Tag 2109 – Schockschwerenot.

Ich konnte mich heute grad noch so zusammenreißen, dem Lieblingskollegen nicht folgende Nachricht zu schicken:

„Danke, dass du mich vorgewarnt hast, was mich bei dem Meeting erwartet, „Danke“, dass du das erst 30 Minuten vor dem Meeting getan hast.“

Frag mich was sowas soll, wollte der mich ins Messer laufen lassen? Das wär fast schief gelaufen, ey.

Mit 30 Minuten Vorbereitungszeit saß ich also heute als Expertin (jaha!) in einem Meeting mit allen möglichen anderen Inspekteur*Innen und Assessor*Innen aus ganz Europa und bekam unfassbar fancy innovatives Zeug präsentiert und sollte theoretisch dazu irgendeine Meinung aus Inspektørperspektive haben, haha. Praktisch war es nicht nötig, meine Meinung zu äußern oder Fragen zu stellen, weil andere schon meine Meinung äußerten und die Fragen stellten, die ich sonst hätte stellen wollen. Ich war auch nicht die einzige Teilnehmende, die das ganze Meeting über einfach mal gar nichts sagte, insofern kann mir auch das niemand ankreiden.

Ich gedenke aber, meinen Kollegen das Wochenende über in der diffusen Befürchtung zu lassen, dass ich irgendwas Dummes gesagt und die ganze Agency und ihn persönlich blamiert haben könnte. Aus Rache dafür, dass er mir das so spät mitgeteilt hat, auf was ich mich da ganz blauäugig eingelassen habe.

Davon ab war es eine reine Wohltat, nach drei Tagen Konferenz auf Englisch mit zum Teil (leider nicht zu einem kleinen Teil…) grotesken deutschen Akzenten mal andere und vor allem weniger ausgeprägten Akzente zu hören. Im Ernst, liebe Deutsche: bitte bemühen Sie sich doch wenigstens ein bisschen um okaye Aussprache und Grammatik und übersetzen Sie möglichst wenige Redewendungen wortwörtlich, die versteht nämlich niemand. „The minuspoint is…“ existiert im Englischen nicht, um nur eines von sehr vielen Beispielen aus drei Tagen Konferenz zu nennen.

Alle haben Akzente, aber manche viele einige viele (zum Verkauf und/oder Präsentieren ausgewählte!) Deutsche hören sich wirklich leider an wie eine Satire über Deutsche, die Englisch sprechen. Bitte, bitte, machen Sie das nicht. Wenn für nichts anderes, dann meinen sich rollenden Fußnägeln zuliebe. (Und bevor jemand mit dem Argument „wir hatten ja nix! Damals, nachm Kriech! Nich mal gescheiten Englischunterricht!“ kommt: da sind auch wirklich viele Leute meines Alters bei, bei denen ich mir vorstelle, wie mein früherer Englischlehrer weinend in der Ecke sitzt.)

4 Gedanken zu “Tag 2109 – Schockschwerenot.

  1. Sunni schreibt:

    Wir hatten ja nichts…. kann seit über 30 Jahren nicht mehr gelten, also mehr als eine ganze Generation. Schüler haben damals 1990 am Gymnasium in einem Schuljahr 2 zusätzliche Jahre aufgeholt (uhi, das geht ja gar nicht…DOCH, das geht sehr wohl mit sehr viel Arbeit, Interesse, Fleiß und der Notwendigkeit dahinter, es zu brauchen). Wohlgemerkt betraf das ausschließlich das Fach Englisch, nicht etwa Deutsch oder naturwissenschaftliche Fächer. Englisch/Französisch waren „die Sprache des Feindes“, die Stunden lagen generell am Nachmittag oder in der 0. Stunde -vorher, also bis 1989.Es gab eine Lehrbuchreihe, keine praktische Erfahrung , Zeitschrift oder direkten Sprachkontakt. Anders war es mit Russisch…Was ich allerdings jetzt bei meinen Enkelkindern, ganz speziell in Berlin erlebe, das ist eine Zumutung und kein Englischunterricht. Das ist schlimm, für die Kinder, die damit dann losgeschickt werden.Und das 2021….

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  2. pitdieerste schreibt:

    Je nach Bundesland lernt man heute noch ein Englisch außerhalb des Gymnasiums(wobei man dann aber auch kein Inspektör wird, nehme ich an) und vor allem haben auch die Lehrer oft eine grauenhafte Aussprache…aber ich weiß was sie meinen. Wenn ich deutsche Politiker höre, die in der EU einen Posten haben und da reden halten winde ich mich auch arg und denke mir, dass die sich doch wirklich einen Sprachtrainer leisten können und sollten

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  3. Friederike schreibt:

    Oft soll Englisch ja eine Brücke zwischen Menschen sein, für die es alle eine Fremdsprache ist. Wenn zur Fremdsprache dann noch ein heftiger Akzent kommt, wird es ja für Gesprächspartner anderer Muttersprache nicht gerade leichter mit dem Verstehen. Also allein schon eine Frage der Höflichkeit – und noch viel mehr!

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