Tag 3108 und 3109 – Börps!

Gestern… war. Ich verdaue da noch dran rum und weiß auch noch nicht, wie ich darüber bloggen will.

Heute früh fuhren wir die Kinder nach Kaff-im-Wald, wo minus 29 Grad waren und ein Korps-Seminar mit Übernachten. Pippi fand das super, Michel so naja. Es war aber auch früh und kalt und viele Leute. Aber nachdem die Kinder abgeliefert waren, hatten wir FREI.

Die Freizeit verbrachten wir jeder auf seine Art: Herr Rabe zockte, ich ging ausgiebig baden, kaufte ein und spielte dann Geige. Ich habe zwei neue Stücke (das 2. und 3. hiervon: https://youtu.be/BTghQEzMEqw?si=e9Z6d4icatbqk-vK) und huiui, die sind schwieriger als sie sich anhören, zum Teil sind da wirklich seltsame Rhythmen und Phrasierungen bei. Aber so für einen ersten Anlauf war es ok.

Für abends hatte ich einen Tisch in einem indischen Restaurant reserviert, wo ich schon länger mal hin wollte. „Der Peppern Gror“ (Wo der Pfeffer wächst) sollte nämlich ausgezeichnet gutes indisches Essen haben. Und hat es tatsächlich. Und typisch für Indien: man rollt am Ende zur Tür hinaus. Klar, es ist auch alles mit Sahne und Butter (Ghee) und wahrscheinlich haben wir ca. 6000 kcal alleine da gegessen, aber es war auch einfach alles so gut! Chefs Table (Deluxe Tastingmenü) for the win, ein bisschen was von allem und ALLES war lecker. Mein Favoritt ist eigentlich immer alles aus dem Tandooriofen, heute bekamen wir unter anderem marinierten, gegrillten Maiskolben, der dann noch mit Limette und Gewürzen (nach Geschmack, Achtung, das Chilipulver brennt wahrscheinlich auf die Dauer auch Löcher in die Teller) eingerieben wurde. Das war Mega lecker. (Ich aß in Indien mal Tandoori Pineapple, das war, zusammen mit Tandoori Paneer, mein absoluter Favorit bisher.) Aber wie gesagt, alles war lecker und wir entschieden aus Gründen danach zum Bahnhof zu laufen statt die Trikk zu nehmen.

Beweisfoto aus 20 Grad mehr als heute Morgen beim Kinder abliefern:

Schon wieder Schnee…

Das war ein sehr schöner Abend, auch wenn ich jetzt nie wieder irgendwas essen kann.

Tag 3107 – Kaaaaaalt!

Bei den Temperaturen ist es echt blöd, wenn man am Bahnhof ankommt, da Cardos aufschließt – und keinen Eiskratzer vorfindet. Bei den Temperaturen wird Cardos nämlich auch nicht warm. Also nicht nur nicht 20 Grad warm, sondern es bleiben Minusgrade im Auto. Zur Erinnerung: man muss innen und außen kratzen, weil Cardos scheinbar nicht ganz dicht ist.

Das ist echt blöd und dann muss der Ehegatte eine retten kommen, Eiskratzer liefern und die Frau wieder auftauen. Während die Frau versucht, die Körpertemperatur wieder auf normal zu bekommen, muss der Ehegatte auch noch Cardos freikratzen.

All das ist echt blöd, ja. Auch nicht um Kurven kommen ist echt blöd. Grade in diesem Moment Monat bin ich echt angepisst von Cardos. Aber ich hab den Trick mit der Kreditkarte jetzt gelernt – es hat doch alles immer noch eine positive Seite*.

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*als würde ich sowas ernsthaft denken oder glauben

Tag 3105 und 3106 – Schnee zu verschenken.

Hier ist nicht soooo viel passiert, außer sehr viel Schnee. Aus allen Richtungen. Mit Wind. Die Konsequenzen davon waren heute vollständiges Verkehrschaos, zeitweise ging gar nichts, weder Flugzeug, Zug, T-Bane, Trikk, Bus oder Taxi, eigenes Auto eh nicht, es sei denn man mag den Nervenkitzel, blind auf unsichtbaren Straßen herumzurutschen. Herr Rabe und ich hatten wetterbedingtes Homeoffice, ich durfte aber trotzdem kurz helfen, Herr Rabe anzuschieben, der 50 Meter von unserer Haustür entfernt mit zwei Rädern im unsichtbaren Graben hängen geblieben war, als er Pippi abholen wollte. Als ich abends Pippi zum Klettern brachte, kamen wir an insgesamt vier gestrandeten Fahrzeugen vorbei. Ich glaube Ski sind grad das sinnvollste Fortbewegungsmittel, wenn man damit denn umgehen kann.

Das ist unsere Terrasse:

Reicht jetzt echt langsam mit diesem bekloppten Winter, wo sich Kälte- mit Schneerekorden abwechseln.

Tag 3103 – Alle wieder da.

Die Kinder waren gestern wegen des Konzertes ausquartiert, das war für uns gestern gut und heute Abend dann etwas anstrengend. Auswärts schlafende Kinder kommen sehr müde zurück, das sagt einem auch keiner. Unsere Kinder brauchen aber nach wie vor auch überdurchschnittlich viel Schlaf, und wenn sie dann bei Kindern schlafen, die auf der anderen Seite des Durchschnitts sind – tja.

Herr Rabes Band hat das gestern sehr gut gemacht, es war der erste Auftritt und sie spielen grob Rock/Indie aus so grob den 2000ern. Sie waren da als „Vorband“ für eine andere Band, die hier lokal wohl halbwegs bekannt ist als Top-40-Cover-Partyband, also eine Band die sonst eher auf Hochzeiten und Hoffesten auftritt. Die andere Band war SEHR Partymäßig, die Stimmung war Bombe, die Musik… schon gut, aber jetzt nicht überragend. Herr Rabes Band hat ein wesentlich kleineres Repertoire, aber viel mehr Herz und Persönlichkeit in diesen Songs. Außerdem waren sie tighter und hatten mehr Druck als die Coverband, und so total unparteiisch haben sie mir besser gefallen. Ich kenne mich aber mit norwegischem Schlager auch nicht aus, keine Ahnung ob da brillante Performances bei waren.

Die Location war eher so meh, der lokale Pub (der einzige), da war ich vorher noch nie gewesen und werde jetzt auch keine Stammgästin werden, obwohl wir da locker zu Fuß hingehen können. Aber furchtbar laut, an der Bar (in der unteren Etage, das Konzert war in der oberen Etage) schrecklicher Schlager, absurd betrunkene Norweger… nee. Danke, nein. Zwischendurch lüpfte ich ab und an meine Ohrenstöpsel, weil ich ja schon auch gerne ein Wort oder zwei mit Menschen wechseln wollte, aber steckte sie eigentlich sofort wieder rein, weil UFF SO EIN LÄRM MÜSSEN DIE ALLE SO SCHREIEN??? (Ja, müssen sie, die Musik ist ja so laut, selbst der Schlager an der Bar ist in Disco-Lautstärke.)

Getroffen haben wir das halbe Dorf. Also wirklich. Mein Netzwerk ist ja nun nicht groß, aber hier ein kleiner Abriss (anonymisiert):

  • Nähmutter plus Mann
  • Die eine aus der Apotheke (beste Freundin von Nähmutter. Wir haben mal zusammen getanzt. Hat Kinder im Sporthort.)
  • Der Psychologe (getroffen mal beim Gartenfest der Babysitterin. Hatte Kinder in Pippis Kindergarten. Juicy news: ist jetzt wohl zusammen mit der einen aus der Apotheke)
  • Der überaus gut aussehende Papa aus dem Kindergarten
  • Logischerweise die Spouses der anderen Bandmitglieder
  • Die eine Mutter aus Pippis Klasse. Fun fact: die arbeitet in der gleichen Branche und sprach mich auf meinen Job an, weil mein Name auf irgendeiner Mailingliste stand
  • Die eine von Høyre, die beim Zoll arbeitet, der ja mit dem Werk Direktorat ein Gebäude teilt, wir laufen uns also manchmal auch beim Mittagessen über den Weg. Hat Kinder im Korps. Wir waren im gleichen Ausschuss.
  • Der eine von den Grünen
  • Die andere Mutter aus Pippis Klasse, die auch schon im Kindergarten Kinder in Pippis Alter hatte.
  • Die Korpsdirigentin
  • Die Mutter aus dem Schulelternrat, der der (einzige brauchbare) Klamottenladen im Ort gehört.
  • Der eine Papa(???), den ich nie so richtig zuordnen kann, der ist so ne Art Vorstand im Korps
  • Die junge Kindergärtnerin

Und das waren nur die, die ich erkannt habe. Als special guest war noch der Typ da, den ich Freitag angeblich total zugeparkt hatte. Mit dem habe ich aber nicht geredet, auch wenn es doll in meinen Fingern juckte.

Es passiert halt ungefähr nie was im Ort, WENN dann mal was los ist, sind auch echt alle da.

Vor dem Konzert war ich übrigens auch schon sozial gewesen (davon muss ich ein anderes mal erzählen) und eigentlich reicht das dann auch schon wieder für die nächsten Wochen.

Tag 3103 – Ziviler Ungehorsam.

[Ungehorsam ist ein wirklich seltsames Wort, wenn man so drüber nachdenkt. Fällt in die selbe Kategorie wie Unabdingbar, einfach wild Silben aneinander gereiht.]

Niemand benutzt flächendeckend Schnoddergrüne PowerPoint-Vorlagen, nicht mal die Direktion, zumindest Teile davon nicht. Ich kann es ihnen überhaupt nicht verübeln, diese Vorlagen sind schlimm, ich bin noch traumatisiert von den lila Links auf grünem Grund. Ich habe das der Kommunikationsabteilng mitgeteilt, dass ich das schlimm finde. Damit war ich wohl auch nicht alleine. Sie überlegen jetzt, ob wir alle nur alt und Änderungsverweigernd sind, oder ob es nicht ein bisschen weniger grün auch tun würde.

Heute morgen, als ich ins Büro fuhr, parkte ich auf einem Parkplatz, der für jedes andere Auto als Cardos zu klein gewesen wäre. Ich nahm an, dass mindestens von einem der Autos, die rechts und links dieser Parklücke standen, die*r Fahrer*in genau darauf spekuliert hatte, dass da niemand reinpasst. Ich hasse solches Verhalten wie die Pest, der Parkplatz am Bahnhof ist nämlich immer bumsvoll und es gibt da einfach keinen Platz zu verschenken. Also quetschte ich Cardos in die Lücke und dann mich aus Cardos raus. Mit eingeklapptem Spiegel kam ich ganz ok raus und es war zu beiden Seiten gleich wenig Platz, also fair. Das fand der Fahrer des einen Autos nicht, denn als dieser zu seinem Auto kam, befand er, er käme da nicht rein. Obwohl er am äußersten Rand der Reihe stand, also auch niemanden rechts von sich stehen hatte, konnte er offenbar auch nicht auf der Beifahrerseite einsteigen. (Der Fahrer ist ein junger, schlanker Typ mit zumindest augenscheinlich nichtbehindertem Körper, kein 80-Jähriger mit 2 Krücken.) Warum weiß ich das? Der Fahrer beschloss, nachdem er beschlossen hatte, dass er unmöglich in sein Auto steigen kann, dass es an der Zeit sei herauszufinden wem das Auto gehört, das ihn „zugeparkt“ hat (übers Nummernschild ganz einfach möglich) und diese Person übers Telefon (weiteres Googeln muss hier involviert gewesen sein) anzupöbeln und als Idiot zu beschimpfen. Aber erst nachdem er versucht hatte, über Facebook Kontakt aufzunehmen, weshalb wir jetzt eben auch wissen, wer der Typ eigentlich ist (einer der in allererster Linie seine Fahrzeuge zu lieben scheint). Herr Rabe war am Telefon allerdings einigermaßen konsterniert, er wusste ja von nichts und plötzlich nannte ihn ein Fremder am Telefon Idiot.

Leute gibt’s.

Anbei noch Fotos vom Sonnenuntergang heute, vom Büro aus gemacht.

Tag 3101 und 3102 – Arbeitstunnel.

Gestern war eine kleine Inspektion, eine ganz kleine, sie war dann nämlich gestern auch schon fast fertig. Heute haben wir nur noch das Abschlussmeeting gemacht, in Teams. Sehr entspannt alles eigentlich, ich war nur gestern Abend dann sehr müde.

Heute habe ich den Report für eben diese Inspektion fast ganz fertig geschrieben und nachmittags habe ich meinen neuen Alltagsrucksack abgeholt. Das war nahezu Ereignislos, bis auf zwei Dinge:

erstens gibt es scheinbar den Augenbrauenstift, den ich zu benutzen wünsche, nicht mehr, und das auch erst so kurz, dass er bei manchen Läden noch (falsch) als auf Lager angezeigt wird. Die Marke möchte, dass ich jetzt lieber ein Plastikdings zum Drehen benutze statt eines Stiftes aus Holz zum Anspitzen. Dafür soll ich dann bitte auch 50% mehr bezahlen. Obendrein habe ich zu Hause festgestellt, dass das Plastikdings zu lang für meinen Make-up-Aufbewarungsschrank ist. Warum ist es so unmöglich, Kosmetika einfach im Programm zu lassen? Mit schöner Regelmäßigkeit muss ich mir irgendeinen Standardkram neu suchen, zuletzt Concealer, Parfum (zählt nicht als Kosmetik, aber definitiv zu Kram) und jetzt den Augenbrauenstift. Manchmal habe ich Schwierigkeiten, den von mir bevorzugten Mascara zu bekommen und jedes Mal kriege ich einen halben Herzinfarkt weil ich Angst habe, dass der aus dem Programm genommen wird. Mascara und Tagescreme wären so Dinge, wo ich aus Protest im Schlafsack auf den Stufen der Firmen kampieren würde. Augenbrauenstift ist erst mal nur nervig und frustig und am Ende habe ich wahrscheinlich wie gewöhnlich 3 Fehlkäufe, die ich dann in x Jahren erst wegwerfe, und einen Treffer, den ich aber, wenn er leer ist, nie wieder nachbekomme.

Zweitens habe ich wohl erlebt, wie die Führerin einer Trikk eine Weiche manuell umstellen musste. Die Trikk fuhr nämlich in ihrem gemütlichen Trikk-Tempo durch Oslo und hielt an einer Kreuzung an. Soweit nicht ungewöhnlich. Dann kam aber die Trikkführerin mit deutlich schlechter Laune aus der Kabine vorne und bahnte sich ihren Weg nach ganz hinten. Dann fuhr die Trikk plötzlich 2 Meter rückwärts. Die Trikkführerin kam zurück und holte was aus der vorderen Kabine, was ich erst für eine kleine Axt hielt. Damit stieg sie aus und ich dachte schon meine Güte, was ist da vorne denn passiert, dass man die Axt rausholen muss. Dann kam aber die Trikkführerin wieder in den Wagen und war gar nicht blutbesprenkelt. Ok, dachte ich, vielleicht musste doch nicht ein halbtotes (halbiertes?) Tier mit einer Axt vom Leiden befreit werden, was sich mein Kopf so zusammengesponnen hatte, aufgrund der vermeintlichen Axt. Die Trikk fuhr, sobald sich die Führerin wieder auf ihren Platz gesetzt hatte, auch direkt weiter. Geradeaus, nicht um die Kurve, wo auch Schienen lang liefen. Deshalb kam ich auf das manuelle Umstellen der Weiche. Ist das immer noch ein Ding? Ich bereue, keine aureichende Schaulust an den Tag gelegt zu haben.

Tag 3100 – Bilder von kalt.

Ich muss dringend schlafen, aber heute war eh nicht so richtig viel los. Es ist nicht mehr ganz so kalt, deshalb habe ich, als Pippi Trommelunterricht hatte, ein paar Bilder gemacht.

Ehrlich gesagt finde ich diese farbarme, pastellige, Welt sehr angenehm anzuschauen, zumindest wenn die Sonne nicht so steht, dass sie einer direkt in die Augen leuchtet. Es ist auch alles sehr leise draußen, der Schnee und die Eiskristallschicht schluckt alles. Das ist schon alles sehr ansprechend, könnte nur noch etwas wärmer sein (und wäre dann wahrscheinlich nicht so).

Tag 3099 – Absurd kalt.

Es ist sehr hübsch anzusehen, da draußen. Ich habe leider keine Fotos gemacht, da einem draußen sofort die Finger abfrieren und das Handy eh nichts tut, wenn es so kalt ist, außer beeindruckend schnell die Batterie leeren. Aber stellen Sie sich einfach vor, wie alles, vom Zaun über den Baum bis zum Auto und rauheren Hausfassaden, mit einer dicken Schicht lose gepackter, ganz klarer und ganz leichter Eiskristalle bedeckt ist. Es ist kein Schnee, sondern, glaube ich, gefrorene Luftfeuchtigkeit, die sich da niederschlägt und wegen völliger Windstille auch bleibt, dabei lässt es sich vom Auto mühelos runterwedeln, wahrscheinlich würde es schon durch Anhauchen einfach wegfliegen, so leicht und locker ist das. Durch diese Eiskristallschicht ist alles nahezu farblos, aber auch nicht richtig weiß, wie Schnee. Das hier ist anders und wirklich, WIRKLICH schön.

Kehrseite der Medaille: es sind halt -25 Grad. Es tut sofort alles weh, was dem ausgesetzt wird, Stirn, Nase, Wangen, etc. Mein Brillengestell leitet die Temperaturen gefühlt umgehend an meine Schädelknochen weiter. Cardos hat aufgegeben und macht gar nicht mehr warm, außer in der Sitzheizung. Das heißt, dass innen an der Scheibe einige Eisblümchen sind, die da jetzt halt wohnen. Man kriegt sie nicht mehr weggepustet, auch mit Geduld nicht. Es sind nicht so viele oder so große, dass sie die Sicht behindern. Trotzdem ist Cardos einfach kein Winterauto. Man rutscht damit herum, es ist super kalt, ständig friert von innen die Scheibe zu und die Reichweite bei den Temperaturen jetzt beträgt lieb gemeinte 35 km – die Hälfte von dem, was Cardos anzeigt.

Aaaaaber man kann mit seinem Geld halt auch schönere Sachen anstellen, als Autos zu kaufen. Zum Beispiel es horten, wie Smaug oder Dagobert. Im Grunde bin ich irgendwas zwischen einer Ente mit Zylinder und einem schlecht gelaunten Drachen auf einem Haufen aus Geld. Einem sehr kleinen Haufen.