Tag 1708 – Corontäne Tag 35.

5 Wochen. Ich drehe inzwischen einigermaßen am Rad. Deshalb antwortete ich heute auch dem Kindergarten einen Tag zu spät und etwas… ausführlicher auf die Frage, ob wir „irgendwie von der Situation betroffen“ seien. Ahahaha. Ja. Ich habe die Antwort mal für Sie übersetzt:

Natürlich sind wir von der Situation betroffen. Alle sind von der Situation betroffen. Wir sind mitten in einer globalen Pandemie. Wir sind unsicher und wir arbeiten uns kaputt. Ich denke, diese Antwort habt ihr vielleicht von mehreren bekommen. Ich weiß nicht ob ihr es bemerkt habt, aber die Kindergärten und Schulen sind seit 5 Wochen geschlossen, wir haben zwei Stunden Vorlauf bekommen um unsere Kinder zu holen und auf unbestimmte Zeit mit ihnen zu Hause zu sein. Das ist so weit weg von Ferien wie es nur geht. Wir arbeiten weiterhin. Zu Hause. Wir unterrichten einen unmotivierten Zweitklässler und sind die Kindergärtner/innen für eine soziale und willensstarke Vierjährige. Keiner von uns Erwachsenen wollte je Kindergärtner/in oder Lehrer/in werden und um es direkt zu sagen: wir sind schlecht darin. Wir können das nicht. Ihr Kindergärtner*Innen und Lehrer*Innen seid Superheld*Innen und ich werde mich nächste Woche sehr zusammenreißen müssen, um nicht vor Dankbarkeit weinend zu euren Füßen zusammenzubrechen. Ich habe ausgerechnet, dass wir zur Zeit 28 Stunden am Tag arbeiten, auf zwei Erwachsene verteilt. Das war natürlich, bevor mein Mann zu 40% permittiert [Kurzarbeit] wurde, was zusätzlich für ökonomischen Druck gesorgt hat. Gleichzeitig helfen 40% eines Vollzeitjobs nicht wesentlich, wenn es um die totale Arbeitsbelastung geht, er kommt nun nur darum herum, jeden Abend zu arbeiten. Ich nicht. Mein Job ist außerdem ein sogenannter systemrelevanter und, huff, ja, es sind stressige Zeiten für die Medikamentenwelt. Wir hatten jetzt seit 5 Wochen keine Pause. Gestern tanzte ich ein bisschen durchs Wohnzimmer, weil ich einkaufen „durfte“. Zu Fuß, da hatte ich fast eine ganze Stunde Alleinzeit! Ich fühle mich wie die schlechteste Mutter der Welt (und mein Mann sich wie ein echt schlechter Papa), weil die Kinder ca. 15 mal mehr Tablet schauen als wir sonst zugelassen hätten. Es ist fast täglich ein Kampf, sie zu irgendwas anderem zu kriegen. Draußen Vögel beobachten? Äh. Ja. Nette Idee. Das kann ich alleine machen, die Kinder gucken Mia and Me, win-win, bloß das schlechte Gewissen… Die Kinder vermissen ihre Freund*Innen und sind nicht sie selbst vor schlechter Laune und Anspannung und zu wenig Bewegung und fehlenden Sozialkontakten. Wir Eltern haben einen Tunnelblick um jeden einzelnen Tag zu schaffen und wir versuchen uns aktiv einzureden, dass die Kinder keinen Schaden davon tragen werden. Ich habe meine Kinder unglaublich doll lieb und das hört sich jetzt gemeiner an, als es gemeint ist, aber bitte nehmt Pippi ein paar Stunden am Tag, bitte. Wir können nicht mehr.

Also ja, wir sind betroffen.

Und hier das Original:

«4. Så klart vi er berørte av situasjonen. Alle er berørte av situasjonen. Vi er i midten av en global pandemi. Vi er usikre, og vi sliter oss i hjel. Jeg tror dette svaret kan dere ha fått fra flere. Jeg vet ikke om dere har lagt merke til det, men barnehagene og skolene har vært stengt i 5 uker nå, vi fikk to timers varsel om å hente barna for så å være hjemme med dem på ubestemt tid. Dette er så langt fra ferie som man bare kan komme. Vi jobber fortsatt. Hjemme. Vi underviser en motivasjonsløs andreklassing, og vi er barnehagelærere til en sosial og viljesterk fireåring. Ingen av oss voksne har noen gang ønsket å være barnehage- eller barneskolelærer og for å si det rett ut: vi er dårlige på det. Vi kan det ikke. Dere barnehage- og andre lærere er superhjelter og jeg kommer til å måtte ta meg sammen til å ikke bryte sammen gråtende av takknemlighet ved deres føtter neste uke. Jeg har regnet ut at vi for tiden jobber 28 timer om dagen, fordelt på to voksne. Det var selvfølgelig før min mann ble 40% permittert, som i tillegg har ført til noe økonomisk press. Samtidig hjelper ikke 40% av en heltidsjobb vesentlig når det kommer til den totale arbeidsbelastningen, han slipper bare å jobbe alle kvelder. Ikke jeg. Min jobb er i tillegg en såkalt samfunnskritisk en, og huff, ja, det er travle tider i legemiddelverdenen. Vi har ikke hatt en eneste pause på 5 uker nå. I går danset jeg litt på stua fordi jeg „fikk lov“ til å gå og handle. Til fots, da hadde jeg nesten en hel time med alenetid! Jeg føler meg som den verste mammaen i hele verdenen (og mannen min seg som en skikkelig dårlig pappa) fordi barna ser på nettbrett ca. 15 ganger mer enn vi ellers ville tillatt. Det er kamp nesten hver dag å få de til å gjøre noe som helst annet. Se på fugler ute? Æh. Ja. Fint idé. Det kan jeg gjøre alene, barna ser på Mia and Me, win-win, bare den dårlige samvittigheten… Barna savner sine venner og er helt ute av seg av dårlig humør og anspenning og for lite bevegelse og manglende sosialkontakter. Vi som foreldre har tunnelsyn for å klare oss gjennom hver eneste dag og vi prøver å aktivt innbille oss at barna ikke kommer til å ta skade av det. Jeg er utrolig glad i mine barn, og dette høres nå slemmere ut enn det er ment, men vær så snill og ta [Pippi] noen timer om dagen, vær så snill. Vi kan ikke mer.
Så ja, vi er berørte.»

Jaha. So war das.

Und jetzt gehe ich in meinem Bett staubsaugen und ein neues Laken aufziehen, denn jemand* hat da heute Regenwürmer samt Erde drin ausgesetzt, und ein Loch ins Bettlaken geschnitten, damit die Regenwürmer da durch können. Und dann suche ich den Lippenstift, den jemand* vorhin im Gesicht hatte und schließe ihn weg. Und vieles mehr. Die Scheren zum Beispiel. Alle.

*jemand geht auch bald wieder in den Kindergarten, wenigstens ein bisschen oder manchmal oder wasweißich aber hallelujah, wird das schön.

16 Gedanken zu “Tag 1708 – Corontäne Tag 35.

  1. Tove schreibt:

    Mhhh, aber an wem liegt es denn, dass der Zweitklässler „unmotiviert“ und die Vierjährige „willenstark“ ist? Aus Ihren Einträgen hier geht hervor, dass Sie auch weit vor Corona häufig keine zwei Tage eines Wochenendes mit Ihren Kindern verbringen konnten ohne Überforderung Ihrerseits und teilweise Hilflosigkeit gegenüber dem (Ein-)Schlaf-, Ess- und sonstigen Verhalten Ihrer Kinder, diverse Eskalationen Ihrerseits inklusive. Jetzt sind Sie intensiv mit den Ergebnissen Ihrer Erziehung konfrontiert, welche Sie sonst weiträumig outsourcen. Auch als Nichtfachkräfte ist es doch trotzdem Ihre Aufgabe als Eltern, Ihre Kinder so zu erziehen, dass Sie Ihnen gehorchen, sowie Grenzen kennen und respektieren. Wenn das nicht passiert ist, liegt die momentane Familiensituation nicht nur an Corona …

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    • Hallo Tove. Danke für Ihren mutmachenden und hilfreichen Kommentar. Selbstverständlich ist es so, dass ich für den Charakter meiner Kinder ganz allein verantwortlich bin, die sind halt einfach schlecht erzogen weil ich mit denen überfordert bin. Weder wohnt hier eine zweite erwachsene Person noch sind Kinder einfach Menschen mit Charakterzügen und alterstypischen Verhaltensweisen, wie schlecht schlafen oder einer sehr eingeschränkten Essensauswahl.
      Sie haben das richtig erkannt, ich bin kein Familienmensch, überfordert und habe bei der Erziehung versagt. Ich denke, ich ziehe einfach aus oder springe gleich vom Balkon, wäre das eine Ihrer Meinung nach sinnvolle Lösung?

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    • Tanja Tollpatsch schreibt:

      Sie behaupten zuerst, Frau Rabe habe die Erziehung „outgesourced“, würde aber nun mit dem Ergebniss ihrer Erziehung konfrontiert?
      Merken Sie selber,ne?

      „Kinder so zu erziehen das sie gehorchen“
      SIR,JA SIR!!!

      Meine Fresse ey, gehen Sie einfach weg. Weit weg, wo es keine anderen Lebewesen gibt.

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    • Amara schreibt:

      @Tove: wow, selten so einen wertenden, unverschämten, beleidigenden und insgesamt unterirdischen Kommentar wie ihren gelesen. Hat Sie jemand um ihre Meinung, ihren Rat, ihre WERTUNG (denn nichts anderes tun Sie hier) gebeten? Nicht? Dann unterlassen Sie es doch einfach bitte.
      Schön, wenn Sie und ihr Leben perfekt sind. Wirklich, freut mich für Sie.
      Die Erfahrung zeigt aber eher, dass Menschen, die so austeilen verdammt unglücklich sind.
      Respekt an Frau Rabe, dass sie es hier stehen lässt. Ich wünsch Ihnen, dass Menschen Ihnen mit demselben Respekt begegnen, den Sie anderen zukommen lassen. Karma und so.

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  2. M.G. schreibt:

    Hallo Frau Rabe,
    ich lese schon lange still mit und ich bin gerade völlig entsetzt von dem Kommentar. DAS GEHT GAR NICHT!!!! Ich wünsche weiterhin viel Kraft, mir / uns geht es auch so und vermutlich viele anderen Eltern auch. Wir alle lieben unsere Kinder aber diese Situation geht allen an die Kraftreserven und auch meine Tochter hat keine Lust daheim zu lernen, es ist ein täglicher Kampf und auch ich muss nebenher arbeiten und bin aus gutem Grund kein Lehrer geworden.
    Alles Gute!
    M

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  3. Hallo, was sollte das denn bitteschön?

    Liebste Frau Rabe, sie haben da eine tolle Antwort gegeben, herzlichsten Dank. Diese Person kann nicht so ganz richtig hier unterwegs sein …

    Bescheuerte Menschen gibbet …

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  4. Bettina schreibt:

    Booooah!!!!!!
    Gut dass „Papier“ so geduldig ist!
    Also entweder Tove hat keine Kinder, oder nimmt jede erdenkliche Menge an Drogen…..
    Mannomann 🤬

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    • Annie schreibt:

      Oh mann…
      Die Eltern, die zur Zeit nicht so fühlen und sich regelmäßig überfordert sehen, die sind mir nicht nicht begegnet. Und eher erleichtert, wenn sie merken, dass es auch bei uns nicht besser läuft als anderswo. Weil ich im normalen Alktag tiefenentspannt bin. Und erschrocken, wie segne das kippen kann. Und meine Kinder normalerweise großartig finde, und sogar mehrere Wochen Ferien mit ihnen verbringen kann. Ohne, dass solche Gefühle wie jetzt auftauchen. Und ich gerne auflegen möchte, wenn mir kinderlose Freunde erzählen, wie entspannend alles ist.

      Aber Kindergarten in Aussicht, das ist schonmal ein ganzer Schritt weiter. Hier rechne ich erst ab Juni mit sinkender Kinderzahl im Haus…

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  5. virtuellesgluecksbuero schreibt:

    Was sie, Frau Rabe so freimütig schildern, ist der ganz normale Wahnsinn des Zusammenlebens mit Kindern. Dass Dickköpfe aufeinanderprallen ist Alltag, und zwar überall und in jeder Familie. Es gibt nur keiner zu.
    Wer auf die oben genannte Weise kritisiert, hat diese Erfahrung nicht gemacht, hat also entweder keine Familie, oder sich elegant um Erziehung gedrückt. Es gibt da genügend Möglichkeiten, das ist nach wie vor gängiges Verhalten bei Männern.
    Frau Rabe, sie sind in der Kinderbetreuung keine Versagerin. Dazu machen sie sich viele Gedanken, geben sich alle erdenkliche Mühe wenn was nicht optimal läuft. Sie reflektieren das was nicht in Ordnung war zusammen mit den Kindern und das ist es, was zählt.
    Der Wahnsinn mit Kindern ist überall ähnlich, Bullerbü ist in meinen Augen nur eine Fiktion.
    Es gibt keinen reellen Maßstab wie es sein sollte, es ist einfach nur so, wie es ist.
    Sie erleben doch auch wunderbare Situationen mit ihren Kindern! Diese bleiben nur leider nicht so im Kopf hängen wie die Negativen.
    Lassen sie sich von den Toves dieser Welt nicht runterziehen. Das haben sie nicht nötig.
    Zu Themen klugzuscheissern, von denen man keine Ahnung hat, ist doch auf allen digitalen Kanälen Gang und gäbe. Jetzt hat es halt mal sie erwischt. Machen sie sich nichts draus
    LG

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  6. Sandra schreibt:

    Aha, gängiges Verhalten von Männern? Das kann ich überhaupt nicht bestätigen. Mir fällt KEIN Mann in meinem Umfeld ein, der sich nicht mit um die Erziehung der Kinder kümmert. Und das reicht von Vätern, die „späte“ Väter mit 45-50 sind, bis zu denen mit 30 plus. Jüngere kenne ich zugegebenermaßen nicht. Aber dieses Männerbashing finde ich nicht sehr fair und überhaupt nicht hilfreich.

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      • Sandra schreibt:

        Nö. Ganz sicher nicht. Bullerbü gibts nirgends. Vielleicht kenne ich einfach nur zufällig 20 solcher Väter, was ich nicht glaube.

        Welche Generation von Vätern meinen Sie denn damit? Ich kenne das von meinem Vater, Baujahr ‚53 und den Vätern von Freunden damals. Aber heute…die sind sich alle nicht zu schade, mitzuhelfen. Tragen die Manduka (mit Kind drin 😉), beschäftigen sich mit ihren Kindern und erklären ihnen was geht und was nicht geht. Wenn sie könnten, würden sie auch selbst stillen.

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  7. Sunni schreibt:

    Oh Tove, endlich hat einer aller Rätsel Lösung! Glückwunsch! Auf solchen Kommentar hat die Welt gewartet. Meine Güte. Und wenn wir schon bei dieser Art Erziehung sind: Ab, in die Ecke, Tove, und schämen Sie sich. Und NEIN, es wird zur Wand geschaut und nicht woanders hin. Ich würde ja sagen „Meine Fresse, wie überheblich und arogant kann man daher kommen“?, aber in solche Fällen nützt es nicht. Ach Frau Rabe, Sie springen jetzt gar nicht von irgendwas. Nehmen Sie einen netten Gin und denken Sie sich Ihren Teil zu soviel verständnisvoller Art. Herzlich, Sunni (ich musste da einfach etwas zu schreiben und eigentlich noch sehr viel mehr, aber es lohnt in solchen Fällen nicht! Und ich bin mir fast sicher, dass Tove gar nicht Tove ist, ich habe da so eine Vermutung…)

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  8. Mamamaj schreibt:

    Liebe Frau Rabe,
    Danke dass Sie hier nicht so tun als wäre das Leben Friede Freude Eierkuchen. Danke für ganz normale Alltagsgeschichten und momentan eben Coronageschichten. Wer behauptet bei ihm oder ihr laufe es anders dem glaube ich mittlerweile kein Wort mehr.
    Don’t give a fuck.
    Bitte weiter machen wie bisher und darüber schreiben. Danke!
    Liebe Grüße von Mamamaj

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Ich freue mich über jeden Kommentar, außer er ist blöd, dann nicht. Außerdem ist jetzt wohl der richtige Zeitpunkt, um Ihnen mitzuteilen, dass WordPress bei jedem Kommentar eine mail an mich schickt, in der die Mailadresse, die Sie angegeben haben und auch ihre IP-Adresse stehen. Müssen Sie halt selbst wissen, ob Sie mir vertrauen, dass ich diese mails von meinen Devices alle sofort lösche, und ob Sie damit leben können, dass WordPress diese Daten auch speichert (damit Sie nämlich beim nächsten Mal hier einfacher kommentieren können).

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