Zu viel gearbeitet, ansonsten nichts zu erzählen. Von Michel gedrückt worden, als ich endlich nach Hause kam, einfach so, ohne dass er was wollte. Das war schön, er ist ja immer noch ein bisschen mein Baby.
Ich habe den Beweis, dass Greg eigentlich eine Schildkröte ist. (Monty liegt in einem Versteck auf der warmen Seite und verdaut, ich glaube hen hat sich seit Samstag höchstens mal auf die andere Seite gedreht. Wenn man ganz leise ist, hört man es aus dem Terrarium vielleicht ab und an mal rülpsen oder schnarchen.)
Es gibt nicht viel zu erzählen heute. Die Kinder hatten ihren letzten Auftritt in diesem Schuljahr mit dem Korps. Sie hatten Glück und erwischten eine trockene Lücke im Regenwetter. Ich habe Gregs Terrarium endlich fertig gemacht und die Pflanzen in die jetzt aufgehängten Blumentöpfe gepflanzt. Nachdem die Einrichtung wieder drin war, habe ich dann aber doch lieber noch mehr Zeug bestellt, damit auch dieses Terrarium ordentlich voll ist und Greg sich wohl fühlt. Heute Abend ist Greg dann umgezogen, mit vollem Bauch, weil hen gestern endlich eine Ratte gefressen hat. Ich habe nichts anders gemacht als sonst, habe Greg in eine Plastikbox gesetzt, eine Ratte aus der Schüssel geholt (da wurde Greg schon ganz aufgeregt dieses Mal) und mit der Pinzette vor Gregs Nase gehalten und schneller als ich gucken konnte hatte Greg zugeschnappt. Hunger treibt‘s rein, oder vielleicht war es auch weil es eine ganz weiße Ratte war, wer weiß, mir egal, Hauptsache gefressen. Monty hat auch brav eine Ratte gefressen. Jetzt wo sie getrennt leben kann ich auch das Gehampel mit der Plastikbox sein lassen, das spart dann auch noch mal Stress.
Ansonsten war Nix.
Aber ich wurde zu meiner Hautpflege und meinen Ohrstöpseln gefragt. Letzteres ist ganz schnell erklärt: ich habe von der Marke Flare sowohl Calmer als auch Calmer Pro. Das sind Ohrstöpsel, die keine Okklusion erzeugen und die Lautstärke auch nicht dämpfen, sondern „einfach“ physikalisch (durch ihre Geometrie) die schrillen Frequenzen ablenken. Die Anführungszeichen sind, weil ich überhaupt nicht erklären kann, wie das funktioniert, aber ein guter Freund, der genau sowas studiert hat, hat mir glaubhaft versichert, dass das nicht nur esoterischer Schmu und Placeboeffekt ist. Der Unterschied zwischen Calmer und Calmer Pro ist, dass letztere einen Metallkern haben. Die sind das Geld meiner Meinung nach zwar schon echt wert, aber ich hatte zuerst die Calmer (aus Silikon) um zu gucken, ob die Größe passt oder ich das unangenehm finde, oder es einfach gar nichts bringt. Allein schon wegen der Größe würde ich diese Herangehensweise auch empfehlen. Ich hab normale Standardgröße, es gibt aber auch kleinere. Man muss die über einen gewissen Zeitraum tragen, um sagen zu können, ob die einem was bringen. Ich merke, dass ich abends weniger gestresst (überreizt) bin, wenn ich die tagsüber getragen habe, zum Beispiel unter Leuten oder beim Einkaufen.
Hautpflege ist mit minimalen Änderungen gleich wie… schon lange. Das sieht so aus:
Morgens waschen mit Reinigungsöl (dm Balea) oder Take the day off von Clinique.
Dann, in dieser Reihenfolge, und alles von the Ordinary:
HA + B5 Serum für Feuchtigkeit (und leicht polsternd wirkt es auch)
Niacinamid + Zink gegen Pickel
Natural Moisturizing Factors Creme für noch mehr Feuchtigkeit
Darauf kommt dann die Paulas Choice Resist Super Light Daily Wrinkle Defense getönte Tagescreme SPF 30 und meine üblichen Schminkprodukte, aber im Alltag keine Foundation oder so.
Neu ist, dass ich auch das Wimpernserum von The Ordinary benutze. Ich hatte mal so nen Tester von Revitalash, der war wirklich richtig krass, aber das Zeug ist auch wirklich absurd teuer. The Ordinary kostet vielleicht ein Zehntel davon und ist dafür echt ok. Und eigentlich habe ich definitiv ausreichend lange und dichte Wimpern, das Serum ist nur Bonus.
Abends habe ich das Retinol aufgegeben, ich kann nicht regelmäßig was benutzen, das im Kühlschrank aufbewahrt wird, das vergesse ich dann. Und ich mag ja Fältchen, auch an mir.
Abends wird ansonsten gewaschen (wieder mit Reinigungsöl) und dann das Paulas Choice 8% AHA Gel aufgetragen. Im Moment 8% AHA Lotion, weil Mausrutscher beim Bestellen, aber die Produkte tun sich auch nichts. Bei der Lotion ist praktisch, dass ich nicht unbedingt danach noch eine Feuchtigkeitspflege (Natural Moisturizing Factors von The Ordinary) brauche.
Das war’s. Würde sagen, morgens brauche ich so 5 Minuten für alles, 10 wenn ich alles lange einziehen lasse, bevor der nächste Schritt kommt. Man kann ja auch zwischendurch schon mal Haare föhnen, Zähne putzen und so weiter, die Zeit ist ja nicht verschenkt. Abends braucht das keine zwei Minuten. Mit der Routine fahre ich so ganz gut. Zyklusbedingt habe ich trotzdem immer mal wieder Pickel, aber damit habe ich mich inzwischen abgefunden, es sind wenige und sie entzünden sich nicht mehr so oft. Es hilft auch, dass ich mir so ein Metalldings mit so einer Öse gekauft habe, wenn dann doch mal ein Pickel zu sehr nervt. Möglichst wenig mit den Händen an Pickeln rumfriemeln ist nämlich immer noch das beste gegen Entzündungen. Das, und Vorbeugen.
Hab den Titel gestern nicht erklärt, es war ja auch schon spät. Ich habe das Gefühl, ich habe nicht nur kein sonderlich dickes Fell, sondern ich habe einfach gar kein Fell, wie so ein Nacktmull, was bestimmte Dinge angeht. Zum Beispiel die Kommunikation mit anderen Menschen und, speziell, missverstanden zu werden. Da gehen alle Rollos runter. An schlechteren Tagen hab ich nicht mal Haut (also wie so eine gepellte Weißwurst, oder ein Nacktmull ohne Mütze, äh…) und Mittwoch und Donnerstag waren echt schlechte Tage.
Was hatte ich erwartet? Naja, ich hatte zumindest NICHT erwartet, dass Leute in eine simple Bitte ganz offenbar lauter Zeug reininterpretieren, was da nicht steht und ich auch nicht denke. Aber vielleicht ist das halt auch so ein Ding, was eventuell damit zusammenhängt, dass mich missverstanden zu werden so ungemein frustriert. Ich kommuniziere direkt und brauche und erwarte auch dass mit mir direkt kommuniziert wird. Untertöne nehme ich (sogar sehr gut) wahr, die verwirren mich aber meistens und es braucht lange (meistens auch Rückversicherung bei anderen), bis ich die entwirrt habe und eine ungefähre Idee habe, was man mir nonverbal zu vermitteln versuchte. Ich schreibe deshalb selbst auch nichts zwischen die Linien. Viele andere Leute schreiben aber ganz viel zwischen Linien und nehmen daher auch an, dass alle anderen das tun. Und dann passiert halt sowas.
Auch in diesem Fall brauchte es übrigens einen Übersetzer für die Untertöne. Herr Rabe sagte nach einem Blick auf die Replys: Die fühlen sich ertappt, weil die wissen, dass das eigentlich nicht so geil ist, aber sie es trotzdem erlauben, und jetzt hast du ausgesprochen, dass das nicht so geil ist und sie haben ein schlechtes Gewissen.
Das war nicht meine Absicht gewesen, aber ändern kann ich’s jetzt auch nicht mehr. Nächstes mal (hahahahaha als würde ich noch mal irgendwas substantielleres als „Schönes Wetter heute“ da äußern) kommt dann halt noch der Disclaimer dazu, dass ich keinem irgendwas vorwerfe und niemanden shamen möchte.
Auf Twitter hätte ich so eine Reaktion im Übrigen erwartet, auch deshalb bin ich da auch nicht mehr. Und generell habe ich gestern festgestellt, dass ich einfach lieber mit Leuten rede, die im Zweifel nachfragen, wie etwas gemeint ist, bevor sie verbal zuschlagen.
Besonders enttäuschend, dass ich sogar gemacht habe, was ich im Kommunikationsseminar gelernt habe, also das Rezept peinlich genau befolgt, und der Kuchen ist trotzdem leider im Ofen explodiert. Fast so als wären Rezepte nicht auf Menschen anwendbar. Meh. Aber jetzt ist das Krönchen wieder drauf. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert, nicht wahr.
___
Gestern Abend, ja, das war wirklich feuchtfröhlich. Mit dem kompletten pädagogisch-psychologischen Dienst des Dorfes. Die sind jetzt alle inhabil (ich glaube es heißt auf deutsch befangen?) uns gegenüber. Die Dame, die Michels Vordiagnostik gemacht hat, war auch da. Auch der Kommunenpsychologe war da. Wir hatten echt viel Spaß, die Babysittermama ist eine totale Partyqueen und reißt auch ruhigere Gemüter gnadenlos mit. Bis ich merkte, dass der Fruchtpunsch Alkohol enthielt (man schmeckte das wirklich überhaupt nicht), war es auch schon zu spät und ich hatte zu viel davon intus, als dass ich noch hätte Auto fahren können. Also nicht hackenstramm, andere waren hackenstramm, dagegen war ich richtig zahm angetütert, aber halt jenseits von Fahrtüchtigkeit. Herr Rabe auch, aber dem hatte ich auch nicht ansonsten nur alkoholfreies Radler gekauft. Naja und dann konnte ich auch noch ein drittes Glas davon trinken und weigerte mich auch nicht gegen Mojito. Einen. (Ich mag Mojito echt gerne.) Und irgendwie waren wir dann plötzlich in der einzigen Kneipe des Dorfes (so plötzlich nicht, der Sohn der Chefin der Babysittermama hat uns gefahren, die Chefin ließ sich aber lieber nach Hause statt in die Kneipe bringen, kluge Frau). Da liefen aber nur die selben 5 Lieder in Dauerschleife und der Abstand der Alkoholpegel zwischen mir, Herrn Rabe und dem Kommunenpsychologen nebst Freundin und… dem ganzen Rest war auch auffallend hoch, weshalb wir uns nach einem alkoholfreien Bier verabschiedeten und nach Hause gingen.
___
Heute morgen war trotzdem hart, ich hatte versprochen, um 11 bei der Pride Parade im Dorf aufzulaufen, deshalb klingelte um neun der Wecker. Mein Kopf erinnerte mich daran, dass ich Alkohol oft echt nicht so gut vertrage, auch in moderaten Mengen nicht. Bis ich meinen (muskelkaterigen) Hintern aus dem Bett gehievt hatte, war es aber auch irgendwie schon nach zehn. Ich warf Brötchen in den Ofen, Herr Rabe machte mir Kaffee, ich wusch meine Haare und schminkte meine Augen ratzfatz in Blau-Lila-Pink mit ordentlich Glitzer (und schminkte den Rest von meinem Gesicht einfach gar nicht, weil keine Zeit) und dann war ich auch nur ein ganz bisschen nach elf bei der Pride. Die war sehr niedlich, wir gingen mit etwa 100 Leuten ein Mal um den Block. Es ist trotzdem wichtig, finde ich, zu zeigen, dass jede*r willkommen ist, solange es nette, weltoffene und tolerante Menschen sind. Von der Party-Truppe von gestern war übrigens nur eine da, mit dickem Kopf aber ansonsten fit. Der Rest wollte kommen, war aber durch verschiedene Umstände verhindert.
Wieder zu Hause aß ich endlich mein Brötchen. Wir schnackten ein bisschen, Herr Rabe und ich, und dann trennten sich unsere Wege, Herr Rabe zum Aufbau mit seiner Band, ich die Kinder von der Korpstour wieder abholen. Die Kinder wollten, zu meiner großen Überraschung, beide nicht mit nach Hause. Michel sagte, es sei SEHR gut gewesen, die Tour. Hach. Das freut mich immer sehr, die haben da einen tollen Zusammenhalt, wo auch Kinder wie Michel, der sonst sozial eher etwas zurückhaltend ist, voll aufgenommen werden. Hach, Hach.
Abends schnappte ich mir dann die Kinder, Papas Auftritt angucken. Und was soll ich sagen, die Band ist einfach richtig gut. Der Sound war gut (ich habe zwei Lautstärkewarnungen von meiner Uhr bekommen), und die drei produzieren ein fettes Brett aus Rock, Punk, (Mainstream) Metal und Indie. Sehr tight, 10 von 10 Punkten von einer sehr kritischen Zuhörerin. Bisher spielen sie nur Coversongs, aber ab dem Sommer möchten sie selbst Lieder schreiben. Das wichtigste aber ist, dass man denen anmerkt, dass sie da echt Spaß dran haben. Eine Stunde lang haben die drei abgeliefert, im Regen und vor einem kleinen Publikum, aber, ich habe das mitverfolgt: das Publikum sind alle bis zum Schluss da geblieben und es kam echt viel Applaus und Jubel. Dafür dass das nicht so viele Leute und Norweger waren, war das Publikum ziemlich laut in seiner positiven Rückmeldung. Pippi fand es auch super, Michel hielt sich am Rand und wollte, glaube ich, hauptsächlich nicht mit den Stufenkameraden sprechen. Die haben inzwischen sehr unterschiedliche Interessen. Tja.
Mit albernen Hüten. Von den coolen Kids geliehen und daher auch zu klein für drei erwachsene Schädel.
Das war schön. Herr Rabe sieht auch einfach sehr gut aus, muss ich sagen, ich stehe inzwischen auf Ü-40-Jährige Bassisten mit grauen Strähnen in langen Haaren. So gesehen sollte ich der Band vielleicht keinen weiteren Erfolg wünschen (hinterher kommt Herr Rabe noch rum und wird von Groupies belagert), aber ich glaube, da habe ich ganz schlechte Karten, das war sehr solide abgeliefert heute.
Hab den Titel gestern nicht erklärt, es war ja auch schon spät. Ich habe das Gefühl, ich habe nicht nur kein sonderlich dickes Fell, sondern ich habe einfach gar kein Fell, wie so ein Nacktmull, was bestimmte Dinge angeht. Zum Beispiel die Kommunikation mit anderen Menschen und, speziell, missverstanden zu werden. Da gehen alle Rollos runter. An schlechteren Tagen hab ich nicht mal Haut (also wie so eine gepellte Weißwurst, oder ein Nacktmull ohne Mütze, äh…) und Mittwoch und Donnerstag waren echt schlechte Tage.
Was hatte ich erwartet? Naja, ich hatte zumindest NICHT erwartet, dass Leute in eine simple Bitte ganz offenbar lauter Zeug reininterpretieren, was da nicht steht und ich auch nicht denke. Aber vielleicht ist das halt auch so ein Ding, was eventuell damit zusammenhängt, dass mich missverstanden zu werden so ungemein frustriert. Ich kommuniziere direkt und brauche und erwarte auch dass mit mir direkt kommuniziert wird. Untertöne nehme ich (sogar sehr gut) wahr, die verwirren mich aber meistens und es braucht lange (meistens auch Rückversicherung bei anderen), bis ich die entwirrt habe und eine ungefähre Idee habe, was man mir nonverbal zu vermitteln versuchte. Ich schreibe deshalb selbst auch nichts zwischen die Linien. Viele andere Leute schreiben aber ganz viel zwischen Linien und nehmen daher auch an, dass alle anderen das tun. Und dann passiert halt sowas.
Auch in diesem Fall brauchte es übrigens einen Übersetzer für die Untertöne. Herr Rabe sagte nach einem Blick auf die Replys: Die fühlen sich ertappt, weil die wissen, dass das eigentlich nicht so geil ist, aber sie es trotzdem erlauben, und jetzt hast du ausgesprochen, dass das nicht so geil ist und sie haben ein schlechtes Gewissen.
Das war nicht meine Absicht gewesen, aber ändern kann ich’s jetzt auch nicht mehr. Nächstes mal (hahahahaha als würde ich noch mal irgendwas substantielleres als „Schönes Wetter heute“ da äußern) kommt dann halt noch der Disclaimer dazu, dass ich keinem irgendwas vorwerfe und niemanden shamen möchte.
Auf Twitter hätte ich so eine Reaktion im Übrigen erwartet, auch deshalb bin ich da auch nicht mehr. Und generell habe ich gestern festgestellt, dass ich einfach lieber mit Leuten rede, die im Zweifel nachfragen, wie etwas gemeint ist, bevor sie verbal zuschlagen.
Besonders enttäuschend, dass ich sogar gemacht habe, was ich im Kommunikationsseminar gelernt habe, also das Rezept peinlich genau befolgt, und der Kuchen ist trotzdem leider im Ofen explodiert. Fast so als wären Rezepte nicht auf Menschen anwendbar. Meh. Aber jetzt ist das Krönchen wieder drauf. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert, nicht wahr.
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Gestern Abend, ja, das war wirklich feuchtfröhlich. Mit dem kompletten pädagogisch-psychologischen Dienst des Dorfes. Die sind jetzt alle inhabil (ich glaube es heißt auf deutsch befangen?) uns gegenüber. Die Dame, die Michels Vordiagnostik gemacht hat, war auch da. Auch der Kommunenpsychologe war da. Wir hatten echt viel Spaß, die Babysittermama ist eine totale Partyqueen und reißt auch ruhigere Gemüter gnadenlos mit. Bis ich merkte, dass der Fruchtpunsch Alkohol enthielt (man schmeckte das wirklich überhaupt nicht), war es auch schon zu spät und ich hatte zu viel davon intus, als dass ich noch hätte Auto fahren können. Also nicht hackenstramm, andere waren hackenstramm, dagegen war ich richtig zahm angetütert, aber halt jenseits von Fahrtüchtigkeit. Herr Rabe auch, aber dem hatte ich auch nicht ansonsten nur alkoholfreies Radler gekauft. Naja und dann konnte ich auch noch ein drittes Glas davon trinken und weigerte mich auch nicht gegen Mojito. Einen. (Ich mag Mojito echt gerne.) Und irgendwie waren wir dann plötzlich in der einzigen Kneipe des Dorfes (so plötzlich nicht, der Sohn der Chefin der Babysittermama hat uns gefahren, die Chefin ließ sich aber lieber nach Hause statt in die Kneipe bringen, kluge Frau). Da liefen aber nur die selben 5 Lieder in Dauerschleife und der Abstand der Alkoholpegel zwischen mir, Herrn Rabe und dem Kommunenpsychologen nebst Freundin und… dem ganzen Rest war auch auffallend hoch, weshalb wir uns nach einem alkoholfreien Bier verabschiedeten und nach Hause gingen.
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Heute morgen war trotzdem hart, ich hatte versprochen, um 11 bei der Pride Parade im Dorf aufzulaufen, deshalb klingelte um neun der Wecker. Mein Kopf erinnerte mich daran, dass ich Alkohol oft echt nicht so gut vertrage, auch in moderaten Mengen nicht. Bis ich meinen (muskelkaterigen) Hintern aus dem Bett gehievt hatte, war es aber auch irgendwie schon nach zehn. Ich warf Brötchen in den Ofen, Herr Rabe machte mir Kaffee, ich wusch meine Haare und schminkte meine Augen ratzfatz in Blau-Lila-Pink mit ordentlich Glitzer (und schminkte den Rest von meinem Gesicht einfach gar nicht, weil keine Zeit) und dann war ich auch nur ein ganz bisschen nach elf bei der Pride. Die war sehr niedlich, wir gingen mit etwa 100 Leuten ein Mal um den Block. Es ist trotzdem wichtig, finde ich, zu zeigen, dass jede*r willkommen ist, solange es nette, weltoffene und tolerante Menschen sind. Von der Party-Truppe von gestern war übrigens nur eine da, mit dickem Kopf aber ansonsten fit. Der Rest wollte kommen, war aber durch verschiedene Umstände verhindert.
Wieder zu Hause aß ich endlich mein Brötchen. Wir schnackten ein bisschen, Herr Rabe und ich, und dann trennten sich unsere Wege, Herr Rabe zum Aufbau mit seiner Band, ich die Kinder von der Korpstour wieder abholen. Die Kinder wollten, zu meiner großen Überraschung, beide nicht mit nach Hause. Michel sagte, es sei SEHR gut gewesen, die Tour. Hach. Das freut mich immer sehr, die haben da einen tollen Zusammenhalt, wo auch Kinder wie Michel, der sonst sozial eher etwas zurückhaltend ist, voll aufgenommen werden. Hach, Hach.
Abends schnappte ich mir dann die Kinder, Papas Auftritt angucken. Und was soll ich sagen, die Band ist einfach richtig gut. Der Sound war gut (ich habe zwei Lautstärkewarnungen von meiner Uhr bekommen), und die drei produzieren ein fettes Brett aus Rock, Punk, (Mainstream) Metal und Indie. Sehr tight, 10 von 10 Punkten von einer sehr kritischen Zuhörerin. Bisher spielen sie nur Coversongs, aber ab dem Sommer möchten sie selbst Lieder schreiben. Das wichtigste aber ist, dass man denen anmerkt, dass sie da echt Spaß dran haben. Eine Stunde lang haben die drei abgeliefert, im Regen und vor einem kleinen Publikum, aber, ich habe das mitverfolgt: das Publikum sind alle bis zum Schluss da geblieben und es kam echt viel Applaus und Jubel. Dafür dass das nicht so viele Leute und Norweger waren, war das Publikum ziemlich laut in seiner positiven Rückmeldung. Pippi fand es auch super, Michel hielt sich am Rand und wollte, glaube ich, hauptsächlich nicht mit den Stufenkameraden sprechen. Die haben inzwischen sehr unterschiedliche Interessen. Tja.
Mit albernen Hüten. Von den coolen Kids geliehen und daher auch zu klein für drei erwachsene Schädel.
Das war schön. Herr Rabe sieht auch einfach sehr gut aus, muss ich sagen, ich stehe inzwischen auf Ü-40-Jährige Bassisten mit grauen Strähnen in langen Haaren. So gesehen sollte ich der Band vielleicht keinen weiteren Erfolg wünschen (hinterher kommt Herr Rabe noch rum und wird von Groupies belagert), aber ich glaube, da habe ich ganz schlechte Karten, das war sehr solide abgeliefert heute.
Es ist halb zwei, dazu später, aber deshalb muss ein Abriss der letzten zwei Tage reichen.
Ich habe das mit der Cola angesprochen, und zwar freundlich, dem Schulelternrat für seinen Einsatz dankend, als Bitte formuliert nächstes mal was anderes zu wählen, und das mit Quellen zur Ernährung von Kindern sachlich untermauert. Dachte ich. Ich machte das auf Facebook in der geschlossenen Gruppe der Schule, weil ich auch deutlich machen wollte, dass es angesprochen wird, schon allein, damit der Schulelternrat nicht 20 eventuell weniger freundliche Nachrichten auf allen möglichen Kanälen kriegt.
Dann fuhr ich zur Arbeit und tat Arbeitsdinge, dann klappte wie immer die Rückfahrt nicht so ganz, weil die kack Züge seit Januar irgendwie immer irgendwas haben, Signalstörubg, Weichenstörung, Stellwerksstörung, Erdungsfehler, Stromausfall, es ist literally immer irgendwas. Ich geriet ein bisschen in Stress, beeilte mich vom Bahnhof nach Hause, sammelte meine Ballettsachen und Pippi in Windeseile ein und fuhr zum Tanzen. Dann war ein Unfall und Baustelle mit Ampel auf dem Weg und Pippi kam 3 Minuten zu spät, was aber nichts machte, sie waren nur 2 Kinder. In der Stunde, in der Pippi tanzte, arbeitete ich noch ein wenig Zeug weg. Dann tanzte ich selbst, erst Ballett, dann Kraft- und Dehnungstraining, insgesamt 2,5 Stunden, das war zu viel, das rächte sich bereits gestern Abend und heute dann sehr.
Zu Hause steckte ich Pippi ins Bett und ließ mir eine Badewanne ein, um meine völlig fertigen Muskeln zu entspannen. Kurz vor der Badewanne stellte ich fest, dass mein Facebookpost von mehreren Muttis (alles Muttis, kein einziger Vater) komplett missverstanden worden war, als Beschwerde gegenüber dem Schulelternrat, dass ich meine, die seien dafür zuständig, es absolut allen 100%ig recht zu machen, dass ich meine, Eltern, die ihren Kindern Cola erlauben, sind schlechte Eltern und dass ich den Kindern nichts gönne an einem so besonderen Tag. Garniert mit schlauen Ratschlägen wie „da muss man als Eltern eben nein sagen“. Das Fass füllte sich binnen Sekunden und lief sofort über. Nichts davon hatte ich geschrieben, das meiste davon nicht mal gedacht, und jetzt war ich plötzlich der Arsch, der immer nur meckern will, bloß weil meine Kinder Koffein „nicht vertragen“ (sic!). Als Nächstes verlange ich Hirsesnacks. Es war wirklich absurd, aber es ändert nichts an dem Meltdown, den ich deshalb hatte. Ich darf solche extremen Gefühlsausbrüche jetzt offiziell Meltdown nennen. Yay. Es kam einfach alles zusammen, Hormone, Stress, wenig Schlaf über eine Woche hinweg, die körperliche totale Erschöpfung vom übertriebenen Sport und die Ungerechtigkeit, dass in einen sehr sorgfältig durchdachten Post Dinge hereingelesen werden, die meiner Intention nicht im entferntesten entsprachen und ich für diese angenommenen Absichten dann angegangen wurde.
Wenig rühmlich habe ich das nahezu komplett am Mann ausgelassen. Nahezu, weil ich auch echt viel an mir ausgelassen hab. Trotzdem nicht gut. Aber auch nicht kontrollierbar.
Heute morgen wachte ich folgerichtig mit Migräne auf. Auf Facebook ging es munter weiter, mein Meltdown ging auch munter weiter, ich fand jedes Licht inzwischen unerträglich. Ich schrieb meiner Chefin, dass ich krank sei. Irgendwie überlebte ich ein Telefongespräch, das vorerst letzte, mit BUP, das Herr Rabe aber auch zu 95% führte. Danach schlief ich noch mal ein und wachte erst um kurz vor 12 wieder auf.
Der Rest des Tages ging für Erholung und Migränekater drauf. So schön.
Nachmittags fuhr Herr Rabe die Kinder zur Korpstour und danach waren wir bei der Babysittermama zum Grillen eingeladen. Das war ein feuchtfröhlicher Haufen mit viel Spaß. Aber jetzt kann ich die Augen echt nicht mehr offen halten.
Alle Jahre wieder sind Schuljahresabschlussfeiern. Seit letztem Jahr irgendwie für die ganze Schule zusammen, als wäre eine Klasse oder eine Schule noch nicht genug Halligalli. Letztes Jahr war ich glaube ich in Korea, als das war? Oder, nee, ich war stattdessen beim Ballett, weil ich solche Veranstaltungen ja hasse, richtig. Heute war es jedenfalls wieder soweit. Es war Gewitter angekündigt und kam dann auch, aber das Programm wurde durchgezogen. Viele Eltern drängten sich unter das Vordach, während die Kinder stufenweise im Regen standen und sangen und tanzten, übertönt vom Donner und dem Gelaber der Eltern. Weder die Eltern noch die grad nicht beschäftigten Kinder waren leise, unter dem Vordach konnte man die singenden Kinder kaum hören, weil sich alle unterhielten. Ich habe zusätzlich zu meinen normalen Empfindlichkeiten grad mal wieder zyklusbedingt Laune und wollte in schneller, zyklischer Abfolge schreiend wegrennen, mir schreiend die Ohren zuhalten, alle Anschreien dass sie gefälligst die Fresse halten sollen und die Person hinter mir, die extrem laut klatschen konnte, erwürgen. Ja toll, du kannst super laut klatschen, bisste bestimmt voll stolz drauf HÖR AUF DAMIT JETZT SOFORT SONST KLATSCHT GLEICH WAS ANDERES. Ich habe nichts davon gemacht, nur immer mal wieder wegen der klatschenden Person gezuckt und versucht, das ganze irgendwie auszuhalten. Ich kann es nicht erklären, aber das Gelaber löste bei mir extremen Stress und körperliches Unbehagen aus, wie ekligen Stoff anfassen, und das Klatschen tut mir weh als würde ich geschlagen.
Beide Kinder haben ihre Performances gut gemacht und waren danach froh, in die Klassenräume zu gehen, raus aus dem Regen. Ich… nicht so. Weil da waren auch wieder viele Leute, diesmal im Raum, manche kenne ich, aber reden war da schon eher nur noch rudimentär bei mir. Ich war etwa 2 Minuten in Michels Klassenraum, wo alle durcheinander liefen, dann ging ich raus und atmete ein bisschen in der Garderobe herum. In den folgenden 10 Minuten guckte ich erst aus dem Fenster, fand dann einen Handschuh von Michel, und dann hatte ich zu tun, weil unter den Garderobenschränken noch weitere Dinge hervorblitzten. Ich zog zwei weitere Handschuhe von Michel, einen Handschuh von einem anderen Kind, einen Buff von Michel und ein Reflexarmband unter den Schränken hervor. Das Verlieren von Dingen, wie zum Beispiel Handschuhen, ist bei ADHS übrigens ein reelles, belastendes und teures Problem. Jetzt haben wir… drei Handschuhe. Vielleicht können wir die hier zu Hause mit anderen Handschuhen verheiraten, der nächste Winter kommt sicher.
Nachdem ich auf dem Boden rumgekrochen war, war der Klassenraum etwas leerer und ich machte eine kurze Tour, gucken, was die Kinder dieses Jahr so gemacht haben. Sehr sehr viele Ausflüge haben sie gemacht. Michel kam mir plötzlich mit einer Cola entgegen, die hatte der Schulelternrat ausgeteilt und er war natürlich begeistert und hatte die halbe Flasche auch schon intus. Jedes Kind hat einen halben Liter Cola bekommen. Abends um halb sieben. Ich wurde Zeugin, wie einem kleinen Geschwister, vielleicht so 4 oder 5 Jahre alt, geholfen wurde, aus der Colaflasche zu trinken. Mir fiel alles aus dem Gesicht, und so ganz kann ich das auch immer noch nicht fassen. Ich werde das morgen mal ansprechen, öffentlich, das geht so nicht, saufen die Lack oder was? Aber ich muss erst runter kommen, sonst werde ich unnötig bissig in meiner Kritik.
Ich wollte da schon echt gerne nach Hause, aber ging noch in Pippis Klasse vorbei, in der Hoffnung, da Pippi und Herrn Rabe abholen zu können. Auch da: Chaos, alle laut, und alle Kinder, 8-9-Jährige, mit einem halben Liter Cola. Herr Rabe hatte Pippi untersagt, mehr als einen Schluck davon zu trinken, und Pippi war deshalb natürlich sauer, weil alle anderen dürfen ja. Ja, alle anderen werden auch von allen anderen Eltern ins Bett gebracht, die sind das Problem von deren eigenen Eltern, liebes Kind.
Ich schleifte dann mehr oder weniger eine moppernde Pippi zum Auto, die, als Michel überglücklich mit seiner leeren Flasche herumwinkte, völlig eskalierte und gemeine Sachen sagte. Während ich mich ja eh eigentlich nur noch irgendwo in Embryonalstellung zusammenrollen wollte. Das tat ich zu Hause dann auch mehr oder weniger, eine Stunde Sommerfest zieht eine Stunde wortlos im Bett nach sich.
War Kacke, nächstes Jahr ist hoffentlich wieder Ballett an dem Tag.
Ich jetlagge immer noch ein bisschen herum und wollte heute genauso wenig aufstehen, wie die liebreizenden Kinder. Aber ich wollte/musste ja ins Büro, und nach dem Büro wollte ich in Oslo noch drülf Dinge tun. Dann war das Büro doof zu mir, da waren zu viele Meetings und zu hell und überhaupt und danach die drülf Dinge liefen auch nicht wie geplant und das war alles doof und ich danach total platt. Nun ist es so, dass ich tatsächlich seit Donnerstag einen Zettel habe, der bestätigt, dass ich mir nicht einbilde, dass manche Dinge, die für andere kein Problem sind, mich völlig auspumpen, aber da muss ich erst mal selbst irgendwie Worte für finden. Bald, sicher.
Nach dem Arbeitstag war ich jedenfalls erst mal zwei Stunden im Bett und ausgeknockt von allem, dann migränig und Kinder ins Bett steckend und müde und jetzt bin ich trotzdem wieder wach, ächz. Pippi hat übrigens, das ist mir beim ins Bett komplimentieren wieder aufgefallen, beeindruckend dreckige Füße in beeindruckend kurzer Zeit, auch diesen Sommer wieder. Riesengroße, dreckige Füße. Da Pippi ja auch schnell braun wird, weiß man an anderen Stellen ihres Körpers im Sommer oft nicht, ob das alles vielleicht nach einem Bad ganz anders aussieht, aber bei den Füßen kann man da ja schon recht sicher sein. Und irgendwie finde ich gut, dass sie so ein Dreckfußkind ist, vorm Fernseher bleiben die Füße nämlich gemeinhin sauber.
Abends habe ich ein bisschen die Danger Noodles hantiert, damit die daran halbwegs gewöhnt bleiben. Monty zieht sich eigentlich zuverlässig jetzt jede Woche eine Ratte rein, die Greg aber standhaft verschmäht. Deshalb ist Monty jetzt auch deutlich größer als Greg. Das wird sich schon irgendwann geben, der Hunger wird’s schon irgendwann auch bei Greg reintreiben. Vielleicht taue ich noch mal ne Maus im selben Wasser auf und versuche Greg eine mausduftende Ratte unterzujubeln, aber erst mal bleibe ich recht entspannt. Dünn ist Greg noch nicht, und Monty hat ja irgendwann den Hungerstreik auch beendet und seither läuft es eigentlich gut. Das Terrarium ist offenbar auch angenommen, beide liegen an den unterschiedlichsten Stellen immer mal wieder rum und so soll es ja auch sein, dafür gibt es ja verschiedene Zonen da. Etwas wärmer, etwas kühler, etwas feuchter, etwas trockener. Bester Platz tagsüber scheint hinterm Farn zu sein, alternativ liegt Monty auch gerne in der Höhle auf der warmen Seite. Greg hat heute noch mal versucht, sich unter die Kokosnuss zu quetschen, aber das passt inzwischen dann doch nicht mehr und es sieht eher aus, als würde Greg die Kokosnuss auf dem Rücken herumtragen, wie so ein Einsiedlerkrebs seine Muschel.
Am Sonntag holten wir das mit dem Käsekuchen nach. Und zwar um sieben Uhr morgens. Da machen die auf, und Jetlag macht’s möglich. Im Hotel am Times Square hatte ich eh eher mäßig geschlafen, neben mir war eine Partycrew, die ich durch die Papierwände sehr gut hören konnte, „Open the door, bitch!“ um halb fünf morgens, na danke, dachte ich. Der Käsekuchen war dann aber eine gute Entschädigung und hatte auch ca. so viele Kalorien wie ein Abendessen. Ich war dann erstmal satt für eine ganze Weile.
Um neun hatten wir einen Slot im 9/11 Memorial Museum gebucht. Das liegt am Ground Zero und ist unter die Erde gebaut. Am Eingang wird übrigens alles was man dabei hat gescannt und dann nimmt einer ein augenrollender Sicherheitsheini (augenrollend, weil er das ganz offensichtlich selbst albern fand) das Reisebesteck ab. Man könnte ja mit dem Messer, mit dem man mit Müh und Not Käsekuchen schneiden kann, wen umbringen. Ehrlich gesagt ist die Gabel reell bedrohlicher, aber es wurde mir einfach das ganze Set abgenommen, selbst die Strohhalme, was mir für den Rest des Tages einbrachte, bei Gelegenheit immer wieder scherzhaft gefragt zu werden, ob ich irgendwen mit meinem Löffel killen will. Ich bekam für das Besteck einen Pfandzettel ausgehändigt und da drin ist jetzt eh keine Stimmung um gemütlich Kuchen zu essen. Alles gut.
Das Museum macht sehr Eindruck. Ich war damals 16 und grad nach Hause gekommen, als das zweite Flugzeug in den South Tower flog, was auf allen (wenigen) Sendern unseres Fernsehers zu Hause das normale Programm ersetzt hatte. Das Museum stellt nicht nur das dar, sondern auch wie die Towers damals gebaut wurden, das ganze drumrum, vorher, nachher, die Aufräumarbeiten, der Bau des One World Trade Center und des Memorials (der „Pools“). Sie haben wirklich viele bedeutende und nicht so bedeutende Ausstellungsstücke zusammengesammelt, da ist von verformten Säulen, auf wenige Kubikmeter zusammengebackenen Materialien, die mehreren Etagen entsprechen, bis zur Uhr, die einer schwer verbrannten Überlebenden abgenommen wurde alles mögliche dabei. Die Stimmung ist durchgehend respektvoll und leicht gedrückt und bei Teilen der Ausstellung, zum Beispiel da wo man Tonaufnahmen hört, wie Passagiere aus einem Flugzeug zu Hause anrufen um sich zu verabschieden, bevor sie das Cockpit mit den Terroristen stürmen, stehen diskret Taschentuchboxen bereit. Selbst die „Geschichte“ der Terroristen wird nüchtern und unaufgeregt erzählt. Es ist angenehm wenig patriotisch und lässt auch (vermeidbare) unangenehme Teile der Geschichte nicht aus, zum Beispiel die Kritik an der Entsorgung der Trümmer, die 1. jede Menge Giftstoffe und 2. möglicherweise noch menschliche Überreste enthielten. Also natürlich ist nichts an der Geschichte schön, das kommt jetzt vielleicht sehr falsch rüber. Überraschend eben auch Selbstkritik, ich habe nicht den Eindruck, dass die USA da besonders gut drin sind.
Jedenfalls ist das ein wirklich beeindruckendes Museum und auch erschwinglich. Nicht unbedingt geeignet für kleinere Kinder. Es ist wirklich ein sehr stiller Ort.
Nach diesem erquicklichen Start in den Tag fuhren wir hoch aufs One World Trade Center. Das kann man durchaus auch mal machen. Über 400 Meter Fahrstuhl in 45 Sekunden, während an den Fahrstuhlwänden ein Film läuft, ist aber für Leute mit Neigung zu Motion Sickness (mich) eher schwierig. Außerdem hatte ich die wilde Katastrophen-Vorstellung, dass der Fahrstuhl so schnell ist, dass er uns oben einfach raus schießt. Absurd, ich weiß, aber so ist mein Gehirn manchmal. Oben angekommen muss man dann zwangsweise einen Film angucken und dann… Ich will nicht spoilern, aber es ging ein „whoaaa“ durch den Raum. Es war ein bisschen cheesy, aber noch ok. Und dann hat man von der Aussichtsebene auf 391 Metern Höhe einen super Blick über ganz New York. Selbst für höhenängstliche Menschen (wie mich) war das sicher genug und sehr cool.
Beweis, ich war oben. Diese Stadt ist so unvorstellbar groß.
Nach diesem Teil des Sightseeing fuhren wir mit einem Uber zur High Line, weil ich den Deutschen gesagt hatte, das das cool sei. Und sie waren richtig begeistert, Hach.
So viel grün, mitten in der Stadt!
Der eine deutsche Inspektor wollte dann gerne noch Grand Central sehen, also liefen wir da hin. Und kauften die teuerste Flasche Wasser, die ich je gekauft habe, aber ich war so durstig, mir war fast alles egal. Aber 6 $ für einen Liter stinknormales Wasser? Die saufen doch Lack!
Grand Central, schon beeindruckend. Sehr groß, wie alles. Normale Größen von irgendwas kann New York scheinbar nicht.
Danach wussten wir irgendwie nicht so ganz, was tun, es war ein bisschen die Luft raus. New York Public Library war zu (sonntags geschlossen), wir entschieden, dass wir zu Fuß langsam Richtung Penn Station gehen und dann wieder nach New Jersey fahren würden. Mit Zwischenstopps bei Mitbringselläden und irgendwas zu Essen. Irgendwas zu Essen wurde dann Pizza aus einem sehr kleinen, sehr lauten Laden an der 6th Avenue, bei dem ich mich wunderte, warum alle Pizzen vegetarisch waren. Es kam dann eine Gruppe jüdischer Menschen (erkennbar an T-Shirts einer jüdischen (Sonntags-?)Schule) und kaufte sehr viel Pizza und da fiel auch mein Blick auf das kosher-Zertifikat an der Wand. Die Pizza war aber offen gestanden das Chaos in diesem kleinen Laden echt wert, die war mega gut, selbst im Gehen gegessen. Eine Mischung aus italienischer und amerikanischer Pizza, würde ich sagen, sehr große Räder mit mitteldickem Teig, aber belegt wie von einer italienischen Mamma, mit getrockneten (nicht öligen) Tomaten, Mozzarella, gegrillter Aubergine und frischem Basilikum. Und reichlich Knoblauch, ähäm.
Und das war’s. Drei ziemlich platt gelatschte, durchgeschwitzte und Pizzaverschmierte Inspekteure fuhren, voller Eindrücke, wieder in das wesentlich beschaulichere Örtchen in New Jersey zurück und kämpften im Zug dagegen, einzuschlafen.
Fazit New York: zwei Tage reichen immer noch nicht mal annähernd nur für Manhattan. Diese Stadt ist einfach viel zu groß dafür und hat viel zu viel zu bieten. Schön ist sie aber, jedenfalls abseits vom Time Square.
Ich wollte ja was zu Essen haben und ich war einigermaßen fein gemacht, mit Lippenstift und Kleid und allem. Mit der Subway fuhr ich erst mal wieder zur Ecke vom Central Park und dann… hatte ich keinen großen Plan, also lief ich erst mal ein paar hundert Meter und fragte dann Google Maps. Mir war nach Pizza und ein paar Blöcke vom Lincoln Center entfernt war ein Italiener mit ausgezeichneten Bewertungen. Mir war irgendwie danach, mir was zu gönnen, also war mir auch der Preis fast egal. Ich lief da hin und… es war winzig und bumsvoll. Naja, ich fragte höflich, ob sie nicht vielleicht einen einzelnen Platz haben, und wurde gefragt „Do you mind sitting at the bar?“. Nö, das minde ich gar nicht, also saß ich an der Bar, bekam Wasser, Brot mit Olivenöl und die Karte und studierte die erst mal. Der Laden war laut und voll und sehr lebendig und zur Abwechslung machte mir das überhaupt nichts aus, im Gegenteil, ich saß sehr zufrieden da und genoss das Leben um mich rum, an dem ich nicht weiter teilhaben musste. Wie im Kino, nur mit einer Karte, auf der es alles möglich gab, nur keine Pizza. Ich bestellte mir, nach gründlichem Studium aller Optionen, Ossobucco auf Safranrisotto und, zur Feier des Tages und des Dates mit mir selbst, ein Glas Pinot Grigio. Scheiß auf Vegetarier, Scheiß auf keinen Alkohol, heute wird gegönnt, dachte ich mir. Allzu teuer war es auch nicht, eigentlich okaye Preise – für jemanden, der aus Norwegen kommt. Ich hatte grad bestellt, als mich die Kellnerin bat, etwas zur Seite zu rücken, denn es kamen noch weitere Gäste, die an der Bar sitzen wollten.
Bevor das Essen kam. Vom Essen selbst gibt’s kein Bild, weil das so göttlich war, dass ich es einfach gegessen habe.
„Oh my god, I love your hair!“ sagte der Mann, der sich neben mich setzte. Daran hatte ich mich schon fast gewöhnt, denn das habe ich in 7 Tagen 5 mal gehört. Sie sind da ganz anders, die Amerikaner, die sagen das einfach so. Für die sexuellen Präferenzen des Mannes brauchte man nicht mal nen Gaydar, der Tonfall wie er das sagte, reichte schon aus. Nagellack, akkurat gezupfte und gestylte Augenbrauen und ein sehr weit aufgeknöpftes, ansonsten sehr enges Hemd, sagten alles unnötige auch noch aus. Nun ist es ja so, dass amerikanische Umgangsformen total simpel sind: einfach immer ein mal höflicher und überschwänglicher wie du. Ich bedankte mich also überschwänglich für das Kompliment, er fragte, ob ich auch Essen bestellt habe, sie (er und seine Begleitung) wollten nur Wein trinken „but oh my god the food here is AMAZING, we order here SO OFTEN, you’re not gonna regret it!“ und dann unterhielten sich die zwei erst mal unter sich. Offenbar waren beide unzufrieden mit ihrem Datingleben, das ließ sich nicht überhören, und irgendwann fragte mich der Mann, wo ich herkäme, und wie da das Datinglife so sei. Ich musste gestehen, dass ich da keinerlei Erfahrungen aus erster Hand habe, aber gehört hätte, dass Norweger*innen sich gerne mal vollaufen lassen und dann im Nachhinein erst mal rauszufinden versuchen, wer die andere Person im Bett eigentlich ist und ob man sich da ne Beziehung vorstellen kann. Worauf er sein Herz ausschüttete, wie schrecklich das Dating in New York sei, die Typen wollen alle nur unverpflichtende Situationships, bloß keine Monogamie, und das sei nichts für ihn, er käme aus Frankreich und suche einen Partner, keine Bekanntschaft. Dem schloss sich die Begleiterin an, das sei auch für heterosexuelle Frauen ein Graus in New York, sie habe jetzt aufgegeben, aber sie sei halt auch in Manhattan aufgewachsen und wolle nirgendwo anders hin. Sie hat aber jetzt ein anderes Baby, denn sie hat ihre eigene Praxis eröffnet. Psychologin sei sie, mit Spezialisierung in forensischer Psychologie. Und ja, sie macht auch viele Besuche im Gefängnis. Währenddessen kam übrigens mein Essen und war ganz einfach himmlisch, ich kann es gar nicht beschreiben, ich glaube man würde auch das Fünffache dafür bezahlen können. Das Risotto war auf den Punkt gegart und hatte genau die richtige Säure, um das Fleisch auszubalancieren. Das Fleisch war butterzart und fiel von selbst vom Knochen ab. Ich hatte sogar ein kleines Gäbelchen, um das Mark aus dem Knochen zu pulen. Ich hätte mich da rein legen können, mich dann da drin wälzen und um mich rum essen können. Das sagte ich auch den gesprächigen New Yorkern, dass sie nicht zu viel versprochen hätten, das sei ungefähr das beste, was ich seit langer Zeit gegessen hätte. Das schien sie sichtlich zu freuen, und wir unterhielten uns noch ein bisschen darüber, wie ich New York fände und dass wirklich nicht alle New Yorker falsch und unmöglich seien, es gäbe auch nette, ganz ehrlich. Das hatte ich ja nie bezweifelt. Es war ein wirklich netter Abend, ich bestellte noch einen Espresso (der ebenfalls ausgezeichnet war) und musste dann aber wirklich auch los zu meinem Konzert. Ich bat um die Rechnung, aber als ich dem Barmann (da hatte ich mich inzwischen dran gewöhnt) einfach meine Kreditkarte geben wollte, wurde mir das von dem gesprächigen Mann verwehrt. Er meinte, er lade mich auf das Essen ein, sie hätten sich so nett mit mir unterhalten und ich solle das als Geschenk von New York, nicht von ihm persönlich, betrachten. Ich solle die Stadt in guter Erinnerung behalten. Ehrlich gesagt war ich so perplex, dass ich kaum schaffte, zu protestieren, und ich musste ja auch dann wirklich gehen und konnte mich überhaupt nicht revanchieren, aber andererseits sagte er ja auch er wolle das gerne so und ich hab ihm ja nichts aufgezwungen. Jedenfalls, so war das. Dann ging ich, total verwirrt ob dieses für mich, äh, sagen wir mal, untypischen Ereignisses, zur Philharmonie.
Dort stellte ich fest, dass ich einen Restricted View Platz hatte.
New York Philharmonic beim Aufwärmen.
Ich konnte etwas mehr als die Hälfte der Bühne sehen. Tatsächlich konnte ich beim ersten Stück – Mozart Concerto für Violine und Viola – nur die Violistin sehen. Es war trotzdem schön. Wenn auch etwas unfair, Viola muss sich sehr anstrengen, um gegen eine Solovioline und ein (sparsam besetztes, aber trotzdem) Orchester anzukommen. Ein bisschen schade ist das schon, ich hätte gern mehr Viola gehört.
Nach dem ersten Stück waren etwas rechts von mir auf dem obersten Ring aber mit besserer Sicht 4 Gäste immer noch nicht gekommen. Also setzte ich mich da hin. Das zweite Stück – Shostakovich Konzert für Piano und Trompete – war… interessant. Ganz anders als Mozart und auch ganz anders als das darauf folgende Konzert für Violine und Cello von Brahms. Es war irgendwie sehr jazzig und warum Solotrompete haben und die dann nur sporadisch mal spielen lassen erschließt sich mir nicht. Der Pianist Igor Levit war der einzige Musiker, der nicht zur Philharmonie gehört, das fand ich auch schön. Insgesamt aber sehr lohnenswert. Nur, note to self: nie mehr da in der Pause Weißwein kaufen. 17$ für einen Plastikbecher mit (zugegebener Maßen leckerem) Weißwein, den man dann quasi exen muss, weil man außer Wasser nichts mit in den Saal nehmen darf. Was ja verständlich ist, aber… 17$!
Ein leicht desorientiertes Selfie. Rechts von mir (im Bild rechts) ist übrigens Juilliard.
Auch die Philharmonie hat sich gelohnt, ich hatte einen tollen Abend. Leider stieg ich danach in die falsche Linie der Subway und musste 15 Minuten extra durch das sehr zentrale downtown Manhattan laufen, um halb elf und über Obdachlose stolpernd. Am Times Square. Da sieht man aber auch Super Mario rumfahren.
Fazit des Tages: New York ist einigermaßen verrückt, auf ganz viele Arten. Und Giardino 54, West 54 Street, hat wirklich ausnehmend gutes Essen. Und guten Espresso.
Jet lag, so schön. Erst steht man um mitten in der Nacht auf, tut den Tag über so, als sei man irgendwie mehr als rein körperlich anwesend, nickt ganz kurz (echt nur ganz ganz kurz) auf dem Sofa ein und dann ist man WACH. Ist ja auch erst halb sieben. Halb acht, wenn man den Worten meines Lieblingskollegen glaubt, der sagt: 1 Stunde pro Tag.
Aber dann kann ich ja erzählen, wie letztes Wochenende war. Ansonsten habe ich ja nur inspiziert, das war für Sie langweilig und für uns vor Ort viel spannender, als wir gedacht hatten. Aber dann war Samstag und wir fuhren nach New York. Es war morgens schon super warm und ich hatte meinen Kram zum Übernachten auf das eingedampft, was in meinen (kleinen) Arbeitsrucksack passt, weil ich den tagsüber rumschleppen musste. Die deutschen Inspektoren wollten sich ja mit „Familie“ treffen, was sich als ein Onkel rausstellte, der vorschlug, eine Hop on, Hop off Bustur zu machen. Das kann ich empfehlen. Wir fuhren erst mal eine Runde durch Downtown Manhattan, bis da hin wo die Fähren nach Ellis Island fahren. Wenn Sie die Freiheitsstatue sehen wollen, lassen Sie das, da hin zu fahren, oder nehmen Sie tatsächlich das Boot. Weil sonst stehen Sie bloß an einem Zaun.
Zaun, mehr Zaun, irgendwann Wasser. Sehr klein die Freiheitsstatue.
Nach einem Kaffee hopten wir wieder on den Bus und machten den Rest der Downtown-Runde. Sehr beeindruckend alles, auch sehr überwältigend. Wenig Fotos, alles nur Hochhäuser. Als wir wieder am Ausgangspunkt waren, wollten die anderen Bier und ich wollte ins Ballett, also trennten sich unsere Wege erst mal. Ich wollte den Uptown-Bus nehmen, aber da war kein Platz mehr frei, also machte ich das un-amerikanischste, was man machen kann und lief knapp 3 Kilometer bis zum Lincoln Center of Performing Arts. In der Mittagshitze, mit meinem Sonnenhut und UV-Jacke an, aber das war immer noch besser als Sonnencremegeschmiere. Ich bin SEHR zufrieden mit dem Kauf von mehr UV-Kleidung. Eigentlich wollte ich mich im Ballett noch umziehen, aber dank schlechtem Orientierungssinn (da hilft auch nicht, dass alles gerade, rechtwinklig und durchnummeriert ist) hatte ich dafür keine Zeit mehr, also erklomm ich den vierten Ring und saß da mit meinem schwitzigen Körper und meinem Übernachtungsrucksack zwischen Omis und Opis und adrett gekleideten Ballettmädchen. Naja. Frischer Schweiß riecht ja (noch) nicht so und unter der UV-Kleidung hatte ich nur Baumwolle an, die stinkt ja auch nicht so schnell.
Das Ballett war GROẞ!
Blick vom Platz, den ich mir leisten konnte.
Aufgeführt wurde „Ein Sommernachtstraum“, also das Stück von Shakespeare mit Musik von Mendelssohn. Es war wirklich ganz wunderbar. Ich konnte erstaunlich gut sehen von meinem Budgetplatz, die Aufführung war toll, lustig und romantisch und die Kinder, die die Elfen und Käfer getanzt haben, waren super niedlich. Das hat sich sehr gelohnt und ich sollte öfter ins Ballett gehen. In der Pause kaufte ich mir Gummibärchen und Cola und bewunderte den Theatersaal weiter.
Danach fuhr ich, mit der Subway, weil ich jetzt entspannt genug für diese Art Abenteuer war, in mein Hotel, mich endlich umziehen. Mein Hotel war direkt am Times Square. Times Square ist mir zu nahezu jeder Zeit viel zu viel, zu laut, zu schrill und zu viele Leute. Sonntag morgens um sieben ging es.
Das Hotel war… stark parfümiert und hellhörig, aber sauber. Ich stöpselte die Klimaanlage aus, weil ich (richtig) vermutete, dass die den Geruch nach Rasierwasser verströmte. Zog mich um, verwarf nach einigem hin und her probieren doch den BH ganz, weil er nicht unterm Kleid unsichtbar werden wollte schmierte stattdessen Cremedeo unter… naja dahin wo Haut auf Haut ist und schrieb den Deutschen, die im gleichen Hotel waren, dass wir uns unten in der Lobby treffen. Spoiler: es gibt mehrere Courtyard by Marriott Hotels am Times Square. Und wir waren nicht im gleichen. Es gab also einige Verwirrung und auch keinen Platz in dem Restaurant, wo wir eigentlich Käsekuchen essen wollten. Mir war das wumpe, ich fand alleine mit mir Essen gehen eh verlockender.
(Jetzt kickt das Melatonin. Ich schreibe morgen weiter. Gute Nacht!)