Bei uns ist weiter alles gut – aber in alle Himmelsrichtungen sind die Überschwemmungen, Erdrutsche, weggespülten Straßen und gebrochenen Dämme nicht weit. Man kann praktisch nicht mehr nach Norden fahren, ab Lillehammer ist alles gesperrt, weder Zug noch Auto geht. Falls man von Oslo nach Trondheim oder umgekehrt muss, hat man also momentan nur die Option, zu fliegen. Da eine Brücke einzustürzen droht, kann das auch dauern, bis man wieder Zug fahren kann. Man kommt von uns aus noch ganz gut (also normal – aber irgendwie sind heute alle gefahren wie Sau, so viele Drängler und halsbrecherische Überholmanöver hab ich auf der Strecke noch nie erlebt) bis Hamar und das haben wir heute auch gemacht, ich und die Kinder, auf der Strecke ist alles trocken* und so konnten wir kurz Mjøsa sehen. Norwegens größter Binnensee ist noch nicht sichtbar stärker gefüllt als normal, aber der ist halt auch enorm groß und tief, da geht einiges an Wasser rein, bevor es auffällt. Die Zu- und Abläufe sind stärker betroffen. Bisher haben 15 Ortschaften 50-Jahres-Fluten. In Drammen wird zum Wochenende hin eine Jahrhundertflut erwartet, da kommt das ganze Wasser nämlich am Ende an. Unser Fluss hier ist schon gestiegen, der Weg, von dem aus ich Montag das Bild gemacht habe, steht inzwischen unter Wasser, geschätzt so knöcheltief. Hier wird der Höhepunkt am Freitag erwartet. Entwarnung ist also anders, auch wenn es jetzt von oben trocken ist. Meine Gedanken gehen immer wieder an die, die evakuiert sind und nur Daumen drücken können, dass ihr Haus noch steht und noch bewohnbar ist, wenn sie zurück kommen.
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* Ein Hoch auf vegvesen.no, wo man alle aktuellen Verkehrsdaten für eine geplante Route einfach abrufen kann