Tag 3375 – Stunning Business Woman on the go.

Heute habe ich einen Vortrag über Reinräume gehalten. Ahahahaha. Leute kommen auf Symposien wo wiederum andere Leute mich (tatsächlich direkt, parallel aber auch meine Chefin ob es generell ein GMP inspektør machen könnte) anfragen, ob ich was über Reinräume erzählen könnte. Annex 1, dies das. Also frickel ich in letzter Minute und in einer halben Nachtschicht Folien zusammen (aber hübsche. Und mit gifs. Millennial darf das ja auch mal raushängen lassen) weil ich mir, bis es wirklich blau brennt, bei sowas leider selber massiv im Weg stehe —- dann fahre ich das Wochenende über weg, mache ganz wildes anderes Zeug und vergesse, was auf den Folien steht —- und stelle mich hin und eröffne Reinraumsymposien. Überziehe ein wenig meine Redezeit, sehe super aus, wirke entspannt, professionell und gut vorbereitet und kriege viel Lob hinterher. Netzwerke, dass meine Chefin wahrscheinlich aus allen Wolken fallen würde, weil ich das doch gar nicht kann. Haha.

Ehrlich: ich hab keine Ahnung, wie das passiert ist, und wer diese Person ist, die sich da hinstellt und einstündige Vorträge über (insert Fluch des Unglaubens) Reinräume hält. Es ist jedenfalls definitiv eine komplett andere Person als die, die vor sechseinhalb Jahren ihre Doktorarbeit verteidigt hat und deshalb kurz vorm Kammerflimmern war. Es ist auch eine andere Person, die vor zweieinhalb Jahren ihren ersten (Webinar-)Vortrag über Arbeitsdinge halten musste und deren Pulsuhr warnte, dass irgendwas nicht in Ordnung ist, wenn der Puls im Sitzen so hoch geht. Irgendwas ist passiert, und richtig viel Übung ist es nicht. Vielleicht macht es der Blazer, der ist neu und wirklich schick, ich fühle mich wirklich wie eine Vorträge haltende Power-Person damit. Oder es ist der Mittwochs-Kurs, der Geigenunterricht und die ständige Exposition da, das Singen im Chor am Wochenende, das älter werden generell oder die Erfahrung, dass man bei allen vorherigen malen auch nie tatsächlich gestorben ist. Wahrscheinlich ist es von allem was. Aber überraschen tut es mich trotzdem.

(Huh, schlechtes Deutsch. Das ist nur, damit Sie nicht denken, ich sei jetzt rundum professionell geworden.)

Tag 3374 – Back to normal.

Naja. Geht so normal, wir haben Geburtstag gefeiert bei der Arbeit, das machen wir ja nicht so oft. Es gibt bei uns Regeln, was wie groß gefeiert wird. Jaja. Wir sind ja beim Staat, da sind solche Dinge durchreguliert.

Apropos Regeln und beim Staat: ich habe heute die Bestätigung bekommen, das ich Recht(TM) habe. Wenn im Tarifvertrag 180 Stunden stehen, sind damit 180 Stunden gemeint und nicht 24 Tage. Auch wenn 180 Stunden 24 Durchschnittsarbeitstagen entsprechen. Unsere Buchhaltung war da nicht mit mir einig und war irgendwann dann auch, vorsichtig ausgedrückt, unverschämt mir gegenüber. Aber wenn man mir doof mit „Du hast dich vertan und deshalb werde ich da jetzt auch keine Zeit mehr rein stecken“ kommt, setze ich stumpf Chefinnen in CC und kontaktiere Rechtsberatung und so weiter und jetzt habe ich eine Aussage von einem Departement (das die übergeordnete Arbeitgeberverantwortung für alle Staatsangestellten hat), dass ich Recht(TM) habe und 180 Stunden 180 Stunden sind. Damit weiß ich dann jetzt auch: ein selbigem Departement unterstellter Etat, der unsere SAP-Arbeitszeiterfassung verwaltet, hat halt Mist gemacht und den Tarifvertrag nicht richtig implementiert. Und wer hat’s entdeckt?* Ha. Ja. Yours truly. Ich fände ja, die Buchhaltung könnte sich bei mir entschuldigen, aber ich fürchte eher, jetzt kriege ich erst recht jede einzelne Reisekostenabrechnung in Retour wegen irgendwelcher Formfehler. Aber das sagt dann eben auch sehr viel über sie und nicht über mich.

Wegen der Geschichte bin ich letzten Mittwoch übrigens vor Wut schäumend nach nur einer Dreiviertelstunde wieder aus dem Büro abgehauen. Das wäre nicht gut gewesen, mit der Buchhaltung im selben Gebäude zu sein.

___

*Ernsthaft! Das hatte einfach noch niemand entdeckt, seit fast zwei Jahren und bei ich weiß nicht wie vielen tausend Staatsangestellten die das potentiell betrifft. Meine Gewerkschaft hat beim Departement nachgefragt.

Tag 3367 und 3368 – Es passiert einfach nichts.

Routine, und das ist ja auch mal sehr schön.

Gestern Büro, abends Ballett. Büro war den ganzen Tag Meetings und ein etwas seltsames Personalgespräch. Aber das möchte ich hier nicht ausführen. Dass es seltsam war muss reichen. Vielleicht darf ich auf nen Kurs in den USA, da würde ich vermutlich nicht nein zu sagen. Ballett war gut. Habe mich ein bisschen geärgert, dass meine Uhr mir kein Training anrechnet, wenn ich nicht konstant mit dem Arm wedele. An der Stange wedelt man nicht, aber das ist dadurch nicht weniger anstrengend. Blöde Uhr.

Heute Homeoffice, komplett lächerlich unproduktiv. Deshalb fahre ich morgen ins Büro um den externen Druck zu maximieren und dann bin ich ja erst abends nach zehn zu Hause (der Kurs geht bis 21 Uhr, Routine) und deshalb habe ich heute dann auch schon fürs Wochenende gepackt. Ich fahre zum Landestreffen des 2%-Clubs, das wird sehr aufregend. Aber deshalb muss ich auch morgen WIRKLICH meine Präsentation fertig bekommen, die ich Dienstag halte, weil ich Donnerstag und Freitag dann frei habe und Montag wieder nur Meetings sind. Und Ballett natürlich. Routine.

Tag 3362 – So lala, so lala.

Aus Gründen, die ich hier nicht kundtun kann, weil dann Personen, die einen kack Job machen, identifiziert werden könnten, war mein Arbeitstag in weiten Strecken scheiße. Mein Lieblingskollege weiß jetzt dann auch, dass ich nicht aus Stein bin, sondern ein Mensch mit Gefühlen, die hin und wieder mal raus kommen. Er ist dann lieb, auch wenn er nicht so ganz damit umgehen kann. Ich hatte heute, ebenfalls aus Gründen, echt viele Gefühle.

Beim Kurs waren auch Gefühle. Nicht bei mir, sondern bei der Kursleiterin. Zwei Freundinnen von ihr sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen und das hat sie (total verständlicher Weise) sehr mitgenommen. Weil sie aber unbedingt den Kurs machen wollte, haben wir das gemacht (auch wenn wirklich alle gesagt haben, es sei kein Problem, heute ausfallen zu lassen). Und dann war es sehr lustig und ein bisschen emotional, alles durcheinander.

Insgesamt ein sehr durchwachsener Tag.

Tag 3354 – Ein paar Tage frei.

Yeah, Herr Rabe und ich haben den Rest der Woche frei. Für mich war das heute mit einem Endspurt verbunden, der vor allem daraus bestand, noch schnell 194 Änderungswünsche ins IT-Projekt einzutöckeln. Das muss ja alles immer nach Schema F ausgiebigst aufgeschrieben werden, für besonders dumme Dummies, deshalb dauert das selbst für die simpelsten Dinge („mach mit Dings exakt das gleiche wie du schon mit Bumms machst“) ewig.

Ansonsten war hier nur ein bisschen Mädchendrama. Neunjährige sind so lala groß und da kann es sich erst mal ganz toll anhören, bei der Freundin zu übernachten, aber ist dann doch ein bisschen viel, wenn es erst mal spät und die Gefühle groß sind.

Dass endlich neue und weitere Fische im Aquarium eingezogen sind, ist da ein kleiner Trost, aber echt nur ein kleiner. Viele kleine Tröste, eigentlich. Babyfisch geht es auch gut, und das Wasser ist endlich, endlich optimal. Das Nitrat und Nitrit ist endlich unten, Wasserhärte ist gut, alles gut. Hoffentlich überleben die neuen Fische länger. Erste Feststellung: Guppys sind, gemessen an Platys, total hektisch. (Vor allem Babyfisch. Der ist mega hektisch und flitzt nur rum. Aber der hat auch echt Mühe, gegen den Pumpenstrom anzukommen, der ist ja noch Miniklein.)

Hatte ich von Babyfisch eigentlich erzählt? Ich glaube nicht. Babyfisch ist neulich einfach im Aquarium entstanden, dabei war ich sicher, dass wir keine Männchen mehr haben. Das kam etwas überraschend, in dem Aquarium mit immer noch schlechten Wasserwerten und in dem dauernd Guppys starben, erwartete ich alles, nur keinen Nachwuchs.

Tag 3348 – Müdes piep.

Dass halt auch noch dauernd alles schief geht, macht meine Woche nicht einfacher. Gestern war in der Bahnhaltestelle Feueralarm, alle mussten raus, unter Sirenengeheul. Heute war auf der Strecke wo ich lang muss Signalstörung und ich habe dann aus lauter Verzweiflung ein Taxi genommen. Wunderschön, das ganze.

Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, hab ich gestern Abend meiner Chefin eine patzige Antwort auf eine behämmerte Mail geschrieben. Leider versehentlich mit Reply to all. Die Mail war (auch wenn es dafür gar keinen Grund gab, das zu tun) an so ungefähr alle im Haus geschickt worden. Tjanun, bin ich jetzt also die patzige Idiotin, die keine Mailprogramme bedienen kann. Cool.

Tag 3346 und 3347 – Es tut mir ja leid.

Ich bin im Inspektionstunnel. Inspizieren und dabei inspiziert werden ist nochmal anders seltsam und auch anstrengend, wobei es heute weniger schlimm war als gestern. Gestern musste ich dem französischen Inspektor Rede und Antwort stehen und zwar geschlagene drei Stunden lang. Das war wie ein Kreuzverhör. Danach war ich komplett Pudding, ganz haarscharf kurz vorm Meltdown und aggressiv wie ein angepisster Terrier. Dagegen war heute quasi Urlaub, da haben wir nämlich was gemacht, was ich kann, nämlich inspiziert. Gut, der französische Inspektor atmete mir dabei quasi die ganze Zeit in den Nacken, aber was will man machen.

Ich denke, es läuft schon so ganz ok. Das wird schon gehen. Irgendwie. Auch noch den Rest der Woche. Aber ich fühle jetzt wesentlich mehr mit den armen Opfern Objekten unserer Inspektionen.

Tag 3342 – Alle bekloppt.

Wegen nächster Woche rennen alle so dermaßen schreiend im Kreis, dass ich inmitten dieses Hühnerhaufens total tiefenentspannt wirke. Jetzt hat eine Kollegin sich auch noch im Urlaub COVID geholt, was natürlich echt ungünstig ist, aber das ist zufällig eine von zweien, die nächste Woche nicht direkt involviert sind in den Wahnsinn (sonst hätte sie diese Woche auch keinen Urlaub bekommen). Ich sehe das pragmatisch und denke, besser diese als nächste Woche und gehe mich morgen impfen lassen, zur Sicherheit und zur Gewissensberuhigung, ich fahre das Wochenende über ja weg.

Was bin ich froh, wenn die nächste Woche rum ist. Ehrlich.

Tag 3332 und 3333 – Schnaps!

Es passiert irgendwie hauptsächlich Arbeit, was soll man da Bloggen. Heute echt nur Arbeit, gestern abends immerhin noch Ballett. Das war, obwohl ich wirklich keinerlei Lust hatte und den ganzen Tag schon Kopfschmerzen mit mir rumgeschleppt hatte, wieder super. Ich mag die Vertretungslehrerin, die ist sehr unnorwegisch und macht auch auf Fehler und Unsauberkeiten aufmerksam, die lässt kein Schummeln durchgehen. Und sein wir mal ehrlich – man sieht die eigenen Fehler dann eben doch nicht genauso gut und korrigiert auch nicht so konsequent.

Spät abends habe ich, gestern und auch heute, Geige gespielt. Selbes Thema, der Geigenlehrer hat mir Etüden (arschlangweilige) zum Üben von Artikulation gegeben. Weil mein Bogen gerne mal macht was er will. Vorwiegend will er wischiwaschi rumschrubben oder (seltener) unkontrolliert hopsen. Dass sich alles irgendwie gleich anhört und ich wenig Kontrolle über Akzente habe nervt und bremst mich schon länger. Also muss ich es üben, konsequent, und der Lehrer lässt mir da auch nichts durchgehen. Aber von mindestens der einen Etüde werde ich sicher träumen, das macht nur minimalen Spaß, immer wieder die selbe halbe Seite mit Sechzehnteln zu spielen, nur mit verschiedenen Rhythmen, Stricharten und Akzenten. Als Nebeneffekt einer anderen Etüde voller Akzente lerne ich auch noch Aufstrich-Stakkato, davor habe ich mich bisher auch erfolgreich gedrückt. Von nichts kommt halt nichts.

Tag 3325 – Einfach schw…arbeiten.

Nun ja, ich bin ja doch zur Arbeit gefahren, habe da drölfzig Meetings gehabt und bin dann wieder nach Hause. Morgens vorher hab ich noch einen Blazer zur Reinigung gebracht (eine Tätigkeit, bei der ich mich immer unfassbar erwachsen fühle) und nachmittags nach der Arbeit habe ich mein Piercing im Ohr (Rook) wieder einsetzen lassen (eine Tätigkeit, bei der ich mich immer wie so eine flippige Jugendliche fühle).

Abends war endlich wieder Ballett, das war toll, obwohl oder vielleicht weil unsere Lehrerin eine Schwangerschaftsvertretung hat. Die zieht nämlich ein ganz gutes Tempo durch, das Hirn und Körper fordert. Hach Hach.

Fun fact: jede Menge Kraft- und Konditionstraining hilft auch beim besser Tanzen, ich muss nur echt dran denken, vorher die tägliche Magnesiumtablette* zu nehmen, sonst gibt’s Wadenkrämpfe. Aber die Körpermitte und die Fußgelenke sind jetzt wesentlich stabiler, springen geht länger ohne röchelnd zusammenzubrechen** und ganz davon ab ist es auch viel angenehmer, wenn man seinen Körper im Spiegel auch angucken mag und beim Springen nicht irgendwelche Ex-Muskeln*** unkontrolliert herum-boingsen.

___

*Hilft vor allem bei besserem Schlaf und etwas besser zu managenden PMDS-Symptomen, nehme ich schon sehr lange

**Achtung TMI: der Beckenboden leider trotzdem so „hahaha, ham wa wieder Tränen gelacht, ne?“

***Das ist was, was mir früher nicht so klar war, aber eigentlich logisch ist: wenn man mal viel Muskelmasse hatte und die dann nicht mehr so viel benutzt, lösen sich die Muskeln nicht einfach auf oder werden schlagartig zu Fett, die werden einfach schlapp und unbrauchbar. Selbst wenn man sie anspannt, sind sie irgendwann, also so nach 3-4 Jahren nur seltener sportlicher Benutzung, zwar noch da, aber etwa so stark und definiert wie ein nasses Handtuch. Und diese Masse an Muskelfasern macht dann so Sachen wie Winkeärmchen, „dicke“ Knie und nen „dicken“ Hintern. Und bei Bewegung bewegt sich das auch alles unkontrolliert mit. Schwabbeln trifft es nicht so ganz, es ist eher so ein gummiartiges Hüpfen. Und ich mag es ganz und gar nicht an mir. (Generell möchte ich nicht, dass mein Körper sich einfach so, ohne dass ich das angestrengt habe, verändert, ich finde das inakzeptabel vom Körper, pfui, böser Körper!)