Mir fallen die Augen zu. Das war ein langer Tag. Möchte nur noch hier in meinem warmen Hotelbettchen liegen und ein paar (viele) Stunden schlafen.
Monat: April 2023
Tag 2834 – Alles viel zu früh.
Heute Morgen bin ich um viertel vor sechs aufgestanden, morgen werde ich wohl dasselbe tun. Heute fuhr ich nur zur Arbeit (erst mal zum Sport machen, dann zum arbeiten), morgen geht es auf eine Inspektion. Das sind echt nicht meine Uhrzeiten, aber was soll eine machen. Wenigstens muss ich nicht, wie der Lieblingskollege, um kurz nach sechs schon im Bus sitzen. Ein Hoch auf Wohnen in Flugplatznähe.
Ansonsten ein Tag wie jeder andere.
Tag 2833 – Müde Kinder sind müde.
Wer hätte das gedacht! Teils sind sie dann auch unausstehlich. Auch das nichts Neues. Aber sie hatten eine gute Zeit und das ist ja das Wichtigste.
Herr Rabe hat die Nachtwache dazu genutzt, sein bei der IT-Konferenz gewonnenes Riesen-Legoset (ein Lego-Technik-McLaren-Formel 1-Auto) zusammenzubauen. Das hat wohl ganz gut geklappt, aber auch Herr Rabe war heute etwas müde.
Ich habe eine weitere Geigenstunde gehabt. Die war echt ganz gut. Ich hab wieder viel Lob dafür bekommen, wie ich mit den Stücken gearbeitet hab. Hurra!
Ansonsten war Wochenende wie immer. Schweinchen sauber machen, Blumen gießen, bügeln (ärgs…)… sowas halt. Langweilig, aber nötig. Und langweilig ist manchmal ja auch ganz schön.
Tag 2832 – No tschingderassabum.
Die Kinder sind nicht da! Beide! Beide Kinder haben dieses Wochenende Korpsseminar und übernachten in der Turnhalle der Schule. Heute Mittag lieferte Herr Rabe sie da ab, dann marschierten und spielten sie eine Weile, dann gab es Abendessen und seit etwa einer Stunde kriegen wir auch keine Bildschirmzeitanfragen mehr. Herr Rabe und ich haben den Tag dazu genutzt, gemeinsam (und in Ruhe! Und ohne dass wer nölt oder Eis/Chips/Spielzeug will!) einzukaufen, zu überlegen, was wir im Garten pflanzen und abends essen zu gehen. Wir waren in der Hauptstadt und haben sehr lecker indisch gegessen. Wenn wir essen gehen, fällt die Wahl irgendwie oft auf indisch… aber es war auch einfach sehr lecker. Wir waren entscheidungsfaul und haben einfach das „Probiermenü“ mit Happen von allem möglichen in vegetarisch genommen und ich hätte mich in fast alles einfach reinlegen können. Vielleicht nicht ins Dessert, da war ich nämlich eigentlich schon kurz vorm Platzen. Auf dem Rückweg saßen wir romantisch nebeneinander im Zug, mit Kopfhörern und Duolingo (Herr Rabe lernt jetzt Französisch, Michel Japanisch und Pippi Ukrainisch, dieser Familienaccount muss ja genutzt werden und wir haben halt alle so Schwammgehirne, die gern neues lernen), nach Kräften die Gruppe stark angeheiterter Mitt-50er post Theaterbesuch ignorierend. Die waren friedlich, nett und überaus gut gelaunt, aber laut, meine Güte. Jetzt ist auch schon Bettzeit, Herr Rabe hat sich breitschlagen lassen, von drei bis sieben Uhr morgens (!!!) die Nachtwache in der Turnhalle mit den übernachtenden Kindern zu übernehmen. Bis dahin genießen wir einfach noch ein bisschen die Stille.
Tag 2831 – Decke übern Kopf.
Ach, doofer Tag. Erst mal wieder bestätigt bekommen, dass ich selbst unter merkwürdigen Leuten (Inspekteur*Innen sind schon alle ein paar Zentimeter vom Durchschnitt entfernt, auf viele Arten) noch merkwürdig bin. Und dass ich echt eine ordentliche Abneigung gegen MiNdFuLLnEsS habe. Und nicht verstehen kann, warum jemand Eisbadet, wenn man sogar selbst sagt, dass man die ersten 5 Sekunden überzeugt ist, zu sterben. Das macht überhaupt keinen Sinn.
Bitte keine flammenden Reden (höhö) über Eisbaden. Oder Mindfulness.
Den Rest des Arbeitstages mit dem IT-Projekt herumgeärgert, statt meiner eigentlichen Arbeit nachzugehen. Es schlaucht. Die eigentliche Arbeit staut sich. Das IT-Projekt ist nicht mindful. Und nicht agil. Und hat keine Kohle mehr. Hupsi.
Dabei hängt mir diese vormittägliche Sache noch nach, ich hätte diese Bestätigung jetzt nicht direkt gebraucht, um ehrlich zu sein. Wir sollen außerdem unser authentisches Ich finden, dann seien wir charismatisch. Mein authentisches Ich möchte leider gar nicht mit Menschen reden, aber mein professionelles Inspekteurinnen-Ich kann das eigentlich ganz gut. Ich glaube, ich bleibe lieber dabei, im professionellen Zusammenhang eine Rolle zu spielen und bin vielleicht etwas weniger charismatisch, dafür aber auch weniger grumpy misanthropische crazy cat lady ohne Katzen. Dieses, ich nenne es mal Seminar, hat jedenfalls nicht dazu geführt, dass ich mir „meiner Stärken mehr bewusst“ bin, sondern das Gegenteil bewirkt. Ich möchte meinen seltsamen Kopf jetzt nur noch unter die Decke stecken und ganz authentisch die Welt hassen.
Tag 2830 – Schönreden.
Es ist sicherlich vernünftig, ins Bett zu gehen. „Schon“. Obwohl ich weder Geige gespielt noch Sport getrieben habe. Total vernünftig ist das, morgen muss ich schließlich fit sein für den Kapitalismus. Es ist gar nicht schlimm, schwach, sonstwas, sondern normal, mein Tag hat ja auch nur 24 Stunden. Normal. Selbstfürsorge. Dingens.
Tag 2829 – Arbeit, Arbeit…
Alltagstrott ist wieder da. Bin dementsprechend auch wieder müde, obwohl ich, als Pippi beim Tanzen war, im Auto ein kleines Nickerchen gemacht habe. Immerhin habe ich einen Spaziergang eingeschoben und Geige gespielt. Beim Spaziergang konnte ich mich daran erfreuen, dass die graubraunen Schneeberge wegschmelzen und hier und da schon (totes) Gras und (lebendes) Moos hervorguckt. Außerdem hatte ich so Sonnenlicht und frische Luft. Aber so richtig Spaß macht das nicht, in dieser dreckigen, steinigen Vorfrühlingswelt draußen herumzustapfen.
Naja, andererseits könnte alles schlimmer sein, vor drei Jahren war obendrein noch Pandemie. Schlimmer geht immer.
Tag 2828 – Elfen-Update.
Das mit dem nicht so gut fühlen gestern war möglicherweise ein neues Feature meines Zyklus. Ich muss das mal weiter beobachten, ob das so regelmäßig passiert, wie ich mir einbilde. Kommt alles in die Zyklus-App… Jedenfalls war es heute wesentlich besser. Kein Schüttelfrost, keine Gliederschmerzen mehr. Insgesamt nicht mehr tot als lebendig gefühlt.
Dementsprechend war ich abends dann auch beim Ballett. Ich habe mich dazu durchgerungen, die Aufführung mitzumachen, Peer Pressure der anderen Muttis war mit Schuld. Wir haben die Choreografie jetzt auch fertig, was gut ist, so [checks notes] 2 Trainings vor der Aufführung. Unsere Trainerin hat sich das mit den Röcken doch noch ein bisschen anders überlegt und jetzt haben wir etwas andere, etwas weniger bauschige und dafür modernere Röcke (fertig mit Höschen dran), die auch, ähm, optisch schlanker machen. Diversen Schokoosterhasen gefällt das. Was mir persönlich gar nicht gefällt, ist, dass wir dazu ein schwarzes (ok) Tanktop (naja ok) mit eng anliegendem Stehkragen/halben Rollkragen (irks!) in Plastequalität (Doppel-irks!) tragen sollen. Gefühlt fing das schon beim Anziehen zu müffeln an und dieser Kragen am schwitzigen Hals, mich juckt es immer noch beim bloßen Gedanken daran. Aber die Choreografie ist schön, das Lied ist toll, und der Auftritt dauert drei Minuten, solange werde ich es in dem ekligen Plastikstoff schon aushalten. (Am Hals! Wäh!)
Tag 2827 – Im heimischen Bett.
Wir sind zu Hause. Die Koffer sind ausgepackt und leer verstaut, die erste Maschine Wäsche ist durch und trocknet, die Schweinchen sind wohlbehalten wieder eingezogen, das Haus ist aufgewärmt. Die Kinder sind im Bett – die sind ja auch mit uns heute morgen um halb sechs aufgestanden. Ich bin auch schon im Bett, nachdem ich in der Badewanne war. Irgendwie bin ich nicht so richtig fit, mindestens müde, hoffentlich nur das. Ich hoffe, dass es die eigene Matratze, das große Kissen (Familie Weirdo hatte ja bis auf Herrn Rabe eigene Kissen dabei…) und generell Schlafen ohne Kind im Zimmer richten wird.
Das war ein schöner Kurzurlaub.
Tag 2826 – Frohe Ostern!
Hier war ein weiterer Sonnenscheintag, ich hoffe, Sie hatten es alle genauso gut wie wir, ob mit, ohne, bunten, braunen, gekauften, geschenkten, selbst bemalten, Schokoladen- oder Hühnereiern.
Wir müssen jetzt alle ganz schnell schlafen, deshalb bleibt es bei dem kurzen Ostergruß.