Tag 3459 – Aderlass.

Heute morgen war ich endlich mal wieder zur Blutprobe. Mein Stoffwechsel (also die Thyroxindosis) soll ja eigentlich alle 6 Monate kontrolliert werden. Das letzte Mal war im Februar, hrmhrm. Ehrlich gesagt würde ich gerne Geld dafür bezahlen, wenn das so liefe wie bei meinem Zahnarzt: der schickt mir einfach jedes Jahr nen Termin. Wenn mir der nicht passt, muss ich ihn verschieben. Wenn ich kann, tauche ich einfach zu diesem Termin auf und halte optimaler Weise danach für ca. 11 Monate nichts mehr, bis ich die nächste SMS mit einem Termin bekomme. Aber so ist es nicht, und ich kann da auch nicht einfach auflaufen und sagen „Bitte einmal Blut abnehmen“, sondern ich muss da innerhalb der Telefonzeiten anrufen und dafür einen Termin machen und das fällt mir schwer. Und dann „vergesse“ ich das. Also ich mache es einfach nicht, ich weiß sehr wohl, dass ich das machen müsste. Aber die Telefonzeiten sind auch doof und immer so viel zu tun und [tausend weitere Ausreden denken]. Es spielt auch rein, dass die Kontrolle an sich doof ist. Nicht wegen der Blutabnahme, die geht klar (zweimal im Jahr ist ja nichts gegen die Anfänge des Morbus Basedow, da war Kontrolle alle zwei Wochen. Da habe ich perfektioniert, beim Stechen schon Voraussagen zu können, wie schlimm der Erguss wird. Da habe ich auch angefangen, denen bewusst oft den linken Arm hinzuhalten, obwohl die Blutabnahme rechts einfacher ist, aber rechts fing es schon an, ziemlich vernarbt zu werden). Aber weil ich vor der Blutabnahme kein Thyroxin nehmen kann (verfälscht die Resultate, hab ich auch schon mal versehentlich verifiziert, dass es tatsächlich so ist). Auch das ist nicht schlimm, einen Tag auslassen merkt man nicht, wenn man sonst sehr konsequent mit der Einnahme ist, schon mal gar nicht an dem Tag selbst. Das Problem ist, dass ich laut Packungsbeilage 30 Minuten, laut Patient*innenorganisationen eine Stunde, nach der Einnahme auch keinen Kaffee trinken soll. Ich warte eine Stunde. Am wichtigsten ist, dass man es immer gleich macht und nicht mal so und mal so, das gibt dann schwankende Kurven, das will man nicht. Anyway, mein Morgen sah also statt wie üblich

  • Tablette im Halbschlaf nehmen, sobald der erste Wecker klingelt
  • Dösen bis zum zweiten Wecker
  • Langsam aufstehen, Zähne putzen, fertig machen, entweder selbst Kaffee machen oder von Herr Rabe einen gemacht bekommen und Punkt 1 Stunde nach der Tablette Kaffee trinken

folgendermaßen aus:

  • Schlecht schlafen, weil morgens ja was anders sein würde, an das ich mich UNBEDINGT erinnern muss
  • Beim Wecker (Einzahl) auf dem Nachttisch rumwühlen und dann mich erinnern, dass ich ja die Tablette nicht nehmen darf
  • Im Bett rumschlunzen, während Herr Rabe sich Kaffee macht
  • Traurig Wasser trinken beim fertig machen
  • Um 9 der Arzttermin. Um 09:15 Blutabnahme, um 09:16 die Tablette intus
  • Alles und alle hassen bis 10:16
  • Herr Rabe anfauchen, weil er mich um 10 anspricht
  • Um 10:16 den von Herrn Rabe zur Beschwichtigung gemachten Kaffee in einem Zug halb leer trinken
  • Ab 10:30 signifikant bessere Laune.

Ich fürchte, ich bin recht abhängig von dieser Morgentasse Kaffe. Immerhin trinke ich nur noch 2 Tassen Gläser an normalen Tagen. Aber dieser eine am Morgen, um in die Gänge zu kommen, der ist wirklich essentiell.

Aber immerhin hab ich jetzt 11 6 Monate Ruhe.

Tag 3457 und 3458 – Irrational stolz.

Den Arbeitstag vergessen wir einfach komplett, der war doof. Alle bekloppt bei der Arbeit.

Aber danach war ich beim Ballett, und da habe ich das beste Kompliment ever bekommen. Wir haben ja eine Vertretung, weil unsere eigentliche Lehrerin ein ganz kleines Baby hat. Und die Vertretung sagte letzte Woche schon, wir hätten sehr hohes Niveau (für eine Erwachsenengruppe), das war ein bisschen süß, weil sie meinte, sie sei „positiv überrascht“. Als wären wir so Omas (und ich hab schon einige Omas beim Ballett gesehen, da schlackert so manch einer mit den Ohren). Heute meinte sie aber zu mir direkt, ich hätte sehr gutes Turnout und dann noch „du machst das schon dein ganzes Leben, hmm?“. Und ich finde, für einmal die Woche Ballett, das ich mit 22 angefangen habe, ist das sehr beachtlich. Und gerade am Tournout habe ich wirklich viel gearbeitet, weil ich da nicht viel von Natur aus von habe. Ich muss da viel drauf achten und ständig korrigieren, sonst macht meine Hüfte, was sie will. Seit einiger Zeit arbeite ich auch an meiner Fußgelenkkraft, für ein höheres, hübscheres und stabileres Releve (bestimmt mit Accents überall). Für den Tag, wo das wer lobt, sollte ich mir schon mal eine angemessene Belohnung ausdenken.

Hach. Das war fast so schön, wie als eine neue beim Ballett zu mir gesagt hat, das sähe so schön und leicht bei mir aus. Schön, wenn es nach außen hin leicht aussieht, während ich mich ca. so leicht wie eine Seekuh fühle.

Ich bin sehr stolz darauf. Gutes Tournout! Ha!

Man ist nicht zu alt.

Tag 3456 – Eltern gehen aus.

Lustige Zahl heute.

Herr Rabe schleppte neulich via den Schlagzeuger seiner Band eine norwegische Punkrockband an, die ein richtig fettes Brett Musik macht und dazu… hauptsächlich Quatschtexte, zum Beispiel wie sie ewig lang Bolognesesauce (oder so?) kochen und sich dabei so richtig geil und fein vorkommen, wenn das da ewig rumköchelt und sie immer mal ein Stückchen Butter reintun. Herr Rabe wollte mit besagtem Schlagzeuger heute auf ein Konzert gehen, jaja, sagte ich damals, also letztes Jahr noch, das ist ja ewig her. Ich frotzelte noch, dass ich ja mitkommen könnte.

Heute entschied ich mich recht spontan dazu, tatsächlich mitzukommen. Ich mag solche Musik wirklich gerne, und wen juckt’s, wenn ich keinen einzigen Text kenne, das ist ja kein Karaokewettbewerb. Pippi übernachtete bei einer Freundin, Michel ist gerne mal einen Abend alleine zu Hause.

Der Schlagzeuger plus ein Haufen Kumpels wollte gerne auf der Galerie sitzen, also saßen wir da erst mal.

Auf alles vorbereitet, deshalb auch Kontaktlinsen statt Brille.

Naja also da so sitzen, das ist ganz nett, aber nicht so ganz die hundertprozentige Konzertexperience für mich. Die Ränge dort füllten sich zwar noch mit Gästelistenbesuchenden (die alle aussahen, als wären sie die Familien den Bandmitglieder, also so Mutter, Vater, Tante, Onkel, Cousine Tina und ihr Typ), die ein bisschen fehl am Platz wirkten und auch der Rest der Galerie füllte sich komplett. Aber unten war alles voll. Irgendwie leicht verlockend, um ehrlich zu sein.

Die Voracts fingen recht pünktlich um 8 an, und waren… was soll man sagen… irgendwie Troll-mäßig ausgewählt? Denn es war erst ein HipHop-DJ, der amerikanischen HipHop auflegte, und dann ein Comedian, der mit wem aus dem Publikum ein Bier exte. Sehr seltsame Geschichte. Aber um etwa neun Uhr ging es endlich los mit: Aktiv Dödshjelp. Übersetzt: Aktive Sterbehilfe. Da hatten wir auch echt lange genug auf dem Hintern gesessen.

Wie man sieht, eine 4-Bassisten-Band*.

Und es war super. Es war laut (ein Hoch auf die Ohropax-Musik-Ohrstöpsel), es war schnell, es war Quatsch und Gegröle und die Licht-Show war auch echt super. Es gab sogar Pyrotechnik und alles! Wir reden hier von einer Band, die grade mal ein (1) Album draußen hat. Der Saal war voll, die Laune gut und es stimmte alles. Nach vier oder fünf Liedern gingen Herr Rabe und ich runter und kämpften uns ein Stück nach vorne.

Da wurde getanzt, weiter vorne auch gepogt, und die ganze Stimmung war super. Sogar die paar rotzevollen Typen, die es einfach immer gibt, waren friedlich und niedlich.

Die Band spielte eineinhalb Stunden etwa, was beim durchschnittlichen Energielevel der Songs wirklich beachtlich lange ist. Es gab auch kaum Labermoderationspausen, wie bei den Ärzten. Lieder wurden kaum angesagt. Einfach Zack, nächstes, weiter geht’s.

Es war rundum richtig gut. Nur hinterher 45 Minuten an der Garderobe anstehen, das war nicht so cool.

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*natürlich nicht 4 Bassisten. Das ist ein Insider.

Tag 3453 und 3454 – Ganze Arbeit.

Gestern bin ich am Schnee gescheitert. Das kann schon mal passieren, sagten alle, aber irre peinlich ist mir das trotzdem gewesen.

Ich dachte nämlich, ich käme da hoch.

Hoppla, unscharf. Aber man sieht, dass es eine Kurve einen Hügel rauf ist. Relativ steil. Geräumt, aber nicht gestreut.

Ich kam nicht hoch. Oben ist Pippis Schlagzeugunterricht. Ich ließ Pippi raus, damit sie die letzten 50 Meter läuft und wollte dann halt rückwärts den Hügel wieder runter und unten parken.

Das… ging irgendwo schief. Ich weiß nicht, ob ich mich verlenkt habe oder ob das Lenken einfach nichts gebracht hat, aber am Ende saß ich hinten im Schneehaufen fest und vorne drehten die Reifen einfach durch.

Es folgten unrühmliche 30 Minuten. Sehr unrühmliche. Ich wusste nicht, was ich machen sollte und entschied mich für hilfloses Heulen. Immer wenn ich aus dem Auto stieg, legte ich mich auf die Fresse, weil es so glatt war. Ich rief Herrn Rabe an, der aber ja auch nichts machen konnte. Zwei Frauen versuchten, mich aus dem Schneehaufen zu schieben. Eine hatte auch Kies irgendwo aufgetrieben, den wir unter die Reifen schaufelten, aber auch das half alles nur mittel viel, am Ende stand ich zwar nicht mehr quer (wie zwischenzeitlich auch mal), sondern halbwegs am Rand, aber trotzdem komplett fest im Schnee. Am Ende rief ich den Abschleppdienst an.

Das sieht so wild gar nicht aus. War es aber.

Es war dann, als der Abschleppdienst da war, eine Sache von vielleicht 5 Minuten. Mit der Seilwinde zog er mich aus dem Schnee und dann war auch alles schon erledigt.

Rechnung kommt dann demnächst. Und die Zacken, die mir da aus der Krone gebrochen sind, kriegt man auch mit Sekundenkleber nicht mal eben wieder fest.

Warum erzähle ich das: damit Sie nicht denken, ich wäre irgendein Supermensch, dem nie so richtig doofe und vermeidbare Fehler passieren. Damit Sie, falls sie mal im Schnee feststecken, daran denken können, dass Sie nicht allein sind. Und damit ich eine Erinnerung habe, dass wir eventuell doch über Winterreifen mit Spikes nachdenken sollten.

Heute war verhältnismäßig ereignislos (Arbeit, Sport, endlich Haare geschnitten, aber so wie immer), aber gestern war ich danach einfach ziemlich gar.

Tag 3450 – 2024 im Hause Rabe.

So war 2024. Es passierte viel und wenig, wie das eben so ist, bei normalen Leuten.

Ganz am Anfang des Jahres hatte Herr Rabe ein Konzert mit seiner neuen Band. Und es war Mega! Es folgten noch zwei weitere Konzerte dieses Jahr, eins davon sogar ein bezahlter Gig auf dem Dorffest. Herr Rabes Band ist sehr gut, und das sage ich nicht einfach so daher.

Wir waren nahezu erstaunlich wenig krank, aber im Januar fuhr ich auf eine Inspektion in einem Tal mitten im Nichts, vier Stunden Autofahrt und am zweiten Tag erwachte ich eigentlich zu krank für alles. Ich hoffte, dass meine Kollegin irgendwie übernehmen könnte, sodass ich maximal dekorativ rumsitzen müsste, traf sie aber beim Frühstück käsebleich an, sie hatte Migräne. Ich sag’s mal so: wir haben das durchgezogen und auch das irgendwie geschafft. Der Hersteller hat wenige Monate später seine Herstellerlaubnis zurückgezogen, aber das hatte mit der Inspektion selbst nicht zu tun.

Im März, zu meinem Geburtstag, zogen nach ein paar Wochen freudiger Erwartung Greg und Monty bei uns ein. Zunächst in einem mit einer Trennwand (wie wir dachten) geteilten Terrarium. Das funktionierte nicht, also baute ich so etwa über Ostern und an einem zweiten Terrarium herum. Mit den Wechselwarmen lief es holprig an, mit Futterverweigerung, schlechter Häutung und allem, was das Schlangenhalterinnendasein so zu bieten hat (bis auf Krankheiten und Parasiten, klopf auf Holz), aber irgendwann platzten alle diese Knoten und jetzt läuft alles sehr rund und wir erfreuen uns an zwei sehr ruhigen Mitbewohnenden in sehr hübschen Terrarien.

Im April und Mai wurde ich schnell noch auf sehr viele Kurse geschickt, damit mein Fortbildungsplan etwas hübscher aussieht. Die Kurse waren auch gut. Brüssel ist trotzdem keine sehr hübsche Stadt. Ich mag aber, nahezu wider Erwarten, mit anderen Inspekteur*innen zusammenkommen. Der Weirdo-Anteil ist da sehr hoch.

Parallel dazu lief im Frühjahr auch die Autismusdiagnostik und die führte Anfang Juni auch zu einer Diagnose. An der Stelle war ich davon nicht mehr überrascht. Trotzdem fühlt es sich sehr validierend an, das so bestätigt zu bekommen, dass ich mir das nicht alles nur einbilde oder halt ein soziales Weichei bin. Mir hilft es auch sehr, in entsprechenden Communities zu sein, wo alle weirdos der einen oder anderen Sorte sind. Gemeinsam ist man halt weniger allein. Niemand möchte sich wirklich dauerhaft wie ein Alien fühlen (glaube ich).

Vorm Sommer war ich noch schnell bei einer richtig schlimmen Inspektion, bei der ich spätestens beim abschließenden Meeting den noch sehr jungen Lead Inspector am liebsten ganz mütterlich auf den Schoß genommen hätte. Es ist sehr seltsam für mich, plötzlich auf mehrere Arten die Senior zu sein. Ich bin doch sonst immer die jüngste!

Um meine Chefin zu ärgern, färbte ich mir ebenfalls im Frühjahr (vielleicht auch Ostern?) die Haare mal wieder lila.

Meine Kolleg*Innen streikten für die Möglichkeit, einen eigenen Tarifvertrag für Akademiker im Staat zu behalten. Ich musste am Ende nicht streiken, hatte aber bei der Arbeit und zu Hause Meltdowns, weil ich das nicht zeitnah erfuhr, sondern ganze eineinhalb Tage vor der geplanten Inspektion, die dann so schlimm wurde. Es war unerträglich für mich, nicht zu wissen, ob ich reisen darf oder nicht. Übrigens ein „lustiger“ Fakt dazu: wir sind immer noch nicht mit der Tarifrunde durch, wir verhandeln um einen gesamten Topf von 2,7% (auch hier war die Inflation wesentlich höher als das), eventuelle Gehaltsanpassungen bekommen wir frühestens im Februar ausbezahlt und das wird schon knapp. Ich fühle mich ein bisschen verarscht von dem Ganzen.

Direkt vor und während der Streik-Sache hielt ich noch mal eben nen zweitägigen Kurs für qualified persons. War alles ein bisschen viel, vorsichtig ausgedrückt.

Michel hatte im ersten halben Jahr von 2024 immer mehr eskalierende Probleme mit seiner neuen Klassenlehrerin, die er zur 6. Klasse bekommen hatte. Die war dann irgendwann auch bis zu den Sommerferien krank geschrieben. Die Probleme bestanden wohl doch nicht nur mit Michel. Allerdings muss man dazu sagen, dass es seit den Sommerferien besser ist. Michel reißt sich mehr zusammen, die Lehrerin hat aber auch wohl an sich gearbeitet. Die Wogen haben sich etwas geglättet.

Die Sommerferien begannen wie üblich mit Ferienkursen, erst war Pippi auf einem Tanzkurs, dann waren beide Kinder beim Korpskurs. Beide Kinder finden diese Korpskurse richtig gut. Da sind auch viele Kinder, die so ein bisschen extra sind, da passen Pippi und Michel ausgesprochen gut rein, auf ihre individuellen Arten.

Ebenfalls Anfang der Sommerferien stieg ich seit langer Zeit mal wieder auf die Waage (ich hatte beim Ballett im Spiegel Dinge gesehen, die mir nicht gefielen) und mich traf offen gestanden fast der Schlag. Da war eine 8 vorne. Am nächsten Tag begann ich ein Trainingsprogramm, das ich seither eisern durchgezogen habe (soweit es ging. In Indien war das wirklich schwer und manchmal ging es halt nicht). An mindestens 6 von 7 Tagen die Woche mache ich jetzt Sport, entweder das Fitnessblender-Programm, oder Ballett, oder Klettern, oder Schwimmen, oder Burlesque, oder laufen. Das hat sehr viele positive Effekte, nicht nur ist die 8 weg (ich glaube, die war eh nur ein ungünstiger Tag), ich habe tatsächlich etwa 5 kg Gewicht abgenommen, optisch eher so 8 kg, ich habe wesentlich mehr Muskeln und bin auch stärker und ich bin vor allem viel ausgeglichener. Ich mag meinen Körper im Spiegel wieder mehr angucken, auch in Unterwäsche. Die Winkeärmchen sind weg, der Hintern ist wieder straffer, der Bauch ist je nach Zyklusphase jetzt dann auch mal wieder richtig flach (wenn auch weich, waren ja auch zwei mal Babys drin, ne?). Ich habe keine Diät gemacht, nur wesentlich mehr Sport. Die Waage, die auch das angeblich beurteilen kann, sagt, ich habe jetzt normal viel Fett an meinem Körper und viele Muskeln. Statt wie Anfang Juli viel Fett und normal viele Muskeln. Bei all dem ist mein BMI immer noch im Übergewichtsbereich, was ich einigermaßen lächerlich finde. Wenn mir wer mit Übergewicht kommt, zerquetsche ich di*en einfach mit meinen super starken Oberschenkeln.

Apropos Gewicht: nachdem Michel im Mai oder so beschloss, kein Ritalin mehr nehmen zu wollen, ist Essen kein Dauerthema mehr und er hat zugenommen. Jetzt ist er nur noch dünn, nicht besorgniserregend dürr.

Ja, Burlesque. Als die Kinder beim Korps-Sommerkurs waren, waren wir beim Burlesque-Bingo und danach meldete ich mich für den Kurs an. Aber vorher waren wir noch…

… Sommerurlaub in Bielefeld machen. Das war super schön. Sehr entspannt für alle in einer Ferienwohnung. Wir trafen viele, aber nicht zu viele, Leute und sahen Bielefeld mal als Touristen. Hach.

Nach dem Urlaub ging es direkt rund. Pippi bekam Fische und die starben erstmal dauernd. Michel fuhr auf Klassenfahrt und fand es gut. Mein Burlesque-Kurs ging los und ich fand ihn gut. Pippi bekam endlich einen richtigen Trommellehrer und findet das nach wie vor gut. Dann war ich auf einigen anstrengenden Inspektionen inklusive einer, bei der ich die ganze Zeit unter Beobachtung durch einen französischen Inspektor stand. Ich war auf einem 20-Jahre-Abi-Treffen. Meine Mutter war zu Besuch. Ich war in Bergen beim Mensa-Landstreff. Ich hielt einen Vortrag bei einem Reinraumseminar (das ist, weil ich mich ja so super gut mit Reinräumen auskenne, ne? Hahaha). Ich färbte meine Haare blau. Ich reiste nach Indien, auf eine irre anstrengende Inspektion. Zum ersten Mal verschlief ich SO RICHTIG auf einer Inspektionsreise. Kein Wunder, wenn man bis Mitternacht arbeitet. Die Inspektion lief für die Firma katastrophal, aber wir pflanzten trotzdem hinterher einen Baum dort. Den „düngen“ sie jetzt wahrscheinlich mit Aceton oder so.

Insgesamt war August bis Dezember ein einziger Brei aus zu viel, ehrlich gesagt. Es lief für mich beruflich gut, das ist das einzig positive. Der Preis dafür war aber hoch.

Privat hatte ich irgendwann ab Mitte November SEHR VIEL mit der Burlesque-Show zu tun und Mitte Dezember strippte ich das erste mal vor einem johlenden Publikum. Ich habe auch die Choreografie ganz selbst gemacht, darauf bin ich mindestens ebenso stolz. Das war absolut alle Mühe wert. Das nächste mal fange ich nur früher an.

Zwischen Sport und Burlesque und der vielen, vielen Arbeit habe ich leider weniger Geige gespielt, als ich mir wünschen würde. Vielleicht kann ich das wieder ein bisschen drehen, ich spiele ja gerne Geige.

Zwischen den Jahren tauschten die Kinder die Zimmer und ich stellte fest, dass mein Zyklus inzwischen ziemlich out of whack ist, dieses Jahr hatte ich Zyklen zwischen 24 und 35 Tagen Länge, das ist für einige normal, für mich aber nicht.

Insgesamt ein so ganz okayes Jahr, würde ich sagen. Viele gute Dinge, aber in der Grundstimmung zu viel von allem. Vieles von dem will ich aber ja auch gerne machen, es ist also Klagen über selbst zugeführten Schmerz.

Man sollte solche Artikel vielleicht nicht auf „Schmerz“ beenden. Insofern: auf ein neues Jahr, es bringt Veränderungen im Hause Rabe mit sich. Michel wechselt die Schule, Pippi wechselt die Lehrerin, Herr Rabe wird die magischen 42 Jahre alt, ich werde endlich erwachsen 40. Das kann ja eigentlich nur gut werden alles.

Tag 3449 – Kurzmeldungen.

  • Ich bin wieder unter den Lebenden. Nach einer gar nicht mal so guten Nacht wachte ich nassgeschwitzt auf, hatte aber keine Schmerzen mehr. Seit Mittag ca. fühle ich mich auch, bis auf Schmerzen im Arm, wieder normal. Das mache ich dann also in zwei Monaten nochmal, Hurra. Noch so ein Grund, Kinder gegen Windpocken impfen zu lassen.
  • Hier sind -18 Grad draußen. Das ist sehr kalt. Gestern hatten wir obendrein Sturm (mit rumfliegenden Mülltonnen) und für Montag ist Schneechaos vorhergesagt. Auch das alles: Hurra.
  • Die zweite Staffel von Squid Game endet mit dem fiesesten Cliffhanger aller Zeiten. Es ist eine Schweinerei. Ich bin empört! Monster. Ich hätte die dritte Staffel eh geguckt, auch ohne diesen Cliffhanger.
  • Greg hat Hunger. Ich warte darauf, dass Monty fertig mit Häuten wird, aber armes Greg klebt schon an der Scheibe, wenn ich abends den Raum betrete. Nun ja. In der Natur kommt auch nicht exakt jeden 10. Tag ne perfekt passend große Ratte vorbeispaziert, ne? Aber ich nehme an, wenn Greg was dazu sagen könnte, wäre es: Ich bin empört!

Tag 3447 und 3448 – Wenn man Mützen braucht.

Heute, also jetzt grade, fühle ich mich wie mit der Dampfwalze überrollt. Die Dampfwalze setzte nochmal zurück und fuhr noch mal drüber. Die Dampfwalze heißt Gürtelroseimpfung. Ich schätze mal, Gürtelrose ist wesentlich schlimmer, aber ein Spaß ist das hier grade echt nicht. Hänge also vorm Fernseher rum, frierend trotz Wärmekissen und Tee und versuche, nicht auf die Gliederschmerzen zu fokussieren. Ist gar nicht so einfach. Vielleicht lege ich mich einfach zu Monty ins Häuschen. Monty häutet sich und rührt sich deshalb nicht vom Fleck.

Gestern habe ich Mützen genäht. Für alle, hier die von den Kindern (Michel hat sich diese Tarnfarbe sehr gewünscht).

Ich witzelte ein bisschen rum, dass ich so eine Mütze jetzt wohl auch brauche, ich habe nämlich am Mittwoch meine Haare erst blondiert und dann Flamingo Pink getönt. Völlig vergessend, dass wir Pippi versprochen hatten, ins Schwimmbad zu gehen. Resultat:

Ich weiß jetzt generell nicht, ob pink echt meine Farbe ist, tendiere zu nein. Aber mit diesen lustig entfärbten Längen ist es irgendwie lustig. Alle Teile von Haaren, die vorher schon mal blondiert waren, sind halt im Schwimmbad entfärbt worden. Warum auch immer, beziehungsweise eher: warum auch immer der Rest nicht.

(Und ja, die Haare sind sehr tot und müssen dringend geschnitten werden.)