So unglaublich genervt von… Umständen die machten, dass ich erst um zwanzig vor elf zu Hause war. Unter anderem ein effing Bus, der nicht kam, was zu einer fast zweistündigen Heimreise führte. Überlege, ob ich zur nächsten Inspektion mit dem Auto fahren soll. Nur zum Schlafen nach Hause kommen ist maximal kacke.
Monat: Februar 2023
Tag 2765 – Verdauen.
Herr Rabe hat sehr lecker gekocht und ich habe das so spät gegessen, ich verdaue noch. Im übertragenen Sinne auch, nämlich die Inspektion heute (nichts schlimmes… eigentlich) und angekündigte Budgetkürzungen im eh schon unterbesetzten und überarbeiteten Werk. Die uns dann auch noch als „Chancen“ verkauft wurden. Verarschen kann ich mich auch allein, ehrlich gesagt.
Tag 2764 – Kindergarten.
Ich bin ja eine der jüngsten bei meiner Arbeit, aber manchmal habe ich das dumpfe Gefühl, da in einem überdimensionierten Kindergarten gelandet zu sein. Dass ich meinem 10-Jährigen öfter mal sagen muss, dass es gar nichts bringt, sich jetzt über irgendein Ereignis oder einen Zustand aufzuregen, weil man es eh nicht ändern kann und irgendwie damit leben muss, ok. Dass das nie Erfolg hat, auch ok. Aber bei der Arbeit? Muss man da echt genauso erfolglos ständig Leuten sagen, dass Dinge jetzt gerade eben so sind, man weiß, dass sie doof sind, es wird hinter den Kulissen bereits daran gearbeitet, sie besser zu machen, aber jetzt gerade müssen wir das beste aus den doofen Dingen herausholen? Komme mir vor wie eine kaputte Schallplatte.
Ja, es geht um das IT-Projekt.
Vielleicht bin ich auch einfach nicht sonderlich pädagogisch begabt. Oder es ist beides.
Ab morgen drei Tage Inspektion, zur Erholung. Muhahaha.
Tag 2763 – Grusel.
Heute waren Herr Rabe, Pippi und ich Schlittschuh laufen. Michel hatte keine Lust, aber der Rest von uns wollte frische Luft und Tageslicht kombinieren. Es herrschte auch morgens noch strahlender Sonnenschein, bis wir loskamen war es etwas bewölkt aber immer noch gut und dann fuhren wir zur Eisbahn. Die liegt so 5 Meter höher als zu Hause, und wir fuhren gefühlt einfach in eine Wolke hinein, die da auf dem Boden festgeklebt war. „Eisbahn“ klingt so fancy, da kippt halt der Sportverein, der auch den Sport-Hort anbietet, im Winter sehr viele Kubikmeter Wasser auf den Sportplatz und dann hat man da einen Eisring, auf dem auch Eisschnelllauf trainiert wird. Aber es ist immer nett im Winter da ein bisschen zu laufen, es kostet nichts und ist halt ums Eck. Normalerweise wird ja auch auf dem Schulhof eine Eisbahn gemacht, aber da stehen jetzt Containerbauten herum, weil die Schule aus allen Nähten platzt. Die Schule wäre noch näher als der Sport-Hort-Sportplatz. Aber dafür wäre da heute nicht so ein Nebel gewesen. Endlich mal Nebelschlussleuchten- und Nebelscheinwerferwetter! Man konnte vom einem Ende der Eisbahn das andere Ende nicht mehr sehen und es war alles ein bisschen gruselig, aber sehr angenehme weil sehr feuchte Luft für frisch coronagenesene Lungen. Ich ließ es weiter ruhig angehen und fuhr in Pippi-Tempo entspannt ein paar Ründchen. Als der Nebel bei Pippi dazu geführt hatte, dass alle aus dem Helm (der eine eingebaute Mütze hat) herausguckenden Haare zu steifen Eiszapfen gefroren waren, fuhren wir nach Hause und tauten Pippi in der Badewanne auf und uns von innen mit Kaffee. Ach ja, das war mal wieder sehr schön.
P.S. auch sehr inklusiv das ganze, heute waren vier Einwanderinnen mit uns auf der Eisbahn, wohl alle aus der selben Familie, zwischen ca. Pippis Alter und etwas älter als ich, die eine seltsame Sprache sprachen, die ich nicht zuordnen konnte (vielleicht Indonesisch?) und die zum Teil sehr deutlich zum ersten Mal auf Schlittschuhen liefen. Das war ein bisschen drollig, aber es hatten alle Beteiligten sehr viel Spaß und zumindest wir waren auch sehr ermutigend. (Norweger reden ja nicht freiwillig mit Fremden, aber Einwanderer finden sich immer schnell.) Es gibt da so Pinguine, an denen man sich festhalten kann, wenn man noch nicht so sicher auf den Schlittschuhen ist, aber eigentlich sind die für Kinder und das machte die Mutter der Familie mit dem Pinguin nicht weniger drollig. Ich bin ziemlich sicher, dass ich so auf Skiern aussehe, es ist also wirklich nicht böse gemeint, das drollig. Schlittschuh laufen gehört hier halt dazu, Kinder lernen das allerspätestens in der Grundschule und manche Mütter machen dann gerne mit, mich freut das immer sehr.
Tag 2762 – Überschätzt.
Habe heute eine kleine Spazierrunde gemacht, in ruhigem Tempo. Eine knappe halbe Stunde, weil das Tempo wirklich nicht hoch war (ich schaffe die Runde im Sommer auch in der Hälfte der Zeit, das ist dann aber schon ein kurz-vor-Laufen-Tempo). Mein Puls war im Schnitt ungefähr 100 bpm und ging nicht über 122 bpm hinaus. Frische Luft und alles war auch echt gut und dringend nötig, aber oh Boy, war ich hinterher platt. Schon mittendrin dachte ich, hmm, blöd, dass man sich jetzt nicht von hier aufs Sofa beamen kann. Zu Hause wollte ich eigentlich was anderes machen, legte mich aber dann tatsächlich hin und wäre fast auf dem Sofa eingepennt. Mit den Nachwirkungen einer fiesen Viruserkrankung wie Covid, egal wie easy peasy man da scheinbar durchgeschippert ist, ist echt nicht zu spaßen. Andererseits ist sich vorsichtig bewegen ja auch empfohlen für alles und tralala und ich fand spazieren gehen jetzt eigentlich nicht überambitioniert. Hoffen wir einfach mal, dass das jetzt nicht lange so bleibt.
Dazu passend hatte ich heute Nacht einen schlimmen Albtraum, in dem ich an einem Flughafen war, sehr viele Treppen laufen musste, sehr viele Rolltreppen kaputt waren, und ich überhaupt keine Kraft in den Beinmuskeln hatte. Gar keine. Es war wie damals, als ich das erste mal Schilddrüse hatte und meine Muskeln nicht ansprechbar waren. Treppen laufen unmöglich, aber ich musste ja dringend meinen Flug bekommen und mich irgendwie diese ganzen Treppen hochhieven. Dann fiel mir auch noch auf, dass ich sämtliche Badezimmersachen, von Zahnbürste bis Make-Up, zu Hause vergessen hatte und ich musste unter Zeitdruck alles neu kaufen. Am Flughafen den richtigen Bronzer aussuchen ist im Stress echt schlimm, auch im Traum. Und danach mehr Treppen und das ständige Gefühl, meinen Flug zu verpassen. Ich hasse diese Stressträume. Kann ich „nackt zur Schule fahren“ noch mal sehen?
Tag 2761 – Nix zu erzählen.
Ein ruhiger Tag im Homeoffice. Hinterher Pizza und danach Geige und danach Zoom Mini-Kneipe. Jetzt Bett.
Tag 2760 – Vorlagen über Vorlagen.
Bin heute ins Büro gefahren, da waren zwei Meetings, die sinnvoll waren, nicht remote wahrzunehmen. Das ist recht anstrengend, ins Büro fahren. Vorsichtshalber habe ich auch heute morgen noch mal getestet, da war aber nur eine Linie auf dem ansonsten blütenweißen Test, somit kam ich um meinen selbst gemachten Plan nicht drum rum.
Nach den zwei Meetings und Mittagspause (Gersten-risotto mit Pilzen und Focaccia, „ungezwungen“ vegetarisch und lecker und sogar das Focaccia ohne Oliven, hach!) habe ich dann im Akkord Dokumentvorlagen erstellt. Ich habe heute mal durchgezählt, ich habe bereits 23 Stück erstellt, 7 fehlen noch. Inzwischen habe ich aber so Übung, dass ich die quasi im Schlaf zusammenklicke. Heute 4 Stück in einer Stunde. Warum muss ich das machen, und warum muss ICH das machen? Die müssen alle in das IT-Projekt getöckelt werden. Vorher waren sie nicht ins Sachbearbeitungssystem integriert, jetzt soll man halt einfach eine Vorlage öffnen können, zum Beispiel einen Report, und dann sind da gleich so grundlegende Daten wie die Adresse der Firma, der Name des zuständigen Sachbearbeiters, die Zulassungsnummer und so weiter ausgefüllt und man muss quasi nur noch die Kür machen, nämlich den Report auch mit fachlichem Inhalt füllen. Aber dafür muss man erst mal die Vorlagen entsprechend erstellen, mit einem speziellen Word-Plugin, das NICHT selbsterklärend ist. Und unstabil läuft, aber das ist ein anderes Thema. Die einzige, die das zur Zeit kann, bin ich (ich übertreibe da überhaupt nicht. Wirklich nicht. Man hat es niemand anderem beigebracht. Genau genommen habe ich es mir auch zu 90% selbst beigebracht). Bisher hatte ich keine Zeit, weil ich mehr als Vollzeit mit anderen Dingen beschäftigt war, aber diese Woche war mal nicht so viel anderes zu tun (und eine Aufgabe, die ich hätte machen KÖNNEN, habe ich halt nicht gemacht) und wie gesagt, mit ein bisschen Übung geht das recht schnell. Ich bin echt ein bisschen stolz auf mich, weil ich, wenn ich die 7 noch fehlenden Vorlagen erstellt hab, meinen Kolleginnen und Kollegen, die Ende nächste Woche in dieses Programm eingewiesen werden, schon mal was geben kann, was sie dann nur noch maintainen müssen. Ich weiß jetzt schon, dass mir einige dafür ewig dankbar sein werden.
Außerdem kann ich, wenn ich mit den Vorlagen fertig bin, das Plug-In deaktivieren und dann stürzt Word auch nicht mehr alle Nase lang ab, das wird das allerschönste.
Tag 2759 – Fertig.
Habe wieder nur einen Strich auf dem Test. Das ist gut. Ich fühle mich auch einigermaßen dem entsprechend, bis auf sehr trockenen Hals bin ich eigentlich wieder hergestellt. Ich lasse es noch ein paar Tage ruhig angehen, was Sport betrifft, aber ansonsten kann ich, denke ich, wieder normal mein Leben leben.
Michel hat auch nur einen Strich auf dem Test, was ich kaum glauben kann, weil der sich ziemlich kacke fühlt. Der lebt sein Leben erst mal nicht normal. Wenn man ihn fragt, ist er sogar kurz davor, selbiges auszuhauchen. Ich würde aber so von außen betrachtet sagen, dass es vor Weihnachten schlimmer war. Auch das Leiden.
Ich bin gespannt, was das noch gibt, vielleicht habe ich ja echt keinen so angesteckt, dass die Schnelltests ausschlagen. PCR gibt es hier nicht mehr, es sei denn, man wird ins Krankenhaus eingeliefert.