweinchenkäfig, auf dass sie das andere Feld abfressen mögen. Die Speckels selbst waren davon nahezu unbeeindruckt, aber die sind, wenn sie draußen wohnen, eh recht entspannt. Ich werde natürlich trotzdem immer gierig angequiekt, wenn ich zum Käfig komme, aber ich habe dann ja auch meistens leckere Dinge dabei. Aber die Katze, die gerne vorm Käfig hockt, wird kaum noch beachtet, Schwein hat wichtigeres zu tun. Auch Anderthalbjährige sind ok, solange sie ne Handvoll Löwenzahn rein werfen (von mir in die Hand gedrückt). Und morgens kann man wunderbar mit der Nase in der Morgensonne im Eingang des Häuschens dösen, das sieht immer sehr entspannt aus. Hach ja.