Tag 3520 – Noch mehr Gejammer.

Heute habe ich den ganzen Tag durchgehangen. Ein verschenkter Tag.

Hier ist auch nur Streit, keine besonders tolle Stimmung. Kinder tanzen uns auf der Nase rum und wundern sich dann, dass es ab und an ne Ansage deshalb gibt. Wahrscheinlich sind die Ansagen noch viel zu selten.

Michels Hausaufgaben wundern mich ebenfalls immer mehr. Warum muss er in der siebten Klasse Seitenweise Multiplikationsaufgaben aus dem kleinen Einmaleins lösen? Er sagt selbst, das seien Drittklässleraufgaben. Das ist absurd langweilig und auch frustrierend, wenn man immer nur umblättert und dann kommt noch so eine Seite. Und noch eine. Und noch eine. Ich sehe ja eh den Sinn von Hausaufgaben nicht unbedingt, aber das hat lange jeden mit viel gutem Willen zu findenden Restsinn verloren. Reines Mengentraining, in wirklich großen Mengen, aber dafür auf nem Niveau, das Pippi wahrscheinlich unterfordern würde.

Und darüber streiten wir dann halt auch noch.

Tag 3519 – Mehr Gejammer.

Die zweite Gürtelroseimpfung ist drin und ich will wirklich keinen von Impfungen abhalten, deshalb sage ich lieber nur: tatsächlich Gürtelrose haben ist wesentlich schlimmer. Ich hatte noch keine, aber ich kenne mehrere Leute, die eine hatten und es hat ja auch Gründe, warum das hier „Höllenfeuer“ heißt. Disclaimer: dass ich in meinem Alter die Impfung schon bekommen habe, ist eine Kombination aus meinem Unwissen, dass die für meine Altersklasse gar nicht zugelassen ist, zum Zeitpunkt als ich um das Rezept bat (inzwischen weiß ich das sehr wohl) und meinem Hausarzt, der da sein freies Verschreibungsrecht ausgeübt hat.

Weil es noch ganz gut ging, als wir losfuhren, war ich trotzdem mit Herrn Rabe und Pippi im Kino, in Wicked. Das ist ein sehr toller Film, den man sich gut angucken kann. Es sind auch entspannend wenige Männer in dem Film. Wenn man Musicalfilme nicht mag, ist er aber trotzdem nichts.

Danach wollte ich mich allerdings nach Hause ins Bett beamen, das wurde ein langes Warten auf den Zug und dann eine lange Zugfahrt.

Die Arbeitssache hängt mir noch nach. Kurz gesagt hat das Werk beschlossen, dass die Arbeit von 3/4 seiner Angestellten, darunter auch uns, unwichtig ist. Und außerdem haben wir kein Geld. Man kann sich denken, was das für diese 3/4 von uns dann bedeutet. Kein Geld für Nix, wer aufhört wird nicht ersetzt, wir müssen (wieder mal) alle unsere Aufgaben risikoeinschätzen und dann wird geguckt, was man sein lassen kann. Das wird auch gesetzlich vorgeschriebene Aufgaben (wie Inspektionen) betreffen. Es erinnert ein bisschen an Musks Montags-e-mails. 5 Gründe, warum ich meinen Job behalten sollte. Gestern fiel mir schwer, fünf oder auch nur drei Gründe zu finden, warum ich meinen Job behalten WOLLEN sollte. Speziell, nachdem die Person, die uns diese „frohe“ Botschaft, dass gekürzt wird, was gekürzt werden kann, überbracht hat, sich nicht entblödete, am Ende zu sagen, dass das doch eigentlich eine gute Nachricht sei. Weil wir jetzt dabei sein können, was neues aufzubauen. Was spannendes! (Tut mir leid, ich finde Krisenbereitschaft überhaupt nicht spannend. Das einzige, was daran „spannend“ ist, ist dass damit bei uns Leute arbeiten, die keine Ahnung haben, wie die Pharma-Industrie funktioniert und wie so ne Fabrik eigentlich von innen aussieht. Das ist „spannend“ im Sinne einer „fetzigen“ Frisur.)

Komme mir vom Werk derbe veräppelt vor zur Zeit. Und überhaupt nicht wertgeschätzt. Neuer Titel hin oder her, am Ende sind sie nur dran interessiert, dass ich mich für sie weiter verheizen lasse, mit möglichst wenig Aufwand von ihrer Seite.

Tag 3516 – 3518 – Gejammer.

Seit nunmehr fast zwei Wochen habe ich ein komisches Gefühl slash Geräusch im rechten Ohr. Das nervt. Sonst tut es nichts. Es tut nicht weh, ich höre normal. Es nervt einfach nur. Ich gehöre zu den Menschen, die irgendwas mit ihrem Hals (???) machen können um ein Geräusch im Ohr zu erzeugen, wie ein kurzes wummern. Ich dachte immer, das sei völlig normal und was, das alle können und auch ständig machen. Stellt sich raus: nein, das können wohl gar nicht alle. Jedenfalls ist dieses Geräusch jetzt rechts sehr viel lauter und „ploppt“ danach noch eine ganze Weile weiter. Es ist ein bisschen wie konstant Wasser im Ohr. Das , wie gesagt, nervt. Ich ging davon aus, dass es irgendwie Dreck/Ohrenschmalz ist, und mal durchgespült werden müsste, also rief ich den Hausarzt an. Dort bekam ich auch recht fix einen Termin, aber bei einem „Turnuslege“, einer Art Arzt im Praktikum.

Ich war also beim Arzt und der Turnuslege war nett. Aber auch noch komplett grün. Vielleicht war ich die erste Patientin, die er alleine anschauen durfte. Er war ganz zittrig und musste mehrmals mit zwei verschiedenen Ohrguckdingsen in beide Ohren gucken und „hmmhmmhmm“ machen. Dann musste er einen Erwachsenen einen der anderen Ärzte fragen. Währenddessen wurde bei mir ein CRP-Test gemacht, um auf Entzündungen zu checken. Da kam raus: keine Entzündung. Irgendwann kam der Turnuslege zurück und hatte weiterhin keine definitive Idee, außer dass meine Ohren eigentlich normal aussehen. Also hatte er beschlossen, dass ich eine Belüftungsstörung haben muss und verschrieb Schleimhautabschwellende Tabletten. Und dann stellte er das erste Rezept seines Lebens aus (das hat er so gesagt und sich dann auch sehr gefreut, als es durchging). Jetzt nehme ich diese Tabletten seit ein paar Tagen und… Es ist gar nichts passiert. Bisher. Vielleicht kommt die große Erleuchtung noch.

(Jedes Mal wenn ich gähne, ploppt es danach auch ewig weiter. NERV!)

Gestriges Gejammer wegen Sport. Das war so anstrengend.

Heutiges Gejammer wäre wegen Arbeit. Aber das ist jetzt zu spät. Es gab auch einen Feueralarm im Büro, da besteht ganz ehrlich kein Zusammenhang, denn ich WOLLTE zwar alles anzünden, aber habe das nicht in die Tat umgesetzt.

Jetzt Bett wegen zu-spät. Morgen ist die zweite Dosis des Gürtelrose-Impfstoffs, da muss ich (für meine Verhältnisse) früh aufstehen.

Tag 3515 – Kunst.

Die Kinder hatten heute Korpskonzert, das war echt gut. Die Ansammlung eher spezieller Kinder ist ja immer sehr unterhaltsam und man muss auch nur bei den allerkleinsten ein bisschen atmen und sich in einen schalldichten Raum meditieren. Pippi durfte heute zum ersten Mal Pauke spielen. Ich glaube, sie ist in diesem Schlag-zeug/werk-ding für ihr Alter echt gut. Sie war auch sehr stolz. Und dann hat sie noch gesungen, ganz alleine, und das super gemacht. Ich bin sehr stolz. Michel hat ein stark von John Cages 4‘33 inspiriertes, selbst komponiertes Stück aufgeführt und mit seiner Klassenkameradin etwa 5 Minuten sehr intensiv ins Publikum gestarrt. Der Quatschkopf.

Wahrscheinlich bin ich eigentlich nur sehr müde, aber ich friere mir grad furchtbar den Hintern ab. Auch schon seit über einer Stunde und die Kinder haben alle meine Wärmekissen gemopst. Das ist recht ungünstig, aber ich gehe jetzt auch brav gleich ins Bett, dann ist es morgen bestimmt besser. Als Bonus probiere ich meine neue Schlafbrille aus, die ich gestern auspacken durfte. Ich werde dann jetzt zur Pro-Schläferin, ich werde so erfolgreich schlafen, da kann sich der Rest der Welt aber mal umgucken!

Ansonsten war Konacar heute zur „AU/HU“, oder „EU-Kontrolle“ wie sie hier heißt. Überraschenderweise stößt sie weiterhin keinerlei Gase aus. Ist das nicht schön. Jetzt dürfen wir erst mal wieder 2 Jahre damit rumfahren, stets in der Hoffnjng, dass ihr nicht doch plötzlich so ein Verbrennungsmotor wächst.

Tag 3514 – Groß!

Ich habe heute die beste Familie und die besten Kolleg*innen gehabt. Und die besten Bloglesenden auch und die besten online-Freunde ebenfalls.

Nur erwachsen bin ich bisher nicht geworden.

Morgens gab es Geschenke und Kuchen von der Familie. Dann gab es einen vergessenen Turnbeutel zur letzten Stunde Schwimmen dieses Schuljahr und Drama und dann hab ich wegen des Turnbeutels den Zug verpasst.

Bei der Arbeit erwartete mich das. Bekloppte Kolleg*innen.

Dann gab es noch mehr Kuchen und Blumen und Geschenke und sehr sehr liebe Worte von den Kolleg*innen und Chefinnen und, hach.

Das meiste vom Rest vom Tag war wunderbar Routine. Auch das: Hach. Man muss es ja nicht gleich übertreiben mit der Feierei und was hilft besser gegen fünf Stücke Kuchen am Tag als eine Stunde Ballett?

Geschenke!

Meine Chefin (und der Lieblingskollege auch) hat hervorgehoben, dass ich ja immer so farbenfroh sei. Weiß gar nicht, was sie meint.

Meerschweinchen sind ja wohl total seriös. Vor allem Meerschweinchen mit Schleifchen.

Gegenbeweis, ich kann auch schwarz-weiß-hellrosa.

Haare haben jetzt die Farbe Bubblegum, muss dringend mal wieder färben. Aber ist auch eigentlich ganz cool so.

Tag 3512 und 3513 – Erwachsen.

Von gestern auf heute waren die Kinder bei einem Korpsseminar mit Übernachtung und Herr Rabe und ich hatten deshalb kinderfrei. Ich hätte auch gut den Tag auf dem Sofa verbringen können, aber es begab sich, dass unser Freund R. auch Familienfrei hatte und gerne was gutes Essen und danach noch etwas trinken gehen wollte. Also machten wir das. R. kennt sich, im Gegensatz zu uns, in Oslos Restaurants echt gut aus und wir landeten, weil das erste Restaurant bereits komplett voll war und wir sicher 45 Minuten hätten warten müssen, bei Hrímnir Ramen. Auch da mussten wir warten und es war alles doll hipstermäßig mit nur drei Gerichten (natürlich alles Ramen) auf der Karte, aber es war wirklich lecker. Danach gingen wir in eine Art Kneipe, so richtige Kneipen-Kneipen gibt es hier ja nicht, aber es sah immerhin aus wie eine. Da gab es überraschend gute Cocktails zu schwindelerregenden Preisen und überraschend wenige Biere. Aber, also wenn Sie mal da sind, in der Kneipe unterm Nedre Foss Gård (Kronen-irgendwas?): den deutschen Barkeeper nach Hubba Bubba fragen. Das ist ein Cocktail mit Gin, Rhabarbersirup, Blutorange und Dingens und ist echt lecker. Steht aber nicht auf der Karte. Fruchtig und säuerlich. Nehmen Sie auch viel Geld mit. Wir hatten über unseren Getränken sehr nette Gespräche und sind gegen viertel nach neun, wie so Eltern eben, nach Hause gegangen. Es war ein wirklich schöner Abend unter Erwachsenen.

Heute war ein bisschen Kuchen backen und ähnliche Aktivitäten angesagt. Morgen (denn morgen ist erst, wenn man geschlafen hat!) werde ich endlich erwachsen. Bestimmt jedenfalls. Ich erwarte, dass sich das Erwachsensein morgens auf mich herabsenkt und dann irgendeine magische Sache passiert, die Innen- und Außenleben vereint und ich mich nicht mehr fühle wie eine 25-Jährige, die seriöse Inspekteurin und Mutter von halbwüchsigen Kindern spielt.

Für mitlesende Familie: ich bin erreichbar vor neun, zwischen 16 und 17:50, zwischen 18:30 und 19:15 und nach 21 Uhr. Also nur für den Fall der Fälle, ne? No pressure.

Tag 3507 – Fertig.

Jesus, was ein langer Tag. Inspizier, inspizier, kein, nada, null, Tageslicht gesehen. Bis auf für Klo nicht mal den Meetingraum verlassen. Ächz.

Morgen den ganzen Tag plant tour, anders anstrengend.

Ich bin schon sehr zufrieden mit mir, dass ich abends im Hotelzimmer noch ein kleines Workout eingeschoben habe. Wider dem körperlichem Verfall. Leider habe ich auch gar nicht mal so gut geschlafen, ich hatte irgendwie Angst, zu verschlafen und war deshalb dauernd wach. Blöd.

Tag 3506 – 200 km nach Süden.

Bin gut im Hotel angekommen und freue mich auf Schlafen. Das Bett ist bequem und die Decke warm, das Reisekissen ist bezogen, die Schlafmaske bereit, die Ohrenstöpsel sitzen. Alle möglichen Wecker sind gestellt.

Eine Woche hier. Könnte sehr viel Arbeit und ansonsten sehr langweilig werden. Die Langeweile setzt schon ein. Aber ich habe ein Buch dabei, das ich jetzt lesen werde, bis die Matratze und die warme Decke ihren endgültigen Effekt haben.